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Oktoberfest-Bombenanschlag

Zum Ablauf des Münchner Oktoberfest-Bombenanschlag und die in Frage gestellte Einzeltätertheorie mit Bezug zur WSG-Hoffmann gibt es jede Menge Informationsmaterial sowohl im  Internet als auch in Form von Sachbüchern.

Ich lege deswegen meinen Fokus bei der Schilderung der Abläufe vor, während und nach dem Anschlag vor allem auf solche Informationen, die zwar auch öffentlich zugänglich sind, aber in der breiten Masse von Informationsmaterial schnell untergehen. Vorzugsweise habe ich mich bei der Schilderung der Ereignisse an das von Ulrich Chaussy geschriebene Sachbuch „Oktoberfest – Ein Attentat“, erschienen im Hermann Luchterhand Verlag orientiert. Andere Quellen werden dann von mir auch entsprechend verlinkt oder darauf verwiesen.

Zeitpunkt des Anschlags

Freitag, der 26.09.1980, gegen 22:20 Uhr und 9 Tage vor der Bundestagswahl (Wahltag 05.10.1980 zum 9. Deutscher Bundestag)  mit den Kanzler-Kandidaten Franz Josef Strauß der CDU/CSU unter dem Motto „Kanzler für Frieden und Freiheit“ /„Freiheit statt Sozialismus“ und Helmut Schmidt „Sicherheit in Deutschland“ von der SPD detoniert am Haupteingang des Festplatzes an der Einmündung der Wirtsbudenstraße in den Bavariaring in einem aus Eisengitter und Blech bestehenden Papierkorb eine Bombe, bei deren Explosion 13 Menschen starben und 211 teils schwer verletzt wurden. Münchens Polizeipräsident Manfred Schreiber sowie der bayerische Finanzminister Max Streibel waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf dem Oktoberfest zugegen und eilten zum Tatort.

Die Geschehnisse vor Ort

14 Meter vom Tatort entfernt lag die furchtbar entstellte Leiche eines jungen Mannes, der nach den Obduktionsergebnissen vermuten ließ, dass er unmittelbar gebeugt über den Papierkorb im Augenblick der Detonation verharrt sein musste.
Die Sonderkommission Theresienwiese wurde um 23:15 Uhr ins Leben gerufen, zu der 50 Beamte des LKA unter der Leitung von Kriminaldirektor Ziegenaus eingeteilt wurden. Ziegenaus spielte im Übrigen auch 1995/1996 in den Plutoniumausschüssen und im Ermittlungsverfahren gegen Max Strauß eine bezeichnende Rolle. Dazu später in einem anderen Themenkomplex mehr. Zusammen mit dem Staatsanwalt Hanreich und dem LKA-Kriminaldirektor Wöbking wurde eine Arbeitsteilung vereinbart. Das LKA übernahm federführend den Fall mit Spurensuche am Tatort und die Vernehmung von Zeugen. Die Münchner Polizei übernahm die Identifizierung der Leichen und die Personenfeststellung der Verletzten.
Zu dieser Stunde trafen auch Minister der Landesregierung aus der CSU, der Bundesminister der Justiz aus der SPD und der Ministerpräsident Strauß selbst zusammen mit seiner Tochter Monika ein. Später kam auch der Oberbürgermeister Erich Kiesl von München dazu. Strauß-Anwalt und Freund Dr. Franz Dannecker unternahm gleich darauf den Versuch, einen Schuldigen aus der linken Szene auszumachen und für den anstehenden Wahlkampf zu nutzen. „Das habt ihr von eurer linken Politik“ soll Dannecker den FDP-Mann Manfred Brunner (Stadtrat in München) angeschnauzt haben. Zu dieser Zeit war der zuständige Innenminister der FDP-Mann Gerhart Baum. Der bayerische Finanzminister Streibl setzte nach: „Die FDP ist doch mitverantwortlich für das, was hier passiert ist.“
Aus dem Verletzungsbild des toten jungen Mannes schloss das LKA, dass es sich hierbei um den Attentäter selbst gehandelt haben muss. Verstärkt wurde die Annahme durch die Beobachtung eines homosexuellen Zeugens unmittelbar vor der Explosion. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich hierbei um den Zeugen Frank Lauterjung handelte. Eine weitere Zeugin (Marion V.) beobachtete etwa zum Zeitpunkt der Detonation zwei Personen am Verkehrszeichen „Vorfahrt achten“ in unmittelbarer Nähe des Papierkorbs. Einen davon beschrieb sie ähnlich wie auch der Zeuge Lauterjung. Offensichtlich zerrten die beiden an einem weißen Gegenstand, der schließlich nach oben flog und von dem aus ein greller Lichtblitz erschien; sie sah zwei Beine wegrennen. Weitere Zeugen sahen ebenfalls den mutmaßlichen Täter zusammen mit einem weiteren Mann und einer dunkelhaarigen jungen Frau. Lauterjung hatte zuvor den Mann bereits beobachtet, wie er mit zwei jungen Männern in grünen Parkas und Stiftenkopffrisuren offensichtlich heftig diskutierte. Eine andere Zeugin erinnert sich, dass unmittelbar nach der Explosion ein junger Mann mit kurzen blonden Haaren in Tatortnähe weinend ausgerufen haben soll „I kann nicht mehr! I wollt´s nicht! I kann nichts dafür! Helft´s ma!“ Die Polizei ging jedoch nach zweimaligen Verhören der Zeugin diesen Hinweisen nicht weiter nach.
Etwa sechs Meter südlich des Explosionszentrums wurde ein Reisepass, ausgestellt auf Gundolf Wilfried Köhler, geb. 27.08.1959 in Schwenningen, wohnhaft in Donaueschingen, gefunden. Diese Personalien gab Ziegenaus an den Leiter der Abteilung Staatsschutz im Bayerischen Innenministerium, Dr. Hans Georg Langemann, zur weiteren Recherche weiter.
Langemann hatte zu diesem Zeitpunkt die besten Kontakte zu Geheimdiensten und Verfassungsschutzämtern.  Dieser hatte im weiteren Verlauf der Ermittlungen gut 60 Seiten an Informationen und Dokumentationen veröffentlicht, darunter auch das Einsatz-Tagebuch im Lagezentrum Bayerns. Diese Indiskretion kostete ihn schließlich seinen Job und zog einen Untersuchungsausschuss nach sich.
Aus diesem Einsatz-Tagebuch ging hervor, dass Langemann eine NADIS-Überprüfung beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz einleitete. Als Ergebnis kam heraus, dass Köhler laut NADIS Anhänger der Wehrsportgruppe Hoffmann war. Köhler habe im Februar 1976 mit Hoffmann im Briefkontakt gestanden und seine Absicht bekundet, dass er in Donaueschingen eine Ortsgruppe der WSG aufbauen wollte. 1979 habe er an zwei Übungen der WSG teilgenommen.
Dem bayerischen Innenminister Gerold Tandler musste diese Information kalt über den Rücken gelaufen sein, zumal seitens Strauß zuvor noch kräftige Seitenhiebe auf Gerhard Baum und die FDP bezüglich einem linken Terror ausgeteilt wurden. Gegenüber WELT am Sonntag äußerte sich Franz Josef Strauß unmittelbar nach dem Attentat folgendermaßen: „..Herr Baum hat schwere Schuld in zweierlei Hinsicht auf sich geladen. Erstens durch die ständige Verunsicherung und Demoralisierung der Sicherheitsdienste, die sich ja heute nicht mehr trauen, im Vorfeld aufzuklären und den potentiellen Täterkreis festzustellen. Zweitens durch die Verharmlosung des Terrorismus. Für mich ist Herr Baum als Innenminister eine Skandalfigur. ER hat zwar keine unmittelbare Verantwortung für dieses Attentat. Er ist aber als Innenminister fehl am Platz.“

