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Zurück zu Teil 2

Zu Anfang stelle ich erst einmal zwei Lebensläufe vor, die allgemein in den öffentlichen Medien kursieren.

Rafed Ahmed Alwan, genannt „Curveball“

Rafed Aljanabi hieß bis zu seiner Namensänderung eigentlich Rafed Ahmed Alwan und war Chemieingenieur. Er wurde 1968 im Irak geboren und fing nach seinem Universitätsabschluss 1994 in Bagdad bei der Chemical Engineering and Design Center an, in Wahrheit soll es sich um eine Tarnfirma Saddam Husseins für sein geheimes Waffenprogramm gehandelt haben.

Kurz darauf wechselt Alwan jedoch in ein landwirtschaftliches Unternehmen, wo er 1998 wegen Veruntreuung von Firmeneigentum gefeuert wird.

Arbeitslos verlässt er 1999 den Irak und landet am Münchner Flughafen. Er wendet sich sofort an die Bundespolizei, beantragt politisches Asyl und wird in das Asylantenaufnahmelager Zirndorf in Franken gebracht. Von anderen Flüchtlingen erfährt er, dass man schneller Asylrecht zuerkannt bekommt, wenn man wichtige Informationen weitergeben kann. Daraufhin behauptete Alwan, dass er als Chemieingenieur Beweise hätte, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besäße und weitere herstellen würde. Der BND wird auf ihn aufmerksam und befragt ihn hierzu bei rund 50 Gelegenheiten. Intern wird er unter dem Decknamen „Curveball“ geführt. Im Jahr 2000 zieht Alwan nach Stuttgart-Zuffenhausen um. Er steht in ständigem Kontakt mit der Stuttgarter Polizei und dem BND, mindestens einmal wöchentlich trifft er sich in Tarnwohnungen des BND. Mittlerweile erhält er auch zahlreiche Privilegien, wie zum Beispiel eine eigene Wohnung in Erlangen. Und nur vier Wochen später nach seinem Umzug wird er als Asylbewerber anerkannt. Er wird freier Mitarbeiter der Münchner Firma Thiele und Friedrichs Marketing GbR und erhält monatlich 3.000 Euro. Dabei handelt es sich um ein Tarnunternehmen des BND.

Anhand seiner Angaben fertigt der BND Zeichnungen von mobilen Biowaffen-Produktionsanlagen, die in einem LKW-Container untergebracht sein sollen. Diese Zeichnung wird später Vorlage für Collin Powells Rede vor der Weltöffentlichkeit. Interessant jedoch ist, dass am 13.11.2002 im Berliner Bundestag der Auswärtige Ausschuss tagt, bei dem der damalige BND-Präsident August Hanning sowie einer seiner Mitarbeiter die Erkenntnisse von Curveball vortragen.

Dabei soll der BND den deutschen Bundestagsabgeordneten versichert haben, dass sie diese Angaben alle belegen könnten.

Eigenartigerweise will der BND jedoch am 29.12.2002 gegenüber den Amerikanern, insbesondere dem CIA schriftlich mitgeteilt haben, dass die Angaben von Curveball wahrscheinlich nicht der Wahrheit entsprechen würden.

Dennoch werden im Februar 2003 Waffeninspekteure unter Hans Blix in den Irak geschickt, die ebenfalls keine Bestätigung für die Behauptungen von Curveball finden können.

Ungeachtet beginnt die USA am 20.03.2003 mit ihren Luftangriffen auf den Irak. Die Jagd nach Saddam Hussein ist eröffnet. So kam es auch zu einem weiteren Vorfall, bei dem Deutsche beteiligt waren, als sie über Saddams angeblichen Aufenthaltsort in der Ramadan Straße im Stadtteil Mansur von irakischen Informanten in Kenntnis gesetzt wurden.

Deutsche Soldaten sollten diese Angaben überprüfen, was diese auch am 07.04.2003 taten und soweit bestätigten, dass vor dem angegebenen Haus Mercedes-Fahrzeuge stehen würden, die als Indiz für die Anwesenheit von Saddam Hussein gewertet wurden. Daraufhin wurden gegen 15:00 Uhr die Häuserblocks bombardiert und die Deutschen sollten kontrollieren, ob der Angriff erfolgreich war. Das Ergebnis dieses Bombardements: 12 tote Zivilisten und die Zerstörung von zwei Häuserblocks – nur Saddam Hussein war dort nicht anwesend. Am 01.05.2003 erklärt Georg Bush den Krieg für beendet.

Einige Wochen später, am 06.07.2003 bahnt sich bei den Amerikanern ein neuer Skandal an, nachdem schon einige Informationen zu Propagandalügen zugunsten eines Irakkrieges kursierten: Der ehemalige US-Botschafter im afrikanischen Gabun, Joseph C. Wilson, enthüllte in dem Artikel bei der New York Times „What I didn´t find in Africa“, dass es keinerlei Hinweise für Uranlieferungen aus Niger an den Irak gegeben hat und sich somit die in der Regierung im Umlauf befindlichen Dokumente als Fälschung erwiesen. Dieses Ergebnis hat das Weiße Haus nicht akzeptieren wollen und das genaue Gegenteil von dem behauptet, was Wilson zuvor unwiderlegbar dargestellt hatte. Sofort wurde eine Medienkampagne mit der Überschrift „Saddam Hussein habe Uran von Niger erhalten“ über die ganze Welt gestartet. Wilson reagierte wütend, was ihn letztendlich veranlasste, den zuvor erwähnten Artikel zu schreiben und in der New York Times zu veröffentlichen. ‚Die Rache des Weißen Hauses folgt auf den Fuß, indem man in der Presse Wilsons Ehefrau, Valerie Plame, als CIA-Mitarbeiterin enttarnte, die als verdeckte Ermittlerin in Sachen Massenvernichtungswaffen arbeitete. Der Kolumnist Robert Novak war mit seinem Artikel „Mission to Niger“ hauptsächlich dafür verantwortlich. Dieser Artikel erschien just zum Zeitpunkt, als Plame gerade dabei ist, ehemalige Atomwissenschaftler aus dem Irak heraus zu schleusen, die seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr am irakischen Atomwaffenprogramm arbeiteten, weil angeblich alles im ersten Irakkrieg vollkommen zerstört worden sei.

Etwa zur selben Zeit schneidet sich der Biowaffeninspekteur Dr. David Kelley in Cornwell die Pulsadern auf, nachdem er erfahren hatte, dass er vor dem Parlamentsausschuss zum Massenvernichtungswaffenprogramm der Iraker am 17.07.2003 aussagen soll.

Im März 2004 findet eine persönliche Befragung von Curveball durch die CIA statt, in deren Verlauf die Amerikaner sofort erkannt haben wollen, dass alles erstunken und erlogen war. Sie stufen ihn sofort als Betrüger ein, woraufhin George Tenet, der damalige CIA-Chef, von seinem Amt zurücktritt. Powell nahm am 15.11.2004 seinen Hut.

Am 20.11.2005 veröffentlichte die Los Angeles Times einen großen Artikel von Bob Drogin und John Goetz mit dem Titel „Curveball Saga. US Ignored Warnings Over Informant“, in dem die ganze Affäre dargestellt wurde.

Gleichzeitig werden erste Hinweise öffentlich, wonach deutsche BND-Beamte kriegsrelevante Informationen an die Amerikaner weitergegeben hätten.

Am 12.01.2006 berichtete „panorama“ in ihrer Sendung „Bomben auf Bagdad. Deutsche Agenten am Irakkrieg beteiligt“ darüber.

Es ging damals um die Bombardierung der Häuserblocks, in denen Saddam Hussein vermutet wurde. Hier tauchten wiederum die beiden BND-Herren Reiner Mahner und Volker Heinster auf (siehe Spiegel-Artikel „James Bond in Jeans und Weste“ vom 16.01.2006).

Curveball selbst erhält im Jahr 2008 die deutsche Staatsbürgerschaft und wohnte inzwischen in Karlsruhe. Angeblich sind aber bis Ende des Jahres 2008 alle Zahlungen eingestellt worden. Daraufhin klagte Curveball vor dem Arbeitsgericht und erhält eine Nachzahlung von 2.000 Euro.

Am 15.12.2008 erschien vom Spiegel ein weiterer Artikel „Die Deutschen sind Helden„, wonach die Rolle der beiden BND-Mitarbeiter genauer beleuchtet wird. Curveball selbst geht noch einmal im Februar 2010 in die Öffentlichkeit.

Er wird im arabischen Sender al-Mustaqilah als Chef der Bewegung „Freie Demokraten im Irak“ vorgestellt. Er hat eine Partei gegründet und fordert „Mehr Ehrlichkeit in der Politik“. (www.anstageslicht.de „Wie die Wahrheit scheibchenweise ans Tageslicht kam – die Geschichte des „Curveball“).

Soweit zunächst einmal die Kurzfassung aus öffentlichen Quellen

Susanne Osthoff

Die Vorgeschichte von Susanne Osthoff gibt schon viele Rätsel auf. Im Spiegelartikel „Totaler Kontrollverlust“ vom 02.01.2006, in „Die Zeit“ vom 08.12.2005 „Die verlorene Tochter“ und John Rosenthal vom „Transatlantic Intelligencer“ „Susanne and the Baathists“ heißt es hierzu sinngemäß: Susanne Osthoff, geboren 1962 in München, aufgewachsen im Landkreis Ebersbrg und Rosenheim, wohnte zuletzt in Glonn. Osthoff hat drei Geschwister (zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester). Nach der Trennung der Eltern lebte sie bei ihrer Mutter Ingrid. Ihr Vater soll früh verstorben sein. Als einfacher Handwerker (Bohrwerksdreher) hatte er nicht viel dafür übrig gehabt, dass Susanne Abitur machen und anschließend studieren wollte.

Da schien ihr der neue Stiefvater Hala mehr entgegengekommen zu sein, der für ihr Interesse an Archäologie und starken Frauen wie der Engländerin Freya Stark und der Schweizerin Isabelle Eberhardt Verständnis zeigte. Die zuvor genannten weiblichen Vorbilder waren als Männer verkleidet und auf sich alleine gestellt im Orient unterwegs.

Ihren Traum hatte sie sich dann ein Stück weit selbst erfüllt, indem sie mit dem Motorrad quer durch die Sahara heizte.

Um das Jahr 1980/1981 begann sie in München das Studium der Archäologie und begleitete ihren Professor Barthel Hrouda in den 80er Jahren zu Ausgrabungen in die Türkei, Syrien, Tunesien, Jordanien, Algerien, Marokko, Ägypten und Jemen. Ihre Magisterarbeit mit dem Titel „Spiegel im Vorderen Orient“ absolvierte sie mit der Note 1.

Mitte der 80er Jahre habe sie der Marburger Professor Walter Sommerfeld mit seiner Deutsch-Irakischen Gesellschaft“ in den Irak eingeführt.

