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Zurück zu Teil 7

Beim Thema Deutsche Bank landen wir zwangsweise wieder in der Zeit des Nationalsozialismus.
Wie ich bereits in meinen Ausarbeitungen zum Oktoberfestattentat im neunten Teil des Kapitels „Die ausländischen Beziehungen und Verbindungen“ darlegte, war Josef Abs seit 1937 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.
Bereits im Jahr 1923 fand er eine Beschäftigung im Kölner Privatbankhaus Delbrück, von der Heydt & Co, von wo aus er als Devisenhändler quer über den Erdball von Amsterdam über England und den USA bis nach Südamerika eingesetzt wurde.
Ab 1935 schaffte er es, Juniorpartner beim Schwesterninstitut Delbrück Schickler & Co in Berlin zu werden und wechselte von dort aus schließlich zur Deutschen Bank. In Wikipedia steht dann weiter: „Aufgrund seiner Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse (er sprach fließend Englisch, Niederländisch, Französisch und Spanisch) war er im Vorstand für das Auslandsgeschäft und Industriefinanzierungen zuständig. Hier warb er in neutralen Staaten für die Zeichnung der Kriegskredite des nationalsozialistischen Deutschlands.“ (Quelle: Wikipedia)

Ich zitiere dann erst einmal aus Wikipedia weiter: „Ab 1937 war Abs unter anderem auch Mitglied im Aufsichtsrat der I.G. Farben. 1941 wurde er Mitglied des Aufsichtsrates der Kontinentale Öl AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG, einer Maschinenbaufirma in Leipzig-Wahren. Im Herbst 1944 war Abs Aufsichtsratschef der Mechanik GmbH Rochlitz, eines Hydraulik-Herstellers für die Kriegsproduktion, die in Wansleben bei Halle (Saale) ein unterirdisches KZ-Außenlager (Tarnname „Kali-Werk Georgi“) mit ca. 1.000 Zwangsarbeitern und Häftlingen betrieb. Kurz nach dem Angriff auf die Sowjetunion begrüßte Abs in einem flammenden persönlichen Schreiben an den führenden finnischen Bankier Rainer von Fieandt den Krieg gegen die Sowjetunion als Kampf „gegen den größten Feind aller Freiheit und Menschlichkeit“. Bis heute ist ungeklärt, was Abs als Aufsichtsrat der I.G. Farben vom Vernichtungslager Auschwitz und der dortigen Baustelle der I.G. Farben mitbekam. Die I.G. Farben baute für 900 Millionen Reichsmark, in ihrem größten Bauprojekt überhaupt, ein Bunawerk in der Nähe des Vernichtungslagers. 25.000 Häftlinge starben auf der Baustelle oder im Außenlager Monowitz, das von der SS für die I.G. Farben betrieben wurde. Angesichts der großen Geldsumme für die Anlage vermutet der Historiker Tim Schanetzky, dass Abs weitreichende Kenntnisse gehabt habe. Im Rahmen seiner Tätigkeit als einer der führenden Bankiers Deutschlands und Aufsichtsratsmitglied in über 40 Banken und Industriekonzernen im In- und Ausland pflegte er intensive Geschäftsbeziehungen zur Spitze des OKW-Amtes Ausland/Abwehr. Ein besonders enger Kontakt bestand zum Chef der Abteilung I (Geheimer Meldedienst zuständig für Auslandsspionage und Nachrichtenbeschaffung), Oberst Hans Piekenbrock. Dieser Kontakt gestaltete sich zum gegenseitigen Vorteil, denn Abs war sowohl als Agent der Abwehr als auch als deren Auftraggeber tätig.“

Dieser Oberst Hans Piekenbrock spielte noch in einem anderen Zusammenhang eine interessante Rolle, als es um Frage ging, wer für die Ermordung des Pöckinger Arztes Dr. Otto Praun und seiner Lebensgefährtin Elfriede Kloo, verantwortlich war (siehe auch meine Ausführungen zum Datenklau von Liechtenstein unter dem Kapitel „Alte Kameraden stets zu Diensten“).

Piekenbrock war Angehöriger des sogenannten Montagskreis um Josef Müller, genannt „Ochsensepp“.. Zusammen mit Achim Oster, Franz Josef Strauß, dem Canaris-Piloten Friedrich Großkopf, Heinrich Sellschopp, Karl-Helmut Schnell und höchstwahrscheinlich auch Reinhard Gehlen, diskutierten sie die Wiederbewaffnung Deutschlands unmittelbar nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands von 1945. In einem dieser Gespräche wurde auch das Problem einer ungewollten Schwangerschaft der Sekretärin und Geliebten von Josef Müller diskutiert. Gaby Weber schrieb hierzu in ihrer Ausarbeitung „Neue Recherchen und Mutmaßungen“: „Nun wurde ein Arzt benötigt, der das Ganze wieder in Ordnung brachte. Piekenbrocks Vorschlag: „Dafür haben wir doch den Dr. Praun aus München“. Dieser arbeitete für die Münchner Abwehrstelle und nehme auch Abtreibungen vor. Außerdem verfüge er über hervorragende Beziehungen nach Spanien und sei wohlhabend. Auf die Frage, woher denn Prauns Reichtum käme, habe Piekenbrock ironisch geantwortet: „Er kratzt es sich so zusammen.“

