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Wie sich plötzlich alle Parteien einig sind, wenn es um den Betrug an der deutschen Bevölkerung, das Unterschlagen von Steuergeldern und das Ausrauben von Kleinsparern geht, zeigt sich ganz deutlich im sogenannten Kölner Klüngel.

Diese Geschichte dreht sich um die Machenschaften eines gewissen Josef Esch, der nicht nur Parteien und Stadtväter für Großprojekte im Bau- und Immobiliensektor rund um Köln bestach bzw. bestechen ließ, sondern gleichzeitig über sein Firmengeflecht satte Provisionen einstrich.

Sein letzter Coup riss schließlich sowohl das Privatbankhaus Sal. Oppenheim als auch das KarstadtQuelle-Imperium um Madeleine Schickedanz, die spätere Arcandor-Gesellschaft mit dem Reiseunternehmen Thomas Cook und Promondo, in den Abgrund.

Damit verloren nicht nur tausende Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, sondern sorgte auch dafür, dass noch Generationen von Bürgern für diese Pleiten mit ihren Steuergeldern gerade stehen müssen.

Begonnen hatte alles Ende der 80er Jahre, als Josef Esch noch Maurerpolier war und sich auch gerne neben den hauptberuflichen Tätigkeiten um die kleinen Alltagssorgen seiner Kundschaft nach Feierabend kümmerte; ob es sich um verstopfte Dachrinnen oder ein Wasserrohrbruch handelte – Esch war immer zur Stelle.

Als sein Vater Christian 1986 starb, übernahmen er und sein älterer Bruder Matthias das Baugeschäft ihres Vaters. Schon bald „entdeckte“ Josef sein Talent dafür, Leute schwindlig zu reden und ihnen allerhand auf dem Gebiet von Finanzierungsangelegenheiten, insbesondere im Bereich von Bauvorhaben und Architektur, Verträge aufzuschwatzen.

Während sein Bruder die Leitung des Baugeschäfts übernahm, diente er sich als Versicherungskaufmann bei der zu Oppenheim gehörenden Versicherungsgesellschaften Colonia und Nordstern an.

Auf Zahnarztkongressen verkaufte er Immobilien samt Steuersparmodelle; dabei setzte er hohe Kosten für Werbung, Maklerprovisionen und Projektentwicklungen an, die allesamt wiederum seitens der Investoren von der Steuer abgesetzt werden konnten. Nebenbei schaffte er es auch immer wieder, langfristig laufende und überteuerte Mietverträge abzuschließen.

Irgendwann interessierten sich auch die Superreichen und Prominenten für seine Geschäfte mit der Aussicht auf lukrative Immobilienschnäppchen und hoher Gewinnausschüttung auf Kosten der Steuerzahler.

Aus dem erlauchten Kreis stammte auch Irma, die Ex-Frau von Manfred Manglitz, der von 1963 bis 1971 Torwart der Fußball-Bundesliga gewesen war, bis er schließlich aufgrund Bestechlichkeit als Spieler gesperrt wurde. So kam es, dass Irma und Josef im Januar 1989 heirateten.

Offensichtlich hatte Josef Esch als Versicherungskaufmann seinen Job so gut gemacht, dass die Adligen Alfred Freiherr von Oppenheim und Graf Krockow, Mitgesellschafter des Privatbankhaus Sal. Oppenheim, ihn unter ihre Fittiche nahmen. Dieses Triumvirat gründete im Juni 1991 die Oppenheim Immobilientreuhand, aus der sich später die Oppenheim-Esch Holding entwickelte.

Graf Krockow selbst war unter anderem für die Chase Manhatten Bank, die Citibank in New York sowie als Assistent für David Rockefeller tätig, bevor er schließlich 1984 zur Sal. Oppenheim jr. & Cie KGaA wechselte.

1976 hatte Graf von Krockow die aus der Oppenheim-Familie stammende Ilona Baronesse von Ullmann geheiratet. Im Immobiliengeschäft der Oppenheims gelang es Esch, die angeschlagene Sparte „Privatkunden“ der Oppenheim Bank, die von Graf von Krockow (Vorstandssprecher der Bank) geleitet wurde, wieder aufzuwerten. Nebenbei verhalf er der Baronin Karin von Ullmann zu dem überaus erfolgreichen Rennstallgestüt Schlenderhahn.

Damit entwickelte sich nach und nach eine enge, aber auch verhängnisvolle Freundschaft zwischen diesen drei von der Abstammung her so unterschiedlichen Männern.

Auch geschäftlich wuchsen sie enger zusammen; mit Graf von Krockow teilte sich Esch die Privatfluggesellschaft Challenge Air, zu deren Bestand vier Flugzeuge zählten, und die Berliner Sicherheitsberatung Consulting Plus.

Neben Graf von Krockow schienen auch die beiden anderen Chefs der Sal. Oppenheim-Privatbank, namentlich Georg Baron von Ullmann (Ullmann folgte dem im Jahr 2005 verstorbenen Alfred Freiherr von Oppenheim als Aufsichtsratsvorsitzender der Sal. Oppenheim nach) und Christopher Freiherr von Oppenheim von dem Emporkömmling angetan gewesen zu sein.

