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Zurück zu Teil 7

Murderer Inc. NSU GmbH?

Seit dem „Auffliegen“ des NSU nach den Vorfällen in Eisenach und Zwickau wurde viel geschrieben, noch mehr spekuliert und sogar umfangreiche Auszüge aus Ermittlungsakten im Internet veröffentlicht. Der so genannte Schäferbericht, mehrere Abschlussberichte von diversen U-Ausschüssen einschließlich dem des Bundestages, etliche tote Zeugen/Informanten/Ermittlungsbeamte und ein bis heute andauernder unsäglicher Prozess in München brachten uns bis jetzt nicht wirklich weiter. Dennoch schienen alle offiziell Untersuchenden und Ermittler sich in einem Punkt einig gewesen zu sein – der NSU mit Uwe Böhnardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe samt Unterstützernetzwerk war es.

Weder wurde jemals die Motivlage richtig untersucht noch die harten Fakten präsentiert, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit die Tatbeteiligung des so genannten NSU-Trios sowohl an dieser Mordserie als auch an den drei Bombenanschlägen (Nürnberger Kneipe, Köln Probsteigasse und Kölner Keupstraße) belegten. Stattdessen ergeht man sich in Nebenkriegsschauplätzen wie Beteiligung von V-Leuten – ja oder nein, Hass auf Ausländer und alles Fremde, Versagen der Behörden, Produktion und Entdeckung der Pink-Panther DVDs als quasi Bekennervideo, tatrelevante Gegenstände von anderen Tatorten, die man in Eisenach und Zwickau aufgefunden haben will etc. pp.

Das ist zwar alles richtig und ganz gewiss auch im Gesamtkontext wichtig zu betrachten, aber mir ist dabei immer wieder aufgefallen, dass – soweit mir zumindest bekannt – kein Einziger einmal die Kernfrage gestellt hat, die sich normalerweise jeder Ermittler und Fallanalytiker stellen würde, wenn er das erste Mal den Tatort und die Tatopfer (und damit meine ich in aller erster Linie sowohl die beiden Uwes als auch Michele Kiesewetter und Martin Arnold) betrachtet – Was hat der bzw. die Täter getan, was er/sie nicht hätte tun müssen?

Angelehnt an dieser Grundsatzfrage stelle ich mir deswegen zwei Fragen:

  1. Wieso wurde das Wohnmobil in Eisenach-Stregda nicht ermittlungstechnisch auf die klassische Art abgesichert und untersucht, wenn man doch zunächst von zwei bewaffneten Bankräubern ausgegangen war, die gerade eine Bank überfallen haben und sich möglicherweise im Wohnmobil versteckt halten sollen?

Eine Fahndung nach den Bankräubern war bereits eingeleitet worden und  Zeugen meldeten sich mit Beschreibungen von Tätern, Fahrrädern und auffälligem Wohnmobil im Stadtteil Stregda.

Zu diesem Zeitpunkt sollte man doch zunächst von der Identität der Bankräuber gar nichts gewusst haben, schon gar nicht von zwei Leichen.

Wäre es also nicht logisch, dass man zunächst folgende Schritte unternimmt:

  • Absicherung durch Polizeikräfte und Verstärkung anfordern,
  • Warten auf Verstärkung, währenddessen Beobachtung der aktuellen Lage, um in einer akuten Gefahrensituation adäquat reagieren und Menschen vor zusätzlichem Schaden bewahren zu können,
  • Löscharbeiten,
  • Vorsorglich Notarzt anfordern,
  • Tatortabsperrung,
  • Spurensicherung durch kriminaltechnisch ausgebildetes Personal,
  • Tatortvideoaufnahmen (wir befanden uns schließlich im Jahr 2011)
  • Vorläufige gerichtsmedizinische Untersuchung vor Ort,
  • Abtransport der Leichen in das zuständige gerichtsmedizinische Institut,
  • Brandermittlung vor Ort,
  • Erste Vernehmung von Bewohnern und mögliche Zeugen vor Ort,
  • Beweissicherung und erst dann
  • Abschleppen des Wohnmobils und Tatortsäuberung.

So geht man doch auch bei jedem schweren Verkehrsunfall vor – ungeachtet der Gaffer, Reporter und zufällig vorbeikommenden Passanten, bevor die Aufräumarbeiten beginnen, erst recht bei Vorliegen möglicher schwerer Straftaten und Verbrechen. Schließlich hatten die Streifenpolizisten Schüsse bzw. Knallgeräusche im Wohnmobil vernommen und kurze Zeit später brach der Brand aus. Zeugen berichteten von einem dritten Mann, der aus dem Führerhaus des Wohnmobils ausstieg und wegrannte.

  1. Wieso wurden am selben Tag wenige Stunden später nach dem Überfall in Eisenach in dem rd. 170 km entfernten Zwickau nach der Explosion in der Frühlingsstraße fast die gleichen „Fehler“ begangen, obwohl man doch theoretisch noch gar nicht wissen konnte, dass es sich
  • um eine Brandstiftung, hervorgerufen durch eine Explosion und
  • um ein „Terrornest“, geschweige denn das von einem NSU-Trio, gehandelt haben soll? Beate Zschäpe hatte sich erst Tage später bei der Polizei selbst gemeldet. Über ihre polizeiliche Aussage ist aber meines Erachtens bisher öffentlich nichts bekannt geworden. Wie sollen wir uns also die freiwillige Stellung vorstellen? Hat ihr Anwalt geredet oder hat sich Beate Zschäpe selbst geäußert? Hat sie sich überhaupt als Täterin gestellt oder vielmehr als Zeugin gemeldet?

Zusammenfassend stellt sich also die Frage, warum und wie es zu den gehäuften Ermittlungspannen unter Missachtung aller polizeilicher Ermittlungsgrundsätze gekommen war, bei denen nicht nur die Tatorte nahezu unbrauchbar gemacht wurden, sondern auch vorgebliche Beweismittel erst Tage, ja sogar erst Wochen später „entdeckt“ wurden.

Diese schwerwiegenden Ermittlungspannen während der Untersuchungen und Beweissicherung gab es meines Wissens nach nicht bei der Mordserie an Bürgern mit Migrationshintergrund, angefangen von Enver Simsek bis Halit Yozgat.

Erst im Mordfall Michele Kiesewetter kam es in diesem Zusammenhang erstmalig zu einer eigenartigen Pannenserie und man muss schon fast sagen Vertuschungsaktion, als der zuständige Staatsanwalt Christoph Meyer-Manoras die Veröffentlichung der von der SoKo „Parkplatz“ angefertigten Phantombilder ausdrücklich untersagte. Zeugen, darunter auch V-Männer und Polizeibeamte, wurden von ihm als völlig unglaubwürdig hingestellt. Dazu Thomas Moser vor dem U-Ausschuss Stuttgart am 20.02.2015: „Das LKA wollte drei der Phantombilder für die Fahndung herausgeben. Der Erste Staatsanwalt von Heilbronn untersagte das. Doch die Phantombilder hatten zu jeder Zeit eine Relevanz. Die Bundesanwaltschaft kam 2012 zu dem Schluss, keines der Bilder könne als irrelevant angesehen werden. Auch jenes nicht, das nach Angaben des schwerverletzten Beamten Arnold gefertigt wurde.“ (Quelle: Staatsaffäre NSU, Eine offene Untersuchung, Hajo Funke, S. 41).

Tatkräftige Unterstützung bei der Unterdrückung der anhand verschiedener Augenzeugenberichte angefertigten Phantombilder bekam Meyer-Manoras auch vom Chefermittler der SoKo „Parkplatz“ Axel Mögelin.

Ist es nicht seltsam, dass ausgerechnet bei einem Fall von einem Polizistenmord und einem Mordversuch an einem Polizeibeamten solche Phantombilder plötzlich keine Relevanz haben sollen?

