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Die WSG-Hoffmann

WSG-Vorgeplänkel
Gemäß haGalil.com vom 03.10.2006 „Vereinigung der Einzeltäter: Wehrsportgruppe Hoffmann“, hatte Hoffmann bereits 1968 für mächtiges Aufsehen gesorgt, dass dann wohl auch in den Lokalzeitungen erschien. In einem Nürnberger Cafe feierten Hoffmann und seine Freunde auf ihre Weise Fasching. Sie zogen sich SS- und sonstige Militäruniformen an, während die Frauen in BDM-Kleidern auftraten. Dabei ließen sie im Hintergrund ein Tonband mit Geräuschen von MG-Geknatter und Zischen von Granaten und Bomben laufen. Auf seinen Schlösssern Almoshof bei Nürnberg und später Schloss Ermreuth bei Erlangen fand man Kriegsgeräte inklusive eines Panzerspähwagens.

Das wiederum erinnert mich an Udo Prosch, den mutmaßlichen Ost-Spion und seinen 1973 gegründeten Verein „CUM“ (Civil und Militär). Der damalige österreichische Verteidigungsminister Karl Freiherr von Lütgendorf hatte mit Udo Proksch diesen Verein gegründet, um auf diese Weise unentgeltlich Kampfflugzeuge, Panzer, Militär-Lastwägen, Jeeps, Raketenwerfer, Hubschrauber, Schlauchboote, Fallschirme und sonstige Militärgerätschaften dem Verein zu überlassen – natürlich voll funktionstüchtig entgegen den Bestimmungen. All diese Gerätschaften wurden mutmaßlich weiter an Entwicklungsländer oder Krisengebiete verschoben.

Zurück zu Hoffmann. Gemäß dem Kredo der CSU unter Graf Hans Huyn unterhielt Karl-Heinz Hoffmann mit seiner damals noch nicht verbotenen WSG-Hoffmann enge Kontakte zu Neonazis im In- und Ausland. Dabei reiste er offensichtlich nach Zimbabwe (früher Rhodesien) und bot dem Smith-Regime an, ihn mit seiner WSG-Mannschaft im Kampf gegen die Nationale Befreiungsfront zu unterstützen. Pläne zur Befreiung von Rudolf Heß sollen sich auf Schloss Ermreuth, in einer Blechdose eingemauert, auch befunden haben.

Besonders interessant ist folgende Aussage vom 02. Juni 2010 von Karl-Heinz Hoffmann selbst: „Es wäre sachlich nicht exakt zutreffend, wollte man behaupten, die Wehrsportgruppe, die sich auch nach meinem Namen ‚Hoffmann-Truppe‘ nannte, sei 1974 gegründet worden, obwohl später viel von so genannten ‚Gründungsmitgliedern‘ die Rede war. Richtiger ist es zu sagen: die WSG wurde in jeder Zeit eher beiläufig ins Leben gerufen. Sie sollte ursprünglich nicht mehr sein als ein sozialpädagogisches Experiment. Anfänglich nicht vorgesehene durch ständigen Druck von außen erzeugte Mutationen des Organisationsschemas stehen dem nicht entgegen.“ (Quelle: https://prenzlauerberger.wordpress.com/2010/06/02/die-wehrsportgruppe-hoffmann-und-das-oktoberfestattentat-2/