Komischerweise soll es aber für so eine tüchtige Fachkraft und zudem der arabischen Sprache mächtig, nicht mehr weiter gegangen sein. Ihren Traumjob als Archäologin musste sie erst einmal an den Nagel hängen. Stattdessen heiratete sie 1991 den aus Jordanien stammenden Iraker Mohammed Salem Bachan, ein Cousin des ehemaligen Staatspräsidenten Ghasi al-Jawir. Sein Bachan-Clan gehört dem mächtigen Schammar-Stamm an, der in Syrien, Nordirak und Saudi-Arabien weit verbreitet ist. Sie selbst konvertierte gemäß den Traditionen dieses Clans zum Islam. Offensichtlich wollten beide aber nicht im Irak bleiben und so zog sie zusammen mit ihrem Mann wieder nach Deutschland. 1993 wurde ihre Tochter Tarfa geboren. Die spießbürgerliche Idylle der bayerischen Gemeinde vor den Toren Münchens schien dem Paar aber zu eng, ein lebenserfüllender Job nicht in greifbarer Nähe gewesen zu sein, weswegen sich Susanne Osthoff auch von ihrem Mann trennte. Bachan kehrte wieder in den Irak zurück, während Susanne Osthoff zusammen mit ihrer Tochter in den Jemen ging. Dort bot sie sich Touristen und Fernsehteams als Fremdenführerin an. 1999 kehrte sie dann erst einmal wieder nach Deutschland zurück, um ihre Tochter dort einschulen zu lassen.

Wie sie im März 2003 mit Kisten voller Medikamente im Rahmen der humanitären Ersthilfe nach Bagdad gekommen sein soll, lassen die Medien natürlich offen, so als ob es ganz selbstverständlich wäre, dass man nebenbei mal säcke- und kistenweise Medikamente bekommt und aus Jux und Tollerei in ein Krisengebiet fahren kann. Es muss aber stattdessen unbedingt betont werden, dass sie ihr Kind natürlich bei Freunden in Deutschland zurückließ. Mit ihrer Familie wollte sie ja angeblich nichts mehr zu tun haben.

Susanne Osthoff – das renitente, besessene, unheimliche, unkontrollierbare Mannsweib, alleine gegen den Rest der Welt (laut sinngemäßer Aussage eines Arztes namens Folke Hess). Deswegen hätten die Hilfsorganisationen auch mit ihr nichts mehr zu tun haben wollen und brachen die Zusammenarbeit ab. Die historischen Stätten an Euphrat und Tigris wollte sie höchstpersönlich vor Grabräubern schützen. Und wieder soll sie als Führerin von Kulturreisen aktiv gewesen sein, um sich ein Zubrot zu verdienen und ihr eigentliches Projekt, die Rettung einer historischen Karawanserei von 1796 in Mosul und den Aufbau eines Kulturzentrums vorantreiben zu können. Über ihre Vermittlung soll das Auswärtige Amt dem Nationalmuseum in Bagdad rund 40.000 Euro dafür zugesagt haben.

Untergegangen ist allerdings eine Meldung der Neuen Rheinischen Zeitung „Der Fall Susanne Osthoff“ vom 11.01.2006.

Dort kann man u.a. lesen, dass Osthoff seit 1998 als Beraterin, Organisatorin und Trainerin für die Münchner Unternehmensberatung FaktorM im Gesundheitswesen im Irak tätig war; hier soll auch der Münchner Bereich Interkulturelles Management gearbeitet und Projekte zum Aufbau des Siemens-Konzerns durchgeführt haben. Auf der Website von FaktorM hat sich sich sogar selbst beschrieben: „Meine Stärken sind die verhandlungssichere Kenntnis der arabischen Sprache, die Vertrautheit mit der arabischen Gesellschaft und Kultur und die langjährige Erfahrung in interkulturellen Hilfs- und Aufbauprojekten.“

Zudem steht ebenfalls im Antikriegsforum-Heidelberg „Kein Fall für Berlin“ vom 30.11.2005 zu lesen: „Über Frau Osthoff sagt ihr Arbeitgeber (Anm. d. Verf.: FaktorM), sie habe „Projekte zum Aufbau des Gesundheitswesens im Irak“ initiiert, koordiniert und beraten. Genau auf diesem Geschäftsfeld ist der Münchner Siemens-Konzern tätig. Dr. Peter Bertsch, Vertriebsmanager im „Medical Department“ bei Siemens Erlangen, berichtete auf der „Deutsch-Irakischen Wirtschaftskonferenz“ im Juli dieses Jahres in München, dass „Siemens Medical Solutions“ seit langem hochwertige medizinische Geräte in den Irak exportiere, darunter allein 33 Computertomographen. Siemens befand sich auf der Wirtschaftskonferenz in bester Gesellschaft, die Liste der Konferenzthemen war lang. Firmenvertreter sowie hochrangige Repräsentanten der Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung diskutierten mit ihren irakischen Gesprächspartnern aus Regierung und Wirtschaft die Geschäftschancen auf fast sämtlichen Unternehmensfeldern. Deutsche Investitions- und Exportinteressen betrafen die Sektoren Infrastruktur, Bankwesen, Energieversorgung („Oil and Gas“), Kommunikationstechnologie und Sicherheitssysteme („Security Systems“) sowie Wasserwirtschaft. Der zweite Teil der Konferenz war strategischen Fragestellungen vorbehalten. Zugang zum irakischen Markt („Market Entry into Iraq“), Ausbildung von irakischen Fachkräften in Deutschland und potentielle Geschäftsfelder in Irakisch-Kurdistan („Business Opportunities in Kurdistan“).“

Chef von Osthoff bei FaktorM soll Wolfgang Oppacher gewesen sein. Er war der Organisator einer durch E.ON und Siemens unterstützten Tagung namens „Bild und Macht“ am 23./24.04.2004 in den Räumen der Ludwig-Maximilian-Universität München. Eines der Themen war „Entwicklungspolitik im Fadenkreuz der Sicherheitspolitik. Welche entwicklungspolitische Strategie verfolgt die Europäische Union“.

In Radio Utopie „Lizenz zumTöten – Wer steckt hinter der Entführung Susanne Osthoffs im Irak“ vom 30.11.2005 heißt es zu dieser Tagung, dass ein gewisser Prof. Dr. Wilhelm Vossekuhl Berater der Jesuiten-Hochschule für Philosophie (HFPH) mit Sitz in München an der Tagung teilgenommen hatte. Süffisant wird in dem Artikel darauf hingewiesen, dass diese HFPH bis 1971 ihren Sitz in Pullach, quasi in Nachbarschaft zum BND, hatte.

Außerdem war Susanne Osthoff mit der Planung des im März 2004 eingeweihten deutsch-arabischen Kulturzentrums „westöstlicher-diwan“ in Bagdad befasst. Dort sind nach Aussage des AA ein Dialogpunkt des Goethe-Instituts sowie das irakische Büro der deutschen Unternehmensberatung German Consult (Gecon) ansässig. Es dient vor allem als kultureller Einflussapparat der Bundesregierung sowie im Irak tätigen deutschen Firmen als Stützpunkt.

Des Weiteren hat sie dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) zugearbeitet. Angeblich soll Susanne Osthoff weiterhin bei FaktorM als Mitarbeiterin geführt sein.

Auf der Seite von Klaus Wiendl „Agenten und Geheimdienste – die dubiosen Kontakte der Susanne Osthoff“ zur Sendung vom 30.01.2006 kann man lesen: „Deutschland pflegt seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen zum Irak. Der BND war Partner des irakischen Geheimdienstes, der in Pullach unter dem Decknahmen „Krokodil“ geführt wurde. Die Deutschen hatten ein großes Informantennetz. Reiner M. [gemeint ist Reiner Mahner] und Volker H. [gemeint ist Volker Heinster] waren die beiden BND-Leute, die sogar den Amerikanern im Krieg Daten geliefert haben sollen. Der BND-Experte Erich Schmidt-Eenboom sagt: „Bis zum Sturz Saddams Husseins gab es eine sehr enge Kooperation zwischen dem BND und dem irakischen Militärdienst. Eingefädelt hat das Ende der 1970er Jahre der damalige BND-Präsident Klaus Kinkel. Und von da an gab es einen regen nachrichtendienstlichen Informationsaustausch, die Lieferung von nachrichtendienstlicher Technik aus der Bundesrepublik nach Bagdad, Rüstungsexporte und polizeiliche Kooperation.“ (siehe auch meine Ausführungen zur Telemit im Themenkomplex „Münchner Oktoberfestattentat – Das politische Umfeld, der Milliardenkredit und Gaddafi“ sowie „Die Atlantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls)

Ich glaube, hier kann man schon mal stutzig werden und fragen, ob erstens die dubiose Firma „FaktorM“ eine Tarnfirma des BND ist und zweitens Susanne Osthoff von Anfang an für den BND entweder als V-Frau oder sogar als hauptamtliche Mitarbeiterin gearbeitet hat.

Vor ihrer Entführung (25.11.2005) soll Susanne Osthoff bereits mehrfach von der Deutschen Botschaft gewarnt worden sein, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Terroristen wollten sie angeblich aus Mosul entführen.

So schreibt der Spiegel im Artikel „Preis des Lebens“ vom 05.12.2005: „Am 24. Mai erhalten die amerikanische Armee und kurdische Behörden in der Region einen Warnhinweis: akute Lebensgefahr für Susanne Osthoff. Mehrere Männer aus dem Umfeld des Top-Terroristen Sarkawi hätten sie in Mossul ausgespäht, sogar zwei Namen bekommen die Amerikaner. Die Islamisten sind ihr anscheinend schon ganz nah: Sarkawis Leute kennen das Projekt der Karawanserei, haben ausgekundschaftet, dass die Deutsche als Koordinatorin arbeiten soll. Einer der beiden Männer, die auf ihrer Spur sein sollen, gilt als hochgefährlicher Kämpfer: Im Netz Sarkawis kennt man ihn als „Emir von Mossul“. Die Kurden handeln als Erste. Sie holen Osthoff aus ihrem Haus in Mossul und bringen sie auf den örtlichen Militärstützpunkt der Amerikaner. Eineinhalb Stunden nach der Hals-über-Kopf-Aktion stehen Sarkawis Häscher vor Osthoffs Haus.“

Interessanterweise war sie einen Monat vor ihrer Entführung, also im Oktober 2005, mit einem ehemaligen Handelsattaché der DDR in Bagdad, Rolfeckhard Giermann, im Irak unterwegs. Ich komme später noch darauf zurück.

Die Fahrt, auf der sie am 25. November 2005 gekidnappt wurde, sollte zugleich ihr Umzug nach Arbil im Norden des Landes sein, von wo sie die Arbeiten in Mosul vorbereiten wollte.

Soweit also erst einmal zu den beiden Lebensläufen „Curveball“ und „Susanne Osthoff“.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Protagonisten in einem medialen Affentheater um den zweiten Irakkrieg (Dritter Golfkrieg) sind so frappant, dass sie geradezu ins Auge springen und näher betrachtet werden müssen.