Mit Hilfe des erlauchten Kreises kam Esch auch zu Kontakten mit hochrangigen Lokalpolitikern beider Parteien, Amtsinhabern der Stadt Köln und der „feinen“ gutbetuchten Gesellschaft.

Über diese gräfliche Schiene lief auch der Kontakt zu dem damaligen Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier, der zugleich SPD-Fraktionsvorsitzender von Troisdorf war.

Ruschmeier war Esch gerne dabei behilflich, sein erstes großes und privates Finanzierungsmodell zur Köln-Arena (jetzt Lanxess-Arena) und damit verbunden auch zum Bau eines neuen Rathauses in den Jahren 1995 bis 1998 hochzuziehen.

Bezahlt wurde dieses Projekt von 77 Fondszeichnern mit einer Höhe von insgesamt 900 Millionen DM und durch Grundstücksverkäufe mit Renditen von bis zu 10%. Als Gegenleistung „durfte“ die Stadt Köln, respektive die Steuerzahler, langfristige Knebelmietverträge (30-Jahres-Mietvertrag für das Rathaus bei einer Gesamtfläche von 160.000 Quadratmeter; tatsächlich genutzt werden konnten aber nur 106.000 Quadratmeter) abschließen.

Das ist umso bemerkenswerter, weil zuvor die Stadt Köln Eigentümerin dieser Grundstücke gewesen war. Damit hätte sie das Bauvorhaben zu wesentlich günstigeren Kreditkonditionen über die Kommune finanzieren können. Um aber noch eins draufzusetzen, erklärte sich die Stadt zusätzlich bereit, die Kosten für die Verkehrsanbindung in Höhe von rund 50 Millionen DM zu übernehmen. Mieten für Parkplätze und gewerbliche Räume einschließlich aller erforderlichen Reparaturen werden ebenfalls von der Stadt bezahlt, sofern sich kein anderer Mieter findet.

Der Holzmann-Konzern, der sich an dem Arena/Rathaus-Projekt beteiligte, verpflichtete sich mit seiner Tochterfirma Arena Management GmbH zur Miete der Arena für 24 Millionen DM im Jahr bei einer Mindestmietlaufzeit von 20 Jahren.

Als bei Holzmann schließlich der Konkurs drohte, bekam er von Altbundeskanzler Gerhard Schröder eine Finanzspritze von 55 Millionen Euro zur Rettung von Arbeitsplätzen. Diese Millionen benutzte dann Holzmann, um sich vom Betreibervertrag bei Esch/Oppenheim freizukaufen.

Lachender Dritter war neben Esch/Oppenheim auch Lothar Ruschmeier, der wenige Tage nach seinem Ausscheiden aus der Stadtverwaltung mit einem üppigen Pensionssalär gleich als Geschäftsführer für die Oppenheim-Eschgruppe in Troisdorf-Sieglar eingesetzt wurde und sich damit noch zusätzlich zu seiner Pension ein kleines Zubrot verdienen konnte. Na ja, im Jahr 2012 starb er dann gerade mal mit 66 Jahren.

Jedenfalls schien den damaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes das merkwürdige Geschäftsgebaren seines Parteikollegen Ruschmeier nicht weiter zu stören. Auch Wolfgang Clement, im Übrigen ein guter Freund von Lothar Ruschmeier, fand nichts weiter dabei.

Besonders pikant bei der Sache ist, dass Ruschmeier bereits im Kölner Mullskandal um Trienekens verwickelt war, aber dazu später mehr im zweiten Teil dieser Abhandlung. So schrieb die Webseite prokoeln.org in ihrem Artikel „Zentrale Figur des Kölner Klüngelunwesens verstorben“ vom 21.08.2012: „Im Zuge der juristischen Aufarbeitung des Megaskandals um den Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage (MVA) wurde im Jahr 2004 auch der ehemalige Oberstadtdirektor vor Gericht vernommen. Als Verwaltungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzender der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (AVG) war er stets ein großer Befürworter der Müllverbrennungsanlage gewesen und hatte sich dafür auch im Stadtrat stark gemacht. Ruschmeier, der den Bau als „bedeutendste Entscheidung in meiner Karriere“ bezeichnet hatte, lieferte vor Gericht eine skandalöse Show ab. „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern“ war einer von Ruschmeiers Standartantworten. Die „taz“ titelte damals richtig: „Ein Mann ohne Vergangenheit“. Ruschmeier litt unter so großem Gedächtnisschwund, daß es selbst dem Vorsitzenden Richter zuviel wurde: Im Nachgang zur Vernehmung ordnete er eine Durchsuchung von Ruschmeiers Privatwohnung und seinem Büro bei Oppenheim-Esch an. Wiederum wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wiederum wurde es später eingestellt.“

Dass damals nach seiner Pensionierung als Oberstadtdirektor der übergangslose Wechsel zu dem Oppenheim-Esch-Fonds nicht große Wellen schlug, ist vor allem dem Verleger der „Kölnischen Zeitung“, Alfred Nerven DuMont zu verdanken, obwohl sich so mancher fragte, wie er es geschafft hatte, die Stadtsparkasse Köln zu hohen Mitbürgschaften für einige Objekte zu verleiten.

