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Zurück zu Teil 4

Der 13-jährige Stefan Lamprecht, gebürtiger Ostberliner, lebte nach der Trennung seiner Eltern seit 1989 bei seiner Mutter und Schwester in Kiel-Dietrichsdorf, Am Steinkamp 38. Dort besuchte er die 7. Klasse der Theordor-Storm-Hauptschule. In der Zeit vom 16. Juli 1995 bis zu seinem Verschwinden am 02. August 1995 hielt sich Stefan Lamprecht während der Ferienzeit bei seinem Vater und seiner Großmutter im Prenzlauer Berg, Berlin in der Seelower Straße 2 auf.

Am 24. Juli 1995 ging Stefan zusammen mit seinem damals 14-jährigen Großcousin, der zu dieser Zeit ebenfalls seine Ferien im Berliner Stadtteil Pankow in der Sellinstraße 3 bei seinen Großeltern verbrachte, ins Freibad Pankow.
Die beiden Freunde genossen den heißen Sommertag und übernachteten schließlich auch gemeinsam in der Sellinstraße.
Am nächsten Tag kehrte Stefan wieder zu seinen Großeltern zurück.
Soweit schien alles ganz normal gelaufen zu sein.
Für den Abend des 02. August war geplant, dass Stefan gemeinsam mit seinem Vater zum Nachtangeln geht, worauf er sich sehr gefreut hatte. In diesem Kontext fiel ihm ein, dass er noch seine Badesachen bei seinem Freund vergessen hatte. Also machte er sich am 02.08.1995 gegen 15:00 Uhr wieder auf den Weg zu seinem Freund, um die Badesachen abzuholen.

Zu diesem Zeitpunkt war er mit einer hellblauen, kurzen verwaschene Jeanshose, einem grünen, ärmellosen T-Shirt und Sandalen bekleidet. Gegen 16:00 Uhr war er dort angekommen, steckte sein Badezeug, bestehend aus einer dunklen Badehose in Form einer Radlerhose und einem dunklen Handtuch mit Blumenmotiv (siehe auch Berliner Morgenpost vom 26.08.2013 „Polizei sucht 18 Jahre nach Sexualmord neue Zeugen“), in eine weiße Plastiktüte ähnlich einer Metzgerei- oder Imbisstüte, und wollte gegen 16:15 Uhr wieder zur Wohnung seiner Großmutter zurückkehren.
Von da ab verlor sich bis zum 08. August 1995 jegliche Spur.

Es blieb offen, auf welche Weise Stefan seinen Weg in die Sellinstraße gefunden hatte. Hierzu schreibt der Polizeipräsident Berlin auf seiner Homepage zum Mordfall Stefan Lamprecht in der Polizeimeldung vom 25.08.2013 Folgendes: „Es ist unbekannt, wie Stefan überhaupt von der Seelower Straße zu seinen Verwandten in die Sellinstraße gekommen war. Er könnte die gut 2,5 km gelaufen sein, er könnte aber auch öffentliche Verkehrsmittel entlang der Schönhauser Allee bzw. der Berliner Straße zwischen Pankow und Prenzlauer Berg genutzt haben, am wahrscheinlichsten z. B. die Straßenbahn. Der kürzeste Weg verläuft hauptsächlich entlang der Schönhauser Allee und der Berliner Straße. Auf dieses Gebiet richtet sich das Hauptaugenmerk der Ermittlungen.“

Da Stefan auf seinem Weg zur Sellinstraße eine Stunde gebraucht hatte, gehe ich davon aus, dass er zu Fuß gegangen war. Berlin ist für seine gute und schnelle Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt, insofern glaube ich nicht, dass Stefan bei Nutzung dieser öffentlichen Verkehrsmittel einschließlich Wartezeiten so lange gebraucht hätte, um zur Sellinstraße zu kommen. Außerdem war es zu dieser Zeit außerordentlich warm, was die Vermutung nahe legt, dass Stefan sich lieber im Freien zu Fuß bewegen wollte. In verschiedenen Dokumentationen zum Mordfall Stefan Lamprecht hieß es, dass er von seinem Vater oder Großmutter für die Straßenbahn Geld erhalten hatte. Vielleicht wollte sich Stefan dieses Geld auch aufsparen für eigene Besorgungen und ist deswegen zu Fuß gegangen.

Am 08. August 1995 fand man schließlich Stefans Leiche auf einem Müllhaufen der Mülldeponie Schöneicher Plan bei Mittenwalde, rund 20 Kilometer von Berlin entfernt. Hierzu berichtet die MDR-Dokumentation aus der Serie „Kripo live“ „Berlin – Mordfall Stefan Lamprecht“ einige interessante Details.

