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Ausnahmsweise beginne ich dieses Kapitel mit einer Geschichte, die 1997 ihren Anfang in den USA nahm.

Mittlerweile sind diese rätselhaften Todesfälle über den großen Teich nach Großbritannien und Frankreich übergeschwappt, sodass es vielleicht nur noch mehr eine Frage der Zeit ist, bis wir auch in Deutschland mit derartigen Todesfällen konfrontiert werden.

Eine Vielzahl von jungen Männern wird dann vielleicht aus Nebenarmen und Kanälen von Flüssen wie der Elbe, dem Rhein, dem Main, der Donau oder auch aus Seen wie dem Starnberger See, dem Bodensee oder dem Chiemsee geborgen werden, denen man Ertrinken durch Unfall oder Selbstmord attestiert, weil sie am Abend zuvor zu viel Alkohol und Drogen zu sich genommen haben.

England bezeichnet ihren Smiley Face Killer als „The Pusher“, der verstärkt in der Gegend um Manchester aktiv ist, während die Franzosen sich ängstlich fragen, ob sie es auch mit der französischen Ausgabe eines Smiley Face Killers zu tun haben, der möglicherweise dort seit 2010 sein Unwesen treibt.

Ihr seid also vorgewarnt, liebe Jungs und Männer.

Im Norden der USA entlang der Interstate 90und 94 in der Umgebung der Großen Seen und an der Grenze von Kanada sind seit 1997 junge Männer zwischen 19 und 36 Jahren auf mysteriöse Weise spurlos verschwunden. Manchmal tauchten ihre Leichen Tage und Wochen, aber auch erst Monate und sogar Jahre später auf. Einige wurden bis heute nicht mehr gefunden.

Auffällig ist, dass sich diese Vermisstenfälle gehäuft zwischen den Monaten September und April ereigneten. Das Muster ist dabei immer das gleiche: Gesunde, gut gebaute Männer, in der Vielzahl sportlich sehr aktiv, gehen eines Abends mit Freunden oder Verwandten aus, werden irgendwie von ihrer Gruppe getrennt und verschwinden dann ohne, dass sie jemals wieder lebend gesehen wurden.

Später werden sie dann in einem nahegelegenen See, Fluss, Bach, Wasserreservoir, Teich, Kanal, Wassergraben etc. aufgefunden; meistens mitten im Winter und voll bekleidet. Als Todesursache wird immer wieder „Ertrinken durch Unfall oder Selbstmord“ angegeben. In den meisten Fällen nimmt man an, dass diese jungen Männer betrunken die Orientierung verloren haben und deswegen ins Wasser gefallen sind. In dem einen oder anderen Fall mag das sicherlich auch zutreffen, aber mittlerweile wurden bis zum heutigen Tag mehr als 400 Männer auf diese Weise aufgefunden, und die Serie der Ertrinkungsfälle reißt nicht ab.

In Wisconsin, La Crosse häuften sich die Todesfälle auffällig, worunter u.a. auch der Fall des 21-jährigen Studenten Jared Dion aus dem Jahr 2004 fällt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt mehrten sich die Gerüchte darüber, dass im Norden Amerikas ein Serienkiller oder eine Gang aus Serienkiller ihr Unwesen treiben, und es wurde nicht ausgeschlossen, dass möglicherweise auch die Polizei darin verwickelt ist, weswegen man von deren Seite die diese rätselhaften Todesfälle als profane Unfälle oder Selbstmorde deklarieren würde, um die Akten schnell zu schließen.

Weil die Unruhe und Gerüchteküche unter den Studenten in La Crosse nicht aufhören wollten, sahen sich Universitätsprofessoren und Vorstandmitglieder der jeweiligen Psychologischen und Soziologischen Abteilungen bemüßigt, Stellung darüber zu beziehen, warum diese Fälle nicht mit Morden zu tun haben können.

Ihre Theorie zum Phänomen der ertrunkenen Männer untermauerten sie mit folgenden fünf Feststellungen:

  1. Die Studenten trinken eben zu viel und können sich in diesem Zustand selbst nicht mehr unter Kontrolle halten, weswegen sie dann irgendwo einen Fluss, Bach oder See aufsuchen, um sich abzukühlen und wieder frisch im Kopf zu werden. Dabei kommt es dann zu diesen Unfällen. Gerade in den kalten Herbst- und Wintertagen kommt es dann sehr schnell zum Schockzustand mit Unterkühlung, Desorientierung und darauffolgender Bewusstlosigkeit, was schließlich zum Ertrinkungstod führt.
  2. Der Grund, warum dem nur Männer zum Opfer fallen, liegt eben an dem übermäßigen Alkoholgenuss, der zu tollkühnen Taten anspornt, was man bei Frauen nicht beobachten kann, weil sie im alkoholisierten Zustand nicht alleine in der Nacht herumwandern – ganz besonders nicht, wenn sie sich gerade auf einer Party befinden.
  3. Jährliche Statistiken belegen, dass Männer 10 x mehr durch Unfälle infolge von Wasseraktivitäten sterben als Frauen. In vielen solchen Fällen spielt dabei fast immer Alkohol und Drogen eine Rolle.
  4. Im Gegensatz zu anderen Universitäten wie Madison liegt die Wisconsin Universität La Crosse direkt am Fluss, der plötzlich und unerwartet sehr tief geht und schnell fließend ist, was die Gefahr noch zusätzlich erhöht, dort den Boden unter den Füßen zu verlieren, mit der Strömung mitgerissen zu werden und schließlich zu ertrinken.
  5. Die Ähnlichkeiten zwischen den Opfern sind illusorisch, was ganz leicht damit erklärt werden kann, dass man andere qualifizierende Faktoren der einzelnen Todesfälle nicht berücksichtigt.

Die illusorischen Ähnlichkeiten wurden wie folgt zusammengefasst:

  1. Die meisten männlichen Opfer waren weiß und zwischen 17 und 27 Jahre alt.
  2. Sie lebten überwiegend in Minnesota, Wisconsin, Michigan, Indiana oder Chicago – alles Städte, die um den Lake Michigan gelegen sind.
  3. Es handelt sich hierbei in den meisten Fällen um Studenten oder Absolventen der Universitäten und Fachhochschulen.
  4. Die meisten Männer galten als hochintelligent.
  5. Sehr viele Männer wiesen eine gute bis sehr gute körperliche Kondition auf oder waren als Athleten, Foot- und Lacrosse-Spieler sportlich aktiv.
  6. Zuletzt wurden sie feiernd und trinkend mit Freunden oder Verwandten auf einer Party gesehen.
  7. Viele befanden sich unter Alkohol-, vereinzelt auch unter nachweisbarem Drogeneinfluss.
  8. Sie wurden von ihren Freunden getrennt, mit denen sie anfangs auf Partys, Privatfeiern oder in Bars gekommen waren.
  9. Alle verschwanden zwischen 22:00 Uhr und 04:00 Uhr morgens.
  10. In der Mehrzahl der Fälle wurden die betroffenen Jungs und Männer von ihren Freundn oder Familien als vermisst gemeldet.
  11. Alle Fälle wurden zunächst mit dem Ergebnis geschlossen, dass es sich infolge eines Unfalls oder Selbstmordes um einen Ertrinkungstod handelte.
  12. Viele von ihnen wurden ertrunken im Kanal, Hafenbecken oder Seitenarme des Mississipis, Red Cadar oder Lake Michigan gefunden.
  13. Sofern die Leichen aufgefunden wurden, wiesen sie laut Autopsieberichten keine außergewöhnlichen Anzeichen von Verletzungen, Strangulation, Schuss- und Stichwunden oder andere offensichtliche Verletzungen durch fremde Hand auf.
  14. Alle verschwanden zwischen den Monaten September und April.

Dem begegneten die Verteter der Unfall- und Selbstmordtheorie damit, dass diese vorgeblichen Ähnlichkeiten nichts Ungewöhnliches darstellen, weil alle Städte an Flüssen und Seen gelegen sind, und sich viele Studenten dort aufhalten. Außerdem besteht die überwiegende Bevölkerung des oberen Mittleren Westens aus europäisch stämmigen weißen Amerikanern. Gewöhnlich trinken alle Studenten in Bars und Lokalen der Umgebung. Auch die Zeiten sind in diesem Kontext nichts Ungewöhnliches, weil die meisten zwischen 22:00 Uhr und 04:00 Uhr morgens sowie in den späten Herbst- und Wintermonaten Lokalitäten aufsuchen, um sich zu amüsieren. Gut 30% aller männlichen Studenten passen in dieses Raster. Bezogen auf die La Crosse Universität sind davon 114 Studenten betroffen, von denen wiederum 34 junge Männer jeden Freitagabend sich die Kante geben. Viele gehen danach alleine in die Nacht raus, wenn die Bar zumacht. Andere wiederum torkeln zum Fluss. Zu jeder Zeit fällt mal dann und wann jemand betrunken ins Wasser und ertrinkt im schlimmsten Fall. Oftmals werden die Polizei und Rettungskräfte vor Ort tätig, wenn Studenten betrunken die Orientierung verloren haben und in den Fluss gefallen sind. Die Statistiken zu Rettungsmaßnahmen würden das hinreichend belegen.