Von welchem Experiment spricht da Hoffmann und wer ist gegebenenfalls der Auftraggeber für dieses Experiment? Könnte es sich hierbei um ein Experiment in Anlehnung an das von Henry A. Murray durchgeführte Experiment handeln? Dieser hatte 1960 ein drei Jahre andauerndes Experiment mit Studenten der Harvard-University unternommen, an dem auch der Mathematikprofessor Ted Kaczynski als Student, der spätere UNA-Bomber, teilgenommen hatte. Murray war Professor an der Harvard University und zu dem Zeitpunkt 62 Jahre alt. Er hatte einen wegweisenden psychologischen Test entwickelt (TAT – Thematic Apperception Test), ein vielgelesenes Buch darüber geschrieben und beim Militär Rekruten auf ihre Eignung für geheime Einsätze geprüft. Sein Experiment mit den Studenten aus Harvard nannte er „Dyade“, was belastende Streitgespräche zum Inhalt hatte, um in Erfahrung zu bringen, wie Menschen auf ständigen verbalen Druck und Auseinandersetzungen reagieren. Zu diesem Zweck hatte er einen besonders gewieften, rhetorisch begabten Rechtsstudenten herausgesucht, der alle Testpersonen in Streitgespräche verwickeln und ihre Ansichten lächerlich machen sollte, egal, mit welchen Argumentationen und logischen Gedankengängen sie auch kommen. Jeder der Studenten erhielt einen Decknamen; Ted Kaczynskis Deckname war „Gesetzestreu“, da er von allen teilnehmenden Versuchspersonen der verunsichertste und vorsichtigste war. Diese Streitgespräche müssen Ted Kaczynski besonders zugesetzt haben und so entwickelte er sich zum UNA-Bomber, der sich ab 1970 in den Bergen von Montana in einer selbstgebauten Holzhütte verkroch und dort seine Briefbomben bastelte. Lange Zeit stand er auch in Verdacht, der in der Bay Area von San Franzisko aktive Serienmörder, bekannt als Zodiac-Killer zu sein. Allerdings hatte er bei späteren Ermittlungen nachweislich ein Alibi für fünf der Morde nachgewiesen und schied damit wieder aus. Der Zodiac-Killer, der von 1968 bis 1969 fünf Menschen ermordete, von sich selbst in seinen Briefen aber behauptete, 37 Menschen getötet zu haben, wurde bis heute nicht gefasst. Von 1978 an bis 1995 terrorisierte Ted Kaczynski mit seinen Briefbomben Amerika und verlangte, dass sein Manifest „Die industrialisierte Gesellschaft und ihre Zukunft“ veröffentlicht wird. Im Gegenzug würde er mit den Bombenattentaten aufhören. (Quelle: NZZ Folio „Der Versuch mit dem Una-Bomber„)

Woher kommen die Gelder?
Im Jahr 1977 hat die Lebensgefährtin von Karl-Heinz Hoffmann, Franziska Birkmann für 60.000 DM das Schloss Ermreuth als Hauptquartier der WSG, das im Dritten Reich als Kreisführerschule der NSDAP gedient hatte, erworben. Woher stammt das Geld für das Schloss, die zahlreichen Reisen in den Nahen Osten, für den Kauf von ausrangierten Militärfahrzeugen usw.? Nach einem Artikel von Trend Infopartisan „Rechte Glücksritter in Ostdeutschland“ 11/03 von Andrea Röpke & Berny Vogl soll Hoffmann bereits 1963 in der Türkei wegen Waffenhandels verhaftet worden sein. Das könnte zumindest eine Erklärung für eine lukrative Einnahmequelle sein. Allerdings bestreitet Hoffmann diese Unterstellung und verweist auf die Gegendarstellung der Presse. Hierzu seine Anmerkung (http://www.karl-heinz-hoffmann.com/wikipedia.html): “Der Anlass war eine Zeitungsente. In der Nürnberger Boulevardpresse erschien ein groß aufgemachter Artikel mit der Überschrift: „Zwei Nürnberger in Ankara wegen Waffenschmuggel verhaftet.“ Wenn das so ist, kann man dann einen Vorwurf erheben, wenn sich ein Autor auf diese Quelle beruft? Ja man kann, und zwar deswegen, weil der Bericht tatsachenwidrig ist, wenn die der ausgewerteten Pressequelle nachgefolgten richtigstellenden Pressemitteilungen ignoriert werden.”

