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Zurück zu Teil 2

Schon die Verhaftung von Martin Ney lässt viele Fragen offen. Alexander Horn hatte im Jahr 2014 sein Buch „Die Logik der Tat: Erkenntnisse eines Profilers“ veröffentlicht, in dem er auch auf den Maskenmann-Fall einging. Hier schilderte er u.a., wie die SoKo Dennis zunächst die Zeugenaussage des aus Nordrhein-Westfalen stammenden Soldaten einordnete. Entgegen den öffentlichen Pressemitteilungen soll es in dem Team schon erhebliche Zweifel über die Richtigkeit der Beschreibung des möglichen Täters und des Autos, in dem der damalige Soldat Dennis Klein erkannt haben will, gegeben haben, denn auch hier konnte man sich nicht vorstellen, dass jemand nach so langer Zeit eine präzise Beschreibung eines Ereignisses mit Person und Auto abgeben konnte. Solche Zeugenaussagen wären grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Daneben wären aber auch Hunderttausende solcher Fahrzeuge zu überprüfen gewesen, von denen viele mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr in Deutschland auffindbar wären.

Auf die Frage, wieso sich dieser Soldat erst jetzt mit seiner Beobachtung bei der Polizei meldete, habe er geantwortet, dass er damals nur vorübergehend als Soldat in Garlstedt stationiert war und danach einige Auslandseinsätze gehabt hätte, sodass er von der Mordserie nichts mitbekommen haben wollte. Alexander Horn bescheinigte ihm in seinem Buch, dass seine Erklärung plausibel und glaubwürdig befunden wurde. Deswegen habe man sich dann auch entschlossen, an die Öffentlichkeit mit den Skizzen und Beschreibungen heranzugehen, aufgrund dessen ja wieder zahlreiche neue Hinweise bei der SoKo eingegangen wären – darunter auch die E-Mail eines mutmaßlichen Missbrauchsopfer von Martin Ney, aus der Folgendes hervorging:

Als Zehnjähriger befand er sich im August 1995 mit seiner Schwester auf einer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) organisierten Freizeitreise ins Schullandheim nach Friedrichsburg in Niedersachsen. Wenige Wochen später, in der Nacht zum 22.10.1995 stand dann plötzlich ein „schwarzer Mann“ im Kinderzimmer seines Zuhauses in Bremen und hätte an ihm herumgefummelt. Der Junge erschrak, was auch die Schwester hochschrecken ließ, die im gleichen Bett schlief. Sie begann zu schreien und der Mann floh aus dem Kinderzimmer. Seine Mutter, die von dem Schrei ebenfalls wach wurde, konnte noch mitbekommen, wie der Mann nach draußen das Weite suchte. Es kam zur Anzeige, auf die auch danach die SoKo Dennis im Jahr 2002 stieß. Dort wurde der mittlerweile junge Mann und seine ein Jahr ältere Schwester zu den damaligen Ereignissen erneut befragt. So gab er damals zu Protokoll, er könne sich noch erinnern, wie damals ein Betreuer, der vom DRK in Friedrichsburg eingesetzt war, ihn über seine Wohnverhältnisse ausgefragt hatte. Den Betreuer hatte er als groß, mindestens 1,90 m, rötliche kurzgeschnittene Haare und mit einem roten Schal beschrieben. Er meinte, sich zu erinnern, dass er den gleichen Vornamen wie er hatte, nämlich Martin. Der Focus schreibt hierzu in seinem Artikel „Eine heiße Spur, die keiner sah“ vom 12.08.2011:  „Der Schwester legten die Soko-Fahnder sogar Fotos von dem Trip ins niedersächsische Friedrichsburg vor. Zu sehen war laut Vernehmungsprotokoll ein Mann, der einen roten Schal trägt. Wie der Betreuer heiße, wisse sie nicht, sagte die inzwischen 18-Jährige. Er sei für die Jungen zuständig gewesen. Obwohl die Soko damals bereits nach einem Täter suchte, der einen Bezug zu Freizeit- und Jugendheimen hatte, wurde der Betreuer mit dem roten Schal damals nicht identifiziert. […] Ermittlungspanne oder tragisches Missverständnis? Die Brisanz dieser Spur, die damals nicht vollständig ermittelt wurde, war offenbar auch der Soko schnell klar. Bereits am 24. Februar, die E-Mail mit dem entscheidenden Tipp war gerade mal zwei Wochen alt, fertigte der ermittelnde Beamte einen Vermerk an, in dem er die Aussagen des Zeugen bestreitet. „Zu keiner Zeit wurde von Martin W. oder von seiner Schwester etwas in der Richtung geäußert, dass ihnen dieser Mann komisch vorkam.“ Auch ein Vorname sei nicht gefallen. Demnach müsste sich der Zeuge also erst sehr spät, nämlich 16 Jahre nach dem Missbrauchsfall, an die entscheidenden Details erinnert haben. Vielleicht wurde er aber 2002 auch gar nicht danach gefragt. Denn laut Protokoll orientierte sich die Vernehmung an einem Befragungsraster, das bei allen Missbrauchsopfern aus der Zeit zum Einsatz kam. Details über die Betreuer der DRK-Reise spielten keine Rolle. Nur ihre Anzahl wurde notiert: Sieben Männer und Frauen. Der Mann mit dem roten Schal blieb unerkannt.

Man muss sich das jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen:  Da kommt nach neun Jahren ein ehemaliger Soldat im August 2010 zur Polizei und gibt eine präzise Beschreibung eines Mannes mit Auto ab, der einen kleinen Jungen auf der Rückbank dabei gehabt haben soll.
Es wird eine Skizze mit Beschreibung angefertigt und erst im Februar 2011 veröffentlicht. Die Skizze hat keinerlei Ähnlichkeit mit Martin Ney, das Auto ist unauffindbar und offensichtlich hatte Martin Ney so ein Auto auch nie besessen. Aber unmittelbar nach der Veröffentlichung dieser Beschreibung meldet sich u.a. ein erwachsener Mann und schreibt der SoKo Dennis per E-Mail seine Erlebnisse aus dem Jahr 1995 und weist explizit auf die erstmalige Vernehmung durch die SoKo Dennis aus dem Jahr 2002 hin. Unterdessen läuft in den Nachrichten rauf und runter die erfolgreiche Festnahme des Mörders von Mirco und kurze Zeit später ist die Beobachtung des Soldaten vergessen, aber die SoKo Dennis ist sich plötzlich sicher, dass es sich bei dem Maskenmann um Martin Ney handelt. Von da ab wird Martin Ney observiert und erst da fängt man an, seine Vergangenheit auf den Kopf zu stellen.

Ist das alles nur ein Zufall?

Schauen wir doch weiter, was Alexander Horn nun zu den weiteren Ermittlungen in seinem Buch „Die Logik der Tat: Erkenntnisse eines Profilers“ schreibt.

Man habe sich daraufhin noch mal an die Kripo in Flensburg gewandt. In den Unterlagen der Flensburger Polizei tauchte eine Person mit Namen Martin Ney auf, der vom 22.07. bis 29.07.1995 ein Ferienhaus in Dänemark gemietet hatte und zwar 13,3 Kilometer vom Leichenfundort entfernt.

So, und jetzt komme ich wieder auf das Obduktionsergebnis und das entomologische Gutachten von Dennis Rostel zu sprechen.

Die Gerichtsmediziner hatten damals zweifelsfrei festgestellt, dass Dennis´ Leiche definitiv umgelagert wurde (siehe auch meine Ausführungen im zweiten Teil dieses Themenkomplexes). Anhand der Fliegenlarven und den bereits ausgewachsenen Fliegen im Behältnis hatte man von der Eiablage bis zum zweiten bzw. dritten Entwicklungsstadium der Maden einen Zeitraum von vier bis acht Tagen ermittelt, d.h. Dennis muss zuvor irgendwo im Freien gelegen haben bzw. an einem Ort, wo es Fliegen möglich war, ihre Eier auf dem Leichnam abzulegen. Die Gerichtsmediziner gingen davon aus, dass Dennis unmittelbar nach seinem Verschwinden umgebracht worden sein musste, bevor er dann in den Dünen vergraben wurde, wo er schließlich am 08.08.1995 von einem Spaziergänger oder Jogger entdeckt wurde. Außerdem nahmen sie als Todesursache Ersticken an, da Anzeichen von Erwürgen nicht ersichtlich waren.