In einem Interview von 1982 zwischen Gaby Weber und dem ehemaligen Untergebenen von Oberst Hans Piekenbrock, Friedrich Großkopf,  erzählte er, dass er Robert Pferdmenges und Hermann Josef Abs kenne. Bezugnehmend auf die Flick-Affäre antwortete er u.a.: Nein, ich kenne das doch alles. Von früher aus den 20er Jahren. Von Seeckt, schwarze Reichsabwehr, die Gelder, die von Kirdorf [Anm.: Emil Kirdorf war ein hochrangiger Manager der Gelsenkirchner Bergwerks-AG (GBAG) und Mitbegründer der Vereinigten Stahlwerke AG; er unterstützte Adolf Hitler finanziell auf seinem Weg zum Reichskanzler. Weiterführende, äußerst interessante Informationen über Emil Kirdorf können u.a. bei Gelsenzentrum – Portal für Stadt- und Zeigeschichte nachgelesen werden] gegeben wurden, und der Herr Flick war wohl auch mit dabei. Das ist so. Liebes Fräulein Weber. Sehen Sie mal, wir sitzen hier so nett. Und nach dem Krieg, nachdem Adenauer das erkannt hat, sich Herrn Globke, den größten … zu sich nahm, wie schlau der Bursche war, der Adenauer.“

Jedenfalls wurde Hermann Josef Abs trotz seiner NS-Verbrechen 1952 wieder in die Deutsche Bank eingegliedert und fungierte zusammen mit Robert Pferdmenges als persönlicher Finanzberater von Konrad Adenau. Wie ich schon in meinen vorherigen Kapiteln zum Kölner Klüngel geschrieben hatte, waren Robert Pferdmenges und Hermann Josef Abs auch treuhänderisch für den Flick-Konzern tätig.

Zusammen mit dem gebürtigen Österreicher Jozef Hieronim Retinger [Anm.: Als Josef Retinger 1888 in Krakau geboren wurde, gehörte es noch zu Galizien unter österreichisch-ungarischer Herrschaft] hatte Hermann Josef Abs die Bilderberger ins Leben gerufen und kräftig an einem europäischen Staatenbund, was uns heute als die EU vorgespielt wird, gearbeitet. Bis zu seinem Tod im Februar 1994 blieb er Ehrenvorsitzender der Deutschen Bank.

Also braucht mir keiner mehr kommen und erzählen, dass eine Aufarbeitung der NS-Zeit in Deutschland stattgefunden hat, geschweige denn eine Entnazifizierung.

1976 hatte Franz Josef Strauß den portugiesischen General Antonio de Spinola mit Hermann Josef Abs bekannt gemacht.
Kurz nach dem Treffen mit Abs reiste Spinola nach Paris weiter, wo er Gerhard Mertens, den Waffenhändler und Eigentümer der BND-Tarnfirma Merex getroffen hatte, um den Putsch in Portugal vorzubereiten. Eigentlich wurde diese Waffenfirma von Klaus Barbie und Otto Skorzeny beaufsichtigt und bildete zusammen mit der Firma „La Estrella“ unter Leitung von Friedrich Schwend, Hans-Ulrich Rudel und Klaus Barbie ein engmaschiges Netz zum Abwickeln von Waffengeschäften mit Südamerika.

Und damit komme ich langsam in medias res, was Josef Abs Zögling Alfred Herrhausen betrifft.

Genau wie der ebenfalls am 09.07.1986 angeblich von der RAF ermordete Atomphysiker und Siemens-Manager Karl-Heinz Beckurts war auch Alfred Herrhausen, den das gleiche Schicksal am 30.11.1989 mit unglaublich auffälligen Parallelen zum Beckurts-Mord ereilte, Mitglied der Atlantik-Brücke (weitergehende Informationen dazu können auf meinen Blog unter der Kategorie „Die Atlanik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls nachgelesen werden, sofern nicht schon bekannt).

Nun finde ich es schon ziemlich seltsam, dass sowohl Beckurts als auch Alfred Herrhausen von der so genannten dritten Generation der RAF umgebracht worden sein sollen, denn ein ihnen wohlbekannter Arbeitgeberpräsident, der erst 1977 auch zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ernannt wurde, fiel am 18.10.1977 ebenfalls der RAF zum Opfer.

Es handelt sich dabei um Hanns Martin Schleyer, bestens verbandelt mit den alten Kameraden aus der SS-Zeit und regelmäßiger Besucher der von Konsul Ries veranstalteten Galas auf seinem Schloss Pichlarn bei Hartberg in Österreich.
Die beiden lernten sich 1930 als Mitglieder in der Studentenverbindung „Corps Suevia Heidelberg“ kennen.
Konsul Ries soll sich schließlich am 20. Juli 1977, also genau 33 Jahre später nach Stauffenbergs missglücktem Attentat auf Hitler, selbst umgebracht haben.
Über die Rolle von Konsul Ries und seines Pegulan-Konzerns sowie die enge Freundschaft mit Franz Josef Strauß und Helmut Kohl hatte ich bereits ausgiebig im Zusammenhang mit der Atlantik-Brücke e.V. – Teil 7 berichtet.
Ist es da ein Zufall, dass Alfred Herrhausen zum wirtschaftspolitischen Berater von Helmut Kohl wurde?

