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Die Schreiber-Spendenaffäre – Parteispendenaffäre Teil 2

Der Verkauf von 36 ABC-Fuchs-Spürpanzer nach Saudi-Arabien wurde bereits im vierten Teil ausgiebig behandelt. Im Folgenden werden nun die Lieferung von MBB-Hubschraubern an die kanadische Küstenwache, der Verkauf von Airbusflugzeugen an kanadische und thailändische Fluggesellschaften sowie das Thyssen-Projekt „Bear Head“ in Kanada betrachtet.

Der Kauf von 12 Helikopter vom Typ BO 105 LS und BK 117

Dieser Deal zwischen MBB und der kanadischen Küstenwache trägt augenscheinlich die Handschrift des Pinay-Cercles unter dem Motto „Victory for Strauß“ (siehe auch Oktoberfest-Bombenanschlag Analyse Teil 9).
Margret Thatcher, damals Vorsitzende der Konservativen Partei wurde 1979 Premierministerin von Großbritannien und der Republikaner Ronald Reagan 1980 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.
Der dritte im Bund, Franz Josef Strauß, scheiterte als von den rechtsgerichteten Hardlinern der Globalisten favorisierter Bundeskanzlerkandidat.
Nun sollte in Kanada der Vorsitzende der Progress-konservativen Partei, Martin Brian Mulroney als neuer Premierminister von Kanada in Stellung gebracht werden. Für die Wahlkampagne im Jahr 1984 brauchte er, genau wie die anderen Mitstreiter innerhalb dieses Zirkels, natürlich viel Geld und so bot sich ihm Franz Josef Strauß als Geldbeschaffer an. Dafür, so Karlheinz Schreiber während seiner zahlreichen Vernehmungen, habe er etliche Fonds für die CSU eingerichtet, sozusagen als eine Art Kriegskasse. Diese Fonds sollten mit Provisionsgeldern gefüllt werden. Schreiber gibt an, dass von diesen Fonds nur FJ Strauß, sein Sohn Max, der damalige CSU-Schatzmeister Franz Josef Dannecker und Edmund Stoiber gewusst hätten.

Den Anfang machte möglicherweise wieder der bereits hinreichend bekannte Waffenhändler Abdul Jebara aus Kaufbeuren zusammen mit der Telemit, indem er Verkäufe von BO-105 Kampfhubschrauber im Auftrag der MBB ab 1979 an den Irak vermittelte.
Als offizieller Lieferant dieser Kampfhubschrauber fungierte das spanische Luftfahrtunternehmen CASA, das bereits zusammen mit MBB die Indonesische Flugzeugfabrik Nurtanio in Bandung mitaufgebaut hatte (siehe Teil 5).
Zehn der Kampfhubschrauber wurden im Jahr 1979 geliefert, weitere zehn folgten 1982 und dann kamen noch 24 Hubschrauber im Jahr 1983 dazu, natürlich alles illegal unter Umgehung des Kriegswaffenkontrollgesetz, denn zu dieser Zeit tobte der Krieg zwischen Iran und Irak.
Die Ausstattung der Hubschrauber mit Panzerabwehrlenkraketen und Feuerleitanlangen aus einer deutsch-französischen Co-Produktion zwischen SFIM und Teledyne erfolgte erst vor Ort im Irak.
Nach Aussagen von Howard Teichert, ehemaliges Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat der USA, soll die Teledyne umfänglich zur Aufrüstung des Iraks beigetragen und im Auftrag der CIA gehandelt haben. (Quelle: Schmidt-Eenboom, „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND).

Delikat bei dieser ganzen Angelegenheit ist, dass Haupteigentümerin der MBB zu diesem Zeitpunkt der Freistaat Bayern war und Franz Josef Strauß sowie Max Streibl damals im Aufsichtsrat der MBB saßen.
Bis 1992 saß die Schwester von Edmund Stoiber, Hannelore Stein, in der Spendenabteilung der MBB.
MBB fusionierte 1982 zu MBB-ERNO und wurde 1989 Teil der DASA und der französischen Aerospatiale.
Die Abteilung für die Entwicklung und Konstruktion der Hubschrauber ist 1992 in die Eurocopter Group aufgegangen. Seit 2013 nennt sie sich Airbus Helicopters.