In dieser Dokumentation kam auch der damalige Platzmeister Klaus Schadow zu Wort. Er erzählte, dass ein Bagger aus dem besagten Müllhaufen einen toten Körper entladen hätte und gibt wortwörtlich an „Ich möchte mal meinen, das war reiner Zufall, dass wir das gefunden haben.“
Dieter Schramm, der damalige Deponieleiter, ergänzt dann weiter, dass er zu diesem Zeitpunkt einige Tage im Urlaub war und bei seiner Rückkehr von Kollegen über diesen schrecklichen Fund informiert wurde.
Der Müll kam damals aus Pankow-Heinersdorf und wurde mit dem Zug und Netzen bedeckt zur Mülldeponie transportiert. Deswegen rätselten die Mülldeponie-Angestellten, wie dieser Körper überhaupt in den Waggon reingeraten sein konnte. Angesprochen von der Reporterin, dass es ja ein Wunder wäre, dass Stefan Lamprecht überhaupt gefunden wurde, antwortete Schramm: „Ja, das ist aus unserer Sicht auch ein Wunder, denn der Müll wurde sofort vom Waggon in Dumper verladen und nur dieser eine Wagen, wo der Körper drin lag, wurde auf den Haufen geworfen, weil der Dumper nicht zur Verfügung stand, der hatte vielleicht eine Panne oder was. Jedenfalls ist nur durch diesen Umstand, dass ein kegliger Haufen gebildet wurde, der Körper auch entdeckt worden.“

Wisst Ihr, was mich dann bei Aktenzeichen XY ungelöst vom 29.10.2014 zum Mordfall Stefan Lamprecht  besonders erschüttert hatte?

Am Anfang des Filmbeitrags bei etwa Minute 3:27 spielte man eine kurze Schulszene ein, die einen Eindruck über den Schulalltag von Stefan Lamprecht vermitteln sollte. Stefan soll, weil er aus der ehemaligen DDR stammte, regelmäßig in der Schule gemobbt worden sein.

In dieser Szene wurde Stefan Lamprecht von Mitschülern geärgert und drangsaliert mit den Worten „Los, schnappt ihn Euch. Komm, geh runter, bleib unten. Guckt mal, jetzt flennt er gleich, der Ossi. Komm, den nennen wir Müll, hier ist der Mülljunge.“ Dabei wurde der Darsteller auf den Boden gedrückt und ihm ein Abfalleimer über den Kopf gestülpt.

Man kann sich jetzt fragen, was diese Anfangsszene eigentlich den Zuschauern einsuggerieren soll.
Sollte das bereits eine versteckte Anspielung darauf sein, warum man Stefan Lamprecht tatsächlich quasi in blauen Müllsäcken eingekleidet aufgefunden hat? Oder soll es eine nachträgliche Verhöhnung seitens der Wessis sein, wie sie ehemalige DDR-Bürger in Wahrheit ansehen?
Vielleicht auch, wie man hier generell Kinder betrachtet?
Ich weiß es nicht.
Was ich aber sagen kann – in einem Drehbuch und Filmszene wird nichts dem Zufall überlassen und deswegen empfinde ich die Eingangsszene auch als Schlüsselszene für diesen Fall.
Ich komme im weiteren Verlauf noch darauf zurück.

Die Bevölkerung ließ man jedenfalls über die Obduktionsergebnisse wissen, dass Stefan Lamprecht nackt in blauen Müllsäcken buchstäblich eingekleidet war. Der Mörder hatte dafür Löcher für Kopf und Arme gebastelt. Seine Straßenkleidung und die Badesachen blieben bis heute verschwunden. Ferner stellte man zahlreiche Schnitt- und Stichverletzungen am Körper, Po und Unterleib fest, über ihre Beschaffenheit ließ man sich nicht mehr weiter aus. Es hieß, dass Stefan Lamprecht stark alkoholisiert war und offensichtlich gefoltert sowie vergewaltigt wurde, weswegen man von einem Sexualtötungsdelikt sprach. Außerdem soll Stefan regelrecht mit Feinstaub aus Braunkohle eingepudert gewesen sein. Aus diesem Grund vermutete man, dass Stefan während der sechs Tage zwischen dem 02. August 1995 und dem Tag seines Auffindens am 08. August 1995 irgendwo in einem Kohlekeller oder einer Fabrik- bzw. Firmenanlage zwischengelagert wurde.

Genau wie Jessica Kopsch verschwand Stefan Lamprecht scheinbar spurlos mitten in Berlin auf öffentlichen, belebten Straßen. Jessica sah man zuletzt auf dem Eichborndamm in Reinickendorf, Stefan befand sich auf dem Heimweg in der Sellinstraße im Stadtteil Pankow. Die eine verschwand in den frühen Morgenstunden, der andere in den späten Nachmittagsstunden.

Nun wundere ich mich sehr über die Annahme des Polizeipräsidenten Berlin, dass Stefan eher ein Zufallsopfer war, denn er hatte in Berlin bis auf seinen verwandten Freund und Vater nebst Großmutter keinerlei Kontakte zu anderen Personen gehabt. So steht bis heute auf der Homepage: „Es wird vermutet, dass Stefan auf seinem Nachhauseweg auf seinen Mörder getroffen ist. Es muss von einem zufälligen Zusammentreffen ausgegangen werden. Andere Kontakte außerhalb der Familie hatte Stefan nicht in Berlin“, obwohl doch ein Jahr später in der MDR-Dokumentation aus der Serie „Kripo Live“ die zuständige Ermittlerin Heike Wolff aus dem LKA Berlin klar zum Ausdruck gebracht hatte, dass Stefan Lamprecht Kontakte zur pädophilen Szene in Kiel hatte, dort auch eine Anzeige gegen einen Mann erstattete, der ihn und andere Kinder ständig belästigte, und man deswegen ausgehe, dass Stefan sehr wohl seinen Mörder gekannt haben und dieser aus dem Kieler Umfeld stammen könnte.
Gegenüber der Reporterin äußerte sie sich wortwörtlich: „Wir wissen inzwischen, dass Stefan Lamprecht an seinem Wohnort in Kiel, ähm, ja, ich sag mal, vor seiner Mutter viele Dinge auch verheimlicht hat. Wir wissen, dass er damals Kontakt zu pädophilen Männern hatte, und dass hat natürlich auch, ähm, ja, ne andere Sichtweise ergeben und wir fragen uns jetzt, ob es vielleicht auch möglich sein kann, dass der Täter im Fall Stefan Lamprecht aus Kiel stammen könnte und hier vielleicht den Jungen während seines Sommerurlaubs aufgesucht haben könnte.“

