Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Zurück zu Teil 4


Möllemanns politische Karriere begann 1970 mit dem Eintritt in die FDP und sicherte ihm als gebürtigen Augsburger bereits 1972 auf der NRW-Landesliste einen Platz im Bundestag.
Gleich an dieser Stelle möchte ich gerne Jürgen Möllemann selbst zu Wort kommen lassen: „In diesem Aufzug [Anm.: er meinte seinen typischen 68er Look mit langen Haaren, Rollkragenpullover und Cordhose] erschien ich auch zum Amtsantritt im Deutschen Bundestag. Der erfahrene FDPAbgeordnete Alfred Ollesch, der es vom Bergmann [Anm.: Ollesch war zu dieser Zeit bei der Essener Ruhrkohle AG beschäftigt] dorthin gebracht hatte, war so etwas wie mein Coach und Trainer. […] Meine erste Rede als Abgeordneter, die so genannte Jungfernrede, werde ich nie vergessen. Es war zu der Zeit, als die USA ihre Bomben über Hanoi abluden. Ich war damals ein junger Lehrer, zugleich aber auch noch Student, weil ich -habilitieren wollte – und Mitglied des Studentenparlaments der Pädagogischen Hochschule Münster. Als solcher marschierte ich Arm in Arm mit dem DKP-Vorsitzenden Mies und vielen anderen Linken auf der großen Vietnam-Demonstration in Dortmund mit und hielt eine flammende Rede gegen den Krieg der USA in Vietnam. Als frisch gewählter Bundestagsabgeordneter und in völliger Unkenntnis der parlamentarischen Regeln versprach ich vollmundig, die Rede im Bundestag zu wiederholen.“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Nach den Worten von Jürgen Möllemann war es Alfred Ollesch zusammen mit Walter Scheel , Rudolf Opitz und Wolfram Dorn, die den damaligen FDP-Vorsitzenden Erich Mende zu Fall gebracht hatten, nachdem er entgegen seinem Wahlversprechen von 1961, Konrad Adenauer als Bundeskanzler zu stürzen, gebrochen hatte, stattdessen wieder mit der CDU koalierte und damit Adenauer als Bundeskanzler neu gewählt hatte. Dieses Vorgehen brachte der FDP zum ersten, und wie man später immer wieder sehen konnte, auch nicht zum letzten Mal den Spitznamen „Umfaller-Partei“ ein. Deswegen gründeten die o.g. Herren Opitz, Scheel und Ollesch den Kegelklub „Fall um“, der einmal im Monat im „Kessenicher Hof“ in Bonn zusammentraf.  Möllemann wurde schon früh in diesem Männerclub eingeführt und auf sein künftiges, politisches Leben vorbereitet.

Wenn man bedenkt, dass MfS-Chef Erich Mielke schon im August 1956 eine Direktive erließ, wonach alle IM´s zusammengetrommelt werden sollten, um Konrad Adenauer und seine Anhängerschaft aus CDU/CSU zu diskreditieren und deren innere Parteistrukturen mit geheimdienstlichen Mitteln zu zersetzen, wird langsam klar, wieso die Stasi so intensiv Politiker aus den links stehenden Lagern innerhalb der SPD und FDP protegierte. So kann man in der Publikation Cicero „Wie die Stasi im Westen ihr Netz auswarf“ vom 23. Juli 2009 lesen: „Ein Einsatzstab unter seiner [Anm.: gemeint ist Erich Mielke] Leitung sollte für die „zielstrebige Steuerung vorhandener geheimer Mitarbeiter und Kontaktpersonen in den Bundestag, in Partei- und Regierungsfunktionen“ Sorge tragen. Ähnliche Festlegungen traf die Stasi-Spitze auch in späteren Jahren. Politisch setzte die DDR-Führung vor allem auf die deutsche Sozialdemokratie. Zwei Monate vor den Bundestagswahlen 1965 ordnete Mielke zum Beispiel an, „alle Kräfte gegen die Erhard-Regierung und ihre revanchistische Politik zu mobilisieren“ und „keine Maßnahmen gegen die SPD oder einzelne prominente Personen aus der Führung der SPD durchzuführen“. 1972 ließ Spionagechef Markus Wolf den CDU-Bundestagsabgeordneten Julius Steiner sogar mit 50 000 D-Mark bestechen, damit dieser beim Misstrauensvotum gegen den SPD-Kanzler Willy Brandt gegen den Antrag seiner Fraktion stimmte. In den zentralen Planvorgaben des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) wurde in den siebziger Jahren fast stereotyp wiederholt: „Die Aufgabe des MfS besteht in der Bekämpfung der reaktionärsten, offen revanchistischen und entspannungsfeindlichen Kräfte in der BRD, der konservativen Kräfte, besonders in der CDU/CSU, und der hinter ihnen stehenden Kreise“, was uns natürlich auch wieder automatisch zu der Frage nach den Hintermännern des Olympia-Attentats in München von 1972 und dem Oktoberfestbombenanschlag 1980 führt (siehe bereits meine Analyse zum Oktoberfest-Bombenanschlag Teil 1 bis 9). Dabei sollte man auch immer im Hinterkopf behalten, dass die Teilung Deutschlands in Ost und West immer Stellvertreterkriege der beiden Großmächte USA und Sowjetunion mit ihren Hintermännern aus dem Finanz- und Bankenkonglomerat zum Inhalt hatte, denn einen Friedensvertrag mit Deutschland hat es ja bis zum heutigen Tag nie gegeben.  Darüber sollte auch nicht der 2-plus-4-Vertrag vom 15.03.1991 hinwegtäuschen, denn der damalige Berater von Altbundeskanzler Helmut Kohl, Horst Teltschik, gab selbst im Interview mit „Deutschlandfunk“ freimütig auf die Frage zu, warum das Wort „Friedensvertrag“ im 2-plus-4-Vertrag explizit nicht auftaucht: „Bewusst nicht, denn wir wollten ja keinen Friedensvertrag. Wir hatten ja schon im Herbst die Anfrage aus Moskau, ob die Bundesregierung möglicherweise bereit sein könnte zu einem Friedensvertrag. Wir haben einen Friedensvertrag von vornherein abgelehnt – nicht zuletzt wegen der Gefahr von Reparationsforderungen. Und da wäre ja nicht nur Griechenland ein Fall gewesen, sondern bekanntlich war das Nazi-Regime mit über 50 Ländern dieser Welt im Kriegszustand. Und stellen Sie sich vor, wir hätten im Rahmen eines Friedensvertrages Reparationsforderungen von über 50 Staaten auf dem Tisch gehabt.“ (Quelle: Deutschlandfunk vom 14.03.2015 „Alle Forderungen erledigt“, Horst Teltschik im Gespräch mit Thielko Grieß)