Die öffentliche Nennung der Suchbegriffe Eurocopter, EADS und französische Behörden aus dem Fundus der NSA-Selektorenliste im Rahmen des NSA-Untersuchungsausschuss dürfte damit nicht zufällig gewählt worden sein.

Der Spiegel „MBB-Manager packt aus: CSU kaufte Politik in Kanada“ vom 14.03.2001 beruft sich auf Recherchen des kanadischen Senders CBC zum Kauf der 12 Kampfhubschrauber und stellt fest: „Nach Recherchen des kanadischen Senders CBC unterstützte Strauß in den achtziger Jahren massiv Brian Mulroney auf dem Weg, Chef der kanadischen Konservativen und später Regierungschef zu werden. Als Scharnier der gegenseitigen „Hilfe“ diente: Karlheinz Schreiber.“
Hierbei handelte es sich um die so genannte „dump-Clark-campaign“ im Jahr 1983, bei der Mulroneys Konkurrent, der damalige Parteivorsitzende der Progressiv-konservativen Partei und amtierende Premierminister Joe Clark mit Hilfe von Frank Moore gestürzt werden sollte. (siehe auch The Globe and Mail „Mulroney camp used German cash to help dump Clark“)

Schreiber hatte Gelder in Höhe von 25.000 US Dollar alleine für das Einfliegen der Kampagne-Mitglieder nach Winnipeg zu dem angesetzten Parteitag verteilt. Das Geld kam von ihm selbst und der Familie Strauß, wahrscheinlich auch von der CSU, so jedenfalls Schreiber bei seiner Aussage gegenüber dem kanadischen Untersuchungsausschuss.

Nachdem Brian Mulroney im September 1984 tatsächlich Premierminister von Kanada wurde, sollte nun die „Rückzahlung“ dieser finanziellen Unterstützung erfolgen. Dazu wurde zusammen mit Mulroney und seinem Parteikumpel Frank Moore das Hubschraubergeschäft mit der kanadischen Küstenwache vereinbart.

Der Deal zur Rückzahlung des Wahlkampf-Geldes wurde Februar 1985 mit dem Abschluss eines Provisionsvertrags zwischen MBB-Deutschland und mutmaßlich Schreibers Briefkastenfirma, der International Aircraft Leasing (I.A.L) mit Sitz in Vaduz, Liechtenstein, eingeleitet.
Die I.A.L wurde damals im Auftrag von Schreiber von einem gewissen Giorgio Pelossi gegründet. Teilhaber dieser Firma war wiederum die Kensington Anstalt in Vaduz, als deren Begünstigter Karlheinz Schreiber eingetragen war.
Insgesamt sollen sechs Firmen zur Kensington Anstalt gehört haben, darunter auch die A.T.G Investment Ltd. in Panama. Des Weiteren habe es die Merkur Handels- und Industrie AG mit Sitz in Vaduz gegeben, die Anteile an zahlreichen kanadischen Firmen hielt.
Mit Hilfe der in Kaufering ansässigen Firma Bayerische Bitumen-Chemie wurden dann bei Bedarf die Gelder über Panama, Liechtenstein und Schweiz nach Deutschland transferiert, alles schön an der Steuer vorbei. Dafür schloss die Bitumen-Chemie zum Schein Geschäfte mit den Briefkastenfirmen ab und beglich die Scheinrechnungen meistens über die Konten beim Schweizer Bankverein in Zürich.

Der Verdacht, dass die I.A.L ein Tarnunternehmen von Schreiber selbst ist, erhärtete sich bei den Ermittlungsbehörden, nachdem Schreiber nachweislich von I.A.L.-Konten in Liechtenstein und der Schweiz hohe Beträge in bar abgehoben hatte bzw. über deren Konten Beträge auf sein Privatkonto bei der Kreissparkasse in Landsberg überwies. (Quelle: Süddeutsche Zeitung „Schreiber weist Schuld von sich“ vom 17.05.2010)

