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Zurück zu Teil 2

Es stellt sich bei diesem Reigen somit die Frage, wie tief das Privatbankhaus Sal. Oppenheim tatsächlich mit dem Flick-Konzern und der Parteispendenaffäre um Helmut Kohl verwickelt war.

Die Oppenheimbank wurde zur Zeit der französischen Revolution 1789 von Salomon Oppeneim gegründet, 1828 übernahmen dann seine Söhne Simon und Abraham das Bankgeschäft. Und hier zeigt sich wiederum eine eindeutige Parallele zum Bankhaus Rothschild, denn auch Simon Oppenheim wurde 1867 vom österreichischen Kaiser geadelt und in den Freiherrenstand erhoben, weil er den Krieg Österreichs gegen Preußen finanziert hatte. Nur ein Jahr später wiederfuhr ihm die gleiche Ehrung seitens Kaiser Wilhelm I. von Preußen, weil er da die Preußen im Krieg mit Österreich finanziell unterstützte.

An dieser Stelle fragt man sich schon, wer von den europäischen Bankiers wen beraten hat, denn die Rothschilds hatten das gleiche Spiel mit den Engländern und Franzosen abgezogen. Zum Beispiel Nathan Rothschild (1777 – 1836): 1808 gründete er in London die Bank N.M. Rothschild & Sons. In der FAZ vom 01.10.2008 „Finanzdynastie Rothschild: Im 20. Jahrhundert unerwünscht“ kann man u.a. lesen: „Politische Vorbehalte kannte Nathan ebenso wenig wie nationale Dünkel. Zunächst finanzierte er den Krieg der Engländer gegen Napoleon, um nach der Niederlage Frankreichs die französischen Reparationen vorzustrecken.“

Oder auch Jakob Rothschild. In Wikipedia steht dazu Folgendes: „Jakob Rothschild (1792–1868) war der jüngste der Brüder. Er ging 1812 nach Paris und etablierte dort Rothschild Frères zu einer der ersten Bankadressen und nannte sich fortan James de Rothschild. Als Berater von zwei französischen Königen wurde er der einflussreichste Bankier des Landes. In den folgenden Kriegen unter Napoleon III. spielte er eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Eisenbahnbaus und dem Bau von Bergwerken, was Frankreich dabei half, den wirtschaftlichen Rückschlag nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 zu überwinden und zu einer Industriemacht zu werden.“ (Quelle: Wikipedia)

Und so verwundert es gar nicht, dass alle Rothschild-Kinder in den Adelsstand erhoben wurden. Amschel Mayer Rothschild und Salomon Rothschild wurden 1817 bzw. 1822 vom österreichischen Kaiser Franz I. zu Freiherren geadelt.

Schließlich führt Wikipedia weiter an: „Beginnend in den letzten Jahren der napoleonischen Herrschaft tauschten die fünf Brüder nahezu täglich private und geschäftliche Korrespondenz aus. Schnell erweiterte man das Netzwerk auch auf außerfamiliäre Personen, in der Regel andere Bankiers, zu denen man besonders vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen pflegte (z.B. Sal. Oppenheim in Köln, Bleichröder in Berlin). Einige dieser so genannten „Agenten“ gab es auch außerhalb Europas. Während Briefe der Rothschilds untereinander bis in die 1850er Jahre fast ausschließlich im sogenannten Judendeutsch abgefasst waren, schrieben familienfremde Kontaktpersonen meist auf Deutsch und Französisch und ab den 1830er Jahren auch auf Englisch. Um ein möglichst hohes Maß an Schnelligkeit und Geheimhaltung zu gewährleisten, bauten die Rothschilds ein eigenes, effektives, aber auch kostenintensives Kuriersystem auf. Zum Transport wurden Pferde, Kutschen, Brieftauben und Schiffe eingesetzt, die Geheimhaltung sollte durch Codewörter und Verschlüsselungen gewährleistet werden. Sehr schnell wuchs die Größe und Qualität des Nachrichtensystems der Rothschilds, so dass es nicht nur mit demjenigen von Wettbewerbern, sondern auch mit dem ganzer Staaten vergleichbar war. Der Niedergang setzte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Einführung von Telegrafendiensten ein, da nun Kuriersysteme einerseits technisch überflüssig waren und andererseits größere Bevölkerungskreise nun günstig, schnell und zuverlässig an Informationen gelangen bzw. diese weiterleiten konnten.“ (Quelle: Wikipedia)

Robert Pferdmenges, einer der Key-Player im Flick-Spendenskandal (siehe meine Ausführungen zur Atlantik-Brücke – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls – Teil 7 sowie „Der Datenklau von Liechtenstein – Alte Kameraden stets zu Diensten – Teil 3) wurde dann am 01.01.1931 persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim jr. & Cie.

Interessant ist hierbei, dass die Schwester von Robert Pferdmenges den Onkel von Karl Friedrich Engels heiratete und wir wissen ja bereits, dass die Rothschilds auch bei der russischen Revolution von 1917 ihre Hände im Spiel hatten.

