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Zurück zu Teil 3

Ich habe mir lange überlegt, ob ich dieses Kapitel überhaupt schreiben soll, denn die Einzelheiten dieser beiden Mordfälle sind zu grausam und kaum zu ertragen. Während meiner Analyse blieb mir aber gar nichts anderes übrig, als genau diese Details genauer zu betrachten, um halbwegs gedanklich zu erfassen, was eigentlich zu diesen Mordfällen geführt haben könnte.

Dabei sind mir neben gewissen Unterschieden auch einige signifikante Parallelen aufgefallen, die ich nun im Folgenden schildern werde.

Markus Wachtel war ein dunkelhaariger 13-jähriger Junge, der die Sonderschule in Edemissen bei Peine in Niedersachsen besuchte. Bei seinen Eltern wuchs er wohlbehütet in dem Peiner Stadtteil Stederdorf auf. 1992 waren sie von Thüringen nach Peine in den Ortsteil Stederdorf gezogen. Für sein Alter schien er noch sehr verspielt und kindlich gewesen zu sein, pubertäre Anwandlungen nach Halbstarkenmanier bei Markus Wachtel waren zumindest aus offenen Quellen nicht zu entnehmen. Er konnte sich offensichtlich für Computerspiele begeistern und war bei seinen Klassenkameraden recht beliebt.

Der blonde Tristan Brübach, zum Zeitpunkt seiner Ermordung ebenfalls 13 Jahre alt, musste schon früh auf eigenen Beinen stehen, nachdem sich seine Mutter 1995 umbrachte und der Vater für den Lebensunterhalt weiter zu sorgen hatte. Er besuchte die Meisterschule in Sindlingen-Frankfurt, eine Ganztagsschule, die Grund- und Hauptschule miteinander verbindet. Im Gegensatz zu Markus Wachtel verbrachte er seine Tage damit, als Einzelgänger ziel-und planlos um die Gegend des Frankfurter-Höchst Bahnhof herumzuziehen. Bei seinen täglichen Streifzügen um das Bahnhofsviertel blieb es wohl nicht aus, dass er auch regelmäßig in Kontakt mit der dort verkehrenden Stricher- und Schwulenszene sowie Kleinkriminellen kam. Von ihm selbst waren allerdings keine Straftaten aktenkundig, soweit ich das aus offenen Quellen eruieren konnte. Allerdings schien er öfter in Auseinandersetzungen mit anderen Kindern und Jugendlichen geraten zu sein.

Der 07. März 1998, ein Samstag, schien für Markus Wachtel ein ganz normaler Tag gewesen zu sein. Seine Eltern waren am Abend bei Freunden auf einer Pyjama-Party eingeladen und ermahnten Markus, nicht mehr nach draußen zu gehen und um spätestens 22:00 Uhr im Bett zu liegen. Knabberzeug und Getränke wurden im Wohnzimmer für einen Fernsehabend bereitgestellt und dann verabschiedeten sich die Eltern von ihrem Sohn. Soweit die Polizei die Abläufe nach dem Weggang der Eltern rekonstruieren konnte, musste Markus Wachtel aber dann doch noch einmal gegen 21:00 Uhr aus dem Haus gegangen sein, um sich ein Videospiel bei einer nur 200 Meter entfernt wohnenden Schulkameradin auszuleihen. Die Hamburger Morgenpost vom 02.05.2001 schrieb, dass Markus Wachtel an dem Abend bei drei Gelegenheiten auf den damals 16 jährigen deutschen Aussiedlerjungen Alexander Brug, der erst im August 1997 von Kasachstan nach Stederdorf gezogen war, getroffen sei, infolgedessen es zu tätlichen Auseinandersetzungen wegen Zigaretten oder einem Mädchen gekommen sein soll (Quelle: Hamburger Morgenpost vom 02.05.2001 „Sechs Jahre für Markus´Mörder“)

Gegen 21:15 Uhr hatte sich Markus Wachtel von seiner Schulfreundin verabschiedet, um wieder vermutlich über den Garagenhof des Wohnkomplexes zu seiner Wohnung zurückzugehen.

Dort soll er dann wenige Minuten später zum letzten Mal lebend auch auf die Jugendgruppe um Alexander Brug gestoßen sein, die sich ebenfalls zu diesem Zeitpunkt noch in der Siedlung herumtrieb.

Danach verlor sich seine Spur und Markus blieb drei Tage verschwunden, bis man am 10. März 1998 in einem nur 900 Meter entfernten Kiesteich (ich vermute mal an der Straße Zum Westerholz) seine zerstückelte Leiche entdeckte. Kopf, Arme und Beine waren vom Torso abgetrennt, allerdings ließen die Ermittlungsbehörden offen, ob die Zerstückelung mit einer Säge, einem Messer, einem Beil oder einem anderen scharfen Gegenstand erfolgte. Überhaupt wurden nur sehr wenige Details aus der Obduktion von Markus Wachtel veröffentlicht. Grundsätzlich soll die Leiche aber noch nicht lange im Wasser gelegen haben, die Zerteilung des Körpers erfolgte nach Obduktionsergebnissen wohl zwei Stunden nach seinem Tod (siehe auch FAZ vom 30.04.2001 „Sechs Jahre Haft für 19 Jährigen“).

Als Todesursache wurde Erwürgen festgestellt, allerdings blieb bis heute offen, ob Markus Wachtel auch sexuell missbraucht wurde. Soweit man aus den vorliegenden offenen Informationen herauslesen konnte, war der Fundort nicht gleich der Tatort. Zudem musste die Leiche von Markus an einem anderen Ort zwischengelagert worden sein, bevor man seine Körperteile im Baggersee auffand. Zur Auffindungslage wusste der FOCUS zu berichten: „Uwe Kielhorn ist der erste Kripobeamte, der die Leiche sieht. Bleiche Flecke im flachen Wasser. Hier die Arme, dort die Beine. In der Mitte der Rumpf. Am Ufer diskutieren Gerichtsmediziner, wie die Leiche zerstückelt wurde. Keiner zweifelt, dass es Markus ist, der unter Wasser liegt. Im Kiesbett.“ (Quelle: Focus vom 02.07.2001 „Und es ist nie Schluss …“)

Die Hamburger Morgenpost vom 12.03.1998 schrieb hierzu ergänzend: „Die Obduktion der Leiche ergab, daß der Junge in der Nacht zum Sonntag erwürgt wurde – wenige Stunden nach seinem Verschwinden. Es ist unklar, ob der Junge sexuell mißbraucht wurde. Der Fundort der Leiche ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Tatort. Denn dort fanden sich bis gestern keinerlei Spuren: Keine Fußabdrücke, keine Reifenspuren, kein Blut. Vermutlich hat der Täter die Leiche an einem anderen Ort zerteilt. Die Kleidungsstücke des Jungen sind verschwunden. Er trug eine schwarze Adidas-Hose mit roten Streifen, eine dunkelblaue Jacke, mit dem Schriftzug „OMY“ auf dem Rücken und einen schwarzen Kapuzenpullover.“ (Quelle: Hamburger Morgenpost vom 12.03.1998 „Parallelen zum Fall Yasmin?“)

Zwei Wochen später nach dem Leichenfund von Markus Wachtel lief der letzte Schultag am 26. März 1998 vor den Osterferien für Tristan Brübach ziemlich chaotisch ab. Sein Vater war bereits um 04:30 Uhr aus dem Haus gegangen, um seinen Schichtdienst anzutreten. Gegen 08:00 Uhr morgens rief Tristan von einer nahegelegenen Telefonzelle bei seinem Vater in der Arbeit an und beklagte sich über starke Rückenschmerzen. Statt zur Schule zu gehen, wollte er einen Arzt aufsuchen. Allerdings überredete der Vater seinen Sohn, erst die Schule zu besuchen und im Anschluss daran einen Arzt aufzusuchen. Tristan machte sich schließlich auf den Weg und traf dort auf seinen Freund Boris, mit dem er zuvor noch eine Zigarette rauchte, weswegen er erst gegen 09:00 Uhr zur zweiten Stunde in der Schule eintraf.

Dort blieb er bis 13:30 Uhr, nachdem er sich vom Unterricht befreien ließ. Gegenüber seiner Schullehrerin gab er ebenfalls als Grund starke Rückenschmerzen an, die er sich durch einen Sturz von einem Baum zugezogen hätte. Im späteren Verlauf stellte sich allerdings heraus, dass er und sein Freund Maik sich gegenseitig mit Steinen beworfen hatten. Einer der Steine traf dann angeblich Tristans Rücken. Ein ehemaliger Klassenkamerad von Tristan hatte sich laut einer Forenteilnehmerin von Allmystery im Sozialnetzwerk „Wer-kennt-wen“ dahingehend geäußert, dass Tristan am besagten Tag sehr aufgewühlt wirkte und unbedingt früher nach Hause wollte, weil er angeblich einen Arzttermin hätte. Die zuständige Klassenlehrerin hätte sich deswegen sehr aufgeregt mit dem Hinweis, dass sie künftig eine Arztbestätigung für einen Termin haben will. (Quelle: Forenteilnehmerin Zombienchen vom 22.07.2011)

Es werden aus dem sozialen Netzwerk „Wkw“ noch andere User zitiert, u.a. wie folgt: „Ich kannte ihn auch. Ich war ein paar mal mit ihm und seinem besten Freund Boris auf dem Zeltlager. Wir hatten immer sehr viel Spaß miteinander.“

Oder: „Ich kannte ihn auch. Ich war mit ihm im Zeltlager, da habe ich ihn und Boris kennengelernt. Danach haben wir ab und zu getroffen, wir haben ja in der nähe gewohnt. Es hat mich damals schon seht getroffen, und wir haben keine 150 m von der stelle an der es passiert ist gewohnt. Meine Mutte hat mich nicht mehr aus den augen gelassen. Seitdem habe ich boris auch nicht mehr gesehn. Man sagt er sei zum schutz woanders untergekommen. Kennt ihn jemand oder hat ihn jemand seither wieder gesehen?“ (Quelle: Forenteilnehmerin Zombienchen vom 22.07.2011)

Bei Facebook fand sich dann ein Post vom Zeltlager St. Johannes Ap. Frankfurt / Unterliederbach (ULB) mit Datum 26. März 2013 und folgendem Wortlaut: „Auch Tristan war 2x im Kinderzeltlager als Teilnehmer dabei. Schade, dass es nur bei diesen 2 Aufenthalten blieb.“ (Quelle: Facebook)

Signifikant bei diesem Post ist nach meinem Dafürhalten nicht nur der Wortlaut als solcher, sondern auch das Erscheinungsdatum dieses Posts zum 15. Todestag von Tristan, an dem er als 13 Jähriger ermordet wurde.

Darauf werde ich noch später zurückkommen.

Jedenfalls ist Tristan ab 13:30 Uhr nach einem Augenzeugenbericht mit dem Bus Richtung Bahnhof-Höchst gefahren. Auch sein Freund Boris will Tristan zwischen 14:00 Uhr und 14:20 Uhr im Bus fahrend gesehen haben.

Am Bahnhof Höchst soll er dann von einem Schüler der Hostatoschule alleine auf einer Bank sitzend beobachtet worden sein. Gegen 15:20 Uhr hatte ihn letztmalig eine Hundebesitzerin in einer Parkanlage nahe dem Höchster Bahnhof auf einer Bank sitzend erblickt. Sie wechselte ein paar Worte mit dem Jungen und machte sich dann wieder auf den Weg. Beim Zurückblicken sah sie zwei junge, „ausländisch aussehende“ Männer, die sich links und rechts neben Tristan niedergelassen hatten.

Zum weiteren Verlauf berichtet die Frankfurter Neue Presse vom 25.02.2015 „Die letzten Stunden in Tristan Brübachs Leben“ dann Folgendes: „Etwa um 15:30 Uhr spielten drei Jugendliche auf dem Spielplatz hinter dem Anwesen Adelonstraße 31, als sie sich entschlossen zum Bahnhof Höchst zu gehen, um mit dem Bus zum Sportplatz zu fahren. Um ihren Fußweg abzukürzen, wollten die drei Kinder durch den Tunnel des Liederbaches gehen. Als die den Tunnel betreten hatten, sahen sie einen Mann, der sich über einen Gegenstand auf dem Betonsockel beugte. Die Kinder beobachteten den Mann etwa zwei Minuten und entschlossen sich dann für den längeren Fußweg um den Tunnel herum. Durch die weiteren Ermittlungen dürfte feststehen, dass diese drei Kinder den Mörder von Tristan bei seiner Tat beobachtet haben, wobei sie allerdings die Tat nicht als solche erkannt haben. Bei den Vernehmungen der drei Kinder hat sich eine brauchbare Täterbeschreibung heraus kristallisiert, die allerdings noch nicht zur Identifizierung geführt hat. Die Meldung vom Leichenfund ging bei der Polizei erst gegen 17:08 Uhr ein. Ein Kinderbetreuer einer in Tatortnähe liegenden Kindertagesstätte wurde von zwei Kindern informiert, dass im Tunnel eine Leiche liegen würde. Die beiden Kinder spielten ebenfalls auf dem Spielplatz hinter der Adelonstraße 31 und trafen dort auf die zuvor erwähnten Jugendlichen. Etwa eine halbe Stunde später (ca. 16:00 Uhr), nachdem die drei Jugendlichen mit dem Bus zum Sportplatz fahren wollten, entschlossen sich die beiden Kinder ins Kinderhaus auf die andere Seite der Bahnschienen zu gehen. Auch die beiden nahmen die Abkürzung durch den Tunnel des Liederbaches. Dort fanden sie auf dem Betonsockel die Leiche von Tristan. Die beiden Kinder erzählten dem Betreuer im Kinderheim von ihrem schrecklichen Fund. Nachdem der Betreuer sich vom Wahrheitsgehalt überzeugt hatte, verständigte er die Polizei.“

Anders als bei Markus Wachtel resümierten die Ermittlungsbeamten, dass der Leichenfundort auch der Tatort war. Demnach muss Tristan seinem Mörder bereits am Eingang des Liederbach-Tunnels in die Arme gelaufen sein.