Die Stasi jedenfalls entwickelte ein ganz besonderes inniges Verhältnis zur FDP und später zu dem Bündnis90/Die Grüne, wie ich auch schon in meiner Ausarbeitung zur Plutoniumaffäre, insbesondere im Kapitel „Uwe Barschels Vermächtnis – Teil 6“ im Zusammenhang mit Schalck-Golodkowskis Firmenimperium darlegte. Cicero schreibt in dem bereits o.g. Artikel „Wie die Stasi im Westen ihr Netz auswarf“ vom 23. Juli 2009 weiter: „Zu diesem Zweck wurde etwa der Fotohändler Hannsheinz Porst eingeschleust, der als großzügiger Mäzen bald Kontakt zu führenden Liberalen fand. Insbesondere der damalige Parteivorsitzende Erich Mende wurde von ihm systematisch „abgeschöpft“ und beeinflusst. Zur Manipulation der Partei gab die Stasi sogar einen eigenen Informationsdienst heraus, der an FDP-Funktionäre verschickt wurde. 1960 übernahm mit William Borm ein Stasi-Agent sogar den Vorsitz der Berliner FDP. Der Politiker kam bald darauf in den Bundestag und beteiligte sich später auch an den Protesten gegen die Nato-Nachrüstung. „Unseren Konsens“, erinnerte sich Spionagechef Wolf, „hatten wir in der Ablehnung der pro-amerikanischen Adenauer-Politik gefunden, der bundesdeutschen Wiederaufrüstung und der Erkenntnis, dass eine Verständigung zwischen beiden deutschen Staaten dringend notwenig war.“ Die Stasi lieferte dem FDP-Politiker unter anderem Redeentwürfe und Texte für einen von ihm herausgegebenen Pressedienst. Wolf persönlich redigierte etwa den Entwurf einer Ansprache, die Borm im Oktober 1969 als Alterspräsident zur Eröffnung des Bundestages hielt. Beträchtlichen Einfluss übte das MfS auch auf die Grünen aus. Eine Schlüsselrolle spielte hierbei der deutschlandpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Dirk Schneider. Ihm war es zu verdanken, dass die Fraktion 1984 die Auflösung des innerdeutschen Ministeriums und die Einstellung der Zuschüsse für den SED-kritischen Rundfunksender RIAS beantragte. Unter seinem Einfluss machten sich führende Grünen-Politiker wie Otto Schily oder Antje Vollmer auch die sogenannten Geraer Forderungen Erich Honeckers zu eigen, denen zufolge DDR-Bürger in der Bundesrepublik wie Ausländer behandelt werden sollten. In einer streng geheimen Information stellte die Stasi seinerzeit zufrieden fest: „Vorliegende Angaben aus Führungskreisen der Grünen bestätigen den sich seit Mitte des Jahres abzeichnenden Stimmungsumschwung in der Bundestagsfraktion der Grünen hinsichtlich ihrer Haltung zur DDR“. Auch in der westdeutschen Studentenbewegung war die Stasi mit zahlreichen Agenten vertreten. Vor allem im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und in den sogenannten Republikanischen Clubs (RC) gab es eine Reihe von IM in „Schlüsselpositionen“. Zu ihnen gehörten unter anderem der frühere Westberliner SDS-Landessekretär, Walter Barthel, das ehemalige SDS-Bundesvorstandsmitglied Dietrich Staritz sowie der Chefredakteur des linken Berliner Extra-Dienstes Carl Guggomos, der von der Stasi über Jahre hinweg mit Artikeln und Geld versorgt wurde. Ganze Ausgaben und Serien seines Blattes stammten vom Staatssicherheitsdienst. Vor allem bei der Kampagne gegen den Verleger Axel Springer, aber auch bei den Protesten gegen die Bundespräsidentenwahl 1969 in Westberlin mischte die Stasi massiv mit. Die Einwirkungen des Staatssicherheitsdienstes auf das politische Leben der alten Bundesrepublik sind bis heute nicht gründlich aufgearbeitet. Insbesondere die Einflussnahme auf SPD und Gewerkschaften, in denen die Stasi, der Anzahl der Berichte nach zu urteilen, über die besten Quellen verfügte, liegt immer noch im Dunkeln.“

Als Jürgen Möllemann dann tatsächlich seine Rede, die er als Student auf der Dortmunder Friedensdemonstration abgehalten hatte, 1972 vor dem Deutschen Bundestag wiederholte, wurde Willy Brandt auf ihn aufmerksam. Möllemann kam daraufhin mit vielen prominenten Linken wie Heinrich Böll und Heinrich Albertz zusammen und so dürfte er auch relativ schnell in den Fokus des MfS geraten sein. Dies geht zumindest aus einem Bundesgutachten des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR vom März 2013 hervor. Dort heißt es u.a.: „In den SIRA-Datensätzen wird jede Information mit verschiedenen Suchbegriffen zu Sachverhalten, Ländern/Orten, Personen/Namen und Objekten/Institutionen beschrieben. Die 69 Informationen aus dem Arbeitskreis I verzeichnete die HV A häufig in Verbindung mit den Namen von Politikern. Darunter findet man die Namen zahlreicher Abgeordneter, meistens aus der FDP-Fraktion, aber gelegentlich auch aus anderen Fraktionen, wie die nachstehende Aufzählung zeigt. Spitzenreiter war der FDP-Außenpolitiker Jürgen Möllemann, dessen Namen die HV A bei 29 der 69 Informationen als relevant vermerkte.“ (Quelle: BuSt „ Der Deutsche Bundestag 1949 bis 1989 in den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR –Gutachten für den Deutschen Bundestag gemäß § 37 (3) des Stasi-Unterlagen-Gesetzes)

In seinem Buch „Klartext“ erzählte Möllemann weiter, dass er in zwei weiteren „Herrenclubs“ aktiv war. Es handelte sich zum einen um eine Skatrunde, der ein gewisser Wolfgang Mischnick als „Ordensmeister“ vorstand und ein lockerer Treffpunkt unter Abgeordneten aller Parteien in der sogenannten „Ossis Bar“, die sich im alten Bonner Bundeshaus befand. Unter den regelmäßigen Teilnehmern zählten u.a. Detlef Kleinert von der FDP, Georg Leber (SPD) und Willi Berkhan, ebenfalls von der SPD und enger Freund von Helmut Schmidt. Mischnick selbst war damals FDP-Fraktionsvorsitzender und wurde sogar der Trauzeuge von Möllemann.

Jedenfalls verfügte Möllemann schon seit mindestens 1979 über beste Beziehungen in den Nahen Osten, als er zusammen mit dem Journalisten der Westfälischen Nachrichten, Helmut Müller, Yassir Arafat im Libanon besuchte – im Gepäck immer die Stasi mit dabei. In diesem Gespräch hatte Möllemann 8 (!) Punkte notiert zu denen das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser gehörte. So geht aus dem oben zitierten Gutachten des BUSt weiter hervor: „Anschließend berichtete er „im engsten Kreis“ darüber. Zu diesem Kreis hatte offenbar auch der IM „Sascha“ Zugang; er lieferte der HVA über Möllemanns Reise einen vier Seiten langen Bericht, den die HVA als „wertvoll“ (Note 2) einschätzte. Über eine Informationsreise einer Delegation des Bundestagsausschusses für Forschung und Technologie nach Japan im August und September 1979 berichteten zwei Informanten. Der eine war Gerhard Flämig, SPD-Abgeordneter und Mitglied dieses Ausschusses, von dem die HVA eine 46-seitige Dokumentation zu dieser Reise erlangte. Die andere war die Redakteurin Doris Bretschneider, die seit 1978 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim „Deutschen Atomforum e.V.“ machte und von Gerhard Flämig ausdrücklich für diese Stelle empfohlen worden war. Als „sehr wertvoll“ schätzte die HVA einen Bericht ein, in dem es um eine Reise von Mitgliedern des Bundestags-Unterausschusses für Abrüstung und Rüstungskontrolle – einem Unterausschuss des Auswärtigen Ausschusses – nach Wien in der ersten Jahreshälfte 1980 ging. Dieser Bericht erwähnte die Ausschussmitglieder Alfons Pawelczyk (SPD), Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg (CSU), Karsten Voigt (SPD) und Kurt Jung (FDP) sowie den Abgeordneten Alfred Biehle (CSU), der dem Verteidigungsausschuss angehörte. Der Bericht ging der HVA allerdings nicht über einen ihrer IM zu, sondern kam vom tschechoslowakischen Geheimdienst StB. Ebenfalls vom tschechoslowakischen Geheimdienst erhielt die HV A zwei Jahre später eine „Information über ein geplantes Treffen zwischen amerikanischen Kongressmitgliedern und Bundestagsabgeordneten“. (Quelle: BuSt „ Der Deutsche Bundestag 1949 bis 1989 in den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR –Gutachten für den Deutschen Bundestag gemäß § 37 (3) des Stasi-Unterlagen-Gesetzes)

Über einen libanesischen Journalisten wurden dann aus Möllemanns Notizen ein geheimer Acht-Punkte-Friedensplan für den Nahen Osten gemacht, den man über die DPA in die Öffentlichkeit einsteuerte, was natürlich die erbosten Israelis aufs Parkett rief, die sich gleich darauf bei der Bundesregierung beschwerten, wie ein deutscher Politiker es wagen kann, die Palästinenser mit den Israelis auf eine gleiche Stufe zu stellen.

Von da ab wurde Möllemann zur Schachfigur zwischen den proarabischen auf der einen und proisraelischen Kräften auf der anderen Seite auserkoren.

