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Roberto und Rafa – das „Dream Team“ mit Herzdame

Karsten Uwe Erich Schnell alias Roberto wurde im Februar 1992 vom BKA als V-Mann angeworben. Zuvor lebte er lange Jahre in Malaga und erregte wegen seiner angeblichen Kenntnisse über eine internationale, vorwiegend in Deutschland operierende Drogenorganisation das Interesse der Strafbehörden. Sein Verbindungsführer aus dem BKA war damals KHK Schleppi. Daneben konnte er sich auch an die in Madrid ansässigen BKA-Verbindungsbeamten Haas und Wittbecker sowie auch Famulla wenden. Sofern diese drei Herren nicht erreichbar waren, vermittelte die ebenfalls seit 1991 in Madrid ansässige BKA-Verbindungsbeamtin Gudrun Stenglein Informationen an den V-Führer Schleppi. Am 13.05.1993 wurde Roberto dann auch vom BND als NDV verpflichtet. Vom U-Ausschuss des Deutschen Bundestages wird vermutet, dass der Kontakt – bewusst oder unbewusst ließ sich nicht klären – über Gudrun Stenglein zustande kam. Roberto wiederum hatte den ominösen Rafa 1994 dem BND zugeführt und als Quelle für die geplante „Operation Hades“ angeboten. Rafa hatte sich seines engen Freundes Jose Fernandez Martinez bedient, um im Hintergrund als Anbieter für waffenfähiges Nuklearmaterial zu fungieren.Im Spiegel-Artikel „Die haben uns heiß gemacht“ vom 01.05.1995) wunderten sich jedenfalls zwei LKA-Beamte, die damals bei dem Treffen mit Rafa am 03.07.1994 dabei waren: „ An diesem Tag erzählte der V-Mann des BND, der Spanier „Rafa“, Rauschgiftspezialisten des bayerischen LKA in München von Kontakten zu Plutonium-Händlern. Zwei BND-Beamte aus der Pullacher Zentrale hörten zu – und waren „kein bißchen überrascht“, so ein LKA-Mann: „Die haben wissend dabeigesessen.“

Komisch bei dieser Sache ist auch, dass so ein „hochkarätiger“ V-Mann wie Rafa von einer jungen, unerfahrenen Mitarbeiterin (Sybilla Janko) in der BND-Residentur, noch dazu im mittleren Dienst, quasi ohne richtige Dienstaufsicht geführt wurde.

Der Focus „Gefährliche Liebschaft“ vom 24.09.1995) weiß hier zu berichten, dass diese Sybilla 1991 oder 1992 von einer gewissen Gudrun Stenglein in der BND-Residentur in Madrid aufgesucht wurde. Gudrun stellte sich ihr als Drogenermittlerin von Interpol vor. Die beiden wurden dicke Freundinnen. Der Focus schreibt hier: „Als 1993 mit „Peter“ ein neuer BND-Resident nach Madrid versetzt wird, sucht der Verbindungen zur Drogenszene. „Sybilla“ arrangiert für ihren Chef ein Mittagessen mit ihrer Busenfreundin. Bei dem Treffen gibt „Gudrun“ dem BND-Residenten einen heißen Tip: „Roberto“ heißt der Mann, wohnt in Malaga und kennt sich in der Drogenszene bestens aus. Was „Gudrun“ verschweigt: „Roberto“ ist ihr Geliebter, und er braucht Geld. Der Deutsche wird beim BND unter der Nummer 77 181 registriert und mit einer monatlichen Pauschale von 2900 Mark entlohnt. Außer dem Bett teilen er und seine Geliebte noch eine weitere Annehmlichkeit: Sie stehen auf der Lohnliste des BKA.“

Roberto ließ ab Oktober 1993 auch immer wieder Hinweise auf internationale Dealer von Atommaterial gegenüber Sybilla fallen; in dieser Sache könne er aber nur mit dem BKA zusammenarbeiten. Aus diesem Grund brachte er dann „Rafa“ ins Spiel, damit der BND seine eigenen Verbindungen zur Atom-Mafia aufbauen könne. Und dann will ausgerechnet auch der amerikanische Geheimdienst CIA Hinweise aus einer Moskauer Quelle bekommen haben, dass von Moskau aus ein Plutonium-Deal nach Deutschland laufe, wobei Torres ein Agent des russischen Auslandsnachrichtendienst SWR wäre. Das Nuklearmaterial soll aus der Kernforschungsanlage Obninsk stammen. Danach soll der russische Chemiker Gennadi Nikiforow das Plutonium aus der Anlage herausgeschmuggelt haben (siehe auch Die WELT vom 04.02.1997, „Moskau weist Vorwürfe in Plutonium-Affäre zurück“).