Der Spiegel vom 08.06.2007 „Fall Tristan: Auf der Spur des Schlächters“ vermerkte u.a.: „Noch in der Mordnacht, ab 22.50 Uhr, protokolliert das Frankfurter Zentrum für Rechtsmedizin in einer über sechsstündigen Obduktion unter der Sektionsnummer 282/98 ein Verletzungsbild, wie es weltweit kein zweites Mal bekannt geworden ist: Das Gesicht des Opfers ist von großflächigen Hämatomen gezeichnet, Spuren schwerster Gewalteinwirkung, vermutlich Faustschlägen. Bis zur Bewusstlosigkeit würgt der Täter den Jungen danach mit einem Unterarmgriff. Schließlich trennt er ihm hinterrücks die Kehle durch: mit einem einzigen Schnitt, von einem Ohr bis zum anderen, so dass der Kopf beinahe vom Rumpf getrennt wird. Die Polizei findet um den Fundort der Leiche kaum Blut, da der Täter während der Tat mit seinem Opfer im fließenden Wasser des Liederbachs steht. Tristan kann sich während des Kampfs offenbar kurzfristig befreien. Doch der Mörder holt ihn nach kurzer Flucht im Bachbett wieder ein. Dort findet das Leben des Jungen sein tragisches Ende. Als der Junge längst tot ist, lässt der Mörder noch immer nicht von dem Kind ab: Er schleift Tristan 28 Meter in die Dunkelheit in der Mitte des Tunnels, schneidet große Hautteile und Muskelgewebe aus dem Ober- und Unterschenkel sowie der Hüfte des Opfers heraus. […] Nachdem der Täter dem Opfer die Körperteile entnommen hatte, wurde die Leiche von ihm sorgfältig und mit relativ großem Aufwand im Tunnel positioniert. Statt sich nach dem Mord schnell und einfach vom Tatort zu entfernen und die Leiche nach der Tat einfach liegen zu lassen, hat er sie in besonderer Weise zurechtgelegt. Er nimmt sich sogar die Zeit und bringt einen im Kampf verlorenen Schuh des Opfers vom Eingang zurück in die Mitte des Tunnels. Dort legt er die Leiche in einer schlafähnlichen Haltung auf einen Betonsockel, ganz so, als wolle er Tristan dort aufbahren. […]  Bevor der Täter den Tunnel endgültig verlässt, zieht er Tristan die Jacke über den Kopf, um sein Gesicht zu bedecken. Auch seine Hose zieht er über die schweren Schnittverletzungen an den Beinen wieder nach oben. Zumindest ist der Versuch klar erkennbar, auch wenn es nicht vollständig gelingt. Tristans Schuhe stellt der Täter schließlich exakt auf die Schnittverletzungen an Hüfte und Oberschenkel, und zwar genau so, dass die schweren Verletzungen durch die Schuhe möglichst verdeckt werden. Sie sollen vermutlich die Nacktheit des geschundenen Körpers bedecken. Zusammen mit dem Versuch, die Hose des Opfers wieder hochzuziehen und das Gesicht mit der Jacke zu bedecken, könnte der Täter so versucht haben, die Persönlichkeit des toten Kindes wiederherzustellen.“

Gemäß dem Buch von Jürgen Schreiber „Gnadenlos. Warum Menschen morden“ soll Tristan auf dem Rücken gelegen haben. Hautteile und Muskelfleisch sollen linksseitig herausgeschnitten worden sein, daneben hat der Mörder den Hodensack aufgeschnitten und beide Hoden entnommen. Rudolph Thomas, einer der Fahnder vermutete, dass der Täter wahrscheinlich aus einem anderen Kulturkreis stamme, denn es fänden sich einige Merkmale des Schächtens und Schlachtens wieder. Man dachte dabei an das bevorstehende islamische Opferfest, obwohl auch das christliche Osterfest vor der Türe stand.

In der FAZ vom 23.03.2013 „Mord an Tristan Brübach. Die losen Enden“ steht, sich auf die Aussagen des Ermittlungsbeamten Uwe Fey beziehend, dass der Täter einen professionellen Schnitt am Schambein ausgeführt hat.

Das BKA veröffentlichte auf seiner Internetseite ergänzend dazu: „Verletzungsbild – Tathergang“

„Die flächenartigen Blutergüsse im Gesicht des 13-jährigen Jungen lassen die Gewalt, mit der der Täter vorging, nur erahnen. Tristan wurde bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und gewürgt, bevor sein Mörder ihn mit einem bis zur Wirbelsäule reichenden Schnitt durch die Kehle tötete. Den Leichnam des Kindes ließ der Mörder erst im Bachlauf des Liederbaches ausbluten, bevor er ihn in das Innere des Tunnels zog und auf einen Betonsockel ablegte. Bis zu diesem Punkt unterscheidet sich die Tat kaum von anderen Tötungsdelikten. Im Inneren des Tunnels aber setzt der Mörder seine Tat in einer Art und Weise fort, die den Ermittlern auch noch heute Rätsel aufgibt. Der Mörder zieht Tristans Hose und Unterhose herunter und setzt einen tiefen Schnitt oberhalb des Schambeines. Dann schneidet der Mörder den Hodensack des Jungen auf und entnimmt beide Hoden. Am Gesäß und an der Rückseite eines Oberschenkels trennt er große Teile Muskelfleisch heraus. Die Leichtenteile wurden bis heute nicht aufgefunden.“

In dem oben erwähnten Buch steht dann auszugsweise weiter zu lesen: „Dem Verfolger ließ er nichts außer „Spur Nummer 1“: einen blutigen Fingerabdruck auf Tristans Deutsch-Sprachbuch. Die Schulsachen lagen verstreut im Gras der killing zone, der Täter leerte den Rucksack des Fünftklässlers aus. In einem Heft wischte er die blutige Klinge ab, der Umriss der Waffe mit geriffelter Schneide, Küchenmessern Ähnlich, blieb zurück. Erst ein Jahr [Anm.: Genau genommen am 25.03.1999] später taucht der Ranzen 30 Kilometer entfernt in Niedernhausen wieder auf, am Wanderweg zum Eselskopf. Das Fleisch des Opfers soll darin transportiert worden sein. Ferner fanden sich eine tschechische Deutschlandkarte, Preis 6,50 Euro, und ein blauer Müllsack.“ (Quelle: Jürgen Schreiber „Gnadenlos. Warum Menschen morden“)

Mal abgesehen davon, dass der Euro erst im Jahr 2002 eingeführt wurde, muss noch ergänzt werden, dass es sich bei dem Fingerabdruck um eine Wischspur handelte, die nicht über die Datenbanken abgeglichen werden konnte. Ein Vergleich mit dem Fingerabdruck eines möglichen Tatverdächtigen wäre nur manuell möglich. Ein ähnliches Problem tritt auch im Mordfall Jessica Kopsch auf. Dort fand man zwar eine geringe männliche DNA-Spur auf ihren Söckchen, diese ist aber unvollständig und kann nach Aussage der Ermittler nur dann zum Vergleich herangezogen werden, wenn es auch einen Tatverdächtigen gibt. Das Computersystem kann aufgrund der rudimentär erhaltenen DNA-Spur diesen Abgleich nicht vollautomatisch durchführen.

In der Nähe des Rucksacks fand man zudem ein Bauteil eines Elektrokochers aus tschechischer Herstellung und ein Messer, was aber nach weiteren Untersuchungen als Tatwaffe ausgeschlossen wurde. In dieser Zeit hatten osteuropäische Fremdarbeiter an der Trasse der ICE-Strecke Frankfurt – Köln gearbeitet und in Baucontainern gewohnt. Die dort aufgefundenen Gegenstände müssen also nicht zwangsweise mit dem Mordfall Tristan zusammenhängen, es sei denn, jemand hätte bewusst eine falsche Spur legen wollen.

Im November 1998 gelang es wiederum den Gerichtsmedizinern im Mordfall Markus Wachtel einen Hautfetzen, der nicht von Markus stammte, für einen möglichen DNA-Abgleich zu sichern.

Gerade im Fall Tristan Brübach habe ich mich immer wieder gefragt, warum die Polizei so viele grausame Details veröffentlichen ließ, die für ein eindeutiges Täterwissen hätten stehen können, während man sich beim Mordfall Markus Wachtel über das Verletzungsbild stets bedeckt hielt. Im Mordfall Stefan Lamprecht sah es ähnlich aus. Nachdem man den Jungen auf einer Mülldeponie, eingekleidet in blauen Plastiksäcken, am 08.08.1995 tot auffand, stellten die Gerichtsmediziner multiple Schnitt- und Stichverletzungen fest, auf die sie jedoch nicht näher eingingen. Es hieß lediglich, dass es bei Stefan Lamprecht Anzeichen einer Vergewaltigung gab und der Täter sadistische Züge aufweisen müsste. Jessica Kopsch, die im gleichen Jahr wie Tristan und Markus verschwand, wurde am 08.01.1999 tot in einer Kaolingrube in Morl bei Halle aufgefunden. Ihr Verletzungsbild blieb ebenfalls angeblich wegen des hohen Verwesungsgrades wage, aber auch hier wurde eine Vergewaltigung explizit nicht ausgeschlossen. Bei ihr rankten sich zudem Gerüchte darüber, dass ihr Körper ausgeweidet gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft dementierte zunächst, räumte aber seltsamer Weise ein, dass möglicherweise Tierfraß für das Fehlen von Organen verantwortlich sei. Ich werde nicht nur im Verlauf dieses Kapitels, sondern auch in einem gesonderten Kapitel speziell zu den Mordfällen Jessica Kopsch und Johanna Bohnacker noch weiter darauf eingehen.

Zudem fragte ich mich, wieso immer noch auf der Internetseite des BKA die Feststellung aufgeführt ist, dass die Leichenteile bis heute nicht aufgefunden wurden?

Es ist unwahrscheinlich, dass die Weichteile überhaupt noch auffindbar sind, es sei denn, der Mörder hätte sie in Formaldehyd konserviert oder eingefroren, aber ergibt das nach so langer Zeit wirklich einen Sinn?

Zudem gingen die Überlegungen der Ermittler auch in Richtung Kannibalismus, was die vom BKA getroffene Feststellung noch viel merkwürdiger erscheinen lassen würde.

Beide Jungen waren im gleichen Alter von 13 Jahren und wurden im gleichen Monat im Abstand von etwa drei Wochen umgebracht. In beiden Fällen gab es nach Zeugenaussagen offensichtlich ein mehr oder weniger unfreiwilliges Treffen mit fremdländisch aussehenden Menschen.

Tristan wurde, wenn man der Aussage einer Zeugin Glauben schenkt,  zuletzt lebend mit zwei „ausländisch aussehenden“ Männern auf einer Parkbank gesehen, während Markus eine Auseinandersetzung mit einer aus Russland und Kasachstan stammenden Jugendbande gehabt haben soll. Zudem fand man im Schulranzen von Tristan ein Jahr später eine Deutschlandkarte in tschechischer Schrift.

Die Frankfurter Neue Presse schrieb zudem am 26.03.2013 in ihrem Artikel „Weltweit kein vergleichbarer Fall“: „Hausdurchsuchung bei einem Metzger im Vordertaunus, immer wieder Hinweise auf Fremdenlegionäre oder Bürgerkriegsveteranen vom Balkan. Mehr als 21 000 Spuren werden abgearbeitet, 70 000 Fingerabdrücke von 7000 Personen genommen, von allen Männern in Höchst und Unterliederbach, die zur Tatzeit zwischen 15 und 45 Jahren alt sind. […]  Fernsehfahndungen in „Aktenzeichen XY – ungelöst“, „Fahndungsakte“ und in entsprechenden Sendungen in Tschechien und der Slowakei bringen viel Resonanz, aber keine brauchbaren Spuren. Osteuropa bleibt aber immer ein Thema: Unweit des Tatorts, an der Nordseite des Höchster Bahnhofs, hat eine Außenstelle des Zolls ihren Sitz, ist Anlaufstelle für osteuropäische Fernfahrer. „Vielleicht hat einer von ihnen Tristans Mörder als Anhalter nach Höchst gebracht“, lautet damals ein Ansatz des zuständigen Kommissariats K 11 der Frankfurter Kriminalpolizei.“

Sowohl bei Tristan als auch bei Markus sollen irgendwie Zigaretten eine Rolle gespielt haben.

Gemäß den Ausführungen von Jürgen Schreiber in seinem Buch „Gnadenlos. Warum Menschen morden“ hätte Tristan angeblich in einem Gebüsch am Liederbachtunnel seine Zigaretten gebunkert, nachdem er des Öfteren schon von älteren Jugendlichen wegen Zigaretten drangsaliert und „abgezogen“ wurde.

Tristan wie auch Markus sollen vor ihrem Tod massiv geschlagen und anschließend gewürgt worden sein. In beiden Fällen wurde zerstörerische Gewalt auf den Kopf verübt. Während bei Tristan die Kehle bis zur Wirbelsäule mit einem Schnitt durchtrennt wurde, ist der Kopf von Markus vollständig vom Körper abgetrennt worden.

In beiden Fällen gab es schwerwiegende Verstümmelungen, wobei man bei Markus Wachtel offensichtlich den Eindruck erwecken will, dass es sich um eine aus praktischen Gründen vollzogene „profane“ Zerteilung des Körpers gehandelt hat, um z.B. den Transport des toten Kindes zu erleichtern. Allerdings habe ich erhebliche Zweifel an dieser Version, denn Markus wurde weder in Plastiksäcken oder Koffern aufgefunden noch hatte sich der Täter überhaupt die Mühe gemacht, die Leichenteile, die man zumindest im Kiesteich aufgefunden hatte, unauffällig verschwinden zu lassen. An dieser Stelle erinnere ich an einen anderen Mordfall, der eineinhalb Jahre vorher am 05. Oktober 1996 in der näheren Umgebung von Peine stattfand. Hier fiel die 18 jährige Gymnasiastin Yasmin Stieler aus Uelzen einem grausamen Verbrechen zum Opfer. Der Täter hatte damals die Leiche ebenfalls zerteilt, wobei er diese an verschiedenen Stellen entsorgte. Die Beine fand man am Ufer der Ricklinger Kiesteiche bei Hannover, der Torso war am Bahndamm von Vechelde vergraben und den Kopf fanden etwa ein Jahr später Pilzsammler oder spielende Kinder in einem Waldstück bei Hämelerwald. In der ZDF-Dokumentation „Im Netz der Mordkommission“ wurde ein kleiner Junge vor die Kamera gezerrt, um von diesem Fund zu berichten. In Internetforen wird von Pilzsammlern gesprochen.

Auffällig ist weiterhin, dass sowohl Markus Wachtel als auch Tristan Brübach in unmittelbarer Nähe ihres Elternhauses tot aufgefunden wurden. Markus´ Leiche tauchte zerteilt und unbekleidet drei Tage nach seinem Verschwinden in einem Kiesteich nur 900 Meter von seinem Zuhause auf, während Tristan im Liederbach-Tunnel regelrecht aufgebahrt aufgefunden wurde. In der Liederbachstraße, nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt, lebte er zusammen mit seiner Großmutter und Vater.

Und last but not least wurden beide Gräber im Abstand von einer Woche im Oktober 1999 geschändet, diesmal nur in umgekehrter Reihenfolge. In der Nacht vom 07. auf den 08. Oktober 1999 versuchten unbekannte Täter zuerst das Grab von Tristan Brübach professionell auszuheben. Dabei wurde der Lehmboden fein säuberlich vom guten Erdboden getrennt, die Blumen am Grab auf eine Plastikfolie drapiert. Allerdings kamen der oder die Täter nicht mehr dazu, das Grab zu öffnen und schienen durch irgendjemand oder etwas gestört worden zu sein. Der Sarg blieb somit unbeschädigt.

Eine Woche später vom 15. auf den 16. Oktober 1999 war man mit dem Gab von Markus Wachtel ganz anders umgegangen. Dort hatte man ohne Rücksicht auf Verluste zu graben angefangen, sämtliche Grabbeigaben in ein Gebüsch hinter dem Grab geschmissen und mit roher Gewalt den Sargdeckel eingetreten. Dabei wurde der Kopf von Markus mitgenommen, der bis heute verschwunden ist.

Auffällig ist, dass gerade in den 90er Jahren im nördlichen Teil Deutschlands viele Serienmörder aktiv gewesen waren. So erinnere ich zum Beispiel an Rolf Diesterweg, Olaf Weinert („Sägemörder“), Frank Gust („Rhein-Ruhr-Ripper“), Gerhard Wenzel („Havel-Ripper“ alias „Dr. Porno“), Thomas Holst („Heidemörder“) und der Mädchenmörder Ronny Rieken.

In München schien es um diese Zeit ebenfalls mindestens zwei Serienmörder gegeben zu haben, von denen aber nur einer gefasst wurde – zumindest offiziell.

Bis heute wird jedenfalls nach dem Mörder von Gertraud Herzog (1990) und Kristin Harder (1991) gesucht, die Vermisstenfälle Sonja Engelbrecht aus dem Jahr 1995 und Bettina Trabhardt aus dem Jahr 1997 sind nach wie vor nicht geklärt. Die Münchner Polizei dementiert einen Zusammenhang mit den Vermissten- und Mordfällen, allerdings habe ich bei dieser offiziellen Aussage meine erheblichen Zweifel, denn Ende November 1999 ist ja auch den Münchner Zielfahndern Manfred Immler, seines Zeichens Dachdecker und Frauenmörder, nach einer wochenlangen Flucht, in Athen ins Netz gegangen. Dort hatte er sich zuletzt beim Neubau des Flughafens als Hilfsarbeiter ein Zubrot verdient.