Am 20.05.1938 wurde das Bankhaus Sal. Oppenheim in Pferdmenges & Co umbenannt. Unmittelbar nach Kriegsende hatten die Amerikaner Robert Pferdmenges 1946 als Präsidenten der Industrie- und Handelskammer in Köln eingesetzt, allerdings wurde er bereits ein Jahr später von den Engländern wieder entlassen. Von Pferdmenges stammte auch der Schumann-Plan, der sich vor allem mit den wirtschaftlichen Problemen an der Ruhr zwischen Deutschen und Franzosen befasste. Hier ging es vor allem, die Beschränkung der deutschen Kohle- und Stahlindustrie aufzuheben, einer gemeinsamen Aufsichtsbehörde zu unterstellen und Saarland die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu entscheiden, ob es als autonome Provinz dem Europarat beitreten will. Die Konrad-Adenauer-Stiftung schreibt hierzu: „Als der französische Außenminister Robert Schuman am Nachmittag des 9. Mai 1950 vor die internationale Presse am Pariser Quai d’Orsay tritt, ahnen vermutlich nur wenige, dass sie Zeuge eines historischen Ereignisses sind. Die folgende Erklärung Schumans läutet eine neue Ära in der europäischen Nachkriegspolitik ein und gilt gemeinhin als „Geburtsurkunde“ der heutigen Europäischen Union.“ (Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung, „Vor 60 Jahren: Verkündung des Schumann-Plans“) .

Von 1948 bis 1951 leitete Pferdmenges gemeinsam mit Hermann Josef Abs für Friedrich Flick treuhänderisch den Flick-Konzern. Und jetzt wird es wirklich interessant, denn Josef Abs war nicht nur bis 1945 im Vorstand der Deutschen Bank, sondern auch Mitglied im Aufsichtsrat der I.G. Farben. In Wikipedia kann man dann weiter lesen: „Im Herbst 1944 war Abs Aufsichtsratschef der Mechanik GmbH Rochlitz, eines Hydraulik-Herstellers für die Kriegsproduktion, die in Wansleben Halle (Saale) ein unterirdisches KZ-Außenlager (Tarnname „Kali-Werk Georgi“) mit ca. 1.000 Zwangsarbeitern und Häftlingen betrieb. Kurz nach dem Angriff auf die Sowjetunion begrüßte Abs in einem flammenden persönlichen Schreiben an den führenden finnischen Bankier Rainer von Fieandt den Krieg gegen die Sowjetunion als Kampf „gegen den größten Feind aller Freiheit und Menschlichkeit“. Bis heute ist ungeklärt, was Abs als Aufsichtsrat der I.G. Farben vom Vernichtungslager Auschwitz und der dortigen Baustelle der I.G. Farben mitbekam. Die I.G. Farben baute für 900 Millionen Reichsmark, in ihrem größten Bauprojekt überhaupt, ein Bunawerk der Nähe des Vernichtungslagers. 25.000 Häftlinge starben auf der Baustelle oder im Außenlager Monowitz, das von der SS für die I.G. Farben betrieben wurde. Angesichts der großen Geldsumme für die Anlage müsste Abs weitreichende Kenntnisse gehabt haben. Im Rahmen seiner Tätigkeit als einer der führenden Bankiers Deutschlands und Aufsichtsratsmitglied in über 40 Banken und Industriekonzernen im In- und Ausland pflegte er intensive Geschäftsbeziehungen zur Spitze des OKW-Amtes Ausland/Abwehr. Ein besonders enger Kontakt bestand zum Chef der Abteilung I (Geheimer Meldedienst zuständig für Auslandsspionage und Nachrichtenbeschaffung), Oberst Hans Piekenbrock. Dieser Kontakt gestaltete sich zum gegenseitigen Vorteil, denn Abs war sowohl als Agent der Abwehr als auch als deren Auftraggeber tätig.“ (Quelle: Wikipedia)

1950 kamen schon damals Gerüchte auf, dass Robert Pferdmenges den Versicherungsgesellschaften Colonia, Concordia und Nordstern, wo auch Josef Esch als Versicherungskaufmann tätig war, Anweisungen erteilt haben soll, Spendengelder über das Bankhaus Sal. Oppenheim & Cie zu leiten.

Pferdmenges soll auch 1951 für Bundeskanzler Adenauer seine Beziehungen über den Generaldirektor Kost vom Magazin „Wirtschaftsbild“ für die Bundeskanzler-Werbung spielen lassen haben. Mittlerweile ist ja bekannt, dass Robert Pferdmenges und Konrad Adenauer dicke Freunde waren.

Im Deutschlandradio Kultur vom 27.02.2011 „Spende ohne Bestechung“ heißt es: „Da gibt und gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch ganz andere Kaliber als die Ehlerdings. Deutsche Bank-Chef Hermann-Josef Abs und Robert Pferdmenges von der Bank Oppenheim waren mit dem BDI-Präsidenten Fritz Berg die Elefantenmacher des ersten CDU-Vorsitzenden Konrad Adenauer. Abs und Pferdmenges waren gleichzeitig die Treuhänder für den Industriellen Friedrich Flick, als der nach 1945 von den Alliierten ins Gefängnis gesteckt wurde. Sofort als Flick 1950 freikam, überbrachte er der FDP die erste Spende. Flicks persönlich haftender Gesellschafter Wolfgang Pohle war gleichzeitig Schatzmeister der CSU. Er verknüpfte mit Spenden weiterer Unternehmen wie Siemens, Daimler und Allianz das „System Flick“ mit dem System des CSU-Vorsitzenden Strauß.[…] Auch der FDP-Spendensammler Jürgen Möllemann, der seine Karriere in einem Flick-Unternehmen begonnen hatte, war hierin ein Meister. „Von Möllemanns Luxemburger Kontensystem waren Millionen an die Liechtensteiner Curl AG geflossen. Von dort wanderte das Geld an die von Möllemann in Düsseldorf gegründete Firma WEB/EC.““

Nun gibt es zu besagtem Wolfgang Pohle eine weitere, recht interessante Geschichte zu erzählen, denn Wolfgang Pohle war auch der persönliche Kontenverwalter der Familie Strauß. Am 27.08.1971 verstarb dieser jedoch an einem plötzlichen Herztod.