Im Grunde war das der erste Vorfall innerhalb des Phantommordes bzw. später der NSU-Mordserie zugerechnet, bei dem so grauenhaft und geradezu stümperhaft ermittelt wurde, der aber erst nach dem Bekanntwerden des NSU-Trios ans Tageslicht kam. Insofern könnte die damalige Aussage von Michele Kiesewetters Patenonkel, dass der Mord an seiner Nichte möglicherweise mit den „Türken“-Morden zusammenhängen könnte, unter einem ganz anderen Aspekt erfolgt sein – nämlich dem aus dem Umfeld der Organisierten Kriminalität oder Geheimdienstbranche – möglicherweise mit Beteiligung oder zumindest Wissen eigener Kollegen und V-Leute. Vom NSU war ja damals im Jahr 2007 öffentlich noch keine Rede, seine Aussage wurde später erst in diese Richtung uminterpretiert.

Der Schlüssel für die Aufklärung dieser Mordserie, die man zunächst als Döner- später als NSU-Mordserie bezeichnete, liegt meines Erachtens im Mordfall Michele Kiesewetter in Verbindung mit den Ereignissen um den Sachsensumpf.

Michele Kiesewetter stammt aus Oberweißbach, einem kleinen Thüringer Dörfchen bei Saalfeld. Die Kameradschaft Sonneberg und Saalfeld um die V-Männer Tino Brandt und Andre Kapke hatte in Saalfeld ihr Quartier aufgeschlagen. In Gräfenthal, unmittelbar in der Nähe von Oberweißbach, hatte Tino Brandt mit seinen Schergen am 27.01.1996 in einem Wirtshaus, das Schützenhaus, eine schwere Schlägerei angezettelt, bei der ein Punker schwerverletzt wurde. Der damalige Beamte der Ermittlungsgruppe „Rex“, Mario Melzer, sagte vor dem U-Ausschuss in Erfurt aus, dass dieser Überfall als Einschüchterung diente, um von künftigen Ermittlungen gegen die Kameradschaft Sonneberg und Saalfeld abzulassen.

Von Rudolstadt aus hatte sich die Anti-Antifa-Ostthüringen, später Thüringer Heimatschutz, organisiert. Ihre Stammkneipen waren die „Schwedenschanze“ in Desbach bei Oberweißbach sowie der „Club Velvet“ in Rudolstadt, einem Umschlagplatz für Prostitution und Drogenhandel. Tino Brandt ist nun mittlerweile rechtskräftig wegen Zuhälterei und Kindesmissbrauch in 157 Fällen verurteilt. Wie ich zuvor schon berichtete, betrieb Achim Schmidt zusammen mit Ulrich Ro. einen „Escort Service“. Über diesen Escort-Service gab es wiederum Verbindungen zu Michel P. aus Zeulenroda.

Die Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) sowie Blood & Honour Aktivisten haben sich nach den jeweiligen Verboten Rockergangs wie Bandidos und Hells Angels angeschlossen. Damit dürften sie auch mit der Rotlichtszene, Drogen- und Menschenhandel in Berührung gekommen sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch das OK-Referat im LfV Sachsen diese Gruppen unter Beobachtung gestellt hatten.

Kai Dalek, V-Mann des LfV Bayern, hatte im fränkischen Kronach seinen Stützpunkt, von dem aus er das Thule-Netzwerk auf- und ausbaute. Er stand im regen Kontakt mit der Neonaziszene um den Thüringer Heimatschutz und der Kameradschaft Sonneberg und Saalfeld. Kontakte werden ihm auch zum Ku Klux Klan über Achim Schmidt (LfV-Mann Stuttgart), Skinheads Sächsische Schweiz und Chemnitzer Blood & Honour Sektion um Mirko Hesse, Thomas Starke und Carsten Szczepanski (BfV-Mann und LfV-Mann Brandenburg) sowie zur Kameradschaft Süd in München um Martin Wiese nachgesagt. Der damalige V-Mann-Führer aus dem sächsischen LfV und heutige Präsident des LfV Sachsen, Gordian Meyer-Plath, hatte Marcel Degner als Sektionschef der B&H in Gera und Mirko Hesse innerhalb der Skinheads Sächsische Schweiz implementiert. Interessant dabei ist zu wissen, dass Gordian Meyer-Plath während seines Studiums in Bonn mit der Burschenschaft „Marchia“ in Kontakt kam und dort auch Mitglied wurde. Einen interessanten Artikel zu dieser Burschenschaft hatte der Spiegel etwa fünf Monate vor den Morden an den beiden Uwes in Eisenach veröffentlich, auf den ich an dieser Stelle gerne verweise – Zoff in Deutscher Bruderschaft : „Kopfüber in den rechten Sumpf“ vom 17.06.2011.

Auch die Dortmunder Szene um Sebastian Seemann und Robin Schiemann, mit dem Beate Zschäpe im Gefängnis regen Briefkontakt pflegt, dürfte zu Kai Daleks intensiven Kontakten zählen. Und wenn ich mir Sebastian Seemann auf Bildern so ansehe, könnte er tatsächlich eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Phantombild aufweisen, das die Polizei nach dem Attentat in der Kölner Probsteigasse auf die Tochter eines iranischen Einwanderers veröffentlichte. Aus dem Umfeld der Düsseldorfer Neonaziszene stammt auch Carsten Schultze, Mitangeklagter im NSU-Prozess.

Gegen Kai Dalek wurde bereits 1995 bis 1997 in Gera wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Das Verfahren wurde jedoch wegen seiner Tätigkeit als V-Mann eingestellt.

Benjamin Gärtner aus dem Kasseler Sturm 18, einer der V-Männer von Andreas Temme aus dem LfV Hessen, ist der Stiefbruder von Christian Worch, einem Anhänger der verbotenen Blood & Honour-Sektion. Worch hatte genau wie Uwe Mundlos seinen Dienst bei der Bundeswehr versehen und dürfte damit ebenfalls in Kontakt mit dem MAD gekommen sein. Es würde mich nicht wundern, wenn Christian Worch selbst ein V-Mann des MAD im Rahmen der Operation Rennsteig war. Uwe Mundlos traf sich im Juni 1996 mit dem hessischen MAD-Offizier und der rechten Szene nahestehenden Wolfgang Juchem. Und auch der BND scheint in irgendeiner Weise mit der Operation Rennsteig verstrickt zu sein, denn der Spiegel berichtete in seiner Online-Ausgabe vom 08.Februar 2013, dass gegen einen BND-Mann mit Namen Joachim Freiherr von Sinner (siehe http://www.sigint-group.org/index.php/Thread/3780-Verbindungsstelle-61/) , damaliger Außenstellenleiter der Verbindungsstelle Mainz in der Kaserne der Bundeswehr wegen des Verdachts der Bildung einer bewaffneten Gruppe und Verstoß gegen das Waffengesetz seitens der Heidelberger Staatsanwaltschaft ermittelt wurde. Just zum Zeitpunkt, als der Spiegelartikel erschien, wurden ganz schnell die Ermittlungen eingestellt. Die Grünen ließen sich allerdings davon nicht weiter beirren und stellten am 19.03.2013 eine kleine Anfrage an die Bundesregierung (siehe Kleine Anfrage mit Antwort, Drucksache 17/12886).
Dieser feine Herr ist auch Mitglied im Reservistenverband und sofort wird man an den derzeitigen NSA-U-Ausschuss erinnert, als Roderich Kiesewetter Anfang Februar 2015 das Handtuch warf, weil in seinem unmittelbaren Umfeld BND-Leute installiert wurden (siehe auch meine Ausführung zum Germanwings-Absturz). Die allzu große Affinität zu rechten Kreisen und Neonazis kommt meines Erachtens ganz deutlich in dem Artikel „Als der Großvater den Ersten Weltkrieg unterbrach“ vom 24.12.2014 zum Ausdruck.
Da ist ein Foto von dieser Type zusammen mit seinem Bruder abgebildet, bei dem man schon vom Anschauen weiß, mit wem man es zu tun hat. Das sind die ewig gestrigen Rassisten und Unverbesserlichen, die sich gerne in alten Kriegsgeschichtchen ergeben und etwas von der guten alten Zeit faseln, selber aber noch nicht einmal fähig sind, in der heutigen Zeit ein vernünftiges Miteinander zu pflegen. Wenn sie dann selbstwegen ihren Aussetzern eine aufs Maul bekommen, dann schreien sie gleich nach der Polizei, der Mami mit dem Griesbrei oder behaupten, sie würden von bösen Frauen gemobbt und wären Opfer einer Intrige. Das eigene Verhalten scheint dabei kein Thema zu sein. Offensichtlich geht diesen Herren einer ab, wenn sie mit ihren Waffen herumspielen, sich wie Wildsäue aufführen und mal in der Gegend herumballern dürfen – armes Deutschland kann ich da nur sagen.