Manfred Immler war verdächtigt, am 18.10.1999 die 19-jährige Hotelkauffrau Diana Kubasch in Oberschleißheim vergewaltigt und anschließend ermordet zu haben. Bei der Gelegenheit gestand er dann auch noch einen Mord an der damals 20-jährigen Schwesternschülerin Patricia Szitnick am 19.09.1992 bei Koblenz. Ihre Leiche ist später in der Ahr angeschwemmt worden. Ihr Körper trug Zeichen von bestialischen Verstümmelungen. Dabei war ihr u.a. ein Holzpflock in den Unterleib gerammt worden. Nach dem Mörder suchte die Pfälzer Kripo jahrelang erfolglos.

Bei seinem mutmaßlich ersten Mord war Immler selbst gerade mal 18 Jahre. Die SZ schrieb dazu am 23.10.2000 „Mutmaßlicher Mörder Immler vor Gericht“: „In beiden Fällen hatte der 26-jährige seine Opfer sadistisch gequält. Sein erstes Opfer schändete er noch, als es schon tot war. Während er die 20-Jährige gleich am Tatort ertränkte, hielt er Diana Kubasch eine Nacht und einen Tag in seiner Wohnung fest. Nachdem er das Interesse an seinem schwerverletzten Opfer verloren hatte, brachte er es wieder in den Wald und erdrosselte es.“

Daneben berichtete die SZ vom 24.10.2000 „“Das Töten hat keine Rolle gespielt““: „Immler machte weiter: Noch 1992 verprügelte er die Freundin seines Vaters. 1995 vergewaltigte er eine Frau auf Mallorca. Wegen Totschlagsversuchs ging er 33 Monate im [sic!] Gefängnis [Anm.: In Spanien bei Valencia hatte er 1997 nach einer Vergewaltigung versucht, eine 25-Jährige zu töten und wurde deswegen von einem spanischen Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt, von denen er aber nur 33 Monate absaß]. Am 13. September 1999, vier Tage vor dem Mord an Diana Kubasch, blieb eine 34-Jährige nur mit knapper Not am Leben. Der Versuch, die Münchnerin zu vergewaltigen, wurde durch das Abtauchen von Passanten vereitelt. Der angehenden Hotelkauffrau Diana Kubasch aus Oberschleißheim hingegen kam niemand zu Hilfe. Immler überfiel sie in einem Wald nahe dem Bahnhof. In den 18 Stunden ihres Martyriums verging er sich sechs Mal an ihr, ehe er sie am Spätnachmittag des 18. September wieder in den Wald brachte und strangulierte.“

Und weiter heißt es in der SZ „Immler muss mit lebenslanger Haft rechnen“ vom 27.06.2000: „Die Täterschaft von Manfred Immler im Fall der 19-jährigen Hotelkauffrau Diana Kubasch scheint bereits heute über jeden vernünftigen Zweifel erhaben zu sein. Nach genetisch ausgewerteten Spuren liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er Diana Kubasch – entgegen seines eigenen Geständnisses – nicht ermordet hat, bei eins zu 985 Millionen. Der genetische Fingerabdruck überführte ihn auch der versuchten Vergewaltigung an einer 34-Jährigen, bei der er durch einen Radfahrer an der Tatausführung gehindert wurde. Immlers Chancen, sich auf Motive zu berufen, die eine Strafe ausschließen könnten, haben sich unterdessen ebenfalls stark verschlechtert. „Das Gutachten geht von voller Schuldfähigkeit aus“, sagte Oberstaatsanwalt Horst Lehmpuhl.“

Vielleicht werde ich mich mit den bisher immer noch ungelösten Fällen Sonja Engelbrecht, Bettina Trabhardt, Kristin Harder und Gertraud Herzog in einem anderen Kapitel noch näher beschäftigen.

Bevor ich wieder auf die beiden Fälle Markus Wachtel und Tristan Brübach zurückkomme, möchte ich an dieser Stelle als Exkurs auf einen anderen Mordfall im Nürnberger Raum aus dieser Zeit eingehen. Es handelt sich hierbei um die 12-jährige rumänisch stämmige Schülerin Carla Suditu, die am 22.01.1998 bewusstlos im Wilhermsdorfer Weiher entdeckt wurde. Der Fall ist insofern tragisch und verstörend, weil das Mädchen möglicherweise noch gerettet hätte werden können.

Auf dem Weg zur Schule hatte offensichtlich ihr Mörder auf sie gelauert und versucht, sie zu vergewaltigen. Dabei würgte er sie höchstwahrscheinlich mit dem Unterarm bewusstlos und schmiss sie anschließend über eine Böschung in den Weiher, der von den Einheimischen als „Altes Bad“ bekannt war. Um 07:55 Uhr kam ein Spaziergänger mit Hund zu der Stelle und entdeckte das Mädchen auf dem Bauch liegend mit dem Kopf im Wasser. Die Oberbekleidung war über die Schultern gestreift, die Hose bis zu den Knien heruntergezogen. In der Annahme, das Mädchen wäre bereits tot, rannte der Mann zu einem Bauhof der Gemeinde Wilhermsdorf und ließ von dort die Polizei anrufen. Der Notruf erreichte die Zentrale um 08:14 Uhr. In der Zwischenzeit passierten zwei Berufstätige in ihrem Auto auf dem Weg zur Arbeit den Weiher und entdeckten ebenfalls das Mädchen, immer noch bewusstlos im Wasser liegend. Auch sie waren der Annahme, dass es hier nichts mehr zu tun gäbe und ließen das Mädchen ebenfalls unberührt an der Stelle liegen.

Von da ab begann es ziemlich seltsam zu werden, denn zwei Streifenbeamte, die gerade im Nachbarort Langenzenn patroullierten, wurden zum Weiher gerufen. Sie näherten sich dem Fundort ohne Blaulicht und Sirene. Auch sie rührten das Mädchen nicht an und gaben über Funk die Meldung, dass man ein totes Kind im Weiher aufgefunden hätte. Alle Anzeichen würden auf ein Verbrechen hindeuten.

Warum dann aber trotzdem noch ein Notarzt dazu gerufen wurde, blieb indes bis heute im Dunkeln.

Als der Notarzt schließlich mit dem Hubschrauber sechs Minuten später zur Stelle eilte, wurde er von den Polizisten mit den Worten empfangen, dass es sowieso sinnlos wäre, hier etwas zu unternehmen. Der Arzt zog dennoch zusammen mit einem Sanitäter und einem der beiden Polizisten das Mädchen aus dem Wasser und begann noch an Ort und Stelle mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Es gelang ihm auch, das Mädchen wiederzubeleben und in die Erlanger Universitätsklinik zu bringen. Dort verstarb das Mädchen jedoch aufgrund der massiven Hirnschädigungen durch den Sauerstoffmangel fünf Tage später.

Vom erstmaligen Auffinden des Mädchens bis zur Ankunft des Notarztes waren sage und schreibe 35 Minuten vergangen – wertvolle Zeit, in der möglicherweise bei frühzeitigen lebensrettenden Maßnahmen das Mädchen hätte überleben und vielleicht auch den Überfall zumindest körperlich einigermaßen unbeschadet überstehen hätte können.

Nach Aussagen der Mutter soll sich Carla kurz nach 07:00 Uhr auf den Weg zur Schule gemacht haben. Die SZ vom 15.02.2000 schrieb in ihrem Artikel „“Er soll nicht so feige sein““ hierzu Folgendes: „Viorica W. ist in Temesvar in Rumänien geboren. Von Carlas Vater wurde sie schon 1988 geschieden – er hatte sie mit einem Messer bedroht. 1992 kam sie nach Deutschland, seit 1996 wohnte sie mit ihrem jetzigen Mann und Carla in Wilhermsdorf. Carla war groß für ihr Alter, aber noch sehr kindlich. Sie war stolz auf ihre schönen Haare, sie wollte eine Diät machen, weil sie sich zu mollig fand. Mit Jungen, sagt die Mutter, hatte sie noch nichts im Sinn, sie war eher schüchtern. Nie wäre sie zu einem Unbekannten ins Auto gestiegen. Auch wenn sie nach Nürnberg ins Kino fuhr, war immer ihre Mutter oder die Mutter einer Freundin dabei. Am Donnerstag kaufte sich Carla auf dem Schulweg immer die neue Bravo. Auch der 22. Januar 1998 war ein Donnerstag. Aber an diesem Tag kam Carla nicht mehr bis zum Zeitschriftenladen. Auf halben Weg dorthin lauerte ihr Mörder.“

Der Überfall auf das Mädchen müsste also etwa im Zeitfenster von 07:10 Uhr und 07:45 Uhr stattgefunden haben. Ob der Fundort auch der Ort war, an dem der Mörder Carla auflauerte, ließen die Ermittler zumindest in der Öffentlichkeit zunächst offen.

Laut Aussage ihrer Schulkameraden ist es zwar denkbar, auch auf dem Feldweg am Weiher vorbei zur Schule zu gehen, aber Carla hatte nie diesen Weg genommen, schon gar nicht am Donnerstag, weil sie an diesem Tag grundsätzlich beim Zeitschriftenladen vorbeiging, um sich die BRAVO zu kaufen.

In der Nähe des Weihers fand man bei einem Trafohäuschen drei Zigarettenkippen der Marke Marlboro 100 und schickte sie zur DNA-Analyse ins bayerische LKA nach München.

Zudem hatten Zeugen am Morgen des 22.01.1998 eine dunkelgekleidete Gestalt vom Weiher weggehen sehen. Dem Schlosser Wolfgang K. begegnete gegen 07:30 Uhr auf dem Weg zum Bauhof ein Jogger, bekleidet mit einem dunklen Jogginganzug, hellen Turnschuhen und Kapuze über den Kopf. Andere berichteten von einem hellen Opel Omega, den man morgens in der Nähe der Stelle, wo das Mädchen schließlich aufgefunden wurde, wegfahren hatte sehen. Daraufhin wurden insgesamt über 5.200 Autos überprüft ohne erkennbares Ergebnis (Quelle: SZ vom 11.02.2000 „Streit um Minuten im Prozess um den Tod von Carla“).

Auf der Grundlage zweier Zeugenaussagen, die den Fahrer des mutmaßlichen Opel-Omega gesehen hatten, wurde ein Phantombild erstellt. Mit diesem Phantombild machte sich die SoKo auf den Weg durch das Dorf. Hierzu schrieb die SZ vom 15.03.2000 „Das dritte Bremslicht“: „Zum x-ten Mal gingen sie auf den Bolzplatz in Wilhermsdorf und zeigten das Bild den Fußball spielenden Buben. „Das ist einer von den A.´s“, sagte einer. In der Familie A. gibt es fünf erwachsene Söhne. Der Kriminalbeamte Manfred M. ging mit dem Phantombild in den Tabakladen in der Hauptstraße. „Raucht einer von den A.´s Marlboro 100?“ fragte er. „Klar“, sagte die Verkäuferin, „der bei der Firma S.“. Also rief der Beamte dort an, aber bei der Firma S. arbeiteten zwei der Brüder. „Ich bin Nichtrauer“, sagte Peter A., „das ist der Werner“. Sie fanden Werner A. auf einer Baustelle in Fürth. Er sagte, er habe schon auf sie gewartet, er fahre ja auch einen Opel. Ob er bereit sei, eine Speichelprobe abzugeben? „Selbstverständlich“, sagte Werner A., aber dann zitterten seine Hände so stark, dass er das Röhrchen fallen ließ, und die Beamten mussten eine zweite Probe nehmen. Dann fotografierten sie Werner A.´s Auto, einen hellblauen Opel Vectra. Er hatte genau denselben Farbton wie die Fernbedienung im Haus der Buben, die das Auto gesehen hatten.“

Komisch ist nur, dass der Schlosser Wolfgang K., dem zur fraglichen Zeit ein Jogger entgegenkam, sich nicht erinnern konnte, den mutmaßlichen Täter Werner Arold an diesem Tag gesehen zu haben. Er kenne Werner Arold vom Sehen, weil er ebenfalls aus Wilhermsdorf stammte. Der Jogger hingegen schien ihm überhaupt nicht bekannt vorgekommen zu sein. Es wäre demnach interessant zu erfahren, ob Wolfgang K. vor der Polizei eine Beschreibung des Joggers für die Erstellung eines Phantombildes abgegeben hatte, denn in der Öffentlichkeit und offensichtlich auch während des Gerichtsprozesses wurde nicht davon berichtet. Insofern ist es mir nicht ganz verständlich, warum man sich bereits frühzeitig nur auf den Opel-Fahrer eingeschossen hatte.

Gegen Werner Arold begann dann im Februar 2000 ein reiner Indizienprozess, bei dem recht erstaunliche Sachen zum Vorschein kamen. So u.a. die Frage nach dem bis dahin erfolglos gesuchten Opel-Omega-Fahrer, den man in der Nähe des Tatorts gesehen haben will, oder die aufgefundenen Zigarettenkippen.

In der SZ vom 15.02.2000 „Angeklagten „tausendprozentig erkannt““ wird der Leser wie folgt „aufgeklärt“: „Am 22. Januar 1998, dem Tag, an dem die zwölfjährige Carla Suditu bewusstlos in einem Weiher in Wilhermsdorf aufgefunden wurde, lagen die Temperaturen am Morgen um den Gefrierpunkt. Die Luftfeuchtigkeit war hoch, der Boden von Raureif bedeckt. Als der Kriminalbeamte Wolfgang F. neben einem Transformatorenhaus, knapp 200 Meter vom Tatort entfernt, zwei Zigarettenkippen fand, denen keine Eispartikel anhafteten, war er sich deshalb sicher, dass diese Zigaretten erst vor kurzer Zeit geraucht worden sein mussten. Auf dem Betonboden fand er schwarze Rußspuren, die darauf hindeuteten, dass die Zigaretten an dieser Stelle ausgetreten wurden. Der Kriminalbeamte wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er die möglicherweise entscheidenden Indizien im Mordfall Carla entdeckt hatte. […] Der zweite Prozesstag erbrachte noch weitere Hinweise darauf, dass Werner A. sich am frühen Morgen des Tattags in Wilhermsdorf aufgehalten hat. Der Kfz-Mechaniker Milan P. wollte gegen 07:30 Uhr an diesem Morgen von der Uferstraße in die Hauptstraße einbiegen, als plötzlich von rechts mit quietschenden Reifen und ohne Licht ein Auto um die Ecke schoss. Milan P. arbeitet für das Opel Rennteam und war sich deshalb absolut sicher: Das ist ein Opel Vectra. Er erkannte auf dem Kennzeichen die Buchstaben FÜ für Fürth. Weil die Polizei in den Wochen nach dem Mord an Carla nach einem weißen Opel Omega fahndete, meldete er seine Beobachtung nicht. Erst fünf Monate später, als Werner A. schon verhaftet war, erwähnte er die Begebenheit im Blumenladen, und die Blumenfrau rief die Polizei an. Als man Milan P. ein Foto von Werner A.s Auto mit der Nummer FÜ-CZ 22 zeigte, glaubte er sich zu erinnern, dass er eben diese Buchstabenkombination damals auf dem unbeleuchteten Auto erkannt hatte. „Tausendprozentig erkannt“ wurde Werner A. an diesem Morgen von einem Arbeitskollegen, der gegen 07:15 Uhr in der Wilhermsdorfer Hauptstraße seinen täglichen Stopp machte, um Zigaretten zu kaufen. Er erkannte sowohl das Auto, das ihm entgegen kam, als auch den Fahrer. „Da fährt der Werner“, sagte er zu seinem Beifahrer, und beide wunderten sich, was der Kollege so früh in Wilhermsdorf wollte, wo er doch Urlaub hatte. Später, als jeden Tag in den Zeitungen über den Mordfall berichtet wurde, hätten sie Werner A. bei der Brotzeit sogar scherzhaft gefragt, ob er es nicht gewesen sei. „Gib´s zu, dann teilen wir uns die Belohnung“, frotzelten sie ihn. Werner A., so berichten mehrere Arbeitskollegen übereinstimmend, habe geantwortet, er könne es nicht gewesen sein, denn er habe ein Alibi: Er habe an diesem Morgen seine Frau zur Arbeit nach Fürth gefahren. Die gleiche Auskunft gab der Angeklagte Werner A. seinem Vorgesetzten, dem Montageleiter Harald R., als die Polizei auf dem Firmenparkplatz sein Auto fotografierte: „Mir können sie nichts anhaben, ich habe ein Alibi.“ Keine verwertbaren Erkenntnisse brachte die Auswertung der Faserspuren auf der Kleidung des Opfers und des Angeklagten. Aber die Kleidungsstücke von Werner A. konnten erst rund fünf Monate nach der Tat untersucht werden. Es wurden keine Fasern gefunden, die auf einen Kontakt mit Carla Suditu hinweisen. Allerdings fanden sich an Carlas Jacke, Pullover und Jeans Katzenhaare, und auch an den Kleidungsstücken des Angeklagten und auf den Sitzen seines Autos wurden Katzenhaare entdeckt, die vom optischen Eindruck her von ein und dem selben Tier stammen könnten. Ein Beweis ist das aber nicht. Der Versuch einer genetischen Bestimmung der Katzenhaare blieb ergebnislos, weil die Haare nicht genug Erbsubstanz enthielten.“

