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Zurück zu Teil 6

Am Samstag, den 09. Januar 1999 machte ein Spaziergänger, der mit seinem Hund an der Kaolin-Grube bei Morl unterwegs war, eine grausige Entdeckung.
Sein Hund hatte an einem frisch aufgeschütteten Erdwall gescharrt und Teil eines grünen Plastiksacks freigelegt.
Bei näherer Betrachtung dieses Fundes stellte sich heraus, dass in zwei grünen Plastiktüten eine Leiche eingewickelt war. Die alarmierte Polizei stellte anhand der Fingerabdrücke fest, dass es sich dabei um die seit 28. Oktober 1998 vermisste Jessica Kopsch aus Berlin-Reinickendorf handelte.
Die Polizei ging nach der Spurensicherung am Fundort ziemlich schnell davon aus, dass der Fundort nicht der Tatort gewesen sein kann und Jessica wahrscheinlich schon unmittelbar nach ihrem Verschwinden in Berlin umgebracht wurde.

Und damit beginnen auch die Ungereimtheiten in diesem Fall.

Die Kaolin-Grube Fuchsberg Süd zwischen Morl und Brachwitz im Saalekreis liegt etwa 240 km entfernt von Reinickendorf-Berlin, wenn man über die A2 und A14 nach Morl fährt. Die Ausfahrt Halle-Trotha führt direkt nach Morl. Von dort kommt man nur noch mehr über Landschaftswege zum besagten Fundort. Diese längere, aber im Grunde einfacher zu fahrende Strecke wurde in der öffentlichen Berichterstattung nie erwähnt.

Der kürzere in diversen Medien beschriebene Weg von Reinickendorf nach Morl wäre zwar über die A9 (ca. 190 km), allerdings muss man bei Flughafen Leipzig/Halle ebenfalls auf die A14 fahren, um nach Morl bzw. Brachwitz zu kommen.

Die Gegend um den Brachwitzer Bach und Brachwitzer Straße scheint ziemlich einsam, hügelig und durchsetzt mit etlichen Weihern und Teichen zu sein, die von der Autobahn kommend gar nicht eingesehen werden können.
Direkt am Autobahnkreuz Halle-Trotha befindet sich ein Gewerbegebiet, in dem sowohl die Fa. VORWERK Pipeline- und Anlagenservice sowie das Eurobaustoff Zentrallager Ost GmbH & Co (vormals Interpares-Mobau-Zentrallager Sachsen-Anhalt GmbH & Co.KG) als auch der Konkurswarenhandel Blom und der Harder Schulbuchhandel GmbH, direkt an der Magdeburger Chaussee befindet.
Des Weiteren hat der Verein „Bungalow-Gemeinschaft Am Fuchsberg Morl e.V.“ mit Sitz in Teutschenthal und eingetragen beim Amtsgericht Stendal, offensichtlich dort sein Wirkungsfeld.

Dass der Fundort zufällig gewählt wurde, halte ich persönlich für ausgeschlossen, denn zumindest die Firmen Vorwerk, Konkurswarenhandel Blom und Eurobaustoff Zentrallager waren schon zum Zeitpunkt des Verschwindens von Jessica Kopsch vor Ort.
Ich halte es deswegen für durchaus möglich, dass der Täter- bzw. Mitwisserkreis aus dem Umfeld dieser Firmen stammt und es auch gar nicht weiter auffällt, wenn Firmenautos die Landschaftswege zur Kaolin-Grube nutzen bzw. sich dort aufhalten und etwas aus- oder einpacken.

Zu Vorwerk hatte ich in der Mitteldeutschen Zeitung folgenden Artikel vom 30.10.2001 „Rohrleitungsbau Friedrich Vorwerk Unternehmen gründet Tochter“ gefunden.
Dort steht u.a.: „Ende des vergangenen Jahres konnte die Friedrich Vorwerk Rohrleitungsbau GmbH mit Sitz in Halle ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Nun, fast noch pünktlich zum Firmenjubiläum, erschließt sich das Tief- und Rohrleitungsbau-Unternehmen neue Geschäftsfelder: Seit wenigen Wochen existiert eine Tochterfirma – die Vorwerk Pipeline- und Anlagenservice GmbH. Im Auftrag der Mitgas GmbH und der Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft wird das neu gegründete Unternehmen Rohrsysteme warten und kontrollieren und damit die Leistungsfähigkeit der beiden Gasversorger in der Region sicherstellen. Hanjürgen Grabner verweist zudem auf die künftige Zusammenarbeit mit einem dritten Energielieferer: Gestern unterzeichnete der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Vorwerk, zu der weitere Betriebsteile in Tostedt und Lüchow-Dannenberg gehören, eine Vereinbarung mit der Energieversorgung Halle (EVH). […] Angefangen hat die Mutterfirma Vorwerk, die Trink- und Abwasserleitung errichtet, Pipelines verlegt und seit einiger Zeit auch im Straßenbau versiert ist, mit rund 20 Mitarbeitern auf einem Bauernhof in Sennewitz. Das war 1990. Zwei Jahre später erwarb das Unternehmen ein Grundstück in der Magdeburger Chaussee, auf dem heute das 1993 / 94 erbaute Firmengebäude steht. Heute hat die Firma 200 Beschäftigte, einschließlich 30 neuer Arbeitsplätze im neu gegründeten Tochterunternehmen. Die Arbeitskräfte rekrutierten sich alle aus der Region, versichert Grabner, der als gebürtiger Hamburger seinen Wohnsitz an die Saale verlegt hat.“

In diesem Zusammenhang fällt mir dann auch wieder der Vermisstenfall Katrin Konert aus Waddeweitz Groß Gaddau im Landkreis Lüchow-Dannenberg vom 01. Januar 2001 ein. Diesbezüglich werde ich allerdings ein eigenes Kapitel verfassen.

