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Wie verquickt man zwei Operationen miteinander oder was war zuerst da – Henne oder Ei?

Im Mittelpunkt dieser Affäre stehen zwei Operationen – Operation „Hades“, der eigentliche Plutoniumschmuggel und die Operation „Remolacha“, bei der mehrere Hundert Kilogramm Kokain (teilweise wird von 2.000 Kilogramm gesprochen) von Kolumbien nach München geschmuggelt werden sollten.

Anlässlich der geplanten Operation „Remolacha“ traf sich am 05.08.1993 der BKA-V-Mann Roberto Rauschberg alias Karsten Uwe Schnell mit seinen Verbindungsführern aus dem BND, Sibylla Janko und Peter Fischer-Hollweg (Residenturleiter in Madrid), um ihnen das Angebot für einen fingierten Drogenschmuggel zu unterbreiten, an dessen Ende der erfolgreiche Aufgriff der vorgeblichen Schmuggler am Münchner Flughafen stehen sollte.

Offensichtlich sollte vor allem das bayerische LKA (BLKA) im so genannten Kampf gegen die Drogen von dieser Operation profitieren. Deswegen kam es am 14.09.1993 zu einem weiteren Treffen mit zwei LKA-Beamten, denen über Roberto der Kontaktmann „Rafa“ (Rafael Ferreras Fernandez) vermittelt wurde.

Rafa soll ein ehemaliger Beamter der spanischen Polizei im Rauschgiftdezernat gewesen sein. Währenddessen sorgte V-Mann Roberto dafür, dass auch sein Freund „Rafa“ nachrichtendienstliche Quelle für den BND angeworben wurde.

Am 03. Juli 1994 flog „Rafa“ nach München, um die weitere Vorgehensweise zur Operation „Remolancha“ mit jeweils zwei BND- und LKA-Beamten zu besprechen. Das Gespräch fand am 04.07.1994 zwischen den BND-Mitarbeitern Sybilla Janko und einem gewissen Mathias Hochfeld auf der einen Seite und den BLKA-Beamten KHK Eckmüller und EKHK Mayr aus dem Rauschgiftdezernat auf der anderen Seite statt.

Während des Gespräches zur Drogenoperation schlug Rafa wie beiläufig auch die Möglichkeit eines Schmuggels von Plutonium aus Osteuropa nach Deutschland vor, was dem BND besonders zugutekommen würde, nachdem der erste Versuch eines Gesetzes zur Erweiterung der Kompetenzen des BND zur Aufklärung von Nuklearverbrechen im Juni 1994 an dem erbitterten Widerstand der FDP gescheitert war.

Zuvor hatte der V-Mann Roberto bereits gegenüber dem BKA ein ähnliches Angebot zum Plutoniumschmuggel unterbreitet, während die Verhandlungen zum Gesetzesentwurf noch liefen. Hierzu schreibt der FOCUS („BND und LKA waren naiv“ vom 28.10.1996), dass Roberto den Kontakt zu Plutoniumanbietern am 18.03.1994 an das BKA gemeldet hätte. Er hatte danach offensichtlich in Madrid ein Treffen mit den Plutoniumanbietern und dem BKA berichtet, dass sich das Plutonium noch in Russland befinden würde. Daraufhin habe das BKA Roberto angewiesen, in dieser Sache nichts mehr weiter zu unternehmen, um eine Einfuhr nach Deutschland nicht zu fördern.

Nach dem vorläufigen Entwurf der Gesetzesvorlage sollte dem BND die Möglichkeit gegeben werden, nukleares Material aus dem Ausland zur Informationsgewinnung nach Deutschland einzuführen. Genau genommen sah der Entwurf vor: „Nach interner Abstimmung zwischen Kanzleramt und Justizministerium übersandte Justizstaatssekretär Ingo Kober Staatsminister Schmidbauer Mitte April „Formulierungshilfen“ zu dem Entwurf, über den sich die beteiligten Ressorts praktisch einig waren. Danach sollte der BND neben anderen Behörden „im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeit bei der Einfuhr oder sonstigen Verbringung radioaktiver Stoffe in das Inland sowie bei der Beförderung radioaktiver Stoffe oder deren Aufbewahrung oder Lagerung bis zu einem Zeitraum von vier Tagen“ vom bisherigen „Erfordernis einer Genehmigung oder Anzeige“ befreit werden. Schmidbauers rechte Hand, Abteilungsleiter Professor Rudolf Dolzer, erläuterte im Frühjahr 94 den beteiligten Ressorts schriftlich, der Bundeskanzler sei über die gesetzgeberischen Bemühungen im Februar 1994 informiert. Wegen der „Eilbedürftigkeit“ sei beabsichtigt, den Entwurf von den Koalitionsfraktionen einbringen zu lassen. Damit würden erforderliche Fristen für das Gesetzgebungsverfahren erheblich verkürzt.“ (Quelle: Die ZEIT, „Die Abgründe der Operation „Hades“ vom 22.12.1995).

Und weiter heißt es in der ZEIT: „.Schließlich war der Pullacher Dienst zu dem Zeitpunkt bereits ein gebranntes Kind. Schon einmal war dem BND, in der Operation „Rosenbaum“ im Jahr davor, ein Zugriff auf Nuklearmaterial in Polen durch Einspruch des Kanzleramts untersagt worden.“

Im Gegensatz zum BKA griff jedoch der BND den Vorschlag von „Rafa“ dankbar auf und rief nun eine Operation „Hades“ ins Leben, bei der auch das BLKA eingebunden werden sollte. Das BKA blieb bei dieser Operation außen vor.