Damit konnte man zunächst tatsächlich die aufgekommenen Zweifel und Ängste unter den Studenten zerstreuen; aber als sich die Fälle sowohl unter betrunkenen als auch nüchternen jungen Männern weiter häuften – manchmal verschwanden zwei oder mehr innerhalb der gleichen Zeitspanne an verschiedenen Orten – wurde erneut die Gerüchteküche über eine marodierende Killerbande unter dem Schutz der Polizei entfacht.

In den Jahren 2005 bis 2007 fand man die Leichen der Betroffenen nicht nur in Flüssen wie dem Calumet, Hudson, Charles, Mississippi, Milwaukee, Wabash und Wisconsin, sondern auch in Seen wie Lake Michigan, Lake VaVerne und Lake Mendota, wo auch die Universität Madison liegt. Zudem fand man bei einigen der Leichen ein Smiley Face oder andere verwirrende Botschaften aufgesprüht.

Schließlich machte sich im Jahr 2008 die Reporterin Kristi Piehl zusammen mit ein paar ehemaligen Polizeibeamten auf die Suche nach möglichen Spuren eines Serienmörders, der an der Interstate 90 und 94 sein Unwesen treibt.

Ihre Dokumentation darüber wurde zwar mit einem Emmy ausgezeichnet, gleichzeitig verlor sie aber beim Fernsehkanal KSTP-TV in Minnesota ihren Job, nachdem sich die Story von der Smiley Face Killergang über das ganze Land verbreitet hatte.

Kriminalexperten wurden jedoch mittlerweile ebenfalls hellhörig und begannen auf ihre Weise die Fälle zu analysieren und auszuwerten.

Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass es in der Tat zwischen den Fällen ein bestimmtes Muster gibt, das auf die Ermordung der bis dahin betroffenen Opfer aus der Studentenschaft hinweisen könnte.

So resümierte Dr. Maurice Godwin, ein Kriminalpsychologe: „Die Wahrscheinlichkeit, dass fünf alkoholisierte Studenten unter gleichen Umständen auf ähnlichen oder auch abweichenden Routen wandern und dann an einem Flussufer enden, geht nahezu gegen Null.“

Ein anderer Profiler namens John Kelly vermutete, dass die Studenten zuvor mit irgendwelchen Medikamenten oder Drogen (zum Beispiel Devils Breath, das völlig geruchs- und geschmacklos ist und den Betroffenen zu einer Art willenlosen Zombie verwandelt. Zudem lässt sich diese Droge nicht mehr im Körper nachweisen) ruhiggestellt, anschließend in einer Badewanne oder mobilen Wassertank ertränkt und danach in den Fluss geschmissen wurden.

Der bekannte Pathologe Cyril Wecht kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sich die Opfer hinsichtlich ihrer Statur sehr ähneln würden. Lee Gilbertson, Professor für Strafrecht an der St. Cloud Universität, fügt hinzu, dass die meisten Unfälle mit Todesfolge durch Ertrinken im Sommer bei Sportarten wie Wasserski, Kajak-, Kanu- und Bootsfahren, Schwimmen und weiteren Sportaktivitäten zu verzeichnen sind und nicht im Herbst- oder Winter.

Angesichts dieser Expertenmeinungen mischte sich schließlich auch die Politik durch Senator Sensenbrenner aus Wisconsin sowie den US-Kongressabgeordneten McNulty aus New York ein. Sie forderten das FBI direkt auf, eine formale Untersuchung einzuleiten, ob hier ein oder mehrere Serienmörder in ihren jeweiligen Bundesstaaten am Werk sind.

Der Polizeichef von La Crosse, Edward Kondracki folgerte daraus polemisch: „Ja, es gibt einen Serienmörder, und der ist bekannt. Sein Name ist Alkohol.“

Es folgte eine Diffamierungskampagne gegen die Reporterin Kristi Piehl, und die bis dahin entwickelten Theorien für einen oder mehrere Serienmörder unter dem Namen „Smiley Face Killer“ wurden ins Lächerliche gezogen.

Gleichzeitig wurden aber auch auf Kosten der Steuerzahler umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen in der Nähe von Flüssen, Bächen, Seen und Kanälen vorgenommen. Man errichtete Zäune, ließ Streifenpolizisten an Flüssen patrouillieren, installierte noch mehr Überwachungskameras und startete eine Kampagne gegen die Serienmördertheorie.

Scheinbar normalisierte sich wieder das Leben an den Universitäten und betroffenen Städten.

Der erste bekannte Fall, der dieser Serie von rätselhaften Ertrinkungstode zugerechnet wurde, war der des 21-jährigen Studenten Patrick McNeill, von dem es mittlerweile als gesichert gilt, dass er Opfer eines Verbrechens und nicht eines selbst verschuldeten Unfalls war.

Patrick McNeill studierte an der Fordham Universität von New York und wurde am 07. April 1997 in der Nähe einer Anlegestelle des East River in Brooklyn im Wasser treibend und bereits stark verwest aufgefunden.

Zuletzt wurde Patrick am 16. Februar 1997 in der Bar „Dapper Dog“ in Manhattan gesehen, wo er mit einigen seiner Studentenkameraden ein paar Bier trank. Zu dem damaligen Zeitpunkt war „Dapper Dog“ eine beliebte Studentenkneipe, in der auch regelmäßig Gastbarkeeper aus der Studentenschaft rausgepickt wurden, um das jeweilige Gefolge zum exzessiven Trinken zu animieren. Das Pub war dafür berüchtigt, Alkohol an Minderjähre (in Amerika gilt man erst ab 21 Jahren als erwachsen) auszugeben und die offensichtlich schon stark angetrunkenen Minderjährigen noch weiter zum Trinken aufzustacheln. Diese zahlreichen Verstöße neben angezeigten Ruhestörungen und Lärmbelästigungen wurden auch immer wieder bei dem New York Police Department zur Anzeige gebracht.

Patrick McNeill passte interessanterweise so gar nicht recht in das Bild der saufenden und pöbelnden Studenten rein. Er war für seine Hilfsbereitschaft und sein Engagement in zahlreichen sozialen Einrichtungen und Vereinen bekannt. McNeill hatte sich zusammen mit sieben anderen Kommilitonen auf dem Fordham Campus in der Bronx eine Unterkunft geteilt. Offensichtlich wurde er da schon einigen seiner Zimmergenossen gemobbt. Möglicherweise spielte da eine gehörige Portion Eifersucht auf den gut aussehenden, bei Mädchen und Frauen beliebten und athletisch gebauten Studenten mit.

Er visierte eine berufliche Zukunft beim FBI an.

In den frühen Morgenstunden des 16.02.1997 verabschiedete er sich schließlich von seinen Kameraden, um mit der U-Bahn zu seinem Campus zurückzukehren. Einige Gäste des Dapper Dog beobachteten noch, wie er eine Weile vor der Bar herumhing, um angeblich auf eine Freundin zu warten, die sich noch auf der Toilette befand. Man vermutete, dass es ihm wohl zu lange dauerte, bis die Freundin von ihrem Toilettenbesuch zurückkam, und so machte er sich alleine auf den Weg zur nahegelegenen U-Bahnstation. Das war das letzte Mal, dass man Patrick McNeill lebend gesehen hatte.

Im Zuge der Ermittlungen meldeten sich jedoch noch ein paar andere Augenzeugen, die zu diesem fraglichen Zeitpunkt McNeill auf den Weg zur U-Bahnstation gesehen hatten. Sie beobachteten, wie McNeill auf seinem Weg von der 92. Straße, in der das Pub lag, zur Second Avenue herumtorkelte und gelegentlich hinfiel, bevor er sich wieder aufrappelte und schwankend weiterging. Die Zeugen beschrieben auch einen Wagen, der McNeill seit dem Pub in einem gewissen Abstand zu folgen schien. Zuvor hatte der gleiche Wagen schon in der zweiten Reihe vor dem Pub geparkt. Es erschien ihnen so, als ob der Fahrer mit dem Auto McNeills Weg verdecken wollte. Einigen kam das so verdächtig vor, dass sie sich sogar einen Teil des Autokennzeichens merkten.

Es folgten in den nächsten Tagen und Wochen Suchaktionen, initiiert von McNeills Eltern und Verwandten. Mehr als 10.000 Suchplakate wurden von New York City bis Yonkers angebracht, um das Schicksal ihres Sohnes aufzuklären. In der Zwischenzeit kam es zwischen den McNeills und dem NYPD zu Reibereien, weswegen McNeills Vater seine Verbindungen zu den Republikanern im benachbarten Westchester spielen ließ, um so Druck auf die Polizei aufzubauen. Das veranlasste einige Beamte des NYPD, ihre eigene Meinung zu dem Vermisstenfall McNeill in die Öffentlichkeit zu streuen, insbesondere über seinen Charakter und möglichen Aufenthalt. Diese Meinungen ließen in der Mehrzahl kein gutes Haar an Patrick McNeill. So „offenbarte“ ein Detective zum Beispiel kryptisch, dass McNeill offensichtlich einige Fehler gemacht hatte und er wohl eine gewisse Zeit und Raum bräuchte, um sich über bestimmte Dinge klar zu werden.

Ein anderer meinte, dass er einfach durchgeknallt wäre und sich irgendwo in Queens aufhalten würde. Er wäre bei jeder Party dabei gewesen und hatte einfach keine Lust aufs College.