Die Dokumentation berichtet dann weiter, dass Stefan kurz vor den Sommerferien ohne Wissen seiner Mutter eine Anzeige gegen einen Pädophilen erstattet hatte. Hatte man im Anschluss daran die Mutter darüber informiert bzw. zu weiteren Zeugenaussagen hinzugezogen?
Stefan war zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig, aus meiner Sicht hätte da eine Verpflichtung bestanden, die Eltern über diese Anzeige in Kenntnis zu setzen, schließlich bestand ja der Verdacht einer sexuell motivierten Straftat gegenüber einem Minderjährigen.

Die Welt Online schreibt hierzu in ihrem Artikel „Vater will Mord an 13-Jährigem aufklären“ vom 10.06.2002 Folgendes: „Bis heute ist der Mord nicht aufgeklärt. Doch die Jahre der ohnmächtigen Trauer und die Stunden der quälenden Depressionen sollen nun vorbei sein. „Ich werde die Mörder finden. Die Polizei kommt anscheinend nicht weiter, auch wenn sie beteuert, noch an dem Fall zu arbeiten“, sagt der Vater. Mit einem Privatdetektiv verfolgt er alle Spuren, die ihm bekannt sind. So auch die, dass sein Sohn kurz vor dem Mord eine Aufforderung zur Aussage gegen einen Kinderschänder in Kiel bekommen hatte. „Seine Mutter Ines und seine Stiefschwester Nancy müssten ganz genau wissen, warum Stefan aussagen sollte. Deshalb versuche ich, die beiden zu finden.“ Doch sie sind verschwunden. „Unbekannt verzogen“, heißt es bei der Friedhofsverwaltung und den Behörden. „Es ist doch mysteriös, dass das Grab nach Angaben der Friedhofsverwaltung Monate lang nicht gepflegt wurde und jetzt seit einigen Wochen wieder in gutem Zustand ist“, wundert sich der Vater.“

Zum Verletzungsbild gab die LKA-Beamtin Heike Wolff weiter an: „Also, Stefan hatte Schnitt- und Stichverletzung und, ähm, Verletzung im Genitalbereich und im Afterbereich [Anm.: wie im Übrigen auch bei Tristan drei Jahre später] machten deutlich, dass es sich hier eindeutig um einen Sexualmord handelt und von daher suchen wir natürlich auch ´nen Täter, der, ähm, unter Umständen die, ähm, eine, ähm, sadistische Komponente hat, ähm, weil uns das ja das Spurenbild so darlegt.“

Die Fallanalytikerin aus dem LKA Berlin, Frau Fabian, gibt zur Müllsackkleidung folgendes Statement: „Wir haben im Zuge der Fallanalyse herausgefunden, dass dieser Müllsack, in dem Stefan aufgefunden wurde, vermutlich nicht als reines Verpackungsmaterial, äh, diente, sondern als, eher als Kleidungsstück imponiert. Also, wir denken schon, dass der Täter dem Stefan, äh, diesen Müllsack angezogen hat, und auch, ähm, die, die Löcher für Arme und Kopf selbst reingemacht hat, um ihm halt, äh, dieses Bild dann zu geben, um, um ihn halt so anzuziehen.“

Ob das Bestandteil einer sexuellen Vorliebe ist, lässt die Fallanalytikerin allerdings offen. Sie gibt dazu an: „Dazu können wir jetzt nichts sagen, es ist aber natürlich eine Vorliebe, die nur vom Täter ausgeht, also, ob, was er damit bezwecken wollte, ähm, ob es für ihn ein Spiel war, ob es eine Machtkomponente besitzt, ob es eine sexuelle, äh, Komponente besitzt, dazu können wir einfach nichts sagen, aber es ist schon so auffallend und so außergewöhnlich, ähm, dass wir sagen, das muss dem Täter drin sein.“

Ich erinnere hier wiederum an den Fall Tristan Brübach (siehe Teil 4 dieser Serie), bei dem man ein außergewöhnliches und auffallendes Verstümmelungs- und Verletzungsmuster feststellte, die der Täter mit der Platzierung der Schuhe auf die Wunden zu kaschierten versuchte.

Bei Stefan Lamprecht scheint es also ein ähnliches Verletzungsmuster gegeben zu haben, verdeckt mit der außergewöhnlichen Bekleidung.

