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Die Geschichte von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ich würde nicht beide Seiten betrachten, habe ich natürlich keine Mühen gescheut, die „wahre“ Geschichte von Heinrich Kieber in Anlehnung an sein Buch „Der Fürst, der Dieb, die Daten“ zu erzählen.

Sebastian Frommelt hatte bereits in seinem Dokumentarfilm „Heinrich Kieber – Datendieb“ verlauten lassen, dass Kieber ein Heimkind war, auf wenig Gegenliebe bei seinen Eltern und auch Schulkameraden stieß und verzweifelt versuchte, die Aufmerksamkeit der Mutter von Hans Adam II, Fürstin Gina zu erhaschen, mit der er bis zu ihrem Tod Ende der 80er Jahre auch regen Briefkontakt pflegte. Für seine abenteuerlichen Geschichten war er bekannt, und sein Hang zum Größenwahn gepaart mit krimineller Energie in Form von Anlagebetrug, Übervorteilung, Unterschlagung und Niederträchtigkeit sind ausgiebig erörtert worden. Also genau der richtige Mann für geheimdienstliche und kriminelle Zwecke.

Es mag auf diesem Erdball den einen oder anderen Abenteurer geben, der sich ohne viel Geld und mit Gelegenheitsjobs durch die Welt schlagen kann, aber Kieber gehörte nicht zu dieser Sorte. Ihm fehlte für eine Berufsausbildung und regelmäßige Arbeit das Durchhaltevermögen und auch sonst erwies er sich als äußerst unzuverlässig gegenüber seinen Mitmenschen. Dafür konnte er den einen oder anderen regelrecht schwindlig schwafeln und mit seinem „Wissen“ gelegentlich imponieren. Interessant sind seine ausgiebigen Reisen auf mindestens drei Kontinenten, wenn man Europa außeracht lässt. Dabei schien es ihm an Geld nie gemangelt zu haben, sein Bankkonto war offensichtlich prall gefüllt, als er an einem schönen Tag Ende März 1997 von Barcelona nach Argentinien verschleppt wurde. Und hier beginnt nun seine Seite der „Wahrheit“:

Seine Geschichte begann 1997 in Buenos Aires, Argentinien, wo er gefoltert wurde und schließlich am 10.04.1997 wieder in Zürich mit der Swiss Air ankam. Die Freilassung aus der argentinischen Folterhaft erfolgte angeblich durch die Zahlung eines Lösegeldes.

Am 11.04.1997 wurde Heinrich Kieber von der Landespolizei Liechtenstein befragt. Er gab dort an, dass an der Entführung der Spanier Mariano Marti-Ventosa Roqueta aus Barcelona sowie Herr Helmut Roegele und seine Frau Salud Hidalgo, wohnhaft in Saint Pol de Mar bei Barcelona beteiligt gewesen waren.

Anfang 1993 habe er Marian und seine Freundin Helga aus Deutschland in Zürich getroffen und ihnen einen Kredit von 240.000 CHF gewährt.

Kieber selbst kehrte im März 1993 erst einmal wieder nach Australien zurück. Dabei stand er im ständigen Briefkontakt mit diesem Mariano.
Mit Helmut Roegele hatte er 1996 zusammen ein Immobiliengeschäft gemacht, wobei es dabei zwischen beiden zum Streit kam, der darin mündete, dass Roegele gegen ihn in Spanien eine Strafanzeige erstattet hatte, die allerdings ohne Erfolg blieb.

Unter dem Vorwand, dass er nun seine Schulden begleichen könne, lockte Mariano Heinrich Kieber auf eine Farm in Argentinien.

Am 26.03.1997 kam er dann in Buenos Aires an, wo man ihn schließlich einkerkerte und gefangen hielt. Dort wurde er gezwungen, einen Brief an Bankdirektor Bröll der BAWAG in Feldkirchen, Österreich zu verfassen, mit der Bitte, Geld in Höhe von 1,5 Millionen CHF unter einem Codewort „Teklanika“ (ein Name, den Kieber sich angeblich mal mit seiner Ex-Freundin für ihr künftiges Kind ausgedacht hatte) und einer ihm nicht bekannten Bankverbindung zu überweisen.

Mittelsmann für die geplante Transaktion soll nach seinen Erzählungen ein Karl-Heinrich Peter Kroschel aus Ochsenhausen gewesen sein.