Und zu Eurobaustoff Zentrallager konnte ich folgende Pressemeldung vom 08.05.2002 finden. So heißt es dort: „„Wir blicken positiv in unsere wirtschaftliche Zukunft“ resümiert Dr. Reinhard Olma, Geschäftsführer des i&M Baustoffzentrallagers in Wallwitz, am vergangenen Samstag anlässlich des 10-jährigen Firmenjubiläums. […] Das Unternehmen ist in den vergangenen zehn Jahren eng mit der Region verwachsen. Die meisten Mitarbeiter wohnen im nördlichen Saalkreis und sind teilweise schon seit dem ersten Tag dabei. Olma: „Ein Unternehmen steht und fällt mit seinen Mitarbeitern und Kunden. Beide Gruppen brauchen uneingeschränkte Zuwendung. Der persönliche Kontakt ist uns dabei besonders wichtig.“ Deshalb wurden die dienstältesten Mitstreiter am Samstag auch besonders gewürdigt. Hintergrund Branche: Mit 271 Gesellschaftern an über 600 Standorten im gesamten Bundesgebiet ist i&M eine der marktführenden Einkaufs- und Marketingkooperationen des Baustoff-Fachhandels in Deutschland. Über 15.000 Mitarbeiter stehen den Profi- und Privatkunden in den i&M-Bauzentren zur Verfügung. Die Kooperation betreibt bundesweit sechs Zentrallager. Diese erwirtschafteten 2001 einen Gesamtumsatz von ca. 471 Mio. DM. Allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Berlin Brandenburg gibt es 45 i&M Gesellschafter mit etwa 70 Verkaufsstellen.“

Der Konkurswarenhandel Blom ist dort ebenfalls seit über 20 Jahren im Geschäft, wie man aus der Firmen-Homepage http://www.blom-trading.de/home.html erfahren konnte.

Zum Mordfall Jessica Kopsch berichtete die Mitteldeutsche Zeitung in ihrem Artikel vom 15.01.2014 „1999: Mädchenleiche in der Kaolin-Grube Grausiger Fund“, dass die Polizei anfangs davon ausging, der Täter müsse aus dem näheren Umfeld von Jessica kommen. Dies wurde aber komischerweise in einem eineinhalb Jahre zurückliegenden Artikel vom 06.09.2012 „Vermisste Kinder Neue Hoffnung im Fall Jessica“ noch nicht explizit erwähnt, denn dort kann man lesen: „Schnell steht auch fest: Jessica wurde vergewaltigt und ermordet, aber der Fundort ist nicht der Tatort. Die Leiche ist in Morl, 200 Kilometer südlich von Reinickendorf, vor Wochen abgelegt worden. Zufall? Von der Autobahn 9 bis zur Grube sind es 19 Kilometer. Die Überprüfung auch hiesiger Sexualstraftäter bleibt ergebnislos. Bis heute schließen Ermittler weder Berlin noch den Raum Halle als Herkunftsort des Mörders aus. […] Den Bezug zu Halle behalten die Ermittler im Auge. Scherhant geht bis heute davon aus, dass es ihn irgendwie geben muss. „Natürlich kann auch ein in Panik geratener Täter aus Versehen dort gelandet sein“, sagt er. Das aber sei so wahrscheinlich „wie ein Sechser im Lotto“. Ein „rein Berliner“ Täter, glaubt er, hätte sich der Leiche in den nahen Brandenburger Wäldern entledigt – viel zu groß wäre sonst das Risiko gewesen, entdeckt zu werden.“

Wie der Artikel des Hamburger Abendblatts vom 13.01.1999 „Die Polizei ist sicher: Jessica kannte ihren Mörder“ weiter berichtete, hatte ihr Bruder Sven zum damaligen Zeitpunkt eine Lehre in Kiel gemacht. Ihr Vater war von Beruf Bauarbeiter. Hatten er und sein Sohn damals Kontakt zu einer der genannten Firmen Vorwerk, Eurobaustoff Zentrallager oder auch Konkurswarenhandel Blom? Vielleicht auch mit dem Verein „Bungalow-Gemeinschaft Fuchsberg Morl e.V., sollte es  diesen Verein schon damals gegeben haben?

Und auch die Hamburger Morgenpost schrieb am 12.01.1999 „Tote Jessica: Kannte sie ihren Mörder?“: „Gerichtsmediziner identifizierten die skelettierte Mädchenleiche, die ein Spaziergänger in Morl bei Halle/Saale gefunden hatte, anhand der Fingerabdrücke. Auch das Motiv für den Mord scheint klar. Thomas Scherhant, Leiter 7. Berliner Mordkommission: „Jessica wurde Opfer eines Sexualverbrechens.“ Wie sie starb, will er nicht sagen. Denn offenbar hat die Polizei eine heiße Spur. Scherhant: „Wir suchen einen Bekannten des Mädchens – vermutlich der Mörder, mit dem sie sich am 28. Oktober treffen wollte.““

