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Holger Pfahls und seine Fluchthelfer

Als das Amtsgericht Augsburg am 22. April 1999 den Haftbefehl gegen Pfahls erließ, befand er sich zu diesem Zeitpunkt in Singapur als Repräsentant der Ostasienvertretung von DaimlerCrysler, wo er seit 1995 eingesetzt war. Zuvor konnte er nach einer kurzen Stippvisite bei einer Münchner Anwaltskanzlei seit Juli 1992 als Generalbevollmächtigter von Mercedes-Benz in Belgien sein Zubrot verdienen, genau wie es ihm vom Daimler-Vorstand Hans-Wolfgang Hirschbrunn am 19. November 1990 in einem Telefonat in Aussicht gestellt wurde.
In seiner Funktion als Auslandsvertreter in Brüssel traf er auch öfter mit Leuten aus dem französischen Auslandsgeheimdienst DGSE und Vertretern von Elf Aquitaine, insbesondere Pierre Lethier zusammen. So konnte er an seiner Sprachfertigkeit basteln mit dem Ergebnis, dass er nahezu akzentfreies Französisch sprach.

Hermann Froschauer von der Generalstaatsanwaltschaft in München ließ kurze Zeit später zunächst den rechtskräftig erteilten Haftbefehl aus Augsburg gegen Holger Pfahls aussetzen, was nicht unbedingt ein Regelfall war und zu großem Ungemach in der Augsburger Staatsanwaltschaft führte.
Doch diese Zeit konnte Holger Pfahls nutzen, um unterzutauchen und ein bühnenreifes Versteckspiel hinzulegen, wie wir es nur von Osama bin Laden nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kennen. Dazu sagte später ein Zielfahnder gegenüber „Zeit“: „Unsere Probleme sind nicht nur technischer Natur. Mehr sage ich dazu nicht.“ (Quelle: „Die Zeit“, „Die Akte Pfahls“ vom 16.11.2000). Ergänzen kann man diesen Satz mit einem weiteren Zitat von Wolfgang Burr vor dem Untersuchungsausschuss:„Sie glauben gar nicht, was Ungewöhnliches täglich geschieht.“ (Quelle: Spiegel „Spur nach Paris“ vom 22.11.2004).

Pfahls wusste offensichtlich ganz genau, was auf ihn zukommt. So heißt es im o.g. Artikel aus der „Zeit“ weiter: „Denn nur einen Tag bevor das Auswärtige Amt vom Haftbefehl gegen ihn erfährt, drei Tage bevor die Zielfahndung beginnt, regelt Pfahls noch schnell Vermögensangelegenheiten. Am 6. Mai 1999 erscheint er in Singapurs deutscher Botschaft und beurkundet eine Vollmacht, damit seine beiden Töchter die Familienvilla am Tegernsee verkaufen können. Am Tag darauf ist Pfahls weg, Richtung Taipei.“

Zufälligerweise wusste Pfahls auch, dass zwischen Taiwan und Deutschland keine diplomatischen Beziehungen bestanden und es somit kein Auslieferungsabkommen gab. Zudem wurde er noch nicht mit internationalem Haftbefehl gesucht, erstaunlicher Weise wurde Pfahls erst im November 2001 durch das BKA übers Internet zur Fahndung ausgesetzt und mit internationalem Haftbefehl gesucht. Das verschaffte ihm zusätzliche Zeit, um seine persönlichen Angelegenheiten zu regeln und seine weitere Flucht vorzubereiten. Er meldet sich erst einmal bei seinem Arbeitgeber krank und behauptete, im Krankenhaus Veterans General Hospital in Taipei zu liegen.