Als Vermögensverwalter des Oppenheim-Esch-Fonds betreute Josef Esch zu diesem Zeitpunkt zwölf der reichsten Familien Deutschlands mit einem Gesamtvermögen von rund 30 Milliarden DM einschließlich das Führungspersonal von Sal. Oppenheim; hierzu gehörten die Oetkers, Werhahns, Haniels, Deichmann, LTU-Erbin Vera Conle-Kalinowski, Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, BoFrost-Gründer Josef Boquoi, Ex-Bundesbankchef Karl-Otto Pöhl, CDU-Schatzmeister Walther Leisler-Kiep, MAXDATA-Gründer Holger Lampatz, die Müncher Privatbankiers Wilhelm von Finck jun. und sen. sowie Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, der später auch die KarstadtQuelle übernehmen sollte. Bereits im Mai 2005 stand Middelhoff auf Vermittlung von Esch als Vorstandsvorsitzender dem KarstadtQuelle-Konzern vor, den er später in Arcandor umbenannte. Dabei wurde Thomas Middelhoff angeblich beim Bertelsmann-Konzern im Jahre 2002 rausgeschmissen. Das verwundert umso mehr, wenn man bedenkt, dass er doch mit dem Verkauf von AOL-Aktien in Zeiten des Internet-Booms dem Bertelsmann-Konzern Milliarden von DM und später Euros Gewinn bescherte. Dafür erhielt er sogar eine Prämie von 30 Millionen Euro. Vielleicht findet man indirekt die Lösung des Rätsels, wenn man in SPIEGEL Online vom 21.02.2011 „Der Bonus-Boy“ Folgendes liest: Als der Bertelsmann-Chef Mark Wössner im November 2008 in Kitzbühl seinen 70. Geburtstag feierte, war auch Thomas Middelhoff, damals noch Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG, unter den Gästen und überreichte ihm eine 212 Seiten starke, als Großformat in Leinen gebundene und 150.189,55 Euro netto teure Festschrift. Doch Middelhoff, vorgeblich ungemein spendabel, ließ dieses Werk von Arcandor bezahlen. Hinzu kamen auf Rechnung von Arcandor noch 3.202 Euro für aufwändig gestaltete Einladungskarten.

Soviel Aufwand für einen ehemaligen Chef, der einen rausgeschmissen haben will, wundert mich jedenfalls sehr.

Diese vier ehrenwerten Herren Graf von Krockow, Josef Esch, Georg Baron von Ullmann und Christopher Freiherr von Oppenheim, traten auch bei der Finanzberatungsfirma ADG Allfinanz als Teil der Robuterra Gesellschaft in der Schweiz in Erscheinung und zwar als Aktionäre der Robuterra.

Nach dem Bau der Köln-Arena und des technischen Rathauses folgte im Frühjahr 1998 das Projekt „Coloneum“-Medienzentrum im Stadtteil Ossendorf.

Die Oppenheim-Esch übernahm die im Eigentum der Magic Media Company (MMC) befindlichen MMC-Fernsehhallen in Hürth.

An der MMC waren jeweils zu 25% die Kölner Sparkasse, ProSieben, SAT1 und RTL beteiligt. Für das „Coloneum“ sollte die MMC dem Esch-Fonds für zehn Jahre eine feste Miete von rund 13 Millionen Euro pro Jahr zahlen. Das ganze Unternehmen stellte sich jedoch schnell als Verlustgeschäft heraus, bei dem es zumindest ProSieben/SAT1, RTL und MMC gelang, sich aus den Knebelverträgen frei zu kaufen.

Übrig blieb die Kölner Sparkasse und mit ihr die Steuerzahler, die fortan die hohen Verluste ausgleichen mussten – da halfen auch die staatlichen Fördergelder von rund 120 Millionen Euro nicht mehr weiter.

Und so fragte der SPIEGEL am 05.11.2007 „Schröders Alleingang“: „Insider stellen sich die Frage, wie es sein konnte, dass Schröder über Jahre hinweg offenbar dafür gesorgt hat, dass die Bank trotz der Millionenverluste der MMC weiter die hohen Mietgarantien gegenüber dem Oppenheim-Esch-Fonds beglich – und so letztlich auch mit dem Geld einfacher Sparer die satten Renditen einiger gut Betuchter rettete. Zu dem illustren Kreis der 36 Fonds-Zeichner gehören neben Esch und Oppenheim-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow auch Mitglieder der Familien Reischl, DuMont, Deichmann, Oetker sowie der frühere VW-Chef Carl Hahn.“

Nachdem für den Oppenheim-Esch-Fonds zunächst alles wie am Schnürchen lief, packte man das nächste Projekt „Nordhallen“ an, was mit dem Verkauf der alten „Rheinhallen“ einherging – im Übrigen nach dem gleichen Muster wie schon zuvor beim Coloneum in Ossendorf einschließlich der gleichen Auswirkungen.