Nun soll also eine rechtsextremistisch eingestufte Gruppe dafür verantwortlich sein.

Baum selbst hatte entgegen der Polemik von Strauß am 30.01.1980 beschlossen, die WSG als verfassungsfeindlich einzustufen, zu verbieten und damit aufzulösen. Selbst die darauffolgende Polizeiaktion mit 500 Polizisten, die WSG von 20 Mann samt ihrem Anführer Karl-Heinz Hoffmann zu verhaften und zu verhören, quittierte Strauß im März 1980 mit Hohn und Spott. Sie alle wurden aber wieder freigelassen mangels Beweise für geplante terroristische oder staatsfeindliche Akte.

Weiterer Verlauf der Ermittlungen

Hans Georg und die 40 Räuber
Hans Georg Langemann hat über das Bayerische LfV erfahren, dass Angehörige des Kreises um Karl-Heinz Hoffmann im Begriff standen, am 26.09.1980 einen Konvoi aus mehreren ausgesonderten Militärfahrzeugen bei Schwarzbach/Salzburg über die bayerische-österreichische Grenze nach Jugoslawien zu verbringen. Zur Überführung solcher Fahrzeuge in die Bestimmungsländer greift Hoffmann auf Angehörige der ehemaligen WSG zurück. Es entstand aus damaliger Sicht der Eindruck, dass dieses Vorhaben dazu diente, eventuellen Tatbeteiligten die Flucht ins Ausland zu ermöglichen oder Beweismittel beiseite zu schaffen. Die Beobachteten aus der ehemaligen WSG wussten genau um die Observation, notierten sich sogar die Autonummern der Verfassungsschützer. Am Samstag um 13:50 Uhr hatte der Konvoi mit seinen drei Unimogs die Grenze in Schwarzbach erreicht. Während die bayerischen Grenzbeamten die Männer weiterpassieren ließen, wurden sie von den österreichischen Zollbeamten abgewiesen. Die Grenzpolizisten komplimentierten vier junge Männer aus den Fahrzeugen, namentlich Ulrich Behle, Rudolf Klinger, Robert Funk und Stefan Faber, alle um die 20 und 28 Jahre. Hoffmann war nicht dabei. Sie mussten wieder zurückfahren, wo sie am Sonntag in Garching von der Polizei in Empfang genommen wurden. Weil allerdings die Beweislage für die Beteiligung am Attentat mehr als dürftig war, wurden die vier Konvoibegleiter, Karl-Heinz Hoffmann selbst und sein Schützling Michael Ruttor am Montag, den 29.09.1980 wieder auf freien Fuß gesetzt.
Gemäß Interview mit Tobias Heymann (siehe www.heise.de/tp/artikel/33/33016) geht aus Stasi-Akten hervor, dass bis Ende der 80er Jahre umfangreiche Informationen über die Neonazi-Szene in Deutschland gesammelt und ausgewertet wurden. Sie erlangten sehr genaue Kenntnisse über Personen, deren Verbindungen und Beziehungen zu anderen Gruppen aus dem rechtsextremen Umfeld. Daneben findet sich aber auch Material, dass die Rolle der westlichen Geheimdienste innerhalb dieser Szene beschreibt. Demnach hatte der damalige rechtsextreme Terrorist Udo Albrecht Kontakt zur „Soko Theresienwiese“ und diesbezüglich auch mit ihnen gesprochen. Albrecht unterstützte nicht nur die PLO in Jordanien Ende der 60er Jahre, sondern spielte auch bei dem Attentat auf die Olympischen Spielen 1972 eine äußerst dubiose Rolle. Er war auch derjenige, der Karl-Heinz Hoffmann Kontakte zur PLO-Führung im Nahen Osten vermittelte. Albrecht soll auch Kontakte zu Werner Mauss gehabt haben, der noch in vielen skandalträchtigen Geschichten der BRD auftaucht. Offensichtlich wurden diese Verbindungen beim LKA und bei der Generalbundesanwaltschaft nicht weiter berücksichtigt. Und bezeichnend ist eine weitere Notiz aus den Stasi-Unterlagen: „Bemerkenswert erscheint, dass der Einsatz der gegnerischen Kräfte (d.h. des Verfassungsschutzes, Red.) bereits mehrere Stunden vor dem Sprengstoffanschlag begann und bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt in verschiedenen Räumen der BRD fortgesetzt wird…….Die vorliegenden Hinweise zum Aktionsverlauf lassen den Schluss zu, dass die gegnerischen Kräfte möglicherweise Kenntnis über geplante Handlungen dieser Organisation hatten“. (Quelle: www.heise.de/tp/artikel/33/33016). Gemeint ist damit die Aktion „Wandervogel“, bei der die Landesämter für Verfassungsschutz von Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen 22 Stunden vor dem Attentat gegen mehrere Ex-Mitglieder der WSG Hoffmann vorgehen sollten. Ebenso unter dem Tisch fallengelassen wurde ein sogenanntes „Anti-Bekennerschreiben“ der WSG Hoffmann, in dem sie über 9 Seiten lang schrieb, warum sie nicht die Attentäter von München sind.

Der Zeuge Frank Lauterjung
Der Zeuge Frank Lauterjung wurde insgesamt 5 x vernommen. Die erste Vernehmung fand in der Nacht zum 27.09.1980 statt. Die zweite Vernehmung erfolgte am Montag, den 28.09.1980, wo er anhand zahlreicher Fotos den mutmaßlichen Attentäter Gundolf Köhler identifizierte. Merkwürdigerweise wurden ihm insgesamt 9 Fotos vorgelegt, von denen 7 jeweils wesentlich ältere Männer abgebildet waren. Lauterjung musste also zwangsläufig auf die anderen zwei Fotos ausweichen. In dieser Vernehmung offenbarte er aber auch zwei weitere Personen mit grünem Parka. Nach Ende der zweiten Vernehmung folgte am selben Tag noch die dritte Vernehmung. Drei Tage später, am 02.10.1980 wurde Lauterjung noch einmal von der Polizei telefonisch kontaktiert, wobei er aber erklärte, dass es ihm gesundheitlich sehr schlecht gehe und er ab 06.10.1980 in einer Rehabilitationsklinik am Schliersee erreichbar sei. Am 07.10.1980 erfolgte trotz des Einspruchs seines behandelnden Arztes die vierte Vernehmung. Zusammen mit Staatsanwalt Görlach und einer Protokollantin erschien Kriminalkommissar Mathis in der Klinik. Er beschrieb die von ihm wahrgenommene Plastiktüte mit dem Umriss eines schweren, runden Gegenstandes, die Köhler in der linken Hand mit sich führte. Zu seiner Rechten sei am Boden ein kleiner, bräunlicher Koffer abgestellt gewesen. Am 06.11.1980 folgte die fünfte Vernehmung Lauterjungs im LKA. Dort wurde ihm ein Werkzeugkoffer gezeigt, den man in Köhlers Auto gefunden hatte. Laut Auskunft Lauterjungs könnte das der Koffer gewesen sein, er sei sich aber nicht mehr sicher, ob der braune Koffer noch dabei war, als er Köhler kurz vor der Explosion wieder begegnete. Im Abschlussbericht des Generalbundesanwalt hieß es dann, dass der von Lauterjung gesichtete Koffer zwar am Tatort aufgefunden wurde, aber dann plötzlich verschwand, bevor der Spurensicherungstrupp kam.
Entgegen seiner früheren Aussagen korrigierte sich Lauterjung jedoch dahingehend, dass er auch nicht mehr sicher sei, ob sich die beobachteten Männer überhaupt gekannt haben. Frank Lauterjung ist schließlich am 06.08.1982 im Alter von 38 Jahren in München verstorben. Nach Aussage des Hausmeisters, der Lauterjung gut kannte, hätte Lauterjung nach dem Attentat plötzlich Herzschmerzen und Herzanfälle bekommen. Wiederholt musste er mit dem Notarzt in die Klinik gefahren werden. Details über die gemachten Beobachtungen am Tag des Attentats hatte Lauterjung jedoch nie gegenüber dem Hausmeister erwähnt, im Gegenteil, hier hielt er sich eher bedeckt und wortkarg entgegen seinem  sonstigen Naturell. Anfang 1981 habe er den Hausmeister jedoch gebeten, an seiner Tür in der Schwanthalerstraße 113, 11. Stock ein zusätzliches Sicherheitsschloss mit einer Kette und einen Türspion einzubauen. Im Juli 1982 sei er dann ausgezogen und schließlich am 06.08.1982 verstorben.