Laut Ausführungen im Abschlussbericht des Deutschen Bundestages, Drucksache 13/10800 vom 28.05.1998) liest sich das aber ein bisschen anders: „Am 23. Oktober 1993 berichtete „Roberto“ in Abweichung von den vorgesehenen Meldethemen der BND-Mitarbeiterin „Janko“ über eine russische Exportfirma namens AVIA-Export mit Sitz in Moskau, die illegalen Waffenhandel betreibe und neben konventionellen Waffen der unterschiedlichsten Art u. a. auch Plutonium und weiteres Nuklearmaterial zum Verkauf anbiete. Über die Firma legte er umfangreiche Unterlagen vor. Bei dieser handele es sich um eine staatliche Firma, die von ehemaligen Offizieren der Roten Armee geführt werde. Ergänzend erklärte „Roberto“, daß ihn „diese Leute“ nach Moskau eingeladen hätten, damit er sich dort die angebotenen Sachen anschauen könne. Dieser Hinweis „Roberto’s“ hatte keinen Deutschlandbezug. „Roberto“ hat ausgesagt, an seiner Information sei nur der BND interessiert gewesen, da es sich um eine legale Firma gehandelt habe. Der BND habe damals vermutet, daß hinter dieser Firma möglicherweise hohe russische Militärs stünden. Die Informationen „Roberto’s“ wurden zusammen mit den Unterlagen über die Firma noch am 25. Oktober 1993 von der BND-Residentur in Madrid an die BND-Zentrale in München übermittelt.“

Und weiter heißt es: „Am 25. November 1993 übermittelte die auswertende Abteilung der BND-Residentur in Madrid Fragen zu der Meldung vom 25. Oktober 1993 und erteilte die Anweisung, den Kontakt zu „Roberto“ ausschließlich zur Beschaffung von Sachinformationen zu nutzen. Die BND-Mitarbeiterin „Janko“ informierte daraufhin „Roberto“ über diese Anweisung der BND-Zentrale und erklärte ihm, er solle sich bezüglich des Plutoniumangebots auf das Liefern von Hintergrund und Sachinformationen beschränken und nicht operativ tätig werden, also insbesondere keine Verhandlungen aufnehmen oder in einen engeren Kontakt mit den Anbietern treten (16. Sitzung, Protokoll „Janko“, S. 18 f., 95). Am 23. Dezember 1993 lieferte „Roberto“ aufgrund dieser Nachfrage der Abteilung „Auswertung“ weitere Informationen zur Firma AVIA-Export, wie z.B. Handelsgewohnheiten, Vertragsbedingungen und Preisangaben. Darüber hinaus wies er darauf hin, daß diese Firma alles und an jeden vertreibe, der entsprechend bezahle. Auch diese Meldung enthielt keine für die BND-Zentrale verwertbaren Informationen (16. Sitzung, Protokoll „Janko“, S. 19). Am 5. Mai 1994 berichtete „Roberto“ der BND-Residentur in Madrid, daß in Spanien zwei Spanier, namens Julian Tejero Robledo und Jose Fernandez Martinez, insgesamt 6 kg Plutonium anböten, die aus Rußland stammten und sich nach den ihm vorliegenden Informationen bereits in Deutschland befänden. Fernandez sei der Kopf der Organisation. Tejero arbeite offiziell als Geschäftsführer bei der Autovermietung Budget in Madrid. Darüber hinaus nannte „Roberto“ dessen genaue Anschrift, Telefon- und Faxnummer. Ein Baske und ein französischer Staatsangehöriger gehörten ebenfalls zu dieser Organisation. Die Verhandlungen führe in Deutschland ein deutscher Staatsangehöriger, jüdischer Abstammung bzw. jüdischen Glaubens, dem eine Waffenfabrik in Berlin gehöre (Dokument Nr. 33; 16. Sitzung, Protokoll „Janko“, S. 19, 96; 39. Sitzung, Protokoll Dr. Fischer-Hollweg, S. 9). Am gleichen Tag erläuterte „Roberto“ der BND-Mitarbeiterin „Janko“ – wie bereits oben Erster Teil Zweiter Abschnitt A I . 1. b) dd) S. 61 ff. dargelegt -, daß er diese und eventuell weiter anfallende Informationen zum Thema Nuklear- und Plutoniumhandel direkt auf eigenem Wege an das BKA weiterleiten würde. Die Zeugin „Janko“ hat hierzu ausgeführt, damit sei sie einverstanden gewesen, da das BKA hierfür die richtige Adresse gewesen sei. Da sie auch davon ausgegangen sei, „Roberto“ werde der Ankündigung entsprechend handeln, sei die Sache für sie damals erledigt gewesen (16. Sitzung, Protokoll „Janko“, S. 19-21; 39. Sitzung, Protokoll Dr. Fischer-Hollweg, S. 9; Dokument Nr. 34).“ (Quelle: Abschlussbericht des Deutschen Bundestages, Drucksache 13/10800 vom 28.05.1998)