Ich beginne mit dem zweiteiligen Spiegel-Artikel „Das Geld, die Macht und FJS“ vom 22.07.1996 (Teil 1) bzw. vom 29.07.1996 (Teil 2) , der ausführlich über Wolfgang Pohle und seine Rolle im Zusammenhang mit der engen Freundschaft zwischen Franz Josef Strauß und Friedrich Zimmermann berichtete. Zimmermann war damals Generalsekretär der CSU und leistete sich bei der so genannten bayerischen Spielbanken-Affäre einen Meineid vor Gericht. Von da ab bekam er von der Öffentlichkeit den Beinamen „Old Schwurhand“ auferlegt. Das schien aber nicht weiter zu stören, denn später wurde er CSU-Landesgruppenchef in Bonn, danach sogar Bundesinnenminister und zum Schluss Bundesverkehrsminister. Der damalige CSU-Mitbegründer Josef Müller, genannt „Ochsensepp“, der meinen aufmerksamen Lesern ebenfalls schon aus meinen Ausführungen zum Datenklau von Liechtenstein – Alte Kameraden stets zu Diensten – Teil 3 bekannt ist, bezeichnete Strauß und Zimmermann als die „trickreichen Unzertrennlichen“.

Dem Spiegel gemäß o.g. Artikeln zufolge lagen offensichtlich 11 Akten von Wolfgang Pohle vor, die man „zufälligerweise“ auf einem Flohmarkt der Diakonie erworben hatte. Der damalige Steueranwalt von Strauß, Reinhold Kreile, äußerte nach dem Fund der Akten den Verdacht, dass diese von der Stasi oder einem anderen osteuropäischen Geheimdienst dort bewusst lanciert wurden, denn er erinnerte sich daran, dass nach dem Tod von Pohle Mitte der 70er Jahre zweimal in dem Bonner Büro der „Friedrich Flick Industrieverwaltung“ eingebrochen wurde. Kreile selbst war damals Aufsichtsratsvorsitzender dieser Friedrich Flick Industrieverwaltung. Obwohl dort nach seiner Aussage Akten abhandengekommen wären, hätte ihn das aber weniger belastet, was schon sehr erstaunlich ist.

Er begründet das damit, dass die SPIEGEL-Affäre um Strauß mittlerweile längst verebbt gewesen wäre. Außerdem sei er von Willy Brandt und Herbert Wehner als gleichwertiger Partner in der Großen Koalition als Finanzminister akzeptiert worden und da hätte es ja keine weiteren Skandale mehr gegeben. Insofern hatte er wohl keinerlei politische Gefahren mehr zu befürchten gehabt. Zu dieser Zeit war Strauß bereits mehr oder weniger ohne Amt und fungierte lediglich als CSU-Vorsitzender, bevor er dann 1978 zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt, oder sollte man doch besser sagen, berufen wurde. Das blieb er dann auch bis zu seinem Tod am 03. Oktober 1988.

Jedenfalls geht aus diversen handschriftlichen Vermerken, Briefen und Buchhaltungsunterlagen hervor, dass „der Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß seit 1962 über einen Treuhandvertrag mit seinem Strohmann Friedrich Zimmermann, damals Mitglied des Verteidigungsausschusses des Bundestages und CSU-Generalsekretär, an einer Bau-Gesellschaft namens „Bau-Union“ beteiligt war, die auch Wohnungen für Bundeswehrangehörige errichtete – und zwar mit Spendengeldern, die der Partei zugedacht waren und eigentlich in die Parteikasse gehört hätten; […]Der gelernte Jurist Pohle, Jahrgang 1903, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine steile Karriere gemacht. Im Rahmen der Nürnberger Prozesse verteidigte er 1947 den Industriellen Friedrich Flick. 18 Jahre später war er persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter des Konzerns. Keine andere Partei besaß je einen solchen Kassenwart. Pohle trat als Spender und Empfänger in Personalunion auf. Das Haus Flick ließ sich die Pflege der politischen Landschaft Millionen kosten. Was der Schatzmeister Pohle benötigte, wies der Gesellschafter Pohle an. […]Strauß hatte 1969 dem Düsseldorfer Repräsentanten der Großindustrie einen sicheren Bundestagswahlkreis im Allgäu verschafft. Pohle besaß dank seiner beherrschenden Position bei Flick Einblick in Interna, die strengster Geheimhaltung unterlagen und unter allen Umständen vor der Öffentlichkeit verborgen werden mußten. Mit buchhalterischer Akribie hielt der penible Protestant sein Wissen in Aktenvermerken fest.“ (Quelle: Spiegel vom 22.07.1996 „Das Geld, die Macht und FJS„)

Strauß hatte offensichtlich Bestechungsgelder auf zahlreiche Sonderkonten deponiert, die seine Ehefrau Marianne penibel überwachte und gewinnbringend anlegte. Zimmermann selbst hatte angegeben, dass die zu versteuernden Gelder auf diesen Sonderkonten dem Staat hinterzogen wurden und auch der Partei nicht zugutekamen, obwohl die Kassen der CSU damals ständig klamm waren. Diesbezüglich hatte sich Pohle auch mehrmals in Briefen gegenüber Strauß´Steueranwalt Reinhold Kreile beklagt.