In diesem Provisionsvertrag wurde vereinbart, dass die Firma I.A.L für den Verkauf von 12 Hubschraubern eine Vermittlungsgebühr von 8% des Kaufpreises erhalten soll. Die Süddeutsche Zeitung „Schreiber schweigt“ vom 17.05.2010 schreibt hierzu weiter: „Das Gericht verlas einen Brief an die Kreissparkasse Landsberg/Dießen, in dem Schreiber um die Verlängerung eines Millionenkredits bittet und erklärt, aus der Bestellung von zwölf Hubschraubern durch die kanadische Regierung“ ergeben sich für uns Provisionsansprüche von 1,5 Millionen DM“.“

Schließlich wurde im Juni 1986 zwischen der kanadischen Küstenwache und MBB-Kanada ein Vertrag über den Ankauf von 12 Hubschraubern geschlossen, die Hubschrauber im Zeitraum zwischen 1986 und 1993 auch ausgeliefert.

Nach den kanadischen Gesetzen war eine Provisionszahlung für Geschäfte von Unternehmen mit staatlichen Einrichtungen Kanadas aber verboten.

Gemäß Kurt Pfleiderer, Chef der MBB-Filiale in Kanada, soll Schreiber für die Vermittlung dieses Hubschrauber-Deals rund 1,2 Millionen kanadische Dollar Provision kassiert haben. Der für Kanada zuständige MBB-Manager und Mitarbeiter von Kurt Pfleiderer, Helge Wittholz, gab in einem Interview, das er mit Spiegel geführt hatte, an, dass er gegen das Provisionsgeschäft gewesen sei, aber von Kurt Pfleiderer in die Schranken gewiesen wurde. Nach seiner Aussage hätte Schreiber mit dem eigentlichen Geschäft und Vertragsabschluss gar nichts zu tun gehabt. Er wäre aus seiner Sicht nur der Vermittler und Geldbote der CSU gewesen (siehe Spiegel vom 15.03.2001 „Interview mit Ex-MBB-Manager: Wie die CSU ausländische Politiker kaufte„)

Jedenfalls hatte sich die I.A.L als stille Post und Geldverteilungsstelle für MBB damit zum ersten Mal bewährt.

Karlheinz Schreiber durchlief eine ähnliche Vita wie schon Dieter Holzer, Simon Goldenberg, Udo Proksch, Schalck-Golodkowski oder auch Michael Wischnewski alias Hertz Liberman.

Schreiber wurde am 25.03.1934 im Thüringischen Nordhausen geboren. Sein Vater, ein Polsterer, geriet bis 1947 in Kriegsgefangenschaft und Karlheinz verdiente sich mit allerlei Waren auf dem Schwarzmarkt sein Geld. Schließlich lernt er Verkäufer bei einem Braunschweiger Textilhaus und zieht nach München um. Er wurde Geschäftsführer einer Teppichfirma.
Die CSU wird auf ihn aufmerksam und holt ihn Anfang der 60er Jahre in den Wirtschaftsbeirat, wo er auch Franz Josef Strauß kennenlernt. Bald werden die beiden gute Freunde und schon konnte Schreiber eine Straßenmarkierungsfirma sein Eigen nennen.
Für Aufträge aus dem In- und Ausland wurde offensichtlich gut gesorgt und als Gegenleistung richtete Schreiber für Strauß in der Schweiz von 1988 bis 1990 ein geheimes Konto ein mit dem Codename „Master“, das später in „Maxwell“ umgetauft wurde.
Über dieses Konto sollen in der Folgezeit etliche Millionen geflossen sein, die wieder an die CSU abgeführt sein sollen. Schreiber wurde sogar zusammen mit Max Strauß bis 1996 Direktor des Familienunternehmens F.M.S. Investments Ltd. (Franz und Marianne Strauß).

Offensichtlich hatte Schreiber da bereits schon gute Kontakte nach Kanada knüpfen können, denn bereits im Oktober 1976 wurde zwischen Karlheinz Schreiber und einem Strauß-Spezi, Hanns Meier, eine Vereinbarung geschlossen, dass Schreiber seine Verbindungen nutzen sollte, um nach Kanada Airbusse zu verkaufen. Im Mai 1977 trat dann eine Firma Miliar S.A. auf, an der Hanns Meier, Ludwig Huber und Karlheinz Schreiber zu jeweils 30% und Giorgio Pelossi zu 10% beteiligt war, und schloss mit Airbus erstmalig einen Provisionsvertrag für künftige Geschäfte im Nordamerikanischen Raum ab. (Quelle: Schlussbericht des Bayerischen Landtags zum Schreiber-Untersuchungsausschuss, Drucksache 14/10000). Über die Hintergründe siehe auch SPIEGEL „Wir haben den Fuß in der Tür“ vom 09.05.1977)

Der Weg für den nächsten großen Coup mit Kanada war geebnet.