Merkwürdig ist in jedem Fall seine Schilderung, wie es nach seiner Entführung mit ihm weiter ging. Er hat sich nach seinen Aussagen über den Staat von Vaduz in ein Altenheim in Eschen (Betreuungszentrum St. Martin in der Dr. A. Schädler-Strasse) einquartiert. Er hatte zunächst den Eindruck gewonnen, im Hinblick auf die Verfolgung der Täter bei der Staatsanwältin Alma Willi aus Balzers in guten Händen gewesen zu sein.

Jedenfalls erfuhr Kieber, dass Roegele am 11.08.1997 von der Staatsanwaltschaft als Verdächtiger verhört wurde, seine Frau hingegen war nur als Zeugin geladen. Außerdem erwirkte das Ehepaar Roegele am 25.05.1997 bei der spanischen Polizei einen internationalen Haftbefehl gegen Heinrich Kieber.
Sie hatten versucht, einen rechtmäßigen Anspruch auf die aus der Lösegeldzahlung stammenden Gelder zu erheben; der BAWAG war es nämlich in letzter Sekunde möglich gewesen, das von Kieber erpresste und über Krosche zum Transfer im Auftrag gegebene Geld einzufrieren, sodass die Entführer letztendlich mit leeren Händen dastanden. Im Zivilprozess hat er letztendlich aber doch sein Vermögen durch Prozessmanipulationen und falschen Zeugen (z.B. die später im Januar 2006 rechtskräftig verurteilte Anlagenbetrügerin und Treuhänderin Rita Hauser aus Rorschach am Bodensee) unter Vorsitz des Landesrichters Uwe Oehrig im Oktober 2001 an Helmut Roegele und seine Frau endgültig verloren.

Laut Aussage Kiebers bekam er über einen Nachbarn einen „Tipp“, dass die LGT Treuhand befristet Beschäftigte suchen würde und so erhielt er nach einem Bewerbungsgespräch erstaunlicherweise im Herbst 2000 die Gelegenheit, trotz seines immer noch laufenden internationalen Haftbefehls aus Spanien bei einem Projekt der LGT mitzuwirken – wegen seiner angeblich guten EDV-Kenntnisse.

Zu der Zeit sollte die Treuhand in Vaduz zu einem papierlosen Büro umgestaltet werden. Den Auftrag dafür bekam die Firma Xerox, die wiederum ein Subunternehmen, Connex AG für die Softwareprogrammierung und Installation Docuware einsetzte, in dem nun Kieber anfangen konnte, alle Daten der LGT-Kunden zu digitalisieren – wohlgemerkt – ein ehemaliges Heimkind ohne Ausbildung, ständig auf Achse, bekannt für seine Geschichten und kriminellen Vorlauf.

Das gesamte Projekt wurde damals von einem Dr. Nicola Feuerstein ins Leben gerufen und trotz mehrfacher Bedenken der LGT Berater und Kundenbetreuer zur Ausführung gepuscht. Die Kunden wurden über das Vorhaben, wie mit ihren Daten verfahren wird, erst gar nicht unterrichtet, geschweige denn um ihre Erlaubnis gefragt.

Mit Hilfe der zwei hochmodernen Scanner der Fa. Xerox und unter extremen Sicherheitsvorkehrungen wurden alle Daten und Dokumente eingescannt. Aufgabe von Kieber war es, sicherzustellen, dass die eingescannten Dokumente im Computersystem zusammenblieben, ihnen die richtige Mandatsnummer zuzuteilen und gemäß dem Belegartenkatalog (BAK) vollständig zu indexieren.

Dafür mussten alle einzelnen Dokumente in verschiedenen Sprachen gelesen werden. Interessanterweise ist der Treuhandkunde im Gegensatz zum Bankkunden sehr komplex. Da es sich überwiegend um Leute aus der so genannten besseren Gesellschaft handelt mit entsprechenden Liechtensteinischen Stiftungen, lassen sie die Stiftungen und Firmen durch die Treuhänder gründen und verwalten.

Der Stiftungsrat eröffnet im Namen der Stiftung dann die Bankkonten. Der Treuhandkunde transferiert sein Schwarzgeld auf die Konten der Stiftung. Dies natürlich auf hoch komplizierten und raffinierten Umwegen, so dass ein direkter Bezug zwischen ihm und der Stiftung nicht nachvollzogen werden kann.