Weitere Zeugenaussagen
Im Buch von Ulrich Chaussy „Oktoberfest – ein Attentat“ wird eine weitere Zeugenbeobachtung angeführt. Besagte Dame war am 20. und 21.09.1980 zusammen mit ihrem Dürener Kegelclub in München. Dort fiel ihr ein metallicbraunes Auto der Marke Ford Consul mit dem Kennzeichen VS-DD500 auf. In der Annahme, es könnten Bekannte aus dem Schwarzwald sein, ging sie zu dem Auto und erblickte fünf Insassen – zwei Männer und eine Frau auf der Hinterbank sowie zwei Männer vorne, die sie entsetzt anstarrten. Auf dem Schoß der Leute auf der Rückbank sah sie etwas Großes, Schwarzes, vermutlich in einem schwarzen Tuch eingewickelt. Kurz darauf erschien ein Motorrad, gefahren von einem großen Mann, der an dem Auto vorbeifuhr und den Insassen ein Handzeichen in der Art „Kommt!“ machte. Der Wagen fuhr dann dem Motorradfahrer hinterher. Ca. 50 Meter weiter hielt der Motorradfahrer aufgrund des Gewühls von Leuten, stieg ab, zog seine Handschuhe aus und knallte sie richtig wütend auf die Sitzbank seiner Maschine. Das Auto kam ebenfalls zum Stehen. Sie erfuhr aus der Presse, dass Gundolf Köhler genau mit so einem Wagen und dem Kennzeichen nach München gefahren sei und wandte sich daraufhin an die Polizei. Sie konnte von vier Leuten eine Beschreibung in Form von Skizzen machen [Anm.: diese Skizzenbeschreibung von vier Personen halte ich persönlich für sehr unglaubwürdig]. Diesem Hinweis wurde jedoch nie nachgegangen.
Der österreichische Bankier Heinz S, berichtete ebenfalls davon, wie er am Nachmittag des 26.09.1980 auf der Leopoldstraße mal hinter, mal neben dem Ford Consul mit Kennzeichen VS-DD-500 gefahren war. Darin saßen Köhler mit zwei weiteren jungen Männern. Bei der Durchsuchung des Ford Consuls hatte man über 40 Zigarettenstummeln verschiedener Marken mit Speichelanhaftungen gefunden. Diese wurden zwar serologisch untersucht, aber eine DNA-Analyse gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Gundolf Köhlers Freundeskreis
Einer von Gundolf Köhlers Freunden, Bernd Kasper sagte bei einer Polizeivernehmung aus, dass Gundolf bei einer Diskussion gemeint habe, in Bonn, Hamburg oder München könne man einen Sprengstoffanschlag verüben. Er sei gegen alle drei im Bundestag vertretenen Parteien. Man könne dann mit solchen Attentaten Spitzenpolitiker ausschalten und den Linken zuschieben. Dabei erwähnte er auch die Namen Strauß, Kohl, Genscher und Apel. In diesem Zusammenhang soll er gesagt haben, dass ein Attentat, Skandal oder eine Entführung für die nahe bevorstehende Wahl oder für zukünftige Wahlen für die eine oder andere Seite entscheidend sein könne. Bernd K. meinte sich auch zu erinnern, dass bei diesen zahlreichen Gesprächen und Diskussionen auch Erich Lippert dabei gewesen wäre. Laut eigener Aussage Gundolf Köhlers wäre er in der Lage, Sprengkörper herzustellen. Außerdem hätte er die Mittel, um Dynamit herstellen zu können. Er sei im Besitz der hierzu notwendigen Chemikalien. Bei den Diskussionen mit Gundolf war im Rahmen der zweiten oder dritten Diskussion eindeutig vom Oktoberfest in München und von einem möglichen Aufenthalt des Politikers Strauß auf dem Fest die Rede. Diese stand im Zusammenhang mit der Wahl. Die von Bernd K. getätigten Aussagen wurden jedoch von den Kriminalisten angezweifelt, da er zu diesem Zeitpunkt an einer psychischen Erkrankung gelitten hatte. Mehr Glauben wurde hingegen den Aussagen von dem Jurastudenten Erich L. geschenkt, der die Tat von München als das Fazit einer persönlichen Katastrophe sah. Er war desillusioniert von der Bundeswehr, brach vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen den Wehrdienst ab (es wird berichtet, dass er einen Gehörschaden vortäuschte, um entlassen zu werden), wurde von seiner ersten Freundin enttäuscht und erhielt eine weitere Abfuhr von einem anderen Mädchen. Eines Tages soll er gegenüber Erich L. gefragt haben, was der Unterschied im Strafmaß sei, wenn man einen oder mehrere Menschen umbringe. Interessant dabei ist, dass Erich L. in den ersten Vernehmungen durch die Polizei lange nicht so gesprächig war und sogar leugnete, ein Freund, sondern höchstens ein Bekannter von Köhler gewesen zu sein. Während den Ermittlungen kam heraus, dass Bernd K. und Erich L. sich wenige Tage nach dem Attentat zusammensetzten und überlegten, was sie gegebenenfalls der Polizei sagen würden. Sie versuchten, sich gegenseitig abzustimmen.  Hier ist noch einmal besonders zu betonen, dass durch die Indiskretionen eines Hans Georg Langemanns und der damit verbundenen frühzeitigen Veröffentlichungen der wahren Identität des mutmaßlichen Attentäters Gundolf Köhlers genügend Zeit und Spielraum waren, potentielle Zeugen und mögliche Mittäter vorzuwarnen, die sich damit ihre eigenen Geschichten zurechtlegen konnten. Ein weiterer Bekannter Gundolf Köhlers gab gegenüber der Polizei zu Protokoll, dass er sich mit Köhler zerstritten hätte mit folgendem Hintergrund: Köhler hätte Interesse an Waffen und Waffenteile geäußert. Der Bekannte selbst konnte sich hierfür nicht begeistern, allerdings hatte er Köhler mit einem Kumpel bekannt gemacht, der vorgab, eine von Köhler gewünschte Maschinenpistole für 1.200 Mark besorgen zu können. Köhler gab das Geld, erhielt aber weder die Waffe noch das Geld zurück. Er war betrogen worden und machte den genannten Bekannten mit dafür verantwortlich. Daraufhin brach der Kontakt ab. Er hatte zwar eine Anzeige gegen den besagten Bekannten geschalten, diese verlief aber im Sande, da er nicht die wahren Hintergründe eines illegalen Waffengeschäftes offenbaren konnte und der Angezeigte bestritt, jemals Geld von Köhler bekommen zu haben. Das alles ereignete sich 1977. Im März 1977 sei dieser Bekannte, der einmal Köhlers Freund war, dann auf einem Parkplatz Gundolf wieder begegnet. Köhler kam mit einer Plastikpistole auf ihn zu und spritzte ihm mit einer Flüssigkeit direkt ins Gesicht, wobei es ihm gerade noch gelang, sich wegzudrehen, so dass er nur am Hals getroffen wurde. Es juckte und brannte; später stellte sich heraus, dass es verdünnte Schwefelsäure gewesen war.
Ein damaliger WSG-Mann, Arndt-Heinz Marx, wurde im Juli 1981 verhaftet und gab dort zu Protokoll, dass er sich an einen Gundolf Köhler erinnern könnte. Er hätte bei der Übung im Juli 1976 eine selbstgebastelte Handgranate mit sich geführt. Als weiteren Zeugen benannte er Ralf Rößner, der die Version von Marx bestätigte. Ein weiterer ehemaliger Anhänger der WSG, Bernd Grett konnte sich an eine WSG-Übung in der Nähe von Eitensheim im Landkreis Eichstätt erinnern. Da hätte ein 14 bis 15 Jahre alter Jugendlicher auf offenem Feld eine Rauchbombe gezündet. Er kam aus Donaueschingen.