Am 29. Oktober 1970 schrieb er zum Beispiel hinsichtlich eines Sonderkontos beim Bankhaus Poensgen, Marx in Düsseldorf: „Die Partei befindet sich in argen Schwierigkeiten. Ich muß wahrscheinlich einen Überbrückungskredit eingeräumt erhalten. Bitte sprechen Sie auch gelegentlich mit Marianne oder mit Franz Josef darüber, daß gewisse Beträge, die auf das Konto Poensgen, Marx eingegangen sein müssen – z.B. Allianz, z.B. Bayerische Gemeindebank – nunmehr verstärkt von dort zur Verfügung gestellt werden müssen. Wir können später das Konto wieder auffüllen. Ich werde mit Franz Josef darüber auch sprechen. Sie wissen ja, daß er sich gern um solche Aussprachen drückt!“ (Quelle: Spiegel vom 22.07.1996 „Das Geld, die Macht und FJS„)

Am 06. November des gleichen Jahres folgte ein weiterer Brief: „Die Beträge, die an den Landesvorsitzenden gehen, sind im allgemeinen nur mit Schwierigkeiten herauszubekommen – wenn überhaupt.“ (Quelle: Spiegel vom 22.07.1996 „Das Geld, die Macht und FJS„)

Aus den Akten geht auch hervor, dass Franz Josef Strauß während der Anfangszeit seiner politischen Karriere 600 DM monatlich von der EDEKA-Einkaufskette erhielt. Hinzu kamen noch 800 DM von Bayerns optischer Industrie. Er muss auf diesen Sonderkonten schon damals eine Menge angespart haben, denn als Friedrich Zimmermann 1961 eines der Sonderkonten übernahm, waren darauf 650.000 DM gebunkert.

Am 01. April 1961 wurde das Sonderkonto II eröffnet, auf dem dann 5.000 DM monatlich und weitere Beträge eingegangen sind. Über die eingezahlte Gesamtsumme schwieg sich die Familie Strauß bis heute aus. Selbst dem Steueranwalt Kreile war angeblich nicht bekannt, wieviel Geld dort versickerte. Immerhin konnte von dort aus 250.000 DM bei der Bayerischen Gemeindebank und 460.000 DM beim Bankhaus Poensgen, Marx gewinnbringend angelegt werden.

Der Spiegel „Das Geld, die Macht und FJS“ berichtet dann weiter: „Daneben gab es noch das Strauß-Sonderkonto III mit dem Tarntitel: „Wirtschafts- und sozialpolitischer Informationsdienst“ – ein „reines Wahlkreiskonto“, wie Kreile vermerkte, über das der Vorsitzende allein verfügte. Kontostand zum 31. Dezember 1968: 125 000 Mark. Darüber hinaus existierten noch die Sonderkonten IV und V, über die Schatzmeister Pohle gebot. […]Strauß verfügte 1969 über die beiden offiziellen Parteikonten – eines bei der Dresdner Bank in Frankfurt, eines bei der Commerzbank in Bonn – und über die Sonderkonten II und III. Schatzmeister Pohle gebot gemeinsam mit Strauß über die beiden Parteikonten in Frankfurt und Bonn, außerdem über die Sonderkonten IV und V; über V gemeinsam mit dem amtierenden Generalsekretär, damals Max Streibl. Friedrich Zimmermann wiederum hatte seit 1961 Vollmacht für das Sonderkonto I, das ursprünglich Strauß eingerichtet hatte. […] Als Steueranwalt Kreile die Kassen unter die Lupe nahm, waren die beiden ordentlichen Parteikonten – das eine mit 965 000 Mark, das andere mit 740 000 Mark – „für das bei der CSU verbleibende Engagement“ zugunsten der „Bau-Union“ verpfändet, die gerade am Konkurs vorbeigeschlittert war.“

Über Pohles Geldwaschanlage innerhalb der katholischen Kirche konnte man dann erfahren, dass vor allem die Deutsche Kolping-Familie in Köln stets hilfreich zu Diensten war. Bei den Finanzämtern war sie wegen der „Förderung der Jugendpflegearbeit“ als gemeinnütziger und damit steuerbegünstigter Verein anerkannt und dort unter „Köln-Körperschaften“ seit dem 28. August 1951 geführt. Wie dort die Spendenpraxis funktionierte, habe ich bereits in der Flick-Parteispenden-Affäre in der Ausarbeitung „Die Atlantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls geschildert.

Vom Kolping-Haus erhielten jedenfalls großzügige Spender aus Großindustrie, Wirtschaft, Politik, Adel und Gesellschaft steuerabzugsfähige Quittungen, so auch die CSU.

Pohle hatte als Schatzmeister der CSU beispielsweise erhaltene Spenden von Siemens, Maxhütte, Allianz und Daimler-Benz in Höhe von insgesamt 235.000 DM über die Kolping-Brüder waschen lassen.

Wie kaltschnäuzig und selbstsicher Strauß mit Steuer- und Bestechungsgelder hantieren konnte, zeigte sich dann auch in der FIBAG-Affäre, die 1961/1962 ans Tageslicht kam.

Zusammen mit dem Passauer Verleger und guten Freund Evangelist Karpfinger hatte er 1960 eine Firma, die Finanzbau Aktiengesellschaft, gegründet. Zu der Zeit war Strauß Bundesverteidigungsminister, bis er schließlich 1962 wegen der Spiegel-Affäre zurücktreten musste, nachdem er das Parlament angelogen hatte. Hierzu schreibt Wilhelm Schlötterer in seinem Buch „Wahn und Willkür“: „„Zuvor schon war er [Strauß] in Verdacht geraten, er habe hinter der Verhaftung des Fibag-Finanzberaters Hans Herstatt gestanden, der ihn als Zeuge vor dem Fibag-Untersuchungsausschuss des Bundestags belastet hatte. Am Tag nach seiner Aussage war Herstatt in München verhaftet worden, Strauß hatte ihn wahrheitswidrig landesverräterischer Beziehungen bezichtigt. Ebenso wahrheitswidrig verbreitete die Justizpressestelle München, der verhaftete Herstatt habe inzwischen eine Ehrenerklärung für Strauß angeboten. Die Wahrheit war, dass die Staatsanwaltschaft Herstatt in 26 Tagen Haft vergeblich dazu gedrängt hatte. Das Verfahren gegen Herstatt wurde nach fünf Jahren ohne Verhandlung eingestellt. Unverkennbar ist, wie sich der Fall Herstatt und der Fall Augstein/Ahlers ähneln.“