Genscher machte sich dies zunutze, indem er Möllemann gleich mal zusammen mit Otto Graf Lambsdorff nach der gewonnenen Bundestagswahl von 1980 in die Koalitionsverhandlungen über die Lieferung von deutschen Leopard 2-Panzern an Saudi-Arabien schickte. Helmut Schmidt hatte Saudi-Arabien bereits versprochen, die Panzer zu liefern, aber Genscher spielte sein eigenes Spiel. Aus Rücksicht auf Israel sollten sich Otto Graf Lambsdorff und Möllemann als Vertreter der FDP-Delegation bei den Verhandlungen zurückhalten und das Wort der SPD selbst überlassen – wohlwissend, dass es über die Lieferung von Leopard-Panzern zu keiner Einigung innerhalb der SPD-Delegation kommen würde. Kurze Zeit später verschwand der Punkt von der Tagesordnung und die Saudis schauten mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Dementsprechend verärgert reagierten sie, denn die Saudis hatten der sozialliberalen Koalition immer wieder sehr günstige Kredite gewährt gehabt und fühlten sich nun dementsprechend verraten.  Möllemann schrieb hierzu in seinem Buch „Klartext. Für Deutschland“: „Die Verärgerung im Hause Saud war groß. Wer auch immer mit Vertretern Saudi-Arabiens zusammentraf, konnte mal deutlich, mal weniger deutlich den Vorwurf heraushören: Wir sorgen für gemäßigte Ölpreise, wir mäßigen die Palästinenser, wir stellen Kredite. Und ihr? Wir kriegen alles, was wir wollen, von den Amerikanern oder Franzosen. Warum nicht von euch? Der schleichende Entfremdungsprozess begann, und das schnelle Wachstum in den deutsch-saudischen Wirtschaftsbeziehungen fand ein Ende.“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Als ehemaliger Fallschirmjäger und Reserveoffizier lag es  ziemlich schnell nahe, dass Möllemann geradezu in den Verteidigungsausschuss des Bundestages hineinkomplimentiert wurde. Es folgten innerhalb kürzester Zeit zahlreiche weitere Ämter im Bundesausschuss für Außenpolitik, als Vorsitzender des Bundesfachausschuss für Sicherheitspolitik und Leiter des Arbeitskreises der Fraktion für Außen-, Deutschland-, Europa- und Sicherheitspolitik. Damit löste er den langjährigen Stasi-Agenten innerhalb der FDP, William Borm ab. Möllemann selbst gibt hierzu an, dass er die Stasi-Tätigkeit von Borm erst Jahre später mitbekommen haben will.

Kommen wir aber erst einmal zurück ins Jahr 1982.
Jürgen Möllemann wurde nach der vorgezogenen Bundestagswahl unter dem neuen Bundeskanzler Helmut Kohl Staatsminister im Auswärtigen Amt. Dort wurde er wieder mit dem Problem des Leopard-2 Panzer-Deals konfrontiert. Er schreibt hierzu weiter: „ Aber obwohl die Minister Lambsdorff, Stoltenberg und Wörner für die Lieferung des »Leopard II« eintraten, wiederholte sich nun in der CDU, was in der SPD vor sich gegangen war: Die lange Liste modernsten Geräts, die Kohl dem saudischen Verteidigungsminister Sultan, einem Bruder des Königs, anbot, enthielt keine »Leoparden«. Sultan war fassungslos, auch wenn er das nicht offen zeigte. Solange sie in der Opposition gewesen waren, hatten CDU und CSU Bundeskanzler Helmut Schmidt ständig seinen Wortbruch vorgehalten. Nun mussten die Saudis erkennen, dass das alles ganz offensichtlich nur billige Propaganda für den heimischen Gebrauch gewesen war. Klaus Kinkel fügte dem eine unglaubliche Kränkung hinzu: Auf seinem Weg nach Tokio ließ er seinen saudischen Kollegen nach Dammahn kommen, bestellte ihn sozusagen zu sich, statt ihn in Riad zu besuchen, wie es die Höflichkeit erfordert hätte. Von da an war es nicht mehr selbstverständlich, dass saudische Delegationen auf ihren Europareisen zuerst nach Bonn und dann erst nach Paris fuhren. Es sollte nicht der letzte Affront sein, den Kinkel sich zuschulden kommen ließ.“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Er spielte in seinem Buch dabei auf den Umstand an, dass die Tochter von Klaus Kinkel in der Zwischenzeit mit einem israelischen Mossad-Offizier verheiratet und es damit schwer zu vermitteln war, Klaus Kinkel, nach seiner unrühmlichen Zeit als BND-Präsident mittlerweile zum Außenminister „befördert“, mit arabischen Diplomaten verhandeln zu lassen. Das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Deutschland betrat damit eine neue Eiszeit.
Als Scharping als Verteidigungsminister den Saudis ein paar Alphajets zum Kauf anbot, lehnten diese dankend ab mit dem Hinweis, modernere Kampfjets von Russland zur Verfügung gestellt bekommen zu haben – eine weitere schallende Ohrfeige aus dem Nahen Osten für Deutschlands heuchlerische Politik, zumal zu diesem Zeitpunkt bereits der hochmoderne Eurofighter im Einsatz war.
Und die USA haben sich ebenfalls ein zweites Loch in den Allerwertesten gefreut, denn sie konnten Saudi-Arabien mit den modernsten US-Panzern aus ihren Produktionsstätten beliefern und erträgliche Geschäfte machen. Möllemann erzählt in seinem kurz vor seinem Tod erschienen Buch „Klartext“ weiter: „Dass diese Panzer bald jedoch komplett mit deutscher Technik ausgestattet sein werden, wirft viel Licht auf die Verlogenheit der deutschen Rüstungspolitik. Die Amerikaner ernten nicht nur die Zuneigung der Saudis, sondern stecken auch das Geld ein. Denn die Lizenzen für die deutschen Patente haben sie längst gezahlt, wenn sie an dem Verkauf der Panzer noch immer schwer verdienen. Unsere Pazifisten verhindern also nicht, dass die Saudis, die Türken und wer auch immer über eine in Deutschland entwickelte Waffentechnik verfügen. Aber tausende deutsche Jobs jagen sie über die Wupper. Während des Golfkrieges hielt ich bei der Eröffnung einer saudischen Kunstausstellung im Bonner Hotel »Maritim« als Bundesminister für Wirtschaft eine Ansprache. Und bekam viel zu hören: Seht ihr, so hieß es, jetzt könnten wir die »Leoparden« brauchen, die ihr uns nicht geliefert habt. Aber ihr schickt ja auch keine Soldaten, sondern zahlt lieber Riesensummen an die Amerikaner und Israelis. Und ein mir gut bekannter, besonders hochrangiger Gast fügte hinzu: »Was ist nur aus euch geworden?« Damals wollten die Saudis aus Furcht vor den russischen Scud-Raketen des Irak ABC-Spürpanzer vom Typ »Fuchs« kaufen. Präsident Bush und Außenminister Baker drängten die deutsche Regierung, dem Wunsch nachzukommen, was Bonn denn auch tat. Israel erhielt parallel dazu die Raketenabwehr- Raketen »Patriot« – und zwei U-Boote, für die es nichts zu zahlen brauchte. Den deutschen Steuerzahler kostete das eine Milliarde DM.“

Dass auch die Regierung Helmut Kohls die Saudis mit ihrem Fuchs-Spürpanzergeschäft über den Tisch zog, habe ich bereits in meiner Ausarbeitung zur Atlantik-Brücke – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls Teil 4 ausführlich dargelegt.

Jedenfalls plauderte Jürgen Möllemann in seinem Buch „Klartext“ munter weiter darauf los, was im Staate Deutschland alles faul ist und dürfte sich damit buchstäblich um Kopf und Kragen geredet haben.
Ich jedenfalls denke schon, dass es einen zeitnahen sachlichen Zusammenhang zwischen der Publikation seiner Schrift „Klartext“ im März 2003 und seinem Todessprung am 05. Juni 2003 gibt.

Möllemann ist im Verlauf seiner politischen Karriere oft gestolpert und hatte sich dennoch immer wieder hochgerappelt, wie man unschwer an seiner 30-jährigen politischen Vita erkennen kann. Nicht umsonst wurde er als „Stehaufmännchen“ bezeichnet und hatte offensichtlich noch genügend Protektion aus seinem Umfeld erhalten, die es ihm ermöglichte, auch weiterhin in der ersten Liga trotz längst bekannter Israel kritischer bei gleichzeitig Palästina freundlicher Einstellung zu spielen. Als Bundeswirtschaftsminister hatte er einem angeheirateten Verwandten helfend unter die Arme gegriffen, um seine Geschäftsidee mit einem Einkaufwagen-Chip an den Mann zu bringen, aus der die Briefbogen-Affäre erwuchs und ihn schließlich 1993 zum Rücktritt zwang. Nebenbei zog er schon ein komisches „Gschmäckle“ nach sich, als er neben seinen politischen Ämtern auch Teilhaber der Werbeagentur „PR + Text“ gewesen war.