Die Gerüchte, die von der Polizei selbst in die Öffentlichkeit gestreut wurden, gingen sogar so weit, dass man zum Schluss behauptete, er hätte ein paar Mädchen geschwängert und wäre deswegen vor seinen zahlreichen Verpflichtungen davongelaufen. Selbst mit Andeutungen zur Zugehörigkeit einer okkulten Gruppe sparte man nicht. McNeill soll in seinen Ohren und Zunge Piercings getragen haben. Daneben hätte er auf seinem Unterarm ein keltisches Kreuz tätowiert. Auch das Pub „Dapper Dog“ geriet ins Kreuzfeuer der öffentlichen Untersuchungen, insbesondere, was die Aussagen der Angestellten betraf. Einer von ihnen behauptete, McNeill hätte an der Westside Heroin gespritzt, aber weil er ja jetzt 21 Jahre alt ist, hätte die Polizei nicht dagegen unternehmen können. Daneben gab es auch noch einige andere merkwürdige Zeugenberichte, die McNeill nach seinen Verschwinden noch im März in verschiedenen Stadtteilen von New York gesehen haben wollen. Darunter befand sich auch die Zeugenaussage eines Immobilienmaklers, der gegenüber der Polizei angab, dass eines Tages ein junger Mann, der auf die Beschreibung von McNeill passen würde, in sein Büro total verwirrt und aufgelöst hereingestolpert war. Es sah zerzaust und verwahrlost aus, konnte sich kaum artikulieren und wäre dann wieder aus dem Büro gerannt. Solche und ähnliche Berichte beschäftigten die Polizei noch zusätzlich. Diesen Hinweisen wurde nicht nachgegangen mit der Erklärung, dass man nicht noch zusätzlich mit solchen Zeugenaussagen seine Zeit verschwenden würde, um den ohnehin fruchtlosen Hinweisen nachzugehen.

Als McNeill schließlich am 07. April 1997 etwa 17 Kilometer von der Bar entfernt aufgefunden wurde, trug er nur noch mehr Jeans und Socken. Er trieb auf den Rücken mit dem Gesicht nach oben im Wasser, was völlig untypisch für Ertrunkene ist. Dieser Fall landete schließlich als mögliches Verbrechen auf dem Tisch des ehemaligen NYPD-Polizeibeamten und jetzt als Privatermittler tätigen Kevin Gannon.

Im Zuge der gerichtsmedizinischen Untersuchungen fand man heraus, dass McNeill um seinen Hals vertikale Linien aufwies, die auf eine Art von Umwickelung mit einem Verband, Schnur oder Kordel schließen ließ.

In der Leistengegend fand man Fliegenlarven von einer Stubenfliege, die unmöglich erst im Wasser abgelegt worden waren. Außerdem fehlten die für Wasserleichen typischen Ablösungen von Hauptpartien, sodass man schließlich zu dem Schluss kam, dass McNeill nur ein paar Tage im Wasser gelegen sein konnte.

Anhand der Totenflecke, die sich vor allem auf seiner Vorderseite gebildet hatten, konnte man daraus schlussfolgern, dass McNeill zuerst auf dem Bauch gelegen haben musste, was wiederum im totalen Widerspruch zu seiner Auffindungssituation mit dem Kopf nach oben im Wasser treibend stand. Gannon vermutete, dass McNeill mit einer Droge wie GHB oder Rohypnol außer Gefecht gesetzt wurde. Er veranlasste daraufhin eine umfangreiche Untersuchung zur Identifizierung des verdächtigen Fahrzeugs, das McNeill nach zahlreichen Augenzeugenberichten gefolgt war. Zu seiner Überraschung wurde jedoch sein Anliegen von der NYPD-Führung mit der Begründung abgelehnt, dass diese Fahndung nach dem Fahrzeug 1.200 US Dollar kosten würde, was angesichts der bisher nicht eindeutig verifizierten Todesursache von McNeill ein zu kostspieliger Aufwand darstellt.

Doch den Fall zu lösen, wurde Kevin Gannons Obsession, und so begann er nach seinem Ruhestand privat, weitere Fälle zu untersuchen.

Einer, der sich ihm anschloss, war der Privatdetektiv Chuck Loesch, der im Fall Chris Jenkins seine Ermittlungen aufgenommen hatte.

Am 27.02.2003 wurde die stark verweste Leiche des 21-jährigen Chris Jenkins aus dem Mississippi geborgen.

Jenkins war auf der Carlson Schule für Management und Vizekapitän des University of Minneapolis Lacrosse-Teams. Zuletzt wurde er am 31.10.2002 in der „Lone Tree Bar & Grill“ an der Kreuzung der 5. Straße und Hennepin-Allee-Straße im Stadtzentrum von Minneapolis gesehen.

Sein Leichnam trieb mit dem Rücken im Wasser unter der 3. Alleebrücke nur etwa 1 Kilometer von der Bar am Südufer des Mississippis entfernt.

Wie bei Patrick McNeill beschwerte sich auch die Mutter von Chris Jenkins über die Polizei, die davon ausging, dass sich Jenkins aufgrund von Depressionen selbst umgebracht haben soll.

Es hieß, dass er erst seit zwei Monaten eine neue Freundin hatte, und es vor seinem Verschwinden in der Bar zu einem kleinen Streit wegen ihr gekommen war, in dessen Folge er aus dem Lokal geschmissen wurde ohne noch die Gelegenheit zu bekommen zu haben, seine Brieftasche, Handy und Schlüssel mitzunehmen.

Komisch dabei ist, dass gemäß dem Polizeibericht vom 10.11.2002 ein Türsteher zuvor mit Jenkins neuer Freundin in der Bar geflirtet hatte; dieser Türsteher arbeitete hauptberuflich als Polizist, aber an diesem Tag hatte er frei und verkleidete sich merkwürdigerweise zur Halloweenparty mit wesentlichen Elementen seiner Polizeiuniform. Dieser Polizeibeamte wurde dann noch einmal laut Zeugenaussagen gesehen, wie er nach der Halloween-Party das betreffende Mädchen in seinem Auto heimfuhr, während von Chris Jenkins jegliche Spur fehlte. Chris Jenkins war nach zahlreichen Zeugenaussagen ein sehr fleißiger Student, der die besten Voraussetzungen mit sich brachte, nach vier, und nicht – wie sonst üblich, erst nach 5 ½ Jahren sein Diplom zu bekommen. Er galt als sehr zuverlässig liebenswürdig und familiär. Mit seiner Familie hielt er mindestens einmal am Tag telefonischen Kontakt. Trotz dieser übereinstimmenden Aussagen aus dem Freundes- und Familienkreis lehnte die Polizei eine umfangreiche Suche nach Chris Jenkins ab. Auch nach der Vermisstenanzeige wurde wenig getan, den verdächtigen Spuren nachzugehen. Das veranlasste die Eltern, auf ihre eigene Faust und Kosten die Suche nach ihrem Sohn fortzusetzen. Sie organisierten eine Gruppe von nahezu 100 freiwilligen Helfern und engagierten den Privatdetektiven Chuck Loesch.

Dabei stieß er auf einige Ungereimtheiten hinsichtlich der Polizeiarbeit.

Offiziell behauptete man, dass Jenkins gesehen wurde, wie er in Richtung Hennepin-Allee-Brücke ging. Sie schlussfolgerten daraus, dass sich Jenkins in selbstmörderischer Absicht von der Brücke gestürzt haben musste, und dann von der starken Strömung des Mississippis mitgerissen wurde, wo er schließlich auch im eiskalten Wasser ertrank.

Als sich Chuck Loesch die Bilder von der Überwachungskamera ansah, die vor dem Lokal und anderen kleineren Geschäften in der Straße installiert waren, stellte er fest, dass keine einzige Kamera an diesem Abend Chris Jenkins aufgenommen hatte.

Mit zwei Spürhunden, die er zu unterschiedlichen Zeiten getrennt voneinander einsetzte (der erste Hund kam innerhalb der ersten 6 Tage nach dem Verschwinden von Chris Jenkins zum Einsatz, der zweite etwa drei bis vier Wochen später), verfolgte er Chris Jenkins Spur ab dem Lokal, die ihn schließlich zu einem danebenliegenden Parkhaus führte. Von dort aus mündet die Ausfahrtrampe direkt zur nahegelegenen Autobahn Interstate 94. Beide Hunde konnten hingegen keinerlei Spuren zu der angegebenen Brücke wittern. Im Parkhaus fand er dann auf den Stellplätzen 89 und 90 noch ein paar rote Federn und eine Schnur, die eindeutig von Chris Jenkins Indianerkostüm stammten, das er zum Zeitpunkt seines Verschwindens anhatte.