Prinzipiell bleibt er (und andere, die er benennen kann) Kraft dem so genannten Beistatut Begünstigter der Stiftung und somit aller Gelder und sonstigen Aktiven, die der Stiftung gehören.

Das Beistatut einer Stiftung hält fest, wer, wann, wieso und wie hoch als Begünstigter von dem Vermögen profitieren kann. Oft ist es so, dass die Stiftung direkt oder mittels unterliegenden Offshore-Firmen (andere rechtlich eigenständige Gesellschaften aus Liechtenstein oder anderen Steuerparadiesen wie z.B. Panama oder den Britischen Jungfrau Inseln), neben den meist beträchtlichen Bankkonten auch Immobilien, Patente, Bilder, Yachten und dergleichen besitzt und kontrolliert.

All diese „Besitztümer“ einer Stiftung produzieren eine Flut an Papier, die wiederum im Akt der Treuhandgesellschaft landen. Und eines ist ihnen allen immer gemeinsam – sie zahlen für ihre Vermögen in diesen Gesellschaften keine Steuern in ihrem eigenen Land. Außerdem zählt das Vermögen in einer Stiftung rechtlich gesehen nicht zum Erbe des Erstbegünstigten. So tauchen auch allerhand persönliche Geheimnisse in den Treuhandakten auf.

Wenn es um Schwarzgeld und Gelder/Eigentum aus illegalen Geschäften geht, hat aber auch die LGT ihre Prinzipien. So sah man nicht gerne Russen als Geschäftspartner, die wurden zum Beispiel an die Sinitus Treuhand, die Serica Bank oder First Advisory (ehem. Dr. Dr. Batliner) in Vaduz verwiesen.

Am 31.03.2001 war das Projekt e-Doc offiziell zu Ende, doch Kieber wurde am 29.03.2001 von der LGT direkt übernommen und so bekam er einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Unterdessen hatte er auch im Oktober 2002 das Berufungsverfahren aus dem Zivilprozess gegen Roegele verloren. Stattdessen bekam er im November 2002 eine Anklageschrift gegen ihn ins Haus, datiert vom 07.11.2002, vom Staatsanwalt Haun unterschrieben, der im Argentinien-Fall ebenfalls ermittelte, wonach ihm Betrug im Fall des Wohnungskaufs in Spanien von 1996 vorgeworfen wurde. Gleichzeitig bekam er den Einstellungsbescheid in der von ihm zur Anzeige gebrachten Argentinien-Sache ohne Begründung, ebenfalls datiert vom 07.11.2002 und unterschrieben vom Untersuchungsrichter Dr. Meier.

Offensichtlich brannte Kieber doch der Kittel und im November 2002 verließ Kieber auf eigenen Wunsch die LGT, um sich angeblich seinem Strafprozess gegen Roegele und Co ausgiebig widmen zu können. Da hatte er aber schon vorsichtshalber lange vor seiner Kündigung mal gleich zwei Datensicherungsbänder (DLT-Backup-Tape) ausgiebig inspiziert gehabt und sich dieser auch bemächtigt – natürlich heimlich. Ein paar Hardcopien aus den Aktentresorräumen gab es obendrauf auch noch. Kieber selbst hatte schließlich Ende Dezember 2002 noch die Gelegenheit gehabt, eine Masterkopie des Back-up-Tapes zu erstellen und in einem Banktresor in der Westschweiz aufzubewahren.

Den Grund hierfür hat er seltsamer Weise in seinem Buch nicht angegeben, aber ich kann es mir schon denken. Für mich hat das jedenfalls einen merkwürdigen Beigeschmack, der einen gezielten Auftrag, von Deutschland ausgehend, wahrscheinlich macht und zwar meines Erachtens ohne Wissen des Fürsten. Wieso ich die Spur von Anfang an nach Deutschland vermute, werde ich noch in den folgenden Teilen erläutern. Bleiben wir aber erst einmal bei Heinrich Kiebers Erzählungen.

Am 07. Januar 2003 machte er sich auf den Weg nach München (Camp Nikolaus lässt grüßen), um von dort weiter nach Berlin mit dem Zug zu fahren. Vorher hatte er noch Hans-Adam seine Nöte und seine Forderung, die Strafverfolgung gegen Roegele und Co weiterzuführen zusammen mit seinem Wissen über die hohen Finanzherren aus der LGT schriftlich mitgeteilt.

Zudem forderte Kieber aufgrund seines internationalen Haftbefehls zwei Pässe. Der Fürst kann nämlich selber Liechtensteiner Pässe drucken, unabhängig von der Regierung. Er hat das absolute Recht, Ausländern jederzeit per Dekret die Liechtensteiner Staatsbürgerschaft zu verleihen. Oder nach seiner Wahl Liechtensteiner Diplomatenpässe zu verteilen. Diese sollten über Kurier an die LGT in Frankfurt bis zum 13.01.2003 übermittelt werden. In Berlin bezog er kurz darauf ein kleines, möbliertes Zimmer an der Ansbacherstrasse, Ecke Geisbergstraße.

Unterdessen wurde auf Weisung von Fürst Hand-Adam am 09.01.2003 die Kriegskommandozentrale (KKZ) errichtet, die alle erdenklichen Mittel und Vollmachten erhielt. Das Oberkommando hatten federführend Hans-Adam und dessen Sohn Erbprinz Alois. Zum weiteren Personenkreis gehörte Regierungschef Otmar Hasler, die Außen- und Justizministerin Rita Kieber-Beck, der Kripochef Jules Hoch, die Staatsanwälte Dr. Robert Wallner, Haun und Willi sowie die Führung der LGT Bank und der LGT Treuhand. Später stieß auch der österreichische Profiler Dr. Thomas Müller hinzu.

Am 14.01.2003 zog Kieber abermals innerhalb Berlin in ein möbliertes Zimmer um. Die Übergabe der Ausweise sollte am 14.01.2003 erfolgen, scheiterte jedoch daran, dass Kieber nicht wie ihm geheißen, mit dem Auto nach Liechtenstein gebracht werden wollte und floh.

Am 23.01.2003 wandte sich Hans-Adam an Interpol mit dem Hinweis, einen schwerbewaffneten, geistesgestörten und gemeingefährlichen Täter auf der Flucht in Berlin zu fassen.

Am 29.01.2003 übergab Kieber schließlich vier Datenträger mit einem kleinen Teil der Daten aus der LGT.

Am 03.02.2003 fuhr Kieber nach Münster weiter und quartierte sich dort ein.

Am 13.02.2003 ging es weiter Richtung Amsterdam in ein B&B in Monnikendam.

Am 26.02.2003 fällte das Gericht in Vaduz zugunsten des Helmut Roegele einen Vollstreckbarkeitsbeschluss, um das Vermögen von Kieber so zu entsperren und Roegele zur Verfügung zu stellen.

Anfang März 2003 kam noch ein anderes Problem auf den Fürsten zu.

Roland Lampert kündigte im Februar 2003 aus heiterem Himmel seine Stelle bei der Liechtensteiner Landesbank (LLB) und begab sich auf Erpressertour, ebenfalls mit gestohlenen Daten. Auch hier wurde Thomas Müller eingebunden.

Lampert war 25 Jahre lang Angestellter der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) und hatte es zuletzt bis zum Vermögensverwalter gebracht. Im Juni 2000 begann er, streng geheime Verzeichnisse über Kunden mit allen Daten auszudrucken, insgesamt 2325 Kopien. Das Delikate an der Sache – aus diesen Verzeichnissen gingen nicht nur die Stiftungen und Tarnkonten hervor, sondern auch die richtigen Adressen und Namen der Eigentümer, einschließlich der von Jürgen Möllemann und seiner CURL AG Stiftung. Als schließlich bei der Innenrevision der Bank Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, bei denen kleinere Geldbeträge abhandengekommen waren, geriet auch Roland Lampert ins Visier der Bank und wurde zur Rede gestellt. Das war der Augenblick der Erpressung, denn am 11.03.2003 stellte er seine ersten Forderungen. Zum Beweis legt er ein paar Ausdrucke vor. Er forderte den Erlass seiner Hypothek, einen externen Beratervertrag und 700.000 Franken in bar. Die LLB, der zu diesem Zeitpunkt Diskretion wichtiger als strafrechtliche Verfolgung war, stieg auf das Angebot ein, übergab zunächst 100.000 CHF und sicherte ihm lebenslange Rente zu.

Davon ermutigt, begann Lampert weitere Forderungen zu stellen. Diesmal sollen es 11,6 Millionen Euro sein für die Herausgabe der Ausdrucke. Das war dann der Bank doch zu viel und so alarmierten sie die Polizei, nachdem sie Lampert zunächst das Zugeständnis machten und ihn am 08. Mai zur vorgeblichen Geldübergabe in ein Restaurant lockten. Dort klickten für ihn die Handschellen. Die Geschichte ist damit noch lange nicht zu Ende, denn während seiner Haft in Österreich lernt er einen gewissen Thomas Freitag, einen Schwerstkriminellen der Sparte Organisierte Kriminalität aus Rostock kennen und verrät ihm offensichtlich das Versteck der Ausdrucke. Kaum aus der Haft, begab sich Freitag zusammen drei weiteren Kumpanen auf Erpressertour quer durch Deutschland und schaffte es tatsächlich, von der LLB insgesamt 9 Millionen Euro zu erpressen. Als er dann in seiner grenzenlosen Dummheit versuchte, über seine Mutter bei der Commerzbank über eine Millionen Euro bar einzuzahlen zur weiteren Überweisung nach Phuket, Thailand, wurde er am 15. November 2007 am Flughafen verhaftet. Als Handgepäck hatte er einen Koffer mit 450.000 Euro dabei. Allerdings blieben ein Teil der Ausdrucke nach wie vor verschwunden. Erst im Mai 2008 tauchten dann auch die fehlenden Belege bei der LLB auf. Bis heute schweigt sich die LLB über die Herkunft und Absender dieser fehlenden Belege aus.

Während also der Erpressungszug von Roland Lampert lief, wurde am 10.03.2003 der Einspruch von Kieber gegen die Einstellung des Strafverfahrens in der Folter- und Entführungsangelegenheit in einer nicht-öffentlichen Sitzung vom Gericht einstimmig abgelehnt. Kieber befand sich da schon in Holland, Monnikendam.

Gleichzeitig wurde beschlossen, das Ehepaar Helmut Roegele und Salud Hidalgo als Zeugen der STA einzuladen. Hans-Adam wurde wunschgemäß über diese Beschlüsse informiert und er ordnete an, diese unter Verschluss zu halten, so dass weder Kiebers RA noch er selbst davon erfahren würden. Dies begründetet Hans-Adam in einer kurzen mündlichen Stellungnahme damit, dass man zum Wohle Liechtenstein nichts riskieren dürfte, was die komplizierten Gespräche mit Kieber im Ausland stören könnten.

Er befürchtete, dass Kieber explodieren könnte, sollte er insbesondere vom Umstand erfahren, dass die STA Helmut Roegele & Co. einladen würde.

Am 12.05.2003 kam es in Amsterdam zu einem Treffen zwischen Kieber und Thomas Müller. Nach weiteren Verhandlungen um die gestohlenen Datenbänder einigte man sich darauf, dass Kieber den Rechtsanwalt, Dr. Wolfgang Müller von der Kanzlei Müller & Partner in Schaan/FL bekommen sollte. Diese Kanzlei hatte Internationale Verbindungen auch nach Spanien und Deutschland, dort wo ja einige der Täter aus Argentinien wohnen würden, so schilderte es Kieber.

Kieber war bekannt dass diese Kanzlei prominent den Treuhänder Dr. Dr. Batliner im Prozess bei den Schadensersatzforderungen von Dr. Paul Schockemöhle aus Deutschland vertritt.

Nachdem man ihm zusicherte, sich wieder seiner Sache gegen Roegele über Dr. Wolfgang Müller anzunehmen, der im Übrigen von Hans-Adam bezahlt wurde, kehrte Kieber im Juli 2003 wieder nach Liechtenstein zurück. Dass er entgegen seiner Zusicherung, alle Daten zu übergeben, weiterhin eine Kopie des Masterbands behielt, verschwieg er zu diesem Zeitpunkt lieber.

Im Juli 2003 wurde für Kieber durch die Bank des Fürst von Liechtenstein, die Hans-Adams LGT Bank, ein 1-Zimmer-Appartement in ‚Vaduz angemietet.

Am 16.07.2003 erfuhr Kieber eher durch Zufall über ein Inserat der Liechtensteiner Zeitung, dass hinter seinem Rücken bereits seit 26.02.2003 ein Beschluss zugunsten Roegele zur Zustellung vorliege, da die reguläre Anschrift von Kieber unbekannt und sein damaliger Rechtsanwalt Hirn nicht mehr zuständig sei.

Am 31.07.2003 erhob die Staatsanwaltschaft in Liechtenstein entgegen der Zusagen von Hans-Adam und der bis dahin bei der Verhandlung involvierten Personen gegen Kieber Anklage wegen schwerer Nötigung und weiterer Delikte, die im Zusammenhang mit seinem Brief an den Landesfürsten und dem Datenklau bei der LGT standen. Am schlimmsten aus seiner Sicht war jedoch, dass die Anklageschrift genau von dem Staatsanwalt Haun verfasst wurde, gegen den sich die Beschwerde von Kieber gerichtet hatte.

Zu allem Überfluss soll auch der Richter Oehri den Fall verhandeln. Zunächst einmal schien die Intervention von Kieber bei Hans-Adam wegen Befangenheit des Richters Oehri auch Erfolg zu haben. Der Gerichtspräsident Max Bizozzero beauftragte Oehri, gegen sich selbst einen Befangenheitsantrag zu stellen, obwohl er Kraft seines Amtes ohne Angaben von Gründen einen anderen Richter hätte einsetzen können.

Am 09.09.2003 erhielt Kieber – so seine Darstellung – einen anonymen Brief, in dem stand, dass er hereingelegt wurde, in seinem Appartement abgehört wird und auf keinen Fall sich auf den Kuhhandel mit der Justiz einlassen sollte.

Am 21.10.2003 kam es unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Verhandlung. Nachdem sich Kieber gemäß der Ratschläge seines Anwalts Müller, des Bankdirektors und des Fürsten schuldig bekannt hatte, indem er während den für ihn vorbereiteten Zettel vorlas, lies sich der Richter den Zettel mit den vorgegebenen Instruktionen vorzeigen. Danach wurde das Urteil gefällt; Kieber erhielt wegen schwerer Nötigung, Betrug und Diebstahl eine vierjährige Haftstrafe.

Ihm wurden die Prozesskosten in Höhe von 30.000 CHF auferlegt. Damit stand fest, dass Kieber unter falschen Vorwänden nach Liechtenstein gelockt und auch dahingehend hereingelegt wurde, dass er im Falle seiner Verurteilung keinerlei Gefängnisstrafe befürchten müsse, sondern mit einer Bewährungsstrafe davonkommen würde.

Am 24.11.2003 ging RA Müller mit zwei Schreiben von Hans-Adam und Prof. Dr. Thomas Müller in Berufung. Hans-Adam hatte auf Wunsch von RA Müller und Kieber in einem Brief dargestellt, sich weder genötigt noch bedroht gefühlt zu haben und Thomas Müller schrieb bezugnehmend auf die von Kieber verfasste Denkschrift zum Workplace Violence und entsprechenden Vorschlägen zur Deeskalation, dass durch Kieber aus psychologischer Sicht wertvolle Beiträge zur Behandlung zukünftiger Verbrechen geleistet worden sind.

Ende Dezember 2003 wurde das Strafverfahren gegen Roegele und Co in Sachen Argentinien ebenfalls eingestellt.

Damit wurde keine einzige Forderung von Kieber erfüllt.

Am 07.01.2004 fand das Berufungsverfahren statt. Im Berufungsverfahren erhielt Kieber eine einjährige Haftstrafe, die auf Bewährung von drei Jahren ausgesetzt wurde. Die Prozess- sowie Anwaltskosten für Kieber wurden der Landeskasse auferlegt.

Mittlerweile fand Kieber am 17.04.2004 heraus, dass tatsächlich seine Wohnung und sein Handy abgehört wurden. Immerhin wurde am 12.07.2004 der spanische Haftbefehl wegen der Immobiliengeschichte mit Roegele aufgehoben.

Andererseits wurde ihm aber auch eröffnet, so bald wie möglich das Land Liechtenstein für längere Zeit zu verlassen.

Am 09.07.2005 schickte Kieber sowohl an die Staatsanwaltschaft Liechtenstein als auch an die Liechtensteiner Regierung einen Auszug von kriminellen Stiftungen und Briefkastenfirmen anonym zu.

Am 05.11.2005 wurde Kieber, der sich inzwischen in Zurück niedergelassen hatte, nach Liechtenstein beordert, wo er aber am besagten Treffpunkt der LGT keinen antraf. Stattdessen erhielt er von Thomas Müller erneut eine Nachricht, am 17.11.2005 zu einem Treffpunkt am Hauptbahnhof in Zürich zu kommen. Dort erfuhr er dann auch von den Listen, die vor einigen Monaten anonym Liechtenstein zugesandt wurde. Allerdings gab es hierzu keine weiteren Ermittlungsverfahren, man ignorierte die Listen – so erfuhr Kieber von Müller – und ginge weiter dem normalen Tagesgeschäften nach.

Mit einer neuen Identität wandte sich Kieber an eine „unabhängige“ Gruppe von Menschen, die wegen der Korruption und Verlogenheit des Fürstentums Liechtensteins vorgehen wollte, und übermittelte ihnen eine Liste mit 10 Briefkastenfirmen, deren Praktiken wohl dokumentiert dargestellt wurde ohne einen Hinweis auf die LGT zu geben.

Es kam zu insgesamt drei Treffen mit den zuständigen Geschäftsführern dieser Gruppe.

Beim letzten Treffen, das am Hauptsitz der SWISSAIR stattfand, waren auch drei Vertreter eines Verlages dabei.

Am 01.12.2005 flog Kieber nach Südafrika in der Nähe von Kapstadt und kehrte am 01.02.2006 wieder nach Zürich zurück.

Dort traf er erneut am 15.03.2006 auf Thomas Müller. In Liechtenstein ging alles seinen gewohnten Gang, die LGT war kein Thema mehr, allerdings gäbe es immer noch größeren Aufruhr im Fall der LLB und Lampert.

Am 14.02.2008 platzte die Bombe in Deutschland durch die öffentliche Verhaftung von Klaus Zumwinkel. Letztendlich hatte sich Kieber dann an den BND gewandt und die Daten aus der LGT übergeben. Der Kontakt kam über Email in Südafrika zustande. Es folgten immer wieder Treffen zwischen Kieber, der nun den Decknamen David trug und einem Paar vom BND (er nannte sie Schiller). Über den BND bekam Kieber auch Kontakt zu den zuständigen Behörden der Steuerfahndung. Im Juli 2008 wurde auch in den USA ein öffentliches Hearing zur LGT anberaumt. Chefermittler war R. Roach begleitet von den Senatoren Norm Colemann und Carl Levin Der Zufall wollte es, dass die Schweizer UBS auch in diese Hearing miteinbezogen wurde, da es den US-Ermittlern im Frühjahr 2008 gelang, einen in den USA angeklagten Mitarbeiter der UBS, Hrn. Bradley Birkenfeld zur Kooperation „zu überreden‚ und der Ausschuss sogar den Chef der Internationalen Privatbankabteilung der UBS, Hrn. Martin Liechti vorladen konnte. Dieser konnte die USA im April 2008 aufgrund einer richterlichen Anordnung nicht mehr verlassen. Der Finanzchef des Bereichs Global Wealth Management & Business Banking (der UBS), Hr. Mark Branson wurde auch vorgeladen und erschien auch.

Am Rande der Geschichte sei noch folgender Auszug aus dem Buch von Heinrich Kieber erwähnt: „Egal ob es sich um die armen Reisfarmer aus Indien oder anderswo handelt, die sich um ihr jahrhundertealtes Recht, Samen einer bestimmten Reissorte zu züchten, betrogen fühlen. Hans-Adams weltumspannendes Reisimperium hatte dank seiner Geldmacht im Stillen diverses Saatgut von weltweit verbreiteten Reissorten patentieren lassen, sodass die Bauern nun keine Samen für die nächste Ernte selber herstellen, bzw. zurückbehalten dürfen und gezwungen werden, das Saatgut bei seiner Firma (RICETEC, mit Hauptsitz in Texas, USA) zu kaufen. Also für etwas bezahlen, was ihnen über Jahrhunderte gratis zur Verfügung stand. Seit Jahren versuchen schwach ausgestattete NGO aus Drittweltländern das Quasimonopol von Hans-Adam zu brechen. Ihr Argument könnte einfacher und richtiger nicht sein: Wie kam es, dass was bisher allen Reisbauern gemeinsam gehörte, auf einmal einer Reisfirma alleine gehört? Leider bisher erfolglos. Ricetec ist zu mächtig. Hans-Adams Kommentar dazu: „Mir wurde gesagt, dass die NGO’s am Rande der Illegalität arbeiten.““

So, das waren erst einmal die eigenen Darstellung des Herrn Kieber.
Warum ich glaube, dass es hinter dieser Geschichte noch eine ganz andere Geschichte gibt, wird in Teil 3 offenbart, wenn es um die alten Kameraden der Organisation Gehlen aus Nazi-Deutschland geht.

Weiter mit Teil 3

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