Aber Hoffmann bestreitet nicht, dass es in seinem Umkreis Menschen gibt, die ihm immer wieder finanziell tatkräftig unter die Arme greifen, z. B. bei der Bezahlung seiner Gerichtsprozesse und Anwaltsgebühren (Bereits 1975 bezahlte DVU-Chef Gerhard Frey „aus nationaler Solidarität“ seine Gerichtskosten in Höhe von 8.000 Mark).
haGalil.com vom 03.10.2006 „Vereinigung der Einzeltäter: Wehrsportgruppe Hoffmann“ hierzu: “An prominenten und praktischen Bekanntschaften schien es Hoffmann nicht zu mangeln. Es war ein offenes Geheimnis, dass einflussreiche Persönlichkeiten ihm den Rücken freihielten und ihn unterstützten. Namhafte Persönlichkeiten wie der Nürnberger Rüstungsfabrikant Karl Diehl, seit 1997 Ehrenbürger der Stadt Nürnberg, sollen zum Unterstützerkreis der Hoffmanntruppe gehört haben. Entsprechende Andeutungen machte Freiherr Gilbert von Sohlern, Schlossherr in Gößweinstein und Gönner Hoffmanns, gegenüber als Geldkuriere getarnte Journalisten.”

Wie Karl Diehl mit der Politik um Franz Josef Strauß selbst verwoben ist, erzählt dann an dieser Stelle Wilhelm Schlötterer in seinem Buch „Macht und Missbrauch“. Darin wird Karl Diehl als besonders enger Strauß-Freund bezeichnet. Noch kurz vor seinem Tod, am 2. September 1988 benutzte Strauß den Jet von Karl Diehl zum Rückflug von Südfrankreich nach München. Es gab viele dieser Anzeichen, u.a. ein Fall aus den 80er Jahren; Diehls Firma wurde da schon ohne ersichtlichen Grund von einer Zahlung der Steuern an das bayerische Finanzamt befreit, die auf die Erlössumme bei der Veräußerung einer seiner Firmen im Iran eigentlich fällig gewesen wären. Die so genannte „Onkel Aloys“-Affäre lässt ebenfalls tief blicken. Im Mittelpunkt dieser Affäre steht die Panzerkettenfabrik Backhaus. Karl Diehl hatte auf diese Firma ein Auge geworfen und ließ dabei seine Beziehung zu Strauß spielen. Strauß war zu diesem Zeitpunkt Bundesverteidigungsminister und prompt gingen daraufhin die Aufträge und Zahlungen an die Firma Backhaus rasant zurück. Backhaus kam in finanzielle Not und musste schließlich das Unternehmen verkaufen. Als Mittelsmann – damit es nicht so auffällt, wurde dann ein Strauß-Freund namens Aloys Brandenstein vorgeschickt, um das Geschäft für Diehl abzuwickeln. Jedenfalls erwarb Diehl über Aloys Brandenstein diese Panzerkettenfabrik für einen Appel und ein Ei konnte sich kurze Zeit später vor lauter Aufträge aus dem Bundesverteidigungsministerium nicht mehr retten. Die Geschäfte dieser Panzerkettenfabrik liefen von nun an wieder wie geschmiert. Aloys Brandenstein hingegen, der zuvor arm wie eine Kirchenmaus war, schwelgte plötzlich im Reichtum und konnte sich innerhalb weniger Wochen als Millionär bezeichnen. Und im neuen Jahrtausend gab es schon wieder einen großen Skandal um Karl Diehl. Eine Betriebsprüferin erstattete gegen Karl Diehl wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Veruntreuung eine Strafanzeige bei der Nürnberger Staatsanwaltschaft. Es bestand wohl ein begründeter Anfangsverdacht und deswegen wurde auch ermittelt, aber immer, wenn Hausdurchsuchungen bei den Banken anstanden, wurden diese bereits vorgewarnt. Alle belastenden Unterlagen verschwanden und so wurde das Verfahren im Jahr 2004 eingestellt. Dieser Justizskandal kam im Übrigen erst im Mai 2009 durch die Nürnberger Nachrichten ans Licht.