Als man Jenkins schließlich vier Monate später im Wasser treibend auffand, trug er immer noch sein Indianerkostüm, wobei das Hemd fest in die Hose gesteckt war, die Schuhe fehlten allerdings. Auffällig war, dass seine Arme und Hände vor der Brust verschränkt waren, fast so, als ob er sich gerade in friedvoller Andacht zum Gebet hingelegt hätte. Bei näherer Untersuchung stellte man weiterhin fest, dass Chris Jenkins in seiner Hand ein paar Haare umschlossen hielt, die sich bei weiteren Untersuchungen als seine eigenen Haare herausstellten. Zudem gab es weitere Anzeichen für äußere Verletzungen. Die anschließende Blutuntersuchung ergab, dass Chris entgegen den Zeugenaussagen aus dem Lokal lange nicht so viel getrunken hatte und auf keinen Fall sturzbetrunken gewesen sein konnte. Abgesehen davon wurde die Gegend einschließlich der besagten Brücke, wo man auch den Leichnam von Chris Jenkins aufgefunden hatte, mehrere Mal nach seinem Verschwinden gründlich abgesucht – damals ohne Spuren. Auch das wurde im Polizeibericht vom 10.11.2002 festgehalten.

Trotz dieser Widersprüche weigerte sich die Polizei, daraus ein mögliches Verbrechen abzuleiten und legte den Fall als Unfall schnell zu den Akten.

Als Reaktion auf diesen Vorfall wurden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet, um die aufkommenden Zweifel, die Überlegungen hinsichtlich eines Serienmörders und das Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber der Polizei im Keim zu ersticken.

Die Todesfälle jedoch brachen nicht ab – es folgten Chad, Nathan, Glen, Jeremy, Matthew, Jared, Adam, Dan, Todd, Josh, Jacob, Matt, Lucas, Nicholas, Scott und David.

Und schließlich wurde nach langem Hin und Her auch der Fall Chris Jenkins im Jahr 2006 als Mordfall wieder neu aufgerollt – bisher allerdings ohne weitere konkrete Ermittlungsansätze.

Die Mutter von Chris Jenkins schrieb über diesen Fall ein Buch mit dem Titel „Footprints in Courage“.

Der nächste, der sich in dieses Mysterium einreihte, war der 22 Jahre alte begeisterte Camper Todd Geib.

Er wurde zuletzt am 11. Juni 2005 auf einem Grillfest mit Lagerfeuer in Muskegon County, Michigan gesehen, als er sich von seinen Freunden verabschiedete, um zu seinem in der Nähe aufgestellten Zelt zurückzugehen.

Etwa um kurz nach Mitternacht erhielt einer der Freunde auf seinem Handy einen Anruf von Todd, in dem er panisch reinkeuchte, keine Luft mehr zu bekommen und irgendwo im Feld zu stehen.

Die sofort gestartete Suche nach Todd blieb allerdings erfolglos und am 27. Juni 2005 verkündete die Polizei unter der Hand, dass man Todd zwar nicht gefunden hätte, es aber anonyme Hinweise geben würde, wonach Todd von einem Auto angefahren und irgendwo begraben liegen würde.

Wenige Tage später fand ein Pärchen, das mit seinem Kanu unterwegs war, Todds Leiche im Ovidhall Lake in der Gemeinde Casnovia treibend. Casnovia ist eine ländliche und bewaldete Gegend, die schon zuvor von 1.500 Polizeibeamten, Rettungskräften und freiwilligen Helfern gründlich und mehrfach abgesucht wurde.

Und bevor man überhaupt erst einmal die Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchungen abwartete, deklarierte die Polizei gegenüber der Öffentlichkeit diesen Fall als Ertrinken im See wegen Alkohol.

Damit wollte sich aber die Mutter von Todd Geib nicht abfinden und engagierte ebenfalls eine Privatermittlerin namens Trish DeAngelis.

Zunächst einmal ließ sich DeAngelis den Autopsiebericht aushändigen und überreichte diesen dem Pathologen Dr. Michael Sikirica. Dieser wiederum sicherte sich während eines internationalen Treffens von Gerichtsmedizinern und Todesermittlern durch weitere Expertenmeinungen ab mit dem Ergebnis, dass mehr als 200 Teilnehmer dieser Veranstaltung zum Schluss kamen, Todd Geib war erst zwei bis maximal fünf Tage tot, als man ihn gefunden hatte. Die Frage stellte sich also, wo er sich zum Zeitpunkt seines Verschwindens die ersten zwei Wochen aufgehalten hatte.

Mit diesem Ergebnis wandte sich Trish DeAngelis mit einem Brief, datiert auf den 07.Oktober 2009, an den zuständigen Staatsanwalt von Muskegon County, Tony Tague, um ihm dieses Ergebnis mitzuteilen.

Der Staatsanwalt leitete diesen Brief an die Michigan State Police weiter mit der Bitte, diesen Fall noch einmal neu zu betrachten, doch die Polizei teilte nach drei Monaten der Geib-Familie mit, dass sie nicht beabsichtigen würden, den Fall neu aufzurollen. Es gäbe keine weiterführenden hinreichenden Indizien für ein Verbrechen.

Bis heute versucht die verzweifelte Mutter, erfolglos über Facebook die Behörden dazu zu bewegen, die näheren Todesumstände ihres Sohnes aufzuklären.

Kevin Gannon, der sich mit diesen oben genannten und anderen Fällen seit Jahren intensiv auseinandersetzt, kann auf eine 20-jährige Erfahrung als ehemaliger NYPD-Polizeibeamter zurückblicken.

Er wurde zweimal mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und ging als Sergeant in den Ruhestand.

Während seiner Zeit als Beamter des NYPD war er vor allem auf verschiedene Sicherungstechniken, Ermittlungsarbeit, Polizeimanagement, Katastrophenschutz sowie elektronische Überwachung und Observation spezialisiert. Ihm wurden unter anderem die Aufgabe übertragen, Sicherheitsmaßnahmen für Prominente wie Mutter Teresa, den israelischen Premierminister Barak, den Prinzen Nawaf von Saudi-Arabien, den russischen Präsidenten Wladimir Putin, Fidel Castro, Microsoft-Vorstandsmitglied James Allchin, den ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore sowie den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton auszuarbeiten.

Immer wieder entdeckte Gannon in der Nähe der Leichenfundorte zahlreiche mysteriöse Graffitis und Zeichen an Bäumen, Begrenzungswällen und Wänden. Dabei handelte es sich um Textpassagen aus sonderbaren Film- und Musikstücken (zum Beispiel „You Can´t See What You´re not Looking For – eine Textpassage aus dem Horrorfilm „Scream“, die an einem der Leichenfundorte entdeckt wurde, wobei das o im ersten You ein Smiley darstellte), Smiley-Emoticons oder kryptische Initialen.

So entwickelte er die Theorie der Smiley Face Killergang.

Gannon ist davon überzeugt, dass die Mehrzahl der Männer ermordet und auf geradezu perfide Weise entsorgt wurden. Wasser wäre aus seiner Sicht immer noch das beste Mittel, um offenkundige Beweise wie DNA-Spuren, äußere und innere Verletzungen, Fasern und andere physikalische Spuren buchstäblich wegzuspülen. Zudem wird bei den verwesenden Leichen ebenfalls Ethanol und geringe Mengen an GHB freigesetzt. Das allgemein begrenzte Budget für Todesermittlungen tut sein Übriges, um diese Todesfälle als Morde unerkannt zu lassen.

Am 22. Dezember 2007 verschwand der 21-jährige Student Joshua Szostak von seinem Lokalbesuch in Albany, New York.

Das Bayou Café lag an der North Pearl Straße, wo Joshua mit seinen Freunden fröhlich und ausgelassen ein paar Drinks zu sich nahm. Über den ganzen Abend verteilt hatte er vier Bier getrunken, was man nicht als übermäßigen Alkoholgenuss bis zur Besinnungslosigkeit und Exzess bezeichnen kann.

Gegen Mitternacht brach er zunächst mit einem Freund auf und bahnte sich seinen Weg durch die im Lokal stehende Menge Richtung Ausgang. Von der Überwachungskamera gegenüber dem Lokal wurde aufgezeichnet, wie Joshua zusammen mit seinem Freund auf dem Bürgersteig stand und sich noch kurze Zeit unterhielt. Dann verabschiedete sich der Freund von Joshua und ging seines Weges, während Joshua noch alleine vor dem Lokal stehenblieb. Kurze Zeit später konnte man beobachten, wie Joshua plötzlich seine Klamotten durchwühlte, um möglicherweise einen Gegenstand, wahrscheinlich sein Handy, aus seiner Jackentasche herauszuholen. Immer wieder rauschten mehrere Fahrzeuge vorbei, darunter auch zwei Taxis. Um Joshua gruppierten sich zeitweise ein paar Leute. Soweit schien noch alles normal zu sein, bis Joshua plötzlich nach vorne stolperte und sich in Schmerzen zu winden schien. Er torkelte wieder und versuchte unerwarteter Weise, seinen Mantel aufzureißen. Er schien auf einmal völlig verwirrt zu sein, hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, ging dann langsam von der Bar weg, legte zwischendurch eine kurze Pause ein, um noch einmal an seinem Mantel zu zerren. Dann verschwand er, den Mantel in der Zwischenzeit wieder in Ordnung gebracht, aus dem Kamerabild. Nach Aussagen seiner Freunde hatte Joshua seinen Wagen nur einen oder zwei Blocks entfernt vom Bayou Café geparkt.

Als man Joshuas Leiche im Hudson River entdeckte, wurde auch bekannt, dass man dort bereits auch sein Handy am Boden liegend gefunden hatte. So folgerte man, dass Joshua in dem besorgniserregenden Zustand nicht zu seinem Auto, sondern in entgegengesetzter Richtung zum Fluss etwa 3 Kilometer südlich gegangen war. Das widerspricht aber weiteren Videoaufnahmen, die ihn noch wenige Minuten später an der Kreuzung der North Pearl und State Straße zeigten. Dann verlor sich endgültig seine Spur.

Dafür nahm eine andere Überwachungskamera am Hafen von Albany in der gleichen Nacht etwas anderes auf – irgendjemand stahl ein Auto des Amtes für Umweltschutz, was dort geparkt stand.

Kurz danach wurden der oder die Diebe dabei gefilmt, wie sie mit dem gestohlenen Auto zu einem abgelegenen Ort direkt am Ufer des Hudson Rivers fuhren, wo später auch die Leiche von Joshua gefunden wurde. Er oder sie durchbrachen ein abgeschlossenes Tor, um auf das nicht öffentlich zugängliche Gelände zu fahren. Dort stellte der Dieb das Auto ab und machte sich unerkannt aus dem Staub.

Eigenartigerweise gab die Polizei später an, dass keine weiteren Überwachungskameras auf dem Gelände installiert waren, um zu sehen, wohin der Dieb konkret verschwunden und ob er gegebenenfalls in ein anderes Auto eingestiegen ist.

Jedenfalls ist der Vorfall insofern bemerkenswert, weil aufgrund des Diebstahls kurze Zeit später die ganze Gegend abgesucht und dabei das Handy von Joshua entdeckt wurde.

Deswegen wurde er zu diesem Zeitpunkt bereits als Hauptverdächtiger in diesem Diebstahl aktenkundig gemacht, bevor seine Eltern ihn als vermisst melden konnten.

Still und heimlich wurde allerdings der Verdacht wieder fallengelassen, nachdem sich herausstelle, dass die gesicherten Fingerabdrücke am gestohlenen Wagen nicht von Joshua stammten. An der Behauptung, dass Joshua einfach abgehauen und untergetaucht sei, weil er möglicherweise doch etwa mit dem Diebstahl zu tun haben könnte, wurde aber weiterhin festgehalten, ohne konkret nach ihm zu fahnden.

Am 22.04.2008 fand man schließlich seine Leiche im Hafenbecken.

Trotz all dieser Ungereimtheiten verlor das Albany Police Department keine Zeit, um die Mär zu verbreiten, dass Joshua versehentlich in den Fluss gefallen und dort auch ertrunken sei.

Der Fall wurde noch am selben Tag als Unglücksfall geschlossen.

Doch damit hörten die Kuriositäten in diesem Fall nicht auf.

Der Vater machte sich schließlich Wochen nach Kenntnisnahme der Obduktionsergebnisse selbst auf die Suche nach weiteren Spuren.

Er fuhr noch einmal die ganze Strecke entlang des Flusses vom Lokal bis zum Leichenfundort ab. Dabei entdeckte er auf einem Baum ganz in der Nähe des Leichenfundortes ein Smiley Face aufgesprüht.

Die Polizei beschuldigte später den Vater, dieses Emoticon selbst auf diesen Baum aufgesprüht zu haben, um den Fall künstlich am Kochen zu halten und eine Mordtheorie daraus zu fabrizieren.

Daraufhin wandte sich Joshuas Vater an Kevin Gannon. Der berühmte Fernsehmoderator Larry King brachte dazu auch eine Sondersendung, in der er betroffene Famillien, Kevin Gannon, Cyril Wecht, Anthony Duarte und Candice Delong interviewte. Dabei sprach er mittlerweile von 35 verdächtigen Todesfällen dieser Art in 33 Städten, wobei es sich ohne Ausnahme um Männer unter 30 Jahren handelte.

Am 19.05.2009 fand man den 19-jährigen Studienanfänger Dan Zamlen im Mississippi in der Nähe des Ford-Autowerks.

Er besuchte die Universität von St. Thomas in St. Paul, Minnesota, und wear am 05. April 2009 zusammen mit ein paar Studienkollegen unterwegs.

Auf dem Weg nach Hause rief er noch eine Freundin an. Kurz bevor das Gespräch abrupt beendet wurde, hörte die Freundin am anderen Ende der Leitung plötzlich, wie Dan um Hilfe schrie.

Weil dieser Fall nur einer von vielen in dieser Kette war, sah sich die St. Paul Polizei bemüßigt, einen 400-seitigen Bericht zum Tod von Zamlen zu veröffentlichen, aus dem hervorging, dass der Tod des Studenten als Selbstmord klassifiziert werden muss. Zamlen hätte einen fragwürdigen Lebensstil gepflegt mit homosexuellen Anwandlungen, die er sich selbst nicht eingestehen wollte. Deswegen habe er sich letztendlich umgebracht.

Wie in anderen Fällen zuvor gingen die Eltern auf die Barrikaden. Es wurde wieder auf eigene Faust ermittelt.

Demnach war Dan Zamlen mit einer Gruppe von Kommilitonen in einer Bar in der Stadt von St. Paul. Gegen 02:00 Uhr morgens machte er sich schließlich alleine auf den Heimweg, nachdem es mit einem seiner Kumpels Stress gegeben hatte.

Soweit bekannt, wollte er noch zur Universität von Minnesota gehen, um dort mit betreffender Freundin, die er dann auch angerufen hatte, im kleinen Kreis weiter zu feiern.

Auf dem Weg dorthin telefonierte er deswegen noch mal mit seiner Freundin Anna. Zu diesem Zeitpunkt musste er sich auf dem Mississippi Boulevard bei Saint Claire befunden haben.

Auf dem Campus der Universität ist er jedoch nicht mehr angekommen, denn irgendwo auf der Strecke muss etwas passiert sein, was ihn veranlasste, noch ins Telefon zu schreien „Oh mein Gott, Hilfe!“

Von Dan ist bekannt, dass er Pfadfinder der Eagle Scouts und Sportler war. Er unterrichtete nebenbei Katechismus und war schon vorher in der Kirche als Messdiener tätig gewesen. Zudem war er Diabetiker und trug deswegen zum Zeitpunkt seines Verschwindens am Körper ein automatisches Insulinabgabegerät, das einen lauten Warnton von sich gibt, wenn das verabreichte Insulin zur Neige geht.

Umso größer waren natürlich die Sorgen bei Freunden und Familie. Aus diesem Grund war auch sein Handy mit einem speziellen GPS-Funk ausgestattet, um jederzeit Zamlen im Notfall zur Hilfe kommen zu können.

Anna zum Beispiel führ noch in der Nacht zu der Kreuzung, die Zamlen zuletzt in dem Telefonat genannt hatte, aber sie konnte ihn dort nirgendwo antreffen. Die Polizei hielt es jedoch nicht für notwendig, zumindest die GPS-Signale, die das Handy bis 08:30 Uhr morgens abgab, auszuwerten. Bei den Eltern machten sich langsam auch Zweifel breit, ob die Aussagen von Anna so stimmig sind, denn wann immer sie ihre Story von den letzten Minuten des Telefonats erzählte, kam sie immer mit neuen Versionen rüber, die teilweise im Widerspruch zu ihrer ursprünglichen Geschichte standen. Aufgrund der Hartnäckigkeit der Eltern kamen schließlich acht Spürhunde zum Einsatz, die die Spur von Zamlen aufnehmen sollten. Alle ohne Ausnahme führten nicht zum Fluss, sondern zu einer weiteren Kreuzung, wobei diese Spuren dann abrupt endeten. Auch Hubschrauber mit Wärmebildkameras und Boote, ausgestattet mit Infrarottechnologie und Echoloten, die den Fluss absuchten, konnten keine Leiche im Schlick des Mississippis aufspüren. Unterdessen drehten freiwillige Helfer, Freunde und Verwandte von Dan Zamlen in der Nachbarschaft buchstäblich jeden Grashalm um und klapperten rund 7.000 Haustüren ab, um Anwohner nach dem Verbleib von Zamlen zu befragen.

Als schließlich seine Leiche ein paar Meilen flussabwärts bei den Fordwerken von einem Angestellten im Wasser treibend aufgefunden wurde, entdeckte man auf dem Ford-Schild gesprüht ein Smiley mit Teufelshörnern.

Zuvor fand man einen Football in der Umgebung, in der Zamlen zuerst verschwand, auf dem ebenfalls ein Smiley gezeichnet war.

Zu diesem Zeitpunkt kursierten dann auch auf einmal merkwürdige Gerüchte über Kevin Gannon. Angeblich soll er in zahlreichen Missbrauchsfällen und sexuellen Übergriffen involviert sein, konkrete Anzeigen oder Beschwerden gab es allerdings nicht.

Die Polizei bleibt jedenfalls bis heute dabei, dass sich Dan Zamlen selbst umgebracht hätte, weswegen sie keinerlei Veranlassung sehe, weitere Ermittlungen durchzuführen.

Am 16.03.2010 wurde dann die Leiche des 23-jährigen Gregory Hart am Ufer des Woonasquatucket River entdeckt.

Gregory Hart saß noch am 13.03.2010 mit Bekannten in der Red Room Bar in Providence, Rhode Island zusammen.
Er hatte gerade die Diplomabschlussprüfung an der Universität von Massachusetts in Dedham bestanden. Um 01.30 Uhr morgens verließ er schließlich die Bar und verschwand zunächst spurlos.

Zu dieser Zeit hatte das Providence Police Department mit einem anderen Skandal, der sogenannten „Operation Deception“ zu kämpfen, nachdem bekannt wurde, dass sechs Polizeibeamte in einen Kokainring involviert waren.
Außerdem wurden einige Ermittlungsbeamte wegen Misshandlung und körperliche Übergriffe gegen einen in Handschellen gefesselten Mann angeklagt. Videoaufnahmen belegten, wie sie auf den bereits wehrlosen Mann mit einer Taschenlampe einprügelten.
Und ausgerechnet diese Polizeiinspektion verkündete nach Auffinden des Leichnams von Gregory Hart, dass keinerlei Anzeichen von äußerer Gewalt sichtbar seien; es wäre ein klarer Fall von Ertrinken infolge seines Alkoholrausches. Das stand aus Sicht der Familienmitglieder und Freunde, die Gregory Hart auch im Fluss treibend aufgefunden hatten, klar im Widerspruch zu dem, was sie vor Ort gesehen hatten.
Gregory wies schwere Gesichtsverletzungen auf, um die Augenhöhlen zeichneten sich kräftige Blutergüsse ab, seine Kleidung war zerrissen und an seinen Fingerknöcheln und Kinn zeigten sich Schnitte und Abschürfungen. Erschwerend kam hinzu, dass just die Inhaberin der Red Room Bar mit einem Polizisten des Providence Police Department verheiratet war. Und die Stelle, an der Gregory angeblich ins Wasser gefallen und ertrunken sei, war mit einer hohen Zementmauer, auf der zusätzlich noch ein Zaun angebracht war, abgesichert. Gregory hätte also erst über diese Mauer und den Zaun klettern müssen, um anschließend in den Fluss zu fallen.
Auffällig war, dass die Polizei sich von Anfang geweigert hatte, den Vermisstenfall zu bearbeiten. Es fand keine Auswertung der Überwachungskameras statt, die inner- und außerhalb der Bar angebracht waren. Der Türsteher verschwand unmittelbar nach dem Verschwinden von Gregory aus der Stadt, um sich weiteren Befragungen zu entziehen, und die Bekannten, die zuletzt mit Gregory Hart in der Bar gewesen waren, machten ebenfalls dicht und weigerten sich sogar, an den organisierten Suchtrupps teilzunehmen. Nach dem Auffinden der Leiche zwei Tage später versuchte der Polizeichef des Providence Police Department, Major Thomas Oats, die Gemüter zu beruhigen, indem er öffentlich verkündete, dass er ebenfalls die Todesumstände von Gregory Hart verdächtig fände. Er wollte unter allen Umständen einen weiteren Skandal um seine Polizeiinspektion vermeiden.

Nun muss man dazu sagen, dass zu dieser Zeit aufgrund der Schneeschmelze Hochwasser war und der Fluss große Mengen an Steinen, Geröll und Äste mit sich schwemmte. Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass Gregory in den Fluss gestürzt ist, gegen den Strom ankämpfte und so diese schweren Verletzungen in Gesicht und Händen davontrug. Allerdings müssten diese Verletzungen überall am Körper sichtbar sein, nachdem Gregory von den tosenden Wellen mitgerissen und gegen Felsen und Steine geschleudert wurde. Das war aber nicht der Fall. Und entgegen der anfänglichen Behauptung, es hätte vor dem Verschwinden keinerlei Auffälligkeiten gegeben, stellte sich im weiteren Verlauf heraus, dass es sehr wohl einen heftigen Streit zwischen Gregory und den Bargästen gegeben hatte. Außerdem änderte die Polizei plötzlich ihre Aussagen zu Gregorys Handy. Zunächst hieß es, dass Gregorys Handy auf einem Parkplatz des Red Room gefunden wurde. Als die Eltern dann nähere Informationen zu den letzten SMS und Anrufen von Gregory einforderten, behauptete man plötzlich, dass das Auslesen des Handys nicht mehr möglich sei, weil es in der Tasche von Gregory und damit im Wasser war. Die Eltern forderten daraufhin die Herausgabe des Handys. Nur zögerlich übergab die Polizei schließlich das in fünf Teile zerbrochene Handy mit dem Hinweis, dass selbst die Rhode Island Staatspolizei keinerlei Informationen mehr herauslesen konnte. Die Familie suchte einen IT-Spezialisten von TechFusion auf, der schließlich zu 100% ausschließen konnte, dass das Handy im Wasser lag. Dieses spezielle Apple iPhone war mit einem Sensor ausgestattet, der im Falle von Garantieansprüchen anzeigen kann, ob das Handy nicht durch eigenes Verschulden kaputtgegangen ist. Dieser Sensor zeigt damit auch an, ob das Handy mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten in Berührung gekommen ist. Ein Laie kann diesen Sensor nicht finden, schon gar nicht entfernen. Aber in Gregorys Fall wurde dieser Sensor absichtlich zerkratzt.

Es endete wie bei so vielen Fällen – die Ermittlungen wurden eingestellt, die offizielle Geschichte, Gregory Hart sei sturzbetrunken in den Fluss gefallen und dort ertrunken, aufrechterhalten.

Das amerikanische Zentrum für Verbrechensforschung (Center for Homicide Research) veröffentlichte 2010 eine Studie zu den bis dahin bekannten Fällen, um die Theorie eines Smiley Face Killers oder einer Smiley Face Killerbande endgültig zu den Akten zu legen.

Nun muss man weiterhin wissen, dass es auf der Seite der Vertreter der Serienmördertheorie auch gewisse Ungereimtheiten gab.

Zum Beispiel soll in der Nähe von East Lansing, Michigan ebenfalls ein junger Mann ertrunken aufgefunden worden sein.
Weder sein Name noch der genaue Ort noch die Hintergründe wurden jemals veröffentlicht.
Hingegen streute Kevin Gannon in die Öffentlichkeit, dass zufälligerweise an diesem Ort das Graffiti „Sinsiniwa“ entdeckt wurde, worauf man sich seiner Aussage nach zunächst keinen Reim machen konnte.
Erst Monate später, nachdem man einen anderen jungen Mann namens Matt Kruziki in der Sinsiniwa Avenue, Dubuque, Iowa ertrunken aufgefunden hatte, konstruierten die Privatdetektive eine Verbindung.
Sie kolportierten die Auffassung, dass das Wort „Sinsiniwa“, was auf indianisch so viel wie „Klapperschlange“ oder auch „Heimat des jungen Adlers“ bedeutet, ein Hinweis auf das nächste Opfer gewesen sein könnte.

Der damals 23-jährige Matthew Kruziki ging am 23.12.2005 zusammen mit seinem Nachbarn, den 19-jährigen Curtis Lesniewski in den exotischen Tanzclub The River Queen Lounge in East Dubuque, Illinois. Interessanterweise ist diese Stadt auch als Sin City bekannt. Offensichtlich kam es kurz vor Mitternacht zwischen Matt und einem Barkeeper zum Streit wegen der Rechnung, weswegen man ihn schließlich hinauskatapultierte ohne ihm die Gelegenheit zu geben, wenigstens noch seine persönlichen Sachen wie den Mantel, das Handy und die Geldbörse mitzunehmen. So stand er erst einmal in der Kälte draußen und versuchte wieder in die Bar reinzukommen, um seine Habseligkeiten wiederzubekommen, doch er wurde sowohl von den Barangestellten als auch von der hinzugerufenen Polizei daran gehindert. Danach verlor sich jede Spur.  Am 18.03.2006 flog ein Pilot mit seinem Wasserflugzeug über den Mississippi und entdeckte an der Sinsiniwa Avenue die Leiche von Matthew Kruziki im Wasser treiben.

Die detaillierten Hintergründe zu seinem Verschwinden kann man auf dem Blog Footprint At The Rivers Edge nachlesen.

Und auch der Privatermittler James Anderson, ehemaliger Polizeibeamte des Bostoner Police Departments, bekleckerte sich nicht gerade mit Ruhm, als er versuchte, die Serienmördertheorie auf seine ganz besondere Weise in der Öffentlichkeit zu zementieren.

Am 30.10.2009 ging Alex Mahoney zusammen mit seinem besten Freund Kyle, dessen Bruder Chris sowie seiner Freundin auf Kneipentour in der Lower East Side, New York.
Irgendwann gegen 01:00 Uhr morgens wollte die Gruppe wieder nach Hause gehen, allerdings war Alex auf einmal verschwunden.
Kyle versuchte daraufhin mehrmals, Alex auf dem Handy zu erreichen, aber immer ohne Erfolg. Sie klapperten zusammen die letzten Bars ab, wo sie sich zuvor aufgehalten hatten, konnten ihn aber nirgendwo ausfindig machen. Alex war wie vom Erdboden verschluckt. 10 Tage nach seinem Verschwinden erhielt Kyle am 08.11.2009 plötzlich eine Nachricht von seiner Sprachbox, welche ihm die Nummer von Alex´s Handy anzeigte. Er hörte die Sprachnachricht ab, konnte aber nur Straßengeräusche von fahrenden Autos und murmelnden Menschen wahrnehmen; direkt draufgesprochen hatte offensichtlich niemand. Alex wurde letztendlich am 20.11.2009 ertrunken in einem Kanal des Hudson Rivers aufgefunden.