Wenn also Martin Ney sich tatsächlich vom 22.07. bis 29.07.1995 in dem Ferienhaus in Dänemark aufhielt und er angeblich am 24.07.1995 nach Selker Noor ins Zeltlager gefahren ist, um Dennis Rostel in aller Herrgottsfrühe zu einem Abenteuertrip nach Dänemark einzuladen, dann wären noch 5 Tage bis zu seiner Abreise am 29.07.1995 verblieben, in denen er das Kind umbrachte und in den Dünen verscharrte. Wenn man aber das Geständnis von Martin Ney heranzieht, will er mit dem Kind noch einige Tage in seinem Ferienhaus in Dänemark verbracht und mit ihm viel unternommen haben. Ich erinnere an dieser Stelle noch mal an den STERN-Bericht „Unschuldiger durchlebt 16 Jahre Hölle“ vom 28.11.2011, in dem steht:  „N. erzählt den Beamten, wie er sich im Sommer 1995 in seinem Ferienhaus in Dänemark gelangweilt habe. Er sei zum Ferienlager gefahren und habe sich einfach in eines der Zelte geschlichen. Der geständige Serienmörder ist genauso dreist vorgegangen, wie die Ermittler es jahrelang nicht für möglich gehalten haben. Dennis R. sei sogar freiwillig mit ihm mitgegangen, behauptet Martin N. „Der wollte ein Abenteuer.“ Er habe das Kind mit in sein Ferienhaus genommen und in den nächsten Tagen viele Ausflüge mit ihm unternommen. „Klingt wahnsinnig, aber ich hatte so ein Gefühl wie sein Papa zu sein.“ Nach einer Woche sei ihm klar geworden, dass er das Kind nicht mehr zurückbringen könne. „Da habe ich ihn noch erwürgt.“ Die Leiche habe er auf dem Hügel vergaben. Mit einer „ollen Schaufel. Irgend so eine Spielzeugschaufel.“ An die Farbe könne er sich nicht mehr erinnern. Ob die roten Lackpartikel am Leichenfundort von der Schaufel stammten, mit der Martin N. Dennis R. vergraben hat, wird wohl nicht mehr geklärt werden. Eine rote Kinderschaufel aus Metall, die die Kripo bei der Durchsuchung der Wohnung von Martin N. übersehen hatte, soll nicht mehr untersucht werden. Schließlich, so die Staatsanwaltschaft, habe Martin N. gestanden.“ (Quelle: Stern vom 28.11.2011 „Unschuldiger durchlebt 16 Jahre Hölle„)

Jedem Unbedarften muss doch langsam auffallen, dass diese Geschichte so nicht stimmen kann, wenn Gerichtsmediziner und Insektenforscher zu dem Ergebnis kommen, dass Dennis nicht nur ziemlich bald nach seinem Verschwinden umgebracht worden sein musste, sondern auch der tote Körper aufgrund des Insektenbefalls und des hohen Verwesungsgrades mindestens vier bis acht Tage einer für Insekten frei zugänglichen Örtlichkeit ausgesetzt war, bis er schließlich in den Dünen vergraben wurde. Das alles kann sich also nicht innerhalb des Zeitraumes 24.07. bis 29.07.1995 abgespielt haben.

Nun gut, schauen wir uns mal an, was Alexander Horn noch so in seinem Buch geschrieben hat.
Nachdem man also anhand der Email von Martin W. Martin Ney auf die Spur kam und in seiner Vergangenheit zu recherchieren begann, kamen etliche Straftaten zum Vorschein, darunter auch ein Erpressungsversuch aus dem Jahr 2006. Martin Ney hatte da einen Berliner Sozialpädagogen wegen seines kinderpornografischen Materials erpresst und von ihm 20.000 Euro verlangt. Und wieder schreibt der STERN in seinem Artikel vom 26.02.2012 „Karriere eines Kindermörders„: „Im März 2006 durchsucht die Polizei die Wohnung von Martin N. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Erpressung. Er hatte einem Berliner Sozialarbeiter aus Berlin gedroht, ihn wegen Besitzes von Kinderpornografie anzuzeigen und 20.000 Euro für sein Schweigen verlangt. Martin N. öffnet den Beamten nur mit einer Unterhose bekleidet. Auf einer Matratze im Wohnzimmer liegt der 15-jährige Jens A. – ein Junge aus der WG der evangelischen Stiftung, bei der Martin N. als Betreuer angestellt ist. Die Beamten leiten kein Ermittlungsverfahren ein – und zwar obwohl zwischen N. und dem Jungen ein Betreuungs- und damit Abhängigkeitsverhältnis besteht. Außerdem ist Martin N. zu dieser Zeit als Pädophiler polizeilich bereits bekannt. […]  Bei der Durchsuchung entdeckt die Kripo auf dem PC von Martin N. kinderpornografische Bilder. Doch der letzte Zugriff liegt so lange zurück, dass er verjährt ist. Die Staatsanwaltschaft Hamburg stellt das Verfahren Ende 2007 ein. Eine CD mit den Fotos, es sind mehrere hundert, wandert in die Asservatenkammer der Hamburger Polizei. Die Bilder werden nicht ausgewertet.

Die gespiegelten Daten-CDs bekamen dann auch die Ermittler der SoKo Dennis zusammen mit Alexander Horn zu Gesicht, als sie die Staatsanwaltschaft in Hamburg aufsuchten. Auf der CD befanden sich etwa 30.000 Vorschaubilder von kinderpornografischem Material, darunter Porträts von Dennis Rostel und Dennis Klein.

Die Polizei musste feststellen, dass diese Bilder bereits im Internet veröffentlicht wurden, deswegen bestand auch die Möglichkeit, dass Martin Ney von dort die Bilder heruntergeladen haben könnte. Man schien wieder keinen konkreten Hinweis gefunden zu haben, um die Verbindung von Martin Ney zu den Kindermorden herzustellen.

Wortwörtlich steht dann im Buch von Alexander Horn „Die Logik der Tat: Erkenntnisse eines Profilers“: „Dann gelang aber einem Kollegen aus Martin Erftenbecks Sonderkommission der Durchbruch:  Er fand auf der gespiegelten Festplatte Bilder, die einen Jungen auf der Treppe eines Gebäudes zeigten. Es waren Bilder von Marco B., jenes Jungen, den der Maskenmann im Schullandheim Wulsbüttel aus dem Bett geholt, in die Schuhschleuse gebracht  und dort missbraucht hatte. Er ließ ihn gehen, drohte aber, er würde zu ihm gekommen und ihn töten, wenn er etwas erzählen würde. Erst ein knappes Jahr später hatte Marco sein Schweigen gebrochen, als er wieder in das Heim fahren sollte, wo er das schlimmste Erlebnis seines jungen Lebens hatte ertragen müssen.“

Dieser Polizeibeamte hatte damals die Anzeige des Jungen aufgenommen und konnte sich deswegen sofort an ihn erinnern.
Daraufhin hatte man – so jedenfalls Alexander Horn in seinem Buch weiter – den Antrag auf Haftbefehl gegen Martin Ney vorbereitet. Allerdings hatte der zuständige Haftrichter trotz Vorlage der Fotos von Marco B. erhebliche Zweifel, dass Martin Ney auch mit den anderen Delikten in Zusammenhang steht. Deswegen erließ er keinen Haftbefehl. Damit hätte zwar die Wohnung von Martin Ney durchsucht und eine DNA-Abgabe gefordert werden können, aber man hätte ihn nicht festnehmen können. Trotzdem machte man sich dann am 13. April 2011 auf den Weg und ließ Martin Ney morgens vor seinem Haus durch ein MEK-Team festsetzen. Er wurde in den BMW geführt, wo Alexander Horn und Erftenbeck saßen und man brachte ihn zur Kripo nach Verden. Angeblich wollte er keinen Anwalt haben. Noch im Wagen gab man ihm die Beschlüsse zur Durchsuchung und der DNA-Abnahme zum Lesen, woraufhin er starke körperliche Reaktionen zeigte. Er schwitzte, zitterte und war sichtlich sprachlos. Interessant ist, dass Alexander Horn offensichtlich vorne im Wagen saß, während Erftenbeck neben Martin Ney auf der Rückbank Platz nahm. Man habe über den Rückspiegel Blicke ausgetauscht und schon kam Alexander Horn zu dem Schluss, dass ein Unschuldiger solche Reaktionen nicht zeigen würde.

Wieso soll nicht auch ein Unschuldiger, der zuvor von MEK-Beamten sicherlich nicht mit Samthandschuhen festgesetzt und mit Handschellen ins Auto gezerrt wird, wo man ihm erstmalig die Durchsuchungsbeschlüsse zum Lesen gibt, aus denen hervorgeht, dass er der Ermordung von Kindern verdächtigt wird, nicht diese Reaktionen zeigen? Immerhin sind das meiner Auffassung nach typische Anzeichen von einem Schock. Wenn sich also nach der Logik von Alexander Horn einer z.B. nach einem schweren Autounfall oder einem Bombenanschlag im Schockzustand mit den gleichen Symptomen befindet (bleiche Farbe im Gesicht, Zittern, Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß), dann ist er also immer schuldig? Was für ein Bullshit.

Schuldig oder nicht schuldig, das ist an dieser Stelle erst einmal unerheblich, denn Fakt ist, dass am 13. April 2011 noch kein Haftbefehl gegen Martin Ney vorlag, sondern lediglich ein Durchsuchungsbeschluss und ein Beschluss für eine DNA-Abnahme, so jedenfalls hat es Alexander Horn in seinem Buch „Die Logik der Tat: Erkenntnisse eines Profilers“ geschrieben. Martin Ney wurde, wenn man den Ausführungen von Alexander Horn in seinem weiter Buch folgt, auf der Straße von einem MEK-Trupp auf den Boden geschmissen und dort festgehalten, bis Erftenbeck und Horn ihn zum Dienst-BMW führten. Es geht nirgendwo hervor, dass sich Martin Ney einer Blut- oder Speichelabnahme für einen weiteren DNA-Abgleich verweigert hat oder beim Herannahen der Polizei fliehen wollte. Erst im Auto hat man ihm dann diese Beschlüsse zum Lesen gegeben, was für mich eindeutig ein rechtswidriges Verfahren darstellt und darauf ausgerichtet ist, Martin Ney unter psychischen Druck zu setzen, denn im Auto war er regelrecht eingekesselt. Zu diesem Zeitpunkt lag noch kein Geständnis vor, nicht einmal auf der Fahrt hatte Martin Ney ein Geständnis abgelegt, das kam erst am 14. April 2011 und ich werde den Eindruck nicht los, als ob man da gewaltig unter Zeitdruck stand, um diese rechtswidrige Praxis der Festsetzung durch ein anschließendes Geständnis seitens Martin Ney zu rechtfertigen.