Leider konnte ich aus offenen Quellen nicht herausfinden, welche Lehre Sven in Kiel angefangen hatte. Vielleicht hatte sie ja einen Bezug zu Anfertigungen von Pipelines, Bau und Ausrüstung von Bohrinseln oder Schiffsbau.
Demnach könnte es also sehr gut möglich sein, dass Jessica über ihren Vater oder Bruder mit Arbeitskollegen bzw. Freunden oder auch Geschäftspartnern in Kontakt kam, die dann die Gunst der Stunde nutzten, um unbemerkt von Vater und Bruder nähere Bekanntschaft mit dem Mädchen anzuknüpfen und auszubauen und so ihr Vertrauen gewannen.
Die Masche solcher pädophilen Täter oder Lieferanten für Päderasten und Kinderpornoringe ist dabei sehr vielschichtig und subtil.
Zunächst gibt man vor, der Bruder oder Vater hätte Probleme und man würde ja gerne helfen, wüsste aber nicht wie, und ob vielleicht das Mädchen eine Idee hätte, was man so tun kann.
Dann macht man dem Mädchen Komplimente, wie vernünftig, reif und erwachsen es schon ist, wie toll es ist, sich mit ihm zu unterhalten; danach geht man langsam ins Eingemachte und fängt an, das Kind zu bedrängen und Handlungen zu verlangen, die dem Kind unangenehm sind.
Da befindet sich das Kind aber bereits in einer Loyalitätskrise. Einerseits will es den vermeintlich guten Freund nicht verraten, andererseits will es sich aber wieder von dieser Bedrängung befreien. Solche betroffenen Kinder reagieren dann je nach Charaktereigenschaft ganz unterschiedlich. Jessica zog sich komplett zurück, wirkte vor allem in den letzten Tagen vor ihrem Verschwinden extrem bedrückt  und konnte sich offensichtlich dennoch keinem ihrer Freunde, Schulkameraden, Lehrer, Geschwister oder Eltern anvertrauen.

Interessanterweise berichtete nämlich die Mitteldeutsche Zeitung vom 06.09.2012 „Vergebliche Ermittlungen Es geschah am helllichten Tag“ Folgendes: „Der 34-jährige Merkel erzählt von „Phase eins“ der Ermittlungen. Davon, wie das Mädchen mit dem Spitznamen „Shorty“ an jenem 28. Oktober 1998 kurz nach sieben Uhr morgens ohne Ranzen das Haus verlässt. Wie Jessica, die aus problematischen Familienverhältnissen stammt, den Weg in Richtung Eichborndamm nimmt.“

Um welche problematischen Familienverhältnisse es sich handelte, lässt hingegen die Zeitung offen. Dass aber dieser Umstand erwähnt wird, lässt meines Erachtens tief blicken und dürfte der Realität entsprochen haben.

Auch die beiläufige Erwähnung, dass offensichtlich Alkoholprobleme innerhalb der Familie im Spiel sind, bestärkt den Verdacht, dass Jessica oft mit ihren Problemen allein gelassen, einsam und auf sich selbst gestellt war. So schreibt der zuvor genannte Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung weiter: „Noch heute steht der Kriminalkommissar in losem Kontakt mit Jessicas Eltern. Manchmal schaut er vorbei, manchmal rufen sie an. Manchmal geht er wieder, weil zuviel Alkohol im Spiel ist. „Schlimm ist es für sie besonders am Geburtstag oder an anderen Feiertagen.“ Und natürlich dann, wenn ähnliche Verbrechen publik werden. Als die Festnahme des Mörders von Ulrike Brandt aus Eberswalde im Radio verkündet wird, ist Merkel zufällig gerade bei den Eltern Kopsch.“

Nicht umsonst wurden also auch Parallelen zum Fall Peggy Knobloch, Sandra Wissmann und Mandy Schmidt seitens des LKA Berlin geprüft.

Die Welt Online vom 04.08.2000 schrieb in ihrem Artikel „Jessica hatte ihren Ranzen zu Hause gelassen“: „Bis zuletzt hatten sie [Anm.: die Eltern] noch ein wenig Hoffnung. Dass ihre jüngste Tochter nur auf Trebe ist. Vielleicht ausgerissen, wegen einer schlechten Schulnote. Dass sie irgendwann wieder zurückkommen würde. Doch die Hoffnung von Thomas und Martina Kopsch wurde am 9.Januar 1999, nach monatelangem Warten, jäh zerstört.“

Und dann heißt es bei der Mitteldeutschen Zeitung vom 06.09.2012 „Vergebliche Ermittlungen Es geschah am helllichten Tag“ weiter: „Immer wieder steht die zentrale Frage im Mittelpunkt. Warum hat Jessica Kopsch die Wohnung ohne Ranzen verlassen und ist weg von der Schule gelaufen? Bekam sie einen Anruf von einem Bekannten? Scherhant und Kollegen haben auch das geprüft. „Wir sind nicht weitergekommen.“ Auch der Schlüsselbund mit dem auffälligen Anhänger der „Berlin Capitals“ und die schwarze Reißverschluss-Jacke wurden nicht gefunden. Später haben die Ermittler eine Rasterfahndung eingeleitet. Alle bekannten Sexualstraftäter aus Reinickendorf sind längst überprüft. „Fehlanzeige“, sagt Scherhant. Nur einmal glauben sie, ganz dicht am Täter zu sein. Eine Festnahme, eine Hausdurchsuchung, dann die Entlastung. „Der Mann war definitiv unschuldig.““