Im Verlauf der weiteren Ausführungen stellte sich heraus, dass wohl eher Roberto die treibende Kraft hinter dem Plutoniumgeschäft gewesen war. So schildert der Abschlussbericht des Deutschen Bundestages weiter, dass Roberto seinen Busenfreund Rafa detailliert über den Inhalt und den Verlauf der Gespräche mit den Anbietern informierte. Dabei soll von Plutonium noch keine Rede gewesen sein, lediglich Osmium und Uran wären im Angebotspaket dabei. Er habe den Eindruck, dass es sich bei den Bietern um Aufschneider handeln würde und empfahl Rafa deswegen, nichts weiter zu unternehmen. Am 31. Mai 1994 habe ihn dann aber dieser Fernandez angerufen und ihm mitgeteilt, dass er Roberto für einen Spitzel halte und ihn deswegen nicht mehr traue. Dabei berichtete er von einer Observation vor dem Hotel, in dem Fernandez untergebracht war.

In der zeitlichen Abfolge zum Plutoniumgeschäft gibt es jedenfalls einige Diskrepanzen. So trat nach wie vor Roberto bei den Sondierungsgesprächen am 31. Mai 1994 und 09. Juni 1994 vordergründig auf. „Rafa“ aber wurde auf Empfehlung von Roberto bereits am 24. Mai 1994 vom BND als nachrichtendienstliche Quelle geführt.

Der erste nachrichtendienstliche Kontakt zwischen Rafa und Sybille Janko kam irgendwann zwischen Januar und Februar 1994 über Roberto zustande. Roberto habe Sybille erzählt, dass sein Freund Rafa interessiert wäre, für den BND zu arbeiten. Dieses Ansinnen wurde jedoch zunächst von der BND-Zentrale in Pullach negativ beschieden, da Rafa zu diesem Zeitpunkt noch aktiver Mitarbeiter der Guardia Civil war.

Am 10. März 1994, also noch vor seinem Hinweis an das BKA wegen einem möglichen Plutoniumschmuggels, brachte Roberto seinen Freund Rafa beim BND noch einmal ins Spiel. Da muss er wohl auch die Gründe für die Ablehnung seines Kumpels als BND-Quelle erfahren haben. Jedenfalls teilte Roberto am 26. April 1994 der BND-Residentur in Madrid mit, dass Rafa nun aus gesundheitlichen Gründen seinen Polizeidienst bei der Guardia Civil quittiert hätte. Momentan würde er für ein Detektivbüro in Madrid arbeiten. Trotz seines Ausscheidens aus dem aktiven Polizeidienst wäre Rafa hochkompetent, was sein Fachgebiet im Bereich des Drogenhandels beträfe, er neige nur immer wieder gerne dazu, auch Geschichten zu erzählen.

Sybille Janko traf sich daraufhin am 24. Mail 1994 mit Rafa und ließ sich von ihm alle Bewerbungsunterlagen für einen künftigen Einsatz als V-Mann im BND geben. In dem Gespräch erläuterte Janko auch seine Tätigkeiten als V-Mann für den BND. Schwerpunktmäßig solle er Informationen aus dem internationalen Rauschgifthandel beschaffen, wobei auch Informationen zum internationalen Waffenhandel und Islamismus auf der Wunschliste des BND standen. Für seine Arbeit würde er eine monatliche Vergütung von rd. 3.000 DM erhalten plus Aufwandsentschädigungen. Der Arbeitsvertrag mit Rafa wurde noch am gleichen Tag aufgesetzt und unterschrieben.