Und zu einem möglichen Tatort gibt Heike Wolff folgende Hinweise: „Die gerichtsmedizinischen Befunde haben uns ´n bisschen Aufschluss darüber gegeben, ähm, was wir eigentlich für einen Tatort suchen, wo wir vielleicht vermuten könnten, dass Stefan Lamprecht, äh, in einem Keller gelagert wurde, oder in einer Örtlichkeit, wie ei-ein Gelände mit Baustoffhandel, wo´s eben ´ne größere Menge Braunkohle gegeben hat, wo man vielleicht oder wo der Täter vielleicht versucht hat, den Leichnam auch für einige Tage zu verbergen.“

Angesichts dieser Vorfälle, die sich vor Stefans Verschwinden und dessen Ermordung zugetragen haben, wundert es mich umso mehr, dass man sich zumindest in den Mainstreammedien über den genauen Tag im Pankower Freibad nicht ausgelassen hat, denn es könnte doch sein, dass schon hier verdächtige Bewegungen eines möglichen Täters stattgefunden hatten. Lediglich in der Sendung Aktenzeichen xy ungelöst heißt es dazu, dass Stefan mit seinem Großcousin am 24.07.1995 im Freibad Pankow gewesen war.

Im bereits oben zitierten Welt Online-Artikel „Vater will Mord an 13-Jährigem aufklären“ heißt es hierzu weiter: „Brisant erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass ein Verwandter von Stefan [Anm.: Möglicherweise der Großcousin Andreas, mit dem Stefan im Freibad war?] kurz nach dem Mord in einem Jugendheim aufgesucht und mit dem Tode bedroht worden sein soll. Lamprecht: „Ihm wurde gesagt, dass er ebenfalls sterben würde, falls er nicht schweige. Offenbar weiß der Junge mehr, die Polizei muss ihn schnell finden. Vielleicht kennt er die Mörder.“

In der Sendung Aktenzeichen xy ungelöst vom 29.10.2014 saß der Stefan Lamprecht-Darsteller beim Abendessen mit seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten zusammen.
Zuvor sah man ihn in seinem Kinderzimmer, wo er auf einen Kalender ein rotes Kreuz auf Dienstag, den 20. (Juni?) vermerkte.
Der Stiefvater teilte Stefan mit, dass er einen Anruf bekommen hätte. Den Namen hätte er nicht richtig verstanden, er klang wie Tim, Till oder so ähnlich.
Auf die Frage, wer dieser Till denn sei, soll Stefan geantwortet haben „Das ist einer von meiner Klasse“, woraufhin sich der Stiefvater  über die tiefe Stimme am Telefon gewundert hatte und süffisant bemerkte, dass der wohl ein paar Mal in der Schule sitzen geblieben wäre. Dieser Vorfall, wenn er denn tatsächlich so stattgefunden haben sollte, müsste sich also am 20. Juni 1995 vor Stefans Abreise abgespielt haben, da Stefan laut Sendung vorgab, noch einmal am nächsten Tag in die Stadt gehen zu wollen, um sich Köder fürs Angeln zu besorgen.

Komisch bei dieser Szene ist auch, dass von einem Tim oder Till gesprochen wurde, der angeblich Stefan Lamprecht telefonisch erreichen wollte, denn am 14.07.1995 war ein ebenfalls 13-jähriger Junge namens Till Kratsch verschwunden. Er hatte damals seinen Freund aus Bielefeld zum Zug begleitet. Der Bahnhof Zoo war und ist berühmt-berüchtigt für seine Stricher- und Drogenszene.

Es gab aber zahlreiche Hinweise, dass Till Kratsch möglicherweise abgehauen war, weil er den Freund oder Lebensgefährten seiner Mutter ablehnte. Dazu berichtete der Tagesspiegel in seiner 12-teiligen Serie „Vermisst“ vom 04.04.2001 weiter: „Seit mehr als fünf Jahren sucht Kriminalhauptkommissar Rainer Horwath von der Vermisstenstelle des Landeskriminalamtes nach dem Jungen, der inzwischen 19 Jahre alt wäre. Die Hoffnung, dass Till Kratzsch noch lebt, teilt der Ermittler mit der Mutter des Vermissten. Besonders zwei Hinweise von Zeugen hält Horwath für glaubhafte Anhaltspunkte, dass Till Kratzsch sich zwischenzeitlich in der Punkerszene aufgehalten hat. Im Sommer 1997 will ein 18-Jähriger Mann aus Landsberg am Lech den Vermissten am Mannheimer Hauptbahnhof getroffen und dann in einer Fahndungssendung im Fernsehen wiedererkannt haben. Der Zeuge berichtete, der junge Mann habe ihm erzählt, dass er den Winter auf Korsika verbringen wolle. Und er habe ihm einen Zettel überreicht, auf den er Strichmännchen gemalt hatte – genau solche, wie sie Till Kratzsch zu zeichnen pflegt.“

Der bereits im Fall Manuel Schadwald bekannte belgische Hobbyermittler Marcel Vervloesem behauptete zudem, dass Till Kratsch in Amsterdam in der Pädoszene gesehen wurde.