Das „Bear Head“-Panzerprojekt in Kanada

Irgendwie gelang es Karlheinz Schreiber, Thyssen von seinem angestrebten neuen Projekt in Kanada zu überzeugen. Für die Umgehung der strengen Vorschriften zum Waffenexport hätte Thyssen die Möglichkeit, von Kanada aus die hergestellten Kriegsmaschinen unbehelligt in Krisengebieten liefern zu können, allen voran der Nahe und Mittlere Osten.

Dabei wollte Thyssen bereits 1977 einen Standort für die Panzerherstellung in Marseille, Südfrankreich errichten. Das Projekt fand bei der damals von der SPD geführten Regierung ebenfalls Anklang.
Zu diesem Zweck wurde Alex Möller, bekannt für seine guten Kontakte in den Nahen Osten, als persönlicher Finanzberater von Helmut Schmidt zum ägyptischen Präsidenten Anwar el-Saddat geschickt.
Bei den Verhandlungen wirkte die deutsch-kuwaitische Firma „Gafinco-German Arab Financial and Industrial Consultant GmbH“ mit Sitz in Oberursel mit.
Im Februar 1982 bot Elf Aquitaine an, sich mit 12% an der Panzerfabrik in Marseille beteiligen zu wollen und dabei wurde auch wieder Ehrenkonsul von Libanon Dieter Holzer als „Berater“ herangezogen.
Mit einem Schlag konnte er für seine Firma Delta International sein Stammkapital von 100.000 auf 3 Millionen DM erhöhen und den Firmensitz nach Monaco verlegen. Letztendlich scheiterte das geplante Milliardenprojekt im Frühsommer 1982 aufgrund des Vetos von Staatspräsident François Mitterrand, der zu diesem Zeitpunkt frisch ins Amt gewählt wurde.

Damit schlug also wieder die Stunde für Schreiber, der sich die Jahre zuvor vergeblich bemüht hatte, in Kanada zu investieren.
Helmut Wieczorek, Geschäftsführer der Thyssen Engineering und spätere Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, flog zusammen mit seinem Kumpel Schreiber nach Kanada, um den Standort auf Nova Scotia zu überprüfen und ihn als lohnende Einnahmequelle für geeignet zu befinden. (Quelle: Focus „Deutsche Panzer aus Marseille“ vom 14.08.2000)

Thyssen stieg in das Projekt ein. Im Auftrag der Thyssen Industrie AG gründete Karlheinz Schreiber im November 1985 die Bear-Head Industries Ltd. mit Sitz in Halifax, Nova Scotia, Kanada.
Er wurde dort zum Treuhänder bestellt und sollte die geplante Panzerfabrik auf der politischen Ebene zum Laufen bringen. Zunächst lief alles auch vielversprechend an, denn zu dieser Zeit betrug die Arbeitslosenquote am Standort Nova Scotia 25%. Die kanadische Regierung unter Mulroney war an der Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen dringend interessiert, doch Schreiber hatte die Rechnung ohne das kanadische Militär gemacht, das die von Thyssen hergestellten leichten Panzerwägen für ihre eigene Armee für ungeeignet hielt.
Weiteres Störfeuer kam von der jüdischen Gemeinde in Kanada, welche die eigentliche Absicht durchschaute, nämlich das deutsche Kriegskontrollwaffengesetz zu umgehen, um Kriegsmaschinen in arabische Länder, allen voran Irak und Saudi-Arabien von Kanada aus zu importieren.
Angesichts des großen Widerstandes, der sich in Kanada aufbaute, startete Schreiber seine Geldspendertour durch die deutsche politische Landschaft, infolgedessen auch Wolfgang Schäuble wegen 100.000 DM ins Straucheln geriet.
Er kontaktierte Walther Leisler-Kiep, um für sein Projekt zu werben. Gleichzeitig engagierte er das kanadische Lobbyisten-Unternehmen GCI (Government Consultants International), um die Gegner dieses Projekts innerhalb der Provinz-Regierung versöhnlich zu stimmen und schließlich hatte er im Oktober 1987 Erfolg. Nova Scotia stimmte dem geplanten Projekt zu, die Regierung in Ottawa gab eine Absichtserklärung heraus. Schreiber, dem zuvor seitens Thyssens eine Erfolgsprämie von 6 Millionen DM zugesagt wurde, konnte nun wieder lächeln.