Es wird ernst – das WSG-Verbot
Was genau war der Anlass für das Verbot der WSG durch Gerhart Baum (BI-Minister seit 1978), gerade mal 9 Monate vor dem Attentat, nachdem Hoffmann bereits 1974 vom Bayerischen Verwaltungsgericht verurteilt wurde (siehe Kleine Anfrage und Antwort der Bundesregierung Drucksache 16/13527 vom 22.06.2009 – http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/135/1613527.pdf ) und schließlich 1976 ein Mitglied seiner Gruppe, der Bundeswehrgefreite D.E. einen Sprengstoffanschlag verübt hatte? Wieso hatte der damalige Bundesinnenminister Werner Maierhofer, ebenfalls von der FDP, damals nicht gleich reagiert, als das Verwaltungsgericht feststellte, dass Hoffmann “„bei ihm günstig erscheinender Gelegenheit seine Truppe einsetzt, dabei selbstverständlich Waffen verwendet und den offenen Kampf mit politisch Andersdenkenden sucht“. Ein WSG-Verbot erfolgte erst am 30.01.1980. Was war dafür die Grundlage, wenn doch die Antwort der Bundesregierung in Bezug auf das Urteil vom 1974 noch bemerkt, dass §129a StGB keine Rechtsgrundlage für Verbote von Organisationen biete. Stattdessen soll sich jetzt das Verbot vom 30.01.1980 auf den § 3 (1), Satz 1, Nr. 2 des Vereinsgesetz (VereinG) stützen, wonach sich die WSG Hoffmann gegen die verfassungsmäßige Ordnung richte. Waren dann im Jahr 1974 nicht die Voraussetzungen für das Verbot gemäß Vereinsgesetz gegeben? Ich lasse diese Antwort erst einmal unkommentiert so stehen.

Hoffmann äußert auf seiner Homepage die Theorie, dass sein Manifest „der Bewegung zur Verwirklichung der Rational Pragmatischen Sozial Hierachie“ der eigentliche Anlass gewesen wäre, wobei Teile seines Manifestes verfälscht worden wären (siehe http://www.karl-heinz-hoffmann.com/oktoberfestattentat.html). So schreibt er selbst: „Die WSG war niemals als Kern eines Machtergreifungsapparates gedacht. Sie war, das will ich zugeben, letztlich ein Propagandainstrument. Sie hatte die Aufgabe, einen hohen Bekanntheitsgrad zu erzeugen. Zu geeigneter Zeit hätte sie nach der Gründung einer, vom Bekanntheitsgrad der WSG profitierenden, politischen Bewegung abgelöst werden sollen. Alles dies natürlich, wenn die herrschenden Kreise unseres Landes gewillt gewesen wären, sich an ihre eigenen Gesetze buchstaben- und inhaltlich sinngetreu zu halten. Was sie leider nicht getan haben.“

Hoffmann will seine Truppe wohl als militant-freien Pfadfinder- oder Strampelhosenverein darstellen, aber dazu steht im Widerspruch, dass sich ein Mitglied der Vlaamse Militantenorde (VMO) unter der Führung von Bert Erickson, Michel Graisse, als Mitglied der WSG-Hoffmann bezeichnete. Im Sommer 1979 veranstalte der VMO ein Training mit 75 Rekruten, bestehend aus Jung-Nazis aus Westdeutschland, Frankreich und Belgien in den Wäldern der Ardennen nahe dem Städchen La-Rouche-en-Ardennes an der deutsch-belgischen Grenze für den Untergrundkampf.