An anderer Stelle berichtet die SZ vom 01.03.2000 „Weitere Zeugen benannt“ zu dem Auto Folgendes: „Außerdem will die Verteidigung einen Psychologen als Zeugen hören, der im Lauf der Ermittlungen mehrere Zeugen unter Hypnose nach ihren Erinnerungen an ein Auto befragt hatte, das sie in der Nähe des Tatorts beobachtet hatten. Diese Zeugen hatten von einem weißen Opel-Omega mit dem Kennzeichen NEA für Neustadt-Aisch berichtet. Der Angeklagte dagegen fuhr einen hellblauen Opel-Vectra mit Fürther Kennzeichen. Einige weitere Zeugen, die bisher im Prozess noch nicht gehört wurden, sollen auf Wunsch der Verteidigung bestätigen, dass sie am Tattag im weiteren Umfeld des Tatorts einen hellen Opel-Omega unter verdächtigen Umständen beobachtet haben. Oberstaatsanwalt Walter Knorr trat den Beweisanträgen der Verteidigung nicht entgegen. Das Gericht vertagte seine Entscheidung über die Anträge bis zum 09. März.“

Und am 15.03.2000 bezog sich die SZ in ihrem Artikel „Das dritte Bremslicht“ ebenfalls auf das Auto. Demnach hätten zwei 12-jährige Buben auf ihrem Schulweg ein Auto aus dem Feldweg beim Trafohäuschen herausschießen sehen. Sie erkannten auf der Kühlerhaube den Opel-Blitz und beschrieben das Auto als metallisch Grau-Blau. Auf dem Nummernschild hätten sie ein N erkannt. Daraufhin fuhr der SoKo-Leiter Günther Brombach mit beiden Jungs zu einem Opelhändler, um sich von ihnen ein Vergleichsmodell zeigen zu lassen. Dabei zeigten sie auf einen Opel-Omega.

Was mich bei aller Vorsicht vor Zeugenaussagen besonders irritiert, ist der Umstand, dass offensichtlich mehrere Augenzeugen unabhängig voneinander diesen Opel-Omega gesehen hatten und von einem Nummernschild mit NEA bzw. N sprachen.

Im Verlauf der Ermittlungen wurden 1.697 registrierte Sexualstraftäter einschließlich der Opel-Fahrer mit ihren Alibis überprüft. Man nahm sich nicht nur die Opel-Omega-Fahrer aus Neustadt an der Aisch, sondern auch Nürnberg, Neustadt/Saale und Ansbach vor mit bereits genanntem negativen Ergebnis.

Ein weiterer angeblicher Augenzeuge tauchte dann erst plötzlich fünf Monate nach der Verhaftung von Werner Arold auf und erzählte wie beiläufig gegenüber einer Blumenhändlerin von seiner Beobachtung, die wiederum danach die Polizei anrief. Von da ab stellte sich der Kfz-Mechaniker Milan P. als vorgeblich zuverlässiger Zeuge zur Verfügung. Und ausgerechnet der wollte ganz genau wissen, dass es sich bei dem gesuchten Auto um einen Opel Vectra mit dem Kennzeichen FÜ-CZ 22 handelte und zwar auch erst, nachdem man ihm ein Foto von Werner Arolds Auto vorgelegt hatte. Milan P. wäre nur deshalb nicht gleich zur Polizei gegangen, weil ja damals nach einem Opel-Omega mit den Buchstaben NEA bzw. N gefahndet worden wäre – schon klar.

Ich sehe jedenfalls keinen Buchstaben am Kennzeichen von Werner Arold, der möglicherweise annähernd mit einem N verwechselt hätte werden können.

Um zu verstehen, worauf ich eigentlich hinaus will, muss man sich wieder den Fall Ulvi Kulac im Vermisstenfall Peggy Knobloch aus dem Jahr 2001 ins Gedächtnis zurückrufen, denn dort hatte man auch unter Leitung von Wolfgang Geier mit zweifelhaften Verhörmethoden dem geistig behinderten Tatverdächtigen ein Geständnis in den Mund gelegt, das er später jedoch widerrufen hatte.

Meines Erachtens ist das bereits zwei Jahre zuvor auch bei Werner Arold in der Mordsache „Carla“ abgelaufen. Am 16.02.2000 wusste die SZ „schon als Jugendlicher Mädchen überfallen“ weiteres zu berichten, was die Schuld von Werner Arold zusätzlich bekräftigen sollte.

Sieben Monate nach seiner Verhaftung soll er zuerst gegenüber einem Justizvollzugsbeamten in der U-Haft, dann dem damaligen Leiter der Sonderkommission Günther Brombach im Vernehmungszimmer gestanden haben, dass er an dem besagten 22.01.1998 doch gegen 07:15 Uhr in Langenzenn (wo im Übrigen auch die beiden Streifenbeamten patroullierten, bevor sie zum Fundort am Weiher gerufen wurden) gewesen war, nachdem er seine Frau zu ihrer Arbeitsstelle in Fürth gebracht hatte. In Langenzenn wollte er eine Schüssel bei einem Metzger zurückbringen, die er sich zuvor ausgeliehen haben will. Angeblich hätte die Metzgerei aber noch geschlossen gehabt, deswegen sei er dann nach Wilhermsdorf weitergefahren und habe dort am Bahnhof sein Auto abgestellt. Er wollte sich am Weiher noch die Füße vertreten und habe dann beim Transformatorenhäuschen drei Zigaretten geraucht.

Aufgrund dieser angeblich freiwilligen Aussage sei er dann gleich dem Ermittlungsrichter P. vorgeführt worden. Gegenüber dem Ermittlungsrichter beteuerte er aber weiter seine Unschuld und brach weinend zusammen. Auf die Frage, warum er nun ständig weine, wenn die Sprache auf Carla kommen würde, habe er gegenüber dem Ermittlungsrichter zugegeben, am besagten Tag zwar am Weiher gewesen zu sein, aber nicht Carla umgebracht zu haben. Er habe das Mädchen bereits im Weiher liegen sehen und sei dann erschrocken weggelaufen ohne ihr zu helfen. Er sei über die Wiese zu dem Trafohäuschen gerannt und habe erst hektisch drei Zigaretten kurz hintereinander geraucht. Dann sei er zu seinem Auto gerannt und weggefahren. Weil er schon vorbestraft wäre, hätte er mit der Polizei nichts mehr zu tun haben wollen. Außerdem hätte man ihm sowieso nicht geglaubt.

Die SZ schreibt dann in dem o.g. Aritkel „Schon als Jugendlicher Mädchen überfallen“ weiter: „Mit der Vorstrafe spielte Werner A. auf eine Begebenheit an, die 17 Jahre zurückliegt. 1982 wurde der damals 14-Jährige zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil er ein sechs- oder siebenjähriges Mädchen sexuell belästigt hatte. Er hatte dem Kind hinter einem Baum aufgelauert, es zu Boden gerissen und ihm den Reißverschluss an der Hose geöffnet. Als das Mädchen schrie, lief Werner A. davon, wurde aber vom Vater des Kindes gestellt. Das Beinahe-Geständnis des Angeklagten vor dem Ermittlungsrichter hielt nicht lange vor. Schon am nächsten Tag schrieb Werner A. einen Brief an die Staatsanwaltschaft und widerrief alles, was er am Vortag gesagt hatte. Im Prozess hat er bis jetzt jede Aussage verweigert. Auch die – mittlerweile geschiedene – Ehefrau und der Vater des Angeklagten machten am Dienstag von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Widerrufen hat der Angeklagte im Prozess um den Mord an Carla die Aussage, dass er zur Tatzeit am Tatort war.“

Interessanterweise kann man dann später in der SZ vom 10.03.2000 „“Und Sie haben einfach zugedrückt““ lesen: „Negativ sei zu bewerten, dass der Angeklagte vor Gericht geschwiegen habe, betonte Knorr [Anm.: Oberstaatsanwalt Walter Knorr]. Aber auch die Aussagen vor dem Ermittlungsrichter seien widersprüchlich gewesen.“

Ich darf hier nur mal nebenbei erwähnen, dass es das gute Recht eines jeden Angeklagten ist, vor Gericht zu schweigen. Deswegen darf man das Schweigen auch nicht zulasten des Angeklagten verwenden, was aber augenscheinlich in diesem Fall erfolgt ist.

Jedenfalls kam der Kripobeamte Günther Brombach erst zum Fundort, als das Mädchen schon längst abtransportiert war. Er dirigierte im Übrigen die Spurensicherung vom kriminaltechnischen Dienst zu dem Trafohäuschen mit der Begründung, dass der Täter nur dort das Mädchen hätte abfangen können. Die SZ vom 15.03.2000 „Er jagte ihn auch noch im Schlaf“ schrieb dazu weiter: „Und dort fanden sie auch schnell die Kippen von Zigaretten, frisch geraucht und nicht von Reif überzogen. Acht Kippen verschiedener Marken. Fünf davon ließen sich den Bauhof-Arbeitern zuordnen, die am Feldweg auf die Polizei gewartet hatten. Drei Kippen der Marke Marlboro 100 aber stammten von einem Unbekannten. Brombach war sich sicher: Der Mann, der diese Zigaretten geraucht hatte, war entweder der Täter selbst, oder er musste ihn gesehen haben.“

Ein weiteres Indiz, das Werner Arold in Verbindung mit dem Mord an Carla Suditu gebracht hatte, waren Katzenhaare, die sowohl an der Kleidung von Carla als auch auf den Autositzen und Kleidung Arolds sichergestellt wurden. Dazu erklärte Arold angeblich wiederum zuerst gegenüber einem Justizangestellten, dass am frühen Morgen plötzlich ein Mann auf ihn zu gerannt kam. Er wollte in Panik weglaufen, sei aber mit Carla, die gerade auf dem Weg zur Schule war, zusammengestoßen. Dabei müssten wohl auch die Haare auf ihre Kleidung gekommen sein.

Auf den ersten Blick klingt das tatsächlich sehr unglaubwürdig, aber die Grundsatzfrage, die sich hier stellt, ist doch – warum hatte Werner Arold überhaupt erst sieben Monate nach seiner Verhaftung das Reden angefangen und sich angeblich erst einem Justizangestellten offenbart, bevor er verschiedene Versionen seiner Geschichte gegenüber dem Ermittlungsrichter im Beisein des SoKo-Leiters Günther Brombach am 11. Dezember 1998 vorbrachte?

Ich vermute, dass der öffentliche Druck auf die Sonderkommission anwuchs. Als Werner Arold Mitte Mai 1998 aufgrund eines Phantombildes und der DNA-Spuren an den besagten drei Zigarettenkippen festgenommen wurde, hatte die Polizei keine weiteren gesicherten Indizien, welche die Täterschaft bekräftigten. Arold hatte zu diesem Zeitpunkt eisern an seiner Aussage festgehalten, dass er zum fraglichen Zeitpunkt nicht am Weiher war und stattdessen seine Frau zur Arbeit nach Fürth gefahren hätte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Arold die ganzen sieben Monate von den Ermittlungsbeamten unangetastet blieb. Vielmehr gehe ich davon aus, dass man Arold ständig mit neuen „Beweisen“ und Aussagen angeblicher Augenzeugen konfrontierte und ihn so in eine Rechtfertigungsposition reindrängte. Unter Günther Beckstein wurde die bayerische Polizei von 2001 bis 2003 in der so genannten Reid-Methode ausgebildet, die den Verdächtigen in die Enge treiben und schließlich zusammenbrechen lassen sollen. Mit Ulvi Kulac kam erstmals diese Verhörmethode durch das Buch von Ina Jung und Christoph Lemmer „Der Fall Peggy Knobloch. Die Geschichte eines Skandals“ auf den Seiten 237 bis 245 im Detail ans Tageslicht.

Wir alle neigen schnell dazu, bei grausamen Morden, insbesondere wenn dabei Kinder betroffen sind, nach sofortigen Präsentationen von Tätern und Lösungen zu schreien, aber offen gestanden ist es mir wesentlich lieber, wenn Ermittlungsbeamte sorgfältig alle Spuren sichern, auswerten und versuchen, eine objektiv lückenlose und widerspruchsfreie Indizienkette zum Nachweis der Tat eines Verdächtigen zu rekonstruieren, die ein Geständnis des Täters nicht mehr unbedingt erforderlich machen – mit anderen Worten, alle entlastenden und belastenden Sachverhalte sind gegenüberzustellen und hierzu alle verfügbaren Informationen sorgfältig abzuwägen, das betrifft auch die dubiosen Zeugenaussagen wie im Fall des Milan P. oder eines kleinen Nikolaus, der plötzlich auch mit den beiden Buben unterwegs gewesen sein will und sich im Gegensatz zu den beiden Jungs hundertprozentig sicher sein wollte, dass auf dem Kennzeichen die Buchstaben FÜ für Fürth standen. Auch die Vorgehensweise bei der Spurensicherung am Tatort durch Günther Brombach lässt aus meiner Sicht einige Fragen offen, erst recht, nachdem nicht nur die Zigarettenkippen von Werner Arold aufgefunden, sondern auch solche von mehreren Arbeitern des in der Nähe liegenden Bauhofs, die man aber offensichtlich sofort aus dem Täterkreis ausschloss. Warum eigentlich?

Es scheint noch nicht einmal gesichert zu sein, ob Carla überhaupt am Weiher war, als der Täter ihr auflauerte und versuchte, sie zu vergewaltigen.

Genauso gut könnte es sein, dass Carla auf dem Weg zum Zeitschriftenladen bereits abgepasst und in ein Auto gezerrt wurde, um dort die Vergewaltigung zu vollziehen. Danach erst könnte der Täter sie zum Weiher gebracht und dort abgeladen haben. Dafür spricht auch, dass offensichtlich um diese Zeit viele Passanten auf dem Weg zur Arbeit oder zum Gassi-Ausführen ihrer Hunde auf dem Feldweg am Weiher unterwegs waren. Eine spontane oder auch geplante Vergewaltigung eines Kindes an Ort und Stelle wäre damit extrem risikobehaftet. Nicht zu vergessen auch die Aussagen der Schulkameraden von Carla, die unisono bestätigt hatten, dass Carla nie über den Feldweg zur Schule gegangen war.

Ich sage nicht, dass man mit Werner Arold einem Unschuldigen den Prozess gemacht hat – um das zu beurteilen, müsste ich erst einmal sämtliche Ermittlungs- und Spurenakten kennen – aber die Methode, die zur Festnahme von Werner Arold geführt haben, scheinen aus meiner Sicht mehr als fraglich zu sein und überzeugen mich in keinster Weise davon, dass Werner Arold auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter ist.