Da ist auf der einen Seite der gewissenlose, eigensüchtige und gierige Lügner und Betrüger, der mit seinen „erfundenen“ Geschichten die Initialzündung zum Irakkrieg gegeben und damit sein eigenes Volk in den Abgrund gestürzt haben soll. Für die Anerkennung seines Asylantrages war ihm jedes Mittel recht – so die offizielle Berichterstattung, die bis heute kolportiert wird, ungeachtet dessen, dass im Irak tatsächlich und ganz massiv an Massenvernichtungswaffen gearbeitet wurde, und zwar mit deutscher und amerikanischer Hilfe, wie ich noch in einem anderen Teil zu diesem Thema aufzeigen werde.

Als weibliches deutsches, zum Islam konvertiertes Gegenstück zu Alwan baute man schamlos und heuchlerisch Susanne Osthoff auf, diese unmögliche Frau, die aus egoistischen Motiven ihr Kind alleine zurücklässt, ständig und überall aneckt und aufgrund ihres Starrsinns dem deutschen Steuerzahler über 5 Millionen US Dollar Lösegeld gekostet hat, obwohl man sie Monate zuvor vor Entführungen durch Terroristen gewarnt hatte. Der Höhepunkt an dieser Geschichte war, dass man bei ihr noch einen Teil des Lösegeldes gefunden haben will, was sofort dahingehend uminterpretiert wurde, sie hätte mit ihren Entführern unter einer Decke gesteckt.

Der Iraker Alwan in Deutschland und die deutsche Osthoff im Irak, zwei gescheiterte Existenzen – der eine will seiner Kultur im Orient entfliehen, die andere zieht die orientalische Kultur der westlichen vor und flüchtet in den Mittleren Osten. Sogar mit Maschinengewehr wurde sie abgebildet.

Es geht wohl immer noch blöder und geisteskranker, wie man an dieser medialen Hetzjagd sehen kann.

Das satanisch-freimaurerische Prinzip „Wie oben, so unten“ in diesem symbolhaften Medienkonstrukt ist unübersehbar und zeigt, wer tatsächlich hinter diesen menschenverachtenden Ereignissen steckt. Einmal Amerika unter der Präsidentschaft von Bush – Clinton – Bush, das über 20 Jahre einen Diktator an der Macht behielt, um zunächst über einen acht (!) Jahre andauernden Krieg, dann über das verhängte Embargo und Oil-for-Food-Programm und letztendlich über ein so genanntes Demokratisierungsverfahren ein ganzes Volk zu terrorisieren und ins totale Chaos zu stürzen.

Und dann das bis heute unter dem Einfluss von Nazi-Schergen und deren Nachkommenschaft regierte Deutschland – ein Land von Heuchlern und Blendern im Gegensatz zum mittlerweile antiquierten Land der Dichter und Denker.

Es würde mich nicht wundern, wenn der Name des irakischen Atomkraftwerks Osirak oder Tammuz 1 (Tammuz ist das babylonische Wort für den ägyptischen Gott Osiris, Wortspiel aus Osiris und Irak) nicht auch aus kranken Schädeln deutscher Technokraten stammt.

Und sollte jetzt jemand auf die Idee kommen, mich dafür zu verklagen, der sei nur an den Fall Fritz Bauer erinnert, der das im Dritten Reich geschehene Unrecht juristisch und menschlich aufarbeiten wollte und deswegen von seinen eigenen Kollegen aus Richter- und Staatsanwaltschaft sowie der Politik geschmäht, diskreditiert, verleumdet und bedroht wurde. Erst jetzt – 70 Jahre nach dem Dritten Reich – läuft der Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“. Wie armselig ist das eigentlich, wenn wir ansonsten ständig mit Hitler, SS, Judenvernichtung und Wehrmachtthemen überflutet worden sind – geholfen, so scheint es mir zumindest, hat es allerdings nicht.

Es scheint eher bis heute einen geradezu überquellenden und an Dekadenz und Verlogenheit nicht zu überbietenden Fundus an Mitläufern, Opportunisten, Arschkriechern und Speichelleckern zu geben, die lieber ihrem eigenen Vorteil und Karriere auf Kosten anderer dienen wollen, als sich mal Gedanken über Ethik und Moral zu machen und danach auch zu handeln.

Ich habe es bereits beim Oktoberfestattentat betont – jeder Mitläufer und Opportunist macht sich schuldig und ist in meinen Augen noch schlimmer als die Anstifter, weswegen solche Leute auch mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden müssten.

Jeder Mitläufer ist gleichzeitig ein Täter und dient diesen heuchlerischen und kriminellen Banden gleich welcher Unrechtsstaaten und Parteien.

Die deutsche Juris Prudenz sowohl aus dem Dritten Reich als auch aus der Nachfolge-Diktatur der SED oder der vorgeblich demokratischen BRD hatte interessanterweise nie Federn lassen müssen, was sich heute auch im allgemeinen Zustand der so genannten Rechtsprechung und dem rechtsbeugenden Verwaltungs- und gesetzgebenden Gebaren so mancher deutschen Behörden- und Parteikonstruktionen, Anstalten, Vereine, Stiftungen und Gesellschaften widerspiegelt. Eine Fülle von Beispielen, die eher den Regel- als den Ausnahmefall bestätigen, habe ich bereits im „Datenklau von Liechtenstein“, „Die Atlantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls“ sowie „Analyse zum Oktoberfest-Bombenanschlag“ geliefert. NSU, Kölner Klüngel, „gelbbraungrünrotschwarze“ Päderasten/Pädophile und Sachsensumpf folgen noch.

Ich komme damit erst einmal wieder zu den beiden „Schlachtlämmern“ Osthoff und Curveball zurück.

Im Spiegelartikel „Die Deutschen sind Helden“ vom 13.08.2008 heißt es, dass unter unserem so genannten „Anti-Kriegskanzler“ Gerhard Schröder, dessen Slogan ihm schließlich die Wiederwahl eingebracht hatte, auf Initiative des BND bereits im Herbst 2002 quasi ein eigenes Lagezentrum in Bagdad für den bevorstehenden Krieg aufgebaut wurde. Die vom BND erstellten Berichte aus Bagdad sollten auch teilweise den Amerikanern zur Verfügung gestellt werden. Als Gegenleistung durfte der BND einen gewissen Bernd P., Deckname „Gardist“ nach Katar ins Herz der amerikanischen Kommandozentrale „Centcom“ schicken.

Bereits am 27.02.2002 wusste der BND über seinen Bagdad-Residenten Johannes H., dass es zum Krieg im Irak kommen wird; dies geht aus einer Notiz hervor mit folgendem Wortlaut: „Die Vereinigten Staaten und Großbritannien betrachten die irakische Weigerung, die Samud-II-Raketen zu zerstören, als Casus Belli.“

Fangen wir deswegen noch einmal von vorne an. Es wurde behauptet, dass Alwan alias Aljanabi mit einem Touristenvisum direkt von Bagdad nach München geflogen wäre. (siehe Los Angeles Times „The Curveball Saga“ von Bob Drogin & John Goetz)

Für jemanden, der den Zorn Saddams befürchten muss, ganz schön waghalsig.

Die Welt „Georg W. Bush hat mein Land befreit“ vom 28.08.2011 schreibt jedoch, dass Aljanabi über Libyen und Marokko geflogen sei, weil er sich in Marokko noch einen falschen Pass besorgte. Danach wäre er von einem Schleuser mit dem Auto nach Spanien und von dort absprachewidrig nach Köln gebracht worden. Sein Ziel wäre eigentlich London gewesen, was aus meiner Sicht nicht unglaubwürdig klingt, denn wieso sollte Aljanabi über Spanien nach Deutschland reisen wollen? Ihm müsste eigentlich als ehemaliger Chemiker bei Saddams Tarnfirma „Chemical Engineering and Design Center“ bekannt gewesen sein, dass die Deutschen seit vielen Jahren ein geradezu herzliches Verhältnis zu Saddam und seinem Regime pflegten.

In Gibraltar ist der Stützpunkt der Briten, einer der Kriegsgegner von Saddam, und dort hätte er auch Kontakte zu Botschaftsangehörigen aufnehmen können, die ihm ggf. eine Einreise nach London hätten ermöglichen können.

Es ist nämlich so – „Die Zeit“ berichtete in ihrem Artikel „Der Bumerang-Spion“ vom 01.04.2004, dass Aljanabi der Bruder eines engen Vertrauten vom Exiliraker und Saddam-Gegner Achmed Dschalabi ist. Der INC (Iraq National Congress) als irakische Exilregierung hatte seinen Hauptsitz in London. Zufall?

Wurde Aljanabi also absichtlich hereingelegt und im Auftrag des BND oder der Amerikaner nach Deutschland verschleppt?

Er landete jedenfalls in Zirndorf, die erste Aufnahmestelle für Asylanten.

In Zirndorf hätte er dann einen Herrn Triepel kennen gelernt, der ihm den Aufnahmeantrag für die Universität in Erlangen ausstellte. Dann wurde er mit einem Dr. Paul bekanntgemacht, der nach Aussage von Herrn Triepel Informationen über den Irak bräuchte. Im Sommer 2000 kontaktierte ihn ein ehemaliger Kommilitone aus dem Irak, der ihn in Erlangen besuchen wollte mit dem Vorwand, im Irak für eine private Firma tätig zu sein, die militärische Anlagen repariere. Aljanabi wurde misstrauisch und wandte sich an Triepel und Dr. Paul, nachdem er auch ständig verfolgt wurde. Sofort wurde Aljanabi über Umwegen nach München verbracht. Dort befand er sich eine Woche in ständiger Begleitung eines weiteren BND-Mannes namens Maximilian, der sehr gut arabisch sprechen konnte (da werden wieder Erinnerungen an einen gewissen Adrian alias Willy Weitzel wach, ebenfalls als Dolmetscher für Spanisch eingesetzt, den ich ein ausführliches Kapitel in „Die Plutonium-Affäre“ gewidmet hatte).

Danach zog er in eine Villa in Grünwald um. Er wurde dann von Dr. Paul über die Biowaffenfabrik Al Hakam befragt, die 1996 zerstört worden war und in der Aljanabi vorher eineinhalb Jahre gearbeitet hatte. Er organisierte dort den Einkauf von Ersatzteilen und schloss dazu Verträge mit Firmen im Irak und Jordanien ab. In Jordanien wäre auch eine Firma namens Atlas gewesen, die ‚Teile für Al-Hakam illegal in den Irak einführte. In diesen Gesprächen hätte Dr. Paul bereits dort immer wieder Andeutungen gemacht, dass Saddam Hussein weg müsse. Die Frage nach mobilen Biowaffenlabors kam von Dr. Paul selbst, was ich ebenfalls für sehr glaubhaft halte, denn bereits nach dem ersten Irakkrieg von 1991 hatten UN-Inspekteure nach mobilen Kampfstofflaboratorien im Rahmen des geheimen Bio-Waffenprogramms von Saddam Hussein gesucht. Und 1994 durchsuchten UN-Inspekteure, nachdem sie vom israelischen Geheimdienst einen Tipp bekommen hatten, verdächtige LKWs, fanden dort aber nur Speise-Eis. Die Mär (oder auch nicht) von mobilen Biowaffen-Labors im Irak existiert also schon seit mindestens 1991. Und auch die Nazis hatten z.B. unter Leitung von Emil Augsburg und Franz Alfred Six bereits mobile Gaskammern im Einsatz gehabt.

Aljanabi bestätigte lediglich die Existenz, obwohl der davon gar nichts wusste. Detaillierte Antworten zum Gelände Jurff al-Naddaf, auf dem angeblich mobile Labore ein- und ausgefahren sein sollen, konnte Aljanabi nicht geben, weswegen dieser Dr. Paul selbst erkannt haben soll, dass es sich um eine Lügengeschichte handeln musste. Trotzdem wurde Aljanabi zu diesem Thema weiterbefragt.

So heißt es im Zeit-Artikel „Der Bumerang-Spion“ weiter: „Bei einem weiteren Treffen fragte Dr. Paul, was ich davon halten würde, wenn sich seine Leute mit meinem früheren Chef vom Chemical Engineering and Design Center, Basil-Latif Alssaty, treffen würden. Ich sagte, dass das für mich kein Problem sei, denn ich hatte eine gute Beziehung zu ihm gehabt. Das Treffen des BND mit Basil-Latif fand außerhalb des Iraks statt, in Dubai. Später erfuhr ist, dass auch Agenten vom US-amerikanischen und britischen Geheimdienst dabei waren. Die BND-Leute sagten mir, dass mein Chef, nichts von den mobilen Biowaffen-Laboren wüsste. Ihm soll sogar ein tolles Leben in den USA versprochen worden sein, wenn er die Existenz der mobilen Labore bestätigen würde. Aber er hat es nicht gemacht. Als ich davon erfuhr, habe ich gesagt: Glaubt meinem Chef.“

Daraufhin wäre auch der Kontakt mit Dr. Paul im Oktober nach dem letzten Treffen in Bad Tölz abgebrochen. Er ging dann nach Erlangen zurück, wo aber dieser Maximilian sich immer wieder bei ihm meldete.

Im Mai 2002 – also nach der inoffiziellen Kriegserklärung der USA und Großbritannien vom 27.02.2002 – wurde dann der Kontakt seitens des BND mit Aljanabi wieder aufgenommen.

Aljanabi erzählt der „Zeit“ weiter: „Eine Gruppe neuer BND-Leute wollte sich plötzlich unbedingt wieder mit mir treffen. Ihr Chef hieß Hans. Er war, glaube ich, ein Chemiker wie ich. Die anderen stellten sich als Gerhard und Thomas vor. Sie sagten mir, im Irak seien jetzt die Waffeninspektoren unterwegs, die von meinem Wissen profitieren könnten. Die BND-Leute wollten mehr erfahren über Wissenschaftler und ihre Funktionen im Irak, über Projekte und wichtige Adressen. Die rollenden Biowaffen-Labore waren kein Thema mehr. Wir trafen uns ein oder zwei Mal im Monat. Auch zu diesem Zeitpunkt wurde ich nicht regelmäßig bezahlt. Es waren immer nur kleine Beträge, höchstens 200 Euro.“

Nach der berühmt-berüchtigten Powell-Rede war Aljanabi zutiefst geschockt und kontaktierte sofort diesen Hans und traf sich am nächsten Tag mit ihm. Zwei Tage später sei er nach Ingolstadt gebracht worden. Im Frühjahr 2004 hätte er sich dann in Pullach mit britischen und amerikanischen Geheimdienstleuten unterhalten, von denen er insgesamt 24.000 Euro (6.000 von den Amis, 18.000 von den Briten) erhielt. Es waren zwei Männer und eine Frau. Im Rahmen der Betreuung von abgeschalteten nachrichtendienstlichen Verbindungen habe er einen Unterstützungsvertrag mit dem BND abgeschlossen, wonach er 3.000 Euro monatlich als Betreuungsmittel bekam.

Aufgrund der Veröffentlichung eines Buchs in Amerika „Codename Curveball“ und der CBS-Dokumentation im November 2007 versuchte der BND, ihn loszuwerden. Man jagte ihm damit Angst ein, dass die Amerikaner ihn schon suchen würden und nach Guantanamo verfrachten wollten. Er könne in Griechenland oder Italien untertauchen und eine Gesichtsoperation vornehmen lassen. Trotz der Warnungen wollte Aljanabi in Deutschland bleiben und lehnte die Angebote für eine neue Identität ab, woraufhin der BND ihm ankündigte, dass die monatlichen Zahlungen eingestellt werden. Außerdem musste er das vom BND finanzierte Auto wieder abgeben. Seiner Aussage nach bekam er im Rahmen eines Vergleichs vor dem Arbeitsgericht sogar 5.000 Euro.

Wie doppelzüngig die deutsche Regierung samt BND agiert, hat man ja bereits im Fall der so genannten Rendition-Flüge des CIA gesehen, als der Deutsch-Türke Murat Kurnaz und der vom Libanon abstammende Khaled El-Masri entführt und nach Guantanamo bzw. Afghanistan verschleppt wurden, beide deutsche Staatsbürger. Ich komme vielleicht in einem anderen Themenkomplex darauf zurück.

Was soll man also jetzt von den Heucheleien zur aktuellen Flüchtlingssituation halten?

Dass der BND nicht nur stapelweise Akten über Asylsuchende aus dem Irak an Saddam Husseins repressiven Staatsorganen übermittelt hatte, sondern das Gleiche auch mit den palästinensischen Studenten praktizierte, in dem alle Daten an den Mossad übermittelt und damit zum Abschuss freigegeben wurden, erzählt Erich Schmidt-Eenboom in seinem Buch „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“. Ich zitiere daraus einmal: „Auch wenn Kinkel am Anfang seiner BND-Amtszeit sehr deutlich merken mußte, daß die Israelis massiv versucht hatten, die deutsche Außenpolitik Genschers gegenüber der PLO zu sabotieren, blieb die Zusammenarbeit mit Israel und seinen Diensten Mossad, Shin-Beth und Aman (BND-Decknamen IBIS 1 bis 3) weiterhin ausgesprochen gut. […] Wegen der als zu proägyptisch empfundenen Haltung der USA beim Friedensprozeß nach dem letzten ägyptischisraelischen Krieg ging der Mossad zur CIA (Central Intelligence Agency) auf Distanz. Der BND nutzte diese Chance, um nach den Friedensbemühungen des US-Präsidenten Richard Nixon seinen Fuß in die israelische Tür zu stellen. Die Gegenleistung des BND bestand in der Gewährung weitgehender Operationsfreiheit in der Bundesrepublik. Pullach ermöglichte dem Mossad die Gründung einer Niederlassung in Bonn und half bei der ständigen Abschirmung dieser terrorgefährdeten Residenz, die vornehmlich Vorfeldaufklärung im Rahmen des Israel bedrohenden arabischen Terrorismus macht“

Er zitiert dann weiter aus dem Buch von David A. Yallop von 1993 „Man erinnerte die Deutschen an den Holocaust und erreichte mit dieser moralischen Erpressung, daß sie dem Mossad biographische Angaben und Fotos von jedem palästinensischen Studenten in Deutschland lieferten. Viele kehrten nach dem Studium in ihr Land zurück, um in diesem ›Volkskrieg‹ mitzukämpfen. Von 500 Studenten, die vor ihrer Rückkehr ins Westjordanland und in den Gazastreifen in Algerien eine Ausbildung erhielten, wurden über 450 mit Hilfe der aus Deutschland erhaltenen Informationen eliminiert.“

Im Fall Alwan alias Aljanabi stelle ich nach den mir zur Verfügung stehenden offenen Quellen fest, dass die Kriegspläne gegen den Irak schon lange feststanden und die deutsche Regierung hat es gewusst.

Zweitens war spätestens durch die UN-Inspekteure unmittelbar nach dem ersten Irakkrieg bekannt, dass Saddam ausgiebig an einem ABC-Waffenprogramm arbeiten ließ und auch entsprechende Fortschritte mit deutscher und amerikanischer Hilfe erzielen konnte. Jeder wusste, was er an Saddam geliefert hatte einschließlich biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen und das auch noch nach dem auferlegten Embargo.
Damit gab es auch wieder ausreichend Erpressungsmaterial gegen die deutschen Vollidioten, die meinen, alle anderen ausländischen Geheimdienste wären blöd und würden nicht mitbekommen, was man so alles an eigenen Schweinereien treibt. Interessant in diesem Kontext wäre dann auch herauszufinden, ob und wie viele Schmiergelder und illegale Provisionen hier wieder an deutsche Politiker und schwarze Parteikassen geflossen sind.

Drittens hatte der damalige verantwortliche BND-Präsident August Hanning noch am 13.11.2002 vor dem Auswärtigen Ausschuss im Deutschen Bundestag offensichtlich erklärt, dass die Erkenntnisse, die man angeblich von Curveball erhalten haben will, alle belegt (!) werden könnten, was angesichts der vorliegenden Faktenlage gar nicht mal gelogen gewesen sein dürfte.

Am 29.12.2002 allerdings will Hanning gegenüber dem CIA schriftlich mitgeteilt haben, dass die Angaben von Curveball wahrscheinlich nicht der Wahrheit entsprechen würden – aus meiner Sicht eine einzige Scharade. Vielleicht sollte man mal nachfragen, ob das Schreiben überhaupt den Weg zur CIA gefunden hat.

Wieso wurde darüber nicht die Bundesregierung bzw. der Verteidigungs- und Auswärtige Ausschuss im Bundestag unterrichtet, wenn die erst sechs Wochen zurückliegende Bestätigung der Angaben von Curveball, die er zudem irgendwann einmal im Jahr 2001 geäußert hatte, plötzlich alles erstunken und erlogen gewesen sein sollen? Aus Angst, das eigene Lagezentrum in Bagdad mit aktiver deutscher Kriegsbeteiligung nicht mehr betreiben zu können? Es wäre zu diesem Zeitpunkt höchstpeinlich gewesen, wenn nach den Lippenbekenntnissen von Gerhard Schröder, sich auf keinen Fall an dem Irakkrieg beteiligen zu wollen, herauskäme, dass genau das Gegenteil der Fall war und zwar, weil es die Amerikaner so vorgesehen hatten (siehe dazu auch den Spiegelartikel „Die Deutschen sind Helden“ vom 13.08.2008).

Dass der Deutsche am Gängelband der drei westlichen Besatzungsmächte einschließlich Israel hängt, ist ja mittlerweile seit der hysterisch hochgepushten NSA-Affäre dem naivsten Kopf klar geworden.

Und die Amerikaner? Was hatten die für ein Interesse, den ganzen Schmutz über einen einzelnen Iraker namens Curveball auszuschütten?

Der BND betont immer wieder, dass die Amerikaner über die Unglaubwürdigkeit von Curveball wohl unterrichtet gewesen wären, allerdings zeichnen die Amerikaner diesbezüglich ein anderes Bild, was ebenfalls sehr nachdenklich stimmen lässt. Im Artikel der Zeit „Der Bumerang-Spion“ heißt es: „Jetzt zeigen CIA-Mitarbeiter mit dem Finger auf Deutschland. Denn Curveball war eine Quelle des Bundesnachrichtendienstes (BND). Und dieser, behauptet ein nicht genannter US-Geheimdienstler in der Los Angeles Times, hätte die Amerikaner erst nach Powells Rede über seine Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Irakers ins Bild gesetzt. Auch Richard Kerr, ehemaliger CIA-Vizedirektor und zuständig für die interne Überprüfung der Geheimdienstberichte über den Irak, sieht das Fehlverhalten nicht auf amerikanischer Seite. Die Informationen von Curveball seien „detailliert und spezifisch“ gewesen. Außerdem hätten CIA-Mitarbeiter den BND mehrfach gebeten, Curveball selbst vernehmen zu dürfen. Der BND habe dies aber aus Quellenschutzgründen abgelehnt.“

Diese Vorhaltungen von amerikanischer Seite sind nicht ganz von der Hand zu weisen, da bereits vorher auch einige Widersprüche vorlagen, indem z.B. die Deutschen am 13.11.2002 im Berliner Bundestag den Bundestagsabgeordneten im Auswärtige Ausschuss versicherten, zu den Aussagen von Curveball Belege vorlegen zu können. Das wiederum wird auch von dem damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Friedbert Pflüger, der damals im Auswärtigen Ausschuss saß, bestätigt. Er schlug sogar vor, die Aufzeichnungen und Protokolle der damaligen Sitzung herbeizuziehen und dem Untersuchungsausschuss vorzulegen.

Des Weiteren verwundert es, dass im Kampf gegen den Terror die Deutschen plötzlich so zögerlich sein sollen, wenn es um die Befragung einer ihrer Quellen geht, von der möglicherweise ein großangelegter Krieg abhängt, wenn man doch weiß, dass die Deutschen bei Befragungen von Guantanamo weniger zimperlich gewesen waren wohlwissend, dass diese Gefangenen ihre Bekenntnisse und Geständnisse meist unter Folter abgegebenen haben. Man darf hier zweifeln, dass die Deutschen die Amerikaner rechtzeitig und mehrfach gewarnt haben.

Andererseits ist es aber auch kaum vorstellbar, dass die Amerikaner sich nur auf die Aussagen einer einzelnen deutschen Quelle berufen, um gegen den Irak in den Krieg zu ziehen.

Zudem sind ja Waffeninspekteure vor Beginn des Irakkrieges zu den betreffenden Örtlichkeiten gegangen und haben die Angaben nach Massenvernichtungswaffen von Curveball noch einmal überprüft. Sie konnten nach öffentlichen Quellen die Behauptungen von Curveball ebenfalls nicht bestätigen. Am 07. März 2003 berichtete Hans Blix dem Sicherheitsrat, dass er keinerlei Hinweise auf versteckte Biowaffenlaboratorien gefunden hätte und damit die Angaben von Curveball nicht beweisen konnte.

Und dennoch begann zwei Wochen später der Irakkrieg.

In diesem Kontext ist es schwer nachvollziehbar, warum dann die finanzielle Unterstützung seitens des BND noch bis Ende 2008 andauerte, als schon längst bekannt war, dass die Informationen von Curveball definitiv falsch sein sollen. Zudem erhielt Curveball auch noch im Jahr 2008 die deutsche Staatsbürgerschaft, was mit logischem Menschenverstand überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist, wenn es doch stimmt, dass Curveball als Betrüger das Ansehen von Deutschland so geschadet hat.

Entweder haben CIA und BND gemeinsam Good Cop, Bad Cop gespielt, um die Öffentlichkeit über die wahren Gründe des Irakkrieges zu täuschen oder sie haben sich gegenseitig in die Pfanne gehauen. Auch hier wäre dann nach den Gründen zu forschen.

Ins Bild dieser großangelegten Täuschungskampagne passen auch die Behauptungen der Amerikaner, seit den 90er Jahren keine eigene CIA-Vertretung mehr im Irak gehabt zu haben und deswegen auf die Informationen von Partnern, u.a. den Deutschen angewiesen zu sein, was ebenfalls sehr unglaubwürdig erscheint. Die Frage ist nur, warum damals George Bush Sen. in den 90er Jahren nicht das vollendete, was schließlich sein Sohn 10 Jahre später zum Abschluss brachte. Zur Vorbereitung eines weiteren Krieges sind geheimdienstliche Informationen aus erster Quelle unumgänglich. Welchen Grund jedoch gibt es, gerade das zu vertuschen und zu behaupten, man hätte keine eigenen Vertretungen im Land gehabt?

Und das alles führt zu der grundsätzlichen Frage, warum man sich überhaupt in der Öffentlichkeit darauf versteift, dass letztendlich die Informationen von Curveball über mobile Biowaffenlabors zum Irakkrieg geführt habe, wenn es sicherlich noch Duzende von anderen Kriegsgründen gegeben hat, die ebenfalls von einer breiten Öffentlichkeit akzeptiert worden wären wie zum Beispiel eklatante Menschenrechtsverletzungen durch das irakische Regime oder Invasionspläne seitens des Iraks auf Israel (die hätte man sicherlich zur Not auch fachmännisch fälschen können).

Warum sickerten kurze Zeit später überhaupt die angeblichen Lügen eines BND-Informanten in der Öffentlichkeit durch?

Dass es sich aber nicht unbedingt um Falschinformationen handeln muss, wie uns immer von der Öffentlichkeit gebetsmühlenhaft vorgegaukelt wird, offenbart der L.A Times Bericht „The Curveball Saga“, wonach irakische Regierungsleute Mitte 1995 zugaben, dass sie vor dem Golfkrieg heimlich 30.000 Liter Anthrax, Botulin, Aflatoxin (Aspergillus, Pilzgift) und andere tödliche biologische Gifte hergestellt haben. Sie hatten Hunderte von biologischen Munitionen hergestellt und forschten an andere tödliche Krankheitserreger für den militärischen Gebrauch. Das Ganze fand unter der Aufsicht von Dr. Rihab Taha, auch als Dr. Germ bekannt, statt. Allerdings stritten sie ab, jemals mobile Biowaffenlabore dafür benutzt zu haben. Das kann man nun glauben oder nicht.

So berichten Brogin und Goetz weiter, dass Curveball ziemlich detaillierte Aussagen zur Ausstattung dieser mobilen Laboratorien machen konnte, anhand deren dann Zeichnungen angefertigt wurden. Er machte weitere Angaben, wie diese Laboratorien in der Theorie funktionieren und nannte ein Duzend weitere Mitarbeiter. Allerdings konnte er keine Angaben dazu machen, ob sie auch praktisch im Einsatz waren und welche Erreger genau dort gezüchtet bzw. welche Arten von biologischen Waffen dort hergestellt wurden. Der Grund lag darin, dass Curveball 1997 bei Djerf al Nadaf lediglich mithalf, Prototypen dieser Laboratorien zu entwickeln, sich also noch in der Entwicklungsphase dort befand.

Die Glaubwürdigkeit seiner Angaben untermalte er noch mit einem Vorfall, der sich 1998 bei Djerf al Nadaf ereignet, bei dem es in einem der mobilen Laboratorien zu einem Unfall kam und in deren Verlauf 12 Techniker starben.

Könnte Curveball sich auf einen tatsächlichen Vorfall beziehen, der sich allerdings während des Iran-Irak-Krieges zugetragen hatte?

Damals testete Dr. Rihab Taha (die im Übrigen in Großbritannien studiert hatte) an 12 iranischen Kriegsgefangenen an der irakischen Grenze zu Saudi-Arabien eine Anthrax-Bombe, die sie einige Kilometer entfernt von den iranischen Kriegsgefangenen zünden ließ, um zu sehen, wie schnell sich die Erreger in der Luft ausbreiten. Innerhalb weniger Tage verstarben alle Gefangenen (siehe Free Republc „Is this the world´s deadliest woman?“ vom 29.12.2002).

Detaillierte Erkenntnisse zum irakischen biologischen Waffenprogramm kamen erst ans Licht, als General Hussein Kamal, ein Schwiegersohn von Saddam Hussein, 1995 nach Jordanien überlief und von den Grausamkeiten von Dr. Rihab Taha und Dr. Huda Salih Mahdi Ammasch erzählte, darunter auch die Wirkungsweise von Kamelpocken. Dr. Huda Ammasch hatte interessanterweise in Texas studierte und ihr Vater Salih Mahdi Ammash war in den 50er Jahren Militärattacheé in Washington gewesen.

Kurze Zeit später wurde Kamal auch ermordet, doch die Waffeninspekteure fingen erneut mit ihren Untersuchungen an. Sie wurden dabei von einem Lieutenant General Amer Rashid, später dann irakischer Ölminister, begleitet, der offensichtlich mit Riha Taha ein Verhältnis hatte, sie 1994 auch heiratete und sie so immer wieder vorwarnen konnte, damit sie Beweise vernichten konnte (siehe Free Republic „Is this the world´s deadliest woman?“ vom 29.12.2002).

Im o.g. Artikel der Free Republic wird auch berichtet, dass damals die UN-Inspekteure ziemlich überzeugt waren, dass große Mengen von Anthrax über das ganze Land mit Kühlwägen wo der irakischen Spezial Republikanischen Garde transportiert wurden. Einmal wurden UN-Beamte für mehrere Stunden von irakischen Soldaten aufgehalten, eine bestimmte Örtlichkeit zu inspizieren. Als sie irgendwann dort hingeführt wurden, fanden sie eilig demontierte Labore vor.

Warnzeichen gab es genügend, zum Beispiel 17 Tonen von Brutmaterial für Anthrax-Erreger. Nachdem die Inspekteure von Saddam Hussein 1997 aus dem Land geworfen wurden, verschlimmerte sich das Problem. Saddam Hussein ließ alle Überwachungskameras der UN-Inspekteure entfernen und versteckte das Herstellungsequipment für biologische Waffen. Der ehemalige Waffeninspekteur Richard Spertzel hatte bereits davor gewarnt, dass Saddam Hussein in der Lage sei, innerhalb kürzester Zeit biologische Waffen nicht nur herzustellen, sondern sie auch benutzen zu können. Mit anderen Worten – die Amerikaner waren bereits vor Curveball´s „Offenbarungen“ bestens im Bild über die Fähigkeiten des Iraks, biologische Waffen herzustellen.

Entgegen der allgemeinen Behauptungen, dass der BND eine Befragung von Curveball durch CIA-Leute abgelehnt habe, offenbart der Bericht „The Curveball Saga“ jedoch, dass ein Arzt der CIA aus dem Bereich Proliferationsbekämpfung Curveball treffen und ihm sogar Blut abnehmen konnte, um nachzuweisen, ob er Antikörper gegen biologische Gifte in sich trägt. Angeblich wären die Tests nicht aussagekräftig gewesen.

Damals wurde der CIA-Arzt Curveball als Deutscher vorgestellt und hier ergeben sich wiederum ein paar merkwürdige Fragen; warum führten die Deutschen nicht selbst die Untersuchung durch oder warum behauptete der BND, dass Curveball nicht der englischen Sprache mächtig sei, obwohl er nach Angaben des CIA-Arztes fließend Englisch sprechen konnte usw.?

Dabei fiel dem Arzt auch auf, dass Curveball sehr emotional und gestresst gewesen sei. Obwohl es früher Morgen war, als er ihn untersuchte, roch er bei Curveball Alkohol und wirkte auf ihn sehr verkatert. Das ganze Verhalten von Curveball gab dem BND Rätsel auf und ließ ihn dadurch nicht leicht führbar machen. Mal war Curveball sehr charmant, klar in seinen Aussagen und hilfsbereit, dann wiederum schlug seine Laune um, er wurde konfus, aggressiv und unkooperativ. Er forderte ständig Geld.

Wenn man aber bedenkt, dass Curveball möglicherweise gegen seinen Willen nach Deutschland verschleppt wurde, macht aus meiner Sicht sein widersprüchliches Verhalten wieder Sinn.

Eine CIA geführte Untersuchungsgruppe unter einem gewissen „Jerry“ fand im Archiv eines irakischen Regierungsgebäudes angeblich die Personalakte von Curveball. Dort fand man angeblich heraus, dass Curveball im Gegensatz zu seiner Behauptung, er hätte von seiner Klasse am besten abgeschnitten, der schlechteste war und anders als von ihm behauptet, wäre er nur ein kleiner technischer Angestellter gewesen und weder ein Projektleiter noch ein Manager. Stattdessen fand man heraus, dass er bereits 1995 entlassen wurde, genau zu der Zeit, als er behauptete, an den Biowaffentransporter zu arbeiten. Ein weiterer ehemaliger CIA-Beamter behauptete, dass Curveball für ein halbes Jahr im Gefängnis wegen eines Sexualdeliktes einsaß und danach Taxi fuhr. Entgegen den Behauptungen vom BND, Curveball würde die Amerikaner hassen, fand Jerry bei der Befragung seiner Mutter heraus, dass er die Amerikaner lieben würde und öfter mit dem Gedanken gespielt hatte, irgendwann nach Amerika auszuwandern.

Also so gesehen gibt es eine Menge Gründe auch für die Amerikaner, Curveball als unglaubwürdig, geradezu asozial und hinterhältig darzustellen. Das Problem der möglicherweise bis zum Anfang des zweiten Irakkrieges vorhandenen biologischen Waffen in der Hand eines Diktators, die er sich u.a. mit Hilfe seiner vorgeblichen Kriegsgegner wie Amerika, auch noch hinter dem Rücken von Israel, beschaffen konnte, musste heruntergespielt werden und so war es wahrscheinlich einfacher, in der Öffentlichkeiteine kleine als Lüge getarnte Wahrheit zuzugeben, um eine größere Wahrheit unter dem Teppich zu kehren. Sollte es tatsächlich so gewesen sein, dann hat es jedenfalls hervorragend geklappt, das muss der Neid den Amerikanern und Deutschen lassen.

Susanne Ostoff – Undercover?

Die Rolle von Susanne Osthoff in diesem ganzen Mediendebakel verdient ebenfalls eine genauere Betrachtung.

Im Welt-Artikel „Ein Fall, zwei Seiten“ vom 25.12.2005 von Bruno Schirrach wird berichtet, dass zwei Geheimdienst-Mitarbeiter des jordanischen Geheimdienstes (GID) an der Befreiung Susanne Osthoffs mitgewirkt haben sollen. Dabei würden diese eine völlig diametrale Sichtweise der Entführung vertreten als sie in den deutschen Medien kolportiert wurden. Dabei gibt einer der beiden Namen, Dienstrang und Dienststellen deutscher Beamter preis, mit denen er und seine Kollegen engen Kontakt gehabt haben sollen. So berichtet die Welt weiter: „Während der Zeit der Verhandlungen. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA), des BND und deutsche Diplomaten, die eigens aus Berlin eingeflogen wurden, seien dies gewesen. Jordanische Dienste waren eine der Anlaufstellen für die deutschen Kollegen. Hier holten sie sich Hintergrundwissen ab. Der Duleimi-Stamm, dem der verdächtigte Scheich Dschamali angehören soll, ist nicht nur im Irak, sondern auch in Jordanien ansässig. Er war eine der Machtstützen von Saddams Regime. Viele Angehörige von Saddams Terrorstaat sind Angehörige dieses Stammes und heute im Entführungsgeschäft aktiv. Auf mehr aber als auf diesen Zusammenhang stütze sich der Verdacht gegen den Scheich nicht. Deutschen Zeitungsberichten zufolge soll Dschamali Osthoff den Fahrer vermittelt haben, mit dem sie am 25. November von Bagdad zu einer Reise in den Norden Iraks aufgebrochen war. Bereits beim Verlassen der Stadt sei der Mann auffällig langsam gefahren und dann in einen Seitenweg abgebogen, wo Osthoff von Bewaffneten aus dem Auto gezerrt worden sei. Der jordanische Geheimdienstmann hält nicht viel von dieser Version. Er zählt die Namen der deutschen Beamten auf, die seit Jahr und Tag auf „Dienstreisen in den Ländern der Region“ unterwegs gewesen seien und es besser wissen müßten. Warum macht er das? „Wegen einer gewissen Verlogenheit von eurer Seite“, meint er kühl. „Ihr habt in diesem Fall eine Menge Geld bezahlt. Und selbstverständlich werdet ihr auch den politischen Preis zahlen. Und stellt auch dennoch als das ewig gute Weltgewissen dar“, sagt er. „Gleichzeitig gebt ihr zwei Leute, den Fahrer von Susanne Osthoff und Scheich Dschamali, den Mann, dessen Gastfreundschaft sie genossen hat, zum Abschuß frei. Ohne Beweise. Über eure Medien.“

Die Zahlung von Berlin an die Entführer sei über eine dritte Partei gelaufen, vergleichbar mit der Zahlung bei der Entführung der Wallerts aus Göttingen, als Libyens Staatschef Mohammed Gaddafi das Geld weiterleitete.

Das Gerücht eines politischen Preises hat das Auswärtige Amt selbst in die Welt gesetzt. Dafür hat das heftige Dementi gesorgt, wonach die Freilassung des libanesischen Hisbolla-Terroristen Mohammad Ali Hammadi Anfang der Woche nichts mit der Befreiung Osthoffs zu tun habe. In Amman hat man aber wenig Zweifel, daß das genaue Gegenteil wahr ist. Der Grund, warum beide, Susanne Osthoffs Fahrer und der Scheich, sich bis zum heutigen Tag nicht gemeldet hätten, so erklärt der Geheimdienstler dann, sei einfacher. „Sie sind jetzt schon wegen des Verdachts gegen sie so gut wie tot. Egal ob sie etwas mit der Entführung zu tun hatten oder nicht.““ (Quelle: Die Welt „Ein Fall, zwei Seiten“ vom 25.12.2005)

An dieser Stelle muss wieder daran erinnert werden, dass die CIA-Foltermethoden und Rendition-Flüge bereits ein großes Thema geworden waren und auch Deutschland immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Das Saubermann-Image einer „lupenreinen“ deutschen Demokratie bekam ihre ersten Risse.

Wer aber war nun besagter Scheich Jamal al-Duleimi, bei dem Susanne Osthoff immer wieder mal Unterschlupf und Bewirtung fand?

In diversen Artikeln wird er als Psychiater und ehemaliger Leibarzt von Saddam Hussein beschrieben. Im Stern-Artikel „Der Verräter war ihr Fahrer“ vom 23.12.2005 jedoch zeichnet sich ein anderes Bild dieses Mannes ab. Demnach soll Jamal al-Duleimi ein Geheimdienstoffizier des irakischen Geheimdienst Muschabarat und Scheich aus Falludscha sein, der in den 90er Jahren den Leibarzt von Saddam Hussein, Ibrahim al-Basri im Gefängnis getroffen habe, nachdem dieser von Saddam wegen Hochverrats zum Tode verurteilt wurde.

Al-Basri hatte in interessanterweise gemäß dem vorliegenden Artikel in Leipzig promoviert und wurde, nachdem er den Dienst bei Saddam quittiert hatte, prominenter Künstler und Schriftsteller bis er schließlich verhaftet wurde, nachdem ihm angelastet wurde, dass er den Sturz von Saddam Hussein geplant habe.

Al-Duleimi hingegen hatte sich angeblich mit einem General angelegt und wurde zunächst degradiert und dann ins Gefängnis geworfen. Auf diese Weise trafen sich beide Männer im Gefängnis.

Al-Duleimi kehrte nach seiner Freilassung nach Falludscha zurück, während Basri nach seiner Freilassing im Oktober 2002 in den Nordirak flieht. Hier beginnt es sehr seltsam zu werden, denn eigentlich war Al-Basri von Saddam zum Tode verurteilt worden. Der Zweite Irakkrieg begann erst am 20. März 2003. Von einer Begnadigung Saddams kann man eigentlich nicht ausgehen. Es wäre deswegen auch hier mal interessant, nachzuforschen, wieso und zu welchem Preis Al-Basri aus dem Gefängnis kam. Auffällig ist nämlich, dass er gleich nach seiner „Flucht“ in den Nordirak die „Vereinigung zur humanitären Hilfe für die Opfer des Saddam-Regimes“ gründete, die bald mehr als 25.000 Mitglieder zählte.

Außerdem wird er Mitglied des „Deutsch-Irakischen Clubs“ und kandidiert im Januar 2005, allerdings erfolglos, fürs Parlament.

Bei einem Fest zur deutschen Einheit am 03.10.2005 in der deutschen Botschaft trifft Osthoff auf al-Basri, der sie wiederum an Jamal al-Duleimi vermittelt, als sie wieder einmal eine Wohnung in Baghdad suchte.

Nach dem Artikel soll auch eine Woche zuvor al-Basri verschleppt worden sein. Zusammen mit anderen Scheichs und Politikern hatte er vor, eine Unterstützer-Plattform für Eyad Allawi zu bilden, den ersten Nachkriegspremier.

Auf dem Weg zum Treffen wurden Basri und mindestens drei Mitstreiter verschleppt. Susanne Osthoff´s letztes Treffen im Haus von al-Duleimi zusammen mit den BND-Agenten fand einen Tag vor ihrer Entführung statt.

In den Vermittlungsbemühungen um die Freilassung von Osthoff waren auch der Deutsch-irakische Club involviert.

Nachdem der deutsche Botschafter Bernd Erbel den Aufbau des Clubs nachhaltig unterstützt und ihm u.a. Räume im ehemaligen Botschaftsgebäude im Viertel Masbah überlassen hatte, revanchierten sich die rund 70 Mitglieder mit ihren exzellenten Verbindungen vor allem zu den vielfältigen Clans des Duleimi-Stammes, unter denen sich auch die Entführer befunden haben sollen. Letztendlich brachten der Vorsitzende des Clubs Abdel-Halim al-Hadschadsch und ein anderer Duleimi-Scheich Osthoff nach ihrer Freilassung zur Deutschen Botschaft.

Könnte es sein, dass es sich bei dem viel zitierten Jamal al-Duleimi tatsächlich um Lt. Col. Ahmed Lahij Al Dulaimi handelt?

In dem englischsprachigen Artikel „Deployment of 200 intelligence member in Baghdad“ vom 31.05.2012 bei Shafaq News heißt es, dass ein Lahith al –Dulaimi, Mitglied des Bagdader Provinzrates eine Gruppe von etwa 200 Geheimdienstmitarbeiter anführen soll, die für Attentate und Bombenanschläge verantwortlich und in den Hauptstraßen und Märkten auf der Rusaf-Sseite aktiv sein sollen. Demnach soll Laith al-Dulaimi enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida haben.

Merkwürdig ist nämlich, dass Susanne Osthoff bei ihrer Entführung eingebläut wurde, dass es sich um eine Gruppierung um Al-Zarkawi handeln soll. Zudem berichtete der Stern ja auch von einem Jamal al-Duleimi als Geheimdienstoffizier. Laith al-Dulaimi befand sich zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels aus der Shafaq News im Gefängnis.

Ich rekapituliere deswegen mal kurz an dieser Stelle vorliegende Informationen. Der jordanische Geheimdienst behauptet, dass die Freilassung des libanesischen Hizbollah-Terroristen Mohammed Ali Hammadi mit dem Entführungsfall von Susanne Osthoff zusammenhängt. Susanne Osthoff wiederum war mit dem Cousin des ehemaligen Staatspräsidenten Ghasi al-Jawir aus dem Stamm der Schammar verheiratet, die in Syrien, Nordirak und Saudi-Arabien weit verbreitet sind. Außerdem war sie offensichtlich mit einem Verbündeten der Al-Qaida, Jamal Al-Duleimi, bekannt. Zudem hat Duleimi, wenn es sich tatsächlich um den Lt. Col. Ahmed Lahij Al-Duleimi handeln sollte, eine Gruppe von 200 Geheimdienstmitarbeitern angeführt. Fakt scheint zumindest zu sein, dass Susanne Osthoff von den BND-Mitarbeitern Armin S. und Josef U. kontaktiert wurde – das jedenfalls geht aus einem Stern-Artikel „BND missbrauchte Osthoff als Lockvogel“ vom 04.01.2007 hervor.

Demnach hätten sich zwei Mitarbeiter des BND (Armin S. und Josef U.) bei Susanne Osthoff als „Mitarbeiter der Handelsvertretung“ vorgestellt, um über sie Zugang zu Jamal al Duleimi zu bekommen; irgendwann fiel Osthoff auf, dass der Scheich immer wieder nächtliche Besuche, die ihr zunehmend suspekt erschienen, bekam. Deswegen hätte sie das Angebot der BND-Mitarbeiter schließlich angenommen, in der ehemaligen Residenz des deutschen Botschafters zu übernachten. Als sie beim Scheich ihre Sachen abholte, begleiteten sie die beiden BND-Leute und kamen so in Kontakt mit Jamal al-Duleimi. Offensichtlich war man überzeugt, dass der Scheich im irakischen Widerstand gegen die westlichen Besatzer eine größere Rolle spielte und deswegen verliehen ihm die Deutschen nach einigen Treffen den Titel „Chief Security Adviser“ und stellten für ihn einen entsprechenden Ausweis aus. Osthoff hatte dabei als Übersetzerin und Dolmetscherin fungiert. Osthoff geht davon aus, dass der Scheich sie letztendlich gegen Geld an die Leute im Widerstand verraten habe, weil er der Annahme war, dass sie für den Geheimdienst arbeite.

Und dann wird es richtig seltsam: Der FOCUS berichtete in seinem Artikel „Die verschleierte Wahrheit“ vom 23.12.2005 folgendes: „Wohlweislich verschwiegen die Experten aus dem ständigen Krisenstab, dass die dreiwöchige Entführung [Anm. Susanne kam schließlich wieder am 18.12.2005 gegen ein Lösegeld von 5 Millionen Dollar frei] die 43-jährige Archäologin körperlich als auch seelisch schwer mitgenommen hat.“ Sie sei bei der Übergabe durch arabische Mittelsmänner an die Deutsche Botschaft in Bagdad „schwer traumatisiert“ gewesen. „Offenbar hatten die Kidnapper der Frau massiv zugesetzt. In der deutschen Botschaft erholte sie sich nur langsam von den Entbehrungen. Tagelang wurde sie von der Außenwelt abgeschottet. Zu ihrer Sicherheit bewacht jetzt ein zehnköpfiges Kommando der Anti-Terror-Einheit GSG 9 die Auslandsvertretung in Bagdad.“

Frank-Walter Steinmeier genoss sichtlich den kurzen Auftritt „bei der Bekanntgabe der geglückten Befreiungsaktion. Für kurze Zeit war das leidige CIA-Folter-Thema in den Hintergrund gerückt. Vergessen scheint das Schattenmann-Image, das ihn noch unter seinem früheren Mentor Gerhard Schröder umgab. Der neue Außenminister gewann merklich Konturen als Krisenmanager: erste kritische Mission mit Bravour erfüllt.“ Und dann stellt o.g. FOCUS-Artikel weiter fest: „Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland glaubt, dass zunächst eine der vielen kriminellen Entführerbanden die Bayerin und ihren Fahrer am 25. November auf der Fahrt von Mossul nach Erbil im Nordirak verschleppt hatte. „Als sie gemerkt haben, dass sie da ein heißes Eisen angefasst hatten, suchte man, Frau Osthoff wieder loszuwerden“, meinte der Ratsvorsitzende, der sich auf gute Kontakte in den Irak beruft.“

Sie soll dann an sunnitische Fundamentalisten weitergereicht worden sein. Gemäß diesem Artikel wurde nun der allseits bekannte Agent 007, Bernd Schmidtbauer, vom deutschen Krisenstab als Vermittler hinzugezogen. Diesen „feinen“ Herrn Schmidtbauer habe ich schon im Zusammenhang mit den Entführungsfällen in Lateinamerika und dem „Superagenten“ Werner Mauss im Themenkomplex „Die Plutonium-Affäre“ bezüglich seiner Machenschaften mit Entführungsfällen ausreichend Platz gewidmet.

Nun hat sich diese Person bei der „Befreiung“ von Susanne Osthoff aber nicht mehr auf Werner Mauss stützen können (der war ja mittlerweile wegen dubioser Entführungsfälle mit hohen Gewinnspannen für die Entführer in Kolumbien und Libanon schon verbrannt)., sondern auf einen gewissen Massud Barsani, dem Kurdenführer im Nordirak. Verstärkung bekam Schmidtbauer auch vom deutschen Botschafter im Irak, Bernd Erbel, der wiederum seine guten Beziehungen aus dem Deutsch-Irakischen Club aktivierte.

Erstaunlich, was dann die Entführer für die Freilassung von Susanne Osthoff verlangten. Ich zitiere hier gleich mal den Spiegel-Artikel „Der Preis des Lebens“ vom 05.12.2005: „Einer der Entführer trägt eine Panzerfaust auf der Schulter und Badelatschen an den Füßen, außerdem eine Jogginghose [Anm.: wahrscheinlich Werner Mauss – Entschuldigung, diese ironische Bemerkung konnte ich mir nicht verkneifen]. Hinter Osthoff steht der Sprecher und liest vom Blatt ab, gepresste Stimme, er stockt gelegentlich. Grammatikalische Fehler und ein schlechtes Hocharabisch haben Sprachwissenschaftler, die die Aufzeichnung analysierten, ausgemacht. Und: Es fällt auf, dass die sonst üblichen religiösen Beschwörungsfloskeln nur sporadisch einfließen. Außerdem ist der Film ziemlich dilettantisch gemacht. Beides spricht dagegen, dass es sich um Sarkawis Terroristen handelt. […] Dann trägt er seine Forderungen vor, drei insgesamt: Sie lesen sich, verglichen mit der sonst eher blumigen Prosa arabischer Terroristen, beinahe wie ein diplomatisches Dokument. Erstens: Die Bundesregierung müsse ihre Botschaft in Bagdad schließen. Zweitens: Die Entführer fordern die „Beendigung der Zusammenarbeit mit der kollaborierenden Regierung des Iraks“ und – drittens – den Stopp der „Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte“ durch deutsche Beamte in den arabischen Emiraten.“

Und was finde ich dazu im Antikriegsforum-Heidelberg „Kein Fall für Berlin“ vom 30.11.2005, also in der Zeit, in der noch Susanne Osthoff festgehalten wurde?

„Deutschland beteiligt sich am Aufbau der von den Besatzungsmächten installierten Verwaltung mit Ausbildungs- und Ausrüstungsmaßnahmen, die auch bewaffnete Verbände umfassen (Polizei, Streitkräfte). Wie das Auswärtige Amt einräumt, zählen zu dem von ‚Berlin instruierten Personal mehr als 300 Bauspione, über 400 Kriminalpolizisten, 170 Mitarbeiter irakischer Ministerien (von der GTZ in Kairo ausgebildet), 42 Diplomaten und weitere Ministerialbeamte, außerdem über 120 Wahlbeobachter sowie so genannte „Mulitplikatoren“, die an der Ausarbeitung der Verfassung beteiligt waren. Zusätzlich wurden bzw. werden 25 irakische Stabsoffiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr geschult – für den Krieg gegen ihre eigenen Landsleute. […] Erst vor wenigen Tagen (am 17. November) gab das Bundeswirtschaftsministerium grünes Licht für „Hermesdeckungen zugunsten deutscher Exporteure“, die in den Irak liefern und unter Kriegsbedingungen Geschäfte machen wollen. Die zum Allianz-Konzern gehörige Euler Hermes Kreditversicherungs-AG schloss ein „Rahmenabkommen“ mit dem irakischen Finanzministerium und der Trade Bank of Iraq. Danach hat das irakische Finanzministerium „gegenüber dem Bund“ für alle „Zahlungsverpflichtungen“ irakischer Importeuere „einzustehen“. Damit sind alle unter dem Abkommen abzuwickelnden Exportgeschäfte für den Bund de facto mit einer Staatsgarantie unterlegt. „Weitergehende Hermesdeckungen“ werden für den Fall in Aussicht gestellt, dass die irakische Seite „überfällige“ und „nicht bundesgedeckte offene Irakforderungen deutscher Exporteure“ aus der Regierungszeit Saddam Husseins begleicht. Schließlich leisten die Exportbürgschaften der Bundesregierung „einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau Iraks“ und ermöglichen deutschen Firmen „die Wiederaufnahme ihrer Lieferbeziehungen mit irakischen Kunden“, so Euler Hermes-Vorstandsmitglied Dr. Hans Janus.“

Als Unterstützer für die Freilassung von Susanne Osthoff fungierte damals Manfred Kipfelsberger, der mit Susanne Osthoff zusammen 1973/74 in die fünfte Klasse des Gymnasiums in Grafing ging. Er war Geschäftsführer der Online-Agentur Creative Development GmbH, langjähriger Solution Partner der ContentServ GmbH. Diese sind nun der NBC Universal Global Networks Deutschland GmbH unterstellt. Manfred Kipfelsberger ist jetzt Projektleiter für die Internetplattform XING in Landshut. Spielt dieser Kipfelberger eine weitere okkulte Rolle im Osthoff-Fall?

Hier kann ich nur spekulieren. Kann sein, dass er das in Erinnerung an eine gute Schulfreundin getan hat, kann aber auch sein, dass hier noch eine zusätzliche „Werbeaktion“ installiert wurde.

Wie ich anfangs erwähnt hatte, fand man dann bei Susanne Osthoff einen kleinen Teil des Lösegeldes, etwa 3.000 US Dollar. Wahrscheinlich hatte man ihr das als kleines „Schmerzensgeld“ zugesteckt. Ich meine das nicht polemisch, ich gehe sogar fest davon aus, dass Susanne Osthoff gegen ihren Willen entführt wurde.

Es ergibt sich nämlich für mich an dieser Stelle weiter die Frage, ob auch die Entführungen von zwei deutschen Technikern der Firma Cryotec aus Bennewitz bei Potsdam, nämlich Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke, ganz gezielt von geheimdienstlich ausgebildeten Ortskräften durchgeführt wurden, um über Lösegeldzahlungen aus öffentlichen Geldern Schmiergelder zu erhalten? Bräunlich und Nitzschke, die eine Raffinerie in Beidschi begutachten sollten, wurden am 24.01.2006, vier Wochen nach Osthoffs Freilassung entführt. Wie im Fall Osthoff wurde zunächst eine Verbindung zu Al-Zarkawis Gruppe vermutet und wie im Fall Osthoff waren offensichtlich ihre mutmaßlichen Entführer auf ihrem Bekennervideo der arabischen Sprache nicht fehlerfrei mächtig. Zu guter Letzt haben auch die mutmaßlichen Entführer der beiden Techniker zunächst nur politische Forderungen gestellt. Und auch hier war der BND und das BKA einschließlich Botschafter Bernd Erbel maßgeblich an der sogenannten Befreiungsaktion beteiligt über einen irakischen Mittelsmann, den man unter dem Decknamen „Knecht“ (Massud Barsani ?) führte. Währenddessen gab es zwischen BND, BKA auf der einen Seite und Erbel auf der anderen Seite Kommunikations- und Kompetenzprobleme, nachdem Erbel hinter dem Rücken der Behörden einen zweiten Vermittler, einen Scheich vom Stamm der Schammar beauftragte und so letztendlich auch die Geiseln frei bekam; offensichtlich wurden die Summen des Lösegeldes so in die Höhe getrieben.

Als letzten Punkt würde ich noch ml gerne auf Susanne Osthoffs Tätigkeit eingehen und lasse deswegen einige Artikel dazu für sich sprechen.

Ihr erinnert Euch, dass ich zu Anfang erwähnt hatte, dass Susanne Osthoff von einem Prof. Walter Sommerfeld in den Irak „eingeführt“ wurde.

Die AG Friedensforschung hatte ein Interview mit Sommerfeld ergattert und schreibt dazu in ihrem Artikel „Sie hat sich nicht gescheut Dinge in Angriff zu nehmen, die sich keiner sonst getraut hat“ folgendes: „Dieser blühende Markt mit gestohlenen Antiquitäten hat viel Zeit gehabt, um sich aufzubauen. Es begann in der Embargophase, vor 1990 wurden Raubgrabungen rigoros unterbunden. Dann entdeckten die Antikenhändler, dass der Irak ein einziges Eldorado mit unzähligen Antiquitäten und Kunstschätzen ist. Langsam baute sich ein Netz von Schmugglern, Hehlern und Händlern auf. Agenten vor Ort brachten geländegängige Autos, Waffen und Ausrüstung. Die Bauern wurden angestiftet, die Ausgrabungen zu machen. Dann schmuggelte man alles über die Grenze, was bei 2000 km unbewachter Grenze kein Problem ist. Die Sachen gingen um die ganze Welt, Amerika, Europa. In London gab es ganze Warenlager mit geschmuggeltem Kulturgut aus dem Irak. Nach dem Zusammenbruch des Staates 2003 hatten diese Händler, Hehler und Schmuggler eine paradiesische Zeit. Seitdem wurde mehr zerstört, als in Jahrtausenden zuvor.“

Auf die Frage, ob Sommerfeld es für möglich halte, dass Osthoff ein Entführungsopfer der Kunstmafia geworden sein könnte, antwortete Sommerfeld, dass er das wohl ausschließen würde, da er davon ausgehe, dass man sie gleich für weniger als 50 Dollar umgebracht hätte.

Über Prof. Walter Sommerfeld wusste auch der Deutschlandfunk etwas zu berichten: „Der Marburger Altorientalist Walter Sommerfeld macht als Vorsitzender der Deutsch-Irakischen Gesellschaft e.V. seit Jahren Stimmung gegen die USA und organisierte im Juni 2001 den berüchtigten „Solidaritätsflug“ für den nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten und Möllemann-Freund Jamal Karsli nach Bagdad. Der deutschen Industrie hat er bei unzähligen Gelegenheiten ebendort das Parkett bereitet.“

Und bei Jungle World „Die Bagdad-Connection“ vom 19.02.2003 heißt es : „Beim BDI-Treffen war der Vorsitzende dieser Gesellschaft zu Gast, der Marburger Professor Walter Sommerfeld, der als „Friedensfreund“ und „‘‘Embargogegner“ weiterhin als Referent und Experte für unmenschliche Sanktionen gegen den Irak auf Veranstaltungen hoch im Kurs steht. Sommerfeld saß zwischen dem Vertreter der Firma Kolb und dem Delegierten in allen armen Ländern dieser Erde berüchtigten Geisenheimer Waffenschmiede Fritz Werner.“

Und im Antikriegsform-Heidelberg kann man unter „Kein Fall für Berlin“ vom 30.11.2005 weiterlesen: „Trotz anhaltender Gefährdung der im Irak bedrohten deutschen Geisel setzen Bundesregierung und deutsche Industrie ihre Zusammenarbeit mit der illegalen Besatzungsverwaltung fort. Die Entführer verlangen ein sofortiges Ende der Berliner Staatshilfen für die Bagdader Administration. Ohne auf diese Forderung einzugehen, verlautbart der Krisenstab, man werde das Leben der entführten Susanne Osthoff zu retten versuchen; gleichzeitig offeriert das Berliner Wirtschaftsministerium interessierten deutschen Firmen schnelle Geschäfte mit dem Folterregime und hat grünes Licht für staatliche Export-Garantien gegeben. Die Vereinbarungen („Hermes-Kredite“) wurden mit den Bagdader Statthaltern im dortigen Finanzministerium getroffen. Von den Berliner Kreditzusagen profitiert u.a. der Siemens-Konzern, der mit diversen Produktsparten im Irak tätig ist. Beim Geschäftsaufbau lassen sich die deutschen Investoren von ortskundigen Mitarbeitern helfen, zu denen auch Susanne Osthoff gehörte. Diese Tätigkeit wird in Guerillakreisen als feindliche Zuarbeit für ausländische Kriegsparteien verstanden. Die bedenkenlose Nutzung individueller Hilfsbereitschaft für die politischen Ziele der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft wurde der jetzt entführten Deutschen zum Verhängnis“

Zum Abschluss dieses Themenkomplexes möchte ich auch auf die seltsame Begleitung von Susanne Osthoff vier Wochen vor ihrer Entführung, dem Brandenburger Geschäftsmann Rolfeckhard Giermann, eingehen.

Dazu liefert der Artikel der Berliner Morgenpost vom 14.07.2003 „Produkte aus Brandenburg für Bagdad“ ein interessantes Detail. Es geht hierbei um lukrative Aufträge, die man nach der Bombardierung in Bezug auf den Wiederaufbau des Iraks gerne erhascht hätte. Nach Schröders großkotziger Ankündigung, dass Deutschland sich nicht am Irakkrieg beteiligen werde, hatte man aber zunächst wenig Hoffnung gehabt, ausgehend davon, dass die Amerikaner aufgrund der „Verweigerungshaltung“ von Deutschland lieber anderen ausländischen Firmen den Vorzug dafür geben.

Eine kleine IT-Firma namens Tecnet aus Golm bei Postdam (klingt schon wieder sehr verdächtig nach Nachrichtendienst) hatte nämlich rein zufällig ihren irakischen Manager Khalid Kallow vor Ort und der wiederum konnte über den amerikanischen Baukonzern Bechtel einen Auftrag ergattern und zwar keinen kleinen – Tecnet sollte das Fernmeldenetz in Bagdad neu aufbauen.

Weiter heißt es dazu im o.g. Artikel der Berliner Morgenpost: „Traditionell bestehen zwischen vielen Brandenburger Firmen und Irak lange Handelsbeziehungen. Allein über den DDR-Staatshandel wurden umfangreiche Geschäfte getätigt. Ein Mann hat deshalb in diesen Tagen besonders Konjunktur. Rolfeckhard Giermann, von 1985 bis 1990 Handelsattaché für die DDR in Bagdad. Jetzt bringt er dort den Aufbau seines „ständigen Büros“ für deutsche Firmenpräsentanzen voran. Im Gepäck hat der Geschäftsführer der Import- und Exportfirma Tasco GmbH aus Henningsdorf Visitenkarten und Prospekte kleiner Firmen vor allen aus der Region. Mit dabei: Drahtbürsten aus Spremberg, Asphaltmischer aus Teltow, Eberswalder Kräne und Kabel aus Berlin.“

Ich frage mich, ob die 5 Millionen US Dollar-Lösegeld aus der Osthoff-Entführung dafür eine Verwendung gefunden hatten.

Das kann jeder für sich selbst beantworten. Damit schließe ich meine Analysen zu dem Themenkomplex „Die Golfkriege“

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