Als Dolmetscher und Betreuer für Rafa wurde ein gewisser Adrian (Willy Weitzel alias Willi Liesmann alias Michael Brandon) eingesetzt.

Interessanterweise hatte der damalige Verwaltungschef des BND, Rainer Keßelring vor einer Zusammenarbeit mit dem LKA gewarnt, weil es gegen das Trennungsgebot zwischen Nachrichtendiensten und Polizeibehörden verstoßen könnte. Dies geht aus einem Vermerk vom 07.07.1994 hervor, den Keßelring anfertigte.

Rafa jedenfalls aktivierte seine Kumpels, den Kolumbianer Justiniano Torres Benitez sowie die Spanier Julio Oroz Eguia und Javier Bengoechea Arratibel, um Kontakte nach Osteuropa für den vorgesehenen Plutoniumschmuggel herzustellen.

Zu dieser illustren Runde gesellte sich auch ein Deutscher, der immer wieder das Gespräch auf Plutonium brachte. Im Juli 1994 verlangte er im Madrider Hotel „Novotel“ eine Plutoniumprobe des Plutoniums 239 (bombenfähiges Nuklearmaterial), die ausschließlich nach München geliefert werden sollte.

Wer war der unbekannte Deutsche, der während den Verhandlungen auf waffenfähiges Plutonium bestand? Könnte es sich hierbei um einen weiteren V-Mann aus dem Umkreis vom BND/BKA/BLKA oder sogar um einen BND-Mitarbeiter handeln? Laut Spiegel vom 24.04.1995 „Die Hand im Feuer“) soll es nach Erkenntnissen von Interpol mit hoher Wahrscheinlichkeit um BKA-Mann Roberto handeln. Dieser Roberto hatte gleichzeitig auch für den BND als V-Mann gearbeitet. In diesem Verwirrspiel mischte auch ein gewisser Manolo Lopez Romero alias „Juan“, ein ehemaliger Freund von Rafa, mit, der bei den genannten Treffen mit diesem unbekannten Deutschen dabei war und der eine Beschreibung für den Deutschen abgab, die ebenfalls auf Roberto zutreffen würde. Romero hätte sich dann aber angeblich mit Rafa und Roberto verkracht und sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Roberto hingegen behauptete, dass Juan der Chef dieser Plutoniumbande gewesen war.

Der Focus berichtete dazu im Artikel „BND und LKA waren naiv“ vom 28.10.1996) folgendes: „Identifiziert wurde der Spanier vom BKA-Verbindungsbeamten in Madrid, Harald Famulla. Der Polizist hatte 1994 ein „Novotel“-Treffen mit spanischen Kollegen observiert und dabei auch Juan alias Lopez Romero beobachtet. Als ihm jetzt Fotos vorgelegt wurden, erkannte er ihn wieder. Für die monatelange Verzögerung bei der Erkennung des Verdächtigen ist nicht das BKA verantwortlich: Die Bundespolizei stellte seit September 1994 allein 16 Anfragen an Interpol Madrid.“

Roberto hat immer bestritten, der besagte Deutsche gewesen zu sein. Er soll Opfer einer Intrige der spanischen Drogenpolizei nach einem Streit gewesen sein. Diese Vermutung teilen auch seine Verbindungsführer aus dem BKA, denn Roberto saß seit Februar 1995 in Spanien wegen des Verdachts auf Kokainhandel in Haft, später wurde er zu einer Gefängnisstrafe von über neun Jahren verurteilt.

Vor dem Bonner Untersuchungsausschuss musste der damalige BND-Präsident Konrad Porzner allerdings einräumen, dass Roberto bereits seit dem Frühjahr 1993 als BND-Quelle geführt wurde und ab diesem Zeitpunkt 5.000 DM monatlich für seine Dienste erhielt.

Insofern hätte es durchaus möglich sein können, dass Roberto der unbekannte Deutsche war und zum Kauf des Plutoniums angestiftet hatte. Fragt sich dann nur, in wessen Auftrag.

Die Untersuchungsausschüsse konnten diese Frage jedenfalls nicht klären.

Es gibt aber noch eine Merkwürdigkeit im Zusammenhang mit dieser Frage, die hier Vollständigkeitshalber aufgeführt wird.

Im Dezember 1993 gab es einen weiteren Fall von Nuklearmaterialschmuggel, der erstaunlicherweise keine große Beachtung in der Presse fand (siehe Abschlussbericht des Bayerischen Landtags Drucksache 13/9583 vom 23.07.1997).

Eine gewisse Aman Acra aus Schwelm will am 15.12.1993 von einer ihr damals noch unbekannten Frau Christa Klein ein Angebot zum Kauf von einer Probe Uran 238 telefonisch und kurz danach per Telefax erhalten haben. Sie wandte sich daraufhin an das Polizeipräsidium Hagen, die wiederum am 22.12.1993 die Kriminalpolizei in Schwelm unterrichtete. Am 03.01.1994 gelangte diese Information an das Bayerische LKA und an die Staatsanwaltschaft in Landshut, weil sich Frau Klein zu diesem Zeitpunkt in Landshut aufhielt. Gleichzeitig erhielt das LKA Rheinland-Pfalz am 23.12.1993 vom LKA Sachsen die Mitteilung, dass bei einer Firma in Görlitz per Telefax zwei Angebote über Uran 238 für insgesamt 350.000 US Dollar eingegangen wäre.

Übermittelt wurde dieses Angebot von einem Johannes Haenen, Angehöriger der Firma European Manager in Plein/Rheinland-Pfalz. Ein Angebot war von einer „C. Klein“ unterschrieben. Darin wurde auch mitgeteilt, dass das Uran in Landshut zur Abholung bereitstünde.

Gegen Haenen wurde von der Staatsanwaltschaft Trier ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und ein verdeckter Ermittler aus Mainz, Leo Zimmer, auf ihn angesetzt.

Haenen wiederum stand mit einem gewissen Glinsky aus Diez/Rheinland-Pfalz in Verbindung, von dem er erfahren hat, dass das Uran aus Russland stamme und jetzt in Landshut bzw. in einer russischen Kaserne in Berlin zwischengelagert sei.

Aus einem Telefonat zwischen diesen beiden am 11./12.01.1994 ging auch der Name „Klein“ hervor, die gute Verbindungen zu den Russen haben soll.

Im Ermittlungsverfahren gegen Frau Klein wurde der verdeckte Ermittler vom Bay. LKA Walter Boeden eingesetzt.

Frau Klein wiederum stand in engem Kontakt mit einem Gustav Illes, der sich später als Mittäter erweisen sollte.

Ende Februar/Anfang März 1994 hat die Staatsanwaltschaft Trier jedoch das Ermittlungsverfahren gegen Haenen wegen Verstoß des KWKG eingestellt, woraufhin der verdeckte Ermittler Zimmer abgezogen wurde.

Am 08.03.1994 hat sich dann Boeden mit Frau Klein auf Vermittlung von Zimmer getroffen und als Kaufinteressent von Uran einführen lassen. Im Verlauf der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der überwiegende Teil des angebotenen Nuklearmaterials in der Tschechei gelagert und an und für sich wertlos war.

Das Material wurde in Zusammenarbeit mit den bayerischen Behörden (Boeden wurde am 16.06.1994 nach Prag geschickt) von der tschechischen Polizei sichergestellt.

Zu einer weiteren Übergabe von 189 Uranpellets kam es dann am 04.07.1994 am Autobahnrasthof Fürholzen. Dabei wurden die slowakischen bzw. tschechischen Anbieter Gustav Illes, Vaclav Havlik, Andrej Gergely, Rene Vitvar, Juray Bily und Dusan Tacovisky festgenommen.

Frau Klein wurde, nachdem sie am 03.08.1994 Walter Boeden Natururan übergeben hatte, am 08.08.1994 festgenommen.

Interessanterweise soll auch nach Aussagen der Angeklagten Boeden die treibende Kraft gewesen sein, das Uran nach Bayern einzuschmuggeln.

Hängt der Landshuter Fall also möglicherweise mit dem Münchner Fall zusammen? Könnte der Deutsche, der die drei Atom-Dealer zum Kauf von Plutonium überredete, auch Walter Boeden gewesen sein?

War nicht doch vielleicht schon beim ersten Treffen am 05.08.1993 bzw. 14.09.1993 zwischen den LKA- und BND-Beamten die Rede von einem Plutonium-Deal? Wie kommt ein Rafa auf die Idee, dem LKA und dem BND am 04.07.1994 ein Plutoniumgeschäft vorzuschlagen, wo es doch die ganze Zeit um eine groß angelegte Kokainlieferung im Rahmen der Operation Remolacha gehen sollte? War möglicherweise der Landshuter Fall ein Legendenaufbau für Walter Boeden, um glaubhaft mit weiteren Nuklear-Dealern verhandeln zu können und als Scheinkäufer aufzutreten?

Zurück zum eigentlichen Deal: Letztendlich fanden sich Waffenhändler aus Moskau, die den Stoff heranschafften und Torres aushändigten. Die Verbindung dazu schien, wie erst viel später bekannt wurde, Manolo Lopez Romero alias „Juan“ gewesen zu sein.

Mit dem Zug fuhren schließlich Oroz und Torres am 11.07.1994 von Moskau nach München und quartierten sich im Hotel Altano in München ein, um auf ihren Käufer zu warten.

Hierzu stellt der Abschlussbericht des Bayerischen Landtags zum Plutoniumschmuggel fest: „Am 19. Juli 1994 hat der BND das BLKA darüber unterrichtet, daß eine Tätergruppe in München Plutonium zum Kauf anbietet. Die BND-Mitarbeiter „Adrian“ und Kulp haben hierzu die BLKA-Beamten Adami und Lautenschlager aufgesucht und den Sachverhalt anhand des Fernschreibens der BND-Residentur in Madrid vom 19. Juli 1997 vorgetragen (so der Zeuge Kulp, Prot. der Sitzung vom 10. Oktober 1996, S. 103, sowie der Zeuge Merker, ebenda, S. 187).“ (Quelle: Abschlussbericht Bayerischer Landtag, Drucksache 13/9583 vom 23.10.1997)

Aus dem Fernschreiben geht hervor, dass der Zeuge Manfred Kulp vom BND am 18.07.1994 mit „Rafa“ gesprochen hätte. Rafa hätte ihm mitgeteilt, dass sich zwei russische Staatsangehörige bis zum 20.07.1994 in München aufhalten und mit 400 Gramm nukleares Material – nach Einschätzung des Zeugen Kulp handelte es sich um Plutonium 239 – bereithalten würden. 71.000 US Dollar sollten ein Gramm kosten.

Eva Mattausch vom BLKA, ebenfalls vor dem Untersuchungsausschuss als Zeugin vorgeladen, gab an, erstmals am 19.07. oder 20.07.1994 mit dem Fall betraut worden zu sein. Ihr wurde in einem Gespräch mitgeteilt, dass der BND Hinweise auf eine Tätergruppe bekommen hätte, die sich in München aufhalten würde und im Begriff wären, Plutonium zum Preis von 71.000 US Dollar pro Gramm zu verkaufen. Ein Teil, nämlich 400 Gramm, wären bereits in München gelagert.

Dass am 19.07.1994 ein Gespräch zwischen BLKA-Beamte und den BND-Mitarbeitern Manfred Kulp und „Adrian“ stattgefunden hatte, wurde auch von Rudolf Lautenschlager und Thomas Adami vom BLKA bestätigt. Ob in dieser Besprechung auch der genaue Lagerort des Plutoniums genannt wurde, daran konnten sich die BLKA-Beamten jedoch nicht mehr erinnern. Tatsache war aber, dass zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt war, dass sich offensichtlich illegales Nuklearmaterial in Deutschland befand.

Rafa reist zusammen mit seiner Frau am 22.07.1994 nach München. Im Hotel Excelsior treffen sich Rafa, Torres und Oroz. Sie verhandeln dort und fahren dann zusammen ins Hotel Altano. Dort übergibt ihm Torres die Probe zur Untersuchung. Es sollen weitere vier Kilogramm beschafft werden.

Hierzu schreibt Die ZEIT vom 22.12.1995, „Die Abgründe der Operation „Hades“: „In einem BND-Vermerk vom 25. Juli 1994 heißt es: „Das Plutonium soll aus Sibirien stammen und im Verlauf von Prüfverfahren in der Ukraine unterschlagen worden sein.“ Auch die Anbieter scheinen dem BND bekannt, handelt es sich doch „um eine ukrainisch/russische Gruppe, die Beziehungen in höchste Regierungskreise der Ukraine haben und über Kontaktlinien zur russischen Botschaft in Madrid und zur spanischen Vertretung in Kiew haben soll“.“

Drei Tage später, also am 25.07.1994, erscheint ein als reicher Kaufmann getarnter LKA-Polizeibeamter namens Walter Boeden, der die Probe analysieren lässt. Im Spiegel „Panik Made in Pullach“ vom 10.04.1995 heißt es dann weiter: „In den Verhandlungen mit den Plutonium-Lieferanten mußte mehr Geld her. Zunächst gab die Hypo-Bank eine Bankbestätigung über 122 Millionen Dollar. Das reichte nicht. In einer kleinen Münchner Kneipe vis-a-vis des Hotels Excelsior einigten sich Boeden und die Plutonium-Beschaffer schließlich für vier Kilogramm Plutonium 239 auf 276 Millionen Dollar – nach damaligem Dollarkurs immerhin 435 Millionen Mark. Überliefert ist noch ein bizarrer Dialog. „Kriegen wir es in bar?“ fragte Oroz. Übersetzer Adrian, der Mann vom BND, klärte auf: „276 Millionen Dollar in Scheinen, das ist doch wohl etwas zuviel Zeug.“ Für Boeden und seine Banker von der Hypo bedeutete der Irrsinns-Betrag kein Problem: „Lieber Herr Boeden“, schrieb das Geldinstitut, „unter Berücksichtigung Ihres Vermögensstandes und Ihres hervorragenden Rufes sind wir bereit, in der Lage und willens, für Ihre Geschäftstransaktionen Zahlungen bis zu einem Betrag von 276 Millionen Dollar zu garantieren.“ Wer bei der Hypo nachfragt, ob der Kaufmann Walter Boeden dort bekannt sei, stößt auf Schweigen. Der Mann, dem das Kreditinstitut 276 Millionen Dollar geben würde, ist den Bankern angeblich kein Begriff. „Diese Briefe können gar nicht echt sein“, erklärte vorletzte Woche ein Sprecher. „Fälschung, Fiktion, Machwerk“. Erst bei der dritten Nachfrage knicken die Hypo-Leute ein: Der 276-Millionen-Dollar-Freibrief sei eine „geheime Aktion“ gewesen, nur einem „inner circle“ bekannt. Als die Hypo-Bank dem Kaufmann Boeden den Freibrief ausstellte, war Torres bereits wieder in Moskau, um das Plutonium zu besorgen. Oroz faxte die Bankbestätigung sofort nach Moskau und rief seinen Kumpel Torres an: „Die 276 sind da . . . Ich war gestern auf der Bank.“ Torres triumphierend: „Jetzt werden sich die Tore öffnen.““ (Quelle: Spiegel „Panik Made in Pullach“ vom 10.04.1995)

Im Abschlussbericht des Bayerischen Landtages heißt es hierzu: „Nach Kontaktaufnahme mit der Tätergruppe fand am Abend des 25.07.1994 das erste Treffen des nicht offen ermittelnden Polizeibeamten des Bayer. Landeskriminalamts „[Walter] Boeden“ in Begleitung des BND-Mitarbeiters „Adrian“, mit der V-Person des BND „Rafa“ und den Tätern im Straßencafé des Hotels „Excelsior“ statt. Dieses Treffen wurde mittels technischer Aufzeichnung auf Tonträger aufgenommen. Hierfür lag eine vorläufige Anordnung der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht München I zur technischen Aufzeichnung des nichtöffentlich gesprochenen Wortes gem. § 100 c StPO vor. Gegen 19.30 Uhr verlagerte sich das Treffen in das Hotelzimmer der V-Person „Rafa“. Dort wurde von den Tätern die Plutoniumprobe übergeben. Das Gespräch über das Plutoniumangebot der Täter wurde fortgesetzt. Die Gespräche mit den Tätern im Hotelzimmer wurden zum Schutz der eingesetzten Kräfte gemäß Art. 34 Abs. 3 PAG (Personenschutzsender) aufgezeichnet. Zur Erlangung von Erkenntnissen zur Lokalisierung des Lagerorts des Plutoniums stellte das BLKA am 28.07.1994 beim Amtsgericht München den Antrag auf den Einsatz technischer Mittel in Wohnungen gemäß Art. 30 Abs. 1, Abs. 3 Abs. 5, Art. 33 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2, Abs. 3 und Art. 34 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Bayer. Polizeiaufgabengesetz (Hotel Altano). Mit Beschluß vom 28.07.1994 hat das Amtsgericht München den beantragten Beschluß für das Zimmer 705 des Hotels „Altano“ erlassen. Am 01.08.1994 wurde vom BLKA erneut der Einsatz technischer Mittel in Wohnungen beantragt (Zimmer 542 und 543 des Hotels Excelsior). Am gleichen Tag wurde vom Amtsgericht München ein entsprechender Beschluß erlassen. Die Aufzeichnung von technischen Maßnahmen erfolgte jedoch nicht, da die Zimmer von den Tätern nicht betreten wurden.“ (Quelle: Abschlussbericht Bayerischer Landtag, Drucksache 13/9583 vom 23.10.1997)

Während also Rafa mit den Plutoniumschmugglern am 01.08.1994 weiter verhandelte, liefen im LKA die Vorbereitungen für die zum 04. Oktober 1994 geplante Rauschgiftlieferung, bei der Rafa im Erfolgsfall eine Belohnung von 500.000 DM erhalten sollte.

Am 04.08.1994 stimmte LKA-Präsident Hermann Ziegenaus dem geplanten Kokainschmuggel nach Bayern zu. BND-Präsident Porzner war bereits vier Wochen zuvor umfänglich darüber unterrichtet worden.

Die Staatsanwaltschaft in Landshut, in Person Oberstaatsanwalt Robert Mader, war ebenfalls eingeweiht worden, weil der geplante Kokainschmuggel im Münchner Flughafen bei Erding auffliegen sollte.

Am 10.08.1994 schnappte schließlich für Torres die Falle auf dem Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen zu. Mit 363,4 Gramm Plutonium im Koffer wurde er verhaftet. Rafa, der auf seine 300.000 DM Prämie bestand, wurde mit knapp 100.000 DM vom BND abgespeist, was schließlich dazu führte, dass Rafa nicht nur über die „wahren“ Hintergründe der Operation „Hades“, sondern darüber hinaus auch über den geplanten Kokainschmuggel plauderte, der am 04. Oktober 1994 hätte stattfinden sollen, aber dann natürlich ins Wasser fiel .

Die Frage wäre demnach, wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei?
Wurde der BND gezielt auf eine fingierte Aktion hingeführt, möglicherweise durch den CIA im Hintergrund oder versuchte der BND tatsächlich in Eigenregie ein neues Tätigkeitsfeld zu schaffen und brauchte dafür als Vorwand den Plutoniumschmuggel?

Vor der Verhaftung der drei Plutoniumschmuggler aus München gab es im Mai 1994 in einer Garage des völlig überschuldeten Geschäftsmanns Adolf Jaekle im badischen Tengen-Wiechs bei Konstanz einen verdächtigen Fund, der sich bei weiteren Untersuchungen durch das Europäische Institut für Transurane in Karlsruhe als sechs Gramm Plutonium 239 herausstellte. Das war der erste Fall von atomwaffenfähigem Nuklearmaterial auf dem Schwarzmarkt. Hierzu schreibt der Spiegel weiter: „Die amerikanische Bundespolizei FBI läßt sich über die Entwicklung des Falles regelmäßig unterrichten. Schweizer Ämter sind eingeschaltet. Ein Großaufgebot deutscher Sicherheitsbehörden ist aktiv: Landeskriminalämter (LKA), das Bundeskriminalamt (BKA), und selbstverständlich ermittelt auch der Bundesnachrichtendienst (BND). Koordiniert wird die Aktion von einem jungen Staatsanwalt, Götz Walter, 38, aus Konstanz. Aufwendige Analysen des Stoffes lassen keinen Zweifel, daß das Teufelszeug aus einer russischen Atombombenfabrik stammt.“ (Quelle: Spiegel „Fund 13: Alarmstufe Rot“ vom 18.07.1994)

Mal abgesehen davon, dass das Erscheinungsdatum dieses Artikels eine auffällige zeitliche Nähe zu den ersten Gesprächen zwischen BND und BLKA zur „Operation Hades“ aufweist, stelle ich weiterhin fest, dass der BKA-V-Mann Roberto Rauschberg bereits am 18. März 1994 dem BKA von einem geplanten Plutoniumdeal berichtete. Daneben wurde offensichtlich das FBI regelmäßig von den Ermittlungsergebnissen unterrichtet.

Über die Herkunft des bei Konstanz gefundenen Plutoniums spekulieren Fachleute der EURATOM, dass dieses Pulver aus einer Gaszentrifugen-Anlage der ehemaligen Sowjetunion stammen könnte. In Betracht gezogen wurden das Chemiekombinat Majak in Oscharsk, das Chemiekombinat in Sewersk oder das Kombinat für Bergbau und Chemiie in Schelenogorsk.

Der Spiegel schreibt hierzu weiter: „Bonns Politiker sind besorgt. So soll Helmut Kohl dem russischen Präsidenten Boris Jelzin das Plutonium-Gutachten über den Fund im Badischen auf dem G7-Gipfel in Neapel vorgelegt haben. Kohls Staatsminister Bernd Schmidbauer sprach Ende voriger Woche von Sicherheitsdefiziten, die „Anlaß zu höchster Sorge“ seien.“ (Quelle: Spiegel „Fund 13: Alarmstufe Rot“ vom 18.07.1994)

Und die Zeit stellt später bei ihrer Bewertung zum Auftritt des damaligen Geheimdienstkoordinators Bernd Schmidbauer vor dem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages fest: „Eher noch schlimmer fiel der Auftritt Schmidbauers aus. Trotz des kurz zuvor an Jelzin abgeschickten Briefes will er den Kanzler über den Münchner Vorfall nur „in allgemeiner Form“ informiert haben. Über einen Fall mit denkbar katastrophalen Folgen? Das klingt entweder unglaubwürdig, oder es zeugt von mangelnder Professionalität. So oder so hätte sich der Geheimdienstkoordinator disqualifiziert. Das gilt auch für seine mehr als zweistündigen Erklärungen, erkennbar in der Absicht vorgetragen, aufmerksames Folgen zu erschweren.“ (Quelle: Zeit „Am Plutonium verbrannt“ vom 26.01.1996)

Wie kamen die Kripobeamten eigentlich auf den Fund in der Garage eines Adolf Jaekle?

Am 10. Mai wurde er auf dem Stuttgarter Flughafen verhaftet. Er soll Dollar-Blüten im Wert von 1 Millionen DM nach Marseille gebracht und in Dijon für 250.000 DM verkauft haben. Ein V-Mann vom BLKA alias „Rikker“ war bei dieser Transaktion dabei. Die Beamten durchsuchten daraufhin sein Haus und fanden in der Garage dieses merkwürdige Behältnis, in dem mit Plutonium 293 angereichertes Pulver aufbewahrt wurde.

Aus Jaekles Tagebuchnotizen ging weiterhin hervor, dass er Waffenlieferungen auf den Balkan (Bosnien und Kroatien) plane, darunter 2.000 AK-47, 2.000 Schussmunition, 300 x 120 mm Abwehrraketen RPG-7.

Erstaunlicherweise kam er dann in Untersuchungshaft nach München-Erding. Wieso eigentlich nicht nach Stuttgart oder wenn schon München, warum dann nicht nach Stadelheim?

Viel später gab Adolf Jaekle selbst ein Buch heraus. Es trägt den Titel „Plutonium Fund 13: Strahlende Gier“ und erschien im November 2009 beim Verlag „Books on Demand“. Leider ist das Buch nicht mehr verfügbar, aber wer es zufälligerweise haben sollte, kann mich ja kontaktieren.

Kein Wunder also, dass die Amerikaner ein dringendes Interesse an diesem Ermittlungsverlauf hatten. Am 18. März 1994 hatten gerade Vertreter von Bosnien-Herzegowina und Kroatien in Washington einen Föderationsvertrag unterschrieben.

Ferner muss man für den Hintergrund wissen, dass es im September 1993 in Russland zur Verfassungskrise kam, bei der sich das russische Parlament geweigert hatte, den im Juli vorgelegten Verfassungsentwurf anzunehmen. Daraufhin löste Boris Jelzin verfassungswidrig das Parlament einfach auf und kündigte für den 12. Dezember 1993 Neuwahlen an. Daraufhin wurde gegen Jelzin ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Vizepräsident Alexander Ruzkoi wurde zum Präsidenten verfassungsgemäß vereidigt und ernannte als Gegenregierung gleich einen eigenen Verteidigungsminister. Am 28. September begannen die Anti-Jelzin-Demonstrationen in Moskau und erreichten am 02. Oktober 1993 ihren Höhepunkt. Es fehlte nicht mehr viel zum russischen Bürgerkrieg. Am 03. Oktober 1993 kam es schließlich zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Jelzin-Armee und den Rutzkoi-Verbündeten, als Rutzkoi versuchte, das Fernsehstudio Ostankino zu besetzen. Die Kämpfe dauerten 10 Tage und es gab dabei viele Tote, aber Jelzin behielt die Oberhand. Neben zahlreichen westlichen Staaten aus Europa hielt auch Helmut Kohl Boris Jelzin die Stange. Im Dezember stimmte schließlich die russische Bevölkerung für die Verfassung und das Amt des Vizepräsidenten wurde abgeschafft. Bei den Parlamentswahlen errangen die Gegner von Jelzin jedoch wieder die Mehrheit und am 26. Februar 1994 wurde gegen den heftigen Protest von Jelzin eine Generalamnestie der Putschisten von 1991 und der Gegner aus dem Lager Rutzkoi beschlossen.

Unter der Regierung von Boris Jelzin begann nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auch der Ausverkauf der russischen Nation durch die Oligarchen. Eine umfassende Unterstützung aus dem westlichen Ausland und der Mafia war ihnen gewiss.

Hier nahmen auch die Clearstream- und Yukosskandale ihren Anfang. Da gibt es nämlich auch noch einige Anmerkungen zu machen.

Innerhalb der Finanzgruppe Menatep hatten die Yukos-Eigener ihren Besitz organisiert.

Bei Yukos handelt es sich um das russische Ölkonglomerat von Chodorkovsky, der mittlerweile seine 10-jährige Arbeitslagerstrafe hinter sich gebracht hat.

Jedenfalls war der Architekt für dieses Firmengeflecht unter der Menatep-Holding ein gewisser Stephan Curtis, eigentlich ein Rechtsanwalt, der für die russischen Oligarchen im Auftrag der Amerikaner dieses Geflecht ausbaldowert hatte, um so das aus Russland abgepumpte Öl zu Dumpingpreisen an die zahlreichen Shell Companies (Mantelgesellschaften) über weltweit angelegte Offhore-Konten in diversen Steuerparadiesen zu verhökern. In Grunde handelte es sich um Tarnfirmen, hinter denen wiederum die Menatep mit der Yukos stand. So hatten sie den russischen Staat um mehrere Milliarden Dollar Steuer beschissen und verkauften schließlich über diese Tarnfirmen das Öl zu dem marktgängigen Preis an Drittstaaten, um die Gewinne steuerfrei für sich einzustreichen. Die Profite aus dem Ölverkauf wurden so verschleiert, dass sie nirgendwo in den Büchern und Bilanzen der Yukos erschienen.

Soviel also erst einmal zum Grundprinzip dieser Machenschaften.

Chodorkovsky wurde angesichts seines größten Anteils mit der Yukos bei der Menatep zusammen mit seinem Kumpel Platon Lebedew und Leonid Newslin von den Amerikanern umgarnt, die wohl schon darin die größte Chance gewittert hatten, einmal den russischen Öl- und Gasmarkt zu beherrschen, denn Yukos war der größte Ölkonzern in Russland, den Chodorkovsky nach dem Zusammenbruch der UDSSR für gerade mal 9 Mrd. Dollar quasi aus staatlichen Händen erbeutete, nachdem Jelzin dringend Devisen für den Aufbau von Russland benötigte und alles verscherbelte, was damals im staatlichen Besitz war.

Es ist offensichtlich, dass Chodorkovsky von irgendjemand (vermutlich von israelischer und britischer Seite) diese Gelder für den Erwerb des Ölkonzerns bekam. Es dauerte also auch nicht lange, bis Chodorkovsky mit westlichen Aasgeiern geschäftlich verbunden war und sich das Management innerhalb der Menatep-Holding Schritt für Schritt aus Amerikanern zusammensetzte.

Sein Freund Leonid Newslin hatte sich da schon nach Israel abgesetzt. Chodorkovsky war zu der Zeit bereit, zwischen 20 und 40% der Yukos an die amerikanischen Ölfirmen TEXACO und EXXON-Mobile abzutreten, aber das war den Amerikanern nicht genug. Sie wollten diese Anteile zu 100% haben, denn nur so hätten sie den russischen Ölmarkt beherrschen können. Chodorkovsky hatte zu diesem Zeitpunkt noch als Berater für die Carlyle Group von Georg H. Bush fungiert. 2001 gründete Chodorkovsky dann in London die „Open Russia Foundation“ in deren Verwaltungsrat sowohl Henry Kissinger als auch Lord Jacob Rothschild saßen und dann begann ein unheilvoller Plan langsam Gestalt anzunehmen.

Chodorkovsky wollte sich weiterhin Liebkind bei den Amerikanern machen und unterstützte mit Spenden diverse Propaganda-Projekte der Yale University und der Carnegie Foundation. Man überredete Chodorkovsky, dass er einen Vertrag unterschreiben sollte, wonach bei seiner Verhaftung, Entführung, im Todesfall oder bei Verlust eines wichtigen Menatep-Anteils seine Anteile (59,9%) direkt wieder an die Menatep-Holding zurückgeht, die ja mittlerweile ohnehin schon überwiegend mit Amerikanern in den Führungspositionen besetzt war. Vorsichtshalber hat man als Finanzchef der Yukos noch Bruce Misamore und als Finanzkontrolleur den Deutschen Frank Rieger eingesetzt.

Und damit alles perfekt ist, platzierten die Amerikaner Stuart Eizenstat sowie Otto Graf Lambsdorff in die Menatep-Gruppe.

Auf der geostrategischen Landkarte hatte die USA bereits durch bilaterale Wirtschafts- und Militärallianzen Georgien, Moldawien, Armenien, Azerbaijan, Tadschikistan Kirgisien, Usbekistan und die Türkei unter ihre Kontrolle gebracht. Der Kampf gegen den Terrorismus hat es möglich gemacht. Nun mussten weitere Länder wie der Irak, die Ukraine und Afghanistan zur Räson gebracht werden und das löste man bekannter Weise mit Kriege.

Serbien wurde im Übrigen ebenfalls aus diesen Gründen mit Krieg überzogen, um später die Ölförderung und den Transport in die Neue Welt zu gewährleisten und den Weg freizuhalten.

Da waren natürlich die Russen mit ihren Gebietsansprüchen aus der ehemaligen Sowjetunion nur im Weg. Und diejenigen ehemals kommunistisch geführten Länder, die nicht freiwillig mit den Westen kooperieren wollten, wurden eben ausgehungert und mit internen Unruhen so destabilisiert, dass sie nur noch mehr ein Schatten ihrer selbst waren (siehe Balkankrieg).

Yukos selbst war zu diesem Zeitpunkt der größte Ölproduzent Eurasiens. Soweit also zu dem Hintergrund dieser Geschichte, in der auch der BND eine äußerst dubiose und unrühmliche Rolle gespielt haben dürfte.

Im Jahr 2001 hatte bereits ein gewisser Ernest Backes, seines Zeichens ehemaliger Angestellter der Firma Clearstream aus Luxemburg ein Buch veröffentlich, in dem er behauptete, dass die Clearstream in Betrugs- und Geldwäscheaktivitäten verstrickt sei. Dabei erwähnte er zahlreiche Firmen, unter anderem auch die Menatep-Holding. (Quelle: ursprünglich aus Saar-Echo, leider nicht mehr im Netz verfügbar, kurze Einführung gibt es aber noch auf Radio Utopie „Von Clearstream zu Yukos„)

Vielleicht macht es das verständlicher, warum man von westlicher Seite dringend daran interessiert war, Jelzin weiterhin als russischen Präsidenten zu behalten. Da Russland zu diesem Zeitpunkt einem Pulverfass glich, das jederzeit hätte wieder hochgehen können, dachte man sich möglicherweise auch die Gefahr des Plutoniumschmuggel in den Westen seitens russischer Verbrecher aus, die keinerlei Skrupel kannten, Terroristen und Mafia-Clans mit atomwaffenfähigem Nuklearmaterial auszustatten.

Die Propagandamaschine gegen Russland lief nun in vollen Touren – Russland, das Land der schmutzigen Bomben, genau wie später der Irak als gefährlicher Giftgasproduzent diffamiert wurde. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass alle Seiten zu Zeiten des ersten Golfkriegs (Irak gegen Iran) den Irak mit Waffen beliefert hatten (siehe meine Ausführungen zur Atlantik-Brücke). Und nach dem zweiten Golfkrieg dürfte es unter der Hand munter weitergegangen sein mit den Waffenlieferungen, bis der Irak schließlich im Jahr 2003 endgültig platt und Saddam Hussein einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Denkwürdig ist auch die Feststellung des Spiegels in seinem Artikel „Lizenz zum Lügen“ vom 18.12.1995) : „Es paßt ins Bild, daß die Aufsicht über das Referat 11 A ein Mann hat, der von Ehrgeiz zerfressen ist: Rudolf Werner, 61, kam im Februar 1994 aus den USA, wo er die BND-Residentur in Washington geleitet hatte. Er machte sich zeitweise Hoffnungen, BND-Vize zu werden. Und er kam gerade zurecht, als die Vorbereitungen für den Plutoniumdeal anliefen. Die Plutoniumsache paßte haargenau in die politische Landschaft. Schmidbauer hatte im Sommer 1994 auf höchster Ebene eine diplomatische Offensive gegen Moskau geführt. Die Russen, das war das Ziel, sollten der Welt als Plutoniumlieferanten vorgeführt werden. Vor dem Bonner Ausschuß erklärte der V-Mann Rafael Ferreras Fernandez („Rafa“), der den Plutoniumhandel angeschoben hatte, vorletzten Freitag, ein BND-Mann habe offen über den gewünschten positiven Effekt für die Union bei Wahlen gesprochen. Die Plutoniumgefahr war tatsächlich im Herbst vergangenen Jahres das Thema von CDU und CSU. Es gelte, trommelten damals die Regisseure aus CDU und CSU, die Blockade gegen das Verbrechensbekämpfungsgesetz aufzugeben. Weitreichende Kompetenzen für BND, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz waren gefordert. „Bestimmte liberale Tugendwächter“ (CSU-Chef Theo Waigel) sollten mit ihren rechtsstaatlichen Bedenken lieber schweigen.“

Ein weiterer Hinweis darauf, dass dies eine False-Flag-Operation unter Anleitung der CIA gewesen sein könnte, lässt sich möglicherweise auch durch die taz.de vom 06.02.1997 „008 wirft Nebelkerzen“ ableiten. Hier kann man u.a. lesen: „Gute Geheimdienstler verstehen es, Gerüchte zu streuen. Auch Bernd Schmidbauer beherrscht das perfekt. Als der Bonner Geheimdienstkoordinator vor einer Woche im Plutonium-Ausschuß kaum durch kritische Fragen gefordert wurde, verkaufte er den Abgeordneten unwidersprochen einen alten Hut. Russische Geheimdienstler hätten den Plutoniumdeal vom 10. August 1994 vorangetrieben – nicht der BND. Mit „sehr geschickt gemachter Desinformation“ hätte die russische Seite später über Medien ihn und den BND zum Sündenbock gestempelt, ist sich Schmidbauer sicher. „Neueste BND-Erkenntnisse“ würden „Spekulationen bestätigen“, daß einer der verhafteten Täter sogar russischer Geheimdienstgeneral war. Damit erscheine jetzt alles in neuem Licht, beteten das BND- Hausblatt Focus und dpa nach. Als Grundlage diente ein ominöses CIA-Papier, aus dem der Ausschuß nur in geheimer Sitzung Informationen erhielt. Erst die Süddeutsche Zeitung enttarnte die CIA-Quelle als unseriös. Und plötzlich rückte auch Schmidbauer wieder von der Wichtigkeit des Papiers ab. „Nicht wesentlich“ wären die Erkenntnisse, auch ohne die Details „sterben Sie nicht dumm“, sagte er am Dienstag im Plutonium-Ausschuß des Bayerischen Landtags. Kurzum: „Alles Nebelwerferei“, kommentierte Manfred Fleischer, der Ausschuß-Obmann der Grünen. „Damit soll von den eigentlichen Fragen nur abgelenkt werden.“ Selbst der CSU-Ausschußvorsitzende Manfred Weiß relativierte Schmidbauers CIA- Wissen: „Daß da irgendeine Gruppe oder Organisation dahintersteckte, war doch jedem klar.“

Der BND-V-Mann Rafa hatte im Strafverfahren gegen die drei Schmuggler in München zugegeben, dass zwei der festgenommenen Plutoniumdealer beim ukrainischen Geheimdienst im Dienstgrad eines Kommandants bzw. Hauptmanns waren.

Der BND hatte in einem Protokoll vermerkt, dass der damalige Dezernatsleiter des bayrischen LKA, Sommer, es abgelehnt habe, sich mit den russischen Sicherheitsbehörden in Verbindung zu setzen. Der Grund dafür wären seine Vermutungen gewesen, dass die russischen Behörden selbst in diesen Deal verstrickt sein könnten.

Ein BKA-Verbindungsmann wunderte sich wiederum über diese Annahme des BLKA, denn seine Erfahrungen mit russischen Sicherheitsbehörden wären ausnahmslos ausgezeichnet gewesen.

Was also spielte Roberto Rauschberg alias Karsten Uwe Erich Schnell für eine Rolle? War er einfach nur ein Bauernopfer oder steckte mehr dahinter?

Weiter in Teil 2

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