Wer Lust hat, kann über diesen Herrn noch weiter recherchieren, denn dort scheint mir noch eine Menge Dreck unter dem Teppich zu sein, von dem es Zeit wird, dass er mal hervorgeholt wird.
Möglicherweise sind die Verbindungen eines Herrn von Sinner zu Rechtsextremisten aus dem Umfeld des NSU und des Mordes an Michele Kiesewetter weit enger, als bisher vermutet. Oder kann es etwa ein Zufall sein, dass der Stern von einer amerikanischen Ermittlungsgruppe der DIA berichtete, die zum Zeitpunkt des Mordanschlags an den beiden Polizisten vor Ort im Rahmen einer Operation anwesend war und deswegen die Operation abbrechen musste?
Dieser vorgebliche Freiherr von Sinner war als Verbindungsmann der Amerikaner in Mainz eingesetzt. Die Zeit hatte ebenfalls zu diesem Punkt einen sehr interessanten Artikel „Geheime unter sich – Untragbarer Islamhasser oder missverstandenes Mobbingopfer? Der BND streitet mit einem Mitarbeiter“ am 14. März 2013 veröffentlicht.

Und was ist dann an den Ausführungen von Udo Schulze in seinem Buch „NSU- was die Öffentlichkeit nicht wissen soll“ dran, wenn er ausführt: „Wie mir bereits vor Jahren in einem vertraulichen Gespräch mit einem ehemaligen Fallschirmjäger der Bundeswehr mitgeteilt wurde, sollen deutsche GLADIO-Angehörige Anfang bis Mitte der 1990-er Jahre sogar fertige Putschpläne gegen die damalige Bundesregierung in der Schublade gehabt haben. Man war demzufolge bereit, zu einem bestimmten Zeitpunkt loszuschlagen. Listen, auf denen festzusetzende Personen standen, lagen bereit; Kasernen zur Unterbringung von Gefangenen waren bereits ausgesucht. Federführend sollen dabei Einheiten aus der Eisberg-Kaserne in Nagold im Nordschwarzwald gewesen sein. Die Einheiten sollen bei Bekanntwerden der Pläne durchs Bundesverteidigungsministerium aufgelöst, die Soldaten versetzt worden sein.“

Und mit einem angeblich noch aktiven deutschen Geheimdienstmitarbeiter soll er die Frage erörtert haben, was es mit der sogenannten „Heimatschutzbataillone (HSchBtl) auf sich hat. Das soll eine aus Reservisten bestehende Truppe mit besonderen Aufgaben gewesen sein. Gibt es hier einen engen Zusammenhang des BND und MAD zum THS? Immerhin soll diese Einheit bis 2007 existiert haben.

Zurück zum Kasseler Sturm. Führer des Kasseler Sturms 18 war Bernd Tödter. Hajo Funke zitiert aus dem ARD-Magazin Fakt vom 13.05.2014: „Womit Andreas Temme in der Kasseler Außenstelle des Verfassungsschutzes genau befasst war, durfte die Polizei (daher) nicht aufklären. Denn der Dienst blockierte nach Kräften die Ermittlungen, stellte Akten nicht bereit, ließ Vernehmungen der Spitzel nicht zu. Mehr noch: er unterrichtete – gegen jede Regel – den Verdächtigen [Anm. gemeint ist Benjamin Gärtner] fortlaufend über den Stand der polizeilichen Ermittlungen.“ (Quelle: Staatsaffäre NSU. Eine offene Untersuchung, Hajo Funke, S. 101).

Und weiter heißt es dann zum Artikel von Pitt von Bebenburg: „Heute weiß man, dass er [Anm. gemeint ist Volker Bouffier] schon gelogen hat, als er sich zum ersten Mal in der Angelegenheit äußerte. Das war im Sommer 2006, als die Innenpolitiker des hessischen Landtags mehr als zwei Monate nach der Tat in der Zeitung lasen, dass beim Ceská-Mord von Kassel ein Verfassungsschützer am Tatort gewesen war. Seinerzeit behauptete Bouffier wahrheitswidrig, er habe das auch erst aus der Presse erfahren. Tatsächlich aber wusste er, wie die Akten beweisen, längst Bescheid.“ (Quelle: Staatsaffäre NSU. Eine offene Untersuchung, Hajo Funke, S. 103).

Grundsätzlich merke ich auch an dieser Stelle wegen dem schwarzmagischen Aspekt an, dass offensichtlich mehrere Alt- und Neonazis als bevorzugte Wohn- und Agitationsstätten Schlösser suchen. Neben Karl Heinz Hoffmann (Schloss Ermreuth) und seinem Geschäfts- und Gesinnungspartner aus Innsbruck, Reinhard Rade (Schloss im Muldentalkreis) hat sich auch Oliver Malina, einer der führenden Köpfe der Kameradschaft Honour & Pride mit engen Beziehungen zur verbotenen B&H ein Schloss in Groß Germersleben, Börder Landkreis in Sachsen-Anhalt zugelegt (siehe Staatsaffäre NSU. Eine offene Untersuchung, Hajo Funke, S. 132).

Ihre Vorbilder Heinrich Himmler mit seiner Wewelsburg oder auch die Thule-Gesellschaft um Karl Hausdorfer und Rudolf von Sebottendorf sowie dem „Blut und Boden“-Propagandisten Richard Walther Darré scheinen bis heute besonderen Eindruck bei der rechten Szene hinterlassen zu haben.

Michele Kiesewetters Patenonkel selbst war Kripobeamter beim Thüringer Staatsschutz in Saalfeld. Er müsste also bestens mit der Szene vertraut gewesen sein. Seine mittlerweile Ex-Frau Anja Wittig, ebenfalls Polizeibeamtin, war eine der engsten Freundinnen von Michele Kiesewetter. Sie war interessanterweise im Ermittlungsteam um Wolfang Geier dabei, als es um den seit Mai 2001 bundesweit bekannten Vermisstenfall „Peggy Knobloch“ gegangen war, der bis heute nicht aufgeklärt wurde. Ausgehend von einem Mord hatte man damals den von einem türkischen Vater abstammenden und geistig behinderten Ulvi Kulac verantwortlich gemacht. Peggys Stiefvater war ebenfalls Türke.

In der Polizeieinheit, in der Michele Kiesewetter zuletzt tätig war, der BFE 523, waren mindestens zwei Polizeibeamte beim Ku Klux Klan um Achim Schmid, V-Mann des LfV Stuttgart.

Nach allem, was bisher an offenen Informationen vorliegt, ist also davon auszugehen, dass ihr Patenonkel hinreichende Kenntnisse über die Neonazi- und V-Mann-Szene in Thüringen mit Verbindungen nach Sachsen erhielt und Michele Kiesewetter möglicherweise auch davon Kenntnisse erhielt. Weiterhin ist anzunehmen, dass Michele Kiesewetter über Anja Wittig über den Vermisstenfall Peggy Knobloch einige Ermittlungsinterna erfahren haben dürfte. Lichtenberg, der Ort, in dem für Susanne Knobloch sich die Welt von einem Tag auf den anderen geändert hatte, liegt um die 50 km südwestlich von Oberweißbach entfernt.