Allerdings übertraf sich hier Josef Esch selbst noch um Einiges mehr: Die Stadt Köln hatte gleich einmal ohne die gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibungspflicht für Großprojekte direkt den Auftrag an den Oppenheim-Esch-Fonds vergeben, obwohl diese noch im Oktober 2003 die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit einer sogenannten Marktabfrage beauftragt hatte – natürlich nur zum Schein, unter Vorheucheln eines rechtmäßigen Handelns und für viel Geld vom Steuerzahler.

Hierbei sollten verschiedene Angebote von Investoren zur Finanzierung der neuen Messehallen ausgewertet werden. Das Pikante an dieser Geschichte – ein Tochterunternehmen von Ernst & Young, die Projektsteuerungsgesellschaft Prof. Weiss & Partner, war „nicht nur seit Jahren Geschäftspartner der Oppenheim-Esch-Gruppe, sondern hatte auch einen Auftrag als Projektsteuerer für den Messeneubau erhalten. Die letztendliche Auswahlentscheidung für den Investor der Nordhallen lag bei der Stadt Köln.“ (Quelle: StadtRevue Verlag GmbH, Ausgabe 9.2011 „Erschütternde Bilanz„)

Der Knüller kommt aber noch, wenn man den Ausführungen des StadtRevue Verlags GmbH in o.g. Ausgabe folgt: „Bereits bevor der Rat im Dezember 2003 der Vergabe des Nordhallen-Projektes an den Oppenheim-Esch-Fonds zugestimmt hatte, hatte sich die Stadt Köln in einem »Letter of Intent« dazu verpflichtet, nach dem Jahr 2012 die Mietzahlungen für die klamme Messe zu übernehmen, sollte diese dazu nicht mehr in der Lage sein.“

Die Sparkasse Köln-Bonn hatte hierbei den Kredit für das Bauvorhaben gege en und war auch mit unlauteren Mitteln an der Projektentwicklung beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt war nämlich Rolf Bietmann, der uns noch öfter in meiner Abhandlung zum Kölner Klüngel begegnen wird, CDU-Fraktionsvorsitzender und stand im Sold der Sparkasse für angebliche Berateraufgaben. Gleichzeitig saß der dort als Verwaltungsratsvorsitzender vor.

Lobby-Arbeit für dieses Projekt hat auch der ehemalige Bürgermeister Josef Müller (CDU) geleistet, der ebenfalls von 2001 bis 2003 im Sold der Sparkasse stand.

Zur Schätzung der Bau- und Mietkosten für die alten „Rheinhallen“ hatte die Sparkasse die dem Bankhaus Sal. Oppenheim nahestehende Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) beauftragt. Und so nahm der Skandal seinen Lauf.

Die PwC stellte in ihrem Gutachten fest, dass die neuen Messehallen inklusive Grundstück 252,5 Millionen Euro wert seien. Die Jahresmiete für die „Nordhallen“ wurde auf 20,7 Millionen Euro pro Jahr geschätzt, welche die Stadt Köln an den Oppenheim-Esch-Fonds zu entrichten hatte. Grundlage dafür war eine interne Schätzung des Oppenheim-Esch-Fonds, wonach sich die Kosten für Bauvorhaben inkl. Grundstückskaufpreis auf insgesamt 215 Millionen Euro belaufen würden.

Aber diese Summe scheint nach Meinung des Immobilienexperten Prof. Dr. Klaus Feinen immer noch zu hoch zu sein. Er kommt auf maximal 210 Millionen Euro. Die Jahresmiete dürfte sich maximal auf 7,35 Millionen Euro belaufen. Allerdings schlug der Oppenheim-Esch-Fonds zusätzlich noch sogenannte „Softkosten“ in Höhe von 90 Millionen Euro drauf; darin waren alleine 7 Millionen Euro für die Suche nach einem geeigneten Mieter aufgelistet, obwohl schon von vornherein feststand, dass die Stadt Köln das Gelände mietet.

Die StadtRevue Verlag GmbH kommt somit zum Schluss: „Das Geschäft mit dem Oppenheim-Esch-Fonds kommt die Messe, an der die Stadt mit achtzig Prozent und das Land NRW mit zwanzig Prozent beteiligt sind, teuer zu stehen. Seit 2007 wurden kontinuierlich zweistellige Millionenverluste geschrieben, insgesamt bislang rund achtzig Millionen Euro.“ Und weiter heißt es dort: „Die Stadt hatte 2008 das Eigenkapital der Messe mit einer Bareinlage um 22,7 Millionen Euro erhöht und außerdem die Mietzahlungen durch den überteuerten Rückkauf von Erbbaurechten der Messe in Höhe von rund sechzig Millionen Euro subventioniert. Der Messe-Deal kommt also auch den Steuerzahler teuer zu stehen.“

Und auch die Kunden der Sparkasse dürften über dieses Bubenstück nicht gerade erfreut gewesen sein, denn durch diesen Deal hat sich die Sparkasse zusätzlich verpflichtet gehabt, alle Risiken, die mit den Baumaßnahmen zusammenhängen (Verzögerungen, mangelnde Auftragserfüllung, notwendige zusätzliche Umbauten etc.) zu übernehmen. Der Mietvertrag wurde zwar 2010 auf Druck des Europäischen Gerichtshofs mit dem Oppenheim-Esch-Fonds gekündigt, allerdings hatte man sich auf eine „Interimsvereinbarung“ mit den Investoren geeinigt.

Grundlage dafür war wiederum ein Gutachten von PwC, das jetzt zu einer „Nutzungsentschädigung“ von 15 Millionen Euro pro Jahr kommt. Dabei berufen sich die Gutachter auf dem am 06. August 2004 geschlossenen Mietvertrag, den doch der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 29.08.2009 für rechtswidrig erklärt hatte. Bei diesen Spielen gewann jedenfalls immer der Oppenheim-Esch-Fonds neben seinen milliardenschweren Investoren, wenn man bedenkt, dass ursprünglich „die Kölnmesse GmbH unter ihrem damaligen Geschäftsführer Witt geplant“ hatte, „den Neubau der Messehallen Nord in eigener Regie zu organisieren, lediglich einen Bauauftrag zu vergeben und das Ganze durch günstige Kommunalkredite zu finanzieren.“ (Quelle: Neue Rheinische Zeitung vom 04.02.2009 „Bietmann, Müller und der Messe-Deal“)

So bewilligten sich alle über ein „weitverzweigtes Netz von Immobilienfonds zinsgünstige Kredite beim eigenen Geldinstitut. Führungskräfte der Bank, die Einblick nehmen wollten in die Mietverträge, wurden schroff zurechtgewiesen. Mietverträge »mit dem Haus Esch« seien nicht mehr zu verhandeln. Einer der Bankangestellten erinnert sich an die Worte: »Muss ich Ihnen schon wieder sagen, wem die Firma gehört?« Und ein ehemaliger Bankmanager sagt heute: »Josef Esch war nun mal der Gott.«“ (Quelle: Die Zeit vom 26.01.2012 „Josef und seine gierigen Millionäre“)

Am 26.01.2012 lief parallel jedoch ein weit größerer Coup an, der in der Bielefelder Villa von Middelhoff von der Mannschaft um Graf von Krockow und Esch ausgeheckt wurde. Es ging um den Erwerb von KarstadtQuelle-Aktien, die durch das Bankhaus Oppenheim sowie der Oppenheim-Esch-Holding in Höhe von 750 Millionen Euro finanziert werden sollten. Dazu sollte der „Charmeur“ Josef Esch an Madeleine Schickedanz herantreten, um sie von diesem Geschäft zu überzeugen. Geschäftliche Beziehungen bestanden schon vorher durch seine Sicherheitsfirma, der Consulting Plus in Berlin. Madeleine griff damals auf zwei Sicherheitsleute dieser Firma zu, die sie beschützten und bewachten. Bei diesem geplanten Deal konnte sich Josef Esch auf seine beiden engsten Mitarbeiter, dem ehemaligen Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier und dem Anwalt und Architekt Dirk Froese stets verlassen.

Interessant an dieser Geschichte ist, dass Madeleine Schickedanz im Jahr 2003 einen lediglich einseitigen DIN-A4-Vertrag zur Gesamtvermögensverwaltung durch Josef Esch unterschrieben hatte; sieben Mal folgten dann als Anlagen umfangreiche Vertäge, von ihrem Mann Leo Herl unterschrieben, u.a. für die Schickedanz Holding, die Gustav-Schickedanz-Stiftung, die Schickedanz Beteiligungsgesellschaft, die Schickedanz Gesellschaft mbH und die Schickedanz Vermögensverwaltung. (Quelle: Die Zeit vom 26.01.2012 „Josef und seine gierigen Millionäre“)

Der einzige, der diese Verträge nicht unterschrieben hatte, war kurioserweise Josef Esch als Vermögensverwalter obwohl er mit dem Vermögen von Madeleine Schickedanz spekulierte. Im Novemer 2004 nahm auf Geheiß der Josef Esch-Fonds-Projekt GmbH Frau Schickedanz einen Kredit in Höhe von 170 Millionen Euro für den Ankauf von zusätzlichen KarstadtQuelle-Aktien bei der Sal. Oppenheim auf. Gleichzeitig hatte sie den Schuldbeitritt der Josef Esch-Fonds-Projekt GmbH abgezeichnet, mit dem ihr zugesichert wurde, dass bei Wertverlust der Aktien die Esch-Fonds-Projekt bei der Sal. Oppenheim dafür geradestehen würde. Allerdings wurde auch diese Schuldenerklärung nicht von Josef Esch gegengezeichnet. Esch wird sich später rechtfertigen und behaupten, dass es sich hierbei nur um einen Entwurf handelte infolge der vorangegangenen Besprechungen. Deswegen wurden diese Unterlagen auch nie der Privatbank Oppenheim vorgelegt. Der Verdacht liegt nahe, dass sich Esch mit dem Aktienpaket die KarstadtQuelle-Immobilien mit einem geschätzten Wert von sechs Milliarden Euro unter den Nagel reißen wollte, um sie als Fonds gewinnbringend zu vermarkten. Dazu sollten die Gebäude gekauft, renoviert und an KarstadtQuelle teuer zurückvermietet werden. O.g. Artikel der Zeit Online schreibt hierzu weiter: „Letztlich ging es darum, dass man die Aktienmehrheit von KarstadtQuelle sowie einen Vertrauten im Aufsichtsrat des Konzerns brauche, um an den Immobilienschatz des Unternehmens zu gelangen. Kurz gesagt: Der Königin Schickedanz sollte der passende Springer zur Seite gestellt werden.“

Das aber noch etwas viel Teuflischeres dahinterstecken könnte, deckte schließlich der Spiegel auf, zu dem ich später noch kommen werde.

Zu erwähnen sei hier noch, dass Wolfgang Urban, der Konzernchef der KarstadtQuelle, ein Vertrauter von Josef Esch ist.

Um der Bankenrisikogrenze aus dem Weg zu gehen und trotzdem nach und nach den 100%-igen Aktienanteil an KarstadtQuelle zu bekommen, um diesen wieder von der Börse zu nehmen, wurde die Firma ADG Allfinanz bei der Verhandlung für Kredite zum Erwerb weiterer Aktien dazwischengeschaltet.

Im Jahr 2005 beantragte die ADG Allfinanz bei der Kölner Sparkasse einen Kredit in Höhe von 700 Millionen Euro. Gustav Adolf Schröder, damaliger Chef der Kölner Sparkasse, hätte dem auch zugestimmt, allerdings kam das Geschäft aus nicht näher bekannten Gründen dann doch nicht zustande.

Man überredete wieder Madeleine Schickedanz, ein Darlehen über 50 Millionen bei Sal. Oppenheim und kurze Zeit später wieder über 372 Millionen Euro, diesmal bei der ADG aufzunehmen und das alles hinter dem Rücken der Gesellschafter der Sal. Oppenheim. Zunächst schien alles nach Plan zu laufen, aber dann kam Thomas Middelhoff in die Quere. Als die Aktien von KarstadtQuelle kurzfristig wieder anstiegen, verkaufte er im März 2006 „die Hälfte der Immobilien für 3,7 Milliarden Euro an eine Gesellschaft von Goldman Sachs Germany, Highstreet. (Quelle: Die Zeit vom 26.01.2012 „Josef und seine gierigen Millionäre“).

Bei der Gesellschaft von Goldman Sachs handelt es sich im Übrigen um den Whitehall-Fonds.

Dieses Gesellschaft wurde von einem guten Bekannten Middelhoffs, Alexander Dibelius, geführt. An dem sogenannten Highstreet-Immobilien-Konsortium war die Deutsche Bank, Pirelli Real Estate und die Borletti-Gruppe über das Fonds Rreef alternative Investments beteiligt. Etwas Ähnliches kennen wir ja auch bereits von der Yukos- und Clearstream-Affäre (siehe meine Ausführungen zu „Die Plutonium – Wie alles begann – Teil 1 und „Der Datenklau von Liechtenstein – Teil 1).

Dadurch stiegen die Aktion zunächst in Rekordhöhe, um kurze Zeit später wieder rasant zu fallen. Für einen Appel und ein Ei erwarb die Sal. Oppenheim im Jahr 2008 20% der Aktien von Madeleine Schickedanz. Zwar erhöhte sich damit zunächst der prozentuale Anteil an der nun in Arcandor aufgegangenen KarstadtQuelle-Gruppe auf 29,5%, allerdings war das noch zu wenig, um die Aktienmehrheit an den restlichen Immobilien zu halten.

Interessanterweise saß auch Klaus Zumwinkel im Aufsichtsrat der Arcandor. Kurze Zeit später wurde er ja im Rahmen des Datenklaus von Liechtenstein durch Heinrich Kieber medienwirksam als Steuersünder zur Schlachtbank geführt (siehe auch meine Ausführung „Der Datenklau von Liechtenstein – Kiebers Abenteuer in der großen, weiten Welt – Teil 2).

Es dauerte nicht lange, bis die Bankenaufsicht auch ins Haus Oppenheim kam und mehr Sicherheiten für die bereits erworbenen Aktien forderte. Josef Esch übte nun Druck auf Madeleine Schickedanz aus und veranlasste sie schließlich am 17.10.2008, fast ihr ganzes verbliebenes Vermögen zu verpfänden. Die Papiere hierzu hatte schon Dirk Froese vorbereitet. In Zeit Online vom 26.01.2012 „Josef und seine gierigen Millionäre“ heißt es dann weiter: „Im Juni 2009 meldet Arcandor Insolvenz an. Mehr als 7.000 Angestellte verlieren ihren Job, Madeleine Schickedanz bleiben von ihrem Milliardenvermögen noch etwa 270 Millionen Euro – und 550 Millionen Euro Schulden. Und Esch? Am 28. März 2011 stimmt der Bürgermeister von Weißenbach am Lech in Tirol dem Verkauf eines Grundstücks von 2748 Quadratmetern an ihn und seine Kundin, die LTU-Erbin Vera Conle-Kalinowski, zu. Dem Vermögenverwalter, dem die Staatsanwaltschaft auf den Fersen ist, sind viele Kunden treu geblieben. Gerade sucht Esch nach einer neuen Bank.“

Und Europas größte Privatbank ist nun Tochter der Deutschen Bank, womit insgesamt 36 Oppenheim-Gesellschafter ihr Vermögen eingebüßt und Großinvestoren der Oppenheim-Esch-Fonds wegen ausbleibender Ausschüttungen klagen (Quelle: DAS KROKODIL vom 31.05.2012 „Josef Eschs Immobilien-Affären“)

Jedenfalls hatte ich mich die ganze Zeit gefragt, welche Rolle Madeleine Schickedanz tatsächlich in der Oppenheim-Esch-Arcandor-Affäre spielte. War sie wirklich die völlig unbedarfte und arme Frau, die so hinterhältig übergangen und sogar von ihrem eigenen Mann Leo Herl scheinbar hinters Licht geführt wurde?

Spiegel Online vom 07.05.2012 „Madeleine und die Räuber“ liegen Papiere vor, wonach Schickedanz nicht nur mehr wusste, sondern auch gar nicht das Unschuldslämmchen ist, als das sie sich gerne in der Öffentlichkeit darstellen möchte. Es geht um das Strategiepapier, das Middelhoff erstellt und offensichtlich auch ihrem Mann vorgelegt hatte, da an den Rand handschriftliche Notizen angebracht waren, die Handschrift von ihrem Mann Leo Herl. In diesem Strategiepapier wurde genau die Vorgehensweise zum Erwerb der Aktienmehrheitsanteile an KarstadtQuelle AG und dem geplanten Ausstieg aus der Börse dargestellt, um das Unternehmen wieder in eigener, privater Hand zu bekommen. Es gibt aber noch mehr Dokumente aus Schickedanz Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG, die ein etwas anderes Bild von Madeleine Schickedanz zeichnen. Als sie 1999 mit der Fusion der Quelle-Gruppe mit Karstadt die Aktienmehrheit verlor, kaufte sie sich in den Jahren 2001 und 2002 „für 190 Millionen Euro Aktien, um sich die Macht zurückzuholen.“ (Quelle: Spiegel vom 07.05.2012 „Madeleine und die Räuber“)

Über ihre Schweizer Firma Grisfonta lieh sie sich dabei 120 Millionen Euro von Sal. Oppenheim. Da hatte sie aber Josef Esch noch gar nicht gekannt. Sie hat also schon vorher Aktien auf Schulden gekauft und diese auch noch mit Aktien abgesichert, obwohl diese Art von „Absicherung“ mehr als zweifelhaft ist aufgrund der stets schwankenden Aktienkurse. Die Sal. Oppenheim war hochbegeistert, einen Millionenkredit einer Milliardärin zu gewähren, deren geschätztes Gesamtvermögen auf 2,4 Milliarden Euro beziffert wird. Esch kam erst dann ins Spiel, als es um die große Geschäftschance ging, an die Immobilien von Schickedanz heranzukommen.

Die Schuldbeitrittserklärung von 2004 war ebenfalls ein Hinweis, dass Schickedanz nicht blauäugig in die Sache hineingeschlittert war, angeblich bedrängt von Josef Esch, denn diese Erklärung wurde von Esch nie unterschrieben und Madeleine Schickedanz hat nur „zur Kenntnis genommen“ abgezeichnet.

Streng genommen gab es also keine rechtsgültige Schuldbeitrittserklärung. Leo Herl hatte in dieser Zeit auch mit den Kinder der Schickedanz aus früheren Ehen über den erneuten Kredit in Höhe von 170 Millionen Euro gesprochen, denn die Hausbanken der Schickedanz verlangten eine Kapitalerhöhung mit der Androhung, ihre bereits laufenden Kredite zu kündigen. Damit wären die Aktien von KarstadtQuelle rapide in den Keller gesunken. Es existiert dazu ein Protokoll aus der Gesellschaftsversammlung der Schickedanz Vermögensverwaltung vom 15.06.2005. An dieser Sitzung nahm auch Madeleine Schickedanz selbst teil; der Verlauf wird dann von Spiegel Online so geschildert: „Sie gab vielmehr die führungsstarke Unternehmerin, die weiß, was sie tut, und sich von keinem sagen lassen muss, was sie anders machen sollte. Auch nicht von ihrem Sohn aus erster Ehe. Der hatte es gewagt, ihr in der Versammlung die Entlastung zu verweigern, weil sie so viele Kredit-Millionen in KarstadtQuelle gesteckt hatte. Geradezu hellseherisch hatte der Sohn die „Geschäftspolitik“ seiner Mutter als „riskant“ kritisiert und eine „tragende Strategie“ vermisst, so das Protokoll. Außerdem hielt er es für „nicht akzeptabel und inkorrekt, wenn über außerordentliche Vorgänge dieser Größenordnung keine Gesellschafterbeschlüsse eingeholt werden“. Für diese Rüge hatte er gute Gründe: Schon damals stand Schickedanz bei den Kindern tief in der Kreide, weil sie sich so oft aus dem Familienvermögen bedient hatte. Doch als persönlich haftende Gesellschafterin der Vermögensverwaltung beschied sie ihren Sohn kühl: Sie werde, wie es im Protokoll heißt, „dort, wo sie das Risiko trägt, alleine entscheiden“. Sie. Alleine. Entscheiden. Kein Wort davon, dass sie angeblich nur Strohfrau war, mit dem Kredit in Wahrheit nichts zu tun hatte und es deshalb gar kein Risiko gab. Kein Wort über den angeblichen Schuldbeitritt von Esch. Dabei wäre es doch leicht gewesen, so die Kritik aus der Familie zu ersticken. (Quelle: Spiegel vom 07.05.2012 „Madeleine und die Räuber“)

