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Zurück zu Teil 1

Während des ersten Golfkrieges gab es eine Dame namens Dr. Rihab Taha, die einige Kilometer entfernt vom Kriegsgefangenenlager an der irakischen Grenze zu Saudi-Arabien eine Bombe zünden ließ. Es handelte sich um eine Milzbrand- (Anthrax)Bombe. Sie wollte wissen wie schnell sich die Erreger in der Luft ausbreiten. Innerhalb weniger Tage verstarben alle iranischen Kriegsgefangenen. Eine weitere Kollegin aus dem irakischen Biowaffenprogramm gesellte sich dazu. Es handelte sich hierbei um Dr. Huda Salih Mahdi Ammash. Ihr Vater Salih Mahdi Ammash war übrigens in den 50er Jahren Militärattaché in Washington gewesen, weswegen Huda in Texas studieren konnte.

Rihab Taha selbst hatte in Großbritannien ihr Studium absolviert. (Quelle: Free Republic „Is this the world´s deadliest woman?“ vom 29.12.2002)

Im März 1988 erfolgte durch die Iraker der Giftgasangriff auf das kurdische Dorf Halabdja mit mehr als 5.000 Toten.

Es ist anzunehmen, dass die Israelis über diesen und andere Vorfälle aufgrund ihrer iranischen und arabischen Verbindungen bestens informiert waren und schon deswegen dem Treiben von Saddam Hussein ein Ende setzen wollten.

Bei ABC-Waffen hört eben der Spaß auf oder besser gesagt – quod licet Jovi, non licet Bovi (Was Jupiter erlaubt ist, ist noch lange nicht dem Ochsen erlaubt). Die Antwort auf Saddam Husseins geplante Atombombe vor der Nase Israels hatte man bereits im Juni 1981 durch die Bombardierung des Atomkraftwerks Tammuz 1 gegeben.

Ich werde später noch genauer darauf eingehen, was im Zuge der Waffeninspektionen nach dem Zweiten Golfkrieg im Irak alles an Erkenntnissen zutage gefördert wurde und dann kann man vielleicht auch die Vorgänge rund um „Curveball“ besser verstehen, die zum Dritten Golfkrieg, dem persönlichen Waterloo von Saddam Hussein und dem bis heute andauernden Chaos im Nah-/Mittelost führten.

Zunächst aber möchte ich noch einen kurzen Abstecher zu den Vorgängen vor dem ersten Irakkrieg unternehmen.

Vater Georg Bush musste sich mittlerweile auf seine ohnehin umstrittene Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1988 konzentrieren und konnte deswegen kein zusätzliches Störfeuer gebrauchen. Blöderweise kam Ende des Jahres 1986 die Iran-Contra-Affäre ans Licht, die man mit viel Mühen und unter größter finanzieller Anstrengung unter dem Teppich zu kehren wusste. Vor allem ging es darum, die spätere Unterstützung des Iraks durch deutsche und amerikanische Waffenlieferungen vor den Israelis geheim zu halten. Allerdings mussten dafür viele Demokraten innerhalb der Untersuchungskommission bestochen werden, damit die richtigen Leute für diese Vertuschungsaktion auf die maßgeblichen Positionen innerhalb der Kommission gesetzt werden konnten (siehe John Tower als Leiter der Untersuchungskommission), um das Ganze ins Leere laufen zu lassen.

Der letzte Vorfall im Juli 1988, bei dem eine iranische Passagiermaschine von der amerikanischen Marine mit zwei Lenkwaffen abgeschossen wurde, brachte dann aber auch die Weltbevölkerung auf. Insofern musste erst einmal einen Gang zurückgeschalten werden.

Dass der Irak normalerweise infolge der Aufrüstungsmaschinerie, die zugunsten des Irans durch das Iran-Contra-Programm in Gemeinschaftskooperation mit Israel und Amerika den Krieg bereits Anfang der 80er Jahre verloren hätte, dürfte ziemlich wahrscheinlich sein. Zwei Waffenstillstandsangebote (1980 und 1982) seitens des Iraks wurden deswegen bereits vom Iran abgelehnt.

Papa Bush, damals noch Vizepräsident und ehemaliger CIA-Direktor, hatte aber diametral zum Ansinnen der amerikanischen Bevölkerung und wahrscheinlich auch dem größeren Teil der amerikanischen Regierung ganz andere Pläne – die Affinität seiner Familie, insbesondere seines Vaters Prescott Bush zu Hitler und seiner Verbrecherbande habe ich bereits im Themenkomplex „Der Datenklau von Liechtenstein – Alte Kameraden stets zu Diensten – Teil 3 beschrieben.