Und dann sollte man auch folgendes im Auge behalten, was Udo Schulze in seinem Buch „„NSU- was die Öffentlichkeit nicht wissen soll“ weiterschreibt: „Martin A., Kollege von Michele Kiesewetter und bereits zuvor erwähnt, scheint bei den Ereignissen von Heilbronn zunächst eine untergeordnete Rolle zu spielen. Doch der Schein trügt offenbar. Der junge Beamte, der nach seiner Behandlung im Krankenhaus wieder in den Polizeidienst eintrat und zunächst in der Böblinger Wildermuth-Kaserne Bürodienst versah, hat einen Stiefvater, der über Jahre hinweg Referatsleiter (also Führungsbeamter) im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz war. Kiesewetters Patenonkel, so wissen wir, ist Kripobeamter beim Staatsschutz in Saalfeld/Thüringen. Nun geistert eine These nicht nur durchs Internet, wonach Martin A. Kenntnis von denjenigen Kollegen bei der Bereitschaftspolizei erhalten haben soll, die im rechtsradikalen Ku Klux Klan (KKK) organisiert waren. Darüber soll er seine Kollegin Kiesewetter und seinen Stiefvater vom BfV berichtet haben. Kiesewetter informierte ihren Patenonkel, und die beiden Streifenbeamten – immerhin in der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Polizei – ermittelten auf eigene Faust. Das wiederum stieß in den Reihen der Kollegen auf Unmut, was auch der Vorgesetzte von Kiesewetter und A. erfuhr, der eines der KKK-Mitglieder gewesen sein soll. Schließlich habe man Kiesewetter vorzeitig aus dem Urlaub zurückbeordert. Auf der Theresienwiese hätten dann Kollegen von A. und der jungen Frau auf die beiden geschossen.[…] Fest steht jedenfalls, dass sich um Martin A. eine Reihe von Gerüchten ranken. So soll die Kundin eines Friseursalons, der einer Frau aus der rechtsradikalen Szene Baden-Württembergs gehört, in ihrer Eigenschaft als Krankenschwester auf den schwerverletzten A. angesetzt worden sein. Angeblich habe man diese Krankenschwester dazu bringen wollen, dem Polizisten ein flüssiges Schmerzmittel einzuflößen, was diese allerdings abgelehnt habe. Wurde Martin A. deswegen Hals über Kopf von der Intensivstation in Ludwigsburg in eine unbekannte Klinik gebracht? Besagte Krankenschwester soll seit Mai 2012 verschwunden sein.“

Zusammenfassend ist also festzustellen, dass Michele Kiesewetter und Martin Arnold geradezu umringt waren von V-Männern, V-Mann-Führern aus LfV, BfV, MAD und BND sowie Handlangern aus dem rechtsextremistischen Bereich, was aus meiner Sicht ebenfalls kein Zufall sein kann.

Interessanterweise war der damals zuständige Vorgesetzte von Staatsanwalt Christoph Meyer-Manoras der auch aus dem Sachsensumpf bekannte baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll. Der wurde nämlich Mitte 2007, also etwa drei Monate nach dem Mord an Michele Kiesewetter und versuchtem Mord an Martin Arnold, von seinem Kumpel, dem sächsischen Justizminister Geert Mackenroth gebeten, eine Personalie für eine „unabhängige“ Vertrauensperson zu benennen, welche die Untersuchung der so genannten „Akten-Affäre“ im LfV Sachsen durch die Weitemeyer- und Beyer/Irrgang-Kommission begleiten sollte.

Auf Vorschlag von Ulrich Goll wurde dann der Landgerichtspräsident von Waldhut-Tiengen, Wolfgang Eißer, als Inspekteur bestellt. Seine Unabhängigkeit war von Anfang an umstritten, wozu er selbst beigetragen hatte, als er ohne Not angab, dass er zwar viele Kollegen in Sachsen kennen würde, diese seien aber schon längst in Pension gegangen oder bereits versetzt.

Dieser Herr hatte nicht nur unbegrenzten Zugang zu allen Unterlagen, welche den inoffiziellen Untersuchungsgegenstand „Sachsensumpf und Fehlverhalten des OK-Referats im LfV sowie des Kommissariats 26 der Leipziger Kripo“ betraf, sondern auch Zugang zu Personaldaten innerhalb des LfV Sachsen.

Zudem ist er Vorsitzender der – und jetzt haltet Euch fest – „Landesstiftung Opferschutz“. In dieser Funktion konnte bereits die Unterstützergruppe um Harry Wörz einige Erfahrungen sammeln.

Harry Wörz ist wohl neben Gustl Mollath einer der bekanntesten Justizopfer in der BRD. Das hatte er ebenfalls den „Ermittlungspannen“ der Pforzheimer Polizei zu verdanken.

Seine Ex-Frau Andrea war Polizeibeamtin bei der Pforzheimer Polizei und wurde im April 1998 fast zu Tode gewürgt. Ihr Vater konnte sie zwar wiederbeleben, aber letztendlich hatte seine Tochter irreparable Hirnschäden erlitten und ist seitdem ein Schwerstpflegefall. Zum eigentlichen Tathergang kann sie sich bis heute nicht äußern.

Harry Wörz wurde damals für den versuchten Totschlag zu 12 Jahren Haft verurteilt. Ihm gelang nur unter viel Mühen und unter Zuhilfenahme der Öffentlichkeit ein Wiederaufnahmeverfahren. Diese Wiederaufnahme war ohnehin nur einem Zufall zu verdanken, denn der Vater seiner Ex-Frau hatte nach Harry Wörz´s erster Verurteilung gegen ihn einen Zivilgerichtsprozess auf Schadensersatz und Schmerzensgeld angestrengt. Bei der zivilgerichtlichen Untersuchung dieses Falles stellten die Richter die unglaublichen Schlampereien und mangelhafen Beweissicherungen fest. Vielmehr wurde angenommen, dass die entlastenden Beweismittel, die für die Unschuld Harry Wörz´s gesprochen hätten, unterschlagen wurden. Deswegen entschieden die Richter, die Klage vom Vater abzuweisen. Kurze Zeit später verstarb dann der Vorsitzende Richter.

Letztendlich verdichtete sich immer mehr der Verdacht, dass der Polizeikollege und zeitweise Geliebte seiner Ex-Frau, Thomas H., viel eher für die Tat in Betracht kommen könnte. Die Pforzheimer Polizeibeamten hatten jedoch bei der Tatortuntersuchung und Zeugenbefragung ganze Arbeit geleistet und für Harry Wörz entlastende Spuren unterschlagen bzw. sie nicht zu seinem Gunsten ausermittelt.

Sowohl im zweiten als auch im dritten Strafprozess wurde schließlich Harry Wörz vom Vorwurf des versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau freigesprochen und seitdem kämpft er um Wiedergutmachung seines Schadens, der ihm durch die zu Unrecht erlittene Verurteilung und Haft zugefügt wurde.

Offen gestanden habe ich mich damals schon gefragt, warum der Vater so wenig Interesse zeigte, den wahren Täter, der für den katastrophalen Zustand seiner Tochter verantwortlich ist, vor Gericht zu bringen. Das soll jetzt an dieser Stelle aber nicht das Thema sein – wichtiger ist, dass im Fall Harry Wörz offensichtlich auch eigene Polizeikollegen in der Sache verstrickt sind und bei der Deckung ihres Kollegen Thomas H. zumindest in Kauf nahmen, dass ein Unschuldiger verknackt wurde.

Harry Wörz hat zwar für den entgangenen Verdienst während seiner Zeit in Haft eine sechsstellige Entschädigungssumme und den üblichen Tagessatz von 25 Euro für die zu Unrecht erlittene Haft nach langer Auseinandersetzung erhalten, kann aber infolge psychischer und physischer Erkrankung, ebenfalls hervorgerufen durch die Haft, nicht mehr arbeiten und seine mittlerweile neue Familie nebst schwerstbehinderter Ex-Frau adäquat unterstützen. Hinzu kommen weitere Behandlungskosten. Deswegen wandte sich damals die Unterstützergruppe an Wolfgang Eißer in seiner Funktion als Vorsitzender der „Landesstiftung Opferschutz“. Seine Antwort kam schnell und ebenfalls bezeichnend.

Der Opferschutz wäre für diesen Fall nicht zuständig, außerdem könne Harry Wörz gegenüber dem Staat Anspruch auf Schadensersatz geltend machen. Er würde damit nicht zu den Opfern zählen und damit war der Fall erledigt. (Quelle: Harrys Forum)

Was dieser gute Mann allerdings übersieht – bis heute ist der wahre Täter nicht verurteilt worden, deswegen kann Harry Wörz im Zivilrechtsverfahren gegen keinen einzigen Polizeibeamten vorgehen, die damals dafür sorgten, dass er überhaupt ins Gefängnis kam. Und so lange keine Verurteilung des wahren Täters, möglicherweise ein Polizeibeamter und damit Landesbediensteter, erfolgt, kann er auch auf eine staatliche Wiedergutmachung lange warten.

Dieser feine Herr Eißer wurde also auch bei der Untersuchung innerhalb des sächsischen Justizapparats eingesetzt, angeblich – so die offizielle Ankündigung für uns Idioten aus dem Publikum – die möglichen Verstrickungen von Leuten aus dem Justizapparat zu untersuchen.

Die „unabhängige“ Untersuchung ging von Anfang an in eine Richtung – dem OK-Referat und dem Kommissariat 26 Fehlverhalten nachzuweisen, und nicht zu überprüfen, ob innerhalb des Justizapparates tatsächlich Amts- und Würdenträger in Straftaten und Verbrechen verstrickt sind.

Die Weitemeyer-Kommission, bestehend aus Ermittlern anderer Bundesländer, hatte interessanterweise nicht bestätigen können, dass alle Behauptungen seitens des OK-Referats und des Kommissariats 26 aus der Luft gegriffen wären. Vielmehr stellten sie fest, dass die Ansatzpunkte für eine Verstrickung von Justiz- und Polizeibeamten nicht genügend ausermittelt wurden. Zudem bemängelte die Kommission, dass im Kommissariat 26 bei der Leipziger Polizei gegen das Trennungsgebot zwischen Beschaffung und Auswertung verstoßen worden sei. Sie stellte ferner fest, dass das LKA Sachsen gerade im Fall Klockzin wichtige Indizien und Zeugenaussagen nicht in der für die Staatsanwaltschaft bestimmten Hauptermittlungsakte, sondern lediglich in einer Nebenakte geführt hatte und deswegen nicht im Strafverfahren berücksichtigt wurden.

Dieses Ergebnis interessierte weder Wolfgang Eißer noch Geert Mackenroth. Viel lieber stützten sie sich vollumfänglich auf die Ergebnisse der Beyer/Irrgang-Kommission.

Beyer war Richter am BGH und Lutz Irrgang ehemaliger Präsident des LfV Hessen. Wir wissen ja jetzt mittlerweile, dass Volker Bouffier tatkräftig interveniert hatte, als der im Fokus der Ermittlungen um den Mordfall Halit Yozgat stehende Andreas Temme aus dem LfV Hessen vernommen werden sollte, da zumindest in diesem Fall eindeutig bewiesen war, dass er sich nicht nur zur Tatzeit am Tatort aufgehalten, sondern vor dem Mord an Halit Yozgat auch ein längeres Gespräch mit Benjamin Gärtner, seinem V-Mann aus der Szene, geführt hatte. Auf den Aufruf an Zeugen, die im Zusammenhang mit dem Mord wichtige Beobachtungen gemacht haben könnten, meldete er sich nicht. Außerdem wurde er ständig beim Lügen erwischt. Aus dieser Klemme hatte ihn schließlich Volker Bouffier herausgeholfen.

Die Beyer/Irrgang-Kommission lieferte bereits im August 2007 einen Zwischen- und Anfang Oktober 2007 den Abschlussbericht zu ihren „Untersuchungen“ ab. Diese standen diametral zu den Ergebnissen der Untersuchungsgruppe „Polizei“ unter der Weitemeyer-Kommission. So wurde dem OK-Referat LfV Sachsen unterstellt, Belastungseifer gegen unbescholtene Justizangehörige an den Tag gelegt zu haben. Wahrheitswidrig behauptete die Beyer/Irrgang-Kommission in ihrem Abschlussbericht, dass sich Simone Skroch wohl mehr oder weniger dafür rächen wollte, dass sie im Ermittlungsfall des Kinderbordells „Jasmin“ gegen Röger, Klockzin, Schnaars und Niemeyer nicht nur nicht der Tatverdacht bestätigt hätte, sondern alle auch von Anfang an völlig unschuldig in den Fokus der Vorermittlungen geraten wären. Simone Skroch soll damals in Leipzig die zuständige Staatsanwältin im Fall des Kinderbordells „Jasmin“ gewesen sein, was nachweislich falsch war, wie sich nach Überprüfung der Aktenlage herausstellte.

Die Aktenführung wäre im OK-Referat grauenhaft und völlig chaotisch gewesen, man hätte gegen das Trennungsgebot verstoßen und Informationen von zweifelhaften Quellen als Tatsachenbehauptungen stehenlassen. Zudem wäre es absolut unzulässig gewesen, Polizeibeamte als Informanten zu führen etc. pp.

Der Beyer/Irrgang-Bericht resümierte abschließend, dass das OK-Referat von Anfang an sich selbst überlassen wurde ohne Dienst- und Fachaufsichtskontrolle (ein Schlag auch in Richtung des damaligen LfV-Präsidenten Rainer Stock). In Wahrheit sei der Sachsensumpf ein Hirngespinst des OK-Referats gewesen, angeführt von einer ehemaligen DDR-Staatsanwältin, die wohl immer noch beeinflusst von damaligen Stasi-Methoden gewesen wäre. Diese Frau hätte gar nicht in den Staatsdienst der BRD übernommen werden dürfen, schon gar nicht in den höheren Dienst, da ihr die Voraussetzung für ein anerkanntes Universitätsstudium und polizeiliche Ausbildung gefehlt hätte.

Als Wolfgang Eißer Anfang August 2007 die ersten „Erkenntnisse“ aus der Beyer/Irrgang-Kommission öffentlich vorstellte, äußerte er sich wohlwollend gegenüber Journalisten, dass es endlich auch bei der Presse angekommen wäre, es nicht mit einer „Sachsensumpf-Affäre“, sondern vielmehr mit einer „Akten-Affäre“ aus dem LfV Sachsen zu tun zu haben. Danach verebbten auch die einzelnen kritischen Berichterstattungen zu einer möglichen Verstrickung von Justiz, Verwaltung und Polizei in die Organisierte Kriminalität. Die zahlreichen Treffen von Presseleuten im LfV hörten damit auch schlagartig auf.

Über die Zeuginnen aus dem Kinderbordell „Jasmin“ hatte sich Eißer herablassend und lästerlich geäußert. Für ihn wäre von Anfang an klar gewesen, dass diese Zeuginnen nicht nur ihre Aussagen abgestimmt, sondern diese auf Bestellung getätigt hätten.

Der Brüller kam aber erst während des 2. Untersuchungsausschusses der 5. Legislaturperiode heraus. Diesem lagen nämlich einige Emails von Wolfgang Eißer vor, die er im großen Verteiler, unter anderem auch an Justizminister Geert Mackenroth, den Dresdner OStA Schwürzer und der damaligen Staatssekretärin Gabriele Hauser schickte. Mittlerweile ist diese Dame Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Inneres (BMI).

Aus dem Email-Verkehr geht u.a. hervor, dass man sich offensichtlich eingehender mit dem Gesundheitszustand von Simone Skroch befasste und unter der Hand „Gesundheitsbulletins“ anlegte. So unterhielt man sich via Email über eine anstehende polizeiärztliche Untersuchung zur Dienstfähigkeit von Simone Skroch; von Eißer kam versteckt der Vorschlag, sich mit Simone Skroch Hausärztin in Verbindung zu setzen. Der U-Ausschuss kam damit zu dem Schluss, dass unbefugter Weise Personaldaten aus der Personalakte von Simone Skroch und wahrscheinlich auch von anderen Mitarbeitern des OK-Referats herausgegeben und Eißer vorgelegt wurden. Dass diese Annahme nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt sich auch darin, dass einige verdeckte Ermittler oder nicht offen ermittelnde Personen (noeP) aus dem OK-Referat und dem Kommissariat 26 plötzlich wieder Streifendienst versehen sollten – damit also für jene Kriminelle, die im Milieu (Rotlicht, Drogen, Schleuser, Kinderhandel etc.) tätig sind, öffentlich mit ihrer wahren Identität und Berufszugehörigkeit auf dem Teller zum Fressen serviert wurden. Von der im Beamtengesetz vorgeschriebenen Fürsorgepflicht des Dienstherrn war in diesem Fall jedenfalls keine Rede. Man versuchte diese Leute mutwillig, Gefahren auszusetzen mit dem Ergebnis, dass etliche Beamte entweder ihren Job freiwillig an den Nagel hängten oder dienstunfähig erkrankten und sich bei erheblichen Kürzungen der Bezüge in den Ruhestand versetzen lassen mussten, obwohl sie noch lange nicht das pensionsfähige Alter erreicht hatten.