Das Resümee, das das Gericht in seiner Urteilsbegründung einfließen ließ, lässt ebenfalls tief blicken, insbesondere wenn man weiß, dass Arold stets bestritten hatte, überhaupt an dem besagten Tag in unmittelbarer Nähe des Fundortes gewesen zu sein. So heißt es u.a.: „Als wichtigste Beweismittel gegen Werner Arold wertete das Gericht die drei Zigarettenkippen, die an der Stelle gefunden wurden, an der der Täter der 12-jährigen Carla auf ihrem Schulweg gelauert hatte. Durch eine DNA-Analyse stand unzweifelhaft fest, dass diese Zigaretten etwa zur Tatzeit von Werner Arold geraucht worden waren. Dass der jung verheiratete Arold, der erst seit einigen Monaten im nur wenige Kilometer entfernten Langenzenn wohnte, an diesem Morgen in seinem Heimatort Wilhermsdorf war, stehe auch durch die Aussage eines Arbeitskollegen fest, der Arold kurz vor der Tatzeit in seinem Auto in Richtung des Tatorts fahren sah. „Wer sich zum Tatzeitpunkt am Tatort befand, war der Täter“, sagte der Vorsitzende Richter. Die rein theoretische Möglichkeit, dass ein anderer die Tat begangen habe, schiede aus, weil Arold in diesem Fall den Täter gesehen haben müsste. „Er hätte mit Sicherheit keinen Anlass gehabt, das zu verschweigen.““ (Quelle: SZ vom 16.03.2000 „Spektakulärer Indizienprozess in Nürnberg zu Ende – Lebenslange Freiheitsstrafe für Carlas Mörder“)

Und weiter heißt es bezugnehmend auf das Plädoyer seiner Verteidiger einige Zeilen später: „Arold habe bei den Vernehmungen unter starkem Druck gestanden, irgendeine Geschichte zu erzählen, um seine Anwesenheit an dem Trafo-Haus in Wilhermsdorf zu erklären, wo die von ihm gerauchten Zigarettenreste gefunden wurden. „Er ist einer, der schon immer leicht nervös wird und rote Ohren bekommt. Er ist sprachlich unbeholfen. Die Vernehmungssituation verleitet zum Lügen“, sagte Neder. Der Angeklagte habe sicherlich ungeschickt und unglücklich gehandelt, als er immer neue Versionen über sein Verhalten am Tattag präsentierte. „Aus diesen Lügen und diesem Jonglieren kann man aber nicht auf seine Täterschaft schließen.“ Keinerlei Beweiswert billigten die Verteidiger den Katzenhaaren zu, die an Carlas Kleidung und an Kleidungsstücken Arolds gefunden wurden. Zeugenaussagen zufolge habe Carla gern mit Katzen gespielt, die Identität der Haare war nicht nachweisbar. Auch die Beobachtungen von Schulkindern, die zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts einen hellen Opel beobachtet hatten, könnten Arold nicht als Täter überführen. Die Kinder hätten widersprüchliche Aussagen über das Kennzeichen gemacht, eine Puppe im Trikot des 1. FC Nürnberg, die nach Angaben eines Zeugen im Rückfenster des Autos angebracht war, sei bei Arold nie gefunden worden. Es gebe Hinweise, die deutlich gegen die Täterschaft Arolds sprächen. Ein Zeuge hatte ausgesagt, der Fahrer des Wagens habe lange, dunkle, gelockte Haare gehabt, während Arold zu dieser Zeit eine Stoppelfrisur hatte. Ein anderer Zeuge beschrieb ein Muttermal, das er im Gesicht des Fahrers gesehen habe, Arold hat kein solches Muttermal. „Er war nicht der Fahrer, und es war nicht sein Fahrzeug“, folgerte der Verteidiger Nils Junge.“ (Quelle: SZ vom 16.03.2000 „Spektakulärer Indizienprozess in Nürnberg zu Ende – Lebenslange Freiheitsstrafe für Carlas Mörder)

Anhand dieses Beispiels kann ich nur hoffen, niemals in eine solche Situation zu geraten, in der ich weder ein Alibi noch einen sonstigen Ausschlussgrund für eine Tat vorweisen kann, die man mir zu Last legt – auch wenn ich hundert Mal damit nichts zu tun hätte.

Aber genau das ist auch im Mordfall Markus Wachtel mit dem kasachischen Spätaussiedler Alexander Brug passiert.

Am 23.09.1999, also 18 Monate nach dem Mord an Markus Wachtel, wurde Alexander Brug medienwirksam in seiner Berufsschule verhaftet. Der ZDF-Reporter Michael Heuer war bereits zur Stelle und ließ die Kamera unbedeckt auf das Gesicht des mittlerweile 18-jährigen Berufsschülers richten. Die Bilder seiner Verhaftung wurden über sämtliche Kanäle ausgestrahlt und damit eine lupenreine Vorverurteilung in Szene gesetzt, siehe auch den Artikel „Action auf dem Schulhof. Wie es das ZDF im Mordfall Wachtel plötzlich sehr eilig hatte„) Dazu heißt es nämlich u.a.: „Dass das ZDF den Verdächtigen am Mittwoch einem Millionenpublikum vorführte, ohne seine Identität zu verschleiern, stößt dem niedersächsischen Innenministerium sauer auf – obwohl der Fernsehfilmer mit Wissen der Behörde vor Ort war. Der Autor des Beitrags heißt Michael Heuer und arbeitet für das ZDF-Landesstudio Hannover. Ein Jahr lang hat er die Mordkommission „Wachtel“ begleitet. Zwei- bis dreimal pro Woche drehte er mit seinem Team, sogar Einsatzbesprechungen fanden im gleißenden ZDF-Licht statt. Staatssekretär Werner Lichtenberg umreißt den Deal zwischen Heuer/ZDF und der Kripo so: „Jedes Bild muss vor der Veröffentlichung freigegeben werden.“ Außerdem sei nie von aktuellen Berichten die Rede gewesen, sondern von einer Dokumentation. In den vergangenen drei Wochen spitzte sich die Lage in Peine zu: Anderthalb Jahre nach dem Mord an Markus Wachtel grub die Mordkommission eine heiße Spur aus. Michael Heuer wich den Beamten nicht mehr von der Seite, bis es zum Showdown mit Alexander B. auf dem Schulhof kam – der exklusive Michael Heuer inklusive Action-Wackelkamera mittendrin. Dass die Bilder eines Verdächtigen, der von jedermann eindeutig zu identifizieren ist, am selben Tag in heute liefen, kommentiert Eckehart Gaddum, Chef vom Dienst der Nachrichtensendung, auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung so: „Aus heutiger Sicht war das sicher eine falsche Entscheidung der Redaktionsleitung.“ In anderen Redaktionen waren die Bedenken angesichts des vermeintlichen Scoops – zumal er im ZDF ja schon gesendet war – nicht groß. RTL verarbeitete das Material zum Beispiel gleich dreifach: in RTL-Aktuell, in Explosiv und im Nachtjournal. Nach Auskunft von heute –Redakteur Eckehart Gaddum hat das ZDF von der Konkurrenz „handelsübliche Preise“ für die Ware verlangt. Nach harschen Vorwürfen zu dem Prozedere in Peine berief das Innenministerium in Hannover am Donnerstag eilends eine Pressekonferenz ein, um deutlich zu machen, dass man sich vom ZDF über den Tisch gezogen fühle. Auch die Polizei am Ort ist stinksauer. Sprecher Klaus Buhlmann: „Herr Heuer hat das Vertrauen missbraucht, das wir ihm entgegengebracht haben.“

Doch was hatte die Polizei bis dahin an hinreichenden Indizien, die Alexander Brug mit dem Mord an dem kleinen Jungen mit schließender Zerstückelung in Verbindung brachten?

Um genau zu sagen – gar nichts.

Die Annahme, dass Alexander Brug am Abend des 07. März 1998 gegen 21:15 Uhr auf Markus Wachtel traf, mit ihm wegen Zigaretten oder Mädchen in Streit geriet, ihn daraufhin verprügelt, erwürgt und anschließend zerstückelt haben soll, beruht auf Zeugenaussagen der Jugendgruppe, mit denen Alexander Brug zum besagten Zeitpunkt abhing.

Außerdem war der damals 16-jährige Kasache bereits wegen schwerer Körperverletzung und Raub vorbestraft und aufgrund seiner aufbrausenden Art auch bei seinen Kumpels nicht gerade beliebt. Dass sich Alexander angeblich mit der Tat später gebrüstet haben soll, stammte ebenfalls aus seinem damaligen Bekanntenkreis. Die Verteidiger von Alexander Brug stellten in ihrem Plädoyer fest, dass die damaligen Kumpels erst dann mit ihren Aussagen an die Polizei herantraten, als am 12.03.1998 eine Belohnung von 60.000 DM ausgelobt wurde.

Das würde dann auch ein völlig neues Licht auf die in Szene gesetzten Ereignisse um die Verhaftung von Alexander Brug werfen. Es hieß immer, dass die Ermittlungsbeamten nach erneuter Befragung von Personen ihren Tatverdächtigen Alexander Brug bestätigt sahen.

Was aber, wenn diese Aussagen tatsächlich schon Mitte 1998 vorlagen und die Polizei sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht sicher war, ob der Belastungseifer nicht doch durch den Anreiz der Belohnung erfolgte?

Markus Wachtel soll in der Nacht zum 08.03.1998 umgebracht und etwa zwei Stunden nach seinem Tod zerteilt worden sein, aber wo die Leichenteile anschließend zwischengelagert wurden, bevor sie drei Tage später am 10.03.1998 im Kiesteich bei Stederdorf auftauchten, konnte die Polizei trotz umfangreicher Hausdurchsuchungen von Freunden, Verwandten und Bekannten der Brugs bis heute nicht beantworten.

Außerdem sollen einige Gliedmaßen fehlen, allerdings ließ die Polizei offen, um welche Körperteile es sich handelte. Das wurde in der Öffentlichkeit auch nicht mehr weiter thematisiert.

Genauso wenig konnte sie beantworten, wo sich Markus noch in den wenigen Stunden, die ihm nach den Obduktionsergebnissen zu urteilen offensichtlich noch zum Leben verblieben, von 21:15 Uhr bis ca. 01:00 / 02:00 Uhr nachts aufgehalten hatte.

Die Aussiedlergruppe um Alexander Brug geriet recht schnell nach dem Mord an Markus in Verdacht, weil die Ermittlungsbeamten davon ausgegangen waren, dass nur ein Ortskundiger diese grauenvolle Tat vollbracht haben konnte. Die Aussiedlergruppe in Stederdorf war weitgehend unter sich und wurde von den übrigen Anwohnern kritisch beäugt, wenn nicht sogar gemieden.

Weil man auf der Leiche von Markus ein Hautpartikel bzw. Schuppe gefunden hatte, wurden auch im November 1998 Gentests bei der Bevölkerung von Stederdorf durchgeführt mit negativem Ausgang. Alexander Brug, der auch eine Speichelprobe abgegeben hatte, konnte nicht als Spurenverursacher identifiziert werden, ebenso wenig seine Bekannten, Freunde und Verwandte. Es fanden sich weder Tatwerkzeug noch Kleidung von Markus noch das ausgeliehene Videospiel noch Faserspuren noch sonstige Spuren, die nur ansatzweise darauf hingedeutet hätten, dass ausschließlich Alexander Brug für den Tod von Markus verantwortlich war. Das ist umso verwunderlicher, wenn man die bisherigen Vermutungen zugrunde legt, dass es zwischen Markus und Alexander eine handgreifliche Auseinandersetzung gegeben hatte, also ein unmittelbarer Körperkontakt erfolgt war.

Einzig und alleine die Zeugenaussagen belasteten Alexander Brug schwer, aber selbst die Polizei ging von der Annahme aus, dass er zumindest bei der Beseitigung der Leiche tatkräftige Unterstützung erhalten haben musste. Komischerweise wollte da aber keiner der so genannten Zeugen daran beteiligt gewesen sein.

Um den Gruseleffekt dieser ohnehin schon geisteskranken Ereignisse noch weiter zu steigern, trieb just zu der Zeit ebenfalls in Peine-Stederdorf ein Pferdeverstümmler sein Unwesen.

Am 18.09.1999 meldete zum Beispiel die Süddeutsche in ihrem Artikel „Gesucht: Ein Pferdehasser. Eine Einsatzgruppe der Polizei versucht eine Serie grausamer Tierquälereien aufzuklären“: „Das Protokoll klingt nüchtern: „Tatort: Peine-Stederdorf (Weide). Tatzeit: Sa./So. 17./18.7.99, zwischen 23:30 und 04:30 Uhr. Beschreibung: Stute, deutsches Reitpony, hellbraun, zutraulich – getötet.“ Die Serie von Pferdemorden im Umland von Hannover reißt nicht ab. Vier Tiere wurden am vergangenen Wochenende an drei verschiedenen Tatorten verstümmelt aufgefunden: In Isernhagen fanden die geschockten Besitzer am Freitag ein Fohlen mit einem abgetrennten Vorderbein, in Lachendorf trennte der Täter den Kopf eines Fohlens vom Rumpf, in Wienhausen stach er so lange auf ein Fohlen und eine Stute ein, bis beide qualvoll verendet waren. Vom Täter fehlt bisher jede Spur. Seit Anfang der neunziger Jahre muss sich die niedersächische [sic!] Polizei mit zahlreichen Fällen von Mord oder Folter von Pferden herumschlagen. Besonders erschreckend: Das Landeskriminalamt (LKA) geht zwar von einem Serientäter aus, zusätzlich gibt es jedoch wohl noch Trittbrettfahrer. 34 Tatorte hat die „Einsatzgruppe Pferd“ seit dem 1. Januar aufgelistet; 52 Pferde wurden misshandelt, 18 von ihnen starben. Aber nur an zehn Tatorten wurden Spuren gefunden, die auf einen Serientäter schließen lassen. Seit Anfang dieses Monats sucht [sic!] die Beamten daher nach neuen Fahndungsansätzen, um die Tierquäler dingfest zu machen. […]  Die Spezialeinheit des LKA besteht aus fünf Beamten, von denen einer als Mitglied einer Reiterstaffel den nötigen Sachverstand mitbringt. „Die haben einen mühseligen Job“, sagt Sprecher Detlef Ehrike, „weil sie jetzt alle Fälle nochmal nach bislang übersehenen Details abklopfen müssen, auf der Suche nach etwas wie ein Muster.“ Kein Hinweis sei zu absurd, um nicht noch einmal bedacht zu werden. Bisherige Erkenntnis: Er ist männlich, und kennt sich mit Pferden aus, weil er sie teilweise fachmännisch zerlegt: „Es wird ein unscheinbarer Typ sein, dem man solche Schandtaten nicht auf den ersten Blick zutraut“, vermutet Ehrike, „getrieben von einer sexuellen Abart: Er weidet sich am Todeskampf der edlen und anmutigen Geschöpfe.“ Fall 16 der LKA-Statistik trägt auch einen Namen: „Rosi“. Kerstin Engelking (35) aus Peine erinnert sich: „Zum 10. Geburtstag unserer Tochter haben wir zwei Pferde angeschafft, die einjährige ‚Rosi‘ und ihren Bruder ‚Baron‘.“ Mitte Juni fand die Familie „Rosi“ mit gefesselten Läufen auf der Weide liegend. „Wir haben uns so gefreut, dass wir sie danach wieder aufpäppeln konnten“, sagt Kerstin Engelking. Einen Monat später kehrte der Täter zurück; diesmal überlebte „Rosi“ nicht. Die sadistischen Tierquälereien erzeugen in Niedersachsen große Wut. Begleitet von wüstesten Drohungen haben Pferdezüchter hohe Belohnungen ausgesetzt. „Es sind Situationen vorstellbar, in denen es für den Täter besser wäre, wenn er von der Polizei gefasst wird, als von Pferdebesitzern ertappt zu werden“, sagt Ehrike diplomatisch. Laut Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes muss der Täter mit maximal zwei Jahren Haft rechnen. Wie ernst das LKA die Pferdemorde nimmt, zeigt sich auch daran, dass in der Ermittlungsgruppe Beamte aus der Abteilung Organisierte Kriminalität mitarbeiten. „Die wurden am Anfang von ihren Kollegen ein bisschen bespöttelt.“, sagt Ehrike, „dann haben sie Fotos von aufgeschlitzten Pferdebäuchen herumgezeigt,“ Ehrike machte eine Kunstpause, „jetzt lacht keiner mehr.““

In der Nacht zum Samstag, am 16. Oktober 1999, wurde dann das Grab von Markus Wachtel geschändet und daraus sein Kopf entnommen.