Jedenfalls wollte man mit dieser Finanzbau Aktiengesellschaft für die in Westdeutschland stationierten Amerikaner Wohnungen bauen. Dafür entblödete sich Strauß nicht und schrieb gleich mal ein Empfehlungsschreiben an Thomas S. Gates, dem damaligen Chef des Pentagon.

Interessanterweise geriet dieses Empfehlungsschreiben dann in die Hände vom SPIEGEL, der schließlich die FIBAG- und kurze Zeit später die SPIEGEL-Affäre auslöste.

Während also noch große Aufregung um die zuvor genannten Affären innerhalb der Republik waberte und Strauß gegenüber dem Bundestag Rede und Antwort stehen musste, hatte er parallel und unbemerkt von der Öffentlichkeit zusammen mit Friedrich Zimmermann als Aufsichtsratsvorsitzender ein weiteres Unternehmen am Laufen gehabt, die sich „Bau-Union“ schimpfte.

Diese sollte diesmal Wohnungen für deutsche Soldaten bauen und dafür war dann auch kein Empfehlungsschreiben notwendig, denn zu dieser Zeit war Strauß ja noch Bundesverteidigungsminister und oberster Dienstherr der Bundeswehr. Er konnte also getrost selbst entscheidenden Einfluss auf die Oberfinanzdirektion bezüglich Bauaufträge nehmen. Praktischerweise war Zimmermann zu dieser Zeit CSU-Schatzmeister, bevor er dann von Wolfgang Pohle abgelöst wurde. Leider war wohl die Zeit dann doch zu kurz, um dieses Geschäft so richtig zum Florieren zu bringen, denn nachdem die „Bau-Union“ erst einmal zahlreiche Grundstücke für die Standortplanungen der Bundeswehr aufgekauft hatte, musste Strauß sich von seinem Amt verabschieden. Die „Bau-Union“ machte daraufhin Pleite, weil sie die bereits erworbenen Grundstücke nicht mehr gewinnbringend abstoßen konnte. Die für die „Bau-Union“ kreditgewährenden Banken waren natürlich richtig sauer und bevor es wieder zu einem öffentlichen Skandal kam – Strauß war mittlerweile seit 1966 Bundesfinanzminister – hatte Zimmermann unauffällig am 30.06.1967 sein Amt als CSU-Schatzmeister niedergelegt und machte damit für den Düsseldorfer Wolfgang Pohle Platz, der klammheimlich und ohne großes Aufsehen das Debakel unter dem Teppich kehren konnte.

So schrieb der Spiegel „Das Geld, die Macht und FJS“ vom 29.07.1996: „Am Ende gelang es Pohle, in aller Stille die Gläubigerbanken zufriedenzustellen – ohne daß der eigentliche Schuldner, Franz Josef Strauß, auch nur einen Pfennig seines privaten Geldes verlor. Etwa zwei Millionen Mark mußte – wie Pohle festhielt – zum 1. April 1970 die Gläubigerbank Lenz in München bekommen. Pohle selbst stiftete via Flick 300 000 Mark. Den Rest wollte er von einem Schweizer Konto holen, auf das potente deutsche Spender, die auf Anonymität Wert legten, der CSU gelegentlich Geld überwiesen. Zugriff auf dieses Konto hatte allerdings nicht Pohle, sondern nur der Amtsvorgänger Zimmermann. Und auch der konnte nur mit tätiger Hilfe seines Sozius Eduard Oehl an das Geld kommen, das als „Spende“ einer „Schweizer Aktiengesellschaft“ ausgegeben wurde.“

Um den heimlichen Deal vollkommen zu machen, kamen noch zwei andere Strauß-Spezis ins Spiel, die jeweils mit 400.000 DM aushalfen – es war der Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, Anton Ernstberger, und Karl Theodor Jacob, CSU-Landrat a.D. und Präsident der Bayerischen Gemeindebank.

Alle waren auf jeden Fall wieder glücklich und so konnte Zimmermanns Vertreter der „Bau-Union“, Peter Schmidhuber als EG-Kommissar nach Brüssel gehen und bekam einen Vorstandssessel bei der Deutschen Bundesbank. Zimmermann wiederum stieg zum Bundesinnenminister auf. Erst als Strauß verstorben war, wurde er von seinem Posten abgelöst und mit dem Ressort Verkehr abgespeist.

Nach Wilhelm Schlötterers Buch „Wahn und Willkür“ hatte Strauß im Rahmen einer Testamentsvollstreckung vom Baur-Versand 300.000 DM pro Jahr erhalten, die aber nach dem Willen der Witwe Kathi Baur auf 60.000 DM herabgesetzt werden sollte. Strauß gründete daraufhin die unter Aufsicht der Regierung von Oberbayern gestellte Stiftung KBV und leitete die 300.000 DM darüber um, ohne den Stiftungsrat über den geänderten Willen der Witwe zu informieren. Diese Praxis wurde später im so genannten „Amigo“-Untersuchungsausschuss zutage gefördert.