Was hat Karl-Heinz Hoffmann dazu bewegt, einen Roman „Verrat und Treue“ zu schreiben, in dem er als Vorlage für seinen „Romanhelden Hunold Koller“ Gundolf Köhler und das Attentat benutzt? Dabei scheint er konkretes Täterwissen zu verarbeiten, indem er schildert, wie auf einem Waldparkplatz in Bebenburg (mglw. Bebenhausen) nahe Tübingen dieser Koller eine Bombe von einem Walter Dressel (vielleicht ein Synonym für den Walter Kexel?) entgegengenommen hat. Insbesondere beschreibt er hier sehr detailliert, wie die Bombe von München elektrisch mittels Fernzündung gezündet worden sein soll. Der Zündmechanismus der echten Bombe ist bis heute ungeklärt. Könnte es sich hierbei um eine versteckte Warnung seitens Hoffmann handeln, gerichtet an die tatsächlichen Architekten und Strippenzieher des Attentats? Anlass zu dieser Überlegung bietet seine Ausführung auf seiner Homepage, dass er am 30.01.1980 einen von deutschen Polizeikräften in Szene gesetzten Tötungsversuch nur deshalb überlebt habe, weil er sich „geistesgegenwärtig in Bruchteilen von Sekunden anders verhalten“ hat, „als vorausschauend zu erwarten war.“ Wie, das schildert er in seinem „tatsachenorientierten“ Roman „Verrat und Treue“ ab Seite 15. Was ist an dieser Behauptung dran? Wie glaubhaft ist es, dass Polizisten mitten in der Nacht ins Schloss stürmen, um vorgeblich einen Verbotsbeschluss der WSG zu überbringen, tatsächlich aber beabsichtigen, Hoffmann in einem vorgetäuschten Akt der Notwehr zu erschießen und damit aus dem Weg zu räumen? Die Polizei hätte trotzdem danach eine Menge Fragen zu beantworten gehabt (ich erinnere nur an den Fall Wolfgang Grams, der von der GSG9 am Bahnhof von Bad Kleinen mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet wurde). Die Sätze „geistesgegenwärtig in Bruchteilen von Sekunden anders verhalten“ und „als vorausschauend zu erwarten war“ klingen äußerst kryptisch und für die Schilderung als Reaktion auf ein überfallartiges Polizeikommando mitten in der Nacht sehr merkwürdig, um nicht zu sagen der Situation nach völlig unüblich.

Die Zeit nach dem WSG-Verbot
Im Juli 1980 machte sich Arndt-Heinz Marx auf Geheiß von Hoffmann zusammen mit vier anderen Anhängern der verbotenen WSG auf den Weg in den Libanon. Die Reise wurde mit zwei alten Militär-Unimogs durchgeführt, die Hoffmann in Nahost absetzen wollte. Sie machten in einem Lager der Al-Fatah im Südlibanon zwischen Saida und Damur eine Ausbildung. Dabei kam es während der Abwesenheit von Hoffmann und unter dem Wachdienst von Arndt-Heinz Marx zu einigen Zwischenfällen. Nach einer Flucht aus dem Lager wurden vier innerhalb der Gruppe wieder ins Lager zurückgebracht. Ein Mitglied der Gruppe, Kay-Uwe Bergmann wurde im Lager zu Tode gefoltert. Bei dieser Aktion soll auch ein Klaus Hubel dabei gewesen sein. Hoffmann selbst erschien erst im Oktober im Lager. Dort drangsalierte er dann Marx bis zum Erbrechen. Es kam zu einem schweren Zerwürfnis zwischen beiden. Uwe Behrendt, enger Vertrauter von Hoffmann, beging später angeblich Selbstmord.

Jürgen Grewen berichtete im Rechten Rand Nr. 22, dass V-Mann Peter Weinmann vom BfV mit seinem Informationsstand und Wissen die Wehrsportgruppe Hoffmann schon 1976 hochgehen hätte lassen können. Vermutlich stammt auch die Information aus Weinmanns Ecke, dass drei Tage vor dem Anschlag in Bologna vom 02.08.1980 einige Mitglieder der Hoffmann-Gruppe in Rimini weilten. Weinmann hatte damals auch Verbindungen zum SISMI gehabt. Hoffmann selbst soll mit Delle Chiaie zusammengetroffen sein, was Hoffmann wiederum bestreitet. Und Delle Chiaie, so kam später raus, hatte bei seiner Vernehmung den Verdacht auf die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ zu lenken versucht. Und Radio Utopie berichtete 2008 ebenfalls in seinem Artikel „Der Terror-Staat“, dass die Hoffmanngruppe vom BfV in der Person des Peter Weinmanns unterwandert wurde. Weinmann arbeitete u.a. auch für die Stasi und für den italienischen Militärgeheimdienst SISMI. Von SISMI weiß man inzwischen, dass dieser in den Bombenanschlag von Bologna am 02.08.1980 verstrickt war.