Aber irgendwann muss Möllemann den Rubicon überschritten haben.

Seit 1994 führte er mit seiner Düsseldorfer Beratungsfirma „Web/Tec“ (Wirtschafts- und Exportberatung Jürgen W. Möllemann Trade Consult) ein Unternehmen, bei dem er als Prokurist Klaus Geerdts beschäftigt hatte – neben Holger Pfahls ebenfalls ein alter Bekannter aus dem Fuchs-Spürpanzergeschäft. Damals war der Oberst a.D. als Militärattaché an der Deutschen Botschaft in Saudi-Arabien tätig und führte 1990 die Verhandlungen mit Mitgliedern des saudischen Königshauses. Zudem war Möllemann seit den 80er Jahren mit Rolf Wegener befreundet, der am Panzergeschäft mit den Saudis ebenfalls kräftig mitverdiente und ein Beratungshonorar von 8,93 Millionen Mark über seine Briefkastenfirma „Great Aziz Corp.“ einstrich. Daneben hinterlegte Wegener über seine Firma „Vermögens- und Verwaltungsgesellschaft Delphi“ der FDP 1996 eine großzügige Spende in Höhe von 300.000 Mark. Laut dem Briten Kaveh Mousavi sollen Möllemann und Wegener gemeinsam geküngelt und ihn bei einem Ölgeschäft in Turkmenistan übers Ohr gehauen haben, weswegen er 1998 vergeblich einen Gerichtsprozess gegen Möllemann und Wegener in London einleiten lassen wollte. (siehe Spiegel „Wie eine Black Box“ vom 03.06.2002).
Ich komme noch im späteren Verlauf auf diesen Umstand zurück, denn Möllemann hat selbst in seiner Schrift „Klartext“ einen versteckten Hinweis gegeben, was es mit dem Ölgeschäft genauer auf sich hatte.

Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass für die Briten und Israelis das Maß voll war, als Möllemann für den Bundestagswahlkampf 2002 mit seinem Projekt 18 oder auch „Strategie 18“ genannt, bereits im Mai 2001 an den Start ging.
Einige kolportieren die Meinung, dass hinter dem Slogan ein verborgener Code für „Adolf Hitler“ stecken könnte, was ich selbst gar nicht mal für so abwegig halte und auch nicht als reine Verschwörungstheorie abtun will.
Die FDP war bereits 1998 so gut wie tot und kam bei vielen Landtagswahlen noch nicht mal über die 5%-Hürde.
Aber für die NRW-Landtagswahl im Mai 2000 ließ Möllemann von Fritz Goergen ein Wahlkampfkonzept „Werkstatt 8“ entwickeln, bei dem auch Wahlplakate aufgestellt wurden, die Adolf Hitler zusammen mit dem indischen Guru Osho alias „Rajneesh“ Chandra Mohan Jain und der Horrorgestalt Freddy Krueger mit dem Slogan „Wenn wir nicht schnell für Lehrer sorgen, suchen sich unsere Kinder selber welche“ zeigten. Das wäre doch schon ein merkwürdiger Zufall, dass die drei Gestalten auf einem Plakat zusammen erscheinen, zumal das NS-Regime für seinen Hang zur Esoterik und schwarzmagischen Praktiken bekannt war, was dann auch Freddy Krueger als Vertreter der Hölle und damit Dritter im Bunde gut erklären würde.
Die FDP hielt daraufhin mit fast 10% der Stimmen wieder Einzug in den NRW-Landtag.
Schon möglich, dass dieser unerwartete „Start-up“ bei den israelischen und britischen Eliten für Unruhe sorgte.
Das Bündnis90/Die Grüne galten als scharfe Konkurrenten der FDP und so könnte ich mir weiter vorstellen, dass man den aus Syrien stammenden Jamal Karsli, damals noch Abgeordneter der Grünen, als Agent Provocateur ins Rennen schickte. Mittlerweile hat er sich ja auf die Seite der Oppositionellen gegen die Assad-Regierung in Syrien gestellt, aber das nur mal nebenbei am Rande.

Lassen wir doch hier an dieser Stelle mal Möllemann selbst zu Wort kommen: „Dr. Westerwelle wusste von Anfang an sehr genau, dass Karsli wegen meiner kritischen Haltung der Regierung Sharon gegenüber zur FDP kommen würde, nicht aber wegen des Autobahntunnels unter dem Ruhrgebiet. Sicher, wir beide kannten zu diesem Zeitpunkt – anders als die Parteiführung der Grünen und die jüdischen Organisationen – Karslis Äußerungen zur israelischen Politik noch nicht, für die er später angegriffen wurde. Aber Dr. Westerwelle war ganz und gar dafür, diesen Landtagsabgeordneten der Grünen – wie auch jeden von der SPD – in die FDP-Fraktion und in die FDP aufzunehmen. Ob es sich dabei um Liberale im Geiste handelte, interessierte ihn nicht. Solange Karsli Mitglied der Grünen war, hatten weder diese noch die SPD, weder unsere – ach so kritische – Presse noch die jüdischen Organisationen seine Äußerungen gegen Israels Regierung öffentlich angeprangert. Eine jüdische Organisation in den USA hatte den Grünen zwar einen Protestbrief geschickt – aber öffentlich kam auch von dort kein Ton. Nun wurde Karsli Mitglied unserer Landtagsfraktion. Unter deren Mitgliedern kannten ihn einige aus der Ausschussarbeit zu Einwanderungsfragen. »Der passt besser zu uns als zu den Grünen«, sagten sie. Auf den Wahlkampfveranstaltungen, auf denen ich meine Kritik an Sharon und Friedman erneuerte, applaudierte niemand lauter als Dr. Westerwelle und Professor Pinkwart. Der auffallend starke Beifall der auffallend gut besuchten Versammlungen gefiel den beiden Herren auffallend gut. Das kannte ich schon. Dr. Westerwelle legte regelmäßig noch einen drauf, wenn ich mit einer Äußerung oder Handlung besonders gut angekommen war.“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Was dann passierte, ist mittlerweile wohlbekannt.