Schlötterer schreibt hierzu in seinem Buch weiter: „„Bald darauf traf ich den Präsidenten des Rechnungshofs. Er fragte mich, ob nach meiner Einschätzung „mit einer öffentlichen Untersuchung über die Herkunft des 130-Millionen-Mark-Vermögens der Frau Hohlmeier“ zu rechnen sei. Dass er dieses Vermögen als feststehende und bekannte Tatsache betrachtete, überraschte mich. Aber ich ging davon aus, dass er in seiner Position Einblick hatte und nicht auf Gerüchte angewiesen war. Dass er, ein treuer CSU-Mann, Strauß und seine Tochter unbegründet in Verruf gebracht hätte, war auszuschließen. Geht man davon aus, dass jeder der drei Strauß-Kinder gleich viel geerbt hat, hätte Strauß ein Vermögen von 450 Millionen Mark hinterlassen. Im Juni 1999 hat die Staatsanwaltschaft Augsburg eine Überprüfung durch das Finanzamt erbeten, ob ein „bei Max Strauß festgestelltes Wertpapiervermögen“ in Höhe von 108 Millionen Mark ordnungsgemäß versteuert worden sei. Die Presse spekulierte, dies sei ein Teil der von F.J. Strauß hinterlassenen Erbschaft. Die Auskunft des Finanzamts ist unbekannt.“

Jedenfalls führt mich das immer wieder zu der gleichen Frage, inwieweit Geheimdienste ihre Finger mit im Spiel haben. Agierten Bietmann und Müller mit ihrer BIP bzw. GWG möglicherweise nur als Strohmänner für die Stasi oder auch andere Geheimdienste?

Offensichtlich gibt es ja zahlreiche Verbindungen zum Osten. Als Gedankenvermerk sei ein Artikel des Handelsblatt „Ex-BND-Chef arbeitet für die Deutsche Bank“ vom 05.02.2012 angeführt.

Darin heißt es: „Der frühere Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, arbeitet als freier Berater für die Deutsche Bank. Wie das Geldinstitut am Sonntag bestätigte, berät der 65-jährige das Haus seit dem 01. Februar in Fragen der globalen Sicherheit. Uhrlau sei seit Anfang Februar als freiberuflicher Berater für die Deutsche Bank tätig, sagte der Sprecher. Dem Magazin zufolge ist der neue Job mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) abgesprochen und von diesem gebilligt worden.“

Da die Deutsche Bank bekanntlich Sal. Oppenheim für 1 Milliarde Euro gekauft hat, sollte dieser Meldung besondere Beachtung geschenkt werden, da möglicherweise nicht nur Uhrlau, sondern zahlreiche BND-Mitarbeiter(innen) für dieses Geldinstitut tätig sind. Neuer Chef der Sal. Oppenheim ist Wilhelm Freiherr von Haller.

Und dann sollte man noch etwas wissen: Die Sal. Oppenheim Bank machte stets ein großes Geheimnis um ihre Investoren, man spricht sogar von Investoren aus dem Iran. So schreibt die Jüdische Allgemeine vom 20.08.2009 „Das Iran-Konto“: „Einer Bank kann man nicht verübeln, dass sie in der ganzen Welt betuchte Kunden umwirbt. So macht es auch das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, das seit 220 Jahren ein sicherer Hort für Vermögen aller Art ist. Scheichs waren darunter, regierende und nicht mehr regierende Herrscherfamilien aus entlegenen Ecken der Welt sowie Unternehmer, denen der Londoner Finanzstandort zu riskant und der Schweizer Bankplatz zu verpönt war. Manchmal sah etwas nach Schwarzgeld aus, das man in einen vermeintlich sicheren Hafen bugsieren wollte. Also fiel die Wahl nicht selten auf Oppenheim, aber nicht auf das private Bankhaus in Köln mit seiner edlen und fast schon skurrilen Miniaturschalterhalle, sondern auf die BHF-Bank in Frankfurt/Main, die für internationale institutionelle Kunden, also große Fonds, zuständig ist und auch zu Oppenheim gehört. […]Ein BHF-Kunde, so wurde jetzt bekannt, ist auch der Iran, genauer: Iranische Staatsfonds und die iranische Zentralbank haben ihr Geld dem kleinen Oppenheim-Imperium anvertraut. Das wird jetzt zum Problem für die Deutsche Bank, die Oppenheim übernehmen will. Geld aus dem Iran ist anrüchig – schließlich wird damit auch das iranische Atomprogramm bezahlt. Die Deutsche Bank will sich aber nicht als Finanzier von als Wiederaufbereitungsanlagen oder Kernkraftwerke getarnten Fabriken von Atomsprengköpfen des Mahmud Ahmadine- dschad hervortun. […]Dass es gleich sechs Milliarden Euro sind, die im Wesentlichen von der Teheraner Staatsbank auf die iranischen Konten der BHF-Bank geflossen sind, macht die Sache sehr happig. Irans Gelder bei Oppenheim wären vermutlich nie aufgefallen, wäre nicht die Karstadt-Pleite dazwischengekommen.“

Und das Handelsblatt vom 23.08.2015 schreibt im Artikel „Deutsche Bank zeigt reiche Kunden an“: „Die umstrittenen Fonds der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim könnte für die reichen Kunden schwerwiegende Folgen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung. Die Anzeige kommt von der Bank selbst. […]In den Jahren 2007 und 2008 hatte die damals noch eigenständige Privatbank Sal. Oppenheim die Fonds an ihre Klienten verkauft. Die Investoren konnten ihr Geld auf diese Weise in eigens für sie konzipierte Produkte stecken, in denen sie Spekulationsgewinne steuerfrei verbuchen konnten – und zwar auch nach Einführung der Abgeltungssteuer ab 2009. Die Deutsche Bank hat die Sache wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung nun bei den Behörden zur Anzeige gebracht. Sie hatte Hinweise darauf gefunden, dass die Anleger in die Dispositionen des Fonds eingegriffen haben. Das könnte das Fondsprivileg gefährden.“