Wie immer ging es dabei um viel, viel Geld durch Lug, Betrug, Völkermord und Diebstahl, aber auch um strategische Sicherung der amerikanischen Position im Nah-/Mittelostgebiet.
Die Syrer waren definitiv dem großen Bruder im Osten, Russland, zugeneigt. Die Israelis wollten sich auch langsam absondern und fühlten ebenfalls in Richtung UDSSR vor. Iran schien durch die islamische Revolution unter Ayatollah Khomeini ebenfalls wankelmütig zu werden und seine Vorteile im kommunistischen Machtbereich zu suchen, um dem verhassten Amerika mit seinem Marionetten-Schah von Persien endgültig den Rücken kehren zu können. Jordanien und die Türkei waren froh, wenn sie in Ruhe gelassen wurden und ihre eigene Macht- und Verteidigungspositionen im Nahen und Mittleren Osten sichern konnten. Libanon und die palästinensischen Autonomiegebiete waren durch die in der Hauptsache von Alt- und Neonazis angezettelten Bürgerkriege mit sich selbst beschäftigt.

Die einzigen verlässlichen Partners-in-Crime in dieser Region blieben die arabischen Königshäuser, allen voran Saudi-Arabien, mit denen Bush, Cheney, Rockefeller und die anderen Neocons durch ihre Öl-, Waffen- und Investitionsgeschäfte viel verband, zum Beispiel über die Bin-Laden-Familie oder Prinz Bandar. Außerdem verfügte der Irak mit 85 Milliarden Barrel die zweitgrößten Erdölreserven der Welt.

Nachdem auch die verdeckte Unterstützung des Iraks mit konventionellen Waffen unter Vermittlung des israelischen Premiers Shamir durch die UDSSR bekannt wurde, musste etwas dagegen unternommen werden, um endlich dem russischen Bär und seinem wachsenden Einfluss in dieser Region die Krallen zu stutzen. Das wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Desaster nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 (siehe auch meine Ausführungen in „Der Datenklau von Liechtenstein“ und „Die Plutonium-Affäre“ zum Clearstream- und Yukos-Skandal) dürfte eines der Produkte aus dieser Zeit gewesen sein.

Was war also besser geeignet, als Saddam Hussein mit seinen Allüren und diktatorischem Machtgehabe zu benutzen?

Was bei Hitler und den Deutschen funktionierte, musste also auch für Saddam gelten. Dafür brauchte Saddam aber sehr viel Geld, um an effektive Waffen heranzukommen. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Iran war sein Land so gut wie pleite. Das anvisierte Projekt einer Ölpipeline von den Ölfeldern im Nordirak zum Hafen von Aqaba in Jordanien durch das weltweit größte amerikanische Bauunternehmen Bechtel sollte Anfang 1984 der Kreditbeschaffung für Saddam Hussein dienen. Die amerikanische Regierung hatte dieses Projekt auch bereits genehmigt, denn in dem damaligen Außenminister Georg Schultz und dem Verteidigungsminister Caspar Weinberger hatte man wohlwollende Fürsprecher gewonnen, was auch kein Kunststück ist, denn beide waren zuvor bei Bechtel angestellt – Schultz als Vorstandsmitglied der Bechtel und Weinberger als Generaldirektor. Blöd nur, dass die dafür zuständige amerikanische Export-Import Bank Saddam zuerst keine Kredite gewähren wollte. Das veranlasste Georg Bush sen. im Juni 1984 seinen guten Kumpel aus Skull & Bones-Zeiten William H. Draper III. anzurufen. Der saß mittlerweile im Vorstand der Export-Import-Bank. Eine Woche später hatte Bush für Saddam die Genehmigung eines Bürgschaftskredits von 500 Millionen US Dollar erwirkt. Nachdem aber das Projekt aufgrund des Aufschreies von Israel ins Wasser fiel, gab es erst einmal „nur“ 35 Millionen US Dollar im Jahr 1985 und dann 267 Millionen US Dollar 1990.