Der Spiegel wiederum erzählt unter Berufung auf Stasi-Akten, dass Hoffmann auf Weisung von Stefano Delle Chiaie am 13. Juli 1980 mit dem BKA-Informant Joachim Fiebelkorn aus Eppstein am Taurus in Italien zusammengetroffen ist. Es habe auch weitere Treffen mit französischen und italienischen Rechtsextremisten gegeben. Fiebelkorn selbst zählt zu den kampfbereiten Neonazis und hatte als rechte Hand von Klaus Barbie in Bolivien eine paramilitärische Kampfgruppe aufgebaut. (Quelle Spiegel-Artikel „Im rechten Netz“ vom 24.10.2011).

In der Tageszeitung vom 27.04.1983 schildert ein ehemaliges Mitglied von Hoffmanns WSG, Kontakte mit einem Agenten des Bundesnachrichtendienstes gehabt zu haben, in denen es um Lieferungen von Heeresfahrzeugen in den Libanon und Syrien ging. Die Bezugsquelle soll – gemäß ZOOM-Zeitschrift für Politik und Kultur Wien 4+5/96 – VEBEG, eine im Bundesbesitz befindliche Rüstungsschrottfirma gewesen sein.

Und auch Walter Ulrich Behle soll ein V-Mann des bay. Landesamt für Verfassungsschutz gewesen und unter dem Decknamen FELIX geführt worden sein. Angeblich hätte Behle Kontakt zum Sternreporter Poelchau gehabt und ihn nach Damaskus gelotst, um seine Geschichte über die Beteiligung des Oktoberfestattentats medienwirksam einzusteuern (siehe http://www.karl-heinz-hoffmann.com/oktoberfestattentat.html am 08.04.2011).

Behle hatte sich bei seinem Aufenthalt in Damaskus im Byblos-Hotel gegenüber dem Barkeeper Hamsi Mohamad Salah damit gebrüstet, das Oktoberfestattentat ausgeführt zu haben. Eine weitere Bombe wäre noch in einer Abflussrinne deponiert gewesen. Später nahm Behle bei der Vernehmung der Polizei diese Behauptungen zurück und schob sie auf alkoholbedingten Ausfall und übermäßigen Geltungsdrang. Es wäre deswegen sehr interessant, die Zeugenprotokolle von Salah noch einmal auf die Details des Gesprächs zu überprüfen und in welchem Zusammenhang der Satz “das waren wir” gefallen ist. Mit “wir” muss nicht notwendigerweise die Gruppe um Hoffmann gemeint gewesen sein. Dass Behle im besoffenen Kopf dieses Geständnis gemacht haben will, würde eher für seinen Wahrheitsgehalt sprechen, denn wie heißt es so schön: Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit. Eine weitere Frage ergibt sich jedoch aus einem anderen Zusammenhang. War der STERN-Reporter Werner Poelchau tatsächlich vor Ort und wurde er von Behle dorthin gelotst? Bisher behauptet das nur Hoffmann. Aber es gibt dennoch eine interessante Komponente, die mit der Lucona-Affäre und Udo Proksch zu tun hat. Udo Proksch hatte zusammen mit dem Atomphysiker Karl-Heinz Pfneudl, ebenfalls ein Ost-Spion, die Herausgabe einer ultralinken Zeitschrift „Das Extrablatt“ forciert. Einer, der für das Extrablatt schrieb, war auch Werner Poelchau, der nebenbei seinen Dienst auch beim Stasiblatt „Konkret“ versah. Poelchau führte u.a. auch Interviews mit dem ehemaligen CIA-Agenten Philip Agee. (Quelle: “Der Fall Lucona” von Hans Pretterebener). Nun fragt man sich an dieser Stelle, ob es sich tatsächlich um den gleichen Poelchau handelt, von dem Hoffmann spricht. Das würde dann die Glaubwürdigkeit von Hoffmann in diesem Punkt sogar noch unterstreichen.