Wie sich später herausstellen sollte, war Rafa aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht aus dem Dienst der Guardia Civil geschieden, sondern nur krankgeschrieben. Erst mit Wirkung vom 31.12.1994 wurde er aus dem aktiven Polizeidienst entlassen. Der BND wollte jedenfalls hiervon nichts gewusst haben.

Merkwürdig ist auch eine Meldung des Münchner Merkurs vom 23.12.1995 „Peinliches Intermezzo in der Saalestadt“, wonach Rafa 10 Tage nach Beendigung der Operation „Hades“ einen neuen Pass erhielt, ausgestellt auf den 25.08.1994. Rafa hieß nun Louis Alberto Corbes, ist kubanischer Abstammung und in Halle geboren. Diesen vom BND erhaltenen Pass zeigte er prompt zwei Journalisten von El Pais.

Und just Peter Fischer-Hollweg, zuvor noch Resident in Madrid, ist nach dieser Affäre in die Residentur nach Havanna, Kuba versetzt worden.

Welchen Sinngehalt verbirgt diese Meldung? Man kann nur spekulieren.

Peter Fischer-Hollweg spielte nämlich noch eine andere merkwürdige Rolle im Zusammenhang mit der Affäre Maus. Es geht vor allem um die regelrechte „Entführungsindustrie“ in Kolumbien. Um die Zusammenhänge hier besser zu verstehen, muss man etwas ausholen.

Im Sommer 1996 wurde die Ehefrau des BASF-Mangers Schoene von der kolumbianischen Guerilla entführt. Der Superdetektiv Werner Mauss wurde zur Vermittlung eingeschalten und erreichte mit seinen „Verhandlungen“, dass die Lösegeldforderungen eine beträchtliche Steigerung erfuhren. So konnten die Guerillas einen höheren Gewinn erzielen und Mauss sich weiter unentbehrlich für die Vermittlung machen.

Ende der 80er Jahre hat er das Spiel schon einmal durchgeführt, als Mitarbeiter vom Mannesmann Konzern in Kolumbien entführt wurden. Dabei sollte eine Pipeline von den kolumbianischen Ölfeldern zur Karibikküste verlegt werden. Kurze Zeit später wurde ein Camp der Arbeiter sowie Baumaschinen von der Guerilla in die Luft gesprengt und die ersten Geiseln genommen. Mauss trat auf den Plan und handelte mit der Guerilla aus, für die Freilassung der Geiseln Kindergärten und Hospitäler im Dschungel zu bauen. Zusätzlich sollen die Entführer noch eine Millionen Dollar draufgelegt bekommen haben. Interessanterweise war bis zum Entführungsfall seitens der Regierung Bogotas das Zahlen von Schmier- und Lösegeldern verboten. Danach schien das kein Problem mehr gewesen zu sein.

Das Entführungsgeschäft in Kolumbien lief jedenfalls richtig gut, und bald galten Mauss und Bernd Schmidbauer (Agent 008) als erste Adresse, wenn es um Entführungsfälle von Firmenmitarbeitern ging. So sollen sich die Dänen und Italiener an die Bundesregierung Bonn gewandt haben, auch wenn die Preise für die Freilassungen der Geiseln recht teuer waren.

Dann wandte sich 1996 die argentinische Stahlfirma Techint an Bonn, was Volker Beck von den Bündnis 90/Die GRÜNEN stutzig machte. Er fragte in einer Bundestagsdebatte Bernd Schmidbauer, wie es sein könne, dass sich ein argentinisches Unternehmen an die Bundesregierung wendet. Laut Aussage von Schmidbauer wären es möglicherweise Geschäftsbeziehungen der argentinischen Firma zu anderen Unternehmen gewesen, die bereits ähnliche Erfahrungen machten und sie an die Bundesregierung weiterempfahlen. Ach so ist das. Blöderweise hatte aber auch die CIA langsam Lunte von diesen bilateralen Entführungsgeschäften zwischen Kolumbien und Deutschland gerochen.