Am 30.10.2009 verschwand auch Mason Perkins in Ithaca, New York, etwa 322 Kilometer von New York City entfernt.
Genau wie Alex Mahoney war auch er mit ein paar Freunden unterwegs, um Halloween in der Disko „Haunt“ zu feiern.
Zuletzt wurde er auf einem Parkdeck gesehen, wo er laut Augenzeugenberichten zusammen mit fünf oder sechs anderen kostümierten Leuten in einen weißen Lieferwagen eingestiegen sein soll.

Am 25.02.2010 fand man schließlich Mason am Cayuga Lake Waterfront Trail. Und obwohl man in seiner Hand ein Büschel seiner eigenen ausgerissenen Haare fest umklammert fand (genauso wie bei Chris Jenkins), ging man von einem Unfall aus.

James Anderson, der diese Todesfälle im Staat New York verfolgte und sich nicht mit der offiziell verkündeten Unfalltheorie zufriedengab, will danach auf einmal als einziger am 02.03.2010 ein Graffiti an der Kanalwand entdeckt haben, wo man Alex Mahoneys Leiche geborgen hatte.
Auf dieser Wand stand in blauer Schrift „CayugaWT“.
Er machte davon ein Foto und schlussfolgerte öffentlichkeitswirksam gegenüber zahlreichen örtlichen Fernsehkanälen, dass dieses Graffiti ein eindeutiger Hinweis auf eine mordende Bande sei, die so dreist war, kryptisch den Leichenfundort von Mason Perkins – Cayuga Waterfront Trail –zu nennen. Leider hatte James Anderson die Rechnung ohne das New York Police Department gemacht, denn die konnten anhand der zahlreichen Polizeifotos vom Leichenfundort zweifelsfrei nachweisen, dass dieses Graffiti am Tag des Auffindens von Alex Mahoney noch nicht vorhanden war. Weil das Graffiti offensichtlich nachträglich an die Wand gemalt wurde, resümierte das NYPD, dass James Anderson möglicherweise dieses Graffiti selbst an die Wand gesprüht hatte, um auf Biegen und Brechen die Fälle Mahoney und Perkins miteinander in Verbindung zu bringen. Im Fall von Mason Perkins war ihm zuvor schon gelungen, den Fall noch einmal aufrollen zu lassen, nachdem er anhand der gerichtsmedizinischen Fotos das Büschel Haare in der Hand entdeckt hatte. (Quelle: Dokumentarfilm „The Smiley Face Killer“ von New Dawn Films)

Im Fall des 20-jährigen Studenten Jay Polhill sah die Sache allerdings etwas anders aus.
Er besuchte die Columbia Fachhochschule in Chicago und absolvierte dort eine Ausbildung zum Fotografen.

Am 28.02.2010 packte er seine Kamera und seinen Laptop, um abends auf eine Party zu gehen. Das war das letzte Mal, dass Kommilitonen ihn sahen.
Gefunden wurde er schließlich am 02.03.2010 achtundzwanzig Kilometer weiter von seiner Wohnung entfernt in einem Seitenarm des Calumet Rivers. Dort trieb er von der Hüfte abwärts nackt in der Nähe der 126. Straße und South Stony Island Avenue im südlichen Stadtgebiet von Chicago.
Hier konnten die Gerichtsmediziner nicht mehr umhin, die zahlreichen schweren Verletzungen, die ihm offensichtlich mit Prügel, Baseballschlägern oder ähnlichen Schlagwaffen zugefügt wurden, aufzulisten und seinen Tod als unbestimmt zu klassifizieren. Vermutlich ertrank er aufgrund seiner Verletzungen und schwersten Misshandlungen, so das Resümee der Autopsie. Es gab noch ein paar Verletzungen auf seinen Beinen, die postmortem entstanden sein mussten. Diese wurden aber höchstwahrscheinlich durch den Propeller eines Außenboard-Motors verursacht, als seine Leiche im Wasser flussabwärts trieb. Die Kamera und der Laptop, die Jay am Abend seines Verschwindens mitgenommen hatte, tauchten nicht mehr auf. Weitere Blutuntersuchungen zeigten, dass Jay weder Drogen noch Alkohol im Blut hatte.
Trotz der gerichtsmedizinischen Befunde wurde die Polizei jedoch nicht müde, öffentlich von einem Unfall oder sogar Selbstmord auszugehen, obwohl es keinerlei Anzeichen dafür gab. Sie stellten die Ermittlungen ein und damit war für sie der Fall erledigt. Nicht so für Jay Polhills Familie, die natürlich auf eigene Kosten weiter ermitteln ließen. Sie zogen einen Privatermittler und einen zweiten Gerichtsmediziner zu Rate mit dem Ergebnis, dass es sich hier eindeutig um einen Mordfall handelt. Die Polizei von Chicago wurde somit förmlich gezwungen, den Fall wieder aufzunehmen. Mittlerweile wird der Fall von Jay Polhill von einer sogenannten Cold Case Unit der Chicagoer Polizeidirektion bearbeitet. Der oder die Mörder von Jay Polhill wurden bis heute nicht gefasst.

Die Serie der mysteriösen Todesfälle im Wasser setzte sich weiter fort.

Am 05. März 2011 gegen 20:30 Uhr besuchte der 19-jährige Student Alexander Grant eine Studentenparty an der Skidmore Fachhochschule in Saratoga Springs, New York. Er selbst studierte an der Boston Fachhochschule Kunst und Literatur und wollte bei seinem Freund auf dem Skidmore Campus übernachten.

Zwei Stunden später verließ er jedoch zusammen mit ein paar Freunden die Party, um noch zu einer Privatfeier in der gleichen Straße zu gehen. Sie nahmen den Campus-Bus und kamen dort auch gemeinsam gegen 22:30 Uhr an. Offensichtlich gefiel es ihnen aber nicht so gut, denn kurze Zeit später machten sie sich wieder auf den Weg zu einer anderen Party, welche von den Skidmore Lacrosse Spielern anlässlich des Spring Breaks veranstaltet wurde.
Gegen 23:50 Uhr gingen bei der Polizei von Saratoga Springs zahlreiche Beschwerden wegen Ruhestörung aufgrund der beiden Partys ein.
Um 00:30 Uhr gelang es schließlich der Polizei, die Feiern aufzulösen, was nach deren Aussagen zwar etwas länger gedauert hätte, aber soweit ohne weitere Zwischenfälle abgelaufen sein soll.
In dieser Nacht gab es jedenfalls keine Festnahmen oder Ausschreitungen. Die Leute zerstreuten sich Richtung Campus oder Innenstadt, um dort in kleinen Grüppchen weiter zu feiern.

In den frühen Morgenstunden des 06.03.2011 erhielt dann die Polizei einen weiteren Notruf von einem Angestellten einer Arztpraxis aus der Innenstadt. Er meldete einen möglichen Einbruch. Als die Polizei vor Ort war, sah sie eine schmale Fensterscheibe, die zerbrochen war und eine beträchtliche Menge an Blut. Weitere Blutspuren fand man im Eingangsbereich der Praxis, aber offensichtlich wurde nichts gestohlen. Die Videokameras zeigten schließlich einen jungen Mann, der nur mit einem langen T-Shirt und Boxershorts bekleidet war. Er trug eigenartigerweise nur einen Socken. Er hatte gegen 01:15 Uhr morgens durch das schmale Fenster das Grundstück betreten und stand etwa eine Stunde völlig planlos und verwirrt auf dem Grundstück herum. Er ging auf die Hauswände zu, torkelte und fiel immer wieder hin. Man konnte auf der Videoaufnahme seinen blutenden Fuß sehen. Zunächst wusste die Polizei damit nichts anzufangen und ging von einem Drogen- oder Alkoholrausch aus.

Gegen 17:00 Uhr desselben Tages riefen schließlich die College-Freunde von Alexander Grant bei der Polizei an und meldeten ihren Freund als vermisst, nachdem er weder auf Textnachrichten noch auf Telefonanrufe reagiert hatte. Sie erzählten der Polizei, dass sie Alexander auf der letzten Party gegen 23:30 Uhr aus den Augen verloren hätten.
Sofort schrillten bei der Polizei alle Alarmanlagen, denn sie stellten zwischen dem gemeldeten Einbruch und dem Vermisstenfall eine Verbindung her. Zudem war ein Schneesturm vorhergesagt und so begannen sie unverzüglich mit den Such- und Rettungsmaßnahmen für Alexander Grant. Aufgrund des heftigen Schneefalls mussten sie erst einmal die Suchaktion einstellen, setzten diese aber am 07.03.2011 weiter fort.