Nachdem Möllemann seine Israel kritische Flugblattaktion gestartet hatte, nahm die Anti-Karsli/Möllemann-Propaganda über Paul Spiegel, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden sowie seinem Vizepräsidenten Michel Friedman so richtig Fahrt auf, wonach Karslis Vergleich der israelischen Regierung mit dem Nazi-Regime und seinen Methoden im Vordergrund stand. Ich finde, eine schönere Synchronisierung mit den Wahlplakaten aus dem Jahr 2000 zur NRW-Landtagswahl kann es gar nicht geben. Hier erkennt man wieder ganz deutlich das Muster einer okkulten Symbolsprache unter verschworenen Gleichgesinnten.
Möllemann versuchte angesichts der Aufregung in der Öffentlichkeit Schadensbegrenzung zu machen und Karsli dazu zu bewegen, sich öffentlich für seinen „Fauxpax“ zu entschuldigen, während Westerwelle noch vollmundig erklärte, dass jeder ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben dürfe und sich vorgeblich hinter Möllemann und Karsli stellte.
Die Haltung Westerwelles änderte sich aber schlagartig, nachdem er von einem offiziellen Besuch aus Israel zurückkam. Zuvor erzählte er Möllemann jedoch, was er sich angeblich von den Israelis anhören musste.
Möllemann dazu weiter: „Ein Mann ohne Namen hatte ihm beim langen Warten auf die Audienz bei Ariel Sharon in unmissverständlichen Worten knallhart gesagt, dass die israelische Regierung meinen politischen Kopf verlange. »Wer war das?«, fragte Dr. Westerwelle später dann einen seiner kundigen Begleiter. »Der Mossad!«, erhielt er zur Antwort. Ob Dr. Westerwelle mir meinen längst ausgesprochenen Verzicht auf den Posten des Außenministers glaubte oder nicht, spielte da keine Rolle mehr. Sharons Leute hatten sicherzustellen, dass es unter keinen Umständen dazu kommen würde. Vielleicht wollte Dr. Westerwelle dieser Erpressung am Anfang wirklich widerstehen. Aber wer weiß, wie oft sie nach seiner Israel-Reise in Deutschland wiederholt und verschärft worden ist? Was hat der Mossad, der israelische Geheimdienst, gegen Dr. Westerwelle in der Hand, das ihn mit Entsetzen, Furcht und Schrecken erfüllt? Man muss nicht selbst Chef eines Geheimdienstes gewesen sein, um zu wissen, wie gnadenlos diese Dienste auch das Wissen um die privatesten Dinge einsetzen, wenn es geboten erscheint. Jedes Mal, wenn er angsterfüllt, entrüstet und weinerlich zugleich davon sprach, fragte ich Dr. Westerwelle natürlich: »Womit, um Gottes willen, drohen Ihnen die Leute denn?« – Er hat bis heute nicht geantwortet. Die FDP aber hat ein Recht auf die Antwort ihres Bundesvorsitzenden. Finde ich.“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Jedenfalls wird vermutet, dass Rolf Wegener auch hinter der Finanzierung des berüchtigten antiisraelischen Flugblattes stecken könnte. Die Süddeutsche Zeitung berichtete hierzu in ihrem Artikel „Hilfe vom Spezi“ vom 19.10.2002 folgendes: „Wenn es um seinen Spezi Wegener geht, wird der Fallschirmspringer und FDP-Lautsprecher gewöhnlich leise. Auch der fotoscheue Kaufmann meidet die mediale Öffentlichkeit. Das verbieten ihm seine dunklen Geschäfte in der Immobilien-, Energie- und Fußballbranche. Der Zeitung Express zufolge dirigiert Wegener von Monaco aus ein „Millionen-Imperium“. Mit dem FDP-Politiker ist er geschäftlich vielfach verbandelt. Möllemanns Wirtschafts- und Exportberatung WebTec, nach den Recherchen der Wirtschaftswoche „eine Luftnummer“, residiert in der Düsseldorfer Achenbachstraße in Gebäuden der Firma Delphi. Zusammen mit Wegener macht der liberale Luftikus „Energieanlagen-Geschäfte im Mittleren Osten“. Auch die Münsteraner Firma MS-Air, die Sportflugzeuge zum Absetzen von Fallschirmspringern unterhält, betreiben die beiden. […] Neben Rüstungsgeschäften verdient der 56 Jahre alte Kaufmann prächtig mit Profi-Fußballern. Obwohl er keine Lizenz als Spielervermittler besitzt, handelt er mit afrikanischen Kickern. Prominentester Klient ist der nigerianische Nationalstürmer Victor Agali, den er vorige Saison für etliche Millionen zu Schalke 04 transferierte. Zufällig ist Möllemann dort Mitglied des Aufsichtsrats.“

Besonders interessant ist die Erklärung der Anwälte von Möllemann aus der Anwaltskanzlei Kempf & Dannenfeldt: „Herr Möllemann war einerseits bereit, den Betrag von rund 1 Mio. Euro aus seinem privaten Vermögen für die Kosten dieser Wahlkampfsonderaktion aufzuwenden. Gleichzeitig war er jedoch auch überzeugt, dass sie ihr Ziel zumindest teilweise verfehlen würde, wenn sie von vornherein und für jeden erkennbar auf ihn privat und nicht auf die FDP zurück geführt werden würde. (…) Zu diesem Zweck hat Herr Möllemann Herrn Kuhl am (wohl) 14. September 2002 den Betrag von 1 000 000,- Euro in Scheinen à 500 Euro übergeben und ihn gebeten, diesen Betrag in den darauf folgenden Tagen und jeweils mit einem kleinen Zusatz einzuzahlen, aus dem erkennbar war, dass der Betrag zur Bestreitung der Kosten seiner „Sonderwahlkampfaktion“ dienen sollte. (…) Herr Kuhl hat – auf Bitten von Herrn Möllemann – in der Zeit vom 16. September bis 8. Oktober 2002 auf diese Weise Teilbeträge zwischen 1 500 und 8 500 Euro und insgesamt einen Betrag in Gesamthöhe von 839 500 Euro bei Banken in Krefeld, Düsseldorf, Moers, Wesel, Essen, Bochum und Neukirchen bar eingezahlt. Dabei hat er sich jeweils von ihm beliebig ausgewählter Alias-Namen und -adressen bedient. (…) Die von Herrn Möllemann für Druck und Versand aufgewendeten Mittel stammen aus seinem privaten Vermögen. Es gibt keine hinter Herrn Möllemann stehende Person, die – über ihn – der FDP Geld oder Sach- oder sonstige Zuwendungen zukommen lassen wollte. Herr Möllemann hat keine Veranlassung (…), seine finanziellen Verhältnisse im Einzelnen offen zu legen.“ (Quelle: Berliner Zeitung „Spendenaffäre – Jürgen Möllemann erklärt in einem Schreiben seiner Anwälte, warum er als „Vater der Strategie 18“ einen Sonderwahlkampf geführt hat“ vom 26.11.2002)

Allerdings hat die Staatsanwaltschaft laut Udo Leuschner später etwas anderes herausgefunden: „Aus den Unterlagen, die den Ermittlern bei der Razzia am 5. Juni in die Hände gefallen waren, wurde nun auch der Geldbote ersichtlich, der von Möllemanns geheimem Konto in Luxemburg eine Million Euro zur Bezahlung des Faltblatts abgehoben hatte: Es war nicht der Landesgeschäftsführer Kuhl, wie die Staatsanwalt zunächst vermutet hatte, sondern der frühere FDP-Bundesgeschäftsführer Fritz Goergen. Der Möllemann-Vertraute hatte sich die Summe in 500-Euro-Scheinen ausbezahlen lassen. Möllemann gab das Geld am folgenden Tag an Kuhl weiter, der damit das frisch eingerichtete „Spendenkonto“ zur Bezahlung der Postwurfsendung füllte und einen weiteren Betrag zur Bezahlung der Druckkosten auf das Landeskonto der FDP transferierte.“ (Quelle: Udo Leuschner „Möllemann springt in den Tod“)

Das ganze entwickelte sich jedenfalls zu einem Selbstläufer und Möllemann war politisch vernichtet, an deren Ende der Parteiausschluss hätte stehen sollen.

Nun hätte er sich vielleicht zunächst ins Privatleben zurückziehen können, wie es Sebastian Edathy 11 Jahre später nach ihm getan hatte, aber Möllemann wäre nicht Möllemann gewesen, wenn er diesen Umstand einfach kampflos hingenommen hätte. Stattdessen veröffentlichte er sein Buch, trat selbst aus der Partei aus und verkündete in seinem letzten ARD-Fernsehinterview vom 12.03.2003 mit Gaby Bauer (siehe https://www.youtube.com/watch?v=AP4GtsVbN0Y) Überlegungen, eine eigene Partei zu gründen.

Gegenüber der WELT am Sonntag gab er sein letztes Statement als unter den Leben Weilenden: „Herz, Kreislauf, Magen – alles wieder okay! In dieser Woche kann ich erstmals wieder mit dem Fallschirm abspringen in Marl-Loemühle, sofern das Wetter es zulässt.“ Ein Satz, den Jürgen W. Möllemann bei seinem letzten Interview mit der „Welt am Sonntag“ sagte. Auch sonst zeigte sich der frühere FDP-Politiker keinesfalls lebensmüde – zumindest nach außen hin. (Quelle: Spiegel „Todesfall Möllemann: Vorwürfe, Mutmaßungen und ein letztes Interview“ vom 07.06.2003)

Wie praktisch, dass Möllemann zuvor noch fast mit konkretem Datum öffentlich ankündigte, dass er einen neuen Fallschirmabsprung in Marl-Loehmühle bei günstigen Wetterbedingungen plane.

Wie ich bereits angekündigt hatte, komme ich nun wieder auf Möllemanns Firma „Web/Tec“ zu sprechen.