Ach ja, da war ja auch noch ein Postbeamter Walter Behle mit einem STERN-Reporter im Gepäck!
Im Oktober 1980 fuhr Karl-Heinz Hoffmann zusammen mit Walter Ulrich Behle nach Damaskus, Syrien. Was Hoffmann zu diesem Zeitpunkt wohl nicht wusste, war der Umstand, dass Behle Kontakte zu einem STERN-Reporter namens Werner Pölchau oder Poelchau gehabt haben soll und ihn ebenfalls nach Damaskus lotste. Behle kam an der Hotelbar des Byblos mit dem Barkeeper Hamsi Mohamad Salah ins Gespräch und erzählt dabei während der Abwesenheit von Hoffmann, dass sie selbst für das Attentat verantwortlich wären. Eine weitere Bombe hätte in einer Abflussrinne gelegen. Der Barkeeper unterrichtete die deutschen Behörden. Behle wurde im Juli 1981 nach seiner Rückkehr verhaftet und befragt. Er wurde mit dem Tenor entlassen, dass es sich hierbei nur um alkoholbedingte Aufschneidereien handeln würde. In Frankfurt am Main ereignete sich am 02.08.1982 ein weiterer merkwürdiger Zwischenfall: Ein junger Mann namens Stefan Wagner aus der rechten Szene und nach seinen eigenen Aussagen ehemaliger Anhänger von Hoffmann, ereiferte sich über einen um 22.00 Uhr ausgestrahlten Dokumentarfilm über die Hitlerjugend (Blut und Ehre), packte sein Gewehr, schoss vom Balkon, stürmte anschließend ins Nebenhaus, ergriff sich dort einen Saunabesitzer und schrie ihn an, ob er die WSG kenne? Er wäre beim Attentat dabei gewesen; dann flüchtete er weiter und erschoss sich in der Nacht zum 03.08.1982 auf einer Bank nur ein paar Häuser weiter. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass im Rahmen der kleinen Anfrage der Grünen an die Bundesregierung, Drucksache 16/13305 gefragt wurde, ob der Bundesregierung bekannt sei, dass Karl-Heinz Hoffmann 1972 den Auftrag erhalten hat, Schilder für das Olympiagelände in München für die Olympischen Sommerspiele in dieser Stadt anzufertigen. Die Bundesregierung bestreitet das nicht in ihrer Antwort vom 22.06.2009, allerdings gibt sie keine Auskünfte darüber, wer den Auftrag erteilt hatte, ob sich Hoffmann hierfür auch auf dem Olympiagelände aufhielt oder auch direkt dort beschäftigt war und ob er bereits Kontakte zu Palästinensern oder mutmaßlichen deutschen Unterstützern des Oktoberfestattentats hatte.