Zuvor hatte Bush schon beim amerikanischen Landwirtschaftsministerium getrickst. Es geht um das amerikanische Programm für Kredite auf Nahrungsmittelexporte (Commodity Credit Corporation). Ende 1983 erhält Saddam einen Kredit für 402 Millionen US Dollar. Ein zweiter Kredit von 513 US Dollar wird im Jahr 1984 gewährt, natürlich mit tatkräftiger Unterstützung von Georg Bush sen. Im Jahr 1988 waren über 1 Milliarde US Dollar auf diese Weise an Saddam Hussein gegangen. Die Kredite wären allerdings für den Ankauf von Saatgut und Lebensmitteln gedacht gewesen.

Die Banca Nazionale de Lavoro (BNL) mit ihrer Zweigniederlassung in Atlanta, Georgia stellte dem Irak ungedeckte und nicht genehmigte Kredite von insgesamt vier Milliarden Dollar aus. Da fühlt man sich doch gleich wieder an die Hypo Alpe Adria Group und ihren eigenartigen Investitionsgeschäften auf dem Balkan erinnert. Eingefädelt hatte das Ganze Brent Scowcroft, Chef des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) und Angestellter von Henry Kissingers Consulting Firma, zu dessen Kunden auch die BNL zählte. Die finanzierte nebenbei auch einige Tarn- und Unterstützerfirmen der amerikanischen Geheimdienste. So konnte also nichts mehr schief gehen und die Türen für den Waffenhandel standen offen. (Quellen: Green Left Weekly, „How the US armed Saddam Hussein with chemical weapons” vom 28.08.2002  und Eric Laurent, Die Kriege der Familie Bush)

Mit dem irakischen Botschafter Nizar Hamdoon fädelte Bush im März 1987 das verdeckte Waffengeschäft ein. Bereits im April 1987 wurden Dual-Use-Technologien und Ausrüstungen im Wert von 600 Millionen Dollar, deklariert für zivile Zwecke, in den Irak transferiert.

Ob da Papa Bush bereits wusste, dass die Deutschen dem großen Bruder ihrer Zeit schon weit voraus waren?

Die Firma Havert Consult Projekt Engineering in Neu-Isenburg, Herzogstraße 61 zum Beispiel hatte Saddam Hussein bereits seit 1981 nachweislich Bauanleitungen für die russische „Scud-B“-Rakete aus HVA-Armee-Beständen übermittelt. Der Spiegel schreibt hierzu: „Überall fanden die Fahnder Detailskizzen von Kerosintanks, von Prüfständen, Triebwerksteilen und Stabilisatoren.

In wessen Auftrag die Tüftler in der südhessischen Kleinstadt arbeiteten, wurde den Ermittlern schnell klar: In den Aktenschränken standen 300 dicke Ordner mit arabischer Korrespondenz. Geschäftspartner waren die Waffeneinkäufer des Saddam Hussein.“ (Quelle: Spiegel „Mein Vetter in Bagdad“ vom 28.01. 1991)

Die Firma des Waffenhändlers Friedrich-Simon Heiner „Inwako GmbH“ mit Sitz in Bonn lieferte ebenfalls Raketenkomponenten nach Bagdad. Beliebt schien dabei der Transfer über eine jordanische Firma gewesen zu sein. Und auch die Firma C. Plath KG in Hamburg hatte offensichtlich seit 1988 an einem irakischen Raketenprogramm gearbeitet. Kreiselkompasse für Scud-B-Raketen zur Flugbahnkorrektur wurden als Ortungsgeräte für Ölbohrungen deklariert.

Und so steckten noch einige andere westdeutsche Firmen unter einer Decke, als es darum gegangen war, die von der ehemaligen UDSSR und Nordkorea ausgemusterten Raketen aufzupeppen und zu modernisieren, so dass sich die Reichweiten der umgebauten Scud-Raketen um 100% und mehr steigerten.

O.g. Spiegelartikel „Mein Vetter aus Bagdad“ schreibt dazu weiter: „Eine noch modernere Version der Schreckenswaffe ist die „El Abbas“, die angeblich 900 Kilometer schaffen soll. Die Reichweite verdankt sie speziellen Treibstofftanks. Auch die stammen offenkundig aus der Bundesrepublik.“

Die Umrüstung der russischen Raketen erfolgte übrigens schwerpunktmäßig in Falludscha. Daran gearbeitet hatten vor allem nordkoreanische und ostdeutsche Ingenieure und Techniker in friedlicher Eintracht.