Laut Thyssen-Gutachten soll die Lobbyarbeit von Karlheinz Schreiber insgesamt 15 Millionen DM Provision gekostet haben, davon flossen 8 Millionen DM einschließlich Beraterhonorar auf das Konto der I.A.L.

Trotz der Zusage für die geplante Panzerfabrik kam es jedoch nicht mehr zur Ausführung des Projekts und wurde Mitte der 90er Jahre zu den Akten gelegt. Das kanadische Militär kaufte ihre Panzer beim Konkurrenten General Motors und die Firma Bear-Head Industries Ltd. wurde 1996 liquidiert. (Quelle: „Allein gegen Kohl, Kiep und Co: die Geschichte einer unerwünschten Ermittlung“ von John Goetz und Oliver Schröm)

Thyssen stand damit zunächst auf der Verliererseite, was das Unternehmen aber später mit dem Leuna-Deal und dem damit verbundenen Subventionsbetrug mehr als wettmachte. Der Höhepunkt der Lobbyarbeit von Schreiber waren jedenfalls die erfolgreichen Geschäfte von Airbus.

Das Airbus-Geschäft mit Kanada und Thailand

Als Einleitung stelle ich folgenden denkwürdigen Ausspruch voran, den ich aus einem Spiegel-Artikel, „Konto mit Codewort“ vom 03.04.1995 entnommen habe.

„Bei Airbus passieren viele esoterische [Anm.: !!] Dinge“, meinte etwa der Flugzeugexperte Gary Kincaid, der als Manager im Washingtoner Airbus-Büro in die Kanada-Geschäfte eingebunden war. Seine Einschätzung: „Wenn Sie mich fragen, ob Airbus Geld an Leute zahlte, um den Verkauf der A 320 an die Air Canada zu befördern, dann sage ich: Ich denke, das war so.“

Die Kanadier Brain Mulroney und Frank Moore hatten offensichtlich Strauß und Schreiber viel zu verdanken, deswegen blieben sie auch auf der politischen Ebene nicht untätig, als es um die Vermittlung eines Milliardenprojekts für Airbus, Thyssen und MBB gegangen war.

Einer der Hintergründe dieser Geschichte könnte gewesen sein, dass sich die Söhne Franz Georg und Max Strauß bei ihren geschäftlichen Unternehmungen mit einem Verlust in Millionenhöhe gewaltig verspekuliert hatten.

Ein Spiegelartikel von 1988 „Banktechnisch sehr ungewöhnlich“ schildert die finanziellen Schwierigkeiten des jüngeren Strauß-Sohnes Franz Georg Strauß mit seinem TV weiß blau Sender. Franz Georg Strauß, der im gleichen Jahr 1984 seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr ableistete, in dem seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam, eröffnete seine eigene Werbeagentur M2 Media.
Dann startete er im November 1985 den Sender „TV weiß blau“, an dem er mit 30% beteiligt war. Geholfen hat hierbei der Strauß Spezi Rudolf Mühlfenzl mit seinem Kabelpilotprojekt.
Die geleaste Studioausstattung verschlang 3 Mio. DM; daneben mussten noch 50 fest angestellte und 20 freie Mitarbeiter monatlich bezahlt werden.
Der Sender hatte seinen Sitz in Waldtrudering in der Nähe des Münchner Flughafens Riem.
Als Geschäftsführer wurde Hubert Wagner, vorher Kulturreferent der CSU-Landesregierung bestellt, der ebenfalls mit 30% an dem Sender beteiligt war. Jeweils 20% teilten sich der CSU-Bundestagsabgeordnete Josef Linsmeier und Programmproduzent Norbert Handwerk.
Das Finanzkonzept erstellte der Finanzmakler Uwe Woitzig, der später auch den Anteil von Linsmeier mitübernahm. Im Februar 1986 wurde Ernst-Leopold Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha Mitgeschäftsführer, dann aber bald wieder gefeuert. Dieser schwärzte im Gegenzug über seinen Anwalt Armin Freiherr von Oefele Hubert Wagner bei Strauß wegen Ungereimtheiten in der Geschäftsführung an.
Zu dieser Zeit setzte auch der ältere Sohn Max Josef Strauß bei Spekulationen in Kanada drei Millionen Mark in den Sand.