Ist das etwa auch mit Michele Kiesewetter passiert, die möglicherweise aufgrund ihrer Unerfahrenheit sich zunächst als noeP für eine Drogenrazzia in einer Diskothek, die von osteuropäischen Kriminellen betrieben wurde, einsetzen ließ, um sie dann später bewusst über die BFE 523 in die Falle zu locken, indem man sie extra aus dem Urlaub holte und sie noch dazu mit einem Kollegen tauschen ließ für eine eher unspektakuläre offene Aktion in Heilbronn?

Es stellte sich ferner heraus, dass Eißer während dem Zeitraum Juli 2007 bis mindestens Oktober 2007 im engen Kontakt mit Reinhard Boos und Olaf Vahrenhold stand und ein reger „Informationsaustausch“ stattgefunden haben musste. Viele Interna aus dem OK-Referat, die mit dem Untersuchungsauftrag überhaupt nichts zu tun hatten, wurden möglicherweise so weitergegeben. Als Simone Skroch die Herausgabe des Abschlussberichts der Beyer/Irrgang-Kommission verlangte, wurde ihr diese verwehrt und als sie diese Herausgabe vor dem Verwaltungsgericht erstritten hatte, bekam sie den Bericht in großen Teilen geschwärzt zum Lesen. Vorsorglich war der Bericht nämlich als „Geheim“ eingestuft worden. Dagegen hatte sie dann wieder klagen müssen.

Diese politischen Seilschaften mit Freimaurer-, Burschenschaften- und Logenzugehörigkeiten ziehen sich quer durch die gesamte BRD. Scham- und charakterlos werden die Möglichkeiten des Rechtssystems für den eigenen Vorteil ausgenutzt und dort außer Kraft gesetzt, wo es für Politkriminelle aus Justiz, Verwaltung und Sicherheitsbehörden gefährlich werden könnte. Ich sehe eigentlich keinen Unterschied zum Dritten Reich aus der Nazi-Zeit, als Gestapo und das Juristenpack in gleicher Weise herummurksen und mauscheln konnten. Was nicht passt, wird eben passend gemacht – so einfach ist das und Konsequenzen folgen daraus bis heute nicht oder hat jemand schon einmal von einem Untersuchungsausschuss in der BRD gehört, der sich ganz speziell mit Logenzugehörigkeiten von Politikern, politischen Beamten und Juristen sowie deren Verbrechen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung, Korruption, Bestechung, Vorteilsannahme, Betrug, sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen und Minderjährigen, Verabredung zum Mord etc.) beschäftigte?

Spätestens der NSU-Fall würde dazu sicherlich umfangreiches Material hergeben.

Wie ich bereits im fünften Teil geschrieben hatte, waren uns da die Engländer zumindest seit dem Jahr 1996/1997 weit voraus.

Und bei der aktuellen Untersuchung zu einem möglicherweise weitumspannenden Kinderpornoring mit Verwicklung von Amtsträgern a la Dutroux-Auftraggebern haben auch hier wieder die Briten in Europa offensichtlich die Vorreiterrolle übernommen. Die Belgier wollten in ihrem Fall lieber auf Tauchstation gehen und alles unter dem Teppich kehren. In Amerika gab es bereits in den 80er Jahren den Franklin-Skandal, der zumindest vom Kongress ausgiebig untersucht wurde. Folgen hatte das allerdings nur für die kleinen Fische – die großen Hechte konnten auch dort weiterhin im Teich jagen.

So darf man mächtig gespannt sein, wie sich die Karriere vom Burschenschaftler Gordian Meyer-Plath nun weiterentwickelt, wenn mittlerweile der zweite NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag seine Arbeit aufnimmt.

Betrachten wir uns zunächst einmal die wichtigsten Beweismittel, die angeblich bei dem NSU-Terror-Trio sichergestellt bzw. in Verbindung gebracht wurden und eine Täterschaft belegen sollen:

  1. Paulchen Panther DVDs als Bekennervideo

Angeblich soll dieses Video in seiner ursprünglichen Fassung erstmalig 2002/2003 entstanden sein. Wozu der Aufwand, wenn es doch nie veröffentlicht wurde? In der einschlägigen Extremistenszene tauchte dieser Kurzfilm auch nicht auf. Ich hatte bereits erwähnt, dass nach dem Mord an Habil Kilic in München erst einmal eine Zäsur von knapp drei Jahren erfolgte, bevor sich das vorgebliche Mördertrio wieder an die Arbeit machte. Wäre doch ein guter Zeitpunkt gewesen, hier mal die ersten Bekennervideos herumzureichen, um sich einen angsteinflößenden Bekanntheitsgrad als Terrorgruppe samt Logo unter Gleichgesinnten zu verschaffen, denn die im Film gezeigten ursprünglichen Szenen beziehen sich auf den Zeitraum von 2000 bis 2001. Viele Teile der Mordserie wurden, wie sich immer mehr herauszukristallisieren scheint, im Nachgang erst 2007 eingefügt.

Ich habe mich deswegen gefragt, ob die DVD möglicherweise vom BfV oder LfV in der Anfangszeit selbst produziert wurde und zwar nicht als Bekennervideo, sondern ursprünglich gedacht als lockeres Einführungsmaterial zu Unterrichtseinheiten in Observation und V-Mann-Führung der jungen Auszubildenden. Dafür würde auch die Einarbeitung von Original-Tatortaufnahmen von zwei Opfern sprechen. Wir kennen das bereits vom Kurzfilm „Klaus, der Gabelstaplerfahrer“.

Mit viel schwarzem Humor sollte dieser Film als Anschauungsmaterial für die Gefahren am Arbeitsplatz dienen.

Denkbar wäre auch, dass es sich um eine praktische Übungsaufgabe/Prüfaufgabe von Auszubildenden auf dem Gebiet der Foto- und Videobearbeitung innerhalb der Sicherheitsbehörden (BfV, LfV, LKA, BKA) handelte.

Die Szene, in der Paulchen Panther mit einem Revolver auf den Kopf eines Polizisten zielte, kann sich auch auf den Rechtsradikalen Michael Berger aus Dortmund beziehen, der am 14.06.2000 drei Polizisten mit gezielten Kopfschüssen tötete, eine Polizistin schwer verletzte und sich anschließend selbst richtete. Ich kann nicht erkennen, dass es sich um eine Anspielung auf den Mord an Michele Kiesewetter handeln sollte. Uupps, versuche ich da gerade einen weiteren Mord dem NSU unterzuschieben? Nein, denn der Täter stand ja damals fest – was wäre aber, wenn man diesen Mörder nicht ausfindig gemacht hätte – würden diese Morde dann auch auf das Konto des NSU hinzugerechnet werden? Sowohl im Wohnmobil als auch im Haus hatte man ja Unmengen an Pistolen, Gewehren und halbautomatischen Waffen „gefunden“.

Ach ja, aus dem Video geht der Typ der Mordwaffe, mit denen die Migranten hingerichtet wurden, nicht explizit hervor. Wäre es nicht logisch, dass gerade dieses Detail im Bekennervideo quasi als Insiderwissen auftaucht – CESKA 83, das verbindende Element aller Morde an Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund? Dieses Video sagt deswegen für mich gar nichts aus, es ist als tragendes Indiz für den Nachweis einer Mordserie, angeblich verübt vom NSU, nahezu wertlos.