Hierzu berichtet rp-online.de folgendes: „Beste Kontakte hatte Möllemann zur Münchner Kirch-Gruppe. In den Jahren 1995 bis 2000 bestand zwischen der Kirch-Tochter ProSiebenSat1 und Möllemanns Firma WebTec ein Beratervertrag. Allein 240 000 Euro sollen in den beiden letzten Jahren vor Auflösung des Vertrages an Möllemann geflossen sein. Der „Spiegel“ berichtete von weiteren 275 000 Euro, die der Kirch-Dachkonzern, die inzwischen zahlungsunfähige Taurus GmbH, jährlich an WebTec gezahlt haben soll. […]Möllemann war Mitglied der Führung des Bundesligaclubs Schalke 04 und versprach sich für den Fußballclub eine perfekte Vermarktung durch den Einstieg von Kirch ins Sportgeschäft. Kirch soll darüber nachgedacht haben, Mitbetreiber der supermodernen Arena des FC Schalke 04 zu werden. Insgesamt soll die WebTec aus dem Beratervertrag mit Kirch nach Informationen der „Sport-Bild“ 2 Millionen Euro erhalten haben.“ (Quelle: rp-online „Über WebTec steuerte Möllemann sein Firmengeschäft“ vom 06.06.2003)

Und der Stern berichtete weiter: „Seit langem gibt es Spekulationen über Möllemanns Geschäfte. Ein deutscher Geschäftsmann berichtete dem stern, er sei 1993 in Moskau von General Anatolij Funtikow darauf angesprochen worden, dass ein Vermittler für den Verkauf des gesamten Waffenarsenals der DDR gesucht werde. Als er kein Interesse signalisierte, habe der General erklärt, im russischen Verteidigungsministerium sei eine Firma „Aziz Corporation“ für derartige Geschäfte registriert. Hinter der Firma stünden ein deutscher Politiker und ein Geschäftsmann aus Düsseldorf. Ob dieses Unternehmen mit der Liechtensteiner Firma identisch ist und dann tatsächlich bei diesem Projekt mitwirkte, weiß der deutsche Geschäftsmann nicht. Wohl aber habe er wenig später erfahren, dass die „Aziz Corporation“ bei einem anderen Waffengeschäft dabei sei: Es sei um die Lieferung von chemischen Waffen, die in Swerdlowsk produziert worden seien, in den Jemen gegangen, so der Deutsche. Dem Geschäftsmann, der auch über exklusive Kontakte nach Israel verfügt, wurde vergangenes Jahr noch folgende Information weitergegeben: Beim Israel-Besuch von FDP-Chef Guido Westerwelle sei dieser im Mai 2002 darüber informiert worden, dass man von Rüstungsgeschäften Möllemanns mit arabischen Partnern wisse. Dem Liberalen-Boss seien auch Dokumente vorgelegt worden. Westerwelle bestreitet diese Darstellung.“ (Quelle: STERN „War Möllemann käuflich“ vom 12.06.2003)

Jedenfalls wurde ich umgehend hellhörig, als ich vom Spiegel einen abwertenden Artikel zu Möllemanns Buch „Klartext“ las. Darin heißt es: „Wer das Buch gelesen hat, wird bitter enttäuscht. Neben den erwartbaren Hasstiraden auf seine ehemaligen Mitstreiter wie Wolfgang Gerhardt oder Klaus Kinkel erfährt der Leser kaum Neues. Für Kenner der Partei gibt es zwar reichlich Anekdoten, die aber weder belegt, wenig plausibel und vor allem nichts sagend sind. Wer außerhalb der FDP will schon wissen, wie welche Entscheidung genau zustande kam? Wer wird nicht an Möllemanns Lieblingsgeschichte zweifeln, er höchstpersönlich habe für Jassir Arafat den Friedensnobelpreis „besorgt“?“ (Quelle: Spiegel „Abrechnungsbuch: Möllemanns vernebelter Klartext“ vom 13.03.2003)

Das veranlasste mich natürlich, Möllemanns Buch „Klartext“ genauer zu studieren, um herauszufinden, ob wirklich nur alles kalter Kaffee und kaum der Rede wert ist. Interessant ist nämlich, dass das Buch damals noch für 18 Euro zum Verkauf angeboten wurde – wieder eine merkwürdige Synchronizität der Ereignisse.
Der Spiegel selbst hatte doch bereits im Jahr 2002, also noch vor Veröffentlichung des Buches geschrieben, dass Möllemann oft auf Reisen war, um im Sinne seiner Firma Kontakte zu vermitteln und beratend tätig zu sein. Insbesondere soll es um Infrastruktur-Projekte, zum Beispiel dem Ausbau von Flughäfen oder Pipelines gegangen sein.
Möllemann gab an, etwa 25% seiner Geschäfte würden im Nahen Osten stattfinden, der Rest in den ehemaligen GUS-Staaten und Asien (Quelle: Spiegel „Wie eine Blackbox“ vom 03.06.2002)

Und genau darüber hat Möllemann auch in seinem Buch „Klartext“ versteckt und kryptisch berichtet. Zuvor erwähnte ich ja, dass der Brite Kaveh Mousavi sich bei einem Ölgeschäft in Turkmenistan von Rolf Wegener und Möllemann betrogen gefühlt hatte und die beiden deswegen auch 1998 verklagen wollte. Zu diesem Vorfall hatte der Spiegel ebenfalls einen Artikel in seiner Ausgabe 49/1998 „„M.“ oder „my principal“ geschrieben. Dazu heißt es u.a.: „Seit dem 20. Dezember 1996 hätten er und Möllemann an einem Plan gearbeitet, wie das schwarze Gold in Geld zu verwandeln sei. Moussavi sollte sich demnach um die Abwicklung vor Ort kümmern, Möllemann die Millionen für nötige Investitionen organisieren. Moussavi, 43, britischer Staatsbürger iranischer Abstammung, betreibt die „Eastway Petroleum Limited“ mit Sitz auf der britischen Isle of Man, einem Steuerparadies. Als erstem westlichen Geschäftsmann sei es ihm gelungen, sagt er, Öl aus Turkmenistan übers Kaspische Meer in den Norden Irans zu transportieren und von dort weiter per Tankwagen und Eisenbahn zu den Verladehäfen am Persischen Golf. Was im November 1994 als Versuch begann, sollte 1996 zum Millionen-Deal reifen. Für seine Expansionspläne brauchte Moussavi Geld: zehn Millionen Dollar, besser noch doppelt soviel. Wer konnte dabei besser helfen als ein ehemaliger deutscher Minister, der zudem über gute Kontakte in den Nahen Osten verfügt? Als Berater des Ex-Ministers sollte offenbar Rolf Wegener, 52, fungieren, der, so Moussavi, schon beim ersten Treffen dabeigewesen sei. Wegener ist in Düsseldorf an mehreren Immobilienfirmen beteiligt, geriet durch eine angebliche Nähe zu Waffengeschäften in die Schlagzeilen (SPIEGEL 32/1984) und kennt Möllemann noch aus dessen Zeit als Staatsminister im Auswärtigen Amt. Er residiert in Monte Carlo.“
Um dann auch noch den Bezug zu Hitler und Möllemanns antisemitischen Äußerungen wieder herzustellen, sei noch folgender Absatz aus o.g. Artikel angeführt: „Moussavi war zunächst tief beeindruckt, daß ein Ex-Minister, der 1992 für wenige Monate auch Vizekanzler war, ihm behilflich sein könnte; doch mit der Zeit wunderte er sich über das Gebaren um ihn herum. Mitunter tauchte Möllemann im Schriftverkehr nur als „M.“ oder als „my principal“, also Chef, auf. Moussavi: „Ich dachte, daß ich einen Politiker vom Schlage Adenauers oder Brandts treffen würde, aber am Ende hatte ich das Gefühl, als säße mir ein korrupter Diktator gegenüber.““

Meines Erachtens wurden der israelische und britische Geheimdienst überhaupt erst durch die beabsichtigte Klage von Kaveh Mousavi als ehemaliger Geschäftspartner von Wegener und Möllemann auf die dahinterliegenden Planungen aus Deutschland aufmerksam. Den amerikanischen CIA lasse ich bewusst erst einmal aus diesen Überlegungen heraus, weil das amerikanische Verhältnis zu den Israelis von je her schon ambivalent war. Man schließt sich zusammen, wenn es nutzt, aber ansonsten kochen die Amerikaner doch eher ihr eigenes Süppchen und nutzen jede Gelegenheit, die Israelis aus ihren Planungen herauszuhalten, wie ich auch schon in meinen Ausführungen zum Golfkrieg dargelegt hatte. Zudem darf man nicht vergessen, dass sich die Amerkaner lange dagegen gesperrt hatten, die Israelis mit Atomwaffen zu versorgen. Ich empfehle zu diesem Thema wärmstens das Buch von Seymour Hersh „Atommacht Israel?“, der genau auf die Umstände der Atomwaffenentwicklung in Israel eingeht, die nur durch tatkräftige Unterstützung der Franzosen und Südamerikaner möglich war, und zwar hinter dem Rücken der Amerikaner.
Hingegen gibt es sehr wohl zwischen Israelis und Briten tiefergehende Verbindungen, denn im Endeffekt haben es die Israelis den Briten zu verdanken, 1948 ins Gelobte Land zurückzukehren und dort ihren eigenen Staat zu gründen.

Nun schrieb Möllemann 2003 in seinem Buch, dass eine neue Öl-Pipeline von der Grenze zwischen Usbekistan und Turkmenistan über Westafghanistan an die Küste des Arabischen Meeres in Pakistan führen sollte.
Eine zusätzliche Gaspipeline sollte vom Südwesten Turkmenistan durch Afghanistan und Pakistan bis nach Indien verlaufen.
Er schreibt weiter: „Von der iranischen Hafenstadt Kharg am Persischen Golf verläuft die derzeit längste Planungslinie über Teheran, die Ostküste des Kaspischen Meeres entlang durch Turkmenistan, dann in einem großen Bogen um den Aralsee herum durch ganz Kasachstan und schnurstracks geradeaus nach China; dabei schließt diese Pipeline elegant im kaspischen Hafen Turkmenbaschi und im Tengis-Ölfeld im kaspischen Nordosten an das bestehende Pipeline-Netz zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer an. Von dort geht es durch Georgien und Russland schon heute in die sicheren Häfen der Türkei. Da, wo die Pipeline nördlich von Teheran nach Osten abzweigt, führt eine andere weiter nach Baku am Kaspischen Meer und quer durch Georgien ans Schwarze Meer. Ist es ein Zufall, dass diese Linien immer wieder an Militärbasen entlang laufen, die den USA gehören oder von ihnen benutzt werden? Im NATO-Land Türkei sind die USStreitkräfte sowieso. In Georgien befinden sich Hunderte von Militärberatern. Das 5. US-Flottenquartier liegt nahe an Saudi- Arabien in Bahrain am Persischen Golf, als Glied einer Kette von amerikanischen und britischen Militärbasen die ganze Südküste des Persischen Golfs und des Golfs von Oman entlang – von Kuwait bis Maskat. Im Arabischen Meer bis hinüber nach Bombay kreuzen US-Marinestreitkräfte. Sie schließen die durch den Iran gebildete große Lücke hinüber zu den US-Militärbasen in Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan.“ (Quelle: Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Danach steuerte Möllemann mit seinen Überlegungen dahingehend an, dass es theoretisch doch so sein könnte, dass die amerikanische und israelische Regierung in diesem Punkt zusammenarbeiten, was bedeuten würde, dass Amerika und damit auch Israel ein weltweit strategisches Netz in ihre Kontrolle gebracht hätten. Wohlgemerkt, diese Aussage entstand noch vor der Bombardierung des Iraks am 20. März 2003 durch die US-Streitkräfte. Möllemann verkündete gleichzeitig, dass Irak erst der Anfang wäre und nach der oben erwähnten Agenda der Iran und Syrien als nächstes dran wären. Das Großmachtbestreben der USA zusammen mit Israel würde sich auch auf die südostasiatische Inselwelt mit ihren vermuteten Erdölreserven erstrecken.
Dann geht Möllemann auf die Verbreitung des Islams ein, der sich von Zypern bis in den Nordwesten Chinas nach Sinkiang erstreckt, also genau in die Gebiete, durch welche die Pipelines errichtet werden sollen. So fragt er provokant: „Ist das »Böse« am Islam, dass er ausgerechnet dort verbreitet ist, wo die Öl- und Gasvorkommen liegen oder wo der Bau großer Pipelines geplant ist?“

Zuvor hatte Möllemann erwähnt, dass die neue Militärdoktrin der USA auf den Präventivkrieg ausgerichtet ist und ein halbes Jahr vor den Ereignissen des 11. Septembers 2001 in ein offizielles Regierungsdokument aufgenommen wurde – also noch bevor man den globalen Kampf gegen den Terror in die Köpfe der Weltbevölkerung einpflanzte.

Weiter schreibt Möllemann zur Rolle Deutschlands: „Und wo befinden wir uns in Deutschland? Als die Obergrünen ihren Pazifisten den Einsatz deutscher Truppen auf dem Balkan erklären mussten, bemühten sie einen absolut unangemessenen Vergleich – den zwischen Auschwitz und dem Kosovo. Sie erklärten, eben wegen Auschwitz seien Deutsche besonders aufgefordert, dem Töten von Muslimen im Kosovo entgegenzutreten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das auch nur annähernd so viel Aufruhr erregte wie mein Vorwurf, die israelische Regierung betriebe »Staatsterror«, indem sie die des Terrorismus beschuldigten Palästinenser liquidiere, anstatt sie vor Gericht zu stellen. Was die israelische Opposition der Regierung Sharon täglich auf viel drastischere Weise vorwirft, durfte ich nicht öffentlich sagen. Darf in Deutschland nur die Linke Vergleiche mit den Verbrechen der NS-Zeit anstellen? Auch dann, wenn sie offensichtlich völlig unangemessen sind?“

Dann kommt Möllemann wieder auf den Irak und den bevorstehenden Krieg zu sprechen. So prognostizierte er einen Bürger- und Bandenkrieg, der sich mit Terroranschlägen auf den gesamten Nahen Osten erstrecken würde.

In diesem Kontext schlug Möllemann vor, dass die EU mit den Golfstaaten ein Sicherheitsabkommen abschließen sollte, was Deutschland wiederum ermöglichen würde, offen mit den Golfstaaten in Rüstungs- und Militärfragen zu kooperieren und die bis dahin in diesen Geschäften aktiven Franzosen, Briten und Amerikaner hinauszudrängen.

Er schreibt zum Schluss seiner Ansicht: „Heute ist nur noch selten die Rede davon, dass die Briten zusammen mit den anderen Weltmächten – die geschichtliche Verantwortung für das Pulverfass Naher Osten tragen. Einer meiner arabischen Gesprächspartner sagte mir einst mit großer Traurigkeit, es müssten britische Antisemiten und Araberverächter gewesen sein, die die Grenzen Israels gezogen hätten. Sonst wären nicht ausgerechnet viele heilige Orte des Alten Testaments in den Händen der Araber geblieben. Ich habe das erst später in seiner vollen Bedeutung erkannt. Ich wusste von solchen Feinheiten leider noch gar nichts, zumindest damals nicht, als Israels Regierungschef Shamir mir auf meine Frage nach dem Rückzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten die Gegenfrage stellte, ob ich Judäa und Samaria meinte. Viel später erst fand ich in dem Bestseller »From Beirut to Jerusalem« aus der Feder des bekannten Kolumnisten der New York Times, Thomas L. Friedmans, die einfühlsame und eindrucksvolle Begründung, warum und wie sich Israels Regierungen mit den militärischen Erfolgen ihrer hocheffizienten Armee in eine politische Sackgasse siegten: Judäa und Samaria waren nun in israelischer Hand. Wie sollte man vor sich selbst, seiner Religion und Geschichte – und gegenüber den eigenen politisch radikalen Kräften – begründen, warum man die heiligen Orte der Bibel wieder räumen solle?“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Eine weitere Aussage Möllemanns in seinem Buch dürfte ihm ebenfalls zum Verhängnis geworden sein – sie betrifft den Einigungsvertrag, den vor allem Kinkel als Staatssekretär im Justizministerium zusammen mit Schäuble, damals noch Staatsminister im Bundeskanzleramt, mit der DDR verhandelte. Zwischen 1986 und 1989 hatte die Stasi die dienstlichen und privaten Telefongespräche aller bundesdeutschen Regierungsmitglieder und Oppositionspolitiker auf Tonbänder gesichert, die man nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes aufgefunden hatte. Über diesen Fund hätte Kinkel vor dem Bundeskabinett berichten sollen, aber wie es der Zufall will, waren nach der Bundestagswahl 1990 die Bänder laut Aussage Kinkels vernichtet worden. Kein Wort mehr über deren Inhalte oder Brisanz.

