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Dass die Zusammenarbeit zwischen BND, der SED-Diktatur und dem Regime von Saddam Hussein eine lange Tradition hatte, habe ich bereits in meinen Ausführungen zu Abdul Moniem Jebara, dem engen Vertrauten von Saddam Hussein seit der Schulzeit, und der im Februar 1965 gegründeten Münchner Firma Telemit samt ihrer Tochter Astro AG sowie den Waffenfirmen ITA und IMES innerhalb des KoKo-Firmengeflechts dargelegt (siehe Analyse zum Oktoberfest-Bombenanschlag – Das politische Umfeld, der Milliardenkredit und Gaddafi – Teil 8, die Atantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls Teil 4 und die Plutonium-Affäre – Barschels Vermächtnis – Teil 6).

Nachdem unter Genscher und Klaus Kinkel die Telemit 1976 an Gaddafi übergeben wurde, erfuhr das Waffengeschäft mit Bagdad eine Blüte, die ihren Höhepunkt zwischen 1983 und 1985 erreichte. Danach stellte der Waffenhändler und –vermittler Jebara fest, dass die Telemit nicht nur den Irak, sondern auch den Iran belieferte, zu diesem Zeitpunkt der Kriegsgegner von Saddam Hussein im ersten Golfkrieg.

Gaddafi wiederum, mittlerweile der rechtmäßige Eigentümer der Firma Telemit, reagierte verschnupft, als sich Saddam Hussein geweigert hatte, libysche Oppositionelle, die vor Gaddafi in den Irak geflohen waren, auszuliefern und deswegen wurden die Geschäftsbeziehungen zwischen der Telemit und dem Irak erst einmal eingefroren.

Davon profitierte wiederum der Iran, der sogar nun eine eigene Niederlassung, die Telemiran in Teheran unter Aufsicht von A. Minas und Inhaber der Firma Samotec in Ettlingen, bekam.

Während Abdul Jebara aufgrund einer typisch deutschen Intrige seitens Telemit-Geschäftsführer Köster im deutschen Gefängnis schmorte, nachdem er sich über die Vorgänge innerhalb der Telemit beschwert hatte, bekam die Telemit unter Vermittlung von A. Minas ihre erste Ausfuhrgenehmigung in den Iran seitens des Bundesamtes für gewerbliche Wirtschaft in Eschborn, um Sende- und Empfangsanlagen im Wert von 16,14 Mio. DM auszuliefern. (Quelle: Erich Schmidt-Eenboom „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“)

Zu dieser Zeit lief auch das amerikanisch-israelische Waffenprogramm Iran-Contra unter Oliver North, Robert McFarlane, Mike Harari und Richard Secord (Drogen gegen Waffen) auf Hochtouren, in deren Folge 12.000 TOW-Raketen bis 1987 an den Iran geliefert wurden.

Die Contra-Rebellen wurden im Austausch von Drogen mit Waffen versorgt, der Verkauf der Drogen wurde wiederum über die Vermittlung des unter den Geheimdiensten allseits  bekannten Windei Manucher Ghorbanifar (Agent des iranischen SAVAK), in Waffengeschäfte mit dem Iran investiert und der Erlös aus diesen Geschäften kam wieder den Contra-Rebellen in ihrem Kampf gegen die nicaraguanischen Sandinista-Regierungstruppen in Form von Waffen zugute.

Es lohnt sich deswegen, dieser Operation einen tiefergehenden Blick zu widmen, denn diese Angelegenheit aus der Vergangenheit ist mittlerweile aktueller denn je, vor allem, was den Einsatz der PROMIS-Software als Überwachungsprogramm betrifft, die so trickreich von den Israelis präpariert wurde.

Ari Ben-Menashe hatte zu diesem Vorgang in seinem Buch „Profits of War“ ausführlich geschrieben. Das Buch ist leider nur in englischer Sprache verfügbar, aber ich versuche mich in einer deutschen Kurzfassung zu diesem Thema.

Nach dem Sturz des persischen Shahs im Februar 1979, wie bereits von den Israelis vorhergesagt, wurde aus der israelischen Botschaft in Teheran die Botschaft der PLO, was zunächst zu einem totalen Bruch der Beziehungen zwischen Israel und Iran führte. Am 01. April 1979 rief Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Als Angriffspläne des Iraks (dem Erzfeind der Israelis) gegen die iranische Provinz Khuzistan bekannt wurden und Saddam Hussein sich mit dem Gedanken einer eigenen Atombombe trug, versuchte der damalige iranische Premierminister Bazargan, Hilfe und militärische Unterstützung von Amerika zu bekommen. Amerika unter Präsident Jimmy Carter verweigerte jedoch trotz Drängen der Israelis jede Zusammenarbeit mit den Iranern und so kam es am 04. November 1979 zum Sturm auf die amerikanische Botschaft und der Geiselnahme von 52 Amerikanern. Unterdessen verhandelte Carter heimlich mit den drei iranischen Waffenhändlern im Westen – den Hashemi-Brüdern Cyrus, Jamshid und Reza, die behaupteten, gute Beziehungen zu Khomeini zu pflegen und ihn so vielleicht über ihre Kontakte zur Freilassung der Geiseln bewegen zu können.

Bereits im September 1979 lief unter David Kimche, dem Chef vom Tevel (Abteilung des Mossad “Ausländische Beziehungen”) eine geheime Operation, bei der Waffen und Kriegsausrüstung in den Iran geliefert wurden. Diese Waffen wurden über Südafrika mit Hilfe des südafrikanischen Geheimdienstes verfrachtet. Hinter dem Rücken von Jimmy Carter trafen sich unterdessen im Januar 1980 die Bush-Anhänger aus dem republikanischen Lager Robert McFarlane, Robert Gates, William Casey, Miles Copeland sowie Earl Brain mit Bazargan und dem israelischen Chef der Counterterrorismuseinheit Rafi Eitan.

Carter hatte nach der Geiselnahme ein totales Embargo gegen den Iran verhängt und nun liefen gleichzeitig konspirativ zwischen Israel und Iran Abkommen, den Iran im bevorstehenden Krieg gegen den Irak mit Waffen und militärischen Ausrüstungsgegenständen zu beliefern.

Es wurde ein Konto in Genf bei der „Worms Bank“ eröffnet, um den Transfer Waffen gegen Geld zu gewährleisten. Teile, vor allem Räder für die F-4 wurden von der Alliance Tire Factory in Israel geliefert. In Wien wurden die Kennzeichnungen der Räder unkenntlich gemacht und dann nach Iran weitergeliefert. Am 27.04.1980 flog die Sache aber auf und die Israelis hatten Mühe, den Verdacht, das Embargo durch Waffenlieferungen zu umgehen und heimlich Geschäfte mit dem Iran zu machen, zu zerstreuen und als einmalige Sache abzuwiegeln.