Ein Leserbrief von Werner Rügemer, bereits am 28.10.2008 veröffentlicht auf www.linksnet.de/de/artikel/23780 – merkt grundsätzlich u.a. Folgendes an:

Eine Vorstufe zur Sitzverlagerung der Bank Oppenheim nach Luxemburg war der 2005 getätigte Kauf des Luxemburger Finanzdienstleisters Services Généraux de Gestion S.A. (SGG). Dieses nun 100-prozentige Tochterunternehmen, spezialisiert auf das so geannte „Domizilierungsgeschäft“ (Einrichtung und Verwaltung von Unternehmensmänteln), bietet Oppenheim-Kunden „massgeschneiderte Finanzlösungen zur Vermögensstrukturierung“.

Jeder und jede kann im zuletzt erschienenen Geschäftsbericht der Bank Oppenheim nachlesen, dass die Bank inzwischen weitere SGG-Filialen unterhält, und zwar vorzugsweise in weiteren Steuer- und Finanzoasen: so z.B. in Vaduz/Liechtenstein, Genf/Schweiz, Nicosia/Zypern, Tortola, Port Louis/Mauritius und Panama City.

(Die folgenden fettgedruckten Sätze und Satzteile sollten zunächst gestrichen Werden, doch hier hat die Bank nach der ersten juristischen Runde einen Rückzieher gemacht:) Weitere Tochterunternehmen in Finanzoasen unterhält die Bank z.B. auf den Cayman Islands (Pramerica Alpha Fixed Income Opportunity Fund Cayman I; Azimuth Capital Preservation Fund II), in Wilmington/Delaware (Sal. Oppenheim Corporate Finance North America Holding LLC), zahlreiche etwa in Dublin.

Und dann fragt man sich natürlich auch, wieso alle betroffenen Unternehmen und Kommunen bei der Zahlung der von Esch weit über den üblichen Mietzins festgesetzten Mietkosten mitspielten. Gab es außer bei RTL, ProSieben und MMC auch andere Unternehmen oder Kommunen, die aus diesen langjährigen Knebelverträgen wieder herauswollten und das auch schafften? Wie hat man sich dann geeinigt?

Gab es schon vor dem Aufkommen der großen „Skandale“ in und um Köln Klagen und Gerichtsverfahren? Oder diente das alles vielleicht nur als Zugpferd bzw. Köder für unbedarfte, vermögende Kleinunternehmer und wohlhabende „Nobodies“, um ihnen besser das Geld aus der Tasche ziehen zu können und sie so um ihr Hab und Gut zu bringen, indem man sie in die Privatinsolvenz bzw. Konkurs treibt?

In diesem Zusammenhang wäre auch mal interessant, weitere Verbindungen des Josef Esch zu untersuchen, z.B. zu Franz-Josef Pooth, dem Ehegatten von Verona Feldbusch, oder auch Carsten Maschmeyer, den bekannten Investitionsbetrüger und Baulöwen Jürgen Schneider sowie dem Anlagebetrüger Jürgen Harksen.

Spiegel Online vom 21.02.2009 „Ein grandioses Geschäft“ berichtet hierzu folgenden Sachverhalt, der KarstadtQuelle betraf.

In der Zeit, als Wolfgang Urban Vorstandschef der KarstadtQuelle war, wurde im Februar 2001 ein Deal zwischen Esch, Leo Herl, Matthias Graf von Krockow und Wolfgang Urban ausgeheckt, wonach etwa 30 bis 40% der lukrativsten Immobilien von KarstadtQuelle an die Oppenheim-Esch-Gruppe verkauft werden sollte. Dieser Deal ließ sich jedoch nicht so verwirklichen, wie man sich vorstellte, aber immerhin gelang es Esch, im Jahr 2003 fünf der heißbegehrten Standorte in München, Karlsruhe, Wiesbaden, Potsdam und Leipzig zu erwerben. Die Kaufhäuser wurden entsprechend umgebaut und erneut und wieder an KarstadtQuelle zu einem überhöhten Mietzinssatz von bis zu 17,2 Prozent vom Umsatz (üblich waren zu dieser Zeit maximal 7 bis 9%) vermietet, was in Euro ausgedrückt eine Jahresmiete von 42,6 Millionen bedeutete. Allerdings war Wolfgang Urban auch Privatinvestor bei Oppenheim-Esch-Fonds. Deswegen wurde vor Abschluss des Mietvertrags am 01.10.2002 vereinbart, dass KarstadtQuelle einen finanziellen Ausgleich für die Bauprojekte aus dem Fond anderer Immobilienprojekte bekommt. Diese Vereinbarung wurde nur deswegen schriftlich festgehalten, weil die Juristen des Konzerns darauf bestanden bevor der Mietvertrag unterzeichnet wurde. Als dann Urban 2004 von Thomas Middelhoff abgelöst wurde, galt nach Auffassung der Oppenheim-Esch-Fonds diese Vereinbarung nicht mehr, weil sie als Zusatzklausel vorsah, dass „die Führungsspitze, Vorstands- und Aufsichtsrats-Struktur mindestens 5 Jahre und länger erhalten bleiben“.