Zu dem Zeitpunkt, als Schleyer entführt und anschließend ermordet wurde, war Alfred Herrhausen als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank der zuständige Finanzberater für das von Nikolaus Fasolt geleitete Wessel-Werk, eine Fliesenfabrik in Bonn, an dem auch Hermann Josef Abs mit 7% beteiligt war. Sicherlich ist es nur ein Zufall, dass Gerhard Wessel, damals BND-Präsident, ein Namensvetter dieses im Abstieg befindlichen Fliesenwerkes war. Wer aber hierzu mit näheren Informationen aufwarten kann, der darf mir ruhig in einem Kommentar dazu schreiben.

Zur Geschichte des Wessel-Werks schreibt der General-Anzeiger Bonn folgendes: „Der Ursprung der Wessel-Produkte reicht bis ins Jahr 1755 zurück. Damals wollte der Kölner Kurfürst Clemens August Porzellan herstellen lassen und errichtete unmittelbar neben dem Poppelsdorfer Schloss eine kleine Manufaktur. 1828 kauft Ludwig Wessel die Grundstücke und Produktionsanlagen. Sein Enkel Louis Wessel schaffte den Durchbruch und brachte es zu internationaler Anerkennung durch Emailglasuren in kräftigen Farben, aufwendige Blaumalereien und Elfenbeinsteingut.“

An anderer Stelle heißt es weiter: „Ihre Anfänge nahm „die Fabrik“, als sie 1889 von Paul Servais gegründet wurde. Übernommen wurde die Servais-Werke AG 1940 vom Bonner Unternehmen Wessel’s Wandplatten-Fabrik AG. In den späten 70er Jahren hatte die so entstandene Wessel-Servais-Gruppe bei den in Deutschland produzierten Wandfliesen einen Marktanteil von mehr als 25 Prozent, und der Export erfolgte weltweit. […] 1989 und somit 100 Jahre nach Gründung des Witterschlicker Werkes fusionierte die Wessel-Servais-Gruppe mit der AGROB AG zur AGROB Wessel Servais AG („AWS“), die sich dann 1992 mit der heutigen Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG (Marken: Agrob Buchtal und Jasba) zusammenschloss.“ (Quelle: General-Anzeiger Bonn vom 02.10.2013 „Technische Innovationen aus der „Fabrik“)

Der Lebenslauf von Alfred Herrhausen mit den sich daraus ergebenden Kontakten kann detailliert in dem Jahresbericht 2012 der Historischen Kommission München bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften nachgelesen werden. So steht dort u.a.: „Schon im zweiten Halbjahr 1941 nahm er an einer „Kinderlandverschickung“ ins „Protektorat Böhmen und Mähren“ teil, litt dort allerdings keineswegs an Heimweh, sondern genoss ganz offenkundig das Internats- und Lagerleben. Durch den Lebens- und Erziehungsstil seiner Eltern war er frühe Eigenständigkeit gewohnt. Kaum wieder zurück in Essen, schlugen ihn seine Lehrer im Frühjahr 1942 dann bei der NSDAP-Kreisleitung für die „Reichsschule der NSDAP“ in Feldafing bei München vor, eine Internats-Eliteschule, die zur Übernahme von Führungspositionen im NS-Staat befähigen sollte. Als Katholiken standen Karl und Hella Herrhausen dem Nationalsozialismus zwar reserviert, aber nicht oppositionell gegenüber; vor allem aber wollten sie ihrem Sohn, der auch in der Oberschule in fast allen Fächern überdurchschnittliche Leistungen zeigte, mit Blick auf eine bestmögliche Ausbildung keine Steine in den Weg legen. Im September 1942 trat Alfred Herrhausen das neue Schuljahr in Feldafing an.“ (Quelle: Historische Kommission München, Jahresbericht 2012)

Alfred Herrhausen gehörte während seines Studiums in Köln der Studentenverbindung „Corps Hansea“ an. Nachdem er erfolgreich mit seiner Diplomarbeit „Grenzkostenprobleme[n] in der Energiewirtschaft“ zum Dipl. Kaufmann ernannt wurde, fing er im Oktober 1952 bei der Ruhrgas AG an. Unterdessen arbeitete mit Hilfe des bekannten Staats- und Wirtschaftswissenschaftler Theodor Wessels (Achtung (!!): nicht Wessel) an einer Dissertation „„Grenznutzen als Bestandteil des Marginalprinzips“, mit der er Februar 1955 promovieren konnte.

Anschließend wechselte er zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW).

Der Spiegel schreibt ergänzend: „Es folgte, ganz konsequent, der Wechsel zu der Stromfabrik, gekrönt 1967 mit dem Einzug in den Vorstand. Damals war Herrhausen, inzwischen Mitglied im örtlichen Rotary Club, 37 Jahre alt. (Quelle: Spiegel Online vom 13.03.1989 „Dieser Mann potenziert das Problem“)