Der Generalleutnant und stellvertretende Industrieminister Amer el-Saad, dem damals die Aufsicht über sämtliche Raketen- und Giftgasprojekte im Irak unterstanden, hatte in der Bundesrepublik studiert und war mit einer Deutschen verheiratet. Kein Wunder also, dass gerade die Waffengeschäfte mit den Deutschen so gut liefen.

Das Projekt 395 sah vor, die zweistufigen „Condor II“-Raketen um eine dritte Stufe zu steigern und somit eine Reichweite von 1.200 Kilometern zu erlangen. Zu Kriegsbeginn mit den USA im Jahre 1991 konnte das Projekt aber nicht mehr zum Abschluss gebracht werden.

Und weiter kann man im Spiegel lesen: „Der Irak kam sogar in den Besitz von Bauplänen für die von Thyssen-Wagner in Dortmund gebauten Triebwerke der neuen Europa-Rakete „Ariane“, deren Start erst für 1995 vorgesehen ist.“

Tja, FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff dürfte es gefreut haben, so gute Geschäfte für die BRD möglich gemacht zu haben. Geholfen hat ihm mit Sicherheit die lasche Kontrolle von Waffenexporten seitens des BAW.

Da macht sich dann auch wieder die Erfahrung aus dem Dritten Reich mit Giftgas bezahlt, denn in Samarra hatte die Firma Karl Kolb GmbH aus Dreieich in Hessen Anlagen für eine Giftgasfabrik geliefert und zwar nicht in unerheblichem Umfang, denn kurze Zeit später konnte man dort Kampfstoffe wie Tabun, Senfgas und Blausäure herstellen und über die Abfüllanlage zwei Kilometer von der Giftgasfabrik in Samarra entfernt Granathülsen und kleine Raketenkörper mit Giftgas auffüllen. Wenn man also einen entsprechenden Raketenwerfer einsetzt wie den Typ BM-21, können großkalibrige Raketengeschosse zusammengebündelt werden und großflächigen immensen Schaden für Mensch und Umwelt anrichten.

Tatkräftige Unterstützung für die Giftgasproduktionsanlage einschließlich Befüllung der Raketen und Granaten und Beschichtung zur Abdichtung der Geschoß-Innenwände, die dann Saddam auch selbst vornehmen konnte, bekam Karl Kolb GmbH von der Hamburger Firma Water Engineering Trading (W.E.T) und die aus Hessen stammende Firma Lab Consult. Saddam erhielt jedenfalls deutsche Qualitätsarbeit vom Feinsten.

„Daß es an Munition nicht mangelt, ist auch der italienischen Firma Snia Techint zu verdanken, einer Tochtergesellschaft von Dynamit Nobel. Die Waffenhersteller sollen mindestens 25 000 Raketenkörper des Kalibers 122,4 Millimeter produziert haben, die über Jordanien in den Irak gelangt sind.“ (Quelle: Spiegel „Mein Vetter in Bagdad“ vom 28.01. 1991)

In Täuschen und Tarnen über den wahren Zweck der an Saddam Hussein gelieferten Ausrüstungen und Technologien tat sich besonders die Firma Gildemeister mit ihrer Tochter Projecta GmbH in Zusammenarbeit mit Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) hervor. In Mosul hatte sie das größte Militärforschungszentrum des Nahen Ostens errichtet mit der Begründung, es würde sich rein um Forschungszwecke handeln. Dabei war klar, dass hier knallhart am Fließband produziert wird.

Der Konzern Ferrostaal hatte unter Vermittlung des Vorstandsmitglieds Klaus von Menges seine 1987 nach Tadschi gelieferte Kanonenfabrik als Universalstahlschmiede deklariert.

Und Spiegel „Mein Vetter in Bagdad“ berichtet dazu weiter: „Genauso ahnungslos gaben sich die MBB-Leute auch beim Export von Blaupausen zur Herstellung des Sprengstoffs Fuel-Air-Explosive (FAE), der die Sprengkraft einer kleinen Atombombe hat. Studien über die gefährliche Waffe waren via USA und die Schweiz zu MBB gelangt. Der Konzern testete den Sprengstoff und reichte die Konstruktionsunterlagen an eine kleine bayerische Partnerfirma weiter. Von dort gelangten die Unterlagen über Ägypten nach Bagdad. Auf der Militärschau 1989 in Bagdad präsentierte Saddam dann stolz seine ersten FAE-Bomben.“

Eine Gesetzeslücke machten sich unterdessen andere deutsche Spezialisten für die Herstellung von Biowaffen zunutze, denn das Exportrecht sah vor, dass kleinere Mengen ohne Genehmigung ausgeführt werden dürfen. So kam Saddam auch zu Nährböden, auf denen Pestviren, Cholera und Milzbrand gezüchtet werden konnten. Spezielle Schimmelpilzkulturen, die bei geringsten Mengen Krebs auslösen können, waren ebenfalls dabei.