Die Berliner Zeitung vom 15.06.1998 schrieb damals: „Vier immerhin, sagt Vervloesem, habe er schon aufgespürt, obwohl er zunächst gar nicht nach ihnen gesucht hatte. Ursprünglich wollte der Vater von zwei erwachsenen Kindern nur etwas gegen die Mißstände in den sogenannten „Isolierzellen“ der belgischen Krankenhäuser unternehmen, in denen „Problemkinder“ untergebracht werden. 1988 gründete er deshalb zusammen mit anderen die Bürgerinitiative Workgroep Morkhoven und „observierte“ ein Krankenhaus in Antwerpen. Dabei fiel ihm auf, daß oft alleinstehende Männer Kinder abholen. Vervloesem ging der Spur nach und stieß in dem Ort Temse auf eine Gruppe von Pädophilen und auf einen Krankenhauspförtner, der 84 Kinderporno-Videos gehortet hatte. „Zunächst hat uns die Justiz nicht geglaubt“, sagt Vervloesem. Anfang 1997 saß er 15 Tage in Untersuchungshaft, weil ihn ein mutmaßlicher Kinderschänder der Erpressung bezichtigte. „Aber dann konnten wir alles beweisen. Wir fanden die vier Kinder und sieben Täter wurden verhaftet.“ Seit diesem Erfolg ist Vervloesem ein Hobby-Detektiv, der nach Kindern sucht. Im Büro arbeitet er nur noch halbtags. Er hat innerhalb der Bürgerinitiative mit acht weiteren Ehrenamtlichen eine Untersuchungskommission gegründet und sich zunächst als Pädophiler getarnt Zutritt in die Kinderporno-Szene verschafft. „Dabei war ich schon ein bißchen ängstlich.“ Aber bald arrangierte sich Vervloesem mit Mittelsmännern im Milieu und entschied sich für eine moralische Gratwanderung: „Wir haben auch mit Leuten Kontakt, die Kinder mißbrauchen. Ihnen sagen wir, eure Taten sind nicht unser Problem, aber wir suchen diesen Jungen. Dann helfen sie uns oft.“ Bei solchen Methoden müssen Polizisten passen. Nichtsdestotrotz sind sie dankbar für Vervloesems Arbeit. „Die Bestrebung der Bürgerinitiative ist es, uns zu unterstützen. Das ist gut“, sagt Jörg-Michael Klös, Inspektionsleiter für Sexual- und Kinderschutzdelikte beim Landeskriminalamt Berlin. Seine Mitarbeiter werten Hinweise des Belgiers aus. Vervloesem allerdings ist auf die deutschen Beamten nicht gut zu sprechen. Er wirft ihnen Untätigkeit vor. „Deutschland sucht seine Kinder nicht“, sagt er. Deshalb bekomme er auch schon Schwierigkeiten mit den anderen Mitgliedern der Bürgerinitiative, die sich inzwischen um Flüchtlingskinder und Rollstuhlfahrer kümmern: „Die fragen mich, warum sie Tanzabende und Grillfeste veranstalten sollen, damit Geld in die Kasse kommt, wenn die deutschen Behörden uns bei der Suche nach deutschen Kindern nicht mal unterstützen.“ 600 000 belgische Francs, rund 29 000 Mark, hat seine Ermittlergruppe schon für die Suche nach Manuel ausgegeben.“

Wie ich schon zuvor erwähnte, entstehen Filmszenen nicht zufällig. Jedes Detail folgt einem Drehbuch, jedes Requisit wird genau an der Stelle positioniert, wie es das Drehbuch vorgibt. Deswegen fiel mir auch dieser besagte Dienstag, der 20. im Kalender auf, den der Stefan-Darsteller mit rotem Filzstift angekreuzt hatte.
Seit den ominösen Fahndungsakten zu Uwe Böhnhard und Uwe Mundlos, die man bei zwei Krimiserien von „Küstenwache“ und „Tatort“ in Szene setzte, achte ich persönlich viel mehr auf solche Details.
Versuchte Aktenzeichen xy ungelöst so auf den Tag hinzuweisen, an dem Stefan bei der Polizei war, um Anzeige zu erstatten oder eine Zeugenaussage zu tätigen, zum Beispiel am 21.06.1995?
Und wie ist der in der Filmszene dargestellte ominöse Anruf von einem gewissen Till zu verstehen?

Ab 16. Juli 1995 unternahm Stefan sehr viel mit Vater und Großmutter, half sogar dem Vater ab und zu bei seinen Tätigkeiten als Hausmeister. Kurioserweise wurde es in dem Filmbeitrag so dargestellt, als ob Stefan zu seinem Cousin kaum Kontakt hätte und nur seiner Mutter zuliebe einem Treffen mit Andreas (so wurde der Cousin im Filmbeitrag genannt) zugestimmt hätte. Der leibliche Vater von Stefan wurde so gespielt, als ob er diesen Andreas auch kaum kennen würde und mit der Verwandtschaft seiner Ex-Frau abgeschlossen hätte. So äußerte sich der Schauspieler, der den leiblichen Vater spielte, verächtlich auf die Frage von Stefan, sich am nächsten Tag mit Andreas treffen zu dürfen „Ach so, die Verwandtschaft Deiner Mutter“.

Als sich Stefan am 24.07.1995 mit seinem Cousin Andreas im Schwimmbad befand, soll er ihm anvertraut haben, dass er Kontakte zu erwachsenen Männern pflegte, mit denen er oft seine Freizeit verbrachte. Er wurde immer mit Zigaretten und den neuesten Videospielen versorgt. Zu seinem Klassenkameraden hätte er aber kaum Kontakt.

Bereits am 01. August 1995 soll Stefan mit seinem Vater abends  zum Nachtangeln gefahren sein; erst in den frühen Morgenstunden des 02. August kamen sie wieder nach Hause. Das wollten sie dann am Abend des 02. August 1995 wiederholen. Wie aus Aktenzeichen yx ungelöst zu erfahren war, befand sich Stefans Cousin Andreas bereits am Nachmittag des 02. August 1995 wieder auf dem Weg nach Hause. Der Großvater hätte ihn kurz zuvor zum Bahnhof gebracht.

Stefan schien also eher Einzelgänger gewesen zu sein, der von seinen gleichaltrigen Schulkameraden gemieden, wenn nicht sogar gepiesackt wurde. Damit dürfte Stefan nicht nur sehr einsam, sondern auch hungrig nach Aufmerksamkeit gewesen sein – für Pädokriminelle und Päderasten die optimalen Voraussetzungen, sich einem Kind zu nähern und ihm das Gefühl zu geben, zu einem auserlesenen Kreis dazuzugehören. In dem Artikel der Berliner Morgenpost „Neue Spuren im Mordfall Lamprecht“vom 16.09.2002 gibt es hierzu eine recht interessante Passage: „In Ines Lamprechts Auftrag ermittelt nun ein Berliner Privatdetektiv (bei Hinweisen zu erreichen unter: Postfach 350 165, 10210 Berlin), um Licht in das Dunkel dieses Falles zu bringen. Der Mann, der noch anonym bleiben möchte, befragte erneut die Mutter und die Halbschwester des ermordeten Jungen. Dabei ergaben sich neue Ermittlungsansätze. So soll sich Stefan ein halbes Jahr vor seinem qualvollen Tod von einem Tag auf den anderen stark verändert haben. «Er klebte sich Totenköpfe an die Wände und stach mit einem Messer auf seine Kuscheltiere ein. Da ich selbst von meinem Stiefvater vergewaltigt worden bin, weiß ich, dass dieses Verhalten die Folge von sexuellem Missbrauch gewesen sein könnte», sagt Stefans Halbschwester Nancy. Ihr Stiefvater habe jedoch für die Mordzeit ein Alibi.“

Und weiter heißt es dann: „«Ich vermute, dass Stefan ins Kinderporno-Milieu geraten war und deshalb sterben musste», sagt der Privatdetektiv. Zu dieser These passt auch eine Erinnerung von Ines Lamprecht: «Bis heute verstehe ich nicht, warum die Polizei mir vor Stefans Tod gesagt hatte, ich müsste meinen Jungen eventuell auf eigene Kosten aus Holland holen.»“ (Quelle: Berliner Morgenpost vom 16.09.2002 „Neue Spuren im Mordfall Lamprecht“)

Aus dem genannten Artikel geht ferner hervor, dass am Tag der Beerdigung von Stefan ein großer, braunhäutiger Mann vor dem Grab kniete und auf Englisch betete, bevor Stefan überhaupt beigesetzt wurde. Er verschwand dann ohne mit der Familie gesprochen zu haben. Der Berliner Privatdetektiv will zudem herausgefunden haben, dass Stefan ohne Wissen der Familie oft zur Kirche gegangen sei.

Nebenbei will die Mutter von Stefan Lamprecht immer wieder anonyme Anrufe erhalten haben. Unmittelbar nach dem Verschwinden von Stefan soll sich bei seiner Tante ein Junge mit den Worten „Ich bins“ gemeldet und dann gleich aufgelegt haben. 1996 erfolgte dann ein ähnlicher Anruf bei Stefan Lamprechts Mutter selbst.

Dies alles sind meines Erachtens Hinweise darauf, dass Stefan Lamprecht kein Zufallsopfer war, sondern bewusst ausgewählt wurde. Er hatte sich bereits vorher in einschlägigen Kreisen bewegt, was selbst für das LKA Berlin gesicherte Tatsache zu sein scheint.

Mit seiner Aussage vor der Polizei, ob freiwillig abgegeben oder im Rahmen einer Zeugenvorladung, hatte er mutmaßlich sein Schicksal besiegelt. Spätestens seit Martin Ney (siehe meine Ausführungen Teil 1 bis 3 dieser Serie) ist bekannt, dass gerade die Pädokriminelle Szene in Bremen, Hamburg, Kiel und Berlin stark vernetzt ist.

Wie ich schon erwähnte, hat der Rotary Club in Osterholz-Schambeck sein Domizil aufgeschlagen.
In Bremen residiert u.a. die Johannesloge „Anker der Eintracht“. Hierzu heißt es aus Freimaurer-Wiki: „Die Loge gehörte bis 1935 der altpreußischen „Großloge Royal York zur Freundschaft“ in Berlin an. Nach Kriegsende und dem Neuanfang unterstellt sich die Loge der Humanitären „Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“. Heute nehmen viele der 55 Mitglieder aktiv am Logenleben teil. Mitglieder kommen aus den verschiedensten Berufen. Die Vielfalt der Berufe und die individuellen Lebenswege sind eine große Bereicherung des Logenlebens. Insgesamt arbeiten in Bremen und Bremerhaven 11 Freimaurerlogen, zu denen enge Beziehungen durch gegenseitige Besuche unterhalten werden.“