Im Jahresbericht 2012 der Historischen Kommission München kann man dann zu seinem Lebenslauf weiter lesen: „Bei der Empire Trust Company, einer Bank mit Geschäftsverbindungen zu den VEW, sammelte er begeistert erste Auslandserfahrungen und lernte, sich auf internationalem Parkett zu bewegen. Als er noch in New York das Angebot bekam, für die Weltbank tätig zu werden, löste das allerdings fast eine Ehekrise aus. Er selbst konnte sich durchaus vorstellen, dieses Angebot anzunehmen und für ein paar Jahre in den USA zu leben. Seine Frau dagegen drang entschieden darauf, nach Deutschland zurückzukehren. 1959 übernahm Herrhausen anstelle des in den Vorstand berufenen Richard Schulte die Leitung der kaufmännischen Abteilung der VEW und wurde mit Prokura ausgestattet, 1960 folgte die Beförderung zum Direktor. In den folgenden Jahren bei den VEW, die angesichts der notwendigen Ausweitung ihrer Kapazitäten im Zuge des Wirtschaftsbooms vor enormen Finanzierungsproblemen standen, machte sich Herrhausen rasch einen Namen als gewiefter Finanzstratege, der auch vor Traditionsbrüchen nicht zurückschreckte. Mit unkonventionellen, aber praktikablen Lösungsvorschlägen, die zum Interessenausgleich zwischen den zahlreichen kommunalen Alteigentümern und dem auf mehr Handlungsfreiheit bedachten Management beitrugen, gelang es ihm im Sommer 1966, eine Teilprivatisierung der VEW durchzusetzen. Sie diente dem Zweck, neue kapitalkräftige Investoren ins Boot zu holen, die u. a. für den Einstieg der VEW in die damals als formidable Zukunftstechnologie gefeierte Atomenergie gebraucht wurden. (Quelle: Historische Kommission München, Jahresbericht 2012)

1969 kam er auf Vermittlung des damaligen Deutsche-Bank-Vertreters im Aufsichtsrat der VEW, F. Wilhelm Christians, zur Deutschen Bank und wurde bereits 1971 als reguläres Mitglied in Vorstand berufen. Insofern darf man ähnlich wie schon bei Hans Georg Langemann von einflussreichen Förderern aus dem engeren Umkreis der Freimaurerlogen ausgehen, nachdem selbst der Spiegel geschrieben hatte, dass Alfred Herrhausen Mitglied in der Rekrutierungsbasis des Rotarier Clubs war.

Nachdem Hanns Martin Schleyer ermordet wurde, musste natürlich ein würdiger BDI-Nachfolger für ihn gefunden werden, den man nach längerem Hin- und Her in Nikolaus Fasolt gefunden haben will, nachdem die Wunschkandidaten Mannesmann-Chef Egon Overbeck und Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch abgesagt hatten.

Die Entscheidung sollte der Strippenzieher, Hans Günther Sohl, selbst mal vor Schleyer BDI-Präsident gewesen, aber bitter bereuen. Die Zeit Online vom 25. August 1978 „Zurück zu den Fliesen“) schrieb hierzu: „Dabei hatte es an Warnungen nicht gefehlt. Alt-Bankier Hermann Josef Abs, mit sieben Prozent an Fasolts Wessel-Werk beteiligt, hatte ebenso abgeraten wie Fasolts Hausbankier Alfred Herrhausen, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank. Beide wußten nur allzu gut, wie schlecht es um das Unternehmen des Fliesenfabrikanten stand. Ruchbar wurde das allerdings erst, als Fasolt bereits im Amt war: Kurz nach seiner Wahl drängte es ihn, Massenentlassungen anzukündigen. „Kostendruck“ und „Konkurrenz der Billig-Länder“ zeigte er als Gründe vor. Wortgewandt spielte er. die Krise herunter und sich selbst als dynamischen Unternehmer auf: „Wir wählen den Angriff nach vorn und specken ab.““

Mir jedenfalls zeigt das Ringen um einen geeigneten Nachfolger nach Hanns Martin Schleyers Ermordung, dass hinter dem Terrorkonstrukt der RAF als 1. Generation andere Kräfte als die der BRD-Staatsregierung gestanden haben mussten, denn Schleyers Wegfall als Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände in Personalunion mit dem Amt des BDI-Präsidenten kam den deutschen Industriellen überhaupt nicht gelegen und wurde als herber Verlust gewertet, zumal Schleyer auch erst zum 01.01.1977 als BDI-Präsident ernannt wurde.
Wer aber hatte tatsächlich ein Interesse an der Entführung und anschließenden Ermordung von Hanns Martin Schleyer gehabt und warum hatte sich der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt so standhaft gegen die Erpressung zur Zahlung eines Lösegeldes und damit verbunden der Freilassung von 11 inhaftierten RAF-Terroristen gestellt?
Diese Frage lasse ich zunächst einmal unbeantwortet im Raum stehen, aber wer bereits meine Analyse zum Oktoberfestattentat und die fragwürdigen Vorgänge um das Olympia-Attentat von 1972 kennt, kann sich vielleicht vorstellen, dass möglicherweise der Mossad – mit oder ohne Wissen des BNDs in Pullach und des BfVs in Köln – nicht unglücklich über die aktuellsten Entwicklungen zum Zeitpunkt des Deutschen Herbst mit der Schleyer-Ermordung und der Stürmung der Landshut durch die GSG9 in Mogadishu zeigte. Schließlich wurde die GSG unmittelbar nach dem Olympia-Attentat am 26.09.1972 mit freundlicher Unterstützung des Mossad gegründet.