Von deutscher Seite aus wollte man nun aber auch ganz groß in der Politik mit Kolumbien rauskommen und beschloss kurzerhand mit der Regierung aus Bogota und der kolumbianischen Drogenmafia einen Runden Tisch zu veranstalten, an dem sich Guerilla und Regierung aussprechen sollten. Als Vermittler auf der kolumbianischen Seite wurde Daniel Ortega ausgesucht.
Helmut Kohl sah sich schon als Friedensstifter.
Im Sommer 1996 fand dann ein Treffen zwischen Schmidbauer und Ernesto Samper, dem damaligen kolumbianischen Präsidenten, in New York statt. An diesem Treffen nahm auch Werner Mauss teil. Samper brauchte allerdings für den UNO-Besuch ein US-Visum. Zudem war Samper als jemand verschrien, der selbst gemeinsame Sache mit kolumbianischen Drogendealern machte.

Man kann sich vorstellen, wie der CIA und dem FBI die Ohren geklingelt haben mussten, als sie erfuhren, dass die Bonner Regierung mit dem Gedanken spielte, als Aussöhnungsgrundlage das Drogengeschäft in Kolumbien zu legalisieren, indem die Drogenbosse bei Selbststellung in Deutschland nicht an die USA ausgeliefert werden. Außerdem dürften sie einen Teil ihres Vermögens zur Gründung einer neuen beruflichen Existenz im Ausland behalten.

Seit 1987 war der Regierung in Bogota die seltsamen Praktiken von Mauss und der Bundesregierung im Entführungsgeschäft bekannt. Das sollte natürlich nicht an die große Glocke gehängt werden, denn man benötigte Mauss ja noch für diverse andere Geschäfte. Also hatte man vereinbart, dass kolumbianische Sondereinheiten der Polizei vom BKA ausgebildet werden. Das war vor den regelmäßig stattfindenden Geheimgesprächen der Deal. Auf der deutschen Seite hatte man während der Geheimverhandlungen Werner Mauss als Sondervermittler hinzugezogen. Dieser hatte vom BND mehrere deutsche Pässe ausgestellt bekommen, was vermuten lässt, dass Mauss auch gegenüber den kolumbianischen Drogenhändlern und der Guerilla immer konspirativ auftrat. Die Pässe wurden im Übrigen von BND-Oberst a.D Joachim Philipp (DN Panten) ausgestellt, bereits bekannt aus meiner Analyse zum Oktoberfest-Attentat – Teil 8 „Das politische Umfeld, der Milliardenkredit und Gaddafi“. Da hatte er seine hilfreichen Dienste für Stasi-Überläufer angeboten, z.B. Günter Asbeck von der ASIMEX aus dem KoKo-Imperium.

Außerdem spielte er bereits in den Waffengeschäften mit dem Irak eine dubiose Rolle, die vom damaligen Präsidenten Klaus Kinkel gedeckt wurden.

Im November 1996 muss dann allerdings bei Ernesto Samper ein Sinneswandel eingetreten sein, denn Mauss wurde zusammen mit seiner Frau Ida am 17. November 1996 festgenommen und 9 Monate in Untersuchungshaft gesteckt. Die Anschuldigungen: „Beteiligung an einem gravierenden Entführungsfall zur Gelderpressung“, der „Planung einer Entführung“ und des „Gebrauchs falscher öffentlicher Dokumente““ (Quelle: Deutscher Bundestag: Drucksache 13/6852 vom 16.01.1997)

Ob dieser Peinlichkeit kam es dann auch wieder zu einer Bundestagsdebatte mit Bernd Schmidbauer. Bei dieser Untersuchung wurde auch nach der Rolle des BND-Residenten Fischer-Hollweg (DN: Dr. Eckerlin) gefragt.
Eine Antwort darauf würde Schmidbauer nur vor dem PKGr abgeben.
Fischer-Hollweg sollte nämlich auf Wunsch von Klaus Kinkel das BND-Netz in Lateinamerika aufbauen, um den Einflussbereich der USA von dort aus zu schmälern.