Aber Udo Schulze weiß in seinem Buch „NSU – was die Öffentlichkeit nicht wissen soll“ etwas Interessantes zu berichten. Er bezieht sich dabei auf die in der Kölner Keupstraße explodierte Nagelbombe, die ja auch im Paulchen-Panther-Video auftauchte. Neben Combat 18 war auch ein gewisser Michael Krause dafür bekannt, solche Bomben zu bauen. Dabei handelte es sich um einen Tramp aus Bayreuth, der vielen aus der Umgebung wegen seiner schrulligen Art bekannt war. Neben Vollbart und langem Haar trug er als weiteres Kennzeichen immer rote, säurefeste Handschuhe. Schulze schreibt dazu weiter: „Doch der Obdachlose war nicht irgendein Kauz, sondern offenbar ein hochgefährlicher Mann, in dessen Rucksack die Polizei 38 verschlüsselte Lagepläne von Erddepots mit Waffen, Munition und Bomben fand. Verstreut waren die Lagerstätten über Thüringen, Bayern, Sachsen und Österreich. Entdeckt wurde das Geheimnis, nachdem Krause sich im Mai 2008 zwischen Bayreuth und der Ortschaft Bindlach aus bis heute nicht geklärten Gründen eine Schießerei mit der Polizei geliefert hatte, die für ihn tödlich endete, weil er sich selbst gerichtet haben soll. Dem vorausgegangen war eine einfache Kontrolle Krauses durch die Beamten, weil der Mann sich an einem Fahrrad zu schaffen gemacht hatte. Die Hintermänner Krauses sind offiziell bis heute unbekannt.“

Krause, der eigentlich gebürtiger Berliner war, hatte sich offensichtlich im Frankenland zwischen Hof und Bayreuth öfter herumgetrieben und war zuletzt in Plauen gemeldet. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 53 Jahre alt.

Meine Theorie, dass es sich bei dem Paulchen-Panther Video um ein ursprünglich als Lehrmittel für die Verfassungsschutzämter witzig gemachtes Einführungsfilmchen gehandelt haben könnte, stützt sich auch auf die Wahl der Zeichentrickfigur selbst. Bereits seit dem Jahr 2000 hatte nämlich eine Bande namens „Pink Panther“ sowohl in Europa als auch in Amerika durch brutale Überfälle auf Juwelierläden einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Udo Schulze schreibt in seinem Buch „NSU – was die Öffentlichkeit nicht wissen soll“ dazu folgendes: „Die absolut skrupellos vorgehenden Bandenmitglieder sind in ihrer Mehrheit ehemalige Kämpfer aus dem Jugoslawien-Krieg und kennen somit weder Gnade noch den wirklichen Wert eines Menschenlebens. Über ihre Schmuggelwege laufen nicht nur Diamanten („Pink Panther“ ist die Bezeichnung eines bestimmten Diamanten), sondern vermutlich auch Drogen und Waffen. […] Die Bande „Pink Panther“ soll seit 2003 verstärkt aktiv sein und wird als äußerst gefährlich bezeichnet. Schließt sich hier möglicherweise ein Kreis, dessen Existenz den Behörden bisher nicht klar war? Ein Kreis, der sich aus früheren Söldnern und Soldaten des Jugoslawien-Krieges gebildet hat und nun seinem verbrecherischen und blutigen Handwerk nachgeht?“

  1. Geld vom letzten Bankraub

Auch hier gibt es äußerst widersprüchliche Aussagen seitens der Ermittlungsbeamten. Das Geld, das zum Teil noch mit Originalbanderolen gebündelt war, stammte aus verschiedenen Raubüberfällen. Die Verteidiger der Angeklagten Wohlleben und Zschäpe haben da schon die berechtigte Frage gestellt, warum Gelder aus vergangenen Raubüberfällen offenkundig nicht ausgegeben, ja sogar noch mit Originalbanderolen, noch dazu ohne Fingerabdrücke des NSU-Trios unberührt blieben. Richter Götzl hat die Beantwortung dieser Frage aber abgewürgt, denn die Ermittler hatten dafür keine Erklärung parat gehabt.

Ich, naiv wie ich nun mal bin, habe aber ebenfalls gedacht, das Trio hätte sich mit Raubüberfällen über Wasser halten müssen. Die ganzen Reisen mit angemieteten Wohnmobilen, die konspirativen Wohnungen, Lebenshaltungskosten, Zigaretten etc. kostete ja nun auch ein Haufen Geld.

Gut, lassen wir das mal dahingestellt sein. Was aber sollen diese Geldbündel beweisen? Allenfalls kann daraus ein Indiz für die Beteiligung an Banküberfällen hergeleitet werden, nicht aber auch an der Mordserie.

  1. Blutige Trainingshose plus Taschentücher von Uwe Mundlos

Angeblich sei die seit vier Jahren ungewaschene Hose als Trophäe in der Zwickauer Wohnung aufbewahrt worden. Welchen Zweck soll so eine Trophäe verfolgen? Angeben kann man damit nicht, denn dazu müsste man erst einmal nachweisen, dass das Blut auf der Hose von einem bundesweit bekannten Mord stammt. Ich habe noch nicht gehört, dass das Trio auch in DNS-Analysen bewandert war.

Aber es macht sehr viel mehr Sinn, anzunehmen, dass diese mit dem Blut von Michele Kiesewetter befleckte Hose von einem der Täter, der Michele Kiesewetter getötet hatte, irgendwo weggeschmissen wurde und dann von einem Ermittlungsteam oder von unbedarften Zeugen gefunden und von der Polizei sichergestellt wurde. Demnach könnte diese Hose auch als Asservat bereits vier Jahre irgendwo geschlummert haben. Die Papiertaschentücher von Uwe Mundlos könnten auch im Wohnmobil sichergestellt und dann aus welchen Gründen auch immer in die Trainingshose gesteckt worden sein, um sie schließlich nachträglich nach Zwickau in die Frühlingsstraße zu verbringen. Ich behaupte nicht, dass dies von Polizei-, Ermittlungsbeamten oder Justizangestellten erfolgte. Theoretisch könnte sich auch jemand unbefugter Weise in so eine Asservatenkammer geschlichen haben, um dieses „Beweismittel“ an sich zu nehmen und bewusst dort zu platzieren, wo man es benötigte. Der Fall des Soldatenmord von Lebach ist dafür ein gutes Beispiel. Einer der Täter war Justizangestellter und hatte die Mordwaffe aus der Asservatenkammer entwendet. Weiterhin kämen auch V-Leute aus Geheimdiensten in Frage, die es mit Sicherheit auch innerhalb der Polizei und Justizangestellten geben dürfte.

Diese Theorie ist jedenfalls auch nicht absurder als die Behauptung, eine Hose ungewaschen vier Jahre als Trophäe aufzuheben, zumal das Misstrauen gegenüber solchen Beweismitteln aufgrund der zahlreichen Ermittlungspannen ohnehin sehr hoch ist.

Bekanntermaßen war Beate Zschäpe ziemlich ordentlich, genauso wie Uwe Mundlos. Auf dem Überwachungsvideo kann man erkennen, wie die eine frisch gewaschene Wäsche aufhängt und der andere den Hausflur putzt. Und wieso hat man keine anderen Trophäen in Haus gefunden? Mordopfer mit blutigen Kleidungsstücken gab es doch genug. Nach der Logik der Ermittler hätte man eigentlich solche „Trophäen“ im Haus finden müssen, die definitiv den Opfern zugerechnet werden hätten können, vielleicht auch, um das Paulchen Panther-Video damit anreichern zu können, wenn es denn eine NSU-Produktion gewesen wäre, was ich aber mittlerweile ausschließe.

  1. Mutmaßliche Mordwaffe CESKA 83

Auf dieser Waffe fanden sich keinerlei Fingerabdrücke oder Spuren von dem mutmaßlichen NSU-Trio. Es ist noch nicht einmal sicher, ob diese Ceska 83 tatsächlich die Tatwaffe ist, mit der neun Menschen erschossen wurden. Aber gut, nehmen wir an, es wäre die Tatwaffe – beweist das aber auch automatisch, dass dieses Trio auch die Mörder oder Tatbeteiligte waren? Genauso ist vorstellbar, dass diese Waffe im Auftrag von einem Mörder aus der Szene dem Trio übergeben wurde. Den Fall hat es schon einmal gegeben und zwar im Mordfall Ulrich Schmücker.