Zurück zu Nikolaus Fasolt, denn der hatte nicht nur mit den Zuständen innerhalb seines Wessel-Werkes erhebliche Probleme gehabt, sondern geriet auch in den Fokus der Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung im Rahmen illegaler Parteispendenzahlung an die CDU.
Deswegen kassierte er auch noch einen Strafbefehl über damals 60.000 DM.
Richtig abservieren konnte man ihn aber noch nicht, denn mit der Flick-Parteispendenaffäre sollte sich herausstellen, dass so ziemlich jeder der Großindustriellen Dreck am Stecken hatte. Also überlegte man sich ein Rettungspaket ganz speziell für das Wessel-Werk unter der Bedingung – natürlich alles hinter verschlossenen Türen – dass Fasolt als BDI-Präsident unauffällig abdankt und seinen Platz dem bayerischen Brillenfabrikanten Rolf Rodenstock überlässt.

Der Spiegel schreibt hierzu weiter: „Zwei prominente Ratgeber sollten helfen: Hermann Josef Abs“ Doyen der Deutschen Bank, hält sieben Prozent Wessel-Anteile und führt Fasolts Beirat. Auch Alfred Herrhausen, im Vorstand der Deutschen Bank vorwiegend für Sanierungsfälle zuständig, ist Fasolt verbunden. „Nicht wegen der Bankverbindung““ sondern weil er ihn „zufällig auf einer Reise kennengelernt“ hat und seither ein „persönliches Verhältnis“ pflegt, holte Fasolt Herrhausen in seinen Beirat. Wieviel Kredit er seinen Räten wirklich wert ist, wird Fasolt am Montag dieser Woche erfahren. Dann nämlich berät im Düsseldorfer Haus der Deutschen Bank an der Königsallee ein Kreditkonsortium aus vier Instituten die Millionenbitte des Bonner Fliesenfabrikanten.“ (Quelle: Spiegel Online vom 10.07.1978 „Vornehm zurück“)

Tja, da fühle ich mich an einen anderen Ausspruch von Alfred Herrhausen erinnert, als er zu den Vorgängen um die Lucona-Affäre und Udo Proksch befragt wurde, mit dem er ebenfalls eine enge Freundschaft unterhielt – „Der Mann ist mir ins Leben getreten“ – schon klar. (Siehe auch Spiegel Online vom 13.03.1989 „Lieber Udo, lieber Doktor“)

Und das ist nicht nur die einzige Parallele zu dem mutmaßlichen Ostagenten Udo Proksch, wenn ich an den damaligen BDI-Präsidenten und Brillenhersteller Rolf Rodenstock denke.

Udo Proksch alias Serge Kirchhofer hatte zahlreiche einflussreiche Freunde, darunter auch einen Deutschen namens Otto Wolff von Amerongen, damals Präsident des deutschen Industrie- und Handelstages.

Proksch wurde am 29.05.1934 in Rostock geboren (Alfred Herrhausen ist Jahrgang 1930 gewesen). Sein Vater war Mitarbeiter des NS-Geheimdienstes, was mich dann natürlich automatisch wieder zu der Frage führt, ob es nicht auch eine Verbindung zu Richard Schalck Golodkowski, dem Ziehvater von Schalck-Golodkowski, gab.

Alexander Schalck-Golodkowski war Jahrgang 1932 und in Galizien geboren. Dort wurde er von Richard Schalck adoptiert. Proksch´s Vater war ebenfalls in Galizien als Sekretär von SS-Gruppenführer Otto Gustav Wächter beschäftigt, bevor er schließlich von dort seine Karriere beim Geheimdienst unter Admiral Wilhelm Canaris und Reinhard Gehlen startete.

Udo Proksch selbst kam dann auf die Nazi-Eliteschule NAPOLA. Genau wie Schalck-Golodkowski begann Proksch Anfang der 50er Jahre seine „Karriere“ mit dem Schwarzhandel. In seiner Zeit an der Salzburger Kunstgewerbeschule machte Proksch dann Bekanntschaft mit dem Plastik- und Brillenkönig Wilhelm Anger, der stets nach jungen, kreativen Nachwuchskräften unter den Kunststudenten suchte, um sich Ideen für seine Produktion zu holen.
Angefangen hatte Anger mit Schutzbrillen für Schweißer, die er aus alten ausrangierten Gasmasken herstellte, bis er seine Firma so weit ausbaute, dass er neben Schweißer- und Sonnenbrillen auch gleich die Maschinen für die Plastikherstellung, die so genannte Plastik-Extrusionsanlagen entwickelte und weiterverkaufte.
Für Anger kreierte Proksch dann die weltbekannte Carrera-Brille für Skifahrer, die er werbewirksam mit Hilfe seines Jugendfreundes Hans Peter Daimler, den Sproß der Daimler-Benz Familie (anderer Quellen sagen, dass Hans Peter Daimler nichts mit der Daimler-Benz Familie zu tun hat und lediglich ein Namensvetter ist) an den Mann brachte.
Daimler drückte u.a. mit den Ski-Assen Toni Sailer und Ernst Hinterseer die Schulbank und konnte sie für diese Werbeaktion gewinnen. Über Wilhelm Anger kam dann Proksch in die USA, wo er sich erst einmal als Vertreter erfolglos durchs Leben schlug, bis er schließlich wieder nach Wien zurückkehrte. Zeitweise war er als Gaststudent in der Wiener Akademie für angewandte Kunst, wo er auch den späteren Künstler Hans Neuffer kennenlernte.
Über ihn kam er schließlich mit KPÖ-Funktionär Rudi Wein und damit auch mit dem KGB in Kontakt. Laut seinen eigenen Aussagen lebte Proksch maximal ein halbes Jahr in Moskau, um an der Einstein-Filmakademie Regie zu studieren. Aber mehrere Freunde und Zeitgenossen aus dieser Zeit bestätigen unabhängig voneinander, dass Proksch dort mindestens 1 ½ Jahre lebte – exakt die Zeit, die für die Ausbildung zum KGB-Agenten benötigt wird.
Proksch behauptete, dass er während seiner Zeit an der Einstein-Filmakademie zeitweise auch neben Roman Polanski gesessen haben will. Vielleicht ist das gar nicht so unglaubwürdig angesichts seiner zahlreichen Freundschaften und Kontakte aus der so genannten High Society, die er ja wirklich hatte.