Im Internet-Blog The Prenzlauer Berger von 2010 „Die Wehrsportgruppe Hoffmann und das Oktoberfest-Attentat“ konnten folgende Personen aus der Hoffmanngruppe identifiziert werden, die am 27.09.1980 im Zuge der Ermittlungen zum Oktoberfestattentat verhaftet wurden: Maschinenschlosser Michael Johann Ruttor, Postbeamter Walter Ulrich Behle, Bundesbahnsekretär Stefan Faber, Gastwirt Rudolf Klinger, Elektroinstallateur Rupert Christian Funk und der Arbeitslose Fridolin Josef Heizmann. Vier von ihnen sollten 3 Unimogs mit jeweils 3 VW-Kübelwagen nach Kooper, Jugoslawien transportieren. Von dort sollte der Fuhrpark auf ein Schiff in Richtung Syrien verladen werden. Faber sollte den Transport auf dem Schiff und weiter nach Beirut begleiten.

Die Ermordung Shlomo Lewins und die Beziehungen zur PFLP

Der Mord
In welchen Zusammenhang ist die Ermordung von Schlomo Levin und Frida Pöschke im Dezember 1980 zu sehen? Hatte Lewin Kenntnisse über das Bombenattentat in München oder vielleicht sogar Kenntnisse über das Olympia-Attentat von 1972; wollte er dazu etwas publizieren? Gemäß haGalil.com vom 03.10.2006 „Vereinigung der Einzeltäter: Wehrsportgruppe Hoffmann“ heißt es, dass Lewin öffentlich vor der deutschen Neonaziszene und der Gefährlichkeit Hoffmanns gewarnt habe. In der italienischen Illustrierten „Oggi“ vom Januar 1977 hatte er einen bissigen Kommentar zur Reportage über die WSG abgefasst, Hoffmann mit Hitler verglichen und vor seiner Gefährlichkeit gewarnt. Schlomo Lewin hatte in Erlangen bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad als Publizist und Mitherausgeber der Zeitschrift NER TAMID erreicht und wollte, nachdem immer mehr jüdische Emigranten aus den GUS-Staaten (sogn. Kontingentflüchtlinge) nach Erlagen kamen, eine jüdische Gemeinde gründen. Damals fragte sich selbst der Fürther Rabbi Wurmser „Wie kann das bloß angehen, dass jüdische Zuwanderer in eine Stadt kommen, in der es keine jüdische Gemeinde gibt?“ Wie er die Frage konkret meinte, kann nur vermutet werden. Jedenfalls hat sich Schlomo Lewin in diesem Bereich engagiert und bereits eine Satzung für die künftige Gemeinde entworfen. Die Pläne kamen jedoch nach seiner Ermordung nicht zur Vollendung. Frida Poeschke war im Übrigen die Witwe des verstorbenen Oberbürgermeisters Michael Poeschke.