Am 24.04.1980 scheiterte die militärische Aktion zur Geiselbefreiung “Operation Eagle Claw” unter dem Kommando von Col. Charles Beckwith kläglich, nachdem vier Hubschrauber abstürzten bzw. kaputt gingen, bevor die Aktion überhaupt gestartet werden konnte. Man vermutete, dass hinter diesen Sabotageakten u.a. Oliver North und John Singlaub, ebenfalls treue Bush- und Robert Gates-Anhänger, steckten.

Es folgten weitere heimliche Treffen in Madrid mit den Beteiligten Casey, Gates, Brian auf der amerikanischen und Mehdi Karrubi, Sayeed Mehdi Kashani, Ahmed Omshei und Khosro Fakhrieh auf iranischer Seite. Bei diesen Treffen waren aufgrund der aufgeflogenen Lieferungen diesmal keine Israelis dabei, sie waren aber ständig durch Gates und Casey sehr gut informiert, die natürlich die Wiederwahl von Jimmy Carter verhindern wollten, um so die Republikaner an die Macht zu bekommen. Hier wurde auch verhandelt, dass die Geiseln freigelassen werden, wenn die Republikaner das Embargo gegen Iran aufheben und den Iran mit Waffen beliefern.

Im August 1980 wurden die Israelis von ihrer Regierung angewiesen, nicht mehr mit den offiziellen Regierungsvertretern unter Jimmy Carter, sondern nur noch mit Republikanischen Repräsentanten zu verhandeln.

Am 22.09.1980 war es dann soweit, der Irak griff zum ersten Mal den Iran an.

Daraufhin fand ein streng geheimes Treffen zwischen Georg Bush und Jojjat El-Islam Karrubi in Paris statt, bei dem der Handel Waffen gegen Geiseln noch einmal bestätigt wurde. Damit die Unterwanderung der amerikanischen Regierung nicht offensichtlich wurde, hatte man zu diesem Zeitpunkt wieder die Israelis mit ihren Kontakten zu Khomeini aktiviert, um die Freilassung der Geiseln zu bewirken. Allerdings sollen die Geiseln erst freigelassen werden, wenn die Republikaner die Wahl gewonnen hatten.

Für die Freilassung der Geiseln forderte Iran zusätzlich 52 Millionen US Dollar. Ari Ben-Menashe wurde beauftragt, nach Guatemala zu fliegen, dort vom Saudischen Botschafter 56 Millionen US Dollar anzunehmen, wovon 4 Millionen Dollar auf ein Konto bei der Valley National Bank von Arizona eingezahlt werden sollte. Kontoinhaber war Earl Brian.

Die amerikanische Bevölkerung durfte von dem Deal nichts wissen und so wurde das Geld aus den schwarzen Konten der CIA abgezweigt. Mit Unterstützung ehemaliger Mossad-Agenten lief zu diesem Zeitpunkt auch eine Drogen- und Waffenschmuggelaktion in Zentralamerika. Die Drogengelder wurden durch die Saudis gewaschen. Mittlerweile belieferten die Israelis regelmäßig die Iraner mit Waffen gegen ein Entgelt von 1 Milliarde US Dollar.

Hingegen zeigten sich die Iraner über das Atomkraftwerk Tammuz 1 (Osirak – eine kunstvolle Zusammensetzung aus Osiris und Irak) im Irak besorgt und erbaten von den Israelis Spionageaufnahmen, denn sie beabsichtigten, das Atomkraftwerk zu zerstören. Die Israelis lieferten zwar einige Aufnahmen, beschlossen aber, das Atomkraftwerk am 07.06.1981 selbst zu zerstören. Die Russen wurden über die illegalen Flüge seitens der Israelis an der türkisch-russischen Grenze aufmerksam und verlangten von Israel eine Erklärung, aber Israel scherte sich nicht um die Anfrage und setzte ihre illegalen Flüge fort. Daraufhin schossen die Russen einige Transportflieger der Israelis ohne Vorwarnung ab und offenbarten so der Welt die Unterstützung des Iran durch die Israelis mit amerikanischen Waffensystemen.

Durch Robert Gates Intervention und tatkräftige Unterstützung konnten die Israelis jedoch ihre Geschäfte unbehelligt weiter betreiben.

Israel begann den Iran mit elektronischer Ausrüstung für ihre Raketen- und Waffensysteme unter Fälschung der Herkunftszertifikate, die ausdrücklich vorsahen, dass Waffen aus den USA an Israel nicht an Drittländer weiterverkauft werden dürften, zu beliefern. Zu diesem Zweck wurden die Boeing 707 der IDF von New York nach Tel Aviv oder die El Al Transportmaschinen gechartert.

Von dort wurden die Waffen und Ausrüstungen über Argentinien in den Iran gebracht. Weitere Transporte wurden durch die TAP in Portugal oder Guiness Peat in Irland ausgeführt. Diese Operationen fanden unter der Aufsicht von Rafi Eitan statt.

Zum Zwecke der Verdeckung dieser Operation wurde die ORA Group gegründet.

Die ganze Operation flog wieder einmal auf, als eine Schweizer Flughafenmitarbeiterin auf die ungewöhnliche Fracht aufmerksam wurde und einer Bekannten davon erzählte, die zufälligerweise Journalistin bei der New York Times war. Es handelte sich um Leslie Gelb.

Ariel Sharon hatte bereits in der Zeit von 1975 bis 1977 einen privaten Waffenring zusammen mit dem Mossad-Agenten Mike Harari in Zentralamerika aufgebaut. So kam er auch wieder mit Robert Gates und Robert McFarlane in Kontakt, um den Waffenring weiter auszubauen. Erst wurden die Contras gegen die Sandinisten aufgerüstet. Weil keine Regierung diese Unternehmungen offiziell unterstützen wollte, baute Sharon und die CIA durch Drogen ein eigenes finanzielles Netz aus. Kokain aus Südamerika wurde über Zentralamerika mit Hilfe von Manuel Noriega in die USA geschmuggelt. In das Netz Drogen und Waffenhandel waren u.a. die iranische Bank Melli mit Sitz in London und Paris, die National Westminster Bank in England, die Chicago-Tokyo Bank in Chicago, die Chemical Bank in New York, die Bank One in Ohio und die bereits erwähnte Valley National Bank in Arizona involviert.

Aus den Erfahrungen der durch die Schweizerin aufgedeckten Operationen von 1981 bis 1982 hat man einen ganzen Ring aus Unterhändlern von privaten Waffenlieferanten aufgebaut, um die großen Mengen von an den Iran gelieferten Waffen zu verdecken. Zu diesen Waffenhändlern gehörte auch John Hortrich alias John de Laroque, ein amerikanischer Geschäftsmann, der in Südfrankreich lebte und sein Geschäftspartner Richard J. Brenneke. In Südfrankreich traf er auch auf den französischen Geschäftsmann Bernard Velliot mit Kontakten zum französischen Geheimdienst. Mit ihm zusammen bauten sie ein Öl und Waffengeschäft auf.

So bekamen sie weitern Kontakt zum israelischen Waffenhändler Yitzhak Frank. Insgesamt wurden 200 Bankkonten bei 27 verschiedenen Banken weltweit eingerichtet, wobei nur ein Viertel dieser Konten aktiv war. Einige der Waffenlager waren auf dem CIA-Stützpunkt Marana in der Nähe von Tucson, Arizona oder Lüttich in Belgien. Meistens wurden die Waffen über Drittländer an den Iran geliefert. Bevorzugt war Südafrika aufgrund der engen Beziehungen des Mossad zum südafrikanischen Geheimdienst oder auch Guatemala, Peru, Kenia und Paraguay.

Olof Palme hat sich übrigens geweigert, den Waffentransport in den Iran zu unterstützen.

Nicholas Davis, Londoner Lektor des Daily Mirror war ein weiterer Unterhändler. Angeworben wurde er von Anthony Pearson, einem ehemaligen britischen Special Airborne Service Offizier, der eine Firma namens Strategic Intelligence Service führte und dem die Geldnöte von Davis sehr wohl bekannt waren. So konnte er Nick Davis mit Geld überreden, für Israel zu arbeiten.

Er vermittelte auch Söldner aus Lafayette, Louisiana und schickte diese um die ganze Welt. Selbst Auftragsmorde für 50.000 Dollar waren durch Pearson möglich.

Während der Iran mit amerikanischen TOW Raketen (12.000 Stück insgesamt bis zum Jahr 1987) beliefert wurde, erhielten die Iraker russische Unterstützung durch die Lieferung von T-72 Panzern und sollten mit den modernen T-80 Panzern weiter beliefert werden. Auch wenn Israels Profit aus den Waffenverkäufen mit einer Gewinnspanne zwischen 50 und 400% ständig stieg, so ging diese Geld auch wieder durch Schmiergelder an Politiker (insbesondere an die Demokraten in den USA) und Zivilisten sowie Werbeaktionen und Cover-Up-Operationen zur Verschleierung der Waffengeschäfte mit dem Iran drauf. Am Ende jedoch zahlte sich dieser Waffenhandel aus mit Spitzengewinnen von 1 Milliarde US Dollar und mehr, die natürlich in schwarze Kassen der Geheimdienste und Parteien versickerten.

So wurden wiederum schwarze Operationen gegen Palästinenser und andere arabische Länder wie Syrien und Libanon finanziert. Zwei Beispiele waren die Gruppe um Abu Nidal und dem “palästinensischen” Überfall auf das Kreuzschiff “Archille Lauro” von 1985 und der missglückte Anschlag auf eine El Al Maschine 1986, bei dem eine irische Frau dazu missbraucht wurde, im Namen der syrischen Regierung einen Bombenanschlag auszuführen. Diese Aktionen wurden durch den israelischen Geheimdienst initiiert, um andere Länder dafür zu beschuldigen mit dem Ziel ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

Des Weiteren wurden diese Gelder für die jüdischen Ansiedlungen in der West Bank und dem Gaza Strip benutzt, indem man den Arabern große Stücke Land abkaufte, um die Palästinenser zu vertreiben. Von März 1981 bis Ende 1987 investierten die Iraner die unglaubliche Summe von mehr als 82 Milliarden Dollar in Waffen. Ari Ben-Menashe fasst dies alles wie folgt zusammen:

  1. Lenk die Araber von Israel ab
  2. Erleichtere die Araber um ihr Geld
  3. Beschäftige die Iraner mit sich selbst und erleichtere sie ebenfalls um ihr Geld
  4. Lass das Öl fließen
  5. Schaff eine Plattform, damit die Welt ihre alten Kriegsgeräte und Waffen recyceln kann
  6. Mach die Russen glücklich und
  7. Schaffe viele Waffenhändler und damit ertragreiche Verteidigungsverträge.

Der Iran-Irak-Krieg war das beste Instrument, diese Punkte zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten zu erfüllen.

Am 16. und 17. September 1982 kam es mit Unterstützung von Ariel Sharon in den Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila in Beirut zu einem Massaker, in dem die Palästinenser von den Falangisten der Libanesischen Christlichen Miliz unter Führung von Pierre Gemayel, dessen Sohn Bashir bei einem großen Bombenanschlag ein paar Tage vorher ums Leben kam, angegriffen wurden.

Der Umstand, dass Ariel Sharon durch ein persönliches Gespräch mit Gemayel von dem geplanten Massaker wusste und nichts dagegen unternahm, kostete ihn schließlich das Amt als Verteidigungsminister und er wurde durch Moshe Arens, damaliger israelischer Botschafter in den USA, ersetzt. Moshe Hebroni, damaliger Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, konnte aber noch rechtzeitig alle kompromittierenden Dokumente verschwinden lassen, bevor auch er aus dem ERD (External Relations Departement – Abteilung für auswärtige Beziehungen im israelischen militärischen Nachrichtendienst) abgezogen wurde.

Mit dem neuen Premierminister Yitzhak Shamir 1983 wurden alle führenden Köpfe innerhalb des Geheimdienstapparates ausgetauscht.

Rafi Eitan hingegen, ein enger Vertrauter von Shamir, wurde neuer Chef des Verbindungskomitees für Terrorismusbekämpfung.

In dieser Zeit liebäugelte er insbesondere mit dem Supercomputerprogramm PROMIS.

Ari Ben-Menashe schreibt, dass die meisten Leute, die in dem Waffengeschäft mit dem Iran eine Rolle spielten, auch bei der PROMIS-Aktion beteiligt waren. Einer davon war auch der britische Medienbaron Robert Maxwell.

Die Geschichte von PROMIS fing in den 60er Jahren an, als der Amerikaner William Hamilton in der NSA zunächst einmal kommunistische Gruppierungen und Individuen elektronisch erfassen, nach der Grundidee einer Rasterfahndung entsprechend klassifizieren und so aufspüren wollte. Er sprach fließend Vietnamesisch und so entwickelte er zunächst für die NSA ein elektronisches Wörterbuch Vietnamesisch-Englisch.

Dadurch konnte er in der Programmierung Erfahrung sammeln und im Rahmen des Aufbaus von PROMIS gelang es ihm schließlich, ein Programm zu entwickeln, dass in der Lage war, auf sämtliche Daten innerhalb anderer Computersysteme und Datenbanken zuzugreifen und diese Daten in Beziehung zueinander zu stellen. Als Hamilton erkannte, wie wichtig und durchschlagend seine Entwicklung war, verließ er die NSA und gründete seine eigene Firma Inslaw.

Er wollte dieses Programm vor allem den Polizei- und Gerichtsbehörden zur Verfügung stellen, die im Rahmen von Aktenvorgängen schnell auf rechtlich relevante Querverbindungen zugreifen konnten. Damit handelte er sich aber auch kräftigen Ärger mit der NSA ein, die der Meinung war, dass seine Entwicklung Staatseigentum sei und aus geheimschutzrechtlichen Gründen keiner anderen Organisationen zur Verfügung gestellt werden dürfte.

Nachdem Hamilton dem Justice Department 1981 eine Testversion zur Verfügung gestellt hatte, wurde diese ohne sein Wissen an die NSA weitergereicht, die sich nun ausgiebig mit dem Programm vertraut machte.

Nachdem sie das Prinzip durchschaut und eine eigene Version entwickelt hatte, gab sie diese Version wieder an das Department zurück.

Der Generalstaatsanwalt Edwin Meese III. lehnte daraufhin den Einsatz dieses Programms ab. Unterdessen wurden die von der NSA entwickelten Programme an andere Behörden und Geheimdienste verkauft, so dass Inslaw schließlich Bankrott erklären musste.

So gelangte schließlich das Plagiat von Inslaw über Earl Brian zu Rafi Eitan.

Eitam kam auf die Idee, dieses Computerprogramm mit einem Virus zu infizieren und es dann anderen ausländischen Geheimdiensten zu verkaufen. Mit Hilfe eines Modems konnte dann Israel über die Zugangscodes alle Daten, die von den betreffenden Spionageabteilungen in anderen Ländern eingegeben wurden, abschöpfen und mitlesen.

Damit aber die Spur der Manipulation nicht nach Israel zurückverfolgt werden konnte, sollte die Infizierung dieses Systems von einem anderen Land vorgenommen werden. Zu diesem Zweck wurde Yehuda Ben-Hanan ausgewählt, der ein eigenes Software- und Computerfachgeschäft in Chatsworth, Kalifornien betrieb. Nachdem eine Falltür nach den Vorgaben der Israelis eingebaut wurde, testete Eitan seine Idee zuerst an Jordanien.

Die Amerikaner hingegen verkauften dieses Programm u.a. auch der Firma Wackenhut mit Sitz im Cabazon Indianerreservat im Süden Kaliforniens. Wackenhut war eine Tarnfirma der CIA. Dort wurde PROMIS dann in ähnlicher Weise wie schon durch die Israelis zuvor präpariert.

Nachdem diese Programme entsprechend von den Israelis auf der einen und den Amerikanern auf der anderen Seite manipuliert wurden, mussten sie jetzt nur noch eine private Firma finden, die diese Programme in aller Welt vertreibt. Die Wahl fiel schließlich auf Robert Maxwell, der durch seine Firmen sowohl Kontakt zu den westlichen als auch zu den östlichen Ländern, insbesondere dem Ostblock, hatte. Das ganze wurde 1984 durch Sen. John Tower, einem alten Freund von Maxwell, der auch Georg Bush sehr gut kannte, arrangiert. Kurz darauf wurden in allen Ländern rund um den Erdball Maxwells Berlitz Sprachschulen aus dem Boden gestampft. Durch die Berlitz Holdings konnte er nun Computerfirmen aufbauen oder aufkaufen. Unter diesen Firmen zählten u.a. die von Earl Brian geleitete Hadron auf der amerikanischen Seite oder die Degem auf israelischer Seite in Israel, Guatemala sowie im südafrikanischen Transkei.

Über die Firma Degem in Transkei gibt es einen interessanten Hintergrund.

Yaacov Meridor, der Inhaber dieser Firma, war ein intimer Freund von Menachim Begin und so gelang es Meridor, große Aufträge an Land zu ziehen und schließlich die wirtschaftliche Lage in Südafrika zu beeinflussen. Als er jedoch in einem weiteren Projekt auf Solarenergie umsatteln wollte, um sein Land so von Öl und Kohle unabhängig zu machen, wurde er im Zusammenhang mit seinem öffentlichen Aufruf an ausländische Investoren zur finanziellen Unterstützung seines Projekts wenige Tage später über das Fernseher durch einen Wissenschaftler aus dem Weizman Institut als Betrüger und Lügner diskreditiert. So verlor er nicht nur seinen guten Ruf und seine Glaubwürdigkeit, sondern auch seinen Sitz als Kabinettsminister. Maxwell konnte daraufhin das Unternehmen Degem in sein Geschäftsgeflecht integrieren.

Tja, auch auf diesem hohen Bankett gilt also der Grundsatz „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel das Maul zu halten.“

1984 bekam der israelische Geheimdienst Kontakt zu einem Mann, der sich selbst als der Chef der Nation bezeichnete – General Oscar Mejia Victores aus Guatemala.

Er erlaubte Israel, ein Warenhaus als Zwischenlager für Waffen einzurichten, die aus Amerika kamen und über Guatemala in den Iran eingeführt werden sollten. Gleichzeitig erhielten sie für Flugzeuge, die Waffen aus Polen geladen hatten, um die Sandinisten in Nicaragua zu beliefern, in Guatemala Landeerlaubnis. Gleichzeitig belieferten die USA durch die Gruppe um Oliver North die Contras gegen die Sandinisten mit Waffen.

Als Gegenleistung für dieses Entgegenkommen mussten die Israelis über die Eagle Firma von Pesach Ben-Or in Guatemala und seinem Partner Mike Harari in Panama, die beide von Ariel Sharon betreut wurden, die guatemaltekische Regierung weiter mit Waffen versorgen.

Gleichzeitig wurde so das Computerprogramm PROMIS an den Mann gebracht und Ariel Sharon durfte für sein Schweigen weiterhin seine illegalen, privaten Waffengeschäfte mit Guatemala fortführen.

Für die Installationen des Computerprogramms haben sich die Israelis eines deutschen Auswanderers, Manfred Hermann, bedient, der in Guatemala City ein Geschäft für Autozubehörteile, die Sedra, betrieb.

Als Stohmann sollte er die örtliche ORA-Group vertreten, während sein Partner Baldur Kleine das Gegenstück in Maitland, Florida bildete.

Da Guatemala hinsichtlich der Computerausstattung zu diesem Zeitpunkt sehr spärlich ausgestattet war, konnte durch die elektronische Aufrüstung mit IBM Computern über Kleine und Hermann noch zusätzlich Profit geschlagen werden. So wurden sämtliche Versorgungseinrichtungen wie Wasser, Eisenbahn, Energie usw. mit Computern und anderen Hardwarekomponenten von IBM ausgestattet, um über die verschiedenen Datenbanken an das zusätzliche Datenmaterial durch PROMIS heranzukommen.

Mit Hilfe dieses Systems wurden schließlich durch Aufzeichnung der Bewegungsbilder mehr als 20.000 Opponenten in Guatemala aufgespürt und umgebracht bzw. verschwanden diese spurlos.

Das alles wurde durch die Drogengelder der Amerikaner und Israelis finanziert, die mit Hilfe von Mejia Victores aus Südamerika über Guatemala in die Vereinigten Staaten geliefert werden.

In Südafrika übertraf das durch die Israelis präparierte PROMIS alle Erwartungen, denn die südafrikanische Regierung war natürlich sehr an schwarze Revolutionäre und Aufständische interessiert. Auch hier “verschwanden” beinahe 12.000 Menschen oder wurden ermordet aufgefunden. “Kushi kills Kushi” wurde unter den Israelis bald zu einem geflügelten Sprichwort – eine Bezeichnung für die schwarzen Todesschwadronen unter Gatsha Buthelesi, die auf die vermeintlichen Rebellen und Aktivisten gehetzt wurden.

Die aus PROMIS gewonnenen Daten über die betreffenden Personen wurden einfach Gatsha Buthelesi übergeben, damit er in inszenierten Straßenkämpfen die Gegner aus dem Weg räumt. Ausgerechnet Robert Maxwell, der sich in der Öffentlichkeit immer als entschiedener Gegner der Apartheidpolitik von Südafrika darstellte, hatte dieser Regierung durch den Vertrieb von PROMIS Tür und Tor für ihren Rassismus geöffnet und so die Apartheid mehr denn je unterstützt.

PROMIS wurde auch für Erpressungen benutzt, indem die Software an Kreditinstitute wie z.B. der Credit Suisse im Jahr 1985 verkauft wurde. Dort spionierte man dann in Ruhe sämtliche Kontobewegungen und Geldtransaktionen der betreffenden Zielpersonen aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltung und Wissenschaft aus, um sie später zu erpressen.

1986 und 1987 wurde selbst die Sowjetunion von PROMIS nicht verschont. Sie erhielt das Programm über eine Firma namens Trans-Capital Corporation in Norwalk, Connecticut.

Der russische militärische Geheimdienst GRU benutzte ahnungslos bis Anfang 1991 diese Software. Ari Ben-Menashe vermutet, dass seine Kenntnis über den amerikanischen Missbrauch von PROMIS letztendlich zu seiner Verhaftung im Jahr 1989 geführt haben könnte, aus Angst, er könnte, wenn die Amerikaner weiterhin den Irak (Israels Todfeind Nr. 1) mit chemischen Waffen (!! – 2003 der Anlass zum dritten Golfkrieg) beliefern, alles offen legen.

Aufgrund seiner extrem Anti-Amerikanischen Haltung näherte sich Shamir während seiner Zeit als Premierminister insbesondere dem Ostblock an, um Israel von seiner Abhängigkeit von den USA zu befreien. Die Interessen der Sowjetunion lagen vor allem darin, den Iran-Irak-Krieg lange am Leben zu halten, indem sie die Iraker mit konventionelle Waffen unterstützten, um das Geld aus den arabischen Ländern zu schöpfen.

Der damalige KGB-Chef Viktor Chebrikov begriff aber auch, dass es notwendig war, gleichzeitig den Iran mit Waffen zu beliefern, um das militärische Gleichgewicht zwischen Irak und Iran zu gewährleisten.

So wurde ein Nährboden für die Annährung an Israel durch die Russen geschaffen. Da die UDSSR diesbezüglich wegen ihrer generellen Proarabischen Einstellung nicht offen auf der Weltbühne des Waffenhandels auftreten konnte, wurde Polen zu einem Mittlerland zwischen Israel und der UDSSR. Zusammen mit einem Österreicher namens Dr. Dieter Rabus, der mit der Tochter eines polnischen Fabrikanten für T-72 Panzermotoren verheiratet war, und Maxwell sowie Gen. Wojciech Jaruzelski und Nikolas Davies konnte Israel in Polen einen gut organisierten Waffenhandel aufbauen.

Da in dieser Zeit seitens des Iran die Nachfrage vor allem nach Granaten wuchs, arrangierte man in Polen eine Lieferung, bei der Israel pro Granate 800 Dollar zahlte und diese an den Iran für 1.100 US Dollar verkaufte.

1984 zwang die politische Situation in Israel zu einer Koalition zwischen der Likud Partei um Yitzhak Shamir und der Arbeiterpartei um Shimon Peres, bei der sich beide Parteiführer über einen Zeitraum von 4 Jahren das Amt um den Premierminister teilten, was zu vielen Problemen innerhalb der Geheimdienstapparate führte.

Im Rahmen der Beziehungen mit der UDSSR wurde wiederum ein Bankennetz für Geldwäsche errichtet, wobei die TransWorld Bank in Kanada die Erlöse aus PROMIS, rund 450 Millionen US Dollar, in den Ostblock transferieren sollte.

Die Bank von Budapest sollte diese Gewinne auf verschiedene Banken im Ostblock verteilen. Mittelsmann war wieder Robert Maxwell, der gute geschäftliche Beziehungen zu den Ostblockstaaten unterhielt.

Ein Zwischenfall stärkte die Bande zwischen Israel und KGB-Chef Chebrikov 1985. Den Israelis gelang es, eine fast intakte MIG-29 zu stehlen, die unverdeckt am Hafen von Gdansk in Polen stand.

Dazu wurde ein polnischer General geschmiert, der ebenfalls in dem gesamten Waffenhandel mit involviert war, sodass die Israelis die MIG-29 direkt mit einem russischen Transportflugzeug nach Israel verfrachten konnte. Doch der Diebstahl flog durch einen aufmerksamen russischen Soldaten an der Grenze auf und Michael Gorbatschow schickte wutentbrannt Chebrikov im Februar 1986 nach Israel, um die Angelegenheit ohne großes Aufsehen in Ordnung zu bringen. Dort wurde vereinbart, dass die Maschine wieder nach Russland zurückgebracht wird, gleichzeitig aber die Beziehungen zwischen Israel, Polen und der UDSSR weiter bestehen sollte und nichts davon öffentlich gemacht wird.

Der polnische General erhielt Asyl in den Vereinigten Staaten, im Gegenzug dazu erhielten die Amerikaner Fotos und Baupläne von der MIG-29. Auf diese Weise wurden die Bande zwischen Chebrikov und Shamir gefestigt.

Durch diese Freundschaft konnten auch Beziehungen zu anderen kommunistischen Regimen wie Nordkorea, Vietnam und anderen Ländern aufgebaut werden. Der Handel mit dem Iran lief folgendermaßen ab:

Die iranische Bank Melli stellt einen Kredit für eine der israelischen Waffenfirmen aus, wobei alle diese Firmen Tochtergesellschaften der ORA Group waren. Dann holten sich die Israelis von der Abteilung für ausländischen Transfer in der National Westminster Bank in London eine Sicherheit für diesen Kredit. Das Geld wird dann auf einer westeuropäischen Bank hinterlegt bis zum angegebenen Zahltag und dann wird das Geld weiter in den Ostblock transferiert. Bargeldabwicklungen werden über die Maxwell-Firmen getätigt und sind daher schneller und sicherer. Sind bei dem Deal Amerikaner involviert, wird das Geld auf ein CIA-Schwarzkonto bei der Internationalen Bank in Luxemburg eingezahlt. In diesem Kontext kam eine weitere Firma GeoMiliTech, geführt von der CIA unter der Leitung eines Gen. John Singlaub und seiner Freundin Barbara Studley, ins Spiel.

GMT wollte vor allem Waffen aus dem Ostblock für die Contras in Nicaragua. Ein Teil des Erlöses ging wieder an die ORA Group. C-130 Hercules Frachtflugzeuge kamen von Vietnam und wurden, zerlegt in ihre Bestandteile, in verschiedene Länder zwischengelagert, um dort repariert und neu deklariert zu werden. Zur Sicherheit wurde die Besatzung von liberischen Schiffen mitten auf dem Ozean ausgetauscht, so dass keiner über die ursprüngliche Herkunft dieser Ladung Bescheid wusste.

Damit gelangte ein Teil der Flugzeuge zu den North West Industries in Kanada, andere gelangten nach Westaustralien und einige wurden direkt nach Israel verschifft.

Die Vietnamesen bekamen für jedes Flugzeug 200.000 Dollar und wurden anschließend an den Iran für 12 Millionen US Dollar pro Stück verkauft.

Amerika, von denen die C-130 Maschinen ursprünglich stammten, sah keinen Cent von diesem Erlös.

Der Grundstein für die Iran-Contra-Affäre in den USA wurde durch die unsichere Koalition zwischen der Likud und der Arbeiterpartei gelegt. Shimon Peres beauftragte während seines Amtes als Premierminister Amiram Nir als neuen Chef des Verbindungskomitees für Terrorismusbekämpfung. Rafi Eitan, der vorher das Amt innehatte und maßgeblich an der Gestaltung des Waffenrings beteiligt war, wurde zur LAKAM (Wissenschaftlicher Geheimdienst) versetzt und ließ Amiram Nir über seine Tätigkeiten als ehemaliger Chef des JCC völlig im Unklaren.

Auch sonst erhielt Nir von Seiten Eitan keinerlei Unterstützung. Eitan führte stattdessen in aller Heimlichkeit seine Waffengeschäfte von seinem Büro aus weiter.

Nir fand eines Tages jedoch einige Dokumente, die auf das umfangreiche Waffengeschäft mit dem Iran hinwiesen. Weil Peres die Gelegenheit sah, seine Arbeiterpartei über den Waffenhandel zu finanzieren, entzog er den Geheimdiensten und dem Joint IDF/MI-Mossad Committee jegliche Kompetenz für den weiteren Waffenhandel und unterstellte diesen Verantwortungsbereich den Leuten seines Vertrauens.

Allerdings ließ sich das die Likud nicht gefallen und zwang Peres seinen Entschluss rückgängig zu machen. Daraufhin errichtete Peres 1985 einen zweiten Kanal für den Waffenhandel. Diese Operation sollte nun Nir leiten.

Dazu heuerte er als Kontaktmänner Yaacov Nimrodi und Al Schimmer an. Man beschloss, Kontakt zu Robert McFarlane aufzubauen. In gewisser Weise wurde McFarlane von Nimrodi und Nir erpresst, ab sofort mit ihnen zu kooperieren, wenn die Angelegenheit nicht auffliegen sollte.

Daraufhin vermittelte McFarlane einen weiteren Kontakt mit Oliver North und John Poindexter. Als einziger wurde der CIA-Chef William J. Casey darüber informiert. Reagan hatte man als Präsidenten herausgehalten. Stattdessen hatte man den Vizepräsidenten Georg Bush ins Vertrauen gezogen, der schließlich mit dieser Aktion einverstanden war. Er sah in der Labor Part einen Verbündeten bezüglich der Friedensverhandlungen mit Palästina. Die Amerikaner wollten einen eigenständigen palästinensischen Staat unterstützen.

Shamir hingegen lehnte dieses Vorgehen seitens der Amerikaner und ihren Vorschlag, Saddam Hussein als Vermittler in dem Friedensprozess zu installieren, rigoros ab, sodass es Bush schließlich leicht fiel, der Labor Party um Peres entgegenzukommen.

Das war auch der Auftakt, Saddam Hussein als Gegenkraft zum Iran aufzubauen und ihn mit entsprechendem Kriegsmaterial wie chemische Waffen und Raketentechnologie auszustatten. Es wurde sogar gegenüber Saddam Hussein Zugeständnisse für die Lieferung von nuklearer Technologie gemacht. Nach außen hin wahrten jedoch die Amerikaner den Schein und belieferten auch weiterhin zusammen mit Israel die Iraner mit Waffen, während in einer verdeckten Operation gleichzeitig Saddam Hussein ohne Wissen der Israelis aufgerüstet wurde.

Lediglich Shimon Peres wurde in dieses Spiel eingeweiht, der wiederum über den Kontakt mit dem in Genf lebenden israelischen Geschäftsmann Bruce Rappaport den Irak belieferte.

Dafür sollten die Iraker eine Ölpipeline von ihren Ölfeldern im Nordirak zum Hafen von Aqaba in Jordanien aufbauen. Weil Saddam Hussein jedoch im Clinch mit Syrien und Israel lag und die Türkei in dieser Angelegenheit neutral bleiben wollte, beauftragte er die Saudi Bechel Corporation mit dem Bau der Pipeline. Peres sollte dafür 40 Millionen Dollar Schmiergeld erhalten, aber durch den Aufstand der Likud Partei und der Veröffentlichung über diese Pläne einer Ölpipeline in allen israelischen Zeitungen musste das Unterfangen abgesagt werden. Insgesamt baute sich das Netz folgendermaßen auf:

  1. CIA-Operationen von Robert Gates und der Likud Partei zur Belieferung des Iran.
  2. Der illegale Sharon-Gates Handel mit den Contras
  3. Der russische und französische Waffenhandel von konventionellen Waffen mit dem Irak
  4. Der amerikanische Kanal für unkonventionelle chemische und nukleare Waffensysteme an den Irak über Westdeutschland, Südafrika und Chile sowie
  5. Der zweite Kanal unter Amiram Nir und Oliver North für Waffen an den Iran und den Contras.

Um den Waffenring um Rafi Eitan und den Ruf der Likud zu zerstören, beschlossen Nir und North über Ehud Barak, dem damaligen Direktor des Militärischen Geheimdienstes, durchsickern zu lassen, dass Jonathan Pollard, ein Analyst der US Navy, ein bezahlter Spion von Israel sei.

Rafi Eitan ließ sich über eine Mittelsfrau mit Namen Iris die Zugangspasswörter von McFarlane geben. Diese gab die Passwörter an Pollard weiter, der sich daraufhin die Informationen aus den verschiedenen Systemen holte, fotokopierte und sie schließlich heimlich an Iris vom LAKAM weitergab.

So erhielt Israel mehr als eine Millionen Dokumente, die Satellitendaten, US Flugzeuge, russische Flugzeuge, militärische Teile aus dem Geheimkatalog und dergleichen enthielten. Diese Papiere wurden teilweise an den KGB weitergeleitet.

Diese Informationen wurden natürlich auch an Bush weitergeleitet und der veranlasste, dass McFarlane aus dem National Security Council raus musste.

Allerdings kehrte Bush den Rest der Geschichte unter dem Teppich.

Ein weiterer Schlag seitens Oliver North wurde vorbereitet, indem er sich mit den Hashemi-Brüdern zusammentat, die in der Zwischenzeit selbst wegen illegalem Waffenhandels mit dem Iran in den USA verhaftet wurden, um Rafi Eitan und seinen Waffenring hochgehen zu lassen.

Am 22.04.1986 kam es auf den Bermudas zu mehreren Verhaftungen. Damit schlug North zwei Fliegen mit einer Klappe – er konnte den störenden Ring aus dem Weg räumen, um sich nun selbst an den Waffenverkäufen an den Iran zu bereichern und er konnte sich gegenüber der Regierung und der amerikanischen Bevölkerung ins rechte Licht setzen, indem er die Übeltäter und Terroristen präsentierte, die durch seine Hilfe endlich geschnappt wurden.

Allerdings hatte Oliver North nicht mit dem Einfluss von Rafsanjani gerechnet, der sich der Crew um Rafi Eitan verpflichtet fühlte.

Der Waffenhandel um die North-Nir-Gruppe wurde nämlich von Rafsanjani übel sabotiert und so kündigte Iran alle Waffenkäufe mit Oliver North auf. Daneben hatte North auch noch Probleme mit der Ausplanung zur Waffenversorgung der Contras, denn er bekam keinerlei Unterstützung von Verteidigungsminister Rabin, der wiederum Peres und der Arbeiterpartei feindlich gesonnen war. Dann kam heraus, dass North vom Sultan von Brunei 10 Millionen Dollar erhalten hatte, was er bei weiteren Untersuchungen immer verneinte und behauptete, das Geld wäre versehentlich auf sein Konto überwiesen worden.

Verständlicherweise wollte sich die Shamir-Gruppe für die Intrigen rächen und so sollte zunächst Ben-Menashe die Machenschaften von Oliver North und Nir im Mai 1986 an die Presse weitergeben. Allerdings wurde diese Aktion aus unerfindlichen Gründen von Ehud Barak abgeblasen. Stattdessen wurde Cyrus Hashemi vom Mossad unter Druck gesetzt, nicht mehr im Gerichtsverfahren gegen die Waffenhändler um Rafi Eitan auszusagen. Cyrus hielt sich an die Warnungen von Mossad und verkündete gegenüber dem Gericht, dass er keinerlei Aussagen machen werde. Ein paar Tage später fand man Cyrus Hashemi tot in seinem Londoner Appartement auf.

Ari Ben-Menashe wollte sich mit der Weisung von Ehud Barak nicht zufrieden geben und gab eigenmächtig Informationen über die Machenschaften von Oliver North wiederum mit Unterstützung von Rafsanjani an die Presse weiter. Rafsanjani steuerte diese Informationen, die er von Ari erhalten hatte, bei Al Shiraa, einer kleinen libanesischen Zeitung ein. Diese veröffentlichte die Story am 03.11.1986.

Kurz darauf wurden alle Angeklagten der Eitan-Gruppe freigelassen, denn bereits am 05.10.1986 wurde ein Frachtflugzeug aus Oliver North Kontingent über Nicaragua abgeschossen. Man konnte dabei den Piloten Eugene Hasenfus lebend fassen und fand zudem in dem Flugzeugwrack zahlreiche Dokumente und Papiere, welche die Verwicklung des CIA in den illegalen Waffengeschäften offenbarten. Nach Erscheinen des Artikels in der Al Shiraa wurde eine Untersuchungskommission in den USA eingerichtet, die ausgerechnet von John Tower geleitet wurde, der eng mit Robert McFarlane befreundet war und darüber hinaus bestens über die Waffengeschäfte informiert war. Wie zu erwarten, wurde die ganze Angelegenheit auf ein einmaliges Vorkommnis heruntergespielt und später belohnte ihn Georg Bush noch für seine hervorragenden Verdienste hinsichtlich der Vertuschung innerhalb der Untersuchungskommission.

Unterdessen blühte der Waffenhandel unter Leitung von Robert Gates wie eh und je, während die Untersuchungskommission sich noch mit diesen Angelegenheiten beschäftigte. Der Waffenhandel erreichte eine nie zuvor gekannte Größe, indem nun nicht nur Israel, Polen sowie Nordkorea und Vietnam beteiligt waren, sondern auch Schweden (nachdem man im Februar 1986 auch Olof Palme aus dem Weg räumte), Belgien, China und Bulgarien. Einer der Mittelsmänner für die Chinesische Strecke war Saul Eisenberg aus Tel Aviv. In Australien wurde ein Zwischenlager errichtet.

Irgendwie schien doch alles wunderbar zu laufen, aber die beiden Streithähne Iran und Irak wurden langsam müde. Es war Zeit, eine Pause einzulegen und Kraft zu schöpfen für den bereits in Planung befindlichen zweiten Golfkrieg mit Papa Bush. Vorher aber wurde erst einmal mit der UN-Resolution 582 und UN-Resolution 598 am 20. August 1988 ein Waffenstillstand vereinbart.

Bekanntlich liebäugelten die Amerikaner weiterhin mit einem eigenen palästinensischen Staat im Westbank und Gaza-Streifen. Die Israelis dachten eher an eine Umsiedlung der ungeliebten Palästinenser nach Jordanien. Dazu wurde ein Deal mit der PLO ausgeheckt. Sollte die Übernahme von Jordanien durch die Palästinenser klappen. Wollte Arafat bei der Befreiung der israelischen Soldaten helfen, die im Spätsommer 1988 von einer Schiitischen Gruppe im Libanon festgehalten wurden. Die Informationen über den Aufenthalt der Soldaten sollten von den Iranern geliefert werden und so hätte sich Israel vornehm in Zurückhaltung üben können, während in Jordanien das Chaos ausgebrochen wäre mit dem Ziel, König Hussein zu stürzen. Obwohl Israel mittlerweile ein Abkommen mit den Amerikanern geschlossen hatte, keine weiteren Waffen in den Iran zu liefern, wurden mit dem Iran für ihre Unterstützung bei der Befreiung der israelischen Soldaten wieder Verhandlungen für die Lieferung von C-130 Hercules Frachtflugzeuge aufgenommen. Das Geld, 36 Millionen US Dollar für drei Maschinen, wurde bereits auf Konten auf den Cayman Inseln deponiert. Die Flugzeuge selbst sollten über Sri Lanka in den Iran gebracht werden. Dafür sollten wiederum auf Wunsch der PLO die Tamilen mit 8 Millionen Dollar geschmiert werden, um bei der PLO Waffen kaufen zu können.

Während seiner Reise nach Südafrika hatte Ari Ben-Menashe von General Van der Westhuizen in einem vertraulichen Gespräch erfahren, dass der Irak mittlerweile mit Hilfe von deutschen Wissenschaftlern an Scud Raketen mit nuklearen Sprengköpfen experimentieren würde. Die Technologie hierfür stamme aus Deutschland, die chemischen Waffen kämen aus Chile und nukleares Material sei vor Ort in Südafrika bereitgestellt worden. Hinzu kamen weitere Waffenlieferungen an chemischen Waffen seitens der USA und Südafrika an den Irak. Dadurch geriet erst eine chilenische Firma namens Cardoen Industries ins Visier der Israelis. Die Cardoen Industries kooperierte mit der South African Arms Corporation (ARMSCOR) und lieferte ebenfalls Waffen in den Irak. Durch Alan Sanders, der Verbindungen zum CIA hatte, konnte der Irak über die ITICO (Integrated Technologies International Co.), Sanders Tarnfirma, Baupläne und Technologie für die Herstellung von Clusterbomben erhalten. Diese stammten ursprünglich von der Gamma Corporation, ebenfalls einer Tarnfirma der CIA.

Bereits zwei Jahre zuvor hatten die Israelis herausgefunden, dass die Artilleriehülsen und Patronen für chemische Munition aus Westdeutschland kamen, die durch einen in den USA lebenden Ägypter namens Ihsan Barbouti vermittelt wurden. Barbouti hatte bereits Libyen mit chemischen Waffen versorgt und kam deswegen auch mit der CIA in Kontakt. Seine Kooperationsbereitschaft mit der CIA im Hinblick auf die arabischen Staaten wurde ihm dadurch gedankt, dass er ungestört sein Domizil in Texas und Florida aufbauen konnte.

Die Israelis waren stinksauer, bissen aber bei den Amerikanern und Südafrikanern im Zuge des diplomatischen Weges auf Granit. Chile sah ebenfalls keinerlei Grund, sich noch weiter mit den Sorgen der Israelis zu befassen. Zu allem Überfluss konnte auch mit dem Iran kein Fortschritt bei der Geiselbefreiung erzielt werden. Die Jordanier, die noch Verständnis für die israelische Sache hatten und auf keinen Fall mit Saddam Hussein zusammenarbeiten wollten, bekamen plötzlich von dem Geheimabkommen zwischen Israel, der PLO und Iran Wind. Rabbi Ovadia Yusef, Führer der Shas-Partei, hatte das nach außen geplappert, was Premierminister Shamir ziemlich blöde aussehen ließ. Jordanien reagierte darauf äußerst verärgert und schlug sich gleich mal auf die Seite von Saddam Hussein, um mit ihm ein Beistandsabkommen zu schließen für den Fall, dass es in seinem Land zu palästinensischen Aufstand kommen sollte. Und so taten die Israelis, was sie immer machen, wenn es eng und peinlich wird – nicht mehr lange reden, sondern handeln. Nachdem sie alle Daten der Einzelpersonen herausgefunden hatten, die am irakischen Raketenprogramm arbeiteten, schickten sie ihr Killerkommando vom Mossad los.

Zunächst starben acht deutsche Wissenschaftler, die von Ihsan Baboutis Firma in Miami vermittelt wurden. Dann erwischte es zwei pakistanische Wissenschaftler bei ihrem Aufenthalt in Europa. Ein weiterer Deutscher starb bei einem „Autounfall“ außerhalb von München. Es handelte sich dabei um Hans Mayers. Vier irakische Geschäftsleute starben in Großbritannien gefolgt von drei Ägyptern und einem Franzosen. Sie alle wurden von speziellen Killerkommandos des Mossad getötet. Eigenartigerweise bestanden diese Killerteams alle ausnahmslos aus Palästinensern. Sie wurden darüber hinweggetäuscht, dass es sich bei ihrem Auftraggeber um einen Sizilianischen Mafiaboss handelt. Palästinenser wurden deswegen benutzt, damit der Verdacht im Falle einer Verhaftung nicht auf Israel fällt und das führt mich dann auch wieder automatisch zu meiner Frage nach den wahren Motiven im Hinblick auf das Münchner Olympia-Attentat von 1972, vorgeblich von Palästinensern ausgeführt – aber in wessen Auftrag? Sind die Auftraggeber bekannt, dann ergibt sich das Motiv von selbst (siehe auch meine Analyse zum Oktoberfest-Bombenanschlag – die ausländischen Beziehungen und Verbindungen – Teil 9).

Diese verfahrene Situation, und alles nur wegen Saddam Hussein, musste aufgelöst werden. Deswegen überlegten sich die Republikaner einen Schlachtplan, um erst einmal in den Irak einmarschieren zu können und dazu sollte Saudi-Arabien einen besonderen Part spielen.

Weiter mit Teil 2

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