Mehreren Presseberichten zufolge muss sich der taiwanesische Geheimdienst aufopferungsvoll um Pfahls gekümmert haben. Das wäre insofern nachvollziehbar, wenn man die Waffengeschäfte mit Deutschland in Betracht zieht. Denn um Taiwan aus der Abhängigkeit von Waffenlieferungen aus den USA herauszubekommen, hatte sich ein „Deutscher Freundeskreis“ unter Führung des taiwanesischen Geheimdienstes „Goujia Anquanju“ und dem BND gebildet. Auffällig ist, dass im Juni 1999 eine BND-Delegation in Taiwan weilte. Jedenfalls gab es bereits in der Vergangenheit Ende der 80er Jahre mit Vermittlung eines alten Bekannten aus Indonesien, Bacharuddin Jusuf Habibie, für die deutsche Industrie ertragreiche Geschäftsbeziehungen, z.B. der Verkauf von 16 U-Boot-Jagd-Korvetten, 12 Landungsschiffen sowie 9 Minen-Suchbooten aus dem Nachlass der Nationalen Volksarmee an die indonesische Marine.

Es ist also anzunehmen, dass Pfahls über solche Waffenlieferungen gut informiert war, wenn nicht sogar selbst tatkräftig daran beteiligt war. Habibie war ja nicht nur mit Helmut Kohl bestens vertraut, sondern über den damaligen indonesischen Diktator Suharto auch Franz Josef Strauß zugetan.

Interessanter Weise tauchten bei „Zeit“ bereits im Jahr 2001 die ersten Gerüchte auf, dass die für die Parteispendenermittlungen gesuchten Kohl-Akten möglicherweise in Habibies Heim in Kakerbeek bei Stade lagerten.

Jedenfalls schien Dieter Holzer Pfahls offensichtlich bereits im Mai in Taipeh erwartet zu haben, wenn man den Ermittlungen der taiwanesischen Bundespolizei (CBI) Glauben schenken kann, um schließlich dort seinen guten Freund im Krankenhaus zu besuchen. ‚
In der Zeit vom 30.05.1999 bis 03.07.1999 wurde Dieter Holzers Sohn Nikolaus, der in Singapur Pfahls Assistent bei DaimlerCrysler war, insgesamt viermal bei der Einreise auf dem Flughafen von Taipeh registriert – alles unter den Augen der bereits vor Ort befindlichen deutschen Zielfahnder.
Zwischendurch schien sich Pfahls erholt zu haben und verließ am 14.05.1999 das Krankenhaus, um sich bei einem Geschäftsfreund namens Sun Chung-Wei einzuquartieren. Von dort buchte er mindestens zwei Kurzreisen, von denen die Zielfahnder vermuteten, dass es sich um Reisen auf die Ferieninsel Bali handelte, denn nicht nur Nikolaus Holzer wurde in diesem Zeitraum mehrmals auf Bali gesichtet, sondern auch Freund Habibie hatte hier mehrere Wohnungen zur Verfügung.
Eigenartigerweise tauchte am 17. Mai 1999 mutmaßlich Siegfried Lengl (Hanns-Seidel-Stiftung) mit besten Beziehungen nach China am Flughafen in Taipeh auf, wo er sich mit Dieter Holzer traf. Am 25. Mai 1999 legte sich Pfahls wieder ins Krankenhaus.
Unterdessen liefen die Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Amt und Taiwan für eine Abschiebung von Holger Pfahls in ein Drittland, in dem die BRD Zugriff auf ihn bekommen kann. Und wie durch ein Wunder machte sich Holger Pfahls klammheimlich vom 03. auf den 04.Juli 1999 unerkannt aus dem Staub Richtung Hongkong, an seiner Seite Dieter Holzer.
Auch wenn seine ehemalige Frau Birgit Pfahls bestreitet, jemals im Grand Hyatt Hotel in Taipeh gewesen zu sein, fanden die Ermittler heraus, dass Pfahls dort bis Ende Juli 1999 einen Safe gemietet hatte.
Der Spiegel „Wir kommen da durch“ vom 06.11.2000 schreibt dazu weiter: „Ende Juli sprach dann bei der Hotelleitung ein Sing Chong Jooi vor, wies sich mit einem malaysischen Reisepass (Nummer A 7390 152) aus und belegte glaubhaft, im Auftrag von Ludwig-Holger Pfahls zu handeln. Sing entnahm der Box 6660 D-Mark, 1630 Hongkong-Dollar, 261 Singapur-Dollar und 634 US-Dollar.“

Außerdem wurde von Capital Motors die Hotelrechnung bis zum 13. Juli 1999 für das Ehepaar Pfahls beglichen.