Also wäre es dann möglich, dass Alfred Herrhausen schon viel früher mit Udo Proksch zusammentraf, insbesondere als es um den Aufbau des österreichischen Spionagerings ging, der durch den Überläufer Werner Stiller hochzugehen drohte?

Auf dem Blog „Alternative Nachrichten“ steht dann u.a. auch: „Herrhausen selbst sah sich als potentielles Ziel terroristischer Anschläge. Seit der Entführung und Ermordung von Hanns-Martin Schleyer im September 1977 hatte er nach Angaben seiner Ehefrau immer einen Brief im Nachtschrank, in dem stand, dass man bei seiner möglichen Entführung und eventuellen Erpressung der BRD den Forderungen nicht nachgeben solle.“ (Quelle: Alternative Nachrichten vom 03. Dezember 2006 „Alfred Herrhausen ermordet vom CIA“)

Ich glaube, es darf keinen Zweifel mehr daran geben, dass Alfred Herrhausen mindestens seit seiner Zeit bei der Deutschen Bank tief in Waffengeschäfte, vor allem mit dem Ostblock und den Dritte-Weltländern, verstrickt war.
Und ausgerechnet ein Jahr vor dem Mauerfall und dem daraus folgenden Zusammenbruch der Sowjetunion will er sich plötzlich für einen Schuldenerlass gerade in den Ländern einsetzen, die überhaupt erst durch fortwährende Guerillakämpfe und Kriege mit Hilfe international agierender Waffenhändler und Großkonzerne, finanziert durch schier unendliche Kredite der Großbanken, in eine völlig desolate wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage geraten waren?

So schreibt der Spiegel zum Beispiel: „Am 20. Oktober 1983 telexte Proksch einen Einkaufszettel an Herrhausen (Anrede: „Lieber Doktor“). Er brauche, so der Österreicher, für ein asiatisches Land mehrere Kriegsschiffe mit Waffen und Elektronik. Proksch fragte Herrhausen, ob die Möglichkeit bestünde, die „Ware über Deine ev. Kontakte“ zu beziehen. „Über Finanzierung“ sei noch nicht gesprochen worden. Einige Tage später telexte Herrhausens Büro Proksch eine Empfehlung des Bankiers in die Walfischgasse 12 nach Wien. Proksch solle sich an Herrn Henke, Vorstandsvorsitzender der Bremer Vulkan-Werft, wenden. Herrhausen und Proksch hatten mindestens bis ins Jahr 1985 hinein noch miteinander zu tun. Am Nachmittag des 13. Februar – Proksch hielt sich damals vor dem Gericht in Wien versteckt – flog der Waffenhändler zu Herrhausen nach Frankfurt, unmittelbar im Anschluß an einen heimlichen Besuch bei dem im Burgenland kurenden damaligen Außenminister Gratz. Proksch kehrte mit der letzten Maschine nach Wien zurück. Gut 24 Stunden später wurde er verhaftet. Bei seiner Vernehmung durch die Polizei behauptete Proksch am 26. Februar, er habe am Vormittag mit Gratz über Ölgeschäfte eines Freundes in Indonesien gesprochen. Bei seinem Herrhausen-Besuch sei es um seine Mitwirkung beim Verkauf von Flick-Aktien an arabische Finanzgruppen gegangen. Herrhausen dazu: „Totaler Blödsinn.“ Was an dem grauen Februar-Tag in der Deutschen Bank in Frankfurt wirklich besprochen wurde, weiß der Bankier allerdings auch nicht zu sagen. Herrhausen: „Ich kann mich nicht erinnern.““ (Spiegel Online vom 13.03.1989 „Lieber Udo, lieber Doktor“)

Es fällt auf, dass der Spiegel sich gerade im Jahr 1989 so umfassend mit dem Leben und Wirken eines Alfred Herrhausen befasste. Fast klingt es dort wie eine Kampfansage gegen den Expansionsdrang der Deutschen Bank unter Alfred Herrhausen.