Und in Kiel finden wir die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland. Dazu steht in Freimaurer-Wiki: „Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLL FvD oder GLL), auch: Freimaurerorden (FO) ist ein Zusammenschluss „regulärer“ Freimaurerlogen. Diese Großloge gehört zu den Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD). Sie wurde 1770 von Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf, seinerzeit Generalmedikus der preußischen Armee, gegründet. Sie ist eine der drei sogenannten altpreußischen Großlogen. Die Tochterlogen der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland benennen Jesus Christus als ihren Obermeister. Es handelt sich bei dieser Großloge um einen christlichen Freimaurerorden, der sich inhaltlich und organisatorisch von anderen Freimaurer-Lehrarten unterscheidet. Da der Freimaurerorden aber keine Religionsgemeinschaft ist und auch nicht sein will, ist es für die Brüder nicht von Bedeutung, welcher christlichen Konfession der Einzelne angehört. Zugehörigkeit zu einer Kirche wird nicht verlangt, allerdings das „Bekenntnis zur Lehre Jesu Christi, wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist“1. Der Freimaurer-Orden verlangt von jedem Mitglied ständige Arbeit an der Ausbildung seiner Persönlichkeit. Vernunft und Gewissen, innere Freiheit und Selbsterkenntnis sowie das Bewusstsein der Verantwortung sind für die Freimaurerbrüder wesentliche Mittel, sich der Erkenntnis des Ursprungs, des Wesens und der Bestimmung des Menschen und allen Seins zu nähern. […] Einrichtungen des Freimaurerordens sind:

  • die Forschungsvereinigung Frederik mit Sitz in Flensburg/Husum, gegründet 1982,
  • das Freimaurermuseum in St. Michaelisdonn,
  • die Zinnendorfstiftung in Hamburg-Eppendorf [Anm.: Ihr erinnert Euch, dass der anonyme Brief, der an die Soko Dennis am 26.09.2001 übermittelt wurde, in Hamburg-Eppendorf aufgegeben wurde], gegründet 1991,
  • die Zirkelkorrespondenz als Mitgliederzeitschrift, gegründet 1872,
  • die St. Johannis Bruderhilfe zur Selbsthilfe, die soziale Hilfsprojekten in Osteuropa durchführt und 1998 gegründet wurde.

Das neue Ordenshaus befindet sich in Berlin-Dahlem, das alte Ordenshaus fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. An der Spitze steht der gewählte Ordensmeister, während der ebenfalls gewählte Landesgroßmeister die Große Landesloge beaufsichtigt. Der prominenteste Ordensmeister war als Kronprinz der spätere (1888 [Anm.: das sogenannte Drei-Kaiser-Jahr, in dem auch die Morde des Jack the Rippers in London begannen]) Kaiser Friedrich III.. Es gibt derzeit neun Provinziallogen, die verwaltungsmäßig die Johannis- und Andreaslogen eines Bezirkes zusammenfassen. […] Die GLL verfügt nach eigenen Angaben heute über ca. 3.500 Brüder. Im Jahre 1934 gehörten ihr noch etwa 20.000 Brüder in 178 Logen, insbesondere im ehemaligen Preußen, an. Im Gebiet der ehemaligen DDR wurden inzwischen 18 Johannis- und 2 Andreaslogen reaktiviert. Im Jahre 2007 umfasst die Große Landesloge 109 Johannislogen, 26 Andreaslogen, 10 Provinziallogen und 11 Ordenskapitel2. Am stärksten vertreten ist die Große Landesloge in Hamburg, Niedersachsen und Berlin. In den letzten Jahren wurden auch je eine Johannisloge in Lome/Togo, Riga/Lettland und Monaco errichtet.“

Und dann haben wir noch das Netzwerk „Gay Friendly Health Club“ mit seiner Homepage „Menkarta“, auf der Homosexuellentreffs rund um den Erdball ausgetauscht werden können.
Eine große Bandbreite an einschlägigen Plätzen kann man in und um Hamburg sowie Berlin finden, wie uns diese Seite versichert (http://www.menkarta.com/gay-guide-germany/gayguide-hamburg-city/)

Wenn also Stefan Lamprecht sich zu einem fleißigen Kirchengänger entwickelt haben sollte, könnte es theoretisch sein, dass er in Kontakt mit Logenangehörigen aus der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland gekommen war, die ihn für ihre Zwecke schlicht und ergreifend missbrauchten und schließlich nach seiner Aussage bei der Polizei den Mord beauftragten.

Ich nehme mal an, dass Stefan Lamprecht solchen Subjekten, die sein Vertrauen auf perfide Weise erschlichen hatten, viele Details aus seinem familiären Leben erzählt hatte. Nach meinem Dafürhalten wurde Stefan schon öfter für rituelle Initiationen und Orgien benutzt, was die Aussage seiner Halbschwester Nancy erklären würde. Möglicherweise hatte er diesbezüglich bereits vor der Polizei vage Andeutungen gemacht. Es ist auch nicht auszuschließen, dass aus Polizeikreisen diese Informationen an kriminelle Logenmitglieder abgeflossen sind. Dann stand ab diesen Zeitpunkt (21.06.1995??) Stefan Lamprecht unter permanenter Beobachtung.

Für viele mag das jetzt an den Haaren herbeigezogen klingen, aber ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass der Mordauftrag aus Kiel kam und in Berlin umgesetzt wurde, um so von weiteren Beziehungen abzulenken.

Die Auffindesituation des geschundenen Körpers ist ebenfalls sehr bemerkenswert. Ging die Kripo in Berlin anfangs noch davon aus, dass Stefans Leiche direkt am Verladebahnhof in der Asgardstraße in Heinersdorf abgelegt wurde, hatte man diese Möglichkeit plötzlich verworfen.
Hierzu schreibt der Polizeipräsident Berlin in der Polizeimeldung vom 25.08.2013: „Es ist davon auszugehen, dass der Täter mit Stefan eine Räumlichkeit aufsuchen konnte und ihn dort ungestört längere Zeit in seiner Gewalt hatte. Er konnte sein Opfer dort aber nicht zurücklassen, weil sonst Rückschlüsse auf ihn möglich gewesen wären. Vielleicht hat der Täter deswegen ein hohes Entdeckungsrisiko in Kauf genommen und sich auf eine Beseitigung des Opfers mittels eines Hausmüllcontainers eines größeren Gebäudes in dichtem Wohngebiet eingelassen. Funde im Müllwaggon deuten darauf hin, dass die Kinderleiche in der Wohnumgebung Schönhauser Allee/Berliner Straße in den Hausmüll gelegt wurde. Eine Ablage direkt am Verladebahnhof in der Asgardstraße in Heinersdorf, wie anfangs zu vermuten war, wird nicht mehr favorisiert. Es gibt aber Hinweise, dass der Täter den ermordeten Jungen zwischendurch noch an einer anderen Stelle abgelegt hatte, bevor er ihn in einer Mülltonne beseitigte. An seinem Körper wurden nämlich Braunkohlerückstände festgestellt, die wie eine „Panade“ den gesamten Körper überzogen. Vielleicht wurde Stefan Lamprecht einige Tage in einem Kohlenkeller oder -schuppen zwischen Braunkohlebriketts verborgen gehalten.“

Wenn man sich jedoch das Gelände des Bahnbetriebswerks in Pankow-Heinersdorf ansieht, komme ich zumindest zu dem Schluss, dass der anfängliche Ermittlungsansatz, der zum Verladebahnhof in der Asgardstraße in Heinersdorf führte, die wahrscheinlichste Variante gewesen sein dürfte.
Mittlerweile ist dieses riesige Gelände nach den Bildern von Google-Earth zu urteilen, ziemlich verwildert und verwahrlost.
Es gab also genügend Versteckmöglichkeiten für eine Leiche, um sie im passenden Moment auf einen der Müllwaggons zu laden. Zudem befindet sich in der Grumbkowstraße ein riesiges Kasernengelände des ehemaligen DDR-Grenzregiments GR-35. Dazu kann man im Forum „Hidden Places“ lesen: „Bei dem beschriebenen Objekt handelte es sich um: Berlin-Niederschönhausen, 1.und 3. GK (GR 35) Grenzregiment 35 „Nikolai Bersarin“ Regimentsstab GR 35 1.und 3. GK (GR 35), Gebäude werden teilweise durch Gewerbebetriebe genutzt, GK- Unterkünfte stehen leer ebenso Teile des Stabsgebäude.“

Der User klausm hatte am 24.03.2013 zahlreiche Bilder dieser Kasernenanlagen eingestellt (leider nur für registrierte Benutzer sichtbar) und erklärte dazu: „Der geschützte Keller unter dem Plattenbau in der Grumbkowstraße ist mir auch schon aufgefallen (zum ersten Mal, als sich im Gebäude noch eine Polizeidienststelle befand). Leider war es bisher immer unzugänglich (hat aber schon merklich gelitten). Habe mir das Gelände auch schon mal angesehen. Ein Großteil wird von verschiedenen Firmen nachgenutzt. Eine Kfz-Halle ist abgebrannt. Der Großteil des Unterkunftsgebäudes steht leer, scheint aber gut verwahrt zu sein. Auf Bild 10 kann man noch die Reste der OSA auf der Mauer erkennen.“

Ich meine, dass Stefan auf dem Weg nach Hause in ein Auto gelockt wurde mit dem Angebot, ihn schneller wieder heim zu bringen. Dabei fuhr man mit ihm zu dem etwa fünf Kilometer entfernt liegenden Kasernengelände und quälte ihn dort als Verräter zu Tode.
Die Müllkleidung dürfte damit ein wesentlicher Bestandteil und Symbol für seine „Abtrünnigkeit“ gewesen sein.
Mit Fetisch hat das meines Erachtens gar nichts zu tun.
Stefan wurde wie Dreck behandelt und entsprechend gekennzeichnet. Dazu gehörte wahrscheinlich auch das Besudeln mit Kohlestaub.
Möglicherweise gibt es hier eine symbolische Parallele zum KuKluxKlan und dessen Einstellung zu farbigen Menschen.
Dann hätte man Stefan zusätzlich noch als „Nigger“ gedemütigt. Es wäre interessant zu erfahren, ob sich auch im Mund, Nase, Lunge, Speiseröhre und Magen Kohlenstaub befunden hat. Dann wäre das ein weiterer Hinweis, ihn quasi mit Dreck zwangsgefüttert zu haben. Zu eben diesen Überlegungen bin ich gekommen, als ich die Anfangsszene aus Aktenzeichen xy ungelöst gesehen hatte.

Weiter mit Teil 6

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