In Hongkong eingetroffen schien es jedoch Probleme gegeben zu haben, denn Pfahls hatte keine gültigen Ausweispapiere dabei. Trotzdem konnte er von Hongkong aus sieben Flugtickets in verschiedene Richtungen buchen, wenn man den Ausführungen von Dieter Holzer folgt. Er sei dann von zwei Chinesen am Flughafen abgeholt worden, wo man ihn wohl stante pede wieder ins Flugzeug setzte. Von dort soll es angeblich nach London gegangen sein – das jedenfalls vermuten die Ermittler, denn mit dem Abgang aus Taiwan verlor sich zunächst jede Spur. Allerdings wurde sein Handy in London geortet, als er mit seiner Familie kurz telefoniert.

Diese Version könnte insofern stimmen, wenn man in Erwägung zieht, dass dort auch ein Clan der berüchtigten Rothschild-Familie sitzt.

Dazu sollte man wissen, dass Nathaniel Baron de Rothschild auch einen international gesuchten kanadischen Anlagebetrüger namens Steven Low, der zudem noch ohne Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich weilte, 1985 vor dem Zugriff der Polizei in seinem Domizil in der Rue Las Cases Nr. 14, Paris versteckt hielt. Es wäre also durchaus möglich, dass Pfahls über Karlheinz Schreiber oder Dieter Holzer einen ähnlichen Tipp erhalten hatte.

Der Spiegel schreibt zu dieser London-Episode: „Pfahls rief demnach etwa einen Tag nach seinem Abtauchen in Taiwan am 3. Juli 1999 auf dem Flughafen London-Heathrow eine Geheimnummer an, die ihm zuvor zugesteckt worden war. Daraufhin erschienen „drei Männer, die mich durch die Personenkontrollen brachten“, heiße es in Pfahls‘ Notizen. Vier Tage später, seien „drei andere Männer gekommen, die mir 250.000 Dollar brachten“. Dann sei er aufs europäische Festland gebracht worden.“ (Quelle: Spiegel „Schmiergeldaffäre: Holzer und Geheimdienst sollen Pfahls auf der Flucht geholfen haben“ vom 10.10.2005).

Am 10. Dezember 1999 tauchte er jedenfalls in der Schweiz kurzzeitig auf. Das wiederum meldeten die Schweizer Behörden an die Deutschen. Von dort hatte er den Umzug seines Hausstands aus Deutschland heraus vorbereitet und drei Speditionslastwägen gechartert. Da waren die Zielfahnder ihm schon auf den Fersen. Anstatt ihn aber festzunehmen, beobachteten sie einfach sein Treiben weiter und puff, war Holger Pfahls samt Hausstand wieder weg und wahrscheinlich auch mit einem dicken Geldbündel aus seinen ergaunerten Millionen, die ihm die Holzer-Familie zugesteckt haben dürfte.

Jedenfalls gilt es wohl auch als erwiesen, dass er während seiner Flucht mit seinem alten Kumpel aus der Hardthöhe, Wolfgang Burr, regelmäßig in Kontakt stand.
Der will ihm nur Mut zugesprochen und ihn versucht haben zu überreden, sich doch besser den Behörden zu stellen. Dabei soll es auch um die Suche nach einem geeigneten Anwalt gegangen sein.
Wieso sollte Pfahls sich ausgerechnet mit Wolfgang Burr darüber unterhalten, wenn er doch für diesen Zweck weit bessere Kontakte zu Politik und Geheimdiensten pflegte?
Die Antwort von Wolfang Burr auf diese Frage würde mich dann schon interessieren.
Burr jedenfalls war vor seiner Zeit beim BMVg von 1982 bis 1983 der Büroleiter von Helmut Kohl und später weiterhin im Bundeskanzleramt beschäftigt. Weiter muss es auch zwischen Burr und Dieter Holzer regelmäßig Kontakte gegeben haben, denn der Spiegel zitiert Burr folgendermaßen: „Seine eigene Rolle beschreibt Burr so: „In den Jahren 1992/1993 wurde ich von Herrn Holzer oftmals bezüglich diverser Probleme in Bezug auf das Projekt Leuna um Rat gefragt … Des Öfteren trafen wir uns auch in seiner Wohnung bzw. Büro in Bonn in der Nähe des Rheinufers.“ 1992 war Burr noch im Verteidigungsministerium, mit Leuna hatte er aber dort nichts zu tun.“ (Quelle: Spiegel „Spur nach Paris“ vom 22.11.2004).