In seinem Artikel „Dieser Mann potenziert das Problem“ vom 13.03.1989 schreibt der Spiegel: „Daß er Schwierigkeiten hat, in der Bank emotional akzeptiert zu werden, räumt der Chef durchaus ein. Er erklärt dies, über 18 Jahre nach dem Eintritt in das Institut, mit dem Umstand, daß er von draußen gleich in den Vorstand kam. „Hier bleiben Sie Außenseiter“, sagt er, „wenn Sie nicht mit Deutsche-Bank-Wasser getauft sind und die Ochsentour gemacht haben.“ Vielleicht hängen die Akzeptanz-Schwierigkeiten aber auch mit der Neigung des Chefs zusammen, sich außerhalb der Bankbüros umzutun. Anders als etwa der langjährige Chef Ulrich, der sich vornehmlich um das Innenleben der Bank kümmerte, hat sich Herrhausen aus dem Tagesgeschäft weitgehend ausgeklinkt. Er spielt lieber den Außenminister. Ob an den Unis Freiburg, Bonn, St. Gallen oder Innsbruck, bei Tagungen in Alpbach oder Bilderberg-Konferenzen, vor der American Chamber of Commerce oder der Bertelsmann Stiftung – Herrhausen hat zu allem etwas zu sagen, über eine europäische Notenbank, über die Wiederbelebung des Ruhrgebiets, über den Ladenschluß. Vorträge halten, die Bank führen, Aufsichtsratstermine wahrnehmen, in der Politik und in Branchengremien präsent sein – Herrhausen sucht die Bestätigung in allen Revieren. Wer sich immer wieder so ins Rampenlicht drängt, der kann nicht genug Anerkennung finden. […] Doch wenn einer zuviel, wenn einer alles auf einmal machen will, dann passieren Fehler. Dem großen Herrhausen unterliefen in jüngster Zeit einige ärgerliche und teure Pannen.“

Der Spiegel spielt dabei u.a. auf das bayerische Sportartikelgeschäft PUMA an, das Herrhausen 1986 in eine Aktiengesellschaft umwandelte und an die Bankkunden verscherbelte, obwohl PUMA da schon große Verluste schrieb und auf die Pleite zuging. Im gleichen Jahr hatte Herrhausen ein Aktienpaket von Fiat in Höhe von zwei Milliarden Dollar dem libyschen Staat abgekauft. Das Börsengeschäft ging aber gewaltig in die Hose, sodass die Deutsche Bank auf einem dreistelligen Millionenbetrag sitzenblieb. Seitdem wurde aus Fiat und Fiasko „Fiatsco“ zum geflügelten Wort.

1988 wollte er sich die Mehrheit an der spanischen Notenbank Bancotrans verschaffen, allerdings versäumte er es, die spanischen Behörden um Genehmigung zu bitten. Das Ergebnis war, dass die Bancotrans daraufhin die Höchstgrenze eines Kreditspielraums drastisch absenkte und Alfred Herrhausen in die Röhre schaute.

Und jetzt kommen wir langsam zum Kern der Sache, denn der o.g. Artikel vom Spiegel schreibt weiter: „Als gravierendster Fehler, der ihm nicht wegen Überbeanspruchung unterlaufen ist, sondern im Höhenrausch, könnte sich eines Tages allerdings der Ausbau von Daimler-Benz zum Super-Konzern erweisen. Gewiß, es gibt – mit kräftiger Unterstützung durch Milliarden Steuergelder aus Bonn (siehe Seite 119) – die Aussicht, mit der AEG, mit MTU, Dornier und MBB ein Rüstungs-, Elektronik- und Luftfahrt-Konglomerat zu zimmern, das sich einmal als ähnlich rentabel wie das Autogeschäft erweisen könnte. Doch die Risiken sind gewaltig. Nicht auszuschließen ist, daß die Akquisitionen sich weder organisatorisch noch in der Unternehmensphilosophie verdauen lassen und Geld kosten; daß Mißerfolge in den neuen Konzern-Teilen am Ende das Autogeschäft nachhaltig beschädigen. Wie hoch der Preis werden könnte, ist schon jetzt sichtbar. Im vergangenen Jahr erlitt das neben der Lkw-Sparte einzig wirklich lukrative Geschäftsfeld des Konzerns einen Ertragseinbruch von über einer Milliarde Mark. Und trotz deutlich heruntergefahrener Produktion stehen derzeit mehr als 30 000 Mercedes-Autos weltweit auf Lager. Herrhausen selbst hatte die Gefahren anfangs höher eingeschätzt als die Chancen. Er wollte den Aufkauf von MBB durch Daimler -Benz verhindern. Der Handel war erstmals 1987 in einer Spitzenrunde erörtert worden. Bei Franz Josef Strauß, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Airbus Industrie, waren in München zusammengekommen: der damalige Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann, die Daimler-Benz-Vorstandsmitglieder Edzard Reuter und Werner Niefer sowie Alfred Herrhausen. Bangemann machte dort den drei Managern erstmals das Angebot, Daimler-Benz solle bei MBB und beim Airbus einsteigen. Der Bankier und die Daimler-Abgesandten waren von der Offerte völlig überrascht. Während Strauß den Vorschlag näher erläuterte, schob Herrhausen Reuter einen Zettel zu. Text: „Nicht mit uns.“ Reuter sah das ganz anders. Er schrieb die Worte „durchaus denkbar“ auf das Papier und reichte es zurück. Nach außen hin ließ der Daimler-Aufseher von seiner anfänglichen Skepsis nicht das Geringste spüren. Im Gegenteil. Herrhausen, der auch in diesem Fall nicht nein sagen konnte, machte sich in Interviews und bei seinen öffentlichen Auftritten mit ungewöhnlichem Engagement stark für den Deal. Alle Einwände wischte er als „störend“ und „ärgerlich“ beiseite. Die Kritiker der Super-Fusion – darunter immerhin der Präsident des Bundeskartellamts und der Vorsitzende der Monopolkommission – dächten, so Herrhausen, in Dimensionen, „die wir längst hinter uns gelassen haben“. Im Wettbewerb mit dem ebenfalls nach Höherem strebenden Reuter erlag der Bankchef offenbar der Faszination der Größe, der Versuchung, Industriegeschichte schreiben zu können. So darf er sich, wenn die MBB-Verträge unterzeichnet sind, neben all seinen anderen Obliegenheiten als Aufsichtsratschef der Daimler-Benz-Holding auch um Flugzeuge kümmern, um Raketen und Satelliten.“

Wir wissen mittlerweile, dass Franz Josef Strauß am 03. Oktober 1988 nach einer Wildschweinjagd mit seinem Kumpel Fürst von Thurn und Taxis in Sulzbach an der Donau in Folge eines Kreislaufkollaps im Regensburger Krankenhaus der „Barmherzigen Brüder“ gestorben ist (siehe auch meine Ausführungen zur Atlantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls).