Und noch ein Umstand macht mich bei der ganzen Berichterstattung zum Mordfall Jessica stutzig.
Dabei achtet bitte auf die zeitliche Reihenfolge der im Folgenden zitierten Artikeln aus verschiedenen Publikationen zum Phantombild eines Mannes, den zwei Schulkameradinnen von Jessica am Tag ihres Verschwindens noch am Morgen gesehen haben wollen:

Am 02.03.1999 berichtete der Berliner Kurier in seinem Artikel „Tote Jessica: Suche nach Zeugen per Phantombild“ über das Phantombild sehr detailreich: „Er ist hager, sehr groß, dunkelhaarig, hat hohe Wangenknochen und tiefliegende Augen. So soll er aussehen, der Mann, der vielleicht mehr über den Tod der kleinen Jessica Kopsch (11) aus Reinickendorf weiß. >Fahnder der Mordkommission klappern mit seinem Phantombild in der Hand alle Haustüren in Jessis Nachbarschaft ab, fragen Ladenbesitzer, Passanten und die Laubenpieper in der nahen Kolonie „Erholung“. Doch alle schütteln den Kopf, niemand hat den etwa 30 bis 40 Jahre alten Mann gesehen. „Auch bei uns hat die Polizei nachgefragt“, sagt Jessis Vater Thomas (38). „Aber wir kennen ihn leider auch nicht.“ Das Phantombild wurde nach Angaben einer Mitschülerin des ermordeten Mädchens gemacht. Sie will den mysteriösen Mann mit Jessica gesehen haben. „Er ist nicht der mögliche Mörder. Wir hoffen aber, daß er uns vielleicht helfen kann. Falls wir ihn finden“, sagt Justizsprecherin Michaela Blume.“

Und nur 10 Tage später, am 12.03.1999 meldet die Berliner Zeitung „Sozialarbeiter und Lehrer machen sich Vorwürfe. Schwester des toten Marc schon früher mißbraucht“ in einem völlig anderen Zusammenhang: „Die Beamten der 7. Mordkommission prüften in den vergangenen Tagen Aussagen von zwei Bekannten der Elfjährigen. Eine Freundin sagte, daß sie Jessica mit einem Mann gesehen habe. Nach Aussagen der Justizsprecherin widerrief das Mädchen ihre Aussage jedoch und sagte, daß sie sich geirrt habe. Später gab sie zu, sich den Mann nur ausgedacht zu haben. Eine heiße Spur erhofften sich die Ermittler von einem anderen Hinweis einer weiteren Mitschülerin. Nach deren Aussagen erstellte die Polizei ein Phantombild eines eventuellen Zeugen, der möglicherweise Kontakt zu Jessica Kopsch hatte. Dieser Zeuge ist bisher noch nicht gefunden.“

Am 04.08.2000 schreibt dann die Welt Online vom 04.08.2000 in ihrem Artikel „Jessica hatte ihren Ranzen zu Hause gelassen“ noch relativ neutral: “Die späteren Ermittlungen der Polizei ergaben, dass das Mädchen am Morgen ihres Verschwindens noch zweimal von Zeugen gesehen worden war. Weit ab vom Schulweg. „Wir gehen davon aus, dass Jessica an diesem Morgen eine ihr bekannte Person aufgesucht oder getroffen hat. Das könnte ihr Mörder gewesen sein“, sagte ein Ermittler Monate später.“

Dreizehneinhalb Jahre später dann die erstaunliche Meldung von der Mitteldeutschen Zeitung vom 15.01.2014 „1999: Mädchenleiche in der Kaolin-Grube Grausiger Fund“: „Aber zwei Klassenkameradinnen von Jessica meldeten sich: Sie haben ihre Freundin auf dem Schulweg getroffen, doch Jessica ging in der entgegengesetzten Richtung und nicht zur Schule. Nach ihren Angaben hatte die Polizei ein Phantombild angefertigt, mit dem nach einem 30 bis 40 Jahre alten, sehr großen und hageren Mann gefahndet wurde. Der Mann, so die Polizei damals, könne etwas zum Verschwinden von Jessica sagen – oder aber auch ihr Mörder sein.““

Und ergänzend hierzu schrieb der MDR eineinhalb Jahre später zu seiner Sendung „Kripo live extra“ vom 12.07.2015: „Eine Spur führt zu einem Mann, von dem nach Beschreibungen durch Jessicas Klassenkameradinnen ein Phantombild angefertigt wird. Die Schülerinnen behaupten, ihn am Tag des Verschwindens gemeinsam mit Jessica gesehen zu haben. Jessica war an jenem Morgen ohne Ranzen und Pausenbrot von zuhause aufgebrochen. Zwei Zeugen sahen sie kurz darauf in entgegengesetzter Richtung zur Schule laufen. Dann verliert sich ihre Spur, etwa um 8.00 Uhr morgens.“

Da frage ich mich jetzt wirklich ernsthaft, welche Darstellung nun stimmt – war Jessica am Tag ihres Verschwindens in Begleitung eines Mannes oder nicht?
Oder erleben wir gerade eine Neuauflage V.2 von Tristan Brübachs Phantombilddebakel?

Wenn sich tatsächlich die Mädchen das ausgedacht haben sollen, warum wird es dann Jahrzehnte später wieder so dargestellt, als ob es die Beobachtung doch gegeben hat?
Und wieso geht man erst von einem Täter und dann von einem möglichen Zeugen aus?

