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Einleitung

Holger Pfahls kann man getrost als einen der typischen Politkriminellen aus den „elitären“ Reihen der Atlantikbrücke e.V. bezeichnen. Er wurde 2005 wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und drei Monaten verurteilt. Im Jahr 2011 folgte eine weitere Verurteilung zu viereinhalb Jahren Haft wegen betrügerischen Bankrotts und Betrug.

Mit Holger Pfahls offenbart sich das ganze Ausmaß eines unglaublichen Politikskandals und Kriminalfalles in der BRD, die ihres Gleichen suchen und mehrere Affären wie die Parteispendenaffäre um Walther Leisler-Kiep, die Leuna-Affäre um Dieter Holzer, der Spionagefall Hansjoachim Tiedge, die Panzeraffäre um Karl-Heinz Schreiber, die Devisenbeschaffungskriminalität unter Schalck-Golodkowski, der ungeklärte Todesfall des Augsburger Oberstaatsanwalts Jörg Hillinger sowie seine eigene jahrelang andauernde Flucht im Ausland vor dem Zugriff der deutschen Justiz miteinschließt.

Damit starte ich für die nächsten Wochen eine mehrteilige Serie zur Atlantikbrücke e.V. und deren Verbindungen, denn anhand dieses Falles offenbart sich ein Fass ohne Boden mit Auswirkungen bis in das aktuelle Zeitgeschehen hinein.

Die Atlantik-Brücke e.V. – Das kriminelle Netzwerk um Holger Pfahls – Teil 1

Ludwig-Holger Pfahls wurde am 13. Dezember 1942 in Luckenwalde, Brandenburg als Sohn eines Hauptmanns und Geheimdienstlers geboren.

Bis Mitte der 60er Jahre unterrichtete sein Vater Ludwig Pfahls sen. im BND an der Agenten-Schule am bayerischen Haarsee bei Weilheim die Kunst des Täuschens, Tarnens, Observierens und Verschlüsselns.
Von 1961 bis Juni 2000 nutzte der Bundesnachrichtendienst das Gebäude zur Schulung von Beamtenanwärtern für den höheren Dienst. Der Tarnname dieser BND-Schule lautete Wildpark.
Mitte der 70er Jahre hatte allerdings das Ministerium für Staatssicherheit das Schloss aufgeklärt und konnte die Telefonate abhören.
Laut Geheimdienst-Experten und Buchautor Schmidt-Eenboom war das Schloss nebenbei ein wichtiger Treffpunkt und Seminarort für Partnerdienste im „taktisch-operativen“ Bereich gewesen. Dort sollen auch damalige irakische Sicherheitskräfte ausgebildet worden sein.
Im Jahr 2000 gab der BND aus Kostengründen das Objekt auf. Erst im Jahr 2004 kaufte schließlich ein Unternehmer aus Berg am Starnberger See das Schloss für 3,9 Millionen Euro. Besonderes Glück scheint es ihm aber nicht gebracht zu haben, denn aufgrund eines Nutzungsstreits wegen der Umgestaltung des Anwesens als Pferdepension gab es viele gerichtliche Auseinandersetzungen, die bis zum Jahr 2011 andauerten. Der Unternehmer bot schließlich das Schloss zum Verkauf an.

Der kleine Holger Pfahls besuchte zunächst die Volksschule in Luckenwalde. Nachdem seine Eltern die Sowjetische Besatzungszone verlassen hatten und nach Frankfurt/Main umgezogen waren, ging er dort zunächst auf das Leibniz-Realgymnasium. Später wechselte er auf die Rupprecht-Oberrealschule in München. Im Jahr 1962 machte er schließlich sein Abitur und studierte in Heidelberg, Freiburg, Würzburg und München Rechtswissenschaften.
Mit einer Dissertation „Staat, Kirche und Volksschule in Bayern“ promovierte er 1971 zum Dr. jur.
Es ist schon verwunderlich, dass Holger Pfahls gleich nach dem Studium als Richter im Bayerischen Obersten Landesgericht einsteigen konnte. Dort blieb er bis 1973 und wechselte erst dann in eine Anklägerposition als Staatsanwalt für Wirtschaftsfragen.
Schließlich schaffte er es 1974 ins neu errichtete bayerische Umweltministerium, wurde dort persönlicher Referent des Amtsleiters und durfte 1975 endlich einen „speziellen“ Förderlehrgang besuchen, bei dem viel versprechende Beamte für besondere Zwecke herausgepickt wurden.
So kam auch Holger Pfahls in den Genuss, 1976 als Landtagsreferent in der bayerischen Staatskanzlei seinen Platz in der Nähe von Franz Josef Strauß zugeteilt zu bekommen.
Es dauerte nicht lange, bis Strauß auf ihn aufmerksam wurde, ihn ab diesem Zeitpunkt als persönlichen Ziehsohn betrachtete und ihn zu seinem persönlichen Referenten beförderte. 1981 wurde er Büroleiter von Strauß und stieg bereits 1982 zum Leiter der Grundsatzabteilung in der Staatskanzlei auf.
Stets begleitete er Strauß auf zahlreiche wichtige Reisen. Und so kam er auch 1984 in persönlichen Kontakt mit Schalck-Golodkowski, den Strauß in Leipzig besucht hatte.
Es ist also anzunehmen, dass Holger Pfahls bestens über die Vorgeschichte zum Milliardenkredit an die DDR Bescheid wusste (über die Hintergründe habe ich bereits im Rahmen meiner Analyse zum Oktoberfest – Teil 8 geschrieben). Interessanterweise führte dazu der Spiegel „Phantom im Dschungel“ vom 27.03.2000 aus, dass Schalck-Golodkowski nach dem Besuch von Strauß und Pfahls an Erich Mielke „streng geheim“ berichtete, Pfahls würde neuer Chef des Bundesamt für Verfassungsschutz werden, was tatsächlich auch 1985 erfolgte.

Und hier beginnt auch die erste sonderbare Verbindung zum DDR-Spion Hansjoachim Tiedge, über dessen Fall der bis dahin amtierende Chef des BfV Heribert Hellenbroich stolperte.
1985 gab es zunächst einen Ringtausch, bei dem Hellenbroich zugunsten Pfahls den Platz als neuer BfV-Leiter räumte und stattdessen zum Präsident des BND ernannt wurde. Aufgrund der Tiedge-Spionageaffäre war das für Hellenbroich jedoch nur ein kurzes Gastspiel. Er trat nach nur vier Wochen Amtszeit zurück und verdingte sich schließlich als Leiter des Sicherheitsdienstleisters Industrie- und Handelsschutz GmbH (IHS) in Frankfurt am Main (heutige WISAG).
Daneben gründete er unmittelbar nach der Wende in fröhlicher Eintracht mit dem ehemaligen Stasi-Oberst, Honnecker-Hardliner und Offizier im besonderen Einsatz Ehrenfried Stelzer einen Verein „Internationales Institut für Wirtschaftssicherheit zu Berlin“.

Aufgabe des Vereins ist die Beratung von Industriebetrieben in Fragen der Wirtschaftssicherheit. Stelzer und Hellenbroich möchten sich für eine störungsfreie wirtschaftliche Ost-West-Beziehung einsetzen, Wirtschaftskriminalität abwehren helfen und über Daten- und Bankensicherheit aufklären. (Quelle: Der Spiegel „Geliebter Genosse“ vom 17.12.1990). Die beiden haben sicherlich hüben wie drüben viel Erfahrung sammeln können.

Was war passiert?

Weiter in Teil 2

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