Eine andere Überlegung könnte sein, dass Wolfgang Burr genau wie Pfahls vielleicht gute Kontakte zu internationalen Waffenhändlern hatte, zum Beispiel Adnan Kashoggi oder Monzar El-Kassar. Der hatte nämlich offensichtlich auch gute Beziehungen zur Familie Strauß, wie ich bereits bezüglich der Aktion am Grenzübergang bei Bad Reichenhall im Jahr 1988 geschildert hatte (siehe Teil 9 dieser Abhandlung oder auch meine Analyse zum Oktoberfestanschlag Teil 9).

Könnte es sein, dass al-Kassar auch bei Holger Pfahls Flucht behilflich war?
Im Buch „Unholy Trinity“ von Aarons/Loftus steht u.a.: „Vom Lockerbie-Anschlag bis zur Iran-Contra-Affäre gibt es kaum eine größere Aktion aus dem Bereich Waffen, Drogen und Terror und auch Geheimdiplomatie, mit der der Syrer Al-Kassar nicht in Verbindung zu bringen wäre. Im Januar 1994 machte er wieder Schlagzeilen, weil er in Spanien für einige Tage aus der Untersuchungshaft beurlaubt wurde, um angeblich seinen kranken Bruder in Syrien zu besuchen. Allerdings sind durchaus nicht unbegründete Spekulationen laut geworden, der PLO-Geldwäscher, Waffenschieber, und CIA-Vermittler sei freigelassen worden, um einen Vermittlungsauftrag im Zusammenhang mit den palästinensisch-israelischen Verhandlungen zu übernehmen, die dann wenig später tatsächlich zu einem Abkommen über die Autonomie der Westbank und des Ghazastreifens führten (TVE v.20. l .1994). Al-Kassar saß wegen der Beteiligung an einem Mordversuch an dem libanesischen Agenten Elias Awad im Jahr 1994 in spanischer Untersuchungshaft. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, die Entführer des Kreuzfahrtsschiffes ªAchille Lauro´ 1985 mit Waffen versorgt, wenn nicht die Entführung überhaupt organisiert zu haben. Es war jedoch anzunehmen, daß Al-Kassar mehr oder weniger ungeschoren davonkommen würde, da der spanische Geheimdienst CESID zweifellos seine schützende Hand über den Syrer hält, der doch Staat und Geheimdienst schon etliche Dienste erwiesen hat: etwa durch die Lieferung von mit Peilsendern ausgestatteten Waffen an die spanische Terrororganisation ETA, wodurch es möglich wurde, ein umfangreiches Waffenlager auszuheben. Auch die Franzosen sind ihm zu Dank verpflichtet. Umfangreichere Aktivitäten entfaltete er auch in Österreich, wo er nicht nur das Wiener Flugunternehmen ªJet-Air´ finanzierte, sondern sich durch die Beschaffung von Endverbraucher-Zertifikaten für die Iran-Waffenexporte der staatlichen Firma Noricum einen Namen und saftige Provisionen machte. Er soll der Auftraggeber jenes Mannes gewesen sein, den der VOEST-Generaldirektor Apfalter kurz vor seinem mysteriösen und nach wie vor ungeklärten Tod getroffen hatte.“.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass es zwischen Al-Kassar und Stefano Delle Chiaie von der Aginter Press enge Kontakte gegeben hat. Die Aginter Press stand wiederum in enger Beziehung mit der Hanns-Seidel-Stiftung um Siegfried Lengl. Insofern dürfte also eine Überlegung in dieser Richtung, mit wessen Hilfe Holger Pfahls so lange untertauchen konnte, durchaus gestellt werden.
Der Verdacht besteht, dass die Unterstützung von der bayerischen und auch der Bundesregierung angeordnet wurde.