Alexander Brug kann ja dafür nicht mehr verantwortlich gemacht werden, schließlich saß er zu dem Zeitpunkt bereits in U-Haft.

Und so schreibt die Süddeutsche vom 19.10.1999 weiter: „Eine Grabschändung wie diese ist ein äußerst seltenes Delikt“, sagte Rechtsmediziner Werner Johann Kleemann von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Grabzerstörungen kommen immer wieder vor. Normalerweise nimmt aber niemand ein Leichenteil mit“, erklärte der Wissenschaftler. Diebstahl von Leichenteilen begehen nach Kleemanns Erfahrungen meist Nekrophile. „Aber Nekrophilen ist nicht an Öffentlichkeit gelegen.“ Kleemann hält es für möglich, dass das große öffentliche Interesse an dem Fall Markus Wachtel ein Anreiz für einen triebgestörten Grabschänder gewesen sein könnte. Der Experte ist sicher: „Wir haben es hier mit einer anderen Qualität als bloßem Vandalismus zu tun.“ Auch die Polizei schließt nicht aus, dass „eine völlig abnorme Täterpersönlichkeit“ das Grab Markus Wachtels öffnete – es wäre nicht der erste Fall dieser Art. Im November 1998 hatte ein 26-jähriger die Leiche eines Kindes auf einem Friedhof nahe Bautzen ausgegraben und mit nach Hause genommen. Zwei Tage später legte er das tote Mädchen unter einer Brücke ab und stellte sich. Der Mann wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Erst vor zwei Wochen hatten Unbekannte in Frankfurt das Grab des ebenfalls 13 Jahre alten Mordopfers Tristan Brübach geöffnet. Sie wurden aber gestört, bevor sie den Sarg erreichten. Ebenso wie Markus Wachtel war auch Tristan Brübach von seinem Mörder zerstückelt worden. Trotz der Parallelen halten die Ermittler einen Zusammenhang der Grabschändungen von Peine und Frankfurt für unwahrscheinlich. „Es könnte aber sein, dass die Täter durch Berichte in den Medien auf den jeweils anderen Fall aufmerksam geworden sind“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Frankfurt. Ein Sprecher der Polizei in Peine hatte am Montag einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten nicht ausgeschlossen. Bei beiden Grabschändungen seien die Täter akribisch vorgegangen und hätten Gruben mit senkrechten Wänden ausgehoben.“ (Quelle: SZ vom 19.10.1999 „Suche nach einer „abnormen Persönlichkeit““)

Glaubt Ihr nicht, dass jemand, der Pferden so etwas Grausames antun kann, auch vor Menschen nicht zurückgeschreckt?

Wurde jemals ein DNA-Abgleich des an Markus Wachtel gefundenen Hautpartikels mit den Spuren vorgenommen, die man an den Tatorten des Pferderippers in Niedersachsen sicherstellen konnte?

Und wenn der oder die Pferderipper keine DNA-Spuren hinterlassen hat/haben, wurde dann das Verletzungs- und Verstümmelungsmuster von Markus Wachtel mit denen der Pferde verglichen?

Und dann frage ich mich weiter, wer hier eigentlich an der Uhr gedreht hat?

Seit einem Jahr hatte ein ZDF-Team die Mordkommission „Wachtel“ bei ihren Ermittlungsarbeiten begleitet. Das alleine ist zunächst noch nicht verdächtig, aber es irritiert mich doch ganz massiv, was anschließend im Zuge der Verhaftung von Alexander Brug passiert ist.

Es sieht für mich fast so aus, als ob man mit Gewalt und unter Inkaufnahme öffentlicher und rechtlicher Schelte dieser Vorgehensweise einen Schlussstrich unter den Mordfall Markus Wachtel ziehen und dessen möglichen Zusammenhang mit dem Mordfall Tristan Brübach, ja vielleicht sogar mit den Mordfällen Stefan Lamprecht und Jessica Kopsch, deren Leiche man erst am 08.01.1999 in einer Kaolingrube bei Halle entdeckt hatte, ausblenden wollte.

Ich bin zutiefst überzeugt, dass die AG „Tristan“ etliche Details zum Verletzungsbild von Tristan Brübach verschwiegen hat, was aus meiner Sicht auch vollkommen in Ordnung ist, denn es geht schließlich darum, vermeintliches Täterwissen bei Geständnissen oder Zeugenaussagen mit den tatsächlichen Gegebenheiten abzugleichen, um einem Verdächtigen die ihm zur Last gelegte Straftat lückenlos nachzuweisen – zumindest wenn es nach Lehrbuch ablaufen soll.

Für meinen Geschmack hatte die AG „Tristan“ damals schon viel zu viel aus der Obduktion veröffentlicht, was man aber auch dahingehend deuten kann, dass deren Bekanntgabe als ermittlungstechnisch nicht schädlich angesehen wurde, weil es noch weitere spezifische Verletzungs- und Verstümmelungsbilder gab, zum Beispiel das Fehlen bestimmter Extremitäten, Knochen, Entnahme von Rückenmark oder Organe. Immerhin hatte die Obduktion von Tristan Brübach mehr als sechs Stunden in Anspruch genommen. Davor fand schon eine mehrstündige Leichenschau statt.

Nachdem das BKA zum Beispiel bis heute noch immer auf ihrer Homepage die verwunderliche Aussage „Die Leichtenteile wurden bis heute nicht aufgefunden“ stehengelassen hat, gehe ich davon aus, dass nicht in erster Linie die herausgenommenen Hoden oder Fleischstücke gemeint sind.

Es dürfte klar sein, dass diese Weichteile mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach so langer Zeit nirgendwo mehr aufzufinden sind, insbesondere dann, wenn man Kannibalismus oder illegalen Organhandel unterstellt.

Bei der Spiegel TV-Dokumentation „Im Visier der Fahnder – Der Fall Tristan Brübach“ fiel mir aber die dort gezeigte Obduktionsskizze sofort ins Auge, die an drei verschiedenen Stellen für ein paar Sekunden eingeblendet wurde. Dort kann man auf der rechten Seite des Beines nicht nur die Hautlappen am Unterschenkel eingezeichnet sehen, sondern auch einen länglichen Gegenstand unterhalb des Hinterns den Oberschenkel entlang, von dem ich vermute, dass es sich um einen Oberschenkelknochen handeln könnte. Ein solcher eingezeichneter länglicher Gegenstand fehlt auf dem linken Bein, was aus meiner Sicht nur eine Schlussfolgerung zulässt – mit dem eingezeichneten Gegenstand, von mir als Oberschenkelknochen interpretiert, muss es eine besondere Bewandtnis haben. Entweder fehlt hier ein Oberschenkelknochen oder es muss sich um eine äußerst lange und breite Schnittverletzung handeln, aus der Fleisch oder Muskelfleisch herausgetrennt und dabei der Oberschenkelknochen sichtbar wurde.

Wenn ich das jetzt alles aufschreibe und kostenlos zur Verfügung stelle, geschieht das deswegen, weil ich jedem die Möglichkeit oder besser gesagt die Chance geben möchte, sich zumindest einmal gedanklich mit der Thematik auseinanderzusetzen, dass wir es möglicherweise nicht nur mit isolierten, geisteskranken Psychopathen als Einzeltäter zu tun haben, sondern es auch ein Muster von organisierten schwarzen Operationen gibt, die darauf ausgerichtet sind, Angst, Zwietracht, Misstrauen, Terror und Schrecken unter der normal denkenden und fühlenden Bevölkerung zu verbreiten.

Zudem dienen solche Taten auch schwarzmagischen und satanischen Ritualen zum Erhalt von Macht und Wohlstand. Last but not least finden sich auch Elemente von Organisierter Kriminalität auf dem Gebiet des illegalen Organhandels wieder. Bei rituellen Handlungen werden bestimmte Tage und Bedingungen herausgesucht wie zum Beispiel Voll- oder Neumond, Sternenkonstellationen, universelle Phänomene (Sonneneruptionen, Supernovas, Kometen), Zahlenkombinationen, Geburts- oder Todestage besonders verehrter Gottheiten, Dämonen und Helden, Jubiläen von bestimmten Ereignissen etc., um daraus bestimmte Energien zu absorbieren und zu transformieren.

Es liegt in der Regel außerhalb des Vorstellungsvermögens eines Durchschnittbürgers, hier bewusst angelegte kriminelle, militärische oder geheimdienstliche Aktionen und False-Flag-Operationen in Betracht zu ziehen, sondern sie lieber durchgeknallten Einzeltätern ohne Sinn und Verstand zuzuschreiben, ausschließlich von ihren niederen Trieben und Instinkten geführt. Und genau das wird von diesem wahnsinnigen, vermeintlich elitären Gesocks und menschlichen Abschaum ausgenutzt.

Die Drogenhändlerbande um  Alfonso Constanzo aus Matamoro, Mexiko, war exakt so ein Fall, bei dem u.a. amerikanische Studenten aus der Grenzstadt von der Straße abgefangen und grausam für Blutrituale abgeschlachtet und teilweise verzehrt wurden. Zum Teil wurden ihre Gehirne und Augen für weitere Kraft- und Schutzrituale verwendet und konserviert. Das alles diente dazu, um die Drogenbande einerseits vor polizeilichen Zugriffen und konkurrierenden Banden zu schützen und andererseits die Geschäfte weiter anzukurbeln.

Bis heute sind die Frauenmorde von Ciudad Juarez, denen weit mehr als 350 Mädchen und Frauen aus den umliegenden Fabrikanlagen großer westlicher und fernöstlicher Konzerne zum Opfer gefallen sein sollen, nicht aufgeklärt; stattdessen wurden zahlreiche Kleinkriminelle festgenommen und für die Morde verantwortlich gemacht. Als aber die Morde immer noch nicht aufhörten, mussten sie letztendlich wieder freigelassen werden und erhielten zum krönenden Abschluss noch eine Tracht Prügel, damit der Gefängnisaufenthalt nicht ganz umsonst war.

Aus Polizeikreisen nicht nur in Ciudad Juarez, sondern auch in der amerikanischen Grenzstadt El Paso munkelt man indes, dass die Täter sehr wohl bekannt sind, aber aufgrund ihrer sozialen Stellung nicht angetastet werden dürften, was auch immer das heißen mag. Viel Phantasie braucht man dazu aber nicht, um sich vorzustellen, wer damit gemeint sein könnte.

Und wer jetzt glaubt, das wäre ja in Mexiko ein anderer Kulturkreis mit hohem Korruptionspotential, der mit den vermeintlich aufgeklärten westlichen Gepflogenheiten nichts zu tun hätte, der irrt hier ganz gewaltig, denn wenn ich daran denke, wer die Ureinwohner Nord-, Mittel- und Südamerikas regelrecht abgeschlachtet und terrorisiert hat, müsste ich wieder auf den europäischen Kontinent zu sprechen kommen einschließlich der Hexenverbrennungen und mittelalterlichen Folterpraktiken, die man noch bis ins 19. Jahrhundert hin angewandt hatte.

Die in der Öffentlichkeit diskutierten Fälle Stefan Lamprecht, Markus Wachtel, Tristan Brübach, Johanna Bohnacker und Jessica Kopsch zeichnen sich alle gemeinsam durch besondere Grausamkeiten aus ungeachtet der bis dahin immer noch unaufgeklärten Vermisstenfälle wie zum Beispiel Katrin Kohnert, Markus Schadwald, Peggy Knobloch oder auch Pascal Zimmer.

Rufen wir uns deswegen noch mal kurz ins Gedächtnis, was am 26. März 1998 mit Tristan Brübach passiert war.

Gesichert scheint zu sein, dass Tristan an diesem Tag gegen 09:00 Uhr in der Schule erschien. Dort war er offensichtlich noch bis mindestens 13:00 Uhr anwesend, bevor er sich schließlich wegen eines geplanten Arztbesuches entschuldigen ließ. Die Aussagen zum weiteren Bewegungsbild von Tristan sind hier schon ziemlich widersprüchlich und werden deswegen in meiner Analyse nicht weiter betrachtet. Gesicherte Erkenntnis scheint nur zu sein, dass Tristan um 13:46 Uhr am Bahnhof Höchst von einer Überwachungskamera eines Bahnhofskiosks aufgenommen wurde. Von dort soll er auch noch mal mit seinem Vater von einem Münztelefon  gesprochen haben. Gegen 15:30 Uhr oder auch 15:45 Uhr erblickten dann Kinder, die durch den Liederbachtunnel zu einem angrenzenden Spielplatz gehen wollten, eine Gestalt, die über einen Gegenstand gebeugt zu sein schien.

Tristan wirkte schon den ganzen Tag sehr unruhig, wollte sogar morgens nicht zur Schule gehen. Als Begründung gab er an, wegen Rückenschmerzen zum Arzt gehen zu wollen. Ich gehe davon aus, dass der Vater, der ebenfalls zu der Zeit einen Kiosk betrieben hatte, nicht aus Hartherzigkeit seinen Sohn zum Gang in die Schule überredete, sondern weil er vermutlich von einer Ausrede seines Sohnes ausgegangen war, nicht in die Schule gehen zu müssen. Der Verdacht liegt schon deswegen nahe, weil auch die Lehrerin von Tristan sich wenig begeistert darüber zeigte, Tristan vorzeitig vom Unterricht zu befreien und künftig eine entsprechende Arztbescheinigung einforderte. Worüber sich Tristan mit seinem Vater gegen 13:50 Uhr am Bahnhof-Höchst unterhalten hat, konnte ich aus offenen Quellen nicht herausfinden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er danach überhaupt noch in der Grünanlage nahe des Bahnhofs Höchst gesehen wurde.

Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich die Aussage der Hundebesitzerin, die Tristan auf der Bank sitzen gesehen und sich sogar mit ihm noch kurz unterhalten haben will, anzweifle. Nach ihren Aussagen soll diese Begegnung gegen 15:20 Uhr stattgefunden haben. Beim Umdrehen hätte sie dann plötzlich zwei Männer gesehen, die sich links und rechts neben Tristan auf die Bank dazusetzten.

Wenn man nun die Aussagen von den Schulkindern heranzieht, die als erstes zwischen 15:30 und 15:45 Uhr eine dunkelgekleidete Gestalt im Liederbachtunnel gesichtet haben wollen, passt aus meiner Sicht das zeitliche Fenster nicht mehr, in dem Tristan abgepasst, geschlagen, aufgeschlitzt, ausgeblutet, verstümmelt und auf einem Betonsockel im Tunnel gelegt wurde. Das würde ja bedeuten, dass all diese Handlungen innerhalb 10 bis maximal 15 Minuten erfolgt sein sollen. Die Polizei gibt zwar an, dass in der Tat diese Handlungen zwischen 15 und 20 Minuten gedauert haben könnten, aber offen gestanden kann ich mir das nicht vorstellen, denn das vollständige Ausbluten an sich dürfte schon mindestens fünf Minuten in Anspruch genommen haben, auch wenn mit einem einzigen Schnitt der Kopf fast durchtrennt wurde. Am Tatort hatte man ja kaum mehr Blutspuren entdecken können. Wenn man weiter unterstellt, dass Tristan erst zu dem Ort am Liederbachtunnel gelockt werden musste, dann dürften hier auch mindestens fünf Minuten vergangen sein plus der Zeit eines angeblichen Kampfes.