Eines ist jedoch bisher wirklich klar und dementsprechend bei der Bewertung diverser Zeugenaussagen, inbesondere aus dem Umfeld von Gundolf Köhler zu berücksichtigen – unmittelbar nach dem Bombenanschlag wurden seitens Hans Georg Langemann Namen und Adressen von Zeugen sowie Ermittlungserkenntnisse an mehrere Journalisten weitergegeben, wie sich später herausstellte. Die Gelegenheit einer Absprache oder Alibikonstruktion von Mitwissern und Tätern war damit zu jedem Zeitpunkt gegeben.

Gemäß dem Filmbeitrag vom ZDF „Der Oktoberfest-Bombenanschlag vom 26.09.1980“ äußerte sich Generalbundesanwalt Kurt Rebmann in einer Pressemitteilung am 28.09.1980 noch dahingehend, dass eine Einzeltäterschaft des Köhlers zunächst ausgeschlossen sei, Zitat: „Wir nehmen nicht an beim gegenwärtigen Stand der Ermittlungen, dass Köhler als Alleintäter gehandelt hat“. Bereits am 23. November 1982 hatte er jedoch das Verfahren offiziell eingestellt. Grund: Haupttatverdächtiger Gundolf Köhler aus Donaueschingen habe alleine gehandelt. 26 Ordner mit Ermittlungsakten lagen in Karlsruhe vor, welche die Münchner Sonderkommission „Theresienwiese“ übermittelt hatte.
In dem gleichen Filmbeitrag macht der Opferanwalt Werner Dietrich Angaben darüber, dass ein Fingerfragment gefunden worden sei, von dem ein Fingerabdruck abgenommen und weder Köhler noch einem der zahlreichen Opfer zuzuordnen sei. Jedoch fand man diesen Fingerabdruck auf den Akten wieder, die Gundolf Köhler in seinem Keller deponiert hatte. Ulrich Chaussy, der ebenfalls in diesem Beitrag interviewt wurde, stellte weiterhin fest, dass genau zu der Zeit, als es endlich mithilfe der DNA-Analyse möglich gewesen wäre, weitere Tatspuren auszuwerten, vor deren Einführung in Deutschland die gesicherten Asservate 1997 vernichtet wurden.

Der geheimnisvolle Herr Engert
So berichtet die NPD Neumarkt anlässlich des Vortrags von Peter Naumann (http://www.npd-neumarkt.de/berichte-ab09-2010.html): „Jürgen Busch aus dem Kameradschaftsumfeld von Peter Naumann war Angehöriger des Völkischen Bundes, er arbeitete im Vorfeld des Oktoberfest-Attentats in der Gastronomie eines namhaften Möbelhauses. Dort trifft er – quasi zufällig – seinen alten Bundeswehr-Kompanie-Feldwebel, der wiederum eine zweite Person mitbringt, die er als einen Freund aus Bonn, Herr Engert, vorstellt. Dieser Herr Engert übernimmt nach der Begrüßung sofort den Redefluß und verabredet sich dann erneut zunächst für ein weiteres Gespräch. In der Folgezeit sucht Engert Jürgen Busch ca. alle 3-4 Wochen auf und gibt sich auf seinem dritten Treffen als Verfassungsschützer aus, der gegen links arbeiten würde. Für diese Treffen nimmt Jürgen Busch kein Geld, lässt sich aber jeweils zum Essen einladen. Am Mittwoch vor dem Oktoberfest-Attentat kommt es zu einem erneuten Treffen mit Engert. Dort wollte der sich für die bisherigen Gespräche erkenntlich zeigen mit einem gemeinsamen Besuch des Oktoberfestes. Peter Naumann hatte zu dieser Zeit Infostand-Termine in Wiesbaden, aber auch Jürgen Busch war in dieser heißen Phase des damaligen Bundeswahlkampfes in den Wahlkampf eingebunden. Trotzdem hatte er vor, diese Einladung anzunehmen und seine Kameraden zu vertrösten. Jürgen Busch sagte dann doch kurzfristig Engert ab und kam nicht zu der vereinbarten Parkbank auf dem Oktoberfestgelände.“