Über die Machenschaften von Hubert Wagner wenig erfreut, wurde dieser von Strauß schließlich entlassen. Sowohl Ernst-Leopold als auch Wagner machten gegenüber „TV weiß blau“ noch Geldbeträge geltend, die sie angeblich aus privater Tasche in den Sender gesteckt hatten.
Im Sommer 1986 rettete der Münchner Filmproduzent Claus Hardt über unbekannte Finanziers den Sender vor der Pleite, indem er 70% der Anteile als Mittelsmann übernahm und ein Stammkapital von 2 Millionen Mark einbrachte.
Hinter den unbekannten Finanziers vermutete man zunächst den Münchner Baulöwen Josef Schörghuber oder den Fleischfabrikant Josef März, die jedoch eine Beteiligung vehement abstritten.
Bei März mag das durchaus glaubhaft klingen, da er bereits der damaligen Beschäftigten vom Sender, Renate Piller ihre Bitte nach Werbeverträgen abschlug. Neuer Chefredakteur wurde Waldemar Hartmann, Reporter vom Bayerischen Rundfunk. Als neuer Geschäftsführer wurde Rechtsanwalt Hermann Meyer eingesetzt, der wiederum Dietrich Langbein von der SZ mit ins Boot holte, und der seinerseits wieder beste Kontakte zum Medienmogul Leo Kirch pflegte.
Dringend erforderliche Werbeverträge für die Finanzierung des Senders bekam man dann von der Kraftwerk Union AG (KWU) aus Erlangen.
Zwischen Franz Georg Strauß und der SZ kam es aber zu einem Streit und so fasste Edmund Stoiber im Auftrag von Franz Josef Strauß ein neues Medienerprobungsgesetz, wonach marktbeherrschende Presseverlage nur noch Drittelanteile an den Programmen erwerben durften. Thomas Lecher von Blue Box Videoproduktionsgesellschaft stellte daraufhin ein neues Konzept zur Programmgestaltung auf, was das Projekt „Hertie-Sportschau“ beinhaltete.

Im Minderheitenbericht der SPD/Grüne zum Schreiber-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags hat Monika Hohlmeier ausgesagt, dass sie mit Schreiber nur ein einziges Treffen nach dem Tod ihrer Eltern gehabt hätte, wonach es um mögliche Schadenersatzansprüche wegen der erlittenen Verluste bei den Grundstücksgeschäften in Kanada gegangen war. Ein entsprechender Schadensersatzprozess sei von Dritten betrieben worden. Dieser Prozess sei jedoch erfolglos geblieben. Ferner sagte Hohlmeier aus, dass ihre Eltern Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre „Immobilieninvestitionen in Kanada in Verbindung mit einer dortigen Firma des Beschuldigten Schreiber getätigt hatten.
Nach dem Tod ihrer Eltern habe sich für sie der jeweilige Erbanteil an den Gesellschaftsanteilen der damit zusammenhängenden kanadischen Firmen ergeben.“ Sie bestritt allerdings die Vorwürfe seitens Pelossi, dass diese Verluste in irgendeiner Weise über Airbus-Provisionen ausgeglichen werden sollten.

Auffällig ist trotzdem die zeitliche Nähe der Verlustgeschäfte von Familie Strauß. Frank Moore hatte nach Aussagen des ehemaligen Geschäftspartners von Schreiber und Treuhänder der I.A.L, Giorgio Pelossi, zwei Bankkonten bei dem Schweizerischen Bankverein in Zürich sowie ein Konto bei der Privat-Bank AG Vaduz eingerichtet, nachdem im März 1985 der Beratervertrag zwischen Airbus G.I.E Frankreich und der I.A.L abgeschlossen wurde.