Und zu Adnan Khashoggi gibt es auch eine sehr interessante Verbindung, die im Zusammenhang mit Karlheinz Schreiber und Brian Mulroney sowie auch Giorgio Pelossi steht. Dazu führt „Neue Nachrichten“ unter dem Artikel “Ein Waffenhändler, ein ehemaliger kanadischer Regierungschef und jede Menge Lügen“ vom 14.12.2007 aus: „Brian Mulroney braucht sich finanziell auch weiterhin keine Sorgen zu machen. Er ist, wie auch der ehemalige Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl, und der ehemalige US-Präsident GHW Bush bei „Barrick Gold“ unter Vertrag – eine Firma, die von dem ehemaligen Bankrotteur Peter Munk und dem internationalen Waffenhändler und Großbetrüger Adnan Khashoggi gegründet wurde. Erst durch den Kauf der Goldstrike Property in Nevada für 10.000 Dollar, gefördert vom besagten GHW Bush, dort befinden sich Goldreserven in der Grössenordnung von 10 Milliarden Dollar, also für ein Trinkgeld gekauft, wurde die Firma zu einem Global Player.“

Übrigens hatte sich Adnan Khashoggi im Jahr 2007 zwei neue Kniegelenke in der Alpha-Klinik in München einsetzen lassen. Nur gegen die bevorstehende Insolvenz des Krankenhauses wollte er wohl nicht mehr viel tun (Quelle: TZ vom 06.02.2009 „Darum ging die Alpha-Klinik pleite“)

Angesichts der zahlreichen Treffen, die Dieter Holzer mit Holger Pfahls bereits in Taipeh und offensichtlich auch über seinen Sohn in Bali hatte, dürfte es eigentlich als gesichert gelten, dass er einer der Fluchthelfer von Holger Pfahls war. Doch Reinhard Nemetz, Leitender Oberstaatsanwalt in Augsburg, lehnte ein Verfahren gegen Holzer wegen Strafvereitelung ab, obwohl er selbst noch eine Notiz vom 17.01.2000 anfertigte, dass Vater und Söhne Pfahls als Fluchthelfer agiert haben könnten. Gleiches vermutete das BKA.

Was Pfahls´ Untertauchen in Paris betrifft, so schreibt der Spiegel „Codename Michael“ vom 26.09.2005, dass er Unterstützung von Raymond Le Grand und David S. gehabt hätte. Pfahls wurde offensichtlich mit gefälschten Papieren ausgestattet; dies fanden deutsche Ermittler heraus, die in seinem Appartement einen Führerschein auf den Namen eines längst verstorbenen Arztes, ausgestellt 1979 in Wadern, Saarland, gefunden hatten. Le Grand, so fanden die Beamten weiter heraus, schloss den Mietvertrag für Pfahls Appartement in Paris in der Rue Dupleix.

Le Grand hatte in den 70er Jahren für die dem Elf-Konzern gehörenden Bank FIBA gearbeitet und in den 80er Jahren verwaltete er als Direktor einer Bank in Gabun die persönlichen Konten von Staatspräsident Omar Bongo.

Le Grand gab an, ab 2003 für Holzers libanesische Firma als Berater gearbeitet zu haben. So wurde er auch von Holzer gebeten, für einen deutschen Freund Wohnungen anzumieten. Über Le Grand kam dann auch ein gewisser David S. ins Spiel, der sich um die persönlichen Belange von Pfahls kümmern sollte. Die Ausgaben wie Miete und anderen Schnickschnack habe Pfahls immer selbst in bar bezahlt.