Gladio oder Lembke oder Beides?
Nach dem Internetmaterial von Herwig Duschek vom 17.09.2011 712. Artikel zu den Zeitereignissen (www.gralsmacht.com) unter Bezug auf das von Daniele Ganser zitierte Buch „NATO-Geheimarmeen in Europa; inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“ soll einen Tag nach dem Attentat eine Frau anonym mit französischem Akzent bei mehreren Münchner Tageszeitungen angerufen und gesagt haben: „Wir sind von den Rechten aus Bologna. Wir sind gegen die Roten. Wir haben gestern einen Streich gemacht. Wir werden weitermachen.“ (siehe auch Tobias Heymann „Die Oktoberfest-Bombe“).
In der Tat ist zwei Monate vor dem Oktoberfest-Attentat am 02.08.1980 in Bologna ebenfalls ein Bombenattentat verübt worden, bei dem 85 Menschen starben und über 200 verletzt wurden. Die Bundesregierung hatte 1990 selbst bestätigt, dass in Deutschland die Geheimorganisation Gladio existiert und immer noch Bestand habe. Die Einheiten der von den alliierten Geheimdiensten auf deutschem Territorium bis 1955 aufgebauten Nachrichtenbeschaffungs- und Schleusungsorganisationen wurden 1956 vom BND übernommen. Laut Staatsminister und Verantwortlicher für den BND, Dr. Lutz Stavenhagen, arbeiten zu diesem Zeitpunkt 104 Personen im Zusammenhang mit der Stay-behind mit dem BND zusammen. Am 26.10.1981 hatte man z.B. ein geheimes Waffenversteck in der Nähe von Uelzen in der Lüneburger Heide entdeckt. Ein Waldarbeiter war zufälligerweise am Boden darüber gestolpert, als er dort Gewehre und andere Kampfinstrumente vorfand. Kurz darauf wurde der Forstaufseher und Rechtsextremist Heinz Lembke verhaftet. Er führte dann die Polizei zu einem weitumspannenden Arsenal, das aus 33 unterirdischen Waffenverstecken bestand. Hierzu bemerkte die Österreichische Militärische Zeitschrift 1991: „Diese entdeckten Waffenverstecke wurden sofort dem Rechtsextremisten Lembke zugeschrieben. Doch diese hervorragende Lösung hatte einen Fehler. Das Waffenversteck enthielt neben automatischen Waffen, chemischen Kampfmitteln [Arsen und Zyankali] und etwa 14.000 Schuss Munition auch 50 Panzerabwehrrohre, 156 kg Sprengstoff und 230 Sprengkörper sowie 258 Handgranaten. Bemerkenswert ist, dass ein Staat mit extremen Sicherheitsvorkehrungen gegen Terroristen den Diebstahl oder das Verschwinden einer solch großen Menge Kriegsmaterial nicht bemerkt haben sollte.“
Der deutsche Journalist Klaus Harbart glaubt, dass Lembke das Arsenal benutzt haben könnte, um rechtsradikale Freunde auszustatten, welche diese bei dem Terroranschlag in München benutzt hatten. So verriet Raymund Hörnle, einer aus der Neonazi-Szene, bereits einen Tag nach dem Anschlag der Polizei bei seiner Vernehmung, dass Lembke ihnen verschiedene Sprengstoffarten, Zünder, Lunten, Plastiksprengstoff und militärische Sprengstoffe zeigte. Daneben würde er Leute im Gebrauch von Sprengstoffen und explosiven Geräten ausbilden. Er hätte viele Waffenverstecke voll von diesem Material. Ähnliches sagte die Rechtsextremistin Sibylle Vorderbrügge gegenüber der Polizei aus, die in diesem Zusammenhang noch einen Namen nannte – Helmut Meyer. Sibylle Vorderbrügge und der Werkmeister Raymund Hörnle hatten im August 1980 drei Molotowcocktails durch ein Fenster des Hamburger AsylwerberInnenheims geworfen; zwei Vietnamesen kamen bei diesem Anschlag zu Tode. Sie zündelten und bombten bereits seit Monaten quer durch die Republik im Auftrag von Manfred Roeder.  Diesen Hinweisen wurde seitens der Polizei nie nachgegangen. Nachdem Lembke aussagte und auch Informationen über seinen einstigen Freund Manfred Roeder, dem Anführer der rechtsradikalen terroristischen Gruppe „Deutsche Aktionsgruppen“ preisgab, des Weiteren ankündigte, auch Aussagen dazu zu machen, wer die Waffen und Sprengstoffe benutzen sollte, wurde er am 01.11.1981 in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Der Ex-Rechtsanwalt Manfred Roeder konnte während seiner Flucht aus Deutschland auf ein Konto mit Namen „Walser“ und der Nummer 30-53436 beim Postscheckamt Bern zugreifen, das für ihn eingerichtet wurde. In 15 Monaten trieben Neonazis nach Erkenntnissen von Staatsschützern rund 173.000 Mark für ihren versteckten Führer ein. Bekannt wurde auch, dass Lembke selbst zusammen mit dem Rechtsextremisten Peter Naumann Sprengstoffanschläge verübte. Naumann hatte offenbar Kenntnisse von Lembkes Waffenlagern, verfügte über eine Ausbildung als Diplom-Chemiker und als Sprengmeister der Bundeswehr. Er soll bis 1995 selbst noch weitere Waffenlager unterhalten haben.

Der Stoff, aus dem die Bombe war
Soweit nach einem Interview mit Tobias Heymann (siehe www.heise.de/tp/artikel/33/33016) bekannt ist, bestand die Bombe aus der Hülle einer britischen Mörsergranate, die in einem Feuerlöscher eingesetzt war, gefüllt mit ca. 1,4 Kilo TNT sowie zwischen Granate und Feuerlöscher gesteckte Nägel, Schrauben, Muttern und andere Metallstücke. Unklar ist, wie der Zünder genau aussah und woher das TNT stammte. Auch wenn zur Bombe nicht alle Fragen geklärt sind, so lässt sich dennoch folgendes sagen: Bomben mit eingefrästen Sollbruchstellen, Feuerlöscher- und TNT-Bomben benutzten auch andere Neonazi-Gruppen. Von der in den 1970/80er Jahren aktiven rechtsterroristischen Braunschweiger Gruppe um Paul Otte als früherem Rottenführer des SS-Panzerregiments „Das Reich“ ist beispielsweise bekannt, dass sie ferngezündete Bomben erfolgreich testete und auch ähnliche Bomben mit eingefrästen Sollbruchstellen herstellte. Zum Sprengen verwendete sie teilweise offenbar Pioniersprengstoff aus Armeebeständen. Mit Feuerlöschern baute andererseits auch die „Hepp-Kexel-Gruppe“ Bomben und stellte selbstgebaute Elektrozünder her. Wieder andere Wehrsportgruppen verfügten über Waffen aller Art sowie Granathüllen, Zünder, militärische und zivile Sprengstoffe. Insgesamt lässt sich daher sagen, dass eine ganze Reihe von Neonazi-Gruppen in den 70er/80er Jahren mit ähnlichen Bombentypen wie der Oktoberfest-Bombe hantierten und dort eine gewisse Zahl von regelrechten Experten wusste, wie man mit Explosivstoffen umgeht, diese herstellt und hochkomplexe Bomben baut.

Ergebnis und „Nachsorge“
Der von Hans Georg Langemann über NADIS-Abfrage angedeutete Briefwechsel zwischen Köhler und Karl-Heinz Hoffmann, der bereits 1977 zusammen mit einigem anderen Material sichergestellt wurde, ist im Abschlussbericht des LKA mit keiner Silbe zitiert worden.
Trotz des gruseligen Attentats verschaffte der neuerliche Ansturm auf die Wiesn den Wirten und Schaustellern einen neuen Einnahmerekord.
Die Opfer des Bombenanschlags blieben weitgehendst ungehört, ihre Fragen nie beantwortet.
Das Mahnmal, errichtet für die Opfer des Bombenanschlags, wurde in den folgenden Jahren immer wieder geschändet und verunreinigt. So schrieb selbst Tatjana Neef vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München in ihrer Publikation 26.09.1980 „Das Oktoberfest-Attentat zum 200 jährigen Bestehen des Oktoberfestes“: „Die Dominanz des Festareals und die unscheinbare Gestaltung ließen Millionen von Besuchern vorbeiziehen, ohne den Ort wahrzunehmen. Oft wurde er als Müllhalde oder Pissoir zweckentfremdet. Um dem Gedenkort mehr Würde und Beachtung zukommen zu lassen und diesen vor Beschädigungen zu schützen, wurde im Jahr 2008 (!) das Mahnmal umgestaltet. Die 1981 durch Friedrich Koller entworfene, bronzene Stele wurde von ihm um eine halbrunde, durchlöcherte Stahlwand erweitert, die an die Streukraft der Bombe erinnern soll. Laut Aussage des Künstlers ist diese Wand als eine Metapher für Schutz und Demokratie zu verstehen (!), die, angedeutet durch die Löcher, verletzt wurde. Zusätzlich finden sich in den Boden eingelassene Stahlsplitter, die symbolisch für die Toten des Attentats stehen.“
Nun ja – Franz Josef Strauß ist es trotz seines Wahlkampfslogans „Kanzler für Freiheit“ nicht gelungen, sich gegen Helmut Schmidt als Kanzler für „Sicherheit in Deutschland“ durchzusetzen. Aber bereits 1982 schaffte es dafür Helmut Kohl, durch ein Misstrauensvotum den frisch gekürten König Schmidt zu stürzen und sich selbst auf den Thron zu setzen.
Gundolf Köhler wurde am 23. November 1982 zum Alleintäter des Oktoberfestattenats erklärt.
Karl-Heinz Hoffmann bleibt für einen Teil der Öffentlichkeit trotzdem der „Boogieman“, der hinter diesem Attentat die Fäden doch in irgendeiner Weise gezogen haben muss, auch wenn man es ihm bisher nicht nachweisen konnte.
Hans Georg Langemann zog durch seinen Geheimnisverrat und seine dubiose Rolle im gesamten Ermittlungsverfahren einen Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag mit sich, der aber in aller Stille und unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu keinem Ergebnis führte. Er konnte leise und heimlich aus dem Rampenlicht treten und bis heute unbehelligt sein wie auch immer geartetes Leben leben – im Gegensatz zu allen bis zum heutigen Tag gezeichneten Opfern des Oktoberfest-Attentats.

Am 11. Dezember 2014 nahm der Generalbundesanwalt Harald Range das Ermittlungsverfahren wieder auf. Mittlerweile ist Helmut Range seinen Job als Generalbundesanwalt wegen der Landesverrats-Affäre von netzpolitik.org im Rahmen des NSA-Untersuchungsausschusses wieder los. Das wäre aber in ein paar Monaten ohnehin durch natürliche Ruhestandsregelung passiert. Es wird sich zeigen, wie sein aus München stammender Nachfolger Peter Frank damit umgeht.

Aus diesem Grund liefere ich im Folgenden (Teil 2 bis 14) eine Analyse zu diesem Bombenanschlag, die natürlich in Unkenntnis von Ermittlungsakten, Verhör- und Zeugenbefragungsprotokollen nur auf der Grundlage von bereits veröffentlichten Informationen durchgeführt werden kann.

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