Im Juni 1974 wurde der zuletzt Mitglied in der Bewegung 2. Juni Ulrich Schmücker an der Krummen Lanke in Berlin Grunewald ermordet aufgefunden. Als Todesschützen wurden Wolfgang Weßlau, Wolfgang Strüken, Sönke Löffler, Anette von Wedel, Jürgen Bodeux und seine Freundin Ilse Schwipper aus der Wolfsburger Kommune identifiziert, die sich an Schmücker wegen seines „Verrates“ und Rolle als V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes angeblich rächen wollten. Fakt ist, dass Ulrich Schmücker in Bad Neuenahr zusammen mit Inge Viett verhaftet wurde. Im Gefängnis nahm dann der Verfassungsschützer mit Decknamen Peter Rühl alias Michael Grünhagen regelmäßig Kontakt zu Schmücker auf, um alles über die Bewegung 2. Juni und vor allem Inge Viett zu erfahren. Um aus dem Gefängnis zu kommen, willigte Schmücker zunächst ein, als V-Mann zu arbeiten. Die Aussagen, die er gegenüber dem Verfassungsschutz bei seinen Vernehmungen getätigt hatte, waren dem Verfassungsschutz bereits vorher aus anderen Vernehmungen bekannt gewesen. Insofern hatte Schmücker nichts verraten, was man ohnehin nicht schon vorher wusste. Von seinen Genossen wurde er jedoch trotzdem geächtet; so beschloss Schmücker nach Aussagen von Götz Tilgener, seinen Verfassungsschutz-Obmann zu töten, um wieder in der Gruppe aufgenommen zu werden. Götz Tilgener war auch bei dem geplanten Mordkomplott gegen Schmücker aktiv dabei und hatte schon den Bekennerbrief geschrieben; als er jedoch selbst Schmücker ermorden sollte, kamen ihm Bedenken und er lehnte ab. Tilgener verstarb bald darauf im Juli 1975 an einem akuten Stoffwechselzusammenbruch mit Herzversagen, angeblich hervorgerufen durch fortwährenden Nikotin-, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Im Schmücker-Mordprozess sollte er als Kronzeuge auftreten. Obwohl der Berliner Verfassungsschutz rechtzeitig über ihren V-Mann Volker Weingraber von dem bevorstehenden Mordkomplott unterrichtet wurde, unternahm dieser nichts zum Schutz von Schmücker. Im weiteren Verlauf versteckte Grünhagen sogar die Mordwaffe, die Weingraber ihm aushändigte, nachdem er diese Waffe von Weßlau übergeben bekommen hatte und hielt sie 15 Jahre im Tresor zurück. Stattdessen tat der Verfassungsschutz alles daran, um die wahren Umstände, die zum Mord an Ulrich Schmücker führten, zu vertuschen. Folge davon waren drei Revisionsverfahren der Verurteilten, bei dem schließlich nur noch mehr Jürgen Bodeux wegen Mittäterschaft verurteilt wurde. Bordeux war im Übrigen auch verdächtigt, V-Mann des BfV gewesen zu sein.

Stefan Aust schrieb Anfang 1980 ein Buch „Kennwort Hundert Blumen“, in dem er die offenkundigen Lügen und Vertuschungen des Berliner Verfassungsschutzes öffentlich machte. Seine Informationen hatte Aust von Frank Heigl bekommen, ehemaliger Beamter des BKA. Dieser hatte geheime Dokumente und Papiere von dem BKA-Kriminalhauptkommissar Wolfgang Buggenhagen erhalten und diese an Stefan Aust weitergeleitet. Zunächst wurde das Verfahren gegen Buggenhagen eingestellt, weil die Dokumente angeblich gefälscht wären, aber dann tauchte 1985 eine Tonbandaufnahme auf, die ein Gespräch zwischen Heigl und „Buggi“ aufzeichnete. Dieses Gespräch wurde in einer Wiesbadener Wohnung geführt und hatte die Ermittlungen im Schmücker-Mordfall zum Thema. Es kam zu regelmäßigen Treffen zwischen Heigl und Buggenhagen, das letzte fand am 06.12.1978 in einem Wienerwaldrestaurant in Wiesbaden statt, wo Stefan Aust unauffällig an einem Nebentisch saß und beobachtete, wie Buggenhagen diverse Akten zusammen mit Heigl durchblätterte und ihm anbot, Fotokopien zu überlassen. Buggenhagen selbst benutzte Tarnnamen wie Rolf Weckesser von der Firma „Redore“ in Neu-Ilsenburg.

  1. Zeitungsartikel über Dönermord und Bombenanschlag mit Fingerabdrücke von Beate Zschäpe

Was ich von dem Paulchen Panther-Video halte, in dem die besagten Zeitungsartikel eingearbeitet wurden, habe ich bereits unter dem ersten Punkt erläutert.

Es erklärt gar nichts, denn genauso gut ist vorstellbar, dass Beate Zschäpe diese Artikel von irgendjemanden aus der Szene oder vielleicht sogar von ihrem eigenen V-Mann-Führer erhalten hat, um sich mal diesbezüglich umzuhören und Informationen zu sammeln.

Und dann frage ich mich andererseits, wieso das Trio rund 10 Jahre alte Zeitungen und Zeitungsausschnitte aufhebe sollte. Gab es Zeitungsausschnitte von weiteren Morden oder Anschlägen? In einer Gesamtschau von einer Fülle an Indizien würden sicherlich die zwei Artikel die ganze Sache abrunden und eine zusätzliche Bestätigung für eine Tatbeteiligung liefern, aber was ist bisher von den maßgeblichen Indizien als verwertbarer Beweis übriggeblieben?

  1. Zwei Dienstwaffen von Martin Arnold und Michele Kiesewetter

Diese Waffen sollen in der Duschzelle des Wohnmobils (Arnolds Dienstwaffe) bzw. auf dem Wohnmobil-Tisch (Kiesewetters Dienstwaffe) aufgefunden worden sein. Komischerweise fanden sich auf diesen Waffen aber keine Fingerabdrücke vom Trio. Hingegen fand man DNS-Material, so genannte Mischspuren von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos auf beiden Waffen vor.

Ist das wirklich so verwunderlich, nachdem beide im Wohnmobil auf engstem Raum erschossen aufgefunden wurden? Um welche Mischspuren handelte es sich da konkret – Speichel, Blut, Schweiß, Schuppen? Abgesehen davon – wieso soll eine Dienstwaffe in der Nasszelle, die andere aber ganz offen auf dem Tisch aufbewahrt werden? Die Waffen stammen aus einem vier Jahre zurückliegenden Mordfall. Das Wohnmobil wurde für einen kurzen Zeitraum angemietet und hätte auch wieder zurückgegeben werden müssen. Warum sollten die beiden Uwes zwei Dienstwaffen aus Heilbronn ständig mit sich führen, wenn sie doch bereits eine blutige Hose als „Trophäe“ für den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter in Zwickau aufbewahrten?

Angesichts dieser sträflichen Schlampereien, die man bei dem Mord an den beiden Uwes (das steht für mich jedenfalls fest) und der Explosion der Zwickauer Wohnung an den Tag legte, braucht man sich nicht zu wundern, wenn nachvollziehbare Spekulationen über mutwillige Beweismanipulationen und Strafvereitelungen bis hin zu Rechtsbeugung und Verfolgung Unschuldiger die Runde machen. Die damit befassten Untersuchungsausschüsse hätten bei Stellung der richtigen Fragen bereits zu dem Schluss kommen können, dass an der Täterschaft des Trios Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erhebliche Zweifel bestehen.

Trotzdem muss doch etwas faul sein – schließlich hat man auf dem Laptop, der Beate Zschäpe zugeschrieben wurde, pornografisches Material, darunter auch solches mit Bezug zur Kinderpornografie entdeckt. Allerdings sollte dabei auch gleich erwähnt werden, dass es sich um Werbebilder bzw. Thumbnail-Bilder handelte, die als Vorschau eine bestimmte Aufnahmeserie ankündigten. Einschlägige Bilder aus der Szene konnten laut offizieller Berichterstattung somit nicht sichergestellt werden.

Soweit ich informiert bin, wurde dieser Fund auch im Anklage- und Prozessverfahren nicht mehr weiter thematisiert und trotzdem muss dieser Umstand näher betrachtet werden, denn er könnte unter Umständen ein Motiv dafür liefern, warum Mundlos und Böhnhardt sterben mussten , sowie Beate Zschäpe im Knast verrotten soll.

Weiter mit Teil 9

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