Dies führt mich auch wieder zu dem ominösen Zeugen Stefan Weber (sein Aliasname, der ihn von den Medien gegeben wurde), der sich mit einem Focus-Reporter unterhalten hatte (siehe auch Focus „Der Maskenmann hat mich missbraucht“ vom 09.10.2011)

Ihm schildert er seine Zeit mit Martin N., die im Jahr 2000 in der Jugendhilfe Hamburg begann. Mutter früh verstorben und Vater mit der Situation überfordert. Im Focus kann man dann u.a. lesen: „N. hat einen Draht zu den Kids, vor allem zu den Jungs, er lädt sie privat ein, geht mit ihnen über den Dom, einen großen Jahrmarkt in St. Pauli. Insgesamt acht Mal, sagt Stefan, sei er mit N. und anderen Jungs zusammen im Urlaub gewesen, sie übernachten in einem Ferienhaus in Dänemark. Zuletzt im Juni 2010, während der Fußball-WM. „Ich war immer sein Liebling“, sagt Stefan.“

Und dieser Satz wirft schon wieder einen ganzen Sack Fragen auf, denn in der Öffentlichkeit wurde seitens der Ermittler immer wieder kolportiert, dass der Maskenmann niemals wieder am gleichen Platz (Scheeßel, Selker Noor, Wulsbüttel) zurückgekehrt ist, wo er einen Mord begangen hatte.

Wieso hält sich Martin N. also mit mehreren Kindern immer wieder in einem Ferienhaus in Dänemark auf, wenn er doch angeblich 1995 dort den kleinen Dennis Rostel umgebracht haben soll?
Gut, es geht nirgendwo hervor, ob es sich hierbei um das gleiche Ferienhaus in Dänemark handelt, in dem er bereits vom 22.07.1995 bis 29.07.1995 auch seinen Urlaub verbrachte, aber dass der Focus diesen Umstand überhaupt erwähnt, sollte einen, der zwischen den Zeilen der Presseveröffentlichungen lesen kann, nachdenklich stimmen.

Umso erstaunlicher ist es, dass er trotz der verschiedenen Übergriffe auf den Zeugen Stefan Weber offensichtlich keine Sekunde daran dachte, diesen Jungen loszuwerden, wie er es bei Dennis Rostel vorgab, getan zu haben.
Der o.g. Artikel in Focus schreibt hierzu weiter: „Wie ein väterlicher Freund kümmert sich N. bis zu seiner Festnahme um Stefan, überlässt ihm manchmal die eigene Wohnung, hilft ihm bei Bewerbungen, sponsert seinen Führerschein. Beide feiern sogar zusammen Weihnachten. Stefan sagt, er sei geschockt gewesen, als die Polizei ihm die Wahrheit über N. erzählt habe. Er habe sich nicht vorstellen können, dass „der Martin“ ein Verbrecher sei. Die eigenen schlimmen Erlebnisse mit N., hat er sie verdrängt? […] 2004 versucht N. während eines Dänemark-Urlaubs, Stefan zu vergewaltigen. Mehr Übergriffe, sagt Stefan, habe es nicht gegeben. Wer wusste davon? „Niemand“, sagt Stefan. Beide, Täter und Opfer, schweigen angeblich über die Vorfälle. Später versucht N. manchmal, Stefan über den Rücken zu streicheln, greift unter das T-Shirt. „Ich habe das abgelehnt, und das war dann auch okay für ihn“, sagt Stefan heute. Das Unbegreifliche ist: Stefan empfindet den Missbrauch nicht als Verbrechen, er sucht sogar weiterhin die Nähe zu dem Ex-Betreuer, der 2008 bei der Jugendhilfe die Kündigung erhiet, weil auf seinem Computer Kinderpornos gefunden wurden. […] Stefan Weber sagt, dass er „Hass“ empfinde – und „Trauer“. Ein „wichtiger Mensch“ in seinem Leben sei plötzlich nicht mehr da. „Er hat mich besser behandelt als mein eigener Vater.““

Hatte Martin Ney bei seiner Vernehmung durch die SoKo Dennis nicht etwas ganz Ähnliches über Dennis Rostel gesagt? Ich zitiere noch mal aus dem Artikel von Stern „Unschuldiger durchlebt 16 Jahre Hölle“: „Klingt wahnsinnig, aber ich hatte so ein Gefühl wie sein Papa zu sein.“ Nach einer Woche sei ihm klar geworden, dass er das Kind nicht mehr zurückbringen könne. „Da habe ich ihn noch erwürgt.“

Und noch bizarrer ist das, was der Spiegel „Pädagoge Martin N.: Der Mann hinter der Maske“ vom 10.10.2011 berichtete: „Die Polizei ermittelte, dass es sich bei „Martin“ um N. handelte.“ […] Im April, Mai und Juni, so die Anklage, schlich er sich in Jugendherbergen ein, bevor er am 24. Juli 1995 einen Achtjährigen aus dem Ferienzeltlager Selker Noor holte, den er Tage später in Dänemark erwürgte. An ihm habe er keine sexuellen Handlungen vorgenommen, sagte N. bei der Polizei. […] N.s Taten, sollte er sie begangen haben, steigerten sich nicht. Eine Entwicklung ist nicht zu erkennen. Er fing offenbar gleich mit dem Töten an und wartete dann Jahre, bis er wieder zuschlug. Dazwischen lag eine Fülle von „niederschwelligen“ Taten, Anfassen ohne die Anwendung von Gewalt. Warum verhielt er sich mal so und mal ganz anders? Oft soll er beruhigend auf die erschrockenen Jungen eingeredet haben, während er deren Geschlechtsteile massierte, mal soll er seinem Opfer gedroht haben, es umzubringen. Oder dessen Mutter. Auffallend ist auch, dass der Pädagoge sich zwar vorwiegend Arbeitsplätze suchte, an denen er mit Kindern zu tun hatte, sich dort aber nichts zuschulden kommen ließ. Auf diese Weise lenkte der bei Kindern und Jugendlichen beliebte Betreuer jeden Verdacht von sich ab, er könnte etwa der „Maskenmann“ sein. Wie viele Kinder wirklich von seinen Übergriffen betroffen waren, wird sich vermutlich nie klären lassen. Denn so mancher Junge wird aus Scham geschwiegen haben, oder aus Angst. Und manche einmalige Berührung durch N. mag auch vergessen oder verdrängt worden sein.“

Aber noch etwas anderes stört mich ganz gewaltig und das betrifft die Vorkommnisse in Rheine aus dem Jahr 2009. Die Geschichte, die der STERN am 24.06.2009 in seinem Artikel „Schlägt der Serientäter wieder zu“ veröffentlichte, ähnelt frappierend dem Vorfall in Bremen aus dem Jahr 1995, als sich Martin W. im Februar 2011 per Email an die SoKo Dennis wandte.

Achtet auf die zwei Passagen, die ich nun im Vergleich gegenüber stelle:

STERN vom 24.06.2009:

„Bereits Ende April 2009 war ein Unbekannter in ein Einfamilienhaus in Rheine eingebrochen und bedrohte den zehnjährigen Sohn der Familie. Der schlief in dieser Nacht im Zimmer seiner Schwester, die vom Weinen des Bruders geweckt wurde – der Mann floh daraufhin.“

Und jetzt DER SPIEGEL knapp zwei Jahre später vom 10.10.2011 „Der Mann hinter der Maske“:

„Denn der Junge [Anm.: zum Zeitpunkt des Angriffs ebenfalls 10 Jahre alt] von damals war Wochen später, in der Nacht vom 22. Oktober 1995, von einem „schwarzen Mann“ im Kinderzimmer geweckt und zu Tode erschreckt worden, als der an seinen Geschlechtsteilen manipulierte. Der Unbekannte hatte sich, offenbar vertraut mit der Örtlichkeit, unbemerkt Zutritt zum Elternhaus des Kindes verschafft und war erst geflohen, als die Schwester des Jungen zu schreien anfing, die im Bett ihres Bruders schlief.“

Alles nur ein Zufall? Ich komme etwas später in Bezug auf den weltweit bekannten Vermisstenfall Madeleine MCCann noch darauf genauer zu sprechen.

Gehen wir zurück ins Jahr 1987.
In der Morgenpost Hamburg „Er hatte schon das nächste Opfer im Visier“ vom 19.04.2011 steht dort u.a.: „Laut „Weser Kurier“ soll der Kindermörder bereits als 16-jähriger Gymnasiast zum Straftäter geworden sein. Er schrieb Erpresserbriefe an fünf wohlhabende Familien in Bremen, drohte, ihre Kinder umzubringen, wenn sie ihm kein Geld zahlten. Der Schüler wurde zu acht Wochenenden Sozialdienst verurteilt. Da es sich um eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht handelte, sind die Daten inzwischen gelöscht. Auch bei der Staatsanwaltschaft Bremen lasse sich keine Akte zu dem Fall finden, so Sprecher Frank Passade.“

Schauen wir uns mal den Erpresserbrief an, den Martin Ney geschrieben hatte und der auch im STERN vom 22.04.2011 „Der Mann mit den zwei Gesichtern“ veröffentlicht wurde.