Im M&G Centre for Investigative Journalism „The Villa, the villains and Rusty“ vom 21.10.2011 wird über die Beziehung Dieter Holzer zu Leo „Rusty“ Evans, dem ehemaligen Generaldirektor für Auswärtige Angelegenheiten in Südafrika berichtet.

Evans soll Holger Pfahls´ Villa in Südfrankreich nur zum Schein gekauft haben, was dieser allerdings bestreitet. Dabei kennen sich Holzer und Evans schon aus der Zeit der Apartheids-Ära, in der Holzer es durch seine geheimdienstlichen, geschäftlichen und politischen Beziehungen ermöglichte, das gegen Südafrika verhängte Embargo zu umgehen und mit Öl sowie Waffen zu versorgen.

Zusammen mit Max Strauß und Jean-Yves Ollivier hat Holzer in Liechtenstein die Frager Anstalt gegründet, wahrscheinlich, um die deutsch-französischen Honorare aus Provisions- und Beratergeschäften zu waschen.

Evans selbst gab zu, Holzer im Jahr 1988 getroffen zu haben und zwar im Zusammenhang mit einem geheimen Treffen von FJS mit dem Unita-Führer Jonas Avimbi, den angolesischen Guerilla-General. Dort habe er, Evans, auch Jean-Yves Ollivier kennengelernt.

Sie wurden offensichtlich Freunde und blieben weiterhin in Kontakt. Nach seinem Ruhestand gründete Evans die Rusty Evans & Associates, die viele Regierungskontakte auf der ganzen Welt pflegt.

Über Evans gelang es Holzer und seine Firma Delta International, den späteren Präsidenten von Gabun, Omar Bongo sowie Laurent Kabila, den späteren Präsidenten von der Demokratischen Republik Kongo persönlich zu treffen.

Damit liegt der Verdacht in der Tat sehr nahe, dass Evans die Villa nur zum Schein gekauft hat, damit diese weiterhin im Besitz von Pfahls bleibt.

Der Weiterverkauf an den Russen Prokofiev für 2,7 Millionen Euro, später auf 1,5 Millionen heruntergedrückt, scheint die Annahme, dass es sich um ein Scheingeschäft mit Evans gehandelt hat, zu bestätigen.

Die Ankläger fanden heraus, dass das Geld auf das Konto „Evans-Tonder“ bei der Hottinger & Cie Bank in Genf ging.

Die Kontoinhaberin war aber Pfahls dritte Frau, Viorica Sava. Holzer pflegt exzellente politische und geschäftliche Kontakte zu China und war auch mit dem südafrikanischen Geschäftsmann Robert Gumede befreundet.

Letztendlich hatte ein Fax von Holger Pfahls an Wolfgang Burr den Ermittlern den entscheidenden Hinweis auf Pfahls Verbleib gegeben.
Am 13. Juli 2004 wird er schließlich vor seiner Wohnung in der Rue Dupleix, Paris festgenommen. An seiner Seite war die aus Moldawien stammende Viorica Sava. Bei ihrer Festnahme gab sie an, dass sie – welche Überraschung aber auch – Immobilienmaklerin sei und sich Anfang 2003 mit Pfahls geschäftlich in Österreich getroffen hätte.

Jedenfalls schienen die Ermittlungspannen nach seiner Verhaftung kein Ende nehmen zu wollen. Unterlagen, die bei der Durchsuchung im Versteck von Pfahls beschlagnahmt wurden, sollten zur Staatsanwaltschaft nach Augsburg geschickt werden. Am 10.08.2004 hatten die französischen Justizbehörden das Paket von Akten geschnürt auf via Post auf den Weg gebracht. Bei der Postverteilstelle in Frankfurt fiel einem Postmitarbeiter drei Tage später auf, dass auf dem Förderband lose Akten herumlagen, die sich offensichtlich aus dem Paket gelöst hatten, was den Verdacht nahelegte, dass dieses Paket zuvor geöffnet und dessen Inhalt auch gelesen wurde. Angeblich soll sich im Aktenpaket auch ein Verzeichnis von Codenamen befunden haben (Quelle: Schwäbische Zeitung vom 20.08.2004 „Geheimagenten als Kulissenschieber?“)