Es ist also durchaus verständlich, dass gerade die Israelis vor Wut schäumten, als sie erfuhren, dass die chilenische Waffenfabrik Cardoen Industries über Südafrika an die von Sanders geführte Tarnfirma ITICO (Integrated Technologies International Co) chemische Waffen lieferte. Cardeon hatte gleich mal eine Niederlassung, die Spedition Cifco in Bremen errichtet, um dann eine Fabrik für Bombenzünder in den Irak sowie eine Fabrik für Streubomben zu transportieren. Dass die Israelis gerade in Chile keine Unterstützung erwarten konnten, liegt auch daran, dass Firmeninhaber Cardeon selbst mit Saddam Hussein ein geradezu brüderliches Verhältnis pflegte. Es kommt also nicht von ungefähr, dass man gerade in dieser Zeit Jagd auf neun deutsche Wissenschaftler und Techniker machte.

Zu der Firma Cifco weiß dann der Artikel „Mein Vetter in Bagdad“ folgendes zu berichten: „Ein wichtiger Kunde von Cifco war die von irakischen Strohmännern beherrschte Matrix Churchill mit Sitz im englischen Coventry. Weil der Zoll in Bremen als besonders lasch galt, schickte Matrix alle wichtigen Maschinen über die Hansestadt nach Bagdad. Erst auf Drängen britischer Zollbehörden wurde die Tarnfirma Cifco unter die Lupe genommen. Das hielt die sonderbare Spedition – Bevollmächtigter war lange Zeit der Anwalt und Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Rudolf Monnerjahn (SPD) – nicht davon ab, noch während des Irak-Embargos Maschinenteile nach Chile zu liefern. Dort wird die Ware wohl längst nicht mehr sein.“

Aber ich will nicht nur auf die Deutschen herumhaken, denn die Briten und Amerikaner waren auch nicht besser. Gerade die Briten hatten ebenfalls Mitte der 80er Jahre über den Geheimdienst MI6 in Salman Pak ein Biowaffenlabor errichten lassen. Getarnt wurden solche Anlagen als Fabriken zur Herstellung von Insektiziden. Die Grundausstattung dafür lieferte ein Laboratorium in Maryland. (Quelle: Eric S. Margolis, 19.10.2014 Das wahre Geheimnis der biologischen Waffen des Irak)

Wie aber erst später im Oktober 1992 durch UN-Inspektoren herauskam, wurden zwischen Februar 1985 und Ende November 1989 mindestens 61 Behälter mit biologischen Kampfstoffen in den Irak geliefert. Die “American Type Culture Collection Company” in der Nähe von Fort Detrick lieferte alleine 19 Behälter des Milzbranderregers. Hinzu kamen 15 Butolintoxin-Einheiten. Daneben gab es auch Tuberkulose und Tierseuche (Brucella melitensis) im Angebot, was offensichtlich seitens des Iraks gerne angenommen wurde.

Das reicht erst einmal als grober Überblick, wie es mit dem internationalen Waffenhandel und dem von Saddam Hussein forcierten ABC-Programm tatsächlich bestellt war. Skrupel hatte offensichtlich keiner von den Westmächten gekannt, allen voran Deutschland, Großbritannien und Amerika.

Ich konzentriere mich jetzt auf die möglicherweise wahren Hintergründe, warum sich Georg W. Bush letztendlich entschlossen hatte, den Irak am 17.01.1991 aus der Luft anzugreifen, denn da gibt es einige Geschichten, die nicht so sehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit durchgedrungen sind.

Als Georg W. Bush schließlich als neu gewählter Präsident im Januar 1989 sein Amt antrat, fand er für seine Regierungsbildung gleich die richtigen Leute. Dick Cheney wird Verteidigungsminister, obwohl Bush gerne John Tower, der so gute Dienste im Untersuchungsausschuss der Iran-Contra-Affäre geleistet hatte, das Amt übergeben hätte, aber dann kam heraus, dass er sich etliche Hunderttausende von Dollars in die eigenen Taschen über Schmiergeldzahlungen aus der Rüstungsindustrie erwirtschaftet hatte. Zudem war sein zu zügelloses Leben hinsichtlich Alkohol und Frauen gegenüber der amerikanischen Armee nicht vermittelbar. Robert Gates, einer der Protagonisten in der Iran-Contra-Affäre wurde dafür neuer CIA-Direktor. Colin Powell wird Generalstabschef, Thomas R. Pickering UN-Botschafter. James Baker III, der Anteile an Biowaffenproduktionsstätten halten soll, die schließlich auch den Irak mit Biowaffen versorgten, wird Außenminister. Brent Scowcroft rückt als Sicherheitsberater von Georg W. Bush auf, Nicholas Brady wird Finanz- und Robert Mosbacher Wirtschaftsminister. William Reilly, der in das Attentat von JFK involviert gewesen sein soll, erhält das Amt eines Umweltministers und der ehemalige CIA-Offizier William P. Barr bekommt das Justizministerium.

Nur wenige Monate später wurden die ersten Anzeichen der von Bush initiierten Betrügereien im Fall der ungedeckten Milliarden-Kredite über die Banca Nazionale de Lavoro ruchbar. Am 04. August 1989 rückte deswegen das FBI in die Zweigniederlassung Atlanta ein, um eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Die Vorgänge um den so genannten Lavoro-Skandal, in dessen Folge auch der BCCI-Skandal aufgedeckt wurde, kann in dem sehr guten Essay von William Safire „Bush´s Lavoro Scandal vom 27.04.1992 nachgelesen werden. Ebenso empfehle ich, ebenfalls von William Safire die Ausführungen zum Iraq-Gate-Skandal vom 19. Mai 1992.

Wie immer, wurden die Ermittlungen hierzu sabotiert und Bush beschließt ganz schnell am 02. Oktober 1989 eine geheime Direktive zur nationalen Sicherheit (NSD 26), wonach der Irak wirtschaftlich unterstützt und Saddam eine weitere Milliarde Dollar an Kredit bewilligt werden soll. Dieser Milliardenkredit soll ebenfalls über das Landwirtschaftsministerium bewilligt werden.

Während Bush also gegenüber Saddam Hussein vorheuchelte, ihn in wirtschaftlichen Angelegenheiten zu unterstützen, verhandelte die CIA mit Kuwait, um Saddam wirtschaftlich unter Druck zu setzen, denn der CIA waren wohl bereits die Pläne von Saddam Hussein bekannt, sich Kuwait einzuverleiben.

Unterdessen gibt es jedoch seitens der Federal Reserve Bank und des Finanzministerium wegen dem hohen staatlichen Kredit über das Landwirtschaftsministerium Probleme.
Deswegen trifft sich Tarek Aziz, der irakische Außenminister mit seinem amerikanischen Kollegen James Baker und wieder wird Bush, diesmal als Präsident, eingeschaltet. Er weist den Landwirtschaftsminister Clayton Yeuter an, die 1 Milliarde Dollar freizugeben, was dann auch im November 1989 erfolgte. Der Kredit sollte in zwei Raten ausbezahlt werden. Den ersten Kredit über 500 Millionen Dollar erhielt Saddam kurze Zeit darauf, den er sofort wieder in Waffen investierte. Bereits im Februar 1990 ging ihm wieder das Geld aus und mit dieser Sorge nahmen auch die Angriffspläne Saddams auf Kuwait deutlich Gestalt an, was der amerikanischen Regierung nicht verborgen blieb. Ungeachtet der Ermittlungen im Fall der BNL ließ Bush weiterhin den Druck auf den Irak erhöhen.

Nun folgten plötzlich über diverse Pressemitteilungen Berichte über irakische Menschenrechtsverletzungen und Warnungen vor Saddams Bio- und Chemiewaffenprogramm. Der so aufgebaute öffentliche Druck veranlasste Bush erst einmal, den zweiten Kredit für Saddam sperren zu lassen. Kuwait wiederum war absprachegemäß nicht bereit, die Schulden von Saddam zu stunden oder zu erlassen, die er während des Irak-Iran-Krieges bei Kuwait in Höhe von 63 Milliarden US Dollar angehäuft hatte. In dieser Situation fingen die USA an, einige Manöver im Golf zu starten, angeblich als Übung und nicht gegen den Irak gerichtet. Ziel der Aktion war, Saddam zum Angriff gegen Kuwait zu provozieren, damit ein ausgleichendes Gegengewicht in der Golfregion durch Saddams Truppen unter dem Protektorat von Amerika geschaffen wird, um so den Fuß in den Nah-/Mittelostbereich zu bekommen und die amerikanische Wirtschaft hauptsächlich aus Öl-, Waffen- und Investitionsgeschäften anzukurbeln, indem man angesichts der bereits gewährten Kredite Saddam wie eine Kuh melken wollte. Über die US-Botschafterin April Glaspie ließ Bush am 25.07.1990 gegenüber Saddam verlauten, dass Amerika die Beziehungen zum Irak weiter ausbauen und vertiefen wolle. Gleichzeitig würde man sich nicht in die innenpolitischen Angelegenheiten von Saddam einmischen, was für Saddam eine zusätzliche Ermutigung darstelle, Kuwait anzugreifen.

Unterdessen gab es für Bush weitere innenpolitische Probleme, insbesondere mit seinem Sohn Neil Bush, dessen Korruptionsgeschäfte mit der Versicherungsgesellschaft „Silverado Savings and Loan“ im Juli 1990 ruchbar wurden.

Der so genannte Keating-Five-Skandal begann schon 1989, bei dem vier Senatoren aus dem demokratischen Lager (Alan Cranston, Dennis DeConcini, John Glenn und Donald W. Riegle) und ein republikanischer Senator, uns allen als John McCain bekannt, der schließlich 2008 als republikanischer Gegenkandidat zu Barak Obama antrat, der Korruption beschuldigt wurden. Sie sollen zugunsten des Versicherungskonzerns Lincoln Savings and Loan Association unter dem Vorsitz von Charles H. Keating politisch interveniert und dafür insgesamt 1,3 Millionen US Dollar von Keating erhalten haben. Bush konnte offensichtlich gerade noch einmal rechtzeitig eine weiterführende Untersuchung zumindest kurzfristig aufhalten, allerdings brach Lincoln Savings an Loan 1989 zusammen und das von der US-Regierung geschnürte Rettungspaket kostete dem Steuerzahler 2 Milliarden US Dollar zusätzlich.

Trotzdem verloren viele Inhaber von Lincoln-Anleihen sowie Kleinsparer ihr Vermögen. Die Newsweek allerdings wollte über diesen gesamten Skandal einen Bericht veröffentlichen, was Bush noch mehr unter Druck setzte. Denn auch die darin involvierten Sparkassen verloren Unmengen von Geld, dabei sollen sich die Staatsschulden um geschätzte 14 Billionen US Dollar erhöht haben. Und dann musste Bush auch noch am 26.06.1990 die Hosen herunterlassen und eine Steuererhöhung entgegen seinem Wahlversprechen (das können wir Deutsche auch ein Liedchen von singen) vornehmen, um den Staatsbankrott zu verhindern, was ihn zusätzlich den Hass der Amerikaner einbrachte.

Die Zeit drängte also ganz gewaltig. Brent Scowcroft im Nationalen Sicherheitsrat und James Baker machten deswegen Druck auf Bush, damit er den zweiten Kredit gegenüber dem Irak freigibt, was dem Steuerzahler zwar wieder 500 Millionen Dollar zusätzlich kostete, aber egal – der Zweck heiligt die Mittel. Gleichzeitig bediente sich Kuwait aus dem Rumalia-Ölfeld, überwiegend auf irakischem Gebiet liegend und ließ den Ölpreis damit auf 12 Dollar pro Barrel fallen, was zu weiteren Ertragsverlusten im Irak führte. Saddam verlor die Nerven und schließlich marschierte er am 02. August 1990 in Kuwait ein, sich in Sicherheit wiegend, keine Konsequenzen seitens der USA zu befürchten, aber das Gegenteil war der Fall. Zunächst einmal flüchtete die kuwaitische Königsfamilie in das von CIA und Saudi-Arabien vorbereitete Exil. Von da ab begann dann die Anti-Saddam-Propaganda-Maschine richtig zu laufen. Saddam, der neue Hitler, Saddam, der Babymörder. Dieses filmreife Schauspiel wurde bekanntlich von der Tochter des Kuwaitischen Botschafters in den USA vollzogen, indem sie am 10.10.1990 vor laufenden Kameras und mit Krokodilstränen der amerikanischen Weltbevölkerung von den Grausamkeiten Saddams in einer kuwaitischen Babystation berichtete. Die Einzelheiten erspare ich mir jetzt hier. Fakt ist, dass diese Gerüchte über die PR-Agentur Hill & Knowlton gestreut wurden. Die Strategie funktionierte und der UNO-Sicherheitsrat beschließt innerhalb kürzester Zeit umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Das ist Bush aber noch nicht genug, denn er will den strategischen Stützpunkt im Nahen Osten sichern. Kurzerhand nimmt er Henry Kissinger in sein Team auf, während Außenminister James Baker wie ein dummer Schuljunge abgekanzelt wurde, weil er plötzlich Skrupel bei dem geplanten Krieg bekam und den diplomatischen Weg vorziehen wollte.

Daraufhin wurde der NATO-Bündnisfall ausgerufen und die arabischen Länder wie Ägypten und Syrien sowie Malaysia und China auf jeweils ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Anliegen in dieser Sache zufriedengestellt, damit es von dieser Seite aus keine Probleme gibt. So soll Ägypten für das Nichteinmischen 7,1 Milliarden US Dollar erhalten haben. Syrien durfte mit dem Libanon machen, was es wollte, während man bei China großzügig über die bis dahin monierten Menschenrechtsverletzungen hinwegsah. Den König Fahd von Saudi-Arabien konnte man mit einer alten Geschichte überzeugen, dass er besser amerikanische Truppen auf sein Gebiet einmarschieren lässt.

Der Kongress wurde angesichts dieser Aktionen regelrecht unter Druck gesetzt und schließlich stimmte dieser dem Einmarsch im Irak am 09.01.1991 mit 52:47 Stimmen zu. Bush wollte keinerlei Verhandlungen mehr mit dem Irak durchführen und setzte ihm schließlich ein kurzfristiges Ultimatum. 2 Tage hatte Saddam Zeit, sich komplett aus Kuwait zurückzuziehen. Jemen und Kuba, die gegen das Ultimatum im UN-Sicherheitsrat gestimmt hatten, kam das teuer zu stehen. Alle jemenitischen Gastarbeiter mussten Saudi-Arabien verlassen und die bewilligten Kredite wurden gestrichen.

Über die weiteren Grausamkeiten, die vor allem die Bevölkerung traf, und nicht nur auf das Konto von Amerika, sondern zu gleichen Teilen auch auf das Konto eines machtbesessenen Diktators namens Saddam Hussein gehen, möchte ich mich nicht mehr weiter äußern.

Ich will nur nicht, dass hier einseitig das Schicksal von Saddam Hussein bedauert wird, denn Saddam hat bei diesem Spiel mitgemacht und verloren, bedauerlicherweise auf den Rücken seiner eigenen Bevölkerung.

Der Irak wurde buchstäblich in die Steinzeit zurückgebombt mit hohen menschlichen Verlusten auf beiden Seiten. Durch den Einsatz von Uranmunition und sonstigen Kampfstoffen wurde unendliches Leid selbst für nachfolgende Generationen geschaffen. Der Terror, Korruption, Diebstahl und Enteignung erfuhren damit eine nie zuvor gekannte Blüte. Die Bevölkerung wurde durch das unsägliche Oil-for-Food-Programm, das als Korruptions- und bandenmäßige Raubmaschinerie eine eigene Betrachtung wert wäre, regelrecht ausgeblutet und ausgesaugt.

Doch die an diesem satanischen Werk beteiligten Westmächte erfuhren weder eine Anklage als Kriegsverbrecher noch sonstige Konsequenzen verbunden mit öffentlichen Ächtungen. Gehängt wurde einzig und allein Saddam mit seinen Schergen und das auch erst über 20 Jahre später.

Pfui Teufel kann ich da nur sagen.

Und wie die Erfahrungen von BND-Mitarbeitern mit ihrer eigenen Führungsriege in der Folge des zweiten Irakkriegs ausgesehen haben, kann in dem längeren FOCUS-Artikel „Dicke Luft in Pullach – Mitarbeiter des BND berichten über das komplizierte Innenleben von Deutschlands geheimer Behörde“ vom 15.09.2008 nachgelesen werden.

Auch hier bestätigt sich mal wieder der allgemeine Spruch – die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen.

Und dazu passt auch der Fall Susanne Osthoff und Curveball, deswegen

Weiter mit Teil 3

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