Ich jedenfalls gehe davon aus, dass sich Tristan bereits gegen 14:00 Uhr auf dem Weg nach Hause in die Liederbachstraße befand und dort seinem oder seinen Mördern begegnete.

Die ganzen Umstände, die zum Tod von Tristan geführt hatten, erinnern mich stark an den Mordfall Jessica Kopsch, die am 28. Oktober 1998 aus Berlin-Reinickendorf spurlos verschwand.

Einen Tag vorher war sie aufgrund einer Knieverletzung, die sie sich wohl beim Rollerscating zugezogen hatte, vom Schulunterricht von ihrer Mutter entschuldigt befreit. Sie wirkte da schon sehr niedergeschlagen und traurig, wie Sozialarbeiterinnen des vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betriebenen Mädchentreffs bestätigten. Die Lehrerinnen aus der Mark-Twain-Schule erinnerten sich, dass Jessica Wochen vor ihrem Verschwinden sich noch mehr zurückgezogen hatte und sich nahezu unsichtbar machte. Jessica soll ohnehin ein sehr stilles und schüchternes Mädchen gewesen sein, aber selbst für ihre Verhältnisse muss das sehr auffällig gewesen sein.

Diesen Mädchentreff hatte Jessica fast täglich aufgesucht, weil diese Gruppe im Erdgeschoss der Schillingstraße 34 ihren Treffpunkt eingerichtet hatte. Jessica wohnte direkt über diesen Treff. An ihrem letzten Geburtstag, den 22. Oktober 1998, nahm sie sogar an der Ferienfahrt nach Kladow, Berlin-Spandau teil. Diese Fahrt wurde ebenfalls vom DRK organisiert.

Tristan Brübach wiederum hatte mindestens zweimal an einem in seiner Nähe liegenden Zeltlager St. Johannes Ap. Frankfurt / Unterliederbach teilgenommen. Ihr erinnert Euch, als ich weiter oben kurz den Facebook-Eintrag vom 26.03.2013 thematisierte.

Außerdem befand sich in der Nähe seiner Wohnung ein Kinderhort bzw. eine Kinder- und Jugendbetreuungsstätte. Von dort kam ja auch ein Betreuer zum Leichenfundort angerannt, nachdem er Gespräche von Kindern mitbekommen hatte, die ständig aufgeregt untereinander tuschelten, eine Leiche im Tunnel aufgefunden zu haben.

Ich frage Euch jetzt ganz ehrlich, was das für ein fehlgeleiteter Post ist, den das Zeltlager St. Johannes Ap auf Facebook absonderte: „Auch Tristan war 2x im Kinderzeltlager als Teilnehmer dabei. Schade, dass es nur bei diesen 2 Aufenthalten blieb.“

Ich hätte eher zum 15. Todestag eines damals 13-jährigen Jungen mehr Anteilnahme zu den noch immer nicht aufgeklärten Umständen seiner Ermordung erwartet, z.B. „Tristan hatte zweimal am Kinderzeltlager teilgenommen. Unfassbar für uns ist nach wie vor sein Tod. Wir hoffen, dass der Mörder doch noch gefasst wird“ oder so etwas Ähnliches.

Stattdessen so ein schräger Satz „Schade, dass es nur bei diesen 2 Aufenthalten blieb.“.

Aus meiner Sicht ist diese Mitteilung äußerst verdächtig. Es kann natürlich sein, dass ein widerwärtiger Scherzkeks sich einfach in den Email-Account des Zeltlagers eingehackt und seinen Rotz abgesondert hat, aber warum steht dann immer noch dieser Post auf der Facebookseite des Zeltlagers? Es kann aber auch sein, dass es mindestens einen Mitwisser aus dem Zeltlager, wenn nicht sogar der Täter selbst, gibt, der hier auf seine Art noch einmal das Opfer verhöhnen wollte, denn zu dem Zeitpunkt lebte Tristans Vater noch. Er verstarb erst im Februar 2015.

Vielleicht verbirgt sich aber auch hinter dieser Message eine bestimmte Botschaft an den Täterkreis.

Am Tag ihres Verschwindens wollte auch Jessica Kopsch noch nicht zur Schule gehen, konnte sich aber gegenüber ihrer Mutter offensichtlich nicht durchsetzen, weiterhin daheim zu bleiben. Ihre Schwester wunderte sich morgens darüber, warum Jessica ohne Schulranzen und das vorbereitete Pausenbrot aus dem Haus gehen wollte. Offensichtlich hatte Jessica sie angelogen, indem sie vorgab, erst zur zweiten Stunde in der Schule sein zu müssen und zuvor zum Bäcker gehen zu wollen. Gesehen wurde dann Jessica Kopsch von einigen Mitschülern, wie sie genau die entgegengesetzte Richtung ihres gewohnten Schulweges entlang lief, zuletzt auf dem Eichborndamm. Danach verlor sich bis zum 08.01.1999 ihre Spur.

Was wäre also, wenn sowohl Tristan Brübach als auch Jessica Kopsch schon längere Zeit über die jeweiligen Jugendeinrichtungen nicht nur beobachtet, sondern auch vorher schon in Kontakt mit einer bestimmten Person getreten waren und der Person es zunächst gelungen war, das Vertrauen beider Kinder zu gewinnen, um sie kurze Zeit später zu missbrauchen und dann kontinuierlich zu bedrohen oder unter Druck zu setzen?

Die Bedrohungen können dabei vielfältiger Art sein, zum Beispiel dass man Geschwistern oder Eltern etwas antun würde, wenn ein „Geheimnis“ verraten wird. Jessica hatte meines Wissens nach einen älteren Bruder namens Sven, der zu dem Zeitpunkt ihres Verschwindens eine Lehre in Kiel absolvierte, während ihre größere Schwester Jennifer noch zur Schule ging.

Das würde zumindest eine Erklärung sein, warum sich Jessica die letzten Wochen vor ihrem Verschwinden so intensiv zurückgezogen hatte und partout nicht sagen wollte, was mir ihr eigentlich los ist.

Bei Tristan könnte eine ähnliche Konstellation vorgelegen haben und das würde dann auch ein völlig neues Bild auf die Umstände seiner Ermordung werfen. Immerhin hatte er drei Jahre zuvor seine Mutter verloren. Der mögliche Verlust des Vaters oder der Großmutter wäre dann aus seiner Sicht unter allen Umständen zu verhindern.

Ich könnte mir vorstellen, dass Tristan am Tag vor seiner Ermordung bereits bedrängt und aufgefordert wurde, am 26. März 1998 etwas zu tun oder zu einer Stelle zu kommen. Vielleicht hatte man Tristan da bereits am Rücken verletzt und er hat die Story mit dem „Vom-Baum-Heruntergefallen“ oder Steine-bewerfen-mit Maik“ nur wegen seines Vaters erfunden.

Tristan wollte zum Arzt und ich glaube auch, dass er sich nur kurz am Bahnhof Höchst aufgehalten hatte. Einmal um mit seinem Vater zu telefonieren, möglicherweise mit dem Gesprächsinhalt, dass er sich vom Schulunterricht befreien hat lassen, um mit seinem Vater gemeinsam zum Arzt gehen zu können und dann, um durch den Liederbachtunnel auf direktem Weg nach Hause in die Liederbachstraße zu gehen. Ich glaube weiterhin, dass er da bereits gegen 14:00 Uhr abgepasst und dabei zunächst massiv am Kopf bewusstlos geschlagen wurde. Danach verbrachte man ihn an einem versteckt liegenden Ort in der Nähe des Liederbaches und brachte ihn dort schließlich um. Das Verletzungsbild am Kopf zeigt gemäß der Obduktionsskizze aus dem Spiegel TV-Beitrag „Im Visier der Fahnder – Der Fall Tristan Brübach“ klar, dass Tristan mitten eins auf die Nase bekommen haben musste und dann noch mal schwere Schläge gegen die Kopfseite. Angesichts dieser massiven Gewalt kann ich mir nicht vorstellen, dass Tristan überhaupt noch eine Gelegenheit hatte, sich kurzzeitig noch einmal zu befreien und wegzulaufen.

Die Zeugenaussagen seines Kumpels Boris, der ihn angeblich noch zwischen 14:00 Uhr und 14:20 Uhr in einem Bus fahrend gesehen haben will, halte ich für unglaubwürdig, ebenso die Beobachtung der Hundehalterin. Vielleicht hat sie Tristan aber auch mit einem anderen Jungen verwechselt. Ich bin aber überzeugt, dass sie Tristan Brübach nicht auf der Bank sitzen gesehen hat.

Ebenso unglaubwürdig wirkt für mich das Phantombild eines blonden, hageren Mannes mit zum Zopf gebundenen Haaren und einer möglichen Hasenscharte im Gesicht. Es kommt nicht von ungefähr, dass dieses Bild erst Jahre später der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Was mich besonders stört, ist ein Bericht von Spiegel vom 08. Juni 2007 „Fall Tristan. Auf der Spur des Schlächters
Dort kann man u.a. lesen: „Bis zur Bewusstlosigkeit würgt der Täter den Jungen danach mit einem Unterarmgriff. Schließlich trennt er ihm hinterrücks die Kehle durch: mit einem einzigen Schnitt, von einem Ohr bis zum anderen, so dass der Kopf beinahe vom Rumpf getrennt wird. Die Polizei findet um den Fundort der Leiche kaum Blut, da der Täter während der Tat mit seinem Opfer im fließenden Wasser des Liederbachs steht. Tristan kann sich während des Kampfs offenbar kurzfristig befreien. Doch der Mörder holt ihn nach kurzer Flucht im Bachbett wieder ein. Dort findet das Leben des Jungen sein tragisches Ende. […]  Statt sich nach dem Mord schnell und einfach vom Tatort zu entfernen und die Leiche nach der Tat einfach liegen zu lassen, hat er sie in besonderer Weise zurechtgelegt. Er nimmt sich sogar die Zeit und bringt einen im Kampf verlorenen Schuh des Opfers vom Eingang zurück in die Mitte des Tunnels. Dort legt er die Leiche in einer schlafähnlichen Haltung auf einen Betonsockel, ganz so, als wolle er Tristan dort aufbahren.“

Woher will der Spiegel wissen, dass sich Tristan trotz massiver Schläge auf den Kopf noch kurzfristig befreien konnte und dann auch noch bei dem Kampf einen Schuh verloren hatte, der vom Täter schließlich wieder aufgehoben und in den Tunnel verbracht wurde?

Das kann doch eigentlich nur jemand wissen, der bei diesem Mordfall dabei war, denn für die Polizei ergab sich beim Tatort nur das Bild, dass offenkundig zwei Schuhe an verschiedenen Stellen, nämlich einmal auf der Hüfte und einmal auf dem rechten Unterschenkel des toten Jungen platziert wurden.

Insofern stinkt nach meinem Dafürhalten dieser Fall ganz gewaltig, denn es kommen noch mehrere Ungereimtheiten bei dieser Geschichte vor.

Rund um den Liederbachtunnel gab es nicht nur zahlreiche Schulen, Kindertagesstätten und Betreuungszentren, sondern auch ein Kinderspielplatz. Wie die Polizei selbst feststellte, wurde der Liederbachtunnel oft von Kindern aufgesucht. Einmal, um eine Abkürzung unter den Bahngleisen des Bahnhofs zum oder vom anliegenden Spielplatz zu nehmen und andererseits sich auch selbst einer Mutprobe auszusetzen.

Das dürfte auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der oder die Täter gewusst haben, wenn ich meine Theorie konsequent weiterverfolge, dass der Täter aus dem unmittelbaren oder mittelbaren Kreis der Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. Zeltlager kommen könnte.

Deswegen bin ich der Meinung, dass Tristan Brübach mit voller Absicht in der Mitte des Tunnels in seinem Zustand abgelegt wurde, um möglicherweise bewusst andere Kinder zu erschrecken und sie zu warnen. Ich komme deswegen auf diese Idee, weil Tristan oft mit seinem Freund Boris unterwegs war und dieser selbst unter Umständen von der Begegnung mit einem oder mehreren Kinderschändern betroffen war. Das würde möglicherweise auch erklären, warum die Eltern von Boris schnellstmöglich aus der Gegend weggezogen sind und es würde möglicherweise auch erklären, warum Boris noch die Aussage vor der Polizei machte, Tristan zwischen 14:00 Uhr und 14:20 Uhr im Bus sitzend gesehen zu haben.

Ich glaube auch, dass die Schulhefte und Bücher, die man verteilt in einem Gebüsch in der Nähe des Tunnels aufgefunden hatte, nicht ohne Grund dort verstreut wurden. Es sollte wie die spontane Tat eines irren Einzeltäters aussehen. Dafür spricht auch, dass man den Rucksack von Tristan mitgenommen hat, um angeblich darin die Weichteile, die man Tristan entnommen hat, zu transportieren. Dafür hatte man auch ein Deutschbuch mit einem unvollständigen Fingerabdruck und den Schmierspuren eines geriffelten Messers hinterlassen, um es so aussehen zu lassen, als ob der Täter unmittelbar nach der Tat sein Messer daran abgewischt hätte.

Da weitere Details zum Obduktionsbefund nicht vorliegen, kann ich mich auch nicht weiter dazu äußern, ob bestimmte Organe, Rückenmark oder Körperteile bei Tristan gefehlt haben. Wenn dem so wäre, dann bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass man es hier mit einem Mord zum Zwecke einer illegalen Organentnahme zu tun hat.

Noch etwas macht mich stutzig – da Tristan offensichtlich noch nicht lange tot war, als er aufgefunden wurde, hätte man eigentlich den Todeszeitpunkt ganz genau festlegen können. Laut Wikipedia kann man zur Leichenkälte Algor mortis Folgendes lesen: „Die Körperkerntemperatur wird tief rektal in einem Abstand von 8 cm vom Schließmuskel gemessen. Nach einem anfänglichen Temperaturplateau von 2–3 h Dauer fällt die Temperatur etwa 0,5–1,5 °C/h ab, abhängig von Umgebungstemperatur, Lagerung, Bekleidung, Bedeckung, Körperproportionen und Witterungsbedingungen. […] Als Faustregel gilt: Nach Eintritt des Todes fällt die Körpertemperatur (ca. 37 °C) auf Raumtemperatur (ca. 21 °C) mit etwa 0,8 °C pro Stunde, d. h. der Temperaturausgleich ist nach etwa 19 Stunden eingetreten.

Nirgendwo in den offenen Quellen konnte ich herausfinden, zu welcher Zeit Tristan tatsächlich umgebracht wurde. Das wäre ja angesichts der Jagd nach dem Mörder kein unwichtiges Detail, um die Zeugenaussagen bezüglich ihrer Beobachtungen besser eingrenzen zu können.

Dass der Rucksack ausgerechnet in der Nähe einer im Bau befindlichen ICE-Trasse 30 Kilometer weiter in einem Waldstück bei Niedernhausen gefunden wurde, kann meines Erachtens auch kein Zufall sein und war ebenfalls meiner Meinung nach als Legung einer falschen Spur gedacht. Es ist schon sehr interessant, dass der Rucksack bereits Monate vorher von einem Waldarbeiter aufgefunden wurde und er erst bei einem öffentlichen Aufruf am 25.03.1999 die Polizei über seinen Fund informierte. Ich will dabei nicht in Abrede stellen, dass der Waldarbeiter sich der Bedeutung seines Fundes bis dahin nicht bewusst war, sondern es geht mir um den Umstand, dass der Rucksack über mehrere Monate unberührt an der gleichen Stelle stand, sodass der Waldarbeiter die Polizei zielsicher wieder zu dem Fundort führen konnte.