Und dann fand die ARD-Serie „Report“ noch etwas Interessantes heraus. In ihrem Beitrag „Das Augsburger Justiztheater – Agenten, Schmiergeld, faule Deals“, erstmals ausgestrahlt am 12.12.2005 wird von einer Firma Pfahls´ gesprochen, in der mehr als 100 Millionen DM stecken sollte. Demnach soll Holzer einen Teil der 50 Millionen DM Schmiergeld, die er von Elf Aquitaine erhalten hatte, auf ein Konto der Bank Paribas eingezahlt haben. Über dieses Konto hatte offensichtlich auch Holger Pfahls Verfügungsgewalt. Von diesem Konto führt die Spur aber auch zu einer Briefkastenfirma INVALL, auf die ein Bernard Ewen als Treuhänder eingetragen war. Sie hatte ihren Sitz in der Rue Nicolas Ademes in Luxemburg und zwar unter der gleichen Adresse, in der auch die Treuhandskanzlei „Fiduciaire Glacis“ von Bernard Ewens residierte. Für Dieter Holzer hatte er so manche dubiosen Geschäfte eingefädelt und verwaltet. Als Kontobevollmächtigter für die Konten der Briefkastenfirma war ebenso Bernard Ewen eingetragen. Bis Ende 1999 lag das Kapital der INVALL bei umgerechnet 100 Millionen DM, hauptsächlich in Form eines Aktienpakets. Dazu kamen noch ca. 30 Millionen DM auf das Dividendenkonto hinzu. Hierzu schreibt dann der Journalist Klaus Wiendl weiter: „Pfahls ließ das ganze Geld Richtung Frankreich versickern: von der INVALL zur Neptune und weiter zur Alma in Vichy. Ewen, der sich schon als Geldschleuser von Holzers Firma Delta bewährt hatte, half dabei. Er schaltete dazu noch seine im US- Steuerparadies Delaware gegründete Luxembourg Corporate Services ein. Barzuflüsse vervollständigen die Geldverschiebungen.“ (Quelle: Klaus Wiendl „Staatsanwaltschaft Augsburg – Pfahls soll heimlicher Millionär sein“ vom 12.12.2005)

Nach Pfahls Verhaftung wurde das BKA und auch die Staatsanwaltschaft Augsburg über diese Erkenntnisse der Luxemburger informiert. Am 13.04.2005 sollen sämtliche Unterlagen an die Staatsanwaltschaft in Augsburg geschickt worden sein. Komisch dann, dass diese Erkenntnisse keinen Zugang im Prozessverfahren gegen Holz gefunden haben.

Der Spiegel „Pfahls-Prozess: Richter rollen die Skandale der Ära Kohl neu auf“ vom 05.10.2011 schreibt ergänzend: „Laut Schweizer Ermittlungsakten ließ Holzer sich von seinem Luxemburger Treuhänder solche Mengen Bargeld übergeben, dass Ewen von dem Geschäftsmann Quittungen verlangt habe. Am 13. Juni 1996 etwa nahm Holzer 1,7 Million Mark in bar von dem Konto einer der Luxemburger Firmen entgegen, die er mit Pfahls eröffnet hatte und bei der Pfahls der wirtschaftlich Berechtigte war. Es war der Tag, als auf das Konto der Lemor in Luxemburg exakt die gleiche Summe von 1,7 Millionen Mark eingezahlt wurde. Im Juni 1996 trat Pfahls schließlich die Verfügungsberechtigung über die Firmen an Holzer ab – drei Monate nachdem die Lemor gegründet wurde.“

… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute (in Saus und Braus).

Tja, so endet erst einmal hier das Schmierentheater um Pfahls und die Atlantik-Brücke.

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