Wir wissen auch, dass im September 1989 MBB mit Daimler Benz fusionierte und zur Daimler Benz Aerospace Airbus GmbH (DASA) wurde.

Die Friedenskooperative schreibt auf ihrer Webseite ergänzend: „Die grundlegenden Entscheidungen für die Diversifikation vom reinen Automobilunternehmen zum Mobilitäts- und Rüstungskonzern Daimler-Benz wurden nach 1985 vom vormaligen Konzernvorsitzenden Edzard Reuter sowie dem damaligen Deutsche-Bank-Vorsitzenden und Daimler-Aufsichtsratschef Alfred Herrhausen getroffen. Mit den Mehrheitsbeteiligungen an Dornier, der AEG und Fokker sowie dem Aufkauf von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), der Telefunken Systemtechnik (TST) und der Motoren- und Turbinen-Union (MTU) avancierte die Daimler-Tochter Dasa (damals Deutsche Aerospace) zum „integrierten Technologiekonzern“ – gemeint ist Deutschlands Rüstungsriese Nr. 1.“ (Quelle: Netzwerk Friedenskooperative „Daimler Benz – Deutschlands Waffenexporteur Nr. 1“ von Jürgen Grässlin)

Genau 11 Jahre nach dem Bombenattentat auf Alfred Herrhausen ausgerechnet in seiner gepanzerten Mercedes-Limousine, wurde daraus dann das größte Europäische Luft- und Raumfahrtunternehmen, die EADS, die so hartnäckig im Blickfeld der NSA auftauchte, wie man seit den Enthüllungen von Edward Snowden weiß.

Und nun kann man raten, wer diesmal die RAF der 3. Generation orchestriert hat – Mossad, CIA oder Stasi?

Die Antwort auf diese Frage überlasse ich gerne meiner Leserschaft.

Als kleiner Hinweis sei aber noch ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 29.11.2014 „Neue Spur führt nach Libanon“ genannt.

Laut Egmond Koch soll die Bombe von Terroristen der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (PFLP) stammen.
Diesbezüglich hatte Professor Klaus Thoma vom Fraunhofer Ernst-Mach-Institut (EMI) einige Versuche vorgenommen, um die Zusammensetzung der Bombe und ihre Sprengkraft zu testen.
Hans Leyendecker schreibt dann in diesem Artikel weiter: „Thoma, der Mitglied in diversen hochrangigen Sicherheitsgremien ist und einen Ruf zu verlieren hat, glaubt nicht, dass Terroristen in Deutschland oder Westeuropa das Wissen gehabt hätten, diese Bombe zu bauen: „Es ist sehr eindeutig, dass da viele, viele Versuche gemacht wurden, um dieses komplexe System überhaupt zu testen.“ Für ihn sei es „eindeutig, dass da jemand eine Technologie von jemandem übernommen hat“.

Und dann kommt der bekannte CIA-Aussteiger und „Whistleblower“ Robert Baer wie Kai aus der Kiste.
Er habe Thoma den Tipp gegeben, dass 8 (!) Tage vor dem Herrhausen-Anschlag der libanesische Präsident Rene Moawad in Beirut ebenfalls in die Luft gejagt wurde – von einem Sprengsatz, der die gleiche Bauart aufwies wie im Mordfall Herrhausen.

So wird er von Leyendecker weiter zitiert: „“Ich denke, dass die Herrhausen-Bombe im Libanon hergestellt und getestet wurde“, meint Baer. Zu „neunzig Prozent“ sei er sich da sicher. Baer hat für die CIA eine der Bomben beschafft und zur Analyse nach Washington bringen lassen. Seinen Angaben zufolge habe er die Spur der Bombenbauer in einem Palästinenserlager gefunden, wo Leute der Hisbollah und der Palästinenser auf engstem Raum beim Bombenbau zusammengearbeitet hätten.“

Und wer bedient sich so gerne unter falscher Flagge der Palästinenser, Hisbollah und generell arabischer Terroristen?
Und wer hat so gute Beziehungen zum BfV Köln und arbeitete seit dem Olympia-Attentat von 1972 besonders auf dem Gebiet des Terrorismus eng mit dem BND zusammen?
Und wer hatte eine etwas unrühmliche Rolle beim so genannten „Celler Loch“ gespielt?

Damit möchte ich meine Ausführungen zum Kölner Klüngel vorerst abschließen, wenngleich ich noch öfter auf die Rolle der deutschen Banken im Weltgeschehen zurückkommen werde.

Bis dahin möchte ich mich aber in meinem nächsten Themenkomplex ganz speziell mit ungelösten Kindermorden und Vermisstenfälle in Deutschland beschäftigen.

Bis demnächst in diesem Theater.

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