Ich will mich nicht der Gefahr einer Urheberrechtsverletzung aussetzen, deswegen bitte ich Euch, diesen Brief auf der o.g. Original-Webseite vom STERN anzusehen.

Ergänzend kann man hierzu weiter lesen:  „Als Martin N. 16 Jahre alt ist, erpresst er fünf Familien, darunter seinen Hausarzt, wie der Bremer „Weser Kurier“ enthüllte. Der Ton seiner Briefe ist von zynischer Kälte: „Wir könnten eines ihrer Kinder entführen und Lösegeld von Ihnen fordern. Um Ihnen diese Belastung zu ersparen, machen wir folgenden Vorschlag: Sie geben uns 150.000 Mark und wir entführen ihre Kinder nicht“, schreibt Martin N. in großen Druckbuchstaben. „Wenn Sie den Vorschlag ablehnen oder die Polizei alarmieren, wird eines Ihrer Kinder sterben …“ Er fordert die Eltern auf, eine Anzeige mit vorgeschriebenem Text im „Weser Kurier“ aufgeben. „Wenn diese Anzeige nicht erscheint, haben Sie demnächst einen Todesfall in ihrer Familie zu bedauern.“

An dieser Stelle erinnere ich auch an die beiden anonyme Briefe, welche die SoKo Dennis Ende September 2001 und offensichtlich auch im November 2002 erhalten hatte. Im ersten Teil dieses Themenkomplexes habe ich bereits eine Seite des Briefes zur Verfügung gestellt.

Und der STERN geht noch weiter und schreibt in seinem Artikel „Karriere eines Kindermörders“ vom 26.02.2012: „Ein halbes Jahr später wird Martin N. 24 Jahre alt [Anm: die süffisante Bemerkung bezieht sich auf den Mordfall Dennis Rostel im Juli 1995]. Die Eintragung wegen der versuchten Erpressung wird in seinem Erziehungsregister – wie gesetzlich vorgeschrieben – gelöscht.  […] Als hätte er diesen Moment genau abgepasst, bewirbt sich Martin N. im Jahr darauf beim Amt für Soziale Dienste in Bremen um einen Pflegesohn. Der zweifache Kindermörder will Pflegevater werden. Die Mitarbeiter des Jugendamtes ahnen von seiner Vorgeschichte nichts. Trotzdem ist Martin N. ein ungewöhnlicher Kandidat, dessen Eignung fraglich scheint: Er ist erst 25 Jahre alt, Single und wohnt in einer Einzimmerwohnung, in der kein Platz ist für ein Kind. Auch seine Ausbildung zum Lehrer hat Martin N. noch nicht abgeschlossen, er lebt von 870 Mark Bafög. Dass das Jugendamt ihn trotzdem als Pflegevater akzeptiert und einen zwölfjährigen Jungen bei Martin N. unterbringt, ist offenbar der puren Not geschuldet. Es gibt damals kaum Bewerber für Pflegekinder. Das Amt schaltet Mitte der 90er Jahre sogar Zeitungsanzeigen, sucht ausdrücklich auch „Singles, die ein Pflegekind aufnehmen möchten“. Damit macht das Amt es Päderasten – wie Martin N. – leicht. Ausgerechnet eine Vormundschaftsrichterin des Amtsgerichts Blumenthal, vor dem sich Martin N. als Teenager wegen Erpressung verantworten musste, weil er gedroht hatte, Kinder umzubringen, spricht ihm 1996 das Sorgerecht für einen zwölfjährigen Jungen zu. Die alten Akten sind vernichtet. Niemand erinnert sich mehr an den Erpressungsfall. Kein Skandal, wohl aber ein Kuriosum, das sich kein Krimiautor hätte ausdenken können. Die Übertragung der Pflegschaft ist für das Doppelleben von Martin N. von unschätzbarem Wert. Sie dient ihm in den nächsten Jahren als Siegel seiner Integrität. Er gilt fortan als staatlich geprüfter Kinderfreund.“

Jugendliche kommen so manches Mal auf irgendwelchen Scheiß, den sie später bereuen, aber hier fällt mir schon wieder eine Parallele zu dem Fall Jakob von Metzler und Magnus Gäfgen auf, der aus seiner Drohung bereits blutigen Ernst gemacht hatte und trotzdem den Eltern einen Erpresserbrief schrieb, sodass es mir schwer fällt, noch an einen dummen Jungenstreich seitens Martin Ney zu glauben. Kam er also damals schon in den Kontakt mit einem Kinderpornoring?
Es wäre jedenfalls sehr interessant herauszufinden, mit wem Martin Ney damals Verbindung hatte. Offensichtlich galt er bei seinen Mitschülern und Lehrern als Einzelgänger, der im Gegensatz zu seinen Geschwistern kaum Freunde hatte, und könnte daher genau für solche Kreise interessant geworden sein.

Ich habe mich deswegen gefragt, ob Martin Ney nicht möglicherweise auch der Autor der an die SoKo Dennis ergangenen anonymen Briefe ist. Das ist jetzt nur so eine Idee ins Blaue gedacht, aber der Verdacht kam bei mir auf, weil Martin N. ja offenkundig auch Kontakte zur Berliner Pädophilen-Szene hatte und dabei auch einen Berliner Sozialarbeiter versuchte, zu erpressen.

Und wieder schreibt der Focus in seinem Artikel „Belastendes Material jahrelang unentdeckt“ vom 22.04.2011: „Sichergestellt hatte die Polizei den Computer von Martin N. bereits bei einer Razzia am 9. März 2006. Der wegen Kindesmissbrauchs mehrfach aufgefallene Pädophile hatte einen Berliner Sozialarbeiter erpresst. Die Staatsanwaltschaft ließ die Festplatte von dem Münchner Sicherheitsunternehmen „Fast Detect“ entschlüsseln. Die Firma stieß auf Tausende „briefmarkenkopfgroße“ Vorschaubilder von nackten Jungen, nicht aber auf die Originalfotos. Wann und wie sie auf den Rechner gelangten, ließ sich nicht mehr klären. N. wurde daher nur wegen Erpressung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Erst am 4. März dieses Jahres, nachdem ein früheres Opfer auf N. aufmerksam gemacht hatte, holte sich die „Soko Dennis“ die Akten aus Hamburg und wertete sie detailliert aus. Neben den Aufnahmen von Marco B. und unzähligen Kinderpornos stießen die Ermittler auf veröffentlichte Fotos von zwei ermordeten Kindern. Zudem entdeckten sie Aufnahmen von nackten Jungen, die gefesselt waren. Andere waren bis zum Oberkörper im Sand eingegraben. „Bei einzelnen Taten der Serie kam es zu Fesselungen“, notierten die Beamten.“

Bei dem Berliner Sozialarbeiter soll es sich um Michael W. gehandelt haben, der dann selbst zu acht (!!) Jahren Gefängnis verurteilt wird. Hierzu schreibt die Homepage row-people de „Der lässt mich kalt“ vom 16.10.2011: „Im Jahr 2005 wurde er [Anm.: gemeint ist Martin Ney] wegen sexuellen Missbrauchs zweier Kinder (sechs und acht Jahre alt) angeklagt. Er soll sie in einer Hamburger Wohnung lange am Bauch gestreichelt haben. N. muss 1.800 Euro Bußgeld bezahlen. Im gleichen Jahr will er vom Berliner Sozialarbeiter Michael W. 20.000 Euro erpressen. Druckmittel: Kinderpornos. Die Geldübergabe scheitert, N. wird zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. W. wird schließlich zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in einem Jugendfreizeitheim Jungen missbraucht hatte. Im Zuge der Ermittlungen zu diesem Fall stellt die Hamburger Polizei zum ersten Mal einen Computer von N. sicher. Darauf zu finden: Bilder von Dennis Klein und Dennis Rostel. Zudem Fotos eines Jungen, den er in einem Keller missbraucht hatte. Und weitere Bilder von Jungen, die zum Teil bis zum Kopf im Sand eingebuddelt waren. Doch vieles wird von den Ermittlern übersehen, manches gar nicht gefunden. Als N. 2007 von der Soko befragt wird als einer von rund 1.000 Verdächtigen, lügt er erfolgreich. Einen DNA-Test verweigert er. „Seine Angaben konnten nicht widerlegt werden. Das können wir erst heute“, so Menzel. „Die Ansätze der Ermittlungen waren richtig, aber wir hatten ihn einfach nicht auf dem Zettel“, sagt Kai Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade.““

Ich wundere mich schon sehr über diese Chuzpe von Martin Ney, der doch offensichtlich selbst so viel Dreck am Stecken haben soll einschließlich mindestens dreier Kindermorde und trotzdem wagte er es, andere Kinderschänder zu erpressen.

Aus psychologischer Sicht macht es doch viel mehr Sinn, sich nach wie vor unauffällig zu verhalten.
Seit 1992 hatte Martin Ney nahezu unauffällig und bis auf den Vorfall im Jahr 2005 mit zwei weiteren kleinen Kindern auf Tauchstation gelebt. Er kam damals sogar nur mit einem Bußgeld von 1.800 Euro davon.