Anfangs wurde immer wieder sowohl bei Aktenzeichen XY ungelöst bei etwa 1:48 Minute, als auch in zahlreichen Mainstreammedien betont, dass in dem Rucksack die Leichenteile abtransportiert worden sein müssen. Das hätten die Spuren so ergeben. Wie erstaunt war ich dann, als ich plötzlich in der Frankfurter Neuen Presse vom 26.03.2013 in ihrem Artikel „Weltweit kein vergleichbarer Fall“ Folgendes zu lesen bekam: „Der Liederbach wird aufgestaut, das Bachbett abgesucht. Einen verschmierten blutigen Fingerabdruck, kaum verwertbar, hat der Täter auf einem Schulheft Tristans hinterlassen, das mit Büchern und anderen Heften nahe der Leiche lag. Der Rucksack selbst taucht dann erst ein Jahr später wieder auf, in dem Wald bei Niedernhausen. Die Hoden des Jungen und das herausgeschnittene Fleisch werden nie gefunden; eine Untersuchung des Rucksacks ergibt, dass die Leichenteile wohl nicht darin transportiert worden waren.“

Wie kommt es auf einmal zu diesem Sinneswandel?

Als letzten Punkt würde ich noch gerne auf das Psychogramm eines möglichen Täters eingehen wollen. Ein Psychologe, der gleich zu Anfang der Mordermittlungen hinzugezogen wurde, ging von einer hochgradig gestörten Persönlichkeit aus, von dem zu erwarten sei, dass er in den nächsten Tagen, wenn nicht sogar in den nächsten Stunden wieder so eine Tat verübt. Es müsste sich um einen Einzelgänger mittleren Alters, ungepflegte Erscheinung und möglicherweise Bartträger handeln, der in der Nähe des Tatortes wohnt. Aus damaliger Sicht hätte diese Beschreibung des Psychologen auch zutreffen können, aber es tauchte zumindest im Umfeld von Frankfurt kein weiterer derart gelagerter Mordfall auf. Dafür fand man dann Jessica Kopsch am 08.01.1999 offensichtlich ausgeweidet bei Halle auf. Vor Tristan Brübach fand man Markus Wachtel zerstückelt im Kiesteich von Peine-Stederdorf und im Oktober 1996 wurde Yasmin Stieler ebenfalls zerstückelt aufgefunden, sodass ich nicht mehr an einen psychotischen Einzeltäter im Fall Tristan Brübach glauben kann. Aus meiner Sicht hätte so eine desorientierte und schwerstpsychotische Person eine Reihe von Fehlern begangen und wäre damit auch relativ schnell gefasst worden.

Als einzige logische und halbwegs annehmbare Erklärung bleibt für mich deswegen nach wie vor nur eine Gruppe von eiskalten Kriminellen und Satansanbetern, die aus bestimmten Kreisen Protektion erfahren und teilweise auch im Auftrag handeln.

Bei dieser Gelegenheit fällt mir wieder Wanja Götz ein, der damals die Verbindung zum Mordfall Stefan Lamprecht und Manuel Schadwald herstellte und zwischenzeitlich selbst im Gefängnis saß. Trotzdem schien es ihm gelungen zu sein, auf der Homepage des Deutschen Stammtisches einen längeren Beitrag vom 11.08.2012 unter dem Pseudonym Errol zu veröffentlichen und einige Dinge zu offenbaren, die aus meiner Sicht nicht aus der Luft gegriffen sein können.
Hier ein paar Ausschnitte: „am 8. August 1995 verschwand der Sohn meines Kumpels Stefan Lamprecht und Peter, der Vater, bat mich als Privatdetektiv und Journalist ihn zu finden. Gefunden wurde der sexuell mißbrauchte und fürchterlich entstellte Leichnam von Stefan auf einer Müllkippe bei Berlin. Erst recht setzte ich mich für die Aufklärung ein. Ich fand heraus, daß Jörg Schönbohm ein Kinderschänder ist und für MfS und KBG tätig war und an den illegalen Waffenverkäufen in den Nahen Osten aus der DDR- und Sowjetarmeen beteiligt war. Mit von der Partie waren MfS „Mitarbeiter“ Genscher, Stolpe, Eppelmann und einige andere; beide Letztgenannten sind bzw. waren Kinderschänder. 1988 war ich in einem Beitrag von „Spiegel-TV“ zwischen Stolpe und Eppelmann sitzend in der Samariter-Kirche zu sehen. Daß beide für die Stasi arbeiteten wußte ich dienstlich, aber nicht, daß sie auch noch Kinderschänder waren. […]  Die Wiedervereinigung war das Ergebnis der Zusammenarbeit vom KBG, CIA und MfS… Natürlich wußten „die Oberen 10.000“ darüber bescheid. Banken und Geschäftsleute waren bereits 2 Jahre vor dem „spontanen“ Mauerfall informiert und warteten ungeduldig mit Messer und Gabel auf die Ausschlachtung der DDR. […]  Schönbohm trat zurück…Natürlich weiß das BKA, daß Schönbohm pädophil ist, das stand auch in der „Rosenholz-Akte“; nun erfuhren die Leser, daß der ehemalige Innensenator von Berlin nicht nur Schafskäse begehrte […]  Die Manövergefechte hat der Bundeswehrgeneral a. D., Jörg Schönbohm (CDU), wohlbehalten überstanden. Auch das rauhe politische Klima in der Hauptstadt konnte ihm während seiner Zeit als Berliner Innensenator nichts anhaben. Nur einen Schatten wird der heutige Brandenburger Innenminister partout nicht los: Er wird von einem Schaf verfolgt. Die Verantwortung dafür trägt die Justiz, die weder Kosten noch Mühe scheut, eine Kreuzberger Spaßmacherfraktion für eine wenig appetitliche Satire zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei ist es mit der Satire so wie mit dem Geschmack: Man sollte darüber nicht streiten und schon gar nicht richten wollen. In Sachen Schönbohm und Schaf mußten sich vor dem Amtsgericht gestern ein 34-jähriger Student und ein 31 -jähriger Erzieher wegen Beleidigung verantworten. Bei der „revolutionären\“ 1. -Mai-Demonstration 1998 in Kreuzberg sollen die beiden ein 2.50 mal 1.50 Meter großes Laken als Transparent entfaltet haben, auf dem zu lesen war: „Schönbohm hat noch nie Schafe gefickt\“. Die Polizei kassierte das Laken bei einer Vorkontrolle ein und notierte die Personalien. Später erreichte die beiden ein schriftlicher Strafbefehl, in dem sie von einem Richter auf Antrag der Staatsanwaltschaft zu jeweils 500 Mark Geldstrafe verurteilt wurden. Nachdem der Student und der Erzieher dagegen Einspruch eingelegt hatten, kam es gestern zur mündlichen Verhandlung. Nach einer Stunde wurde der Prozeß eingestellt. Die Kosten für das Verfahren trägt die Landeskasse. Nur ihre Anwaltskosten müssen die beiden selbst berappen. […] Auch das Polizeipräsidium Potsdam hat die Akte Pfaff geschlossen. „Ich kann die Spekulationen aufgrund des Berufes nachvollziehen, aber aus unserer Sicht ist da nichts dran. Wir haben wirklich nicht den geringsten Hinweis in dieser Richtung\“, bestätigt Sprecherin Angelika Christen. Innenminister Alwin Ziel (SPD) und Personalratschefin Andrea Kubath schrieben in einer Traueranzeige: \“Wir verlieren eine allseits geschätzte Kollegin, die sich um den Aufbau des Verfassungsschutzes im Land verdient gemacht hat. Ihr gebühren Dank und Anerkennung.\“ Mit keinem Wort wurde erwähnt, daß die Ermittlung und Überwachung der Satanisten ebenfalls zu den Aufgaben von Frau Pfaff gehörte. Die gute Waltraud hat es einfach nicht fassen können, daß Hamburg eine europäische Pädophielenzentrale ist und daß die Politiker die Kinder in Hamburg sexuell mißbrauchen und umbringen und die Leichname ins Krematorium nach Herzberg bringen, das von einem Hamburger Rothaug mit großzügiger Unterstützung von Frau und Herrn Schönbohm errichtet worden ist. Wozu müssen denn die Leichen von Hamburg nach Herzberg – über 450 Kilometer Entfernung – transportiert werden? — „Entsorgung des Kadavers“……warum erduldet Schönbohm meine Beschuldigungen und meidet die von mir gewünschte Konfrontation und bei anderen schlägt er zu? Jemand (X), rief mich aus Stuttgart an und fragte, ob ich nicht etwas gegen Herrn Schönbohm hätte – er habe diesen (X) als er noch in Brandenburg wohnte, ruiniert. Ich schickte ihm meine Kollagen und das Plakat, in denen ich Herrn Schönbohm als Kinderschänder bezeichnete. Eines Nachmittags rief er mich an und verkündete, die Kollagen und das Plakat sind im Netz zu finden; ich kontrollierte nach und es stimmte. Einige Tage später, um 7 Uhr früh rief er mich wieder an und erzählte, er habe die ganze Nacht bei der Polizei verbracht. Am Nachmittag zuvor stürmte die Polizei seine Wohnung, machte eine Hausdurchsuchung und beschlagnahmte anschließend den Computer. Er sei auch mitgenommen worden, um zu Beschuldigungen Stellung zu nehmen. Brandenburgs Innenminister Schönbohm habe (X) wegen der Verleumdung § 188 StGB angezeigt. „Was soll ich jetzt tun?“ Ich empfahl ihm bereits mehrmals erprobte Vorgehensweise: „Du gehst sofort zur Polizei und gibst mich mit Namen, Adresse und Geburtsdatum als Entlastungszeugen an.“ Noch am gleichen Tag habe ich wieder den Anruf von (X) bekommne: „Die Polizei war gerade hier, hat mir den Computer und die Unterlagen zurückgebracht und erzählt, daß Herr Schönbohm seine Anzeige zurückgenommen hat…“ Auch der pädophile Beust hat mehrmals gegen Leute Strafanzeige erstattet, die ihn der Pädophilie bezichtigen. Sobald sie mich als Zeugen angaben, nahm der Pädophile die Strafanträge zurück……jeder, der gegen die Kinderschänder ermittelt, kommt automatisch auf die Politiker. Ich kenne einige Journalisten-Kollegen, die auch ohne mich auf Grund der eigenen Ermittlungen wissen, daß z.B. Schönbohm, Stolpe, Eppelmann, Beust, Kusch, Otto (Otto-Versand) oder Engholm pädophil sind. Beim Generalstaatsanwalt liegt unbearbeitet immer noch eine Strafanzeige (ohne meine dazuzuzählen) gegen den Kinderschänder Rau. Dieser hat als Ministerpräsident einen damals 13-jährigen Jungen sexuell mißbraucht. Rau versuchte auch eine schwangere Mitarbeiterin zu vergewaltigen. Die Frau hat bis heute einen psychischen Schaden weg und ihr Mann, Michael Frenzel, vom Manager-Magazin zum Manager des Jahres gewählt: „Mit dem Kauf der britischen Thomson Travel Group im Jahre 2000 wurde die Preussag AG zum weltweit größten Touristikkonzern. Im gleichen Jahr wurde Frenzel vom Manager-Magazin zum Manager des Jahres gewählt. Im Jahre 2002 wurde der Konzern von Preussag AG in TUI AG umbenannt. Kurze Zeit später verlängerte der Aufsichtsrat der TUI AG Frenzels Vertrag als Vorstandsvorsitzender vorzeitig um weitere fünf Jahre bis 2008. Die Worte „vorzeitig“ und „verlängert“ sind somit enträtselt: es war das Schweigegeld… “

Es gibt noch sehr viele interessante Einzelheiten aus diesem sehr umfangreichen Elaborat, aber zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich folgenden Abschnitt zitieren: „Ich ermittelte im Kinderschändermilieu weiter und fand eine Verbindung zwischen Dutroux und Beust heraus. Teuflische Perversion (Die Woche, 31.01.1997) An mehreren Fällen von Kindermißbrauch waren okkulte Gruppen beteiligt. Der Verdacht besteht, daß Satanisten vor der Kamera foltern und morden. Irene Stratenwerth Auf der einen Seite die Täter und ihre Taten: Im August 1996 erfährt die Welt von der Kinderschänder- Mafia in Belgien. Zur selben Zeit hebt die Polizei in Finnland ein Computerzentrum aus, das weltweit Videos über Kindes-Mißbrauch, -Folter und –Kannibalismus vermarktet. Im September findet die Polizei in der Amsterdamer Wohnung eines mutmaßlichen Vergewaltigers vier tote Säuglinge. Im Dezember stürmen Polizisten das Zentrum einer satanistischen Sekte in Belgien. Die Durchsuchung wurde durch Briefe an den Dutroux-Kompagnon Bernard Weinstein ausgelöst, in denen „weibliche Opfer zwischen sieben und 17 Jahren“ für rituelle Morde bestellt wurden. Im Januar wird Kim Kerkow aus Varel in der Nähe von Amsterdam tot aufgefunden. 14 Tage später die Nachricht aus Rosenheim: Eine Folterkammer wird entdeckt, Bernd M. und Sabine P. werden verhaftet. Sie hatten per Internet Kinder für sadistische Folter angeboten: „Wenn das Kind dabei kaputt geht, übernehmen wir die Entsorgung des Kadavers. Das macht 3000 Mark extra.“ Hier ein Auszug aus den Akten der belgischen Staatsanwaltschaft im Dutroux-Prozeß, die mir auf Umwegen zufiel: „Rolf D., Rene O., Sabine P. und Bernd M. entsprechen kaum dem Klischee vom perversen, gehetzten Triebtätern. Sie galten als brave Bürger, lebten in festen Partnerschaften, waren als Unternehmer tätig und fühlten sich offenbar sicher. Rene O. unterhielt beste Beziehungen zur Züricher Geschäftswelt. Der einschlägig vorbestrafte Rolf D. bewegte sich, obwohl per Phantombild und Autokennzeichen bundesweit nach ihm gefahndet wurde, unbehelligt in seinem Heimatdorf. Bernd M. und Sabine P. hatten zum Foltern und Töten den Keller in ihrem gepflegten Eigenheim umfunktioniert. Dem Paar kam nicht die Polizei auf die Spur, sondern ein Journalist.“ Mit folgender Konsequenz: (Nachdem ich den jüdischen Hausbesetzer Padovicz als das bezeichnete, was er auch ist: „Betrüger“ – er gab deutsche Häuser für jüdisches Eigentum aus -, wurde ich am 26. September 2005 [!!!] aus der Müggelstraße 13 zwangsgeräumt.) Und weil wir gerade dabei sind, hier noch ein Auszug aus der gleichen Akte: Ja, ja, das ist DER Michael Otto, der Freund von O. von Beust und der Chef des OTTO – Versandes Hamburg… Hat jemand im „freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat“ irgend welche Pressemeldungen über die in Belgien genannten Pädophilen gelesen oder gehört? Mehr dazu: IV. Inauguraladresse: http://www.daten-web.de/nachgedacht/wolf.html „Berlin, die Hauptstadt der Kinderschänder? – Ja! Die Pädophilen-Szene von Berlin. Darüber sprach die BZ mit dem Journalisten Manfred Karremann, der für „Stern“ und das „ZDF“ über ein Jahr verdeckt im Kinderschänder-Milieu recherchierte – auch in Berlin. Herr Karremann, wie haben Sie diese Szene in Berlin erlebt! Als gewaltig. Berlin ist schon die Pädo-Hauptstadt, da kommen wir nicht dran vorbei. Die Szene in Berlin ist die größte in Deutschland. Ich habe hier Leute getroffen, die gar nichts tun außer träumen. Bis zu Leuten, die davon träumen, ein Kind auszuweiden. Aber 90 Prozent sind Durchschnittspädophile.“

Damit beschließe ich das Kapitel zu den Mordfällen Markus Wachtel und Tristan Brübach. Im nächsten Teil dieser Serie werde ich auf die Mordfälle Jessica Kopsch, Johanna Bohnacker und Stefan Lamprecht eingehen.

Weiter mit Teil 5

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