Am 8.03.2011 gegen Mittag fand man dann die Leiche von Alexander Grant in einem seichten Fluss, dem Putnam Creek, verheddert im Gestrüpp und unter einer Eisfläche, etwa 500 Meter von der Arztpraxis in der Care Lane entfernt. Die Autopsie wurde in Albany am Albany Medical Center durchgeführt. Todesursache war Ersticken und Unterkühlung.
Eigenartigerweise wollte keiner der Partygänger und Zeugen mit der Polizei reden, um Licht in die näheren Umstände des Todes von Alexander zu bringen. Stattdessen nahmen sich alle ohne Ausnahme Anwälte und verweigerten jede Aussage. Daraufhin wandten sich die Eltern von Alexander an die Presse. Die Staatsanwaltschaft ging sogar soweit, den in Frage kommenden Teilnehmern und Veranstaltern der beiden Partys bei kleineren Delikten, die im Zusammenhang mit jener Nacht stehen, im Gegenzug für nähere Informationen zu Alexanders Verschwinden Straffreiheit zuzusichern, aber alle hüllten sich weiter in Schweigen. Zu allem Überfluss ließen sich auch die zuständigen Labors für weitere Blutuntersuchungen unverhältnismäßig viel Zeit mit den Ergebnissen. Im August 2011 lagen noch immer keine Ergebnisse vor. Erst am 21. September 2011 konnte dann der Polizei mitgeteilt werden, dass weder schwere Drogen noch andere Medikamente im Blut von Alexander Grant gefunden wurden, die sein Verhalten erklären hätten können. Lediglich eine verhältnismäßig geringe Menge an Alkohol sowie THC (Marihuana) ließ sich feststellen.

Doch es wurde noch kurioser, denn kurze Zeit später ließ man durchsickern, dass die Blutalkoholkonzentration doch höher war als zuvor angegeben. Außerdem hätte man eine weitere Überwachungskamera ausgewertet, die Alexander zeigte, wie er auf dem Bahnhof Lane in der West Avenue in der Innenstadt von Saratoga Springs gegen 23:30 Uhr völlig verwirrt, aber da noch komplett angezogen, herumgewandert sei. Er wankte um das Stationsgebäude herum und ging dann direkt auf die Gleise zu. Zuletzt wurde er entlang der Bahngleise Richtung Church Street gesehen, wo auch die letzte Party der Skidmore Lacrosse Spieler stattfand. Fragen, warum diese Videoaufnahme nicht schon früher bekanntgegeben wurde, blieben hingegen unbeantwortet.

Der Fall von Alexander Grant ist bis heute auch für die Polizei von Saratoga Springs nicht geschlossen; nach wie vor versuchen die Eltern und die Polizei, nähere Informationen zu erhalten. Dafür haben sie eine Belohnung von 100.000 US Dollar ausgelobt. Doch selbst diese Summe scheint keinen zur Aussage zu bewegen, was in den letzten Stunden von Alexander passiert ist.

Etwas Ähnliches scheint dem 26-jährigen Charlie Geurts passiert zu sein.

Am 15.01.2013 besuchte er zusammen mit einem Arbeitskollegen die Landesgartenschau am Alliant Energy Center in Madison, Wisconsin.
Er kehrte danach erst einmal wieder in das Sheraton Madison Hotel zurück. Unerklärlicherweise verließ er gegen 02:20 Uhr am Morgen des 16.01.2016 alleine das Hotel für einen Spaziergang und wurde seitdem nie wieder gesehen.
Er ließ sein Handy und seinen Lastwagen im Hotel zurück.
Die Auswertung einer Überwachungskamera des Hotels zeigte Charlie, wie er das Hotel verließ. Allerdings konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ermittelt werden, ob er zu dem nahegelegenen zugefrorenen See gegangen war.
Etwa eine halbe Stunde später, nachdem Charlie das Hotel verlassen hatte, rief ein Hauseigentümer am Waunona Weg, der am Strand des Monona Sees verläuft, die Polizei an, weil irgendjemand permanent an seiner Hintertüre klopft und um Hilfe schreit. Als die Polizei anrückte, fand sie niemanden vor. Sie ging zu diesem Zeitpunkt von einem Landstreicher aus, der sich mit einem Trick Zugang zum Haus verschaffen wollte. Erst, als Charlie Geurts von seinem Arbeitskollegen als vermisst gemeldet wurde, nahm die Polizei an, dass es sich bei dem nächtlichen Besucher am Waunona Weg möglicherweise um Charlie Geurts gehandelt haben könnte. Polizeihunde wurden daraufhin zum Lake Monona gebracht, wo sie auch tatsächlich die Spur von Charlie aufnehmen konnten, allerdings rd. 2 Kilometer vom Strand entfernt. Daraufhin machten sich Rettungskräfte daran, Löcher in die Eisdecke des Sees zu bohren und mit Unterwasserkameras den Seegrund zu inspizieren. Sie konnten jedoch keine Leiche finden.

Erst am 17.04.2013 fand man dort tatsächlich seine Kleidung und Habseligkeiten. Kurze Zeit später konnte man auch seine Leiche aus dem See bergen. Nähere Informationen dazu lassen sich auf dem Blog Footprints At The Rivers Edge nachlesen.
Auch dieser Fall ist bis heute ungeklärt, insbesondere, warum Charlie Geurts in diesen frühen Morgenstunden für einen Spaziergang das Hotel verließ und er anschließend in voller Panik und laut Hilfe schreiend gegen eine Haustüre hämmerte bevor er endgültig von der Bildfläche verschwand.

Noch seltsamer ist der Fall des 24-jährigen Nicholas Wilcox aus Milwaukee.

Er feierte zusammen mit Freuden Sylvester 2013 in einer damals berüchtigten, mittlerweile geschlossenen Bar namens „Irish Rec Room“ in der Innenstadt von Milwaukee.
Zu dem Zeitpunkt stand er kurz vor seiner Abschlussprüfung in Politikwissenschaft. In der Nacht zum 01. Januar 2013 kam es dann zu einem Streit zwischen zwei Männern, bei dem Nicholas dazwischen ging, um zu schlichten.
Wilcox Freundin Kelly McGonagil konnte noch beobachten, wie daraufhin alle drei Männer scheinbar aus der Bar geschmissen wurden, da sich der Tumult vor der Eingangstüre abspielte. Sie versuchte daraufhin, Wilcox per Handy zu erreichen, aber sein Handy war offensichtlich aus oder der Akku war leer.
Sie ging zu den Türstehern, um sie zu fragen, was los sei und erhielt dort die Antwort, dass Nick mit einem anderen Typen rausgegangen sei, der ein rotes T-Shirt trug.
Als Wilcox nicht mehr auftauchte, meldete sie ihn bei der Polizei als vermisst.
Die Türsteher, die Wilcox zuletzt gesehen und ihn rausgeschmissen haben wollten, wurden befragt und änderten ständig ihre Aussagen. Mal soll er in Begleitung eines Mannes gewesen sein, dann wiederum sei er doch alleine weggegangen.
Es stellte sich heraus, dass wegen dem bereits zweifelhaften Ruf dieses Lokals die ganze Silvesternacht ein ziviler Polizeiwagen in der Nähe des Eingangs gestanden hatte, um die Bar zu observieren. Die wiederum wollten nichts von so einem Vorfall  mitbekommen haben. Sie konnten sich auch nicht erinnern, Nick Wilcox draußen in der Kälte stehen gesehen zu haben.
Die Videobänder der Überwachungskameras in und außerhalb des Lokals zeigten Wilcox nur im Innenraum der Bar, wo er sich gerade in der Gasse zum Ausschank befand. Der angebliche Begleiter mit dem roten T-Shirt wurde ebenfalls nirgendwo gesichtet.
Dafür entdeckte man am 10. Januar 2013 im Milwaukee River die Leiche eines etwa 50-jährigen Mann, der unter dem Eis lag, nicht weit entfernt von der Irish Rec Room Bar.
Wie die Polizei später feststellte, verschwand der Mann um die gleiche Zeit wie Nick Wilcox, allerdings war von ihm lange Jahre dokumentiert, dass er unter Depressionen litt und sich möglicherweise selbst umgebracht hatte. Ende Januar wurde es dann für diese Zeit ungewöhnlich warm und der Milwaukee begann mehr und mehr aufzutauen. Schließlich entdeckten am 28.03.2013 zwei Streifenbeamte die Leiche von Nick Wilcox, als sie gerade am Ufer patrouillierten. Nicht weit entfernt vom Fundort hatte man ein Jahr zuvor am 22.03.2012 die Leiche des 28-jährigen Thomas Hecht gefunden, der ebenfalls während eines Kneipenbesuch in Rosie´s Bar in der Water Street am St. Patricks Day des 10. März 2012 spurlos verschwand. Zuvor feierte er noch mit ein paar Freunden in dem Pub und von einer Sekunde auf die andere war Thomas Hecht plötzlich unauffindbar – bis zum 22.02.2012, wo man seine Leiche aus dem Milwaukee fischte. Im Gegensatz zu Thomas Hecht war aber Wilcox Leiche so stark verwest, dass man die Todesursache nicht mehr feststellen konnte. Man kam zu dem Schluss, dass es sich um einen tödlichen Unfall gehandelt haben muss und schloss die Akten.

Nachdem es bis heute keine nachvollziehbare Erklärung für viele der mysteriösen Todesfälle gibt und sich die Serie bis zum heutigen Tag weiter fortsetzt, wurden sowohl im Internet als auch von Journalisten und Buchautoren einige Theorien aufgestellt, die ich im zweiten Teil dieser Serie vorstellen werde.

Ob es sich dabei um wilde Verschwörungstheorien handelt oder doch ein Quäntchen Wahrheit darin steckt, darf dann jeder für sich selbst entscheiden.

Weiter mit Teil 2

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