Wieso setzte er sich dann gleich im Jahr 2006 wieder der Gefahr aus, entdeckt zu werden? Die Gefahr bestand doch, dass man ihn aus einschlägigen Kreisen gelinde gesagt den „Arsch aufreißen“ könnte, auch wenn er nicht unbedingt mit einer Anzeige wegen Erpressung hätte rechnen müssen. Aber nachdem man ihn eine so hohe und außergewöhnliche Intelligenz bei der Ausübung seiner Taten zuschrieb, hätte er sicherlich auch diese Möglichkeit in Erwägung ziehen können.

Er war so schlau, nicht eine einzige DNA-Spur zu legen, aber gerät nun wiederum ins Visier der Polizei wegen eines Erpressungsversuches. Macht das wirklich Sinn?

Hierzu ein paar Auszüge aus öffentlichen Medien:

„Der Fahndungserfolg im Mordfall Dennis macht den Ermittlern Hoffnung auf Aufklärung weiterer Morde an Kindern in Frankreich und den Niederlanden. Ein DNA-Test hat den Verdacht nicht bestätigt – was aber laut Polizei nichts heißen muss.“ […]  Bislang gingen die Ermittler davon aus, dass der Norddeutsche auch für den gewaltsamen Tod von zwei Elfjährigen in den Niederlanden und Westfrankreich verantwortlich ist. Das Vorgehen ähnelte sich bei allen Taten. Ein DNA-Test sei negativ verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin. Doch das entlaste den Mann nicht automatisch. Auch bei den drei gestandenen Verbrechen hätten die DNA-Spuren nichts ergeben. Der Mann selbst bestreitet die beiden Morde aus den Jahren 1998 und 2004. (Quelle: Focus „Ermittler prüfen weitere Kindsmorde“ vom 18.04.2011)

„Dem Profiler Alexander Horn zufolge ist der 40-Jährige Lehramtsanwärter. Gebürtig stammt er aus Bremen. Seit zehn Jahren lebt er aber in Hamburg, wie der Leiter operativen Fallanalyse sagte. Er ist ledig und seit 21 Jahren alleinstehend. Der Mann ist aktiv in der Jugendbetreuung gewesen. Momentan arbeite er in der Erwachsenenbildung. Zum Teil kannte der Tatverdächtige demnach durch Fortbildungen die Einrichtungen, in die er eindrang.“ […] Ab 2004 konnte die Polizei dem Mann bislang keine Straftaten mehr zuordnen. Wie nahezu alle 1000 bekannten Sexualstraftäter sei er befragt worden, nur leider seien im Fall Dennis keine DNA-Spuren feststellbar gewesen, die vom Täter stammten, so Erftenbeck. […]  Der Polizei zufolge hielt sich der Verdächtige in den vergangenen Jahren mehrfach im Ausland auf, auch über einen längeren Zeitraum. Einen Zusammenhang mit den Morden gebe es bislang nicht, sagte der Polizist Jordan. Dennoch wird in diese Richtung weiter ermittelt, beispielsweise über die Erstellung eines Bewegungsbildes. (Quelle: Focus „Serienmörder führte verstörendes Doppelleben“ vom 15.04.2011)

„Inzwischen wurde festgestellt, dass die DNA von Nicky Verstappen’s Mörder nicht mit der von Ney übereinstimmt.“ (Quelle: http://www.serienkillers.de/serienm%C3%B6rder/m-p/ney-martin/)

„10. Januar 2007: In den Niederlanden wird ein 36-jähriger Mann festgenommen, der als Tatverdächtiger in einem zu Dennis ähnlichen Mordfall gilt. Das Opfer, der elfjährige Nicky Verstappen, war 1998 aus einem Zeltlager in den Niederlanden verschwunden und einen Tag später tot aufgefunden worden. 25. Januar 2007: Der 36-Jährige aus der niederländischen Grenzstadt Landgraaf muss von der Polizei entlassen werden. Dem Mann ist eine Verbindung mit dem mutmaßlichen Tötungsdelikt nicht nachzuweisen.“ (Quelle: FAZ „Mordfall Dennis: Chronologie der Ereignisse“ vom 15.04.2011)

„Nach Berichten in französischen Medien, die in Deutschland bisher nicht bestätigt wurden, hat es zum Zeitpunkt von Jonathans Verschwinden Abhebungen mit Martin Neys EC-Karte in Deutschland gegeben. Dies würde ihn aus dem Kreis der Verdächtigen ausschließen. Es bleiben jedoch noch einige Unklarheiten in diesem Fall, zu dem auch Ermittlungspannen beitrugen. Ney hatte drei Festplatten, einen USB-Stick und eine CD unter dem Fettfilter seiner Dunstabzugshaube versteckt. Erst der Nachmieter seiner Wohnung hatte diese Gegenstände bei der Renovierung gefunden. Bisher ist es den Beamten nicht gelungen, den Passwortschutz der Datenträger zu knacken. Martin Ney schweigt indes weiter, obwohl es für ihn ohnehin keinen Unterschied mehr machte, ob er noch zwei oder zehn weitere Morde gesteht. Vielleicht, so mutmaßen die Profiler, die ihn jagten, will er einen Teil seiner dunklen Seite nicht offenlegen. Will wie in einem Schatzkästlein etwas eigenes für sich behalten. (Quelle: benwaylab.com „Das Fünfte Opfer des Schwarzen Mannes“ vom 11.04.2014)

„Keine Regung, kaum mal ein Blick auf sein Umfeld, nur eine kurze Aussage in nüchternen Worten. Trotz des umfassenden Geständnisses bleibt vieles vage. Sind mit dem Urteil alle Fragen beantwortet? Nein: Es bleiben Zweifel. Insbesondere deswegen, weil trotz der länger als ein Jahrzehnt andauernden Ermittlungen der Sonderkommission „Dennis“ der gesamte Prozess weitgehend auf den Aussagen von Martin N. beruht. Ohne sein Geständnis hätte er auch nicht verurteilt werden können. Vielleicht gab es mehr Taten, mehr Missbrauchsfälle. Vielleicht gab es auch mehr Morde“. (Quelle: Kreiszeitung vom 28.02.2012 „Für immer in Haft“)

Kurz vor seiner Verhaftung im April 2011 hatte Martin Ney dann ein weiteres Stell-Dich-Ein mit einem offenkundig pädophilen Vater, der ihm seinen neunjährigen Jungen anbieten wollte. Der STERN schreibt in dem bereits vielfach von mir zitierten Artikel „Karriere eines Kindermörders“ hierzu: „Nach einer erneuten Öffentlichkeitsfahndung Anfang 2011 erinnert sich ein 25-jähriger Mann, der als Kind vom „schwarzen Mann“ zu Hause überfallen und missbraucht worden ist, dass er zuvor von einem Betreuer auf einer Ferienfreizeit über seine Wohnverhältnisse ausgefragt worden sei. Die Polizei beschattet Martin N. daraufhin, hört sein Telefon ab. Die Beamten hören mit, wie sich Martin N. mit Norman L. aus Berlin verabredet. Er will den neunjährigen Leon mitbringen und mit dem Jungen bei Martin N. übernachten. Auch ein Saunabesuch ist geplant. Norman L. erzählt Leons Mutter, er würde mit ihrem Sohn bei „Familie N.“ übernachten, ohne freilich zu erwähnen, dass es sich bei „Familie N.“ um einen alleinstehenden Mann handelt. Die Berliner Polizei sucht Leons Mutter auf und vereitelt den Besuch. […]  Als der stern kurz nach der Festnahme von Martin N. im April berichtet, dass der Kindermörder „auf einen neunjährigen Jungen“ wartete, „den ihm ein Pädophiler aus Berlin zuführen sollte“, dementiert die Staatsanwaltschaft Stade gegenüber der Presse. Der Mann aus Berlin sei „ein unschuldiger Kontakt“. Fakt ist: Norman L. ist in Kiel wegen Besitzes von Kinderpornographie verurteilt worden.“

So, und spätestens hier begann ich mich zu fragen, ob es hier möglicherweise auch Verbindungen zu dem Vermissten- bzw. Mordfall Manuel Schadwald und Stefan Lamprecht gibt, da man immer wieder in den öffentlichen Medien betonte, dass 1993 für den Serienmörder ein Jahr der Pause erfolgt sei, obwohl in diesem Jahr Bernd Beckmann am 06.07.1993 verschwand und am 18. Juli 1993 ermordet am Saaleufer aufgefunden wurde (siehe hierzu auch meine Ausführungen zum Sachsensumpf – Merkwürdige Parallelen zur NSU-Mordserie – Teil 10) sowie Manuel Schadwald am 24.07.1993 verschwand, zuletzt gesehen in Berlin-Tempelhof.

Und ist es ein Zufall, dass Stefan Lamprecht, der seit 02.08.1995 in Berlin-Pankow vermisst gemeldet wurde, schließlich am selben Tag wie Dennis Rostel, nämlich am 08.08.1995, tot in Mittenwalde aufgefunden wurde?

Die Berliner Morgenpost vom 10.02.2003 hatte schon damals in ihrem Artikel „Vier Schicksale, ein Täterkreis?“gefragt, ob es zu den letztgenannten Fällen Schadwald/Lamprecht nicht eine Verbindung untereinander gibt.
Dazu steht u.a. Folgendes: „Am 10. November 1997 veröffentlichte die Berliner Morgenpost einen Artikel, der sich mit Fällen vermisster beziehungsweise ermordeter Kinder befasste. Die damalige Vermutung: Berliner Kinder sind Opfer einer international operierenden Kinderhändlerbande geworden. Dieser Verdacht hat sich mittlerweile verdichtet. Rückblick: 1993 verschwindet der damals 12-jährige Manuel Schadwald auf dem Weg ins Freizeit- und Erholungszentrum an der Wuhlheide in Köpenick. Es gibt inzwischen zahlreiche Hinweise, dass der Junge in einem niederländischen Kinderbordell missbraucht wurde. Ein Belgier namens Robby van der Plancken hatte 1998 in Amsterdam der Morgenpost versichert: «Ich war dabei, als Manuel Schadwald im Juli 1993 aus dem Lokal Pinocchio in Schöneberg mit in die Niederlande genommen wurde. Dort wurde er in den Bordellen von Rotterdam und Amsterdam missbraucht.» In diesem Lokal Pinocchio arbeitete auch Jens A., der zusammen mit einem Komplizen 1994 den damals 8-jährigen Daniel Beyer aus Prenzlauer Berg missbraucht hatte. Der Komplize hatte in seinem Beisein den Jungen anschließend erwürgt. Jens A. wurde 1998 gefasst und ein Jahr später wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Morgenpost wurde eine eidesstattliche Versicherung aus dem Gefängnis zugespielt, in der Jens A. erklärt, Manuel Schadwald in der Gaststätte Pinocchio gesehen zu haben. Ihm seien Zeitungsfotos von Schadwald gezeigt worden, auf denen er den Jungen wiedererkannte.“

Und zu Stefan Lamprecht schreibt o.g. Artikel aus der Berliner Morgenpost weiter: „Der Mord an dem damals 13-jährigen Stefan Lamprecht ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Leiche des Jungen wurde im August 1995 auf einer Müllkippe [Anm.: Mülldeponie Schöneiche] in Mittenwalde gefunden. Der Kieler war einige Tage zuvor bei einem Besuch seines Vaters in Berlin verschwunden. Für diesen Fall interessiert sich jetzt auch der ehemalige Verbindungsoffizier zwischen dem früheren sowjetischen Geheimdienst KGB und dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR, Wanja Götz. «Ich befasse mich deshalb mit dem Fall, weil ich der festen Überzeugung bin, dass jene Täter, die an der Verschleppung Manuel Schadwalds beteiligt waren, auch für die Ermordung von Stefan Lamprecht verantwortlich sind. In beiden Fällen spielen geheimdienstliche Interessen eine große Rolle. Es gibt Erkenntnisse, wonach sowohl Manuel Schadwald als auch Stefan Lamprecht von einflussreichen Persönlichkeiten missbraucht worden sind. Entsprechendes Fotomaterial wurde dann zur Erpressung genutzt.» Nach Aussagen der Familie des ermordeten Lamprecht hatte sich der Junge in seiner Heimatstadt ein halbes Jahr vor dem Mord verändert. Seine Stiefschwester Nancy: «Er schlitzte plötzlich seine Kuscheltiere auf und klebte Totenköpfe an die Wand.»

Und zuvor schrieb die Berliner Morgenpost in einem anderen Artikel vom 09.02.2003 „Ex-Geheimdienstoffizier stellt Verbindung zum Fall eines vermissten Jungen her“: „Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR hat mit Kinderpornografie einflussreiche Persönlichkeiten in Westeuropa erpresst Das erklärt der ehemalige Verbindungsoffizier zwischen dem früheren sowjetischen Geheimdienst KGB und dem MfS, Wanja Götz (Deckname „Grigori“), in einer eidesstattlichen Versicherung, die der Berliner Morgenpost vorliegt. „Zu den Erpressten gehören Politiker, Richter (!!!) und Industrielle, von denen einige nach wie vor Einfluss in den westlichen Demokratien haben. Nach dem Fall der Mauer hat das ehemalige Stasi-Netzwerk die geheimdienstlichen in finanzielle Interessen umgewandelt. Eine Schlüsselrolle spielte Rainer Wolf, der Vater des noch immer vermissten Berliner Jungen Manuel Schadwald“ berichtet der in Berlin lebende Götz. Nach Recherchen der Berliner Morgenpost hat auch der im August 1996 verhaftete belgische Kinderhändler Marc Dutroux, dem der Mord an mehreren Mädchen zur Last gelegt wird, zeitweise im Auftrag der Stasi gearbeitet „Es gab in der Tat Hinweise, wonach sich solche Informationen in dem Stasi Material wieder finden, das dem amerikanischen Geheimdienst CIA zugespielt wurde. Der belgische Geheimdienst wäre gut beraten, diese Unterlagen gründlich auszuwerten“, sagt der ehemalige Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl, Bernd Schmidbauer (CDU). Die CIA hatte sich in den Wendezeiten umfangreiches Material über die Spionageabteilung der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS sichern können. Wegen der Brisanz der darin enthaltenen Informationen auch über westeuropäische Politiker werden diese Unterlagen nach wie vor der Öffentlichkeit vorenthalten. Lediglich Geheimdienste durften in die von der CIA gefilterten Berichte Einsicht nehmen. Nach Expertenmeinung erklärt das, warum die Ermittlungsbehörden sowohl den Fall Dutroux als auch das Verschwinden von Manuel Schadwald bislang nicht klären konnten. Der seit Juli 1993 vermisste Junge ist nach zahlreichen Aussagen von Zeugen ins niederländische Kinderporno Milieu verschleppt worden. Sein Vater Rainer Wolf, ein in der DDR-Friedensbewegung eingesetzter Stasi Mitarbeiter, war bereits vor Jahren nach Zeugenaussagen in den Verdacht geraten, seinen Sohn selbst ins Kinderporno-Milieu verbracht zu haben. Der ehemalige KGB und Stasi­-Agent Wanja Götz, dessen Deckname „Grigori“ sich auch in den Stasi Akten über Rainer Wolf wieder findet, erklärt in seiner eidesstattlichen Versicherung: Ich hatte den Auftrag vom DDR Geheimdienst, diesen Mann psychologisch einzuschätzen. Erst viel später erfuhr ich, dass Wolf nach seiner von der Stasi inszenierten Übersiedlung in die BRD 1984 im Auftrag der Auslandsspionage des DDR-­Geheimdienstes mit Kinderpornografie Westeuropäer erpresst hat.“ Die Kinder habe sich das MfS aus DDR-­Heimen geholt.“ (Quelle: http://www.luebeck-kunterbunt.de/TOP100/Gottverdammte_Paederasten.htm)

Ergänzend hatte dann die BILD vom 26.10.2014 „Fahndung nach dem Killer von Stefan Lamprecht“ geschrieben: „Ein Ermittler: „Stefan wurde ohne seine Sachen gefunden. Er hatte Verletzungen am Unterleib und trug eine blaue Plastiktüte.“ Der Müllsack war wie ein Kleidungsstück auf ihn zugeschnitten. Zuletzt war der Junge mit einer hellblauen, verwaschenen Jeans-Hose, einem grünen, ärmellosen T-Shirt und Sandalen bekleidet. In Kiel hatten pädophile Männer Kontakt zu dem Jungen gesucht. Die Kripo hält es für möglich, dass einer der Männer von Stefans Besuch in Berlin wusste und ihn dort abpasste. Es könnte aber auch sein, dass der Täter sein Opfer zufällig auf der Straße traf. Laut Polizei lag beim Täter eine „sadistische Tendenz” vor. Die Kinderleiche hatte Stich- und Schnittverletzungen durch ein Messer und weitere Verletzungen durch eine Vergewaltigung. Am Körper wurden Braunkohlereste entdeckt. Möglicherweise hielt der Täter den Jungen erst einige Tage gefangen, bevor er ihn tötete, die Leiche dann zeitweise in einem Keller versteckte und sie schließlich in einen Müllcontainer einer Wohnanlage warf.“

Die BILD Online vom 06.06.2010 „Neue Spur im Fall Manuel Schadwald“ erzählte dann von neuesten Erkenntnissen. „Die neuen Leute nahmen sich alle Akten noch mal vor. Bei der Durchsicht der alten Vernehmungsprotokolle fielen den Polizisten mehrere Ungereimtheiten auf. So geriet Manuels Mutter ins Visier der Ermittler! Vergangene Woche vernahm die Polizei Marion Schadwald. Ein Nachbar: „Wir haben uns über Polizei im Haus gewundert. Später erfuhren wir, dass es um den vermissten Manuel ging.“ Brisant: Die Ermittler müssen einen konkreten Verdacht haben. Denn nach BILD-Informationen hat die Polizei mehrere Daten von Marion Schadwalds Computer sichergestellt. Manuels Mutter wollte sich zu den neuen Ermittlungen nicht äußern. Wie BILD erfuhr, will die Polizei in den nächsten Wochen weitere Verwandte des Jungen vernehmen.“

Und erst am 11.07.2015 berichtete die BILD in ihrem Artikel „Vermisster Junge bei Sex-Spielen umgebracht?“ noch einmal von dem Fall: „Den Recherchen zufolge soll Manuel Schadwald nach Rotterdam und Amsterdam verschleppt worden sein, zuletzt auf eine Jacht im Ijsselmeer. Die Hinweise stammten aus Kreisen der Polizei und des niederländischen Geheimdienstes AIVD, heißt es. Entsprechende Gerüchte kursierten bereits 1997. Damals hieß es, Manuel sei in einem Gewalt-Video zu sehen, bei dem ein Junge zu Tode kommt. […]  Bei dem Schiff soll es sich laut den Recherchen um die Charter-Jacht „Apollo“ handeln. Diese wurde auch von einem Kinderpornohändler namens Gerrit Ulrich genutzt. Ulrich wurde 1998 in Italien erschossen aufgefunden. Als die Polizei sein Apartment im holländischen Zandvoort durchsuchte, entdeckte sie Tausende Fotos und Filme mit einschlägigem Material. Auf den Bildern waren missbrauchte und gefolterte Kinder zu sehen, sogar Babys! […]  „Die Welt“ zitiert einen Informanten mit den Worten: „Weil sich auf dem Boot aber einflussreiche Persönlichkeiten befanden, wurde der Fall vertuscht.“ Ein ehemaliger ranghoher Ermittler der holländischen Polizei bestätigte: „Natürlich war dieser Junge hier. Aber die Lösung des Falls wird schwierig werden. Die Sonne wird nicht auf diesen Fall scheinen …““

Bremen – Hamburg – Kiel – Berlin: Ist es wirklich ein Zufall, dass Martin Ney nicht nur zu einschlägigen Kreisen in Bremen und Hamburg, sondern offensichtlich auch in Berlin Kontakte pflegte?

Hierzu auch die FAZ „Mordfall Dennis: Der schwarze Mann“ vom 26.04.2011: „Mit seinen Nachbarn sprach Martin N. nicht viel. Er ließ sie in Ruhe, und sie ließen ihn in Ruhe. Zwei-, dreimal in der Woche holte er sich abends beim Kiosk an der Ecke Rotwein, manchmal Bier, manchmal Süßigkeiten. Er sagte freundlich „hallo“ und ging wieder in seine Wohnung. Eine Frau sahen die Nachbarn nie bei ihm. Dafür parkte immer mal wieder ein Mann seinen Kombi mit Berliner Kennzeichen vor dem Klinkerhaus an der Jägerstraße. Auf der Rückbank zwei, drei kleine Jungen mit Fußballschals um den Hals. Nachbarn dachten, die Männer wollten mit den Jungs ein Fußballspiel schauen oder Fußball spielen. So sagen die Nachbarn es jetzt. Sie fragen: „Was hätten wir denn denken sollen?“

Und wie verhält es sich mit seiner sichergestellten Festplatte von 2006, wobei man dann aber nach einer weiteren Hausdurchsuchung am 13. April 2011 diverse Datenträger übersehen haben will? Hierzu steht im STERN „Karriere eines Kindermörders“: „Am 13. April nimmt das Mobile Einsatzkommando der Polizei Martin N. morgens um kurz vor sieben vor seiner Wohnung in Hamburg fest. Er will gerade zur Arbeit. Einen Haftbefehl haben die Beamten nicht, nur einen Durchsuchungsbeschluss. Fast sieben Stunden lang durchsuchen neun Beamte die Wohnung von Martin N. Besonders gründlich gehen sie offenbar nicht vor: Sie übersehen eine CD, zwei Festplatten und einen USB-Stick. Martin N. hatte die Datenträger unter einer Dunstabzugshaube versteckt. Der Nachmieter findet sie Monate später und übergibt sie der Polizei. […]  Doch das sind nicht die einzigen Beweismittel, die sie in der Wohnung liegen lassen. Nachdem die Wohnung von der Kripo wieder freigegeben ist worden von einem Entrümpler geräumt wird, kauft stern.de für 500 Euro den restlichen Hausrat. In einem Schachspiel liegt eine Liste mit den Namen von Kindern, mit denen Martin N. 1993 in die Ferien gefahren ist. Einen der Jungen, dessen Name auf der Liste steht, hat Martin N. vier Jahre später zu Hause überfallen und missbraucht. Die Liste war offenbar so etwas wie ein Souvenir. Außerdem liegen eine Einwegspritze und eine verrostete, rote Metallschaufel in den Kartons. Ein Beamter der Soko holt die Sachen in der Redaktion ab. Wieder wiegelt die Staatsanwaltschaft gegenüber der Presse ab. Die „Authentizität“ des Zettels müsse erst geprüft werden. Spritze und die rote Schaufel seien „belanglos“. Fakt ist: An der Leiche von Dennis R. wurden rote Lackpartikel sichergestellt. Auf Grundlage mehrerer Gutachten gingen die Ermittler schon 1995 davon aus, dass die Leiche möglicherweise mit einer rostigen, roten Schaufel vergraben worden war. Einen Tag nach seiner Festnahme gab Martin N. sogar zu, die Leiche von Dennis R. mit einer „ollen Schaufel … Irgend so einer Kinderschaufel“ vergraben zu haben, die er im Schuppen seines Ferienhauses gefunden habe. […]Namenliste und Spritze offiziell in den Prozess eingeführt worden. Die Spritze ist untersucht worden, enthielt jedoch keinerlei Spuren. Zum Zeitpunkt der Durchsuchung konnten die Beamten das allerdings nicht ahnen. Erst als der Nachmieter Mitte Dezember unter der Dunstabzugshaube Datenträger fand, räumte die Staatsanwaltschaft Stade ein, dass die Beamten wichtige Beweismittel übersehen hatten. Nach dem Geständnis hätten die Beamten nicht mehr unter Druck gestanden, belastendes Material finden zu müssen, sagte ein Sprecher. Deshalb hätten sie nicht mehr so intensiv nachgesehen. Fakt ist: Als die Beamten die Wohnung durchsuchten, hatte Martin N. noch gar kein Geständnis abgelegt. Er gestand erst am Tag nach der Durchsuchung.“

Ich will jetzt nicht so weit gehen und unterstellen, dass der in Deutschland aktive Kinderporno- und –händlerring staatlich gedeckt oder sogar gefördert wird, wie man es auch im Sachsensumpf-Skandal vermutet, aber etwas macht mich immer wieder im Fall des „Maskenmannes“ stutzig, und dabei handelt es sich nicht nur um das konsequente Übersehen von wichtigen „Beweismitteln“ in Martin Neys Wohnung.

Martin Ney soll ja ein Gründungsmitglied des Pädophilennetzwerks „Jungsforum“ gewesen sein, das angeblich nach dem Mord an Dennis Klein im Jahr 2001 „online“ gegangen ist. Unter seinem Pseudonym „GerdX“ hatte er ziemlich krasse Dinge im Forum abgesondert, auf die ich hier jetzt nicht näher eingehen will, aber an Deutlichkeit seiner „Präferenzen“ hatte er es nicht mangeln lassen.

Das X im Pseudonym hatte im Übrigen den Stern in seinem Artikel „Der Mann mit den zwei Gesichtern“ zur Vermutung verleitet, dass das X für eine unbekannte Gleichung stehen könnte, was ich ziemlich interessant finde.
Allerdings wird das X auch allgemein für die Pornoindustrie verwendet, meistens in Form eines Trippel-X.

Das nährt in mir den Verdacht, dass es sich um einen so genannten „Honigtopf“ handelte, der weitere Pädophile und Perverse anlocken sollte, vielleicht, um solche kriminell veranlagte Subjekte später zu erpressen, wie es auch Götz Wanja, der ehemalige Stasi-Verbindungsoffizier im Fall Stefan Lamprecht und Manuel Schadwald bereits ausgeführt hatte. Vielleicht wurde Martin Ney bei einem seiner Erpressungsversuche – und wir wissen nicht, wie oft er erfolgreich damit war –  zu keck für gewisse okkulte Kreise?

Ich ahne es, aber ich weiß nicht, welche okkulten Kreise konkret dafür in Frage kommen. Dennoch gebe ich einen kleinen Hinweis in die Richtung, denn der liegt in der Süddeutschen Zeitung vom 13.02.2012 „Maskenmann reimte über Taten“ verborgen. Darin steht u.a., dass der erste Beitrag, der von GerdX ins Internet gestellt wurde, vom 11. September 2001 stammte. Am 11. September 2001 wurden nicht nur die Anschläge auf das World Trade Center verübt, sondern genau an diesem Tag auch die SoKo „Dennis“ gegründet. Hier der entsprechende Ausschnitt der SZ: „Über einen Zeitraum von zehn Jahren hatte Martin N. auf einer vor allem von pädophilen Männern genutzten Internetplattform mehr als 4000 Chatbeiträge hinterlassen. […] Der erste wurde am 11. September 2001 geschrieben, dem Tag der Anschläge in den USA. Ein anderer Chatter hatte geschrieben, er finde es geil, dass die Amerikaner nun auch mal „was auf den Deckel gekriegt“ hätten. GerdX antwortete: „Ich finde noch ganz andre Sachen geil, zum Beispiel wenn kleine Jungen Sexualmördern in die Hände fallen.“ Nur wenige Tage zuvor hatte Martin N. in einem Schullandheim in Wulsbüttel bei Bremen den neunjährigen Dennis Klein sexuell missbraucht und ihn, als das Kind zu schreien begann, aus Angst, entdeckt zu werden, erwürgt. Vom 16. Oktober 2008 stammt ein Chatbeitrag mit der Überschrift „Eine böse Lehre“: „Nach dem ersten Oralsex am See eine kleine Verdeckungstat begehen. Steine zum Beschweren findet man meist im Uferbereich“. Bis heute gibt es keine Erkenntnis darüber, ob auch dieser Beitrag in zeitlichem Zusammenhang mit einem Mord steht.“

Jedenfalls dürfte nach Zusammenführung der bisherigen Erkenntnisse aus offenen Quellen es nicht mehr weiter verwundern, dass Martin Ney nicht bereit ist, die Zugangscodes für das Entschlüsseln seiner Datenträger preiszugeben. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die ersten Meldungen kommen, dass der Code geknackt wurde. Vielleicht stammten die Datenträger aber auch gar nicht von Martin Ney, sondern wurden nur in seiner Wohnung verbracht – von wem auch immer. Dann kennt Martin Ney wohlmöglich auch gar nicht den Zugangscode.

Bevor ich dieses Kapitel zum schwarzen Mann abschließe, möchte ich noch einen kurzen Blick auf die Vorgänge um den Vermisstenfall Madeleine McCann werfen, denn in diesem Kontext wurde auch bereits überprüft, ob Martin Ney nicht gegebenenfalls als einer der möglichen Täter infrage kommt. Er soll sich bereits 1996 in Portugal aufgehalten haben. Soweit ich weiß, trifft das aber nicht auf die Zeit um den 03. Mai 2007 zu, als Maddie verschwand.

Trotzdem gibt es hier eine interessante Erkenntnis, auf die Scotland Yard bereits 2009 gestoßen war und deswegen schließt sich hier auch wieder der Kreis um die Vorgänge aus dem Jahr 2009 in Rheine.

Das Hamburger Abendblatt vom 23.05.2009 (!!) schrieb hierzu in seinem Artikel „Vermisste Maddie – Spur führt nach Deutschland“ Folgendes: „Im Fall der seit zwei Jahren vermissten Madeleine McCann haben die Ermittler eventuell eine neue Spur. Dabei handelt es sich um einen Pädophilen, der derzeit im Fokus der Fahnder steht. London. Er ist einschlägig vorbestraft und auf der Flucht: der britische Pädophile Raymond Hewlett (64). Ist er auch in den Fall Maddie verwickelt? Privatdetektive, die von Madeleines Eltern Gerry (40) und Kate McCann (40) engagiert wurden, haben seine Spur gefunden. Sie führt nach Deutschland. Der Brite soll nach einem Bericht der Londoner Zeitung „Daily Mirror“ im Mai 2007 an der Algarve in Südportugal gewesen sein. Nur eine Autostunde von Praia da Luz entfernt – dem Ort, aus dem die damals drei Jahre alte Maddie spurlos verschwand. Der Sprecher der Familie McCann, Clarence Mitchell, bestätigte am Freitag, dass dem nachgegangen werde. „Wir wollen die Sache nicht hochspielen, aber das ist schon ein sehr interessanter Ermittlungsansatz.“ Ein britisches Paar, das Hewlett in Portugal kennengelernt hatte, schlug jetzt Alarm. Alan und Cindy Thompson berichteten in der Londoner „Sun“, dass der Verdächtige mit einer deutschen Frau und sechs Kindern in einem Wohnmobil über die Campingplätze reiste. Hewlett habe dem Paar anvertraut, Zigeuner hätten eines seiner Kinder kaufen wollen. Mit dem Fall Maddie habe er jedoch nichts zu tun. Der ehemalige Soldat der britischen Armee hat bereits mehrfach wegen Sexualstraftaten an jungen Mädchen im Gefängnis gesessen. Erstmals war er 1972 wegen Entführung und Missbrauchs eines zwölf Jahre alten Nachbarmädchens verurteilt worden. Im Fall einer Elfjährigen wurde ebenfalls gegen ihn ermittelt. Das Kind wurde 1975 sexuell missbraucht und anschließend mit zwölf Messerstichen ermordet. Die Tat konnte Hewlett aber nie nachgewiesen werden. Laut Polizei gilt der 64-Jährige auch heute noch als große Gefahr für Kinder. Er hat sich nach seiner Armeezeit auf Fischkuttern und vor allem auf Jahrmärkten verdingt. Derzeit soll er in einem namentlich nicht genannten deutschen Krankenhaus [Anm. er war in einem Aachener Krankenhaus in Behandlung und verstarb dann dort auch im Jahr 2010] wegen Rachenkrebs behandelt werden. Der „Daily Mirror“ zeigte ein Foto des Mannes, wie er an ein Sauerstoffgerät angeschlossen in einem Klinikbett liegt.“

Und dann hatte der Kopp-Verlag noch eine interessante Meldung vorzulegen. In seinem Artikel „Vom Zigeunercamp in die Hände von Pädophilen?“ kann man dort u.a. lesen: „Ein mehrfach abgeurteilter pädophiler Sextäter starb 2010 in einer Klinik in Aachen an Kehlkopfkrebs. Der Brite, ein ehemaliger Soldat, lebte mit seiner zweiten Familie, seiner deutschen Frau [Anm.: Marianna Schmuker aus Aachen] und sechs Kindern in Portugal ein zweites nomadisches Leben in einem Wohnwagen, offenbar stets in Geldnot, quasi von der Hand in den Mund. Im Angesicht des Todes schrieb Raymond Hewlett an seinen Sohn aus erster Ehe, der sich angewidert von seinem Vater abgewendet hatte, einen Abschieds- und Entschuldigungsbrief, in dem er sich von dem Verdacht freisprechen wollte, er habe etwas mit der Entführung von »Maddie« (Madeleine) McCann zu tun. Hewletts Familie hatte damals nur wenige Kilometer vom Tatort Praia da Luz entfernt auf einem Campingplatz gelebt. Er schrieb, er habe nichts mit der Angelegenheit zu tun, wisse aber, was mit dem Kind passiert sei: Einer seiner Zigeuner-Freunde habe es in angetrunkenem Zustand herausgelassen. Sie sei von einer »gipsy gang« auf Bestellung gestohlen worden, die Kinder für reiche Paare kidnappe, die keine Kinder bekommen könnten oder für Adoptionen. Diese Banden, so Hewlett, hätten »shopping lists«, also Einkaufslisten von potenziellen Opfern, kleinen Mädchen mit blonden Haaren, so wie Maddie. Hewletts Sohn:

»Mein Vater schrieb, diese Bande operiere schon seit langer Zeit und hätte schon früher Kinder für Paare gestohlen, die selbst keine Kinder haben könnten … Maddie wurde ins Auge gefasst. Sie machen Fotos von Kindern und schicken sie an die Leute, in deren Auftrag sie arbeiten. Und diese sagen dann ›ja‹ oder ›nein‹. Der Zigeuner habe seinem Vater gesagt, es hätte nichts mit einer pädophilen Bande oder sexuellen Motiven zu tun.«

Möge es so sein! Aber wie kann das erste Glied in der Verkäuferkette dies überhaupt kontrollieren? Natürlich letztlich nicht. […] Hewletts Einlassungen auf dem Totenbett wurden bestätigt, aber auch teilweise korrigiert durch eine Zeugenaussage eines Landsmanns, der mit dem pädophilen Sex-Täter zwischen Juni und November 2007 ahnungslos Bekanntschaft auf einem marokkanischen [Anm.: Martin Ney hatte sich ebenfalls in Marokko aufgehalten, ob allerdings zu der Zeit, konnte ich aus offenen Quellen nicht herausfinden] Campingplatz gemacht hatte: Peter Verran erinnert sich, Hewlett habe ihm erzählt, dass Zigeuner ihm seine kleine blonde Tochter abkaufen wollten, was er abgelehnt habe. Die Gipsys würden für Kinder bezahlen und sie an Pädophile weiterverkaufen. »Adoptionen« – das dürfte auch ein gut klingender Deckmantel für Organhandel und pädophile Endkunden sein! […] Mit der Veröffentlichung Tausender von Polizeidokumenten 2008 lasen die McCanns auch, dass britische Kriminalbeamte der Koordinierungsstelle in Leicester von einer Geheimdienstabteilung CO14 der Metropolitan Police, die sich mit Clubs und Sitte befasst (»Clubs & Vice«), Informationen erhalten hatten, Madeleine sei aufgrund der Bestellung eines belgischen Pädophilenrings gekidnappt worden. Ein Späher (»Spotter«) habe das Kind vorher fotografiert und die Bilder weitergeleitet. Die Dokumente enthüllten jedoch nicht die Quelle dieser Information.“

Über die weiterführenden Erkenntnisse von Scotland Yard über mehrere sich auf Deutsch und Holländisch unterhaltende Männer, die sich Tage vorher sehr auffällig im Areal des „Ocean Clubs“ in Praia de Luz verhalten haben sollen und von denen einige Beschreibungen vorliegen, berichtete auch die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst in ihrer Sondersendung „Der Fall Maddie“ – aber erst am 16.10.2013, also 4 Jahre später.

Damit beende ich das Kapitel „Der Schwarze Mann“ und komme im vierten Teil dieser Serie zum Mordfall Tristan Brübach und Markus Wachtel zu sprechen

Weiter mit Teil 4

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