Ich bin der Überzeugung, dass Jessica nicht das zufällige Opfer eines Sexualdelikts, wenn man es so nennen will, geworden ist. Ich persönlich vermute anhand der vorliegenden offenen Informationen, dass der oder die Täter aus dem Bekanntenkreis des Sohnes oder des Vaters stammen. Diesem Täterkreis dürfte vielleicht auch aufgefallen sein, dass Jessica regelmäßig den Mädchentreff des DRK in der Schillingstraße 34 besuchte.
Da beide Eltern berufstätig und der Bruder unter der Woche in Kiel war, dürfte es relativ einfach gewesen sein, Jessica von Zeit zu Zeit alleine abzupassen bzw. sich mit ihr heimlich zu verabreden und sie dann auch mit anderen Mittätern bekannt gemacht zu haben, von denen weder Geschwister noch Eltern etwas wussten.

Die nächsten Ungereimtheiten ergeben sich bei der Berichterstattung zur Identifizierung der aufgefundenen Mädchenleiche und den Obduktionsergebnissen.

Als man Jessica am Samstag, den 09. Januar 1999 in der Kaolin-Grube tot in Plastiksäcken verpackt aufgefunden hatte, vermutete die zum Fundort gerufene Polizei aus Halle zunächst, dass es sich um die seit 11. April 1998 (Ostersamstag) verschwundene 13-jährige Mandy Schmidt handelte.  Mandy war damals zuletzt gegen 14:00 Uhr vom Mann ihrer älteren Schwester in Halle Süd an einer Tankstelle in der Dieselstraße gesehen worden, der sie mit dem Auto zu Bekannten fahren wollte, wo sie an diesem Tag babysitten sollte. Er habe sie ein kurzes Stück mitgenommen, dann aber wieder in der Stadt rausgelassen.
Im weiteren Verlauf der Ermittlungen gab Mandys Schwager Falko W. jedoch zu, mit Mandy während der Schwangerschaft seiner Frau dreimal Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, zuletzt am Tag vor ihres Verschwindens. Der FOCUS vom 17.10.2013 berichtete in seinem Artikel „Bitteres Familiendrama“  hierzu: „Der Mann gab zu, Mandy sexuell missbraucht zu haben. Sie war zum Zeitpunkt der Tat nur 13 Jahre alt – der Täter 24. Bereits an Weihnachten 1997 verging er sich an Mandy in seinem Auto als er mit ihr zum Hufeisensee fuhr. Ein weiteres Mal kam es an Ostern 1998 zum Geschlechtsverkehr am Waldgebiet der Dölauer Heide. Der Familienvater gab an, er habe das Kind mit seinem Wagen nach Halle gefahren und im Stadtgebiet abgesetzt. Danach war Mandy unauffindbar.“

Besagter Falko war im Übrigen selbst im Handwerksbetrieb als Maurer tätig.

Mittlerweile haben sich zum Fall Mandy neue Ermittlungsansätze ergeben.
Anfang des Jahres 2016 hatte nämlich eine Bekannte der Familie Mandys Vater Wolfgang Schmidt angezeigt, weil er ihre 9-jährige Tochter Sophie im Sommer 2015 missbraucht haben soll, als er auf sie aufpasste.
Der Vater war schon damals nach Mandys Verschwinden ins Visier der Ermittler geraten, nachdem Mandys ältere Schwester ihn ebenfalls des jahrelangen sexuellen Missbrauchs an ihr beschuldigte. Die Mutter wollte damals zu diesen Anschuldigen keinerlei Aussagen machen, deswegen wurde zunächst nur Falko von einem Jugendschöffengericht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Offensichtlich hatte man bei noch das Jugendstrafrecht angewandt, obwohl er bereits 24 Jahre alt war, was schon merkwürdig genug ist.

Im Mai 2016 wurde dann Wolfgang Schmidt erst einmal wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an einem Kind verhaftet. Auf seinem Laptop und Handys hatte man kinderpornografisches Material gefunden, auf denen eindeutige Missbrauchshandlungen an Kindern zu sehen waren.

Jedenfalls führte man gleich am 09. Januar 1999 während der Untersuchung der Kinderleiche einen Zahnabgleich durch und stellte erst dabei fest, dass es sich nicht um die gesuchte Mandy Schmidt handelte. Die Mitteldeutsche Zeitung vom 06.09.2012 „Vermisste Kinder Neue Hoffnung im Fall Jessica“ berichtete hierzu: „Es ist ein Sonnabend, an dem ein 22-Jähriger aus Morl (Saalekreis) an der stillgelegten Kaolingrube des Ortes mit seiner Dogge spazieren geht. Das Tier ist unruhig, beginnt an einem Erdwall zu wühlen, bringt zwei grüne Plastiksäcke mit grauenvollem Inhalt zu Tage: die stark verweste, von Tieren angefressene Leiche eines Mädchens. Ermittler in Halle zucken zusammen. Seit Ostersamstag 1998 wird in der Saalestadt die 13-Jährige Mandy Schmidt vermisst. Ist es ihre Leiche? Die Frage lässt sich noch am gleichen Abend durch einen Vergleich mit Mandys Zahnarztunterlagen beantworten: nein. Es ist, weiß man wenig später, Jessica aus Berlin.“

Ich kann dann gedanklich nachvollziehen, dass über den Polizeicomputer weitere Vermisstenfälle überprüft wurden und man dabei auch auf Jessica Kopsch stieß. Weiter erscheint mir auch logisch, dass die Berliner Polizei über diesen Fund informiert wurde, aber wann wurden die Fingerabdrücke von Jessica Kopsch abgeglichen und wo und wann wurde festgestellt, dass Organe im Körper fehlten?