Möllemann dazu weiter: „Ich höre Hans-Dietrich Genscher noch sagen: »Hoffentlich wissen das auch die Bänder und diejenigen, die sie vorher kopiert haben.« Später habe ich mich oft gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Fund der Tonbänder und Genschers Rücktritt gegeben hat. Jedenfalls fing Genscher um diese Zeit an, mit dem einen oder anderen von uns über die Absicht seines Rücktritts zu reden. Doch obwohl er schon so häufig davon gesprochen hatte, traf es uns wie ein Schlag, als er seinen Rücktritt dann plötzlich – ohne jede weitere Vorwarnung – öffentlich ankündigte. Was folgte, war eine Betriebsübergabe nach der Managementmethode »by Chaos«. Statt sofort eine Präsidiumssitzung einzuberufen und die weiteren Schritte zu ordnen, was dem üblichen Verfahren entsprochen hätte, reiste Otto Graf Lambsdorff, der damals Bundesvorsitzender der FDP war, für vier Tage nach Portugal – vier Tage, in denen eine wilde Kungelei die andere jagte. Noch heute rätsele ich, weshalb beiden, Genscher wie Lambsdorff, die Frage der Nachfolge im Auswärtigen Amt so wenig bedeutsam zu sein schien, dass sie sich zunächst kaum darum kümmerten. Immerhin ging es ja um das Amt des Außenministers und Vizekanzlers. Oder sind wir alle einer Inszenierung aufgesessen, bei der ein anderer Stratege die Regie führte?“ (Quelle: Jürgen Möllemann, „Klartext. Für Deutschland„)

Helmut Haussmann hatte nach der gesamtdeutschen Bundestagswahl ebenfalls angekündigt, nicht mehr für das Amt des Bundesministers für Wirtschaft zur Verfügung zu stehen.

Tja, wenn man dann das Gutachten des BUSt weiterliest, dann geht einem langsam ein ganzer Kronleuchter auf, denn da steht: „Die folgende Liste nennt alle damaligen Abgeordneten, die die HVA in Verbindung mit dem Arbeitskreis I in ihrer Datenbank verzeichnete; sie bildet aus den genannten Gründen aber eine höchst unvollständige Dokumentation. Die Namen anderer Politiker, die nicht Abgeordnete waren, werden hier nicht aufgezählt.
Conrad Ahlers (1x), Martin Bangemann (8x), Gerhart Rudolf Baum (1x), William Borm (4x), Karl Carstens (1x), Norbert Eimer (1x), Josef Ertl (2x), Olaf Feldmann (1x), Egon Franke (1x), Bruno Friedrich (1x), Liselotte Funcke (1x), Klaus Gärtner (2x), Hans-Dietrich Genscher (8x), Martin Grüner (2x), Hildegard Hamm-Brücher (11x), Helmut Haussmann (1x), Ottfried Hennig (1x), Friedrich Hölscher (1x), Hans-Günter Hoppe (11x), Kurt Jung (10x), Detlef Kleinert (2x), Karl-Hans Laer-mann (1x), Otto Graf Lambsdorff (3x), Walther Ludewig (9x), Kurt Mattick (1x), Wolfgang Misch-nick (1x), Jürgen W. Möllemann (29x), Karl Moersch (1x), Alfred Ollesch (1x), Rudolf Opitz (1x), Annemarie Renger (1x), Uwe Ronneburger (4x), Wolfgang Rumpf (1x), Helmut Schäfer (9x), Wal-ter Scheel (1x), Helmut Schmidt (1x), Helga Schuchardt (10 x), Manfred Vohrer (10x), Andreas von Schoeler (1x), Jürgen Warnke (1x), Friedrich Wendig (2x), Hans-Jürgen Wischnewski (1x), Manfred Wörner (2x), Torsten Wolfgramm (2x), Richard Wurbs (2x), Werner Zywietz (2x)“ (Quelle: BuSt „ Der Deutsche Bundestag 1949 bis 1989 in den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR –Gutachten für den Deutschen Bundestag gemäß § 37 (3) des Stasi-Unterlagen-Gesetzes , Seite 73 ff)

So gesehen gab es in dem Buch „Klartext“ zum damaligen Zeitpunkt des Erscheinens einigen Sprengstoff, der bei genauerem Hinterfragen und Recherchen nach der Parteispendenaffäre ein weiteres Erdbeben in Deutschland und seine Rolle im geopolitischen Weltgeschehen hervorrufen hätte können. Da passt auch wieder das geschäftige Treiben um die Liechtenstein-Affäre um Heinrich Kieber, die bereits in den Startlöchern stand, gut zusammen.

Ich weiß nicht, ob Möllemann sich das Leben genommen hat oder dabei nachgeholfen wurde.
Für beide Theorien gibt es Argumente. Vielleicht hat Möllemann tatsächlich beabsichtigt, sein Leben schnell und schmerzlos einem Ende zu setzen in dem Wissen, dass die Staatsanwaltschaft doch noch einige Goldnuggets aus seinen Firmenbüros und Privathäusern herausholen könnte, die auch seine Familie in arge Bedrängnis bringen könnten. Dann würde sich auch erklären lassen, wieso es keinen eindeutigen Abschiedsbrief gegeben hat – der profanste Grund dürften versicherungstechnische Angelegenheiten gewesen sei, um seine Frau und Kinder auch nach seinem Tod versorgt zu wissen. Immerhin konnte er ja noch die anrückenden Einsatzwagen der Staatsanwaltschaft vor seinem Haus verfolgen. Deswegen kam er verspätet am Flugplatz an, um seinen letzten Fall vom Himmel durchzuführen. Insofern ist es also schon komisch, dass Möllemann trotz dieses medienwirksam gestaltete Polizeiaufgebots vor seinem Haus sich nicht von seinem Vorhaben, einen Fallschirmsprung zu wagen, abhalten ließ. Ich persönlich hätte nach so einem Debakel andere Sorgen als mir einen Fallschirm anzuschnallen und den freien Fall zu genießen.
Es spricht aber auch einiges dafür, dass das Sicherheitssystem Cypres mithilfe einer EMP- oder Laserwaffe zielgerichtet deaktiviert wurde. Die Technologie dafür war bereits im Jahr 2003 ausgereift und kam auch im Irakkrieg zum Einsatz. Es mutet jedenfalls äußerst seltsam an, dass unmittelbar nach dem Tod von Möllemann sein politischer Kontrahent Michel Friedman als Drogenjunkie und regelmäßiger Konsument von ukrainischen Zwangsprostituierten geoutet wurde. Seine damalige Lebensgefährtin Bärbel Schäfer war zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger. An seine Erfolge als wortgewandter und provokativer Fernsehmoderator bei N24 konnte er nie wieder anknüpfen und seinen Posten als Vizepräsident des Zentralrats der Juden musste er ebenfalls räumen.
Insofern würde es mich also gar nicht weiter verwundern, wenn diesmal die üblichen Verdächtigen (Mossad, MI6) tatsächlich bei Möllemanns „Stunt in den Tod“ beteiligt waren und das Outen von Michel Friedman als Racheakt für Möllemanns Tod diesmal auf das Konto der alten Kameraden innerhalb deutscher Geheimdienste in Verbindung mit deutschen Industriekonzernen ging, die sicherlich nichts dagegen gehabt hätten, wenn Möllemann seine Beziehungen in den Nahen Osten für klandestine, ertragreiche Geschäfte weiterhin hätte spielen lassen ohne, dass man selbst ins Fadenkreuz gerät.
Es spricht viel dafür, dass Möllemanns Firma Web/Tec genau zu diesem Zweck als Verbindungsscharnier zwischen der Deutschen Bank, Siemens, Thyssen und Krupp sowie der Golf- und GUS-Staaten implementiert wurde, um durch die Hintertüre den Alliierten die Aufträge wegzuschnappen. Man denke mal nur an die Clearstream- und Yukos-Affäre aus meinen Ausarbeitungen zum Datenklau von Liechtenstein oder der Plutonium-Affäre.

Am Beispiel Griechenland möchte ich im nächsten Teil genauer aufzeigen, wie das in der Praxis aussieht, wenn Großkonzerne und Banken aus dem Hinterhalt Politik betreiben.

Weiter mit Teil 6

Zurück zum Anfang

Advertisements