Middelhoff ließ zwar durch seine Juristen überprüfen, ob nicht doch gegebenenfalls auf den Weiterbestand dieser Vereinbarung geklagt werden kann, gleichzeitig ließ er die Esch-Immobilien-Projekte vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen BDO analysieren und bewerten, die auch zu einem vernichtenden Ergebnis der in Rechnung gestellten Kaufpreise kam, doch letztendlich verzichtete der freiwillig auf Schadensersatzansprüche und Geldeinforderungen über den Klageweg mit der Begründung, diese Klagen hätten keine Aussicht auf Erfolg. Der ehemalige Justiziar von KarstadtQuelle unter Urban, Bernd Volker Schenk, sah das jedoch anders. Die Summe, um die es hier gegangen wäre, liegt im dreistelligen Millionenbereich.

Dazu liegt nach SPIEGEL Online vom 13.07.2009 „Der unglaubliche TM“ von Schenk ein Schreiben vor: „Schreiben Nummer 2 ist ein Dossier, datiert auf dem 08. November 2006, das der Ex-Syndikus des Konzerns, Bernd-Volker Schenk, damals schon Rentner, „Persönlich/Streng vertraulich“ an Middelhoff geschickt hatte. Middelhoff hatte Schenk extra kontaktiert, damit er noch mal tätig wurde. In dem Papier heißt es: „Das Mindest-Ertragspotential aus Drittgeschäft für KarstadtQuelle beläuft sich … auf 108 Millionen Euro. Über dessen Abgeltung muss der Vorstand der KarstadtQuelle AG mit Herrn Esch vor Eintritt der Verjährung entweder ein Verhandlungsergebnis erzielen oder aber die Forderung verjährungsunterbrechend gerichtlich geltend machen.“ Also doch: Esch verklagen.“

Pikant ist nur, dass auch Thomas Middelhoff zu den Privatkunden von Esch zählt und von den zahlreichen Fonds, eben auch denen, die von KarstadtQuelle angemietet wurden, persönlich profitiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Die deutsch-skandinavische Beteiligungsgesellschaft Triton soll sich nach der WELT Online vom 25.04.2010 „Wer ist der geheimnisvolle Kartstadt-Bieter“ als einziger Interessent für Karstadt interessiert haben. So heißt es dort: „Das 1998 gegründete Unternehmen investiert üblicherweise vor allem in Industrie- und Logistikunternehmen. Zu den Investoren soll auch die Familie des schwedischen Ikea-Gründers Kamprad gehören.“

Dabei hat diese Gesellschaft bereits rund 2 Milliarden Euro in Deutschland investiert, weitere 2,5 Milliarden Euro stehen bereit. Welt schreibt dann im o.g. Artikel weiter: „Hinter dem Unternehmen steht Johannes Maret (59), der seit 1999 bei Triton tätig ist. Zuvor leitete er zunächst das Düsseldorfer Büro und anschließend die gesamte Deutschland-Organisation der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen. 1996 wechselte er als persönlich haftender Gesellschafter zum Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, wo er die Bereiche Investmentbanking, Finance und Operations leitete. 2002 schied Maret bei Oppenheim aus. Heute ist er unter anderen noch Aufsichtsrat bei MLP.“

Interessanterweise war auch der Aufsichtsratschef von Arcandor, Carl-Friedrich Janssen bei Arthur Andersen beschäftigt, bevor er zu Sal. Oppenheim wechselte. Wiederum auf Linksnet in dem zuvor von Werner Rügemer zitierten Leserbrief kann man weiterlesen:

Lügenbaron?

In Liechtenstein hält die Bank über die Cavall AG eine Bankbeteiligung usw. Es geht selbstverständlich nicht nur um Steuern, das Dienstleistungsangebot von Finanzoasen ist wesentlich breiter. Das sieht man etwa an der Bankbeteiligung über Liechtenstein oder an der Holding in Delaware, in der Oppenheim ihre US-Beteiligungen bündelt. Der Baron sagt, dass die vom Interviewer angesprochene Niederlassung der Oppenheim-Tochter BHF-Bank in der Finanzoase Jersey (englische Kanalinsel) in diesem Jahr aufgelöst wurde. Das mag zutreffen. Allerdings hat die Bank ihre Präsenz in Jersey anderweitig kräftig ausgeweitet. So kaufte etwa die Oppenheim-Tochtergesellschaft Triton, spezialisiert auf den Private Equity-Aufkauf lukrativer Mittelstandsunternehmen, die größte Fensterbaufirma in Deutschland, WERU. Zu deren Verwaltung und Gewinnabschöpfung unterhält Triton in Luxemburg die WERU Luxco S.a.r.l., die wiederum – das gehört zu diesem ebenso professionellen wie infantilen Versteckspiel – von der Briefkastenfirma Triton Managers Limited mit Sitz in St. Hélier in der Finanzoase Jersey verwaltet wird; Triton Managers tritt wiederum als General Partner der 11 (elf!) Briefkastenfirmen The Triton Fund L.P. No. 1 bis Triton Fund No. 11 mit Sitz ebenfalls in Jersey auf und handelt schließlich im Namen der Briefkastenfirma Brederode International S.a.r.l., die ihren Sitz in Luxemburg hat.“

Wenn also die Triton zu Sal. Oppenheim gehört, dann hätte man ja weiterhin das Ziel, den großen Strategie-Plan von Middelhoff, im Auge. Zum Zuge kam jedenfalls dann Nicolas Berggruen mit seiner Berggruen Holdings; er ist im Übrigen auch Mitglied des Council of Foreign Relations.

Vielleicht gibt es aber über den Kölner Klüngel noch weitere Spuren, die auch möglicherweise zu den rätselhaften Todesfällen um Jürgen Möllemann und Uwe Barschel sowie den Mordfall auf Vorstandssprecher der Deutschen Bank , Alfred Herrhausen führen.

Weiter mit Teil 4

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