Hierzu berichtet die Berliner Zeitung vom 12.01.1999 „Leiche in Morl durch Fingerabdrücke identifiziert“: „Die seit elf Wochen vermißte Jessica Kopsch aus Reinikkendorf ist tot. Zwei Tage nachdem der Hund eines Spaziergängers die Leiche eines getöteten Mädchens in Morl bei Halle/Saale aufgespürt hatte, stellte am Montag nachmittag ein Gerichtsmediziner in Halle anhand der Fingerabdrücke fest, daß es sich bei der Leiche um die elfjährige Jessica handelt. Nachdem die Polizei in Halle die Berliner Mordkommission am Sonnabend über den Leichenfund in einer Kiesgrube benachrichtigt hatte, waren die Fahnder am Sonntag nach Morl gefahren und hatten Fingerabdrücke, die sie in Jessicas Kinderzimmer gefunden hatten, übergeben. […] Ursprünglich hatten die Fahnder die Identifizierung per Fingerabdruck ausgeschlossen, da die gefundene Leiche schon stark verwest war. Nach Meinung der Ermittler lag sie bereits ein bis zwei Monate eingewickelt in einen Plastiksack und etwa 30 Zentimeter tief vergraben in der stillgelegten Kiesgrube an der Bundesstraße 6. Da die Leiche nackt war, nur Socken an den Füßen hatte, gehen die Ermittler von einem Sexualverbrechen aus. „Alles weist in diese Richtung“, so Mordermittler Uwe Isenberg. Rätselraten herrscht indes über die Todesursache, da bisher keine äußeren Verletzungen festgestellt wurden. In den kommenden Tagen wird die Leiche nach Berlin überführt, wo sie noch einmal von Gerichtsmedizinern untersucht wird. „Jede noch so kleine Spur könnte für uns wichtig sein“, so Ermittler Isenberg. Bisher steht nur fest, daß der Fundort nicht der Tatort ist. „Die Spurenlage ist aufgrund der langen Zeit aber grundsätzlich sehr schlecht“, so Isenberg. Vom Täter habe man nicht die geringste Spur. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Halle äußerte am Montag zumindestens den Verdacht, daß der Täter sich in der Region ausgekannt haben muß.“

Wenn man also diesem Bericht folgt, dann dürfte die Hallesche Gerichtsmedizin lediglich eine Leichenschau vorgenommen haben, um danach den Fall an die Berliner Staatsanwaltschaft zu übergeben, als sich herausstellte, dass es sich um Jessica Kopsch handelte.

Aber im Artikel vom 15.01.2014 berichtete dann die Mitteldeutsche Zeitung, dass die Gerichtsmedizin in Halle die Obduktion durchführte.
Hierzu heißt es: „Bis heute ist auch nicht eindeutig geklärt, warum im toten Körper des Kindes die inneren Organe fehlten. Die Gerichtsmedizin in Halle hatte die Obduktion der Leiche vorgenommen und damals festgestellt: Es sei nicht auszuschließen, dass die Organe entnommen worden sind, da es klare Trennlinien zu den noch vorhandenen Organen gibt. In Berlin wurde die Leiche ein zweites Mal untersucht – und die Experten glaubten mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass Wildfraß die Ursache ist. Da ist sich der hallesche Staatsanwalt Klaus Wiechmann nicht so sicher: „Das ist nicht nur mit Tierfraß alleine zu erklären.“ Möglich sei auch, dass Organe entnommen wurden und es daneben später zusätzlich Wildfraß gegeben habe.“ (Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 15.01.2014 „1999: Mädchenleiche in der Kaolin-Grube Grausiger Fund“)

Und die Welt Online hatte bereits am 04.08.2000 in ihrem Artikel „Jessica hatte ihren Ranzen zu Hause gelassen“ geschrieben: „Die Obduktion ihrer Leiche ergab, dass Jessica vor ihrem Tod vermutlich sexuell missbraucht worden war. Zudem soll Jessicas Mörder die Leiche des Mädchens aufgeschnitten und ausgeweidet haben. „Es fehlten alle inneren Organe“, zitierte eine Berliner Tageszeitung einen Ermittler. Diese waren nach Angaben der Quelle chirurgisch genau entfernt worden. Die Staatsanwaltschaft dementierte.“

Interessanterweise berichtete die Polizeiredakteurin Claudia Keikus-Wilms auf ihrem Blog, dass sie die Familie Kopsch bereits am 04. November 1998 für ein Interview aufgesucht hätte. Sie schreibt dann weiter: „Martina, die Mutter des Mädchens öffnete mir die Tür. Sie war damals 36 Jahre, genauso alt wie ich. Ihre Augen waren rot von den vielen Tränen, die sie seit Jessicas Verschwinden vergossen hatte. „Ich dachte, so was passiert nur den anderen“, erzählte sie mir mit matter Stimme. Martina hatte etliche Beruhigungspillen geschluckt um nicht durchzudrehen, um Kraft für ihre anderen Kinder zu haben. Auch sie fürchtete zu der Zeit, dass Jessica tot sein könnte. Sie hatte einen Albtraum in der Nacht vom 3. auf dem 4. November. „Ich habe meine ‚Shorty‘ (Jessicas Kosename) gesehen, ihre Kehle war durchgeschnitten“, sagte sie. Ich war tief erschüttert. „Eine Mutter fühlt, wenn was nicht stimmt.“ Martina hoffte so sehr, dass sie sich täuschen würde. Sie tat es aber nicht!“