Auffällig ist auch, dass im Zusammenhang mit dem Doppelmord in Erlangen zum Nachteil Schlomo Lewins und seiner Lebensgefährtin nicht nach dem Munitionsverlust bei der Polizeiinspektion Ansbach weiter nachgefragt wurde. Zwischen dem 08. und 10. Juli 1980 verschwanden dort 97 Schuss der gleichen Maschinengewehrmunition, mit der Lewin und Poeschke ermordet wurden. Ein anonymer Anrufer behauptete, die Munition sei über Mittelsmänner an die WSG-Angehörigen Rudolf Klinger und Fraß gelangt. Der Leiter der Inspektion, Maluck, bemerkte den Fehlbestand und erhielt von seinem Vorgesetzten die Anweisung eine unverfängliche Verlustmeldung zu schreiben. Maluck machte Bedenken gegen dieses Vorgehen geltend und wurde schließlich versetzt. Er wurde auch nicht als Zeuge in diesem Prozess zugelassen und Klinger sowie Fraß wurden hierzu nicht befragt (siehe ZOOM-Zeitschrift für Politik und Kultur Wien 4+5/96 ). Wilhelm Schlötterer fügt ergänzend in seinem Buch „Wahn und Willkür“ hinzu, dass diese Patronen vom Kaliber 9 mm von Heckler und Koch hergestellt waren. Eine Identifizierung hätte sich aus dem Datum ergeben, das auf den Patronenhülsen eingestanzt war. Außerdem hätte die Nürnberger Zeitung „Plärrer“ berichtet, dass es bei der Kriminalpolizei Ansbach einen Verbindungsmann zu den Neonazis gegeben hätte. Maluck erhielt im weiteren Verlauf ein Strafverfahren wegen Verleumdung und ein Disziplinarverfahren. Als zwei Polizeibeamte im Strafverfahren gegen Maluck als Zeugen aussagen sollten, begingen sie Selbstmord. Lange Rede, kurzer Sinn – Maluck wurde von allen Anklagepunkten freigesprochen, allerdings hatte man ihn dann in Frühpension geschickt. Günther Beckstein war zu diesem Zeitpunkt bayerischer Innenminister. Dabei kam noch ans Licht, dass Beckstein in der Zeit, als er noch Landtagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Innere Sicherheit war, den berühmt-berüchtigten Bordellbesitzer Stiegler als Rechtsanwalt beraten hatte. Dabei soll er Stiegler auch Tipps bei bevorstehenden Polizeirazzien gegeben haben. Im Gegenzug dazu wäre er von Stiegler großzügig belohnt worden. Dazu gibt es auch eine eidesstattliche Aussage eines Mannes, der aus dem Umfeld von Stiegler kam. Die Nürnberger Steuerfahndung hatte deshalb gegen Beckstein ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wurde aber wieder „von oben“ ausgebremst. Daraufhin habe es einen regelrechten Aufstand in der Nürnberger Steuerfahndung gegeben, in deren Verlauf der Leiter frustriert vorzeitig seinen Hut genommen und in Pension gegangen wäre. Diese Anschuldigungen wurden durch Maluck auch öffentlich bekanntgemacht und Beckstein ist dagegen nie vorgegangen.

Uwe Mainka, der später wegen Folterung seines Kameraden Bergmann zu 19 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, behauptete bis zum Schluss, dass sein Chef der Auftraggeber der Morde gewesen sei. Er blieb als einziger bei diesen Behauptungen. Alle anderen fielen entweder um oder verwickelten sich in Widersprüche. Im Spiegel vom 20.08.1984 „Rechtsradikale – Mit dem Rucksack“ heißt es, dass kurz vor dem Mordtag Hoffmann zusammen mit Uwe Behrend auf seinem Schloss eine Maschinenpistole vom Typ Beretta, 9mm Parabellum mit einem selbstgebauten Schalldämpfer ausgerüstet hat. Dazu soll er 4 oder 5 Metallbürsten mit zwei Schlauchbindern am Lauf der Pistole befestigt und darüber eine alte Spraydose aus Aluminium gestülpt haben. Ich bin zwar kein Waffenspezialist, aber dieser Schalldämpfer Marke Eigenbau scheint mir für diese Zwecke nicht geeignet zu sein.

Behrendt flüchtete zunächst zu seiner Mutter in die DDR, um dann weiter in den Libanon abzutauchen. Behrend selbst wurde damals in der DDR wegen versuchter Republikflucht zu 20 Monaten Haft verurteilt, wurde aber 1974 von der Bundesregierung zusammen mit anderen Häftlingen für 50.000 Mark freigekauft. Im Anschluss daran studierte er in Ulm, Erlangen und Tübingen Theologie, Germanistik und Medizin. Über Axel Heinzmann kam er zum Hochschulring Tübinger Studenten und traf dort auch mit Hoffmann zusammen. Er unternahm Reisen nach Südafrika und Rhodesien. Er soll angeblich einen weiteren Mordauftrag von Hoffmann erhalten haben, indem er das abtrünnige WSG-Mitglied Ralf Rößner umbringen sollte. Er suchte auch dessen Wohnung auf und ließ eine Handgranate explodieren, aber Rößner war zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner Freundin auf der Flucht und konnte so dem Anschlag entkommen.

Hoffmann selbst wurde zwar im Januar 1984 zu 9 ½ Jahren Haft wegen Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung, Geldfälschung und Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt, aber vom Mordvorwurf freigesprochen. Im November 1987 zog die Staatsanwaltschaft ihre Revision gegen den Freispruch endgