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Der Octogon-Trust in Liechtenstein

Die Jahre 1952 bis 1954 waren eine äußerst interessante Zeit für die alten Nazi-Schergen innerhalb der Besatzungszonen sowohl hüben (Westen) wie drüben (Osten). Es wäre naiv zu glauben, dass mit dem de facto Waffenstillstand durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht ohne Aussicht auf vertraglich festgelegten Frieden auch sämtliche Ideologien und satanisch-schwarzmagische Glaubensbekenntnisse dieser geisteskranken Verbrecherbande aus dem Dritten Reich über Board geworfen wurden – ich glaube, das war auch den vier Besatzungsmächten irgendwo klar geworden, nachdem sie es letztendlich zuließen, dass seitens Walter Ulbricht 1961 die Mauer hochgezogen und damit die deutsche Teilung vollzogen wurde.

Immerhin hatte man ein beträchtliches Vermögen aus Zwangs-Hinterlassenschaften der ermordeten oder in KZ-Lagern und Fabriken der Großkonzerne zu Tode geschundenen NS-Opfer zusammenraffen können, ganz zu schweigen von den SS-Überfallkommandos, die menschenverachtend raubend, vergewaltigend und mordend in andere Länder Einzug hielten. Ob diese Aktionen von Hintermännern und –frauen aus der Bush-Familie, Harriman, Du Pont, Rockefellers, Rothschilds, Warburgs, Astors, den europäischen Königshäusern oder sonstigem kaltblütigen, zur Fachidiotie verkommenen und inzuchtbedingt grenzdebilen Logen-Geschwerl finanziert, gedeckt und gesteuert wurden, spielt aus meiner Sicht keine Rolle, denn es gab genügend asoziales, kriminelles Pack und Kollaborateure innerhalb des NS-Regimes, die ohne mit der Wimper zu zucken bereitwillig bei diesen Raubzügen und Meuchelmorden auf den Rücken unschuldiger Menschen mitgemacht hatten und sich dafür auch entsprechend belohnen ließen, z.B. in Form einer widerrechtlichen Aneignung des Eigentums der Opfer und staatlichen Einrichtungen der auf Befehl von Hitler und Himmler überfallenen und besetzten Länder – natürlich unter den geduldig abwartenden Augen der alliierten in Kooperation mit deutschen Strippen- und Drahtziehern von Großkonzernen und Banken. Für sie sollte ja das Geschäft erst richtig losgehen, weswegen man auch den allergrößten Abschaum aus dem degenerierten Genpool der Nazi-Verbrecher verschonen ließ.

Und Leute, ich will mich hier nicht um Zahlen von tatsächlich ums Leben gekommenen Menschen sowohl auf deutscher als auch auf alliierter Seite herumstreiten, denn der Fakt bleibt bestehen, dass zu diesem Zeitpunkt das als das größte Verbrechen an der Menschheit betrachtet zahlreiche Opfer aufgrund von Fließbandmorden in KZs oder durch Zwangs- und Sklavenarbeit in den Großkonzernen wie I.G. Farben, Flick-Imperium und Thyssen-Krupp missbraucht hinterlassen hatte.

Aber was soll´s, während die Schauprozesse für die Dummen in Nürnberg (1945 bis 1949) begannen, blühte der Schwarzmarkt bis zur Währungsreform 1948 und so konnten sich einige Auserwählte die Taschen weiterhin auf Kosten der ohnehin schon Mittellosen vollstopfen. Danach mussten andere Lösungen für den kontinuierlich durchgeführten und bis heute andauernden Raubzug gefunden werden. Immerhin standen die Verhandlungen zum Deutschlandvertrag (Bonner Konvention) an, der das Besatzungsstatut der Westalliierten für die BRD ablösen sollte. Am 26. Mai 1952 wurde zwischen der BRD und den Alliierten Frankreich, Großbritannien und USA eine Vereinbarung ausgearbeitet, wonach die BRD gleich einem souveränen Staat die volle Kontrolle über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten erhalten sollte. Dieser Vertrag war als so genannter „Überbrückungsvertrag“ bis zum Abschluss eines Friedensvertrages angedacht. Offensichtlich sahen die Franzosen noch etwas Diskussionsbedarf, denn der Vertrag wurde von ihnen nicht ratifiziert. Es folgten somit weitere Verhandlungen, bis schließlich am 05. Mai 1955 der Vertrag ratifiziert werden konnte.

Bis zum Zeitpunkt der Mauer funktionierte auch der internationale Agententausch zwischen Ost- und Westdeutschland reibungslos. Überall konnten die gleichen Nazi-Schergen wieder in Stellung gebracht werden, um sich nun für den angeblichen Kampf gegen den gefürchteten Kommunismus auf der einen bzw. den Kapitalismus auf der anderen Seite zu wappnen. Auf westlicher Seite war Allen W. Dulles behilflich, indem er der „Bolero-Gruppe“ um Reinhard Gehlen den Vorzug vor der „Organisation X“ um Hermann Baun und Gerhard Wessel für den Ausbau eines „Auslandsnachrichtendienstes“ gab. Von da ab hieß Reinhard Gehlen „Dr. Schneider“. Im „Haus Alaska“ in Oberursel bezog die frisch gegründete Organisation Gehlen 1946 zunächst ihr zugewiesenes Hauptquartier, um später am Nikolaustag, den 06.12.1947 nach Pullach umzuziehen. Deswegen auch der amerikanische Name für Pullach „Camp Nikolaus“.

Gerhard Piper schreibt in seinem Buch „Abhörstaat Deutschland“ weiter: „Die Org Gehlen rekrutierte sich aus den Veteranen der Nachrichtendienste des Dritten Reiches, insbesondere dem SS-Sicherheitsdienst (SD) bzw. dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unter Leitung von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, aber auch der OKA-Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), die schon Gehlen geleitet hatte. Die Anwerbung der Altnazis kurz nach Kriegsende begründete der damalige US-Präsident Harry S. Truman folgendermaßen: „Dieser Bursche Gehlen, mich interessiert nicht, ob er mit Ziegen fickt. Wenn er uns hilft, benutzen wir ihn.““

Soviel also zur amerikanischen Meinung über den künftigen BND-Präsidenten. Seine Nachfolge trat im Übrigen 1968 Gerhard Wessel aus der „Organisatin X“ an, nachdem Gehlen mehr oder weniger zwangsweise in den Ruhestand geschickt werden musste, weil er so sehr an seinem Sessel und der „CSU-BND-Family“ hing.

Der Spiegel „Schweinehunde willkommen“ vom 27.03.2006 bezieht sich auf US-Akten, die 2006 freigegeben wurden, aus denen man herauslesen kann, wer aus der alten Kameradschaft noch zu Gehlens Truppe innerhalb des BND gehörte. So wird der ehemalige Sturmbannführer Erich Deppner alias Egon Dietrich alias Ernst Borchert genannt, der das Lager Westerbork nahe Groning beaufsichtigte, aus dem die Juden in die Gaskammern deportiert wurden. Der Spiegel schreibt dazu weiter: [Der BND] „war durchsetzt mit ehemaligen Nazi-Kadern. […] Da gab es zwar SS-Standartenführer wie Willi Kriechbaum oder Franz Six, der eine der gefürchteten Einsatzgruppen geleitet hatte. Bekannt war auch, dass SS-Obersturmführer Hans Sommer, der 1941 im besetzten Paris sieben Synagogen sprengen ließ, Unterschlupf beim BND fand, ebenso wie Eichmann-Adjutant Alois Brunner, der immer noch weltweit wegen hunderttausendfachen Judenmords gesucht wird – Brunner soll als illegaler BND-Resident in Damaskus operiert haben. „Wir wussten, was wir taten“, sagte der CIA-Russland-Experte Harry Rositzke. „Es war unbedingt notwendig, dass wir jeden Schweinehund verwendeten. Hauptsache er war Antikommunist.“

Dazu kommen noch solche bekannteren Namen wie Klaus Barbie, Joachim Fiebelkorn, Udo Albrecht, Walther Rauff, Gerhard Mertens, Martin Bormann, Hans-Ulrich Rudel und Otto Skorzeny.

Unter der illustren Gesellschaft fiel auch Karl Guse auf, der sich Kriegsverbrechen in Russland schuldig gemacht hatte oder die Kameraden aus den Einsatzgruppen wie Walter Kurreck oder Konrad Fiebig. Fiebig wurde die Ermordung von 11.000 Juden in Weißrussland angelastet. Daneben fanden sich auch Leichenfledderer wie Alexander Dolezalek, dennoch – der „US-Armee schienen Gehlens Wissen und Kontakte so wertvoll zu sein, dass sie ihn bereits 1946 autorisierten, seine alte Dienststelle unter dem Decknamen „Operation Rusty“ wiederzubeleben, einschließlich angeblicher Agentennetze im Osten. Bezahlt wurde das Unternehmen zum Teil auf ungewöhnliche Art – nämlich mit Naturalien aus den schier unerschöpflichen Beständen der US-Armee […] Critchfield, der neue CIA-Kontrolleur in Pullach, verlangte schärfer als seine Army-Vorgänger Aufklärung über alle Operationen Gehlens und sämtliche Beschäftigte. Gehlen gewährte ihm nach heftigem Sträuben Einblick in die Personalakten seiner 150 hochrangigsten Mitarbeiter, vornehmlich frühere Wehrmachts- und Abwehroffiziere. Genauer hinschauen wollten die CIA-Leute dann aber nicht. Misstrauen kam dagegen vom früheren Arbeitgeber, der US-Armee. Deren Abwehrtruppe CIC beobachtete den deutschen Dienst zunehmend voller Argwohn. So hielt das damit beauftragte Team um Thomas Wesley Dale es für „einen der größten nachrichtendienstlichen Fehler der USA“, den Gehlen-Dienst je übernommen zu haben. Gehlens Methoden seien veraltet, „sein System der Nachrichtenübermittlung ist primitiv, und seine Sicherheitsvorkehrungen sind gleich null. Die Gefahr, dass sein Dienst penetriert würde, bestand vom ersten Tag.““ (Quelle: Der Spiegel „Schweinehunde willkommen“ vom 27.03.2006

Tja, Dale sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten, denn 1954 floh der damalige Verfassungsschutz-Chef Otto John in die DDR und enttarnte gleich mal zahlreiche westdeutsche Agenten in der DDR. Wie sich später herausstellen sollte, wussten die Stasi-Leute wesentlich mehr als sie von den damals verhafteten Westspionen erfahren konnten. Daraus konnte man den Schluss ziehen, dass die Sicherheitsdienste in Westdeutschland von Anbeginn mit Ostagenten durchsetzt waren und sind.

Anfang der 50er Jahre machte sich ein Eingeweihter aus dem Kreis der NS-Waffenschieber daran, einen Trust in Schaan, Liechtenstein einzurichten. Rudolf Ruscheweyh hieß der gute Mann und war Wehrbeauftragter und V-Mann der deutschen Abwehr. Für eine Millionen CHF ließ er bereits während des Zweiten Weltkrieges auf einem abgelegenen Grundstück in Schaan eine Villa mit unterirdischen Anlagen errichten. Das Geld wurde über Provisionszahlungen von Paris kommend durch Emil Bührle, einem in die Schweiz immigrierten Rüstungsproduzenten, für vermittelte Waffengeschäfte mit den Nazis zur Verfügung gestellt. Dabei war auch der chinesische Generalkonsul Hans Klein alias „China-Klein“ stets zu Diensten. Wie auch Achim Oster, Friedrich Großkopf, Dr. Otto Praun und Werner Repenning (bekannt durch den Justizskandal um Vera Brühne und der Spiegel-Affäre) diente Hans Klein unter dem Leiter der Abwehr Admiral Wilhelm Canaris und verwaltete – so jedenfalls ergeben es die Ermittlungen des helvetischen militärischen Nachrichtendienstes – das in der Schweiz auf Geheimfonds transferierte Vermögen der Deutschen Abwehr. Zu Beginn des Krieges siedelte Klein von Berlin nach Meggen am Vierwaldstätter See um, wo er sich seither auch häuslich niedergelassen hatte.

Am 24.01.1952 wurde schließlich von Ruscheweyh der Octogon-Trust gegründet und in das liechtensteinische Handelsregister aufgenommen. Laut Schweizer Nachrichtendienst hatte Hans Klein bis zum Kriegsende 250 Millionen Schweizer Franken plus Fluchtgelder der sich über die Rattenlinien ins Ausland abgesetzten Nazi-Verbrecher zusammengerafft. Der wohl einzig echte Vertraute, Freund und Finanzberater von Konrad Adenauer (Bundeskanzler von 1949 bis 1963), Robert Pferdmenges mit seiner Privatbank Sal. Oppenheim, war darüber bestens im Bilde und reiste 1953 auch nach Liechtenstein zu China-Klein. (Quelle: Konkret 3/2000 „Das Octogon-Komplott“ von Georg Hodel)

Ich nehme an, dass es hier um die Errichtung eines weit umspannenden Geflechts von Briefkastenfirmen, Tarnkonten und Stiftungen gegangen war, um die geschäftlichen und nachrichtendienstlichen Verbindungen weltweit zu vernetzen und für diverse Operationen und andere Schweinereien flüssig zu halten. Kurze Zeit später hatte jedenfalls Dr. Dr. Herbert Batliner am 15.05.1954 sein Anwaltsbüro in Vadzu eröffnet, von dem er schließlich bis zum Aufkommen der Liechtenstein-Affäre, angestoßen durch seinen langjährigen Mitarbeiter Klaus Lins, über 12.600 Stiftungen verwaltet haben soll. Interessant ist, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie unter Beteiligung von Robert Pferdmenges und Helmut Kohl auch im Jahr 1954 die angeblich gemeinnützige Staatsbürgerliche Vereinigung (SV) gegründet hatte.

Offiziell sollte die SV das demokratische Staatswesen fördern. Die Wahrheit könnte nicht weiter davon entfernt sein, denn der eigentliche Zweck war, über die diese Stiftung seitens der Industrie durch großzügige Spenden und Zuwendungen Einfluss auf die Regierungsparteien zu nehmen.

Gleichzeitig sollte man an dieser Stelle auch wieder erwähnen, dass sich auch 1954 zum ersten Mal die Bilderberger Gruppe formiert hatte.

1975 geriet die Stiftung in den Verdacht der Steuerhinterziehung. Die Ermittlungen hierzu wurden jedoch immer wieder boykottiert und sabotiert. Dafür sorgten solche CDU-Verbindungsleute wie Hans Terlinden oder Uwe Lüthje, der Generalbevollmächtigte der CDU-Schatzmeisterei und Walter Leisler-Kiep. Als dann 1979 schließlich mit juristischen Konsequenzen gedroht wurde, ließen Terlinden und Lüthje die Stiftung wie eine heiße Kartoffel fallen, denn da zeichnete sich bereits die Flick-Parteispendenaffäre ab. Hierzu habe ich bereits in meinen Ausführungen zur Atlantik-Brücke e.V.- das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls – Teil 7 berichtet.

Neben Robert Pferdmenges war noch ein anderer Banker in Liechtenstein recht aktiv gewesen. Hierzu kann man in der „Junge Welt“ vom 14.10.2008 „Hort der Briefkastenfirmen“ Teil 2 von Werner Rügemer folgendes lesen: „Die Komplizenschaft ging nach dem Ende des Faschismus weiter. Der Bankier Adolf Rathjen von der Berliner Bank Delbrück Schickler – sie hatte Hitlers Privatkonten geführt, aus ihr war Hermann Josef Abs zum Chef der Deutschen Bank aufgestiegen – rettete sein Vermögen nach Liechtenstein, stiftete eine Kunstsammlung, wurde eingebürgert und internationalisierte als Berater des Fürstenhauses die Fürstenbank Bank in Liechtenstein (BiL). Die illegale und zugleich steuerbegünstigte Finanzierung der staatstragenden Parteien der Bundesrepublik, also von CDU, CSU und FDP, in denen auch zahlreiche Nazi-Aktivisten hohe Funktionen ausübten, wurde mit Beginn der 50er Jahre über Stiftungen wie „Interdroit“ organisiert – man kannte sich ja. Robert Pferdmenges und Nikolaus Graf Strasoldo von der Kölner Bank Oppenheim spielten dabei die führende Rolle, weil ihre Bank sich (fälschlich) das Image der verfolgten jüdischen Bank überstülpte und deshalb als unantastbar galt. Mehrere hundert deutsche Unternehmen wie Siemens, Mannesmann, Deutsche Bank brachten so bis in die 70er Jahre über 200 Millionen DM auf. CDU-Stiftungen wie „Norfolk“ (Bundes-CDU) und „Zaunkönig“ (CDU Hessen) bestanden bis in die 90er Jahre. Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Helmut Kohl traf sich häufig mit seinem persönlichen Freund Herbert Batliner. Der Sohn Eduard Batliners (siehe Teil I) war der größte Treuhänder von Sitzgesellschaften.“ Und weiter heißt es in dem gleichen Artikel: „Die größte Privatbank Europas, Sal. Oppenheim (Köln/Luxemburg), etwa parkt über die liechtensteinische Cavall AG eine Bankbeteiligung, die damit in der Öffentlichkeit anonym bleibt. So hielt die Dr. Peter Ritter Familienstiftung lange Zeit 56 Prozent der Metro AG.“

Ich darf dann auch wieder daran erinnern, dass Alexander Schalck-Golodkowski seit 1954 unter dem BND-Tarnnamen „Schneewittchen“ auftaucht (siehe meine Ausführungen „Die Plutonium-Affäre – Uwe Barschels Vermächtnis – Teil 6).
Der damalige BND-Präsident Konrad Porzner erstaunte den KoKo-Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag mit der Antwort, dass der Tarnname „Schneewittchen“ für nachrichtendienstliche Verbindungen öfter verwandt wurde. Schalck sei eben das 7. Schneewittchen gewesen – ja genau, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Wer soll diesen Schafskäse eigentlich glauben?

Kommen wir damit aber wieder zum Octogon-Trust zurück. Seine Verbindungen reichen bis zum damaligen Direktor der CIA, Allen W. Dulles zurück. Dulles war während des Zweiten Weltkrieges in Bern als Stationschef des OSS eingesetzt und hielt Kontakte zu Hitlers Gegnern aus dem Abwehrdienst. Dadurch ließen sich offensichtlich auch Kontakte zum amerikanischen Waffenhändler E.V.D. Wright knüpfen.

Jedenfalls wird immer klarer, woher die guten Beziehungen von Franz Josef Strauß und wahrscheinlich auch des 1960 ermordeten Pöckinger Arztes Dr. Otto Praun, beide ehemalige Angehörige des Deutschen Abwehrdienstes, herrührten.

Aus den Verbindungen dieser Zeit ging nämlich gleich einmal der erste handfeste Skandal um die HS30-Schützenpanzer unter der Ägide Strauß´als Bundesverteidigungsminister hervor. Kaum war Strauß im Amt, hatte er sich Achim Oster, den Sohn des 1945 hingerichteten Generals Hans Oster und CSU-Spendensammler, herangeholt, um ein milliardenschweres Panzergeschäft über Octogon mit dem Genfer Rüstungskonzern Hispano-Suiza an Land zu ziehen. Vermittler bei diesem Geschäft war der damalige Kanzleramtschef Dr. Otto Lenz.

10.000 Schützenpanzer im Wert von 2,78 Milliarden Mark wurden dabei im Auftrag gegeben. Das Pappmodell eines von Hispano-Suiza entwickelten Panzers muss so viel Eindruck geschunden haben, dass gleich ein Vorvertrag zwischen Lenz und Oster auf der einen sowie Vertretern der Hispano-Suiza mit dem BND-Mann Conrado Jose Kraemer alias Kurt Kraemer auf der anderen Seite ausgehandelt und sogleich eine Anzahlung von 254 Millionen Mark auf den Tisch geblättert wurde. Das Geschäft wurde zum Desaster, denn es kristallisierten sich erhebliche Konstruktionsfehler heraus, in deren Folge der Panzer mit hohen Verlusten mehrfach umgebaut werden musste, bis er in Produktion gehen konnte. Von den bestellten 10.000 Schützenpanzern konnten letztendlich nur noch 2.000 ausgeliefert werden; dem deutschen Steuerzahler entstand ein Schaden von 200 Millionen Mark.

Die lachenden Dritten blieben die Octogon-Trust-Verwalter Ruscheweyh und Hans Klein, denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits 30 Millionen DM an Provisionen aus dem Panzergeschäft in die Stiftung geflossen.

Der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, FDP-Politiker Karl Moersch vermutete, dass diese Gelder auf Konten der Züricher Bankinstitute Julius Bär und „Von Trobel“ landeten.

Im Spiegel-Artikel vom 13.11.1967 „Die Unvollendete“ sowie „HS30 – oder wie man einen Staat ruiniert“ heißt es dazu, dass vom BMVg im Zuge des Panzergeschäfts 193 Millionen Mark an die Tochterfirma der Hispano-Suiza, British Marc, als Vorschuss für 4.472 Panzer gezahlt wurde, aus deren Produktionsstätte aber kein einziger Panzer hergestellt wurde. Tatsächlich gab sie den Auftrag hinter dem Rücken der Bundesregierung an die britische Omnibus-Firma Leyland weiter. Gleichzeitig seien von der Bundesregierung unter Konrad Adenauer 12 Millionen Mark auf ein Sperrkonto beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim jun. & Cie als Lizenzgebühren für Hispano-Suiza überwiesen worden. Diese Lizenzgebühren sollten aber erst bei vollständiger Lieferung der Panzer ausgezahlt werden, was bekanntermaßen ja nicht passiert ist. Zu diesem Zeitpunkt war Robert Pferdmenges Teilhaber der Sal. Oppenheim.

Und gemäß Spiegel „So ging es halt zu“ vom 11.04.1994 wird die Vermutung von Karl Moersch dahingehend bestätigt, dass Franz Josef Strauß nicht nur Kunde bei den Bankhäusern „Von Tobel“ , Deutsche Bank in Zürich und Pictet, sondern nach Aussagen des damaligen Strauß-Vertrauten Walter Schöll auch beim Züricher Bankhaus Julius Bär gewesen ist.

Während des Untersuchungsausschusses von 1966/1967 zur HS-30 Panzer-Affäre stellte sich heraus, dass Paul Schaufelberger, ehemaliger Beamter des schweizerischen Militärnachrichtendienstes, den damaligen Verteidigungsminister FJ Strauß vor dem Geschäft gewarnt hatte und ihm anbot, Hilfestellung bei der Einleitung von Strafverfahren gegen den Octogon-Trust zu leisten.

Strauß wiederum bestritt vor dem U-Ausschuss, jemals von Paul Schaufelberger aufgesucht worden zu sein. Gleichzeitig verschwand eine Liste mit Personen, die von Hispano-Suiza Schmiergelder für die Vermittlung des Panzergeschäfts erhalten haben. Diese wurde 1958 von Colonel Freyer, britischer Militärattaché in Bern, ausgearbeitet und Strauß im Oktober 1958 anlässlich eines Besuchs vom britischen Premierminister McMillan überreicht. Der frühere Reichsminister Gottfried Treviranus soll diese Bestechungsliste Strauß sogar persönlich übergeben haben, was Strauß aber entgegen aller anderen Zeugenaussagen immer wieder bestritt.

CDU-Gründungsmitglied Dr. Werner Plappert, der den Fall mit Schaufelberger, dem schweizerischen Polizeichef Dr. Fritz Dick und dem Bundesanwalt Dr. Hans Fürst 1959 in Luzern eingehend besprochen hatte, wollte dieser Sache weiter auf den Grund gehen und ließ schließlich im Sommer 1965 dem Bundeskanzler Ludwig Erhard zwei Briefe zustellen, in denen er behauptete, dass das HS30-Panzergeschäft der CDU insgesamt „eine Wahlhilfe von ca. 50 Millionen DM“ eingebracht habe. Im März 1970 fand man schließlich seine Leiche im Bodensee bei Überlingen – angeblich Selbstmord.

Otto Lenz verstarb ebenfalls unter mysteriösen Umständen. Offiziell hieß es, er sei an bösartiger Malaria und akuter Harnvergiftung gestorben. An seiner Statt wurde die Sekretärin und Mitarbeiterin des BND, Maria Clerc alias Effie von Horn alias von Dattendorfer vom U-Ausschuss in Österreich vernommen. So sagte sie aus: „In den folgenden Monaten habe ich Herrn Dr. Otto Lenz häufiger auf Reisen noch [sic] Paris und Genf begleitet. Dort traf Herr Dr. Lenz u. a. in Genf Herrn Kraémer von der Hispano -Suiza und Herrn Guisan, den Sohn des Generals Guisan; in Paris Herrn Robinson, einen Bankier aus Tanger und Vermögensverwalter der Lady Mosley geborene Guiness, sowie Herrn Marc Bloch, der mir als Waffenhändler bekannt ist. Was besprochen wurde, weiß ich nicht. Ich weiß jedoch, daß Herr Robinson 1956 eine größere Geldsumme für den Wahlkampffonds der CDU gestiftet hat, und zwar in Form eines Schecks, den er Herrn Lenz übergeben hat.“ (Quelle: Spiegel „HS30 – oder wie man einen Staat ruiniert“)

Angeblich hat sich auch die Zeugin Maria Clerc etwa zur selben Zeit wie Dr. Plappert das Leben genommen. Die Schweizer Bundespolizei hatte damals Ruscheweyh und Klein nicht nur wegen des Panzergeschäfts observiert, sondern sie standen bei ihnen auch im Verdacht, im großen Stil Nazi-Vermögen verschoben zu haben. Ruscheweyh schleuste Gold- und Devisenschätze des französischen Nazi-Kollaborationsregimes von Pierre Laval nach Liechtenstein. Im Safe von Klein fand man bei der Kreditanstalt in Luzern zahlreiche Dokumente, darunter ein Schriftwechsel über zahlreiche Devisentransfers im Auftrag des ehemaligen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß sowie Belege über Bewegungen auf einem Geheimkonto der Abwehr bei der Bank für Anlagewerte in Zürich. Für das Geheimkonto war Edgar Horn, der Schwager von Rudolf Heß, und Ex-Nationalrat Emil Duft zeichnungsbefugt. Gemäß der Bundesanwaltschaft habe Klein „seinen Fonds von angeblich 250 Millionen Schweizer Franken, wobei es sich um ehemalige, nach Kriegsende nicht abgelieferte deutsche Abwehrgelder in der Schweiz handelte“, verwaltet. (Quelle: Konkret 3/2000 „Das „Octogon“-Komplott“ von Georg Hodel).
Das Geheimnis von Pöcking

Die Geschichte des Justizskandals um Vera Brühne und ihrem Freund Johann Ferbach setze ich als bekannt voraus. In diesem Kontext kann ich den Film „Vera Brühne“ von Hark Bohm in den Hauptrollen mit Corinna Harfouch, Uwe Ochsenknecht und Ulrich Noethen wärmstens empfehlen, denn er nähert sich an die tatsächlichen Geschehnisse rund um den Mord an Dr. Otto Praun und seiner Lebensgefährtin Elfriede Kloo an. Gleichzeitig verweise ich auf die hervorragende Ausarbeitung „Neue Recherchen und Mutmaßungen“ von Gaby Weber zum Mordfall Dr. Otto Praun in Pöcking am Starnberger See.

Ich möchte mich nun auf die geheimdienstliche Komponente in diesem Fall beschränken, insbesondere wenn es um die Rolle des merkwürdigen Dr. Schmitz geht, der im Brief von Dr. Praun erwähnt wird.

Wie Gaby Weber herausgefunden hatte, war Dr. Otto Praun bei der deutschen Abwehr als Abtreibungsarzt beschäftigt und hatte auch dem späteren CSU-Gründer Josef Müller, genannt „Ochsensepp“, aus der Patsche geholfen, als seine langjährige Sekretärin und Geliebte Anni Haaser (spätere Frau von Achim Oster) schwanger geworden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Dr. Josef Müller den so genannten „Montagskreis“ aufgebaut, in dem unter den ehemaligen Abwehrleuten vor allem die Wiederbewaffnung Deutschlands diskutiert wurde. Dazu gehörtenneben Franz Josef Strauß auch Achim Oster, Karl-Helmut Schnell, Generalingenieur a.D. Heinrich Sellschopp (ehemaliger Direktor beim Koblenzer Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung und späterer Generalmanager der NASMO [Nato Starfighter Management Office]) und Friedrich Großkopf.

Großkopf selbst war von 1937 bis 1944 Gruppenleiter in der Berliner Abwehrzentrale gewesen. Danach fungierte er als Berater für die Rüstungsfirmen und hatte zusammen mit dem belgischen Nazi-Kollaborateur und V-Mann der Abwehr, Roger Hentges, sowie Hans Brandes, Geschäftsführer der Waffenproduktionsstätte Fritz-Werner-Betriebe in Geisenheim, in den 50er Jahren ein BND-Tarnbüro in Frankfurt a.M., Mainzer Landstraße, aufgebaut. Es befand sich im Allianzgebäude und interessanterweise war auch die im Mordfall Dr. Praun aufgetretene Hauptbelastungszeugin Renate Meyer mit dem damaligen Direktor der Allianzversicherung in München verheiratet gewesen.

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass ein Cousin von Dr. Otto Praun, nämlich Albert Praun (DN Schwarz) und sein Neffe Dietrich Praun (DN Pranner) im BND waren. Albert Praun wurde 1956 Chef der Fernmeldeaufklärung im BND und ging 1965 in Pension. Dietrich Praun wurde zunächst als Leiter der Gruppe 348a (Sicherheit/Gegenspionage) untergebracht und dürfte deswegen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit dem bereits vom Oktoberfestattentat bekannten Dr. Hans Georg Langemann (siehe meine Analyse zum Oktoberfest-Bombenanschlag – Teil 3) zusammengetroffen sein. Später wurde Dietrich Praun Resident in Tunesien und ging erst 1990 in den wohlverdienten Ruhestand. (Quelle: Spiegel „Das Geheimnis von Pöcking“ vom 14.05.2001)

Ich frage mich deswegen, nachdem Albert Praun Leiter der Fernmeldeaufklärung im BND war, ob auch die Apparatebau Gauting GmbH in der Nähe vom Starnberger See eine Tarnfirma des BND gewesen sein könnte, denn als Dr. Josef Müller am 27.03.1960 bei der Wahl des Münchner Oberbürgermeisters gegen Hans-Jochen Vogel unterlag, bestätigte er sich wieder als Anwalt und wurde „Hauptgesellschafter und Verwaltungsratsvorsitzender der Apparatebau Gauting GmbH in Gauting“ (siehe auch Spiegel „Gladiatoren im Netz“ vom 13.06.1966)

Wäre es dann auch möglich, dass die bis heute aktive Nachrichtentechnik-Firma „Rhode & Schwarz“ aus der Apparatebau Gauting hervorging und dem BND zuzuordnen ist?

Das Büro in der Mainzer Landstraße war offiziell eine Auslandsvertretung der französischen Rüstungsfirma „Radio Air“ unter Vizepräsident Louis Macaigne, der auch gleichzeitig Präsiden der Socapex war. Inoffiziell war es aber der Umschlagsplatz für Schmiergeldzahlungen aus Rüstungsgeschäften wie Hispano-Suiza, Lockheed und Noratlas. Daneben wurden Treffberichte mit V-Männern und V-Frauen rund um Frankfurt a.M. und auch deutschlandweit gesammelt, übersetzt und zur Auswertung nach Pullach geschickt.

Bemerkenswert ist, dass auch die 1957 ermordete High Society Lebedame und Prostituierte Rosemarie Nitritbitt zu den BND- und CIA-geführten Quellen zählte und vom Büro in der Mainzer Landstraße für ihre Informationen bezahlt wurde. Es ist nämlich nebenbei bekannt geworden, dass Nitritbitt von ihren Treffen mit Kunden Tonbandaufnahmen gemacht hatte, angeblich von so schlechter Qualität, dass man darauf aber kein Wort verstanden hätte. Zu ihrem Kunden- und Bekanntenkreis zählten u.a. Gunter Sachs, Harald Quandt und natürlich auch Harald von Bohlen und Halbach, ein Sprößling der Krupp-Familie. Es könnte also durchaus sein, dass Rosemarie Nitribitt von der CIA über den wohlhabenden türkischen Geschäftsmann Mozes Natus und den Jazz- und Bluesmusiker Bill Ramsey in die MK-Ultra-Operation „Midnight Climax“ eingebunden wurde. Geleitet wurde diese Operation von Georg Hunter White (Federal Narcotic Bureau), einem ehemaligen Lieutenant Colonel der OSS unter William Donovan. Anfang der 50er Jahre hatte er mit finanzieller Unterstützung der CIA in Greenwich Village ein Appartement gemietet und dieses mit Venezianischen Spiegeln und Überwachungswerkzeugen ausgestattet. Dort wurden dann Treffen und Partys mit ausgewählten Leuten veranstaltet, um ihnen zu Versuchszwecken heimlich Drogen zu verabreichen, hauptsächlich von Dr. Sidney Gottlieb hergestellt. Man wollte so aus ihnen persönliche Geheimnisse in entspannter Atmosphäre entlocken. 1955 zog er mit seinem Etablissement nach San Francisco und heuerte dort mehrere Prostituierte für seine Arbeit an. Sidney Gottlieb, Dr. John Gittinger und Dr. James Hamilton gingen dort regelmäßig ein und aus, um die Operation zu überwachen. Dabei schreckte man auch nicht vor Ausbildung und Anwerbung von minderjährigen und Kinderprostituierten zurück. Merkwürdig ist dabei auch die Rolle vom damaligen Pressefotografen der Agentur „International News Photos“ Karl-Heinz „Mickey“ Bohnacker, denn er erzählte, dass er ein paar Tage vor Rosemaries Tod den Auftrag erhalten hatte, sich an ihre Fersen zu heften, um ein paar Fotos zu machen. Dabei soll sein Chef die Bemerkung fallen gelassen haben, dass sie ja eines Tages umgebracht werden könnte und man dann keine Fotos hätte. Bohnacker observierte daraufhin Rosemarie Nitribitt und notierte einige Tage lang, wo sie verkehrte und wo sie abgestiegen war. Als Rosemarie schließlich tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, war er der erste Journalist, der am Tatort eintraf.

Laut Aussage von Roger Hentges soll Macaigne in Wirklichkeit Mitarbeiter des französischen Auslandsgemeindienst gewesen sein. Zu dem Job bei Radio Air ist Roger Hentges laut eigener Aussage 1957 über einen gewissen Dombrowski gekommen, der wiederum bestens über seine Zeit als V-Mann der Abwehr Bescheid wusste. 1952 wurde Hentges von Holland nach Deutschland abgeschoben und hielt sich zunächst in Hamburg auf bis Dombrowski ihm über den Weg gelaufen sei. Dombrowski selbst hatte für die Organisation Gehlen in Hamburg gearbeitet und ihn letztendlich auch angeworben. Seine spätere Ehefrau Gitta hatte dort auch gearbeitet und im Jahr 1957 habe er dann den Auftrag erhalten, nach Bonn zu fahren und dort bei Friedrich Großkopf vorstellig zu werden. So kam er nach Frankfurt in das BND-Tarnbüro. Großkopf selbst ließ sich dort nur sporadisch und nach Voranmeldung sehen, während andere Dienstangehörige aus Pullach dort ein- und ausgingen, dazu gehörten ein gewisser Schröder, Oberst Werner Repenning, Karl-Helmut Schnell und Generalmajor Horst Wendland, der sich im Oktober 1968 mittags in seinem Pullacher Büro erschossen hatte.

Interessanterweise gibt es tatsächlich einen Oberstleutnant Siegfried Dombrowski, der für den DDR-Militärgeheimdienst unter der damaligen Bezeichnung „Verwaltung für allgemeine Fragen (VFAF)“ gearbeitet hatte und für politische Angelegenheiten zuständig war. Er setzte sich am 05.08.1958 in den Westen ab. Bereits ein Jahr vorher, im September 1957, wurde nämlich sein Geheimdienstchef Karl Linke wegen des Spionageverdachts seiner damaligen Haushälterin Anna Kubiak seines Postens enthoben. Ihr wurde zur Last gelegt, für die „Berliner Operation Base“ (BOB) der CIA spioniert zu haben. (Quelle: Gerhard Piper „Abhörstaat Deutschland – Die SIGINT-Landschaft seit 1945 in Ost und West“)

Über die Schmiergeldzahlungen im Frankfurter Büro an Repenning und Sellschopp hatte Roger Hentges 1958 auch seinen Kollegen Hans Brandes und Friedrich Großkopf informiert. Sellschopp soll außerdem ihm gegenüber mit seinen guten Beziehungen zum Deuxieme Bureau geprahlt haben.

Zwischen 1957 und 1960 sollen laut Aussage Hentges an Generalingenieur a.D. Heinrich Sellschopp Schmiergelder in Höhe von etwa 30.000 Mark, an den Regierungsdirektor a.D. Karl Evers (Leiter des Referats „Boardausrüstung“ in der Abteilung Technik des BMVg) in Höhe von ca. 60.000 Mark, den Arzt Dr. Otto Praun in Höhe von 30.000 Mark und Oberst Werner Repenning (1959 bis 1962 persönlicher Referent des Bundesverteidigungsministers Strauß) etwa 2,3 Millionen Mark geflossen sein.

Daraufhin fuhren Brandes und Friedrich Großkopf nach Koblenz zur Dienststelle Düsterberg und übergaben eine Aktennotiz von Hans Brandes, in der der Sachverhalt geschildert wurde. Als Hentges am 27.11.1958 von Karl-Helmut Schnell dazu vernommen wurde, bestritt er, jemals diese Aussagen getätigt zu haben. Kurze Zeit später erhielt Friedrich Großkopf von Bundesverteidigungsministr Strauß höchstpersönlich Hausverbot auf der Hardthöhe, was einer finanziellen Hinrichtung gleich kam, denn der Hauptabnehmer für die Vermittlung von Waffengeschäften war das BMVg. Später erstritt sich Großkopf eine Entschädigung für seine entgangenen Verdienste durch das zu Unrecht ausgesprochene Hausverbot.

Gaby Weber führt in ihrem Bericht „Neue Recherchen und Mutmaßungen“ weiter aus: „Was daraufhin geschah, hielt Brandes in einem Memorandum vom 29. Januar 1969 fest: „(Man) teilte mir mit, daß Herr Schnell erkrankt sei, aber ein Mitarbeiter von ihm namens Scheidges mich sofort besuchen würde. Der kam dann auch mit einem Katalog von Fragen. Es wurde mir von Herrn Scheidges zu verstehen gegeben, daß man die Aussagen von Hentges überprüfen würde, daß man bereits auf verschiedene Tatsachen gestoßen sei, und daß man überzeugt sei, daß der genannte Oberst Repenning auch Dreck am Stecken gehabt hätte, nur sei keine Untersuchung mehr notwendig, weil er bereits verstorben sei. Die Angaben von Hentges bezüglich des Mordes an Dr. Praun und ein Zusammenhang mit Minister Strauß würden von Scheidges und Schnell nicht untersucht, da man keinen Auftrag hierfür habe, und sich die Dienststelle Schnell nur mit reinen Korruptionsfällen befassen würde. Mord sei Sache der Staatsanwaltschaft, man wolle diesen Herren nicht ins Gehege kommen. Er, Herr Scheidges, sei überzeugt, daß die ganze Sache Hentges sehr stinken würde, und vielleicht noch sehr viel Staub aufwirbeln würde. Man müsse sich aber auf das Sachliche beschränken, und auch das Amt Schnell sei nur an Weisungen gebunden. Es gehe um den Verdacht der Bestechung deutscher Offiziere, um nicht mehr, und man habe keine Lust, heiße Eisen anzufassen, bei denen man sich die Finger verbrennen könne. Herr Ministerialrat Schnell lasse mich aber sehr grüßen.““

Brandes bestätigte auch Hentges Behauptung, in Geheimdienstarbeiten verwickelt zu sein und seine Verbindungen zu Dr. Praun und den Waffengeschäften. Jedenfalls hielt Brandes auch vor dem Münchner Gericht an seinen Aussagen fest und wurde daraufhin im April 1971 in einem Wäldchen bei München vergiftet aufgefunden – angeblich Selbstmord.

Der BND selbst hatte immer geleugnet, dass Hentges Mitarbeiter des BND´s gewesen wäre, aber im Guillaume-Untersuchungsausschuss hatte der damalige BND-Präsident Wessel zugegeben, dass Hentges für den Dienst gearbeitet hatte und dass Hentges auch vorher für die deutsche Abwehr tätig war.

Interessant ist jedenfalls, dass besagter Karl-Helmut Schnell während dem Wahlkampf 1980 zwischen Strauß und Schmidt selbst im Gespräch war, künftig Präsident des BND zu werden (siehe auch meine Ausführungen zur Atlantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls – Teil 3).

Ich komme damit jetzt auf den ominösen Brief zu sprechen, den man in der Pöckinger Villa aufgefunden hatte.

Auf dem Schreibtisch lag ein blauer Briefbogen mit Schreibmaschine beschrieben. Darin kündigte Dr. Praun seiner Lebensgefährtin einen Besucher mit Namen Dr. Schmitz an, der sich für eine Villa in Spanien interessiere, die Dr. Roth gehörte und die er offenbar veräußern wollte. Er war auf Costa, Brava den 28.09.1959 datiert und enthielt folgenden Wortlaut: „Liebe Friedl! Der Überbringer dieses Briefes ist Herr Doktor Schmitz aus dem Rheinland, von dem ich Dir schon erzählt habe. Er ist ein sehr wichtiger Mann für mich hier in Spanien, deshalb sei besonders nett zu ihm. Ich habe von Dir als meiner Frau gesprochen und ihm von unserem schönen Haus am Starnberger See erzählt. Zeige ihm alles, er hat übrigens eine großartige Idee für den unteren Raum. Koche ihm auf, er ißt gerne gut. Herr Dr. Schmitz hat übrigens eine sehr nette Frau, die ihn auf allen Reisen begleitet und Dir gefallen wird. Ich hoffe, daß es Dir gut geht. Alles Gute und ein Bussi auch für Pitti Dein Otto“. (Quelle: Peter Anders „Tödliche Intrigen – Der Fall Vera Brühne“).

Vera Brühne wurde am 21.07.1960, also noch vor dem Verdacht, dass sie am Mord beteiligt war, von dem Polizeibeamten Rodatus als Zeugin zu den Abtreibungsgerüchten um Dr. Praun befragt. Aus dem Protokoll zitiert Gaby Weber in ihrer Ausarbeitung „Neue Recherchen und Mutmaßungen“ wie folgt: „Es ist richtig, daß ich einmal mit Dr. Praun darüber sprach, daß ich einen schwerreichen Vetter habe, mit Namen Schmitz, der zu den fünf reichsten Männern des Bundesgebietes gehört. Dr. Praun wollte immer reiche Leute kennenlernen. Diesen Verwandten Schmitz hat er aber nie kennengelernt. Es ist möglich, daß Dr. Praun dann mit diesem Schmitz prahlte.“

Ich habe mich deswegen gefragt, ob der auf dem Schreibtisch aufgefundene Brief, dem man zunächst überhaupt keine Beachtung schenkte und ihn in die weiteren Ermittlungen auch nicht mehr miteinbezog, möglicherweise von Renate Meyer im Auftrag des BND dorthin platziert wurde, bevor sie die Polizei über den Leichenfund am Starnberger Se informierte. Sie war diejenige, die als erstes bei ihrer Zeugeneinvernahme ein Telefonat zwischen Dr. Praun und einem Herrn Schmitz erwähnte und daraus folgerte man schließlich, Johann Ferbach hätte sich als Dr. Schmitz ausgegeben und dann Dr. Praun und Elfriede Kloo kaltblütig umgebracht, um Vera Brühne zu der von Dr. Praun in Aussicht gestellte Erbschaft einer Villa in Spanien zu verhelfen.

Die zweite Frage, die sich aufgrund der Aussage von Vera Brühne zur Person Schmitz ergibt:

Handelte es sich bei dem schwerreichen Verwandten von Vera Brühne um Hermann Schmitz?

In www.wikipedia.org heißt es über ihn u.a.: „In der Zeit des Nationalsozialismus war Schmitz von November 1933 bis 1945 Mitglied des Reichstags und trat der NSDAP bei. 1933 gehörte er zu den achtzehn Grundsteinstiftern für das 1937 erbaute Haus der Deutschen Kunst in München. 1935 wurde er zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. 1941 erhielt er das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse. 1935 wurde Schmitz Bosch Nachfolger als Vorstandsvorsitzender der I.G. Farben und war somit auch hauptverantwortlich für den Einsatz von Zwangsarbeitern in Fabriken und für die Finanzierung und Errichtung des KZ Ausschwitz III Monowitz. Im I.G.-Farben-Prozess wurde er 1948, zusammen mit anderen leitenden Angestellten des Unternehmens, wegen Plünderung zu vier Jahren Gefängnisstrafe verurteilt und unter Anrechnung der bisherigen Haft 1949 aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen. In der Bundesrepublik wurde Schmitz 1952 Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank Berlin-West und 1956 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Rheinstahl-Rheinische Stahlwerke, deren größter Aktionär schon in der Zeit des Nationalsozialismus die I.G. Farben gewesen war.“ Schmitz starb übrigens am 08. Oktober 1960 in Heidelberg. Zum Zeitpunkt der Vernehmung von Vera Brühne im Juli 1960 lebte er also noch.

An dieser Stelle muss noch mal ein Exkurs erfolgen. Auf der Webseite von www.us-politik.ch/teil2.htm „Mafia, Geheimdienste und Politik der USA“ werden vor allem die Finanzierung von Hitler durch Prescott Bush, Montagu Collet Norman, Sir Henri Deterding und Averell Harriman sowie deren Beziehungen zur Mafia und den Faschisten.
Es folgt nun ein längerer Abschnitt aus diesem Elaborat: „Ohne die Gelder von Thyssen (über seine Bank voor Handel en Scheepaart) und von Harrimans Hamburg-Amerika Line (als Teil der American Ship and Commerce Corp.) wäre Hitler 1933 nicht an die Macht gekommen. Dank Norman, Harriman und Bush konnte eine Übernahme des nach dem Börsenkrach bankrotten deutschen Stahlkonglomerats durch die katholische Zentrumspartei verhindert und die Kontrolle durch Thyssen gesichert werden. Mitbeteiligt an der Finanzierung der teuren Wahlpropaganda mit Harriman und Bush war Hjalmar Schacht und Baron Kurt von Schroeder, Direktor der Thyssen-Hütten mit engen Beziehungen zu den Dulles-Brüdern. Schroeder ist SS-Brigadeführer und gehört als Banker der Stein Bank zu den Geldgebern Himmlers. Schroeders und Montagu Normans Protégé Hjalmar Schacht wurde Hitlers Financier. Baron Rudolph von Schroeder ist Vizepräsident und Direktor der Hamburg-Amerika Line, die mit ihren Finanzierungen die von der Regierung 1932 beschlossene Auflösung von Hitlers Privatarmee von 300´000 bis 400´000 Mann verhindern konnte. Hitlers SA, mit Waffen aus amerikanischer Produktion ausgestattet, zerschlug die Opposition daraufhin nachhaltig. Samuel Pryor, Gründungsmitglied der Union Banking und der American Ship and Commerce, ist Vorsitzender der Remington Arms, die ein Sprengstoffkartell mit der I.G. Farben einging, wonach über Holland grosse Mengen an Waffen nach Deutschland geliefert wurden. An ähnlichen Waffenlieferungen zwischen Du Pont und I.G. Farben war auch Walter S. Carpenter, ein weiterer Freund von Bush, beteiligt. Obwohl diese Deals mit den Nazis dann wie bei Bush unterbunden wurden, blieb Carpenter am Manhatten-Project zum Bau der ersten Atombombe involviert und präsidierte Du Pont von 1948 bis 1962. I.G. Farben und Du Pont kontrollierten ein Kartell, das die Chemie-Märkte in den USA und Deutschland unter sich aufteilt. Du Pont unterstützt faschistische Gruppen, die einen Sturz Roosevelts planen. Am 8.2.1924 wird im Staatsgefängnis erstmals ein Gefangener mit Blausäure hingerichtet, und 1930 wird erstmals eine Gaskammer unter US-Patentschutz gestellt. In der I.G. Farben übernehmen die Nazis unter NSDAP-Mitglied Hermann Schmitz, der über direkte Verbindungen zu Hitler verfügt, die Leitung, und die Gründer werden in den Verwaltungsrat abgeschoben. Schmitz führt in Basel eine Tarnfirma, über die die Geschäfte mit Du Pont während des Kriegs weiterlaufen. Dazu gehören die Projekte zur Giftgasproduktion. Die I.G. Farben-Tochter Degesch unter Gerhard Peters entwickelte Zyklon B., das zur Vergasung der Juden eingesetzt werden soll. Die USA werden von Erwin Respondek, der an einer geheimen Übereinkunft von Du Pont und I.G. Farben mitgearbeitet hatte, über die Kriegspläne Hitlers gegen die Sowjetunion und über den Einsatz von Giftgaseinsätzen informiert. Schmitz wird nach dem Krieg wegen Verwendung von Gefangenen zur Sklavenarbeit, aber nicht wegen der Giftgasgeschäfte zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, und bald begnadigt. […] Walter Teagle von Standard Oil arbeitet eng mit Hermann Schmitz von I.G. Farben zusammen, und die Amerikaner, auch Texaco, liefern den Deutschen Benzin, Motorenöle und Diesel für die Flugzeuge, Panzer und U-Boote. Dank dem deutsch-amerikanischen Geheimabkommen werden die Anlagen der I.G. Farben für die Herstellung von synthetischem Benzin aus Kohle finanziert, und die von KZ-Häftlingen betriebene Anlage in Oberschlesien hilft, die Folgen des alliierten Embargos abzuschwächen. Die Freundschaft und Zusammenarbeit von Humble-Oil-Gründer Farish und Prescott Bush begann 1929, als Harriman die Dresser Industries kaufte, deren Direktor Bush wird. Bush und Farish schmieren SS-Chef Heinrich Himmler über Emil Helfferich, Kurt von Schroeder und Karl Lindemann, Verwaltungsratsmitglied der Hamburg-Amerika Line, bis 1944. Harriman, Rockefeller und Bush organisierten und bezahlten Eugenik-Kongresse mit Nazi-Ideologen wie Dr. Ernst Rüdin oder Alfred Plötz in den USA. Auf Initiative von Rüdin wurden 250´000 Blinde, Taube und Alkoholiker sterilisiert, wozu sie eine Generation von Ärzten ausbildeten. Seit Kriegsbeginn werden Behinderte und „Degenerierte“ meist umgebracht. Dillon, Farish und sein Freund Hermann Schmitz, der Vorsitzende der I.G. Farben, bezahlten den Werber Ivy Lee, der Pro-Nazi-Propaganda in den USA betreibt. […] Der ehemalige SS-Major Otto Skorzeny arbeitet mit der CIA zusammen und erhält von Dr. Fritz Thyssen und Dr. Gustav Krupp Geld, um Todesschwadronen aufzubauen: die „Todesengel“ in Bolivien, „die Antikommunistische Allianz“ in Argentinien und, zusammen mit Stephano delle Chiaie, die „Guerilla von Christus dem König“ in Spanien. Skorzeny wird 1947 von den Amerikanern freigelassen und zieht nach Madrid, wo er die International Fascista gründet, bei der ehemalige SS-Angehörige, französische OAS-Terroristen und Geheimpolizisten der portugiesischen PDID arbeiten. Die Geheimpolizei in Los Angeles unterhält eine Abteilung mit demselben Kürzel: die Public Disorder Intelligence Division sammelt mithilfe eines computerisierten Dossiersystems der Western Goals von Larry McDonald Geheimdaten der Bürger. McDonald ist einer der Führer der John Birch Society, und Western Goals Filialleiter in Deutschland Eugene Wigner versorgt Gehlens BND mit Geheimdaten. Zu den Verwaltungsräten von Western Goals gehören die Kalten Krieger Edward Teller, der Vater der Wasserstoffbombe, Admiral Thomas Moorer und der ehemalige Luftwaffenpilot Dr. Hans Senholt. Skorzeny ist verantwortlich für die Paladin-Söldner, die unter dem Cover der M.C. Inc. arbeiten. Geschäftsführer dieser Import-Exportfirma in Madrid ist Dr. Gerhard Hartmut von Schubert, der zuvor im Propagandaministerium für Goebbels arbeitete.“ (Quelle: „Mafia, Geheimdienste und Politik der USA Teil 2 (1939 bis 1948))

Sollte es sich tatsächlich um den besagten Hermann Schmitz handeln, dann war meines Erachtens Dr. Otto Praun nicht nur in irgendwelche Schmiergeldzahlungen aus Waffengeschäften eingebunden, sondern möglicherweise auch in das Eugenik-Programm um Dr. Ernst Rüdin. Als Abtreibungsarzt der Abwehr hätte er zumindest die charakterlichen Voraussetzungen gehabt.

Auffällig in diesem Zusammenhang ist nämlich die ausgesprochene Nervosität, die sich ergibt, wenn man in den Mordfall Dr. Otto Praun und dessen Motivlage tiefer einsteigen will oder dazu Akten anfordert.

Als z.B. der damalige Chef des Bundeskanzleramts und damit auch Vorgesetzter des BND Horst Ehmke im März 1971 nach München kam, um in einem anderen Fall (Verratsfall Helmut Bärwald) höchstpersönlich in Pullach zu recherchieren, wurde er am Abend in der bayerischen Landesvertretung Bonn von Franz Josef Strauß regelrecht bedroht. Offensichtlich hatte Strauß angenommen, dass Ehmke wegen der Praun-Akte nach Pullach gekommen war. Gaby Weber schrieb dazu in „Neue Recherchen und Mutmaßungen“: „Der CSU-Mann war vermutlich aus Pullach von der Durchsuchungsaktion Ehmkes telephonisch unterrichtet worden, doch anscheinend wußte er nicht, nach welcher Akte Ehmke gefahndet hatte. Was daraufhin geschah, hielt Ehmke in einem Aktenvermerk fest: Danach soll Strauß den SPD-Politiker mit den Worten bedrängt haben, „wenn Du an die Praun-Geschichte gehst, dann mußt Du schon eine hohe Lebensversicherung haben. Wenn Dir Dein Leben lieb ist, dann laß die Finger von der Praun-Geschichte.“ Zeuge dieses Vorfalls war der Bischof Hermann Kunst, der während des Bundestagswahlkampfs 1980 Vorsitzender der Schiedskommission für Wahlkampffragen war. Er erinnert sich noch Jahre später an das Zusammentreffen.“

Nachdem sich ein anderer Widersacher von Strauß aus den eigenen CSU-Reihen ebenfalls um weitere Informationen zu Dr. Praun bemühte und sich an den BND wandte, erhielt er die Auskunft, dass die Akten im Februar 1970 aus den BND-Archiven entfernt worden seien.

Um den satanischen Aspekt in dieser Sache noch zu unterstreichen – in Stein, Appenzeller Land, befindet sich die Thelema-Abtei als Hauptquartier des Ordo Templi Orientis (O.T.O), damals unter der Leitung von Hermann-Joseph Metzger (gestorben 1990) und stellvertretender Leitung von Anneliese Äschbach. Ab 1995 übernahm dann Olaf Räderer, von Beruf Lehrer und ein Freimaurer, die Leitung.

Auffällig ist, dass auch in Stein, direkt am Rhein im Schänzliweg, der Pharmakonzern Novartis Pharma Stein AG und die NewsSolids Launch Factory liegt.

Novartis, vormals Sandoz Laboratories Basel, war und ist dick verstrickt in das MK-Ultra Projekt. Dort entwickelte Albert Hofmann 1938 bereits das LSD, das unter anderem auch für die Operation „Midnight Climax“ und die Vorgänge während der Hippie-Bewegung um Haight Ashbury und Laurel Canyon bedeutend wurde. Novartis wiederum gehört zu I.G. Farben.

Guido und Michael Grandt schreiben hierzu in ihrem Buch „Schwarzbuch Satanismus“: „In den Jahren bis 1969 – so erfahren wir – wurden die Abtei wie das Umfeld zusammen mit dem Gasthof „Rose“ ausgebaut. Auf diese Weise entstand ein Gebäudekomplex mit 130 (!) Räumen – Gästezimmer, Gesellschaftszimmer, Schulungs-, Arbeits-, Archiv-, Keller-, Maschinen- und Therapieräume; dazu eine Bibliothek, Büros, Lager, ein Saal, ein Museum und die „Kapelle“. Mit den unterirdischen Räumen sollen die Liegenschaften sich über eine Gesamtfläche von 40 000 Quadratmetern erstrecken! Dort wurden öffentlich Kurse über Philosophie, Psychologie, Chemie, Alchemie, Kunstgeschichte und Musik angeboten. Ein Tonstudio stand ebenso zur Verfügung wie Projektionsanlagen, Musikinstallationen, eine Bühne, sowie diverse Werkstätten und ein Fotolabor. Die Bibliothek soll 40 000 Bände umfassen; Werke über Astrologie, Magie und „Geheimwissenschaften“, und natürlich die mehr oder weniger geheimen Schriften des Aleister Crowley.“

 

Das Amigo-Prinzip von Franz Josef Strauß

Über die Machenschaften eines Franz Josef Strauß und der Überlegung, wie er zu seinem umfangreichen Vermögen gekommen war, berichtet der Spiegel „Edi, das machen wir“ vom 04.04.1994. Der Bäder-König aus Bad Füssingen, Eduard Zwick, soll Strauß in das Bankhaus Julius Bär eingeführt haben, nachdem sich Strauß bei ihm beklagt hatte, dass er mit „Von Tobel“ nicht mehr zufrieden wäre. Es heißt im o.g. Artikel weiter: „Der bayerische Ministerpräsident (Jahresgehalt: etwa 300 000 Mark) hat offenbar über reichlich Geld verfügt. Er war, gibt sein Vertrauter Walter Schöll an, auch Kunde der Züricher Bank Bär. Beim Anbahnen dieser Verbindung hatte ihm Amigo Schöll assistiert. Der Münchner PR-Agent geleitete Strauß – „so um 1980 herum“ – in der Züricher Bahnhofstraße zu Bärs „bis in den dritten Stock“.“

Zu den geheimen Freunden von Strauß zählten bekanntermaßen Friedrich Karl Flick und Wienerwald-Besitzer Friedrich Jahn, der seinen Privatjet auch gerne für Strauß persönlich zur Verfügung stellte. Das kam aber erst 1994 heraus, als Stoiber und der damalige Finanzminister Georg von Waldenfels den Sohn von Eduard Zwick wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung einbuchten ließ, was Vater Zwick sauer aufstieß, wie man sich vorstellen kann. Der wiederum hatte daraufhin sehr viel zu erzählen, u.a. wie sich Strauß, Stoiber und Konsorten von ihm aushielten ließen. Über den CSU-Rechtsanwalt Peter Gauweiler wusste er zu berichten, dass dieser für 10.000 Mark im Monat seine Mandanten an Strauß jun. „verpachtete“, was schließlich dazu führte, dass Gauweiler als bayerischer Umweltminister zurücktreten musste. Georg Tandler, damaliger stellvertretender CSU-Vorsitzender, purzelte gleich hinterher, weil er von Zwick Kredite und Bürgschaften erhalten hatte. Und für Georg von Waldenfels hatte er ebenfalls eine Überraschungstorte, als er offenbarte, dass Waldenfels von dem Subventionsbetrug wusste, den Zwick zusammen mit Georg Tandler über die gemeinsame Firma Bavaria Internat GmbH & Co Vermietungs- und Verpachtungs KG mit Sitz in Altötting eingefädelt hatte. Demnach war die Hotelfachschule unter Inanspruchnahme von nicht zustehenden Staatsgeldern über einen weiteren Freund erworben worden.

Im o.g. Spiegel-Artikel „Edi, das machen wir“ vom 04.04.1994 wird Strauß-Amigo Walter Schöll als Werbeagent und Repräsentant der „Großkunden Centrale Marketinggesellschaft“ der deutschen Agrarwirtschaft, des Fleischimperiums Marox der Gebrüder März aus Rosenheim, der Restaurantkette Wienerwald und der Bundesanstalt für Arbeit enttarnt.

Außerdem soll Eduard Zwick immer wieder dem CSU-Blatt „Bayernkurier“ aus der finanziellen Patsche geholfen haben. So sind von 200.000 Mark Zuwendungen die Rede. Das war zumindest dem Finanzamt aufgefallen und so zahlte Zwick in aller Stille noch ein Bußgeld von 300.000 Mark drauf. Als Marianne Strauß in finanzielle Schwierigkeiten steckte, war Zwick ebenfalls zur Stelle. Damals hatte sie auf Empfehlung von Siegfried Zoglmann, einst HJ-Führer und später FDP-Fraktionsgeschäftsführer, mit 350.000 DM in die Melitta-Unternehmensgruppe „Bentz“ investiert. Als das Geld wegen Unregelmäßigkeiten verloren zu gehen drohte, übernahm Zwick mit einer Investition von 3 Millionen DM den Anteil von Strauß, setzte das Filterkaffeeunternehmen mit Androhung einer Klage unter Druck und konnte so erreichen, dass Marianne Strauß ihr Geld wieder zurückerhielt.

Dass sich Stoiber beinahe auch selbst mit der Zwick-Aktion in die Scheiße ritt, bezeugte Wilhelm Schlötterer in seinem Buch „Macht und Missbrauch“. Schlötterer berichtet über die LWS-Affäre (Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft Bayern), in die Stoiber und Finanzminister von Waldenfels tief verwickelt waren. Insbesondere nahm er Bezug auf einen Briefwechsel zwischen Stoiber und von Waldenfels aus dem Jahr 1991, in dem Stoiber „einen verstärkten Einstieg der LWS in das Bauträgergeschäft“ forderte. Schlötterer schreibt weiter: „Das Finanzministerium hielt damals dagegen, dies sei für die LWS zu gefährlich, sie sei weder personell noch von ihrer Ausstattung her darauf eingerichtet. Stoiber aber beharrte auf seiner Forderung, das Finanzministerium gab schließlich nach. Stoiber hatte sich durchgesetzt, die LWS stieg sofort groß in das Bauträgergeschäft ein. Dessen Volumen verzehnfachte sich innerhalb von drei Jahren von 30 auf 300 Millionen Mark. Als Alfred Sauter im Juli 1993 Aufsichtsratsvorsitzender wurde, waren nahezu alle Grundstücke, die später zu den großen Verlusten führten, bereits gekauft. Ein Zurück gab es jetzt nicht mehr, zumal bereits erhebliche Zwischenfinanzierungskosten und Planungskosten angefallen waren.“

Um jede Verantwortung für das Pleitedebakel von sich zu weisen, sorgte Stoiber zunächst dafür, dass die Namen der Aufsichtsratsmitglieder in der Presse veröffentlicht wurden, um von sich abzulenken und mit den Finger auf andere zu zeigen. Am 04.09.1999 rief Stoiber über Handy den Justizminister Alfred Sauter an und teilte ihm mit, dass er mit sofortiger Wirkung entlassen sei, nachdem sich Sauter energisch gegen die von Stoiber erhobenen Anschuldigungen gegen seine Person zur Wehr gesetzt hatte. Dies ist umso denkwürdiger, weil Sauter lange Jahre als ein enger Weggefährte und Freund von Stoiber galt. Für die Reaktion von Stoiber gab es allerdings ganz andere Gründe als die zur Schau gestellten. Offensichtlich war es eine Retourkutsche auf eine zuvor erfolgte Anfrage der Münchner Abendzeitung, ob es wahr sei, dass Stoiber bei dem Waffenhändler und Strauß-Vertrautem Dieter Holzer in dessen Villa an der Cote d´Azur seinen Urlaub verbrachte. Zuvor gab es schon eine Veröffentlichung über Stoibers kostenlosen Urlaub bei Valentin Argirov in seiner Residenz in Cap Ferrat. Nachdem die Katze aber in der Öffentlichkeit aus dem Sack war, musste Stoiber zugeben, dass er zwischen 1982 bis 1989 „sechs bis sieben dreiwöchige Urlaube mit seiner Familie in der Luxusvilla des Lobbyisten Dieter Holzer in Golfe Juan verbracht hatte, dreimal auch mit der Schwester und dem Schwager. Es waren also üppige Familienurlaube. Noch dazu konnte er nicht behaupten, dass er dafür bezahlt hätte, vielmehr erklärte er, er sei mit Holzer befreundet gewesen.“ Dennoch schaffte es Stoiber, unbeschadet aus dieser Affäre herauszugehen und stattdessen Sauter aus dem Amt zu drängen. (Quelle: Wilhelm Schlötterer „Macht und Missbrauch“).

Der zuvor erwähnte Valentin Argirov hatte unter Strauß ebenfalls eine Traumkarriere hingelegt. Argirov wurde in Sofia am 05.03.1932 geboren und floh 1964 nach Paris. Ein Jahr später kam er nach Zirndorf, um politisches Asyl zu beantragen. Erstaunlich schnell gelang es ihm, zunächst als Assistenzarzt an der Uni Tübingen zu arbeiten, um schließlich kurz darauf in Bad Kissingen bei Professor Heinz Kalk anzufangen. Dort „kam er bald mit der bayerischen Prominenz, Spitzenbeamten aus Ministerien und führenden Politikern samt Verwandtschaft, in Berührung. 1969 heuerte er als Oberarzt an der Krankenanstalt des III. Ordens in München-Nymphenburg an.“ Er kam schließlich in Kontakt mit FJS Strauß und avancierte bald darauf zu seinem persönlichen Leibarzt. Er ergatterte mit Hilfe von Strauß in der renommierten Münchner Privat-Klinik Michael Schreiber einen lukrativen Job, wurde aber dann 1980 fristlos gefeuert, als er sich nicht nur mit dem Chef-Arzt anlegte, sondern sich auch sonst sehr ungehobelt benommen hatte. Auf wundersame Weise konnte er sich mit Unterstützung der Staatskasse am Starnberger See seine eigene Privatklinik aufbauen; 1980 hatte er sich die Villa de Osa in Kempfenhausen zugelegt und der Freistaat Bayern spendierte seither über 30 Millionen Mark für die Sanierung und Erweiterung der Privatklinik. Er erwarb noch zusätzlich die Klinik in Vogtareuth. (Quelle: SPIEGEL „Zufällig hat dann der Strauß angerufen“ vom 02.01.1989)

Die Bloggerin Carina Stein beschuldigt ihn als gesteuerten CIA-, BND- und Antonio Campanella-Gefolgsmann, einen Auftragsmörder, der unter dem Deckmantel seiner psychosomatischen Klinik am Starnberger See Leute mit Pillen, Drogen und Sonderbehandlungen entweder massiv schädigt oder sogar tötet. Der ganze Blog ist ziemlich wirr geschrieben, aber immerhin hat auch der SPIEGEL in seinem oben genannten Artikel über das eigenartige Finanzgebaren dieses Doktors berichtet.

Und auch der Münchner Prominenten-Anwalt Lutz Libbertz soll nach Aussagen von Carina Stein zum Freundeskreis des Argirov zählen und mit ihm gemeinsame Sache machen, z.B. unliebsame Störenfriede einfach in die Psychiatrische Klinik einweisen lassen. Dabei sollen ihm die polnische Geheimdienstmitarbeiterin Margareta Liesziewski unter Anleitung von einer Frau Marcella Rudowsky und eine nicht namentlich genannte Iranerin helfend zur Seite stehen. Zu dieser illustren Bande gesellte sich auch Jutta Simon aus Paris, von der ich schon ausführlich in meiner Arbeit zur Atlantik-Brücke e.V. – das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls – Teil 7 berichtet hatte.

Jedenfalls erinnern diese ganzen Anschuldigungen irgendwie an das Erpresser- und Kinderschänder-Netzwerk der CIA und Marc Dutroux.

Franz Dannecker soll ebenfalls Patient bei Argirov gewesen sein. Carina Stein flüchtete nach dem Unfalltod von Marianne Strauß 1984 zu ihrer ehemaligen Freundin Jutta Simon. Dort hätte sie mit CIA-Agenten und einem Waffenhändler namens Günter Leinhäuser Bekanntschaft gemacht. Sie sollen an der Rückkehr von Bokassas nach Zaire gearbeitet haben, der zu diesem Zeitpunkt in Troisdorf bei Bonn untergebracht war. (Quelle: Carina Stein – Offener Brief an Friedrich Zimmermann)

Der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen könnte indirekt auch über Erich Schmidt-Eenboom „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“ Bestätigung finden, denn dazu heißt es: „Starke illegale Aktivitäten entfaltete der Dienst zwischen 1975 und 1981 in Zaire und Libyen, als er den Versuch unternahm, die für die Bundesrepublik geltenden Rüstungskontrollbeschränkungen in bezug auf die Entwicklung von Langstreckenraketen durch die Förderung der Aktivitäten der Firma Orbital Transport- und Raketen-AG (OTRAG) in diesen Ländern zu unterlaufen. Die OTRAG schloß im März 1976 mit der Regierung Zaires einen Vertrag über die Nutzung von 100000 Quadratmeilen Land in der Provinz Shaba als Raketentestgelände. Vermittler des Geschäftes war der internationale Finanzmann Frederic Weymar, eine hochrangige Sonderverbindung des Strategischen Dienstes des BND “. Und weiter heißt es bei Schmidt-Eenboom: „Nachdem 1977 und 1978 auf dem Startgelände Plateau Manitono in Zaire zwei erfolgreiche Tests mit dem ORBITAL-TRANSPORTSYSTEM der OTRAG stattgefunden hatten, mußte das Projekt wegen massiver Proteste aus den Nachbarstaaten und der UdSSR an der militärischen Zielsetzung der Tests eingestellt werden. So verlegte die OTRAG 1980 ihre Anlagen auf ein Gelände südwestlich der 600 Kilometer südlich von Tripolis gelegenen Stadt Shaba. Im Dezember 1981 stellte die OTRAG ihre Aktivitäten auch in Libyen ein. Bis dahin allerdings hatte sie die Voraussetzungen für Gaddafis Raketenprogramm Ittisalat geschaffen, so daß in Shaba Raketen mit 290 Kilometern Reichweite produziert und getestet werden konnten. In der Bundesrepublik wurde anschließend gegen mehrere Firmen ermittelt. Der Rückzug aus Zaire und anschließend aus Libyen erfolgte keineswegs freiwillig, sondern auf massiven Druck von NATO-Partnern, besonders den USA, die eine Pressekampagne gegen die OTRAG lancierten.“

Ich halte die Aussagen von Carina Stein insofern für wichtig, weil sie auch in Richtung MK-Ultra und Ausbildung von Manchurian Candidates hindeuten. Einige bekannte Serienmörder wie Jeffrey Dahmer waren zuvor in Westdeutschland in der US Garnison in Baumholder, Rheinland-Pfalz stationiert und haben nach ihrer Rückkehr in die USA bald das Morden angefangen.

Über Argirov und seine Beziehungen zu Stoiber bezüglich seiner Urlaubaufenthalte in der Ferienanlage von Dieter Holzer findet man etwas im Spiegel „Außer Kontrolle geraten“ vom 13.09.1999: „Dasselbe gilt für Stoibers Urlaub im August dieses Jahres, den er wieder in Südfrankreich verbrachte, diesmal bei seinem Freund Valentin Argirov, dem einstigen Leibarzt von Franz Josef Strauß. Zwar hat Argirov vom Freistaat bislang fast 200 Millionen Mark an Zuschüssen für Bau und Erweiterung zweier Privatkliniken in Berg am Starnberger See und Vogtareuth (Kreis Rosenheim) bekommen. Das Geld freilich steht ihm gesetzlich zu, Hinweise auf Vorzugsbehandlung gibt es bis jetzt nicht. Offenbar aber plagt Stoiber trotzdem ein schlechtes Gewissen. Nachdem er zunächst schon den Argirov-Urlaub vom August erst auf massive Nachfragen von Journalisten bestätigte, verschwieg er einen zweiten. Auch im November vorigen Jahres sei Stoiber zu einem „sechstägigen Aufenthalt bei Herrn Argirov in Cap Ferrat“ gewesen, räumte die Staatskanzlei Ende vergangener Woche schließlich ein. Dafür habe er „einen finanziellen Beitrag von 1500 Mark gegeben.“

Und im gleichen Artikel wird darauf hingewiesen, dass Stoiber und die CSU-Clique (Streibl, Waigel, Wiesheu) vom BND-Vizechef Paul Münstermann mit Geheimdienstinterna versorgt wurden, was ihm 1995 auch Ermittlungen wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen beschert hat. Er versorgte seine Spezi mit Dokumenten über „sowjetische Goldreserven“, zur „Inneren Lage der Jugoslawischen Volksarmee“ oder zum Stand der „KGB-Auslandsaufklärung“.

So berichtet o.g. Artikel im Spiegel weiter: „Selbst Dossiers wie „Sowjetunion: Veränderungen bei den Strategischen Raketentruppen“ und „Syrien-Iran: Gemeinsame Raketenproduktion“ landeten, nur um die Geheim-Stempel bereinigt, auf Stoibers Schreibtisch.“

Das Verfahren gegen Münstermann wurde im Übrigen gegen Zahlung eines Bußgeldes unauffällig eingestellt.

Kurt Weiß alias Winterstein, zuletzt Leiter der Schule BND, hatte Geheimdienstdossiers an den Abgeordneten Werner Marx verteilt. Hierüber berichtet Schmidt-Eenboom in seinem Buch „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND: „Mit der Versetzung von Baltutis und der Entlassung von Weiß hatte Klaus Kinkel gehofft, die führenden Köpfe der Konspiration mit der CDU/CSU-Opposition auf Eis gelegt zu haben. Er unterschätzte die Zugänge des Pensionärs WINTERSTEIN, der als Kristallisationspunkt der konservativen Truppe auch von seinem Altersruhesitz in München-Pasing weiter an Geheimdienstfäden zog. Daß er über die Zulieferung geheimer BND-Dokumente an das Büro des Abgeordneten Marx, die die HVA-Agentin Inge Goliath prompt nach Ostberlin weiterleitete, direkt dem nachrichtendienstlichen Gegner in die Hände gespielt hatte, konnte er nicht ahnen. Als Pensionär agierte der Führer der CSU-Seilschaft weiter hinter den Kulissen, indem er Material aus dem BND, das er über alte Verbindungen aus dem Camp Nikolaus besorgte, an CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete, aber auch die Presse lancierte. Zu seinen Zuträgern zählte der CSU-Mann Dr. Paul Münstermann, Deckname Dr. HEIDEGGER, der zu Kinkels Zeiten im Mittelbau des Dienstes agierte und erst 1984 Leiter der Sicherheit (Abteilung 5), im April 1986 sogar BND-Vizepräsident wurde. Weiß gab dieses Material jedoch auch unwissentlich in die Hände der DDR-Auslandsaufklärung, indem er seinen alten Freund Dr. habil. Gerhard Baumann damit fütterte, den das MfS als IM »Schwarz« von 1958 bis 1988 unter falscher französischer Flagge führte.“

Der CDU-Spendensammler und Drücker Hannes Müller hat sich während seiner Haftzeit in die Klinik von Argirov begeben, um sich später von dort aus dem Staub zu machen. Stoibers Regierung hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als ihm dann den Rest der Haftstrafe zu erlassen. Hannes Müller fiel bereits 1994 bei Brigitte Baumeister in Ungnade, erhielt aber noch eine „Abfindung von 1,2 Millionen Mark. Hinzu kamen noch angeblich ausstehende Provisionszahlungen von 1 Million Mark von zwei CDU-Firmen [Anm: Wirtschaftsbild-WDU-Verlag GmbH (WDU) und Union GmbH & Co Kommunikation und Medien KG (UKM)]hinzu. (Quelle: Spiegel „Schöne Zeiten, harte Zeiten“ vom 31.01.2000)

Und dann heißt es weiter: „Allerdings hatte Müller auch gedroht, er könne über das CDU-Spendenwesen auspacken. Details der Geschäftsbeziehungen wollten Baumeister beim Prozess gegen Müller 1997 partout nicht mehr einfallen, neuerdings hüllt sie sich beim Thema Spenden lieber ganz in Schweigen.“ (Quelle: Spiegel „Schöne Zeiten, harte Zeiten“ vom 31.01.2000)

Die Geschichte um Drücker-König Hannes Müller, der schon in den 70er Jahren für FJS tätig war, erinnert stark an Carsten Maschmeyer und seine Beziehung zur SPD, insbesondere zu Gerhard Schröder, Bert Rürup und Peter Hartz, ehemaliges Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, denen wir die Hartz IV-Gesetze und die Riesterrente zu verdanken haben.

Angesichts dieser ganzen Verstrickungen um Schwarzgeld, illegale Provisions-/Erpressungsgeldzahlungen und dubioser Spendenpraxis, vor allem aus dem kriminellen Milieu, sollte es also nicht verwundern, wenn plötzlich der BND samt Regierungs- und Oppositionsparteien bei den ersten Offenbarungen von Klaus Lins aus der Anwaltskanzlei eines Dr. Dr. Herbert Batliner gegenüber dem Spiegel im Jahr 1997 nervös wurde. Da hatte man schnell ein dienstinternes Dossier gezimmert, um von dem wahren Ausmaß, insbesondere der Beteiligung von alten Kameraden aus der Nazi-Zeit abzulenken. In Wahrheit ging es weder im Fall Batliner noch im Fall LLB und LGT Liechtenstein um irgendwelche wohlhabenden oder kriminellen Einzelpersonen, die sich der Steuerhinterziehung und/oder der Geldwäsche schuldig gemacht hatten, sondern um den Schutz der eigenen schwarzen Kassen und Wertdepots mit Hilfe des Fürstenhaus Liechtenstein, die schon seit Ruscheweyh, Konsul Dr. Fritz Ries, Robert Pferdmenges, Franz Josef Strauß, Helmut Kohl und Hans Klein, genannt „China-Hans“ in einem weitverzweigten Netz über den Globus angelegt wurden – wahrscheinlich, um tatsächlich den Verbleib der gestohlenen, geraubten und ergaunerten Nazibeute und später auch des SED-Vermögens aus dem KoKo-Imperium vor dem Zugriff der anspruchsberechtigten Staaten zu schützen und die wahren Strippenzieher aus der dunklen Machtzentrale zu bedienen.

In diesem Kontext erhärtet sich für mich auch der Verdacht, dass Heinrich Kieber zeitgleich mit den ersten geleakten Dokumenten aus der Batliner-Kanzlei zielgerichtet vom BND für den Datenklau bei der LGT Liechtenstein angesetzt wurde. Seine eigene Geschichte offenbart das indirekt, indem er stolz über die Art und Weise berichtet, wie er sich Zugang zu den privaten Gemächern des Fürstenhaus schaffte, dort weitere Instruktionen zum Zugang zu bestimmten Email-Postfächern hinterließ und jedes Mal konspirativ untertauchte, um geeignete Aufbewahrungsorte der Daten aufzusuchen, ganz zu schweigen von der hohen Summe von knapp 5 Millionen Euro, die er dann vom BND für das gestohlene Masterband erhielt.

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