Ich will jetzt hier nicht unnötigerweise herumspinnen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bestimmte Träume tatsächlich auch in der Art und Weise, wie es das Traumbild zeigte, wahr geworden sind.
In meinem Fall hatte ich von einem Autounfall eines Bekannten und zwei Jahre später von einem Hausbrand geträumt. Diese Ereignisse trugen sich etwa zur gleichen Zeit zu, als ich die Träume hatte.
Für den geträumten Unfall gibt es sogar Zeugen, denen ich gleich nach dem Aufwachen meinen Traum erzählte. Es war wirklich so, als ob ich von einer Vogelperspektive aus gesehen bei dem Geschehen selbst dabei gewesen wäre.
Zu dem Zeitpunkt wurde ich noch ausgelacht, weil besagter Bekannter nur ein paar Häuser weiter wohnte und mit dem Auto gar nicht unterwegs war, als er die Party nachts gegen 01:00 Uhr verließ.
Eine halbe Stunde später, als wir gerade beim Frühstück saßen, kam dann der Anruf aus Wolfratshausen mit der Bestätigung, dass der geträumte Unfall mit Totalschaden stattgefunden hat und der betreffende Bekannte gerade erst von der Polizei nach Hause gekommen wäre. Kurze Zeit später stieß er wieder zu unserer Runde dazu und erzählte, was passiert war. Danach wurde ich erst einmal einige Zeit verwundert und skeptisch beäugt, weil ich all diese Details aus meinem Traum schon vorher erzählt hatte.

Ich würde deswegen nicht ausschließen wollen, dass Jessica tatsächlich vom 03. auf den 04. November 1998 umgebracht worden sein könnte. Dann wäre sie seit ihrem Verschwinden eventuell noch 7 Tage am Leben gewesen. Daraus ergäbe sich natürlich wieder die Frage, wo sie sich in dieser Zeit konkret aufgehalten hatte – Berlin oder bereits in Halle?

Wie auch immer, Fakt ist, dass es offensichtlich laut Medienberichterstattung Unstimmigkeiten um die Obduktionsergebnisse gegeben hat.
Während die Berliner das Fehlen von Organen zunächst dementierten und im späteren Verlauf erklärten, dass hierfür Tierfraß verantwortlich ist, bleiben in Halle offensichtlich Zweifel zu der angebotenen Erklärung bestehen.
Ich amüsiere mich dabei immer wieder über die gesonderte Betonung und Berufung auf vorgebliche Experten – als ob die Gerichtsmediziner in Halle, die tagtäglich mit der Anatomie des Menschen zu tun haben, keine Experten gewesen wären.  Immerhin war es den Gerichtsmedizinern in Halle gelungen, trotz des hohen Verwesungsgrades noch Fingerabdrücke von der Leiche abnehmen zu können, die dann mit den im Kinderzimmer entnommenen Abdrücken abgeglichen werden konnten.

Jedenfalls hatte man von der Leiche Abstriche vorgenommen und bei einer weiteren Untersuchung im Jahr 2012 auch DNA-Material sicherstellen können. Bisher ergab diese Spur über einen Abgleich mit der Gendatenbank jedoch kein Ergebnis. Ein Verdächtiger hat sich bisher auch noch nicht gefunden, trotz damals ausgelobter 20.000 Mark. Mittlerweile wurde die Belohnung auf 5.000 Euro herabgesetzt.

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Gerichtsmedizin und Staatsanwaltschaft aus Halle mit ihrer Einschätzung richtig liegen. Dafür gibt es aus meiner Sicht mehrere Gründe, die für eine gezielte Organentnahme, entweder zu rituellen Zwecken oder im Wirkungskreis einer illegalen Organspendemafia sprechen.

Jessica wurde eingepackt in zwei grünen Plastiksäcken tief vergraben im Erdwall aufgefunden.
Erst als der Hund eines Spaziergängers an der Stelle vorbeikam und anfing, etwas zu wittern und dabei einen Teil der Verpackung herausscharrte, kam die Leiche zum Vorschein.
So lange das Mädchen also in der Kaolin-Grube bei Morl lag, konnten offensichtlich keine Tiere zugange gewesen sein, sonst hätte man ja die Säcke mit ihrem grausigen Inhalt schon viel früher entdeckt.
Laut Aussage der Ermittler in der Öffentlichkeit soll die Leiche dort mindestens ein bis zwei Monate eingegraben gewesen sein. Tiere hätten dann längst vorher die Leiche ausgegraben und sie in der Gegend verteilt haben müssen.
Das schien aber offensichtlich nicht der Fall gewesen zu sein. Jessica fand man zwar verwest, aber wohl noch in einem Stück eingepackt in den Säcken.

Ich frage mich im Übrigen, wieso Tiere sich dann nur an den Organen gütlich halten sollten. Sie müssen doch erst einmal an diese Innereien rankommen und den Körper aufreißen. Das hinterlässt doch ganz deutlich Biss-, Kratz- und Reissspuren am gesamten Körper.

Hingegen berichtete aber die Berliner Zeitung vom 13.01.1999 „Keine heiße Spur im Mordfall Kopsch“ ergänzend: „Am Fundort bei Morl hatten die Beamten noch bis Montag Spuren gesichert. „Leider ist die Spurenlage jedoch sehr schlecht, da die Leiche bereits so lange dort lag“, so ein Ermittler. Sicher ist, daß der Fundort nicht der Tatort ist. Die Todesursache steht noch nicht fest. „Die Leiche ist so stark verwest, daß die Feststellung noch einige Tage dauern kann“, so ein Beamter. Die Fahnder gehen davon aus, daß sich der Täter gut ausgekannt haben muß. Außerdem werden der Plastiksack, in dem die Leiche verpackt war, und ein darum gewickelter Strick untersucht. Die Kripo in Halle arbeitet mit, um eventuelle Verdächtige zum Beispiel ehemalige Mitarbeiter der Kiesgrube zu ermitteln. Auch an der Leiche wird weiter nach Spuren, wie Materalien unter den Fingernägeln, gesucht.“

Die Liegezeit am Fundort wurde also zwischen einem und zwei Monaten geschätzt. Der Todeszeitpunkt konnte aber nicht mehr festgestellt werden.
Theoretisch könnte es also sein, dass Jessica vorher noch an einer anderen Örtlichkeit zwischengelagert wurde, aber was verursachte diesen hohen Verwesungsgrad, wenn man unterstellt, dass Jessica irgendwo draußen gelegen haben musste, wo sie dann gegebenenfalls auch Tierfraß ausgesetzt war, bevor sie zur Kaolin-Grube verbracht wurde?

Laut Wetteraufzeichnung gab es im Winter 1998/1999 im Berliner Umland 26 Eistage. Im November 1998 lag das Temperaturmittel im Berliner Umland bei 1,6 Grad, im Dezember sogar nur bei plus 1 Grad.
In Polen und überhaupt im Osteuropäischen Raum gab es sogar eine Kältewelle von -50 Grad mit vielen Kältetoten in Polen.
Der Spiegel schrieb hierzu in seinem Artikel „Katastrophenstudie: Die Liste der Extremwinter“ vom 02.02.2012: „Fast 300 Menschen kamen der Statistik zufolge zwischen Mitte November und Mitte Dezember 1998 in verschiedenen Teilen Europas während einer Kältewelle ums Leben. Besonders betroffen war Polen: Dort erfroren bei Temperaturen von bis zu minus 26 Grad Celsius laut offiziellen Angaben mehr als 140 Menschen. Dramatische Szenen spielten sich im Süden und Osten Rumäniens ab. Soldaten mussten die Insassen von rund 1700 Autos befreien, die unter den Schneemassen begraben waren. Mehr als 300 Menschen zogen sich Verletzungen zu, als sie auf eisglatten Straßen und Wegen verunglückten. In rund 300 Dörfern brach die Elektrizitätsversorgung zusammen. Bei Durchschnittstemperaturen von minus zehn Grad fielen in zahlreichen Schulen die Heizungen aus. In Deutschland wurden für frierende Obdachlose nachts U-Bahn-Stationen geöffnet. In Frankfurt am Main setzten die Behörden einen sogenannten Wärmebus ein, um Menschen ohne Wohnsitz von der Straße zu holen. Die Messstation in Oberstdorf im Allgäu registrierte Werte von 22 Grad unter dem Gefrierpunkt. Sogar im Süden Italiens und Spaniens führten Schnee und Eis in einem der kältesten Novembermonate seit Jahren zu schweren Verkehrsbehinderungen. Bei Almería in Südostspanien, sonst eine der heißesten Gegenden des Landes, waren nach Schneestürmen zehn Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.“

Also angesichts dieser Witterungsverhältnisse kann ich eigentlich nur zum dem Schluss kommen, dass Jessica irgendwo in einem geschlossenen Raum nach ihrem Tod zwischengelagert war. Ich vermute sogar, dass man sie unmittelbar nach ihrem Tod in die Plastiksäcke einwickelte und mit einem Strick fixierte. Dann können aber definitiv keine Tiere an die Leiche gekommen sein. Irgendjemand muss sie später aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung ggf. nach Morl transportiert haben, denn wenn Jessica zuvor draußen irgendwo in den Wäldern oder Heidelandschaften im Berliner Umland lag, wieso machte sich der oder die Täter dann noch die Mühe, zum Ablageort zurückzukehren, erst dann die verwesende Leiche in Plastiksäcke zu stecken und durch die Gegend zu karren, um sie bei einer abgelegenen Kaolin-Grube wieder einzugraben?

Angesichts dieser Überlegungen komme ich persönlich zu dem Schluss, dass Jessica erstens noch ein paar Tage nach ihrem Verschwinden gelebt hatte, von ihren Mördern gequält, vergewaltigt und schließlich getötet wurde, um sie dann noch auszuweiden und weiß der Geier was mit den Organen anzustellen. Ich könnte mir vorstellen, dass es hierzu auch Snuff-Videofilme gibt, die man auf dem Schwarzmarkt handelt.

Ich zähle, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, diesen Mordfall genau wie bei Tristan Brübach und Markus Wachtel zum rituell motivierten Mord durch okkulte Kreise. Die aktuelle Berichterstattung zum Serienmörder Manfred S. aus Schwalbach hat bei mir keinerlei Sinneswandel erzeugt, sondern mich sogar noch in meiner Meinung bestärkt, dass hier in Deutschland rituelle Kindstötungen vollzogen werden.

Weiter mit Teil 8

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