Hierzu schreibt Lateinamerikanachrichten: „Mehrfach waren Kanzler Kohl und Außenminister Kinkel, begleitet von Industriellen, in Lateinamerika zu Besuch. Dort, wo deutsche Interessen bereits mit einigem materiellen Gewicht vertreten sind, vollzieht sich die deutsche Offensive in einigermaßen geordneten Bahnen der Diplomatie. Mexiko beispielsweise soll zu einem Freihandelsabkommen mit der EU bewegt und damit teilweise wieder aus der Bindung an die USA und Kanada, die mit dem NAFTA er­folgte, herausgesprengt werden. Dabei hat die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage hin nicht bestritten, daß Mexiko durch ein solches Abkommen ein jährliches Handelsdefizit von rund zwei Milliarden Dollar zu erwarten hätte. Stattdessen verwies sie darauf, Mexiko könne bei einem solchen Freihandelsabkommen andere Interessen als rein wirtschaftliche haben. Ähnlich argumentierte die Bonner Regierung gegenüber Kolumbien: Ausspielen des deutschen Gewichts gegen das bisher dominierende US-Schwergewicht. Die Bonner Nebenaußenpolitik in Kolumbien richtet sich ganz offensichtlich gegen die US-Regierung, die dieses Land als ihren Hinterhof betrachtet – und die ihre arro­gante Haltung gegenüber diesem Land aufgrund der eigenen Vormachtstellung kaum zu verbergen versucht. Insbesondere mußte der Bonner Plan, im Rahmen der nationalen Versöh­nung den Drogen-Bossen eine legale Zukunft zu verschaffen, in Washington als Affront aufge­faßt werden.“ (Quelle: Online-Journal „Lateinamerikanachrichten“, Artikel „Nebenaußenpolitik mit Hauptabsichten“ vom Januar 2013)

Nach dem Debakel mit Mauss hatte es dann auch ein Treffen zwischen Schmidbauer und dem US-Gesandten Holbrooke gegeben. Es muss ähnlich frostig verlaufen sein wie seinerzeit nach der Skandal-Enthüllung, als die deutsche Imhausen-Chemie eine Giftgasfabrik in Rabita, Libyen baute.

Es heißt bei Lateinamerikanachrichten weiter: „Und Schmid-Eemboom legt in einem Interview mit der TAZ vom 06.12.1996 „Kohl muß eingeweiht gewesen sein“ nach: „Es gibt seit langem enge Beziehungen zwischen Hartmann [gemeint ist der ehemalige Staatssekretär von Bundesaußenminister Kinkel Peter Hartmann] und dem BND-Residenten in Madrid, Herrn Fischer- Hollweg, der mit Mauss in Kontakt stand. Hartmann wiederum war derjenige, der den bis Ende der 70er Jahre für die Adenauer-Stiftung in Lateinamerika tätigen Fischer-Hollweg zum BND herübergeholt hat.“ Und auf dem Kommentar von TAZ „Nun dürften Hartmann und Kinkel als Ex-BND-Chef ohnehin um den schlechten Leumund von Mauss gewußt haben“ antwortete Schmid-Eemboom: „In der Tat. Klaus Kinkel hat als BND-Präsident im Spätsommer 1979 teilweise widerstrebend einen Jahresvertrag über 650.000 Mark mit Mauss abgeschlossen. Für diesen Vertrag, der die Suche nach den Schleyer-Terroristen beinhaltete, spendete die deutsche Industrie 400.000 Mark. Ein Umstand, für den Kinkel später im Bundestag gerügt worden ist, weil er gegen die Haushaltsordnung verstieß. Auch im November 1992 dürfte Kinkel erneut auf Mauss aufmerksam geworden sein, als die belgischen Behörden wegen einer Bestechungsaffäre einen internationalen Haftbefehl gegen den Privatagenten ausstellten.“ (Quelle: Online-Journal „Lateinamerikanachrichten“, Artikel „Nebenaußenpolitik mit Hauptabsichten“ vom Januar 2013)

Interessant in diesem Zusammenhang ist jedenfalls, dass auch einer der Plutoniumschmuggler, nämlich Justiniano Torres Benitez, Kolumbianer war.

Und was hat es mit dem Bericht vom STERN vom 20.08.2001 auf sich, wonach ein 47-jähriger Portugiese seine Freundin mit Plutonium umbringen wollte, das er angeblich aus der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe hinausgeschmuggelt haben will? Auffällig ist, dass diese Meldung nicht einmal drei Wochen vor den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 erschien. Galt das bereits im Vorgriff auf eine weitere Panikmache unter der Bevölkerung, nämlich dass Terroristen jederzeit auch mit schmutzigen Bomben und Mininukes zuschlagen können? Oder gab es da wieder einen zarten Hinweis auf Terroristen in Deutschland wie Mohammad Atta? Wer weiß.

Wie gelangte nun aber Torres an die Plutoniumprobe, um diese über Polen und Berlin nach München zu bringen?

Der Abschlussbericht des U-Ausschuss im Deutschen Bundestag führt aus, dass vom russischen Sicherheitsdienst dem Auswärtigen Amt ein Untersuchungsbericht über die Herkunft der Probe vorgelegt wurde. Demnach habe sich Torres an einen pensionierten Chemiker namens Gennadij Pawlowitsch Nikiforov aus Moskau und den in der Stadt Obninsk wohnenden Iwan Iwanowitsch Penkov gewandt. Torres kannte Nikiforov aus früheren Tagen, dabei soll es sich um ein Hubschraubergeschäft gehandelt haben. Fragt sich nur, von welchem Hubschraubergeschäft Torres da gesprochen hat.

Das Treffen zwischen den beiden Vermittlern und Torres habe bereits im Juni 1994 in Moskau stattgefunden. Penkov wiederum habe sich anschließend an einen Eduard Wladimirowitsch Baranov gewandt, um ihm wiederum einen Kontakt zu Oleg Wjatscheslawowitsch Assafiev, ebenfalls aus Obninsk zu vermitteln. Der habe dann etwa zwei Gramm radioaktiven Stoff zur Qualitätskontrolle an Penkov übergeben. Torres habe dafür 2.000 US-Dollar als Vorschuss für weitere Lieferung gezahlt.

Torres selbst bestreitet das vor dem Untersuchungsausschuss und erklärte, dass er sich mit „Konstantin“ in Moskau getroffen hätte und dort ohne Gegenleistung drei Gramm als Probe erhalten habe. Allerdings hätte er mit „Konstantin“ vereinbart, den Gewinn aus dem Verkauf der Probe mit ihm zu teilen. Über die Herkunft dieser Probe konnte Torres keine Auskunft geben. Diese Probe habe er dann gleich an Gennadij Pawlowitsch übergeben, um sie von ihm zu untersuchen lassen.

Nach der Analyse durch Gennadij habe er sie am 04. Juli 1994 zurückerhalten mit dem Ergebnis, dass zwar fünf Plutoniumisotope in der Probe enthalten wären, diese aber nicht relevant wären. Es würde sich bei dem Gemisch um Abfall handeln und deswegen nichts taugen. Der Anteil von Plutonium 239 an dem Plutoniumdioxidgemisch wurde weniger als 57% betragen.

Jedenfalls konnte der Untersuchungsausschuss nicht klären, wer dieser ominöse „Konstantin“ war.

So führt er in seinem Abschlussbericht aus: „Insbesondere aus diesem Grund ist Staatsanwalt Fügmann, der bei der Münchener Staatsanwaltschaft für die Anklageerhebung gegen Bengoechea, Oroz und Torres zuständig war, zu der Einschätzung gelangt, daß es sich bei „Konstantin“ vermutlich um eine von Torres erfundene Person handeln dürfte (34. Sitzung, Protokoll Fügmann, S. 288). Für etwaige Spekulationen, es könnte sich bei „Konstantin“ – sofern er wirklich existieren sollte – um einen Angehörigen eines in- oder ausländischen Geheimdienstes handeln, hat der Untersuchungsausschuß keine Anhaltspunkte finden können.“ ((Quelle: Abschlussbericht des Deutschen Bundestages, Drucksache 13/10800 vom 28.05.1998)

Auffällig ist jedoch, dass sich Roberto wieder am 13. Juli 1994 beim BKA noch einmal über KOK Barner gemeldet hatte, nachdem von ihm seit dem ominösen Treffen am 09.06.1994 im Hotel Novotel nichts mehr zu hören war. Er gab dort an, dass bereits 1 kg radioaktives Material, angeblich Plutonium, in Berlin gelagert wäre. Danach hatte sich Roberto aus den weiteren Verhandlungen zurückgezogen und das Feld alleine Rafa überlassen.

Was es mit einem BND-Dolmetscher namens Willi Weitzel alias „Adrian“ auf sich hatte und was aus ihm geworden ist, wir dann in Teil 3 näher beleuchtet.

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