1987 kam es schließlich zwischen Airbus und Wardair zu einem Vertrag für die Lieferung von 12 Airbus-Flugzeugen des Typs A310.
1988 folgte dann ein weiterer Abschluss für den Kauf von 34 Jets des Typs A320 an Air Canadia und Canadian Airlines mit einem Auftragsvolumen von 1,8 Milliarden US Dollar. Für den Verkauf an Wardair erhielt die I.A.L 10,3 Millionen US Dollar, für den Verkauf an Air Canadia und Canadian Airlines rund 20 Millionen.

Franz Josef Strauß war mittlerweile verstorben, als der nächste Deal mit Thai Airways und Royal Thai Airforce für die Lieferung von 17 Maschinen zu platzen drohte. Es waren offensichtlich erst einmal kräftige Schmiergeldzahlungen an den entscheidenden Stellen in Thailand notwendig.

Am 14.04.1989 trifft sich Max Strauß in Begleitung von Airbus-Chef Jean Pierson aus Toulouse mit Pitak Intrawityanunt in Bangkok, einem für die geheimen Verhandlungen auserkorenen Sonderberater des thailändischen Kabinetts.
Es finden ab diesem Zeitpunkt regelmäßige Treffen statt und schließlich kommt es 1990 zum gewünschten Kaufertrag mit den thailändischen Fluggesellschaften.
Und heraus kam wieder ein Beratervertrag, der für I.A.L. eine Provisionszahlung von 10,44 Millionen US Dollar in Aussicht stellte. (Quelle: Spiegel „Der Reptilienfonds“ vom 19.01.2004)

Am 24.07.1989 fand aber noch ein anderes bezeichnendes Ereignis statt.
Max Strauß reiste an diesem Tag nach Vaduz und traf sich mit Dieter Holzer, dem Treuhänder Werner Strub von der Delta International, Pierre Lethier, dem ehemaligen Geheimdienstmann des französischen Auslandsgeheimdienst DGSE mit Beratungskontakten zur deutsch-französischen Eurocopter Group gehörenden Firma „Aerospatiale“. sowie Jean-Yves Ollivier, einem geschäftstüchtigen aus Algerien stammenden Börsen- und Grundstücksmakler mit weitreichenden Beziehungen zu VIPs innerhalb Wirtschaft, Politik und Militär. Er sollte noch im Verkauf der auf Holger Pfahls eingetragenen Villa Mas Rayos in Frankreich eine bezeichnende Rolle spielen. Aber dazu mehr in einem anderen Teil dieser Studie.

Offensichtlich wurden hier schon die ersten Pflöcke für den späteren Leuna-Deal eingeschlagen, denn das Hauptaugenmerk der Besprechung war darauf gerichtet, auf welche Weise größere Beträge im Zusammenhang mit Großaufträgen verteilt werden könnten.
Dreh- und Angelpunkt sollte dabei die „Frager Anstalt“ sein.
Für die deutsche und französische Seite sollten noch zwei Stiftungen gegründet werden. Die Gelder, welche zunächst an die „Frager Anstalt“ gehen, würden dann zu gleichen Teilen auf die „Reptil Foundation“ von Dieter Holzer und auf die vermutlich Stand-by Establishment oder Thais-Stiftung von Pierre Lethier und Jean-Yves Ollivier aufgeteilt werden.
Max Strauß war in seiner Funktion als Rechtsanwalt von Dieter Holzer anwesend, als Holzer den Mandatsvertrag für die Stiftung unterzeichnete, in dem Max Strauß das Weisungsrecht über die Stiftung erhielt. (Quelle: Spiegel „Der Reptilienfonds“ vom 19.01.2004)

Als Karlheinz Schreiber mit seinem Geschäftspartner Giorgio Pelossi 1995 in Streit geriet und selbst zur Polizei ging, um vor Pelossi als Erpresser und Lügner zu warnen, hatte er wohl nicht geahnt, was er damit für einen Stein ins Rollen bringt, der schließlich in die CDU-Parteispendenaffäre mündete.

Weiter mit Teil 9

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