Weil nur Schickedanz als Großaktionärin Anteile kaufen konnte, „ohne allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen zu müssen, bei dem der Kurs explodiert und der Plan [Anm.: Middelhoffs Strategiepapier] zu teuer geworden wäre, Madeleine Schickedanz aber bei Sal. Oppenheim schon zu dick in der Kreide stand, als dass ein weiterer Kredit hätte gewährt werden können ohne dabei die Bankenaufsicht ins Haus zu bekommen, ließ man sich gemeinsam den Trick mit der ADG Allfinanz einfallen, die für die weiteren 380 Millionen Euro bei der Sal. Oppenheim bürgen sollte.

Und Esch wiederum erzählte, dass die Schuldbeitrittserklärung gar nicht von 2004, sondern eigentlich von 2006 stammte, aber dann zurückdatiert wurde, denn Schickedanz versuchte ihn auszutricksen, indem sie „alle Karstadt-Immobilien an ein Konsortium von Deutscher Bank und Goldman Sachs“ losschlagen wollte. Damit war die Chance auf lukrative Immobilien für Esch dahin. Deswegen habe er Schickedanz angeboten, „rückwirkend für den 170-Millionen-Euro-Kredit zu haften, den sie bei der Kapitalerhöhung 2004 aufgenommen hatte. Dafür habe er 70 Prozent der Kursgewinne verlangt, nur 30 sollten bei ihr landen.“ (Quelle: Spiegel vom 07.05.2012 „Madeleine und die Räuber“)

Interessant ist, dass Schickedanz selbst lange Zeit über den Schuldbeitritt geschwiegen hat. Auch ihre Aussage, dass sie angeblich Esch regelrecht angefleht hätte, die Aktien zu verkaufen, als die Möglichkeit noch 2008 bestanden hatte, ihre Aktien loszuwerden, und so ihre Schulden bei Sal. Oppenheim zu begleichen, der diese Bitte aber erbost abgelehnt hätte, passt nicht in das Gefüge. Was hätten Esch und Sal. Oppenheim davon gehabt, diesen Verkauf zu verhindern? Im Gegenteil, Esch hätte gar nicht erst als Bürge mit seiner ADG Allfinanz für Schickedanz einspringen müssen und die Sal. Oppenheim hätte ihr Geld für die Kredite zurückbekommen. Stattdessen sanken nach der Lehmann-Pleite die Arcandor-Aktien ins Bodenlose.

Im Zusammenhang mit dem großen Strategieplan von Middelhoff, Esch, Herl und Graf von Krockow kam auch noch etwas anderes zur Sprache, wie ZEIT Online vom 22.12.2011 „Stunde der Wahrheit“ wissen will) : „Damit nicht genug, wollten die Beteiligten ihr Immobilienmodell über KarstadtQuelle hinaus auch auf andere Konzerne ausdehnen. Das geht aus einem – allerdings nicht unterschriebenen – »Protokoll außerhalb der Tagesordnung« vom Februar 2002 hervor, das offenbar nach einem Treffen der Oppenheim-Bankspitze angefertigt wurde. Im Originaltext heißt es: »KarstadtQuelle AG verpflichtet sich gegenüber den Oppenheim-Esch-Gesellschaften,… Grundstücke… zu übertragen und langfristige Mietverträge abzuschließen… Neben KarstadtQuelle AG wird für Immobilieninvestments in den nächsten Jahren auch eine weitergehende Zusammenarbeit mit der Siemens AG, der Stadtsparkasse Köln und Bertelsmann/-Töchter angestrebt. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit diesen Partnern wird es möglich sein, die GVV-Konzepte für die Kunden umzusetzen.« GVV steht für Gesamtvermögensverwaltung – Esch hatte ein Dutzend der reichsten deutschen Familien in seiner Obhut, denen er sämtliche Finanzgeschäfte besorgte.“

Doch das ist noch nicht alles im Kölner Klüngel, denn da gab es ja auch noch den Fall Trieneken, bei dem der zuvor am Rande erwähnte Rolf Bietmann noch richtig in Aktion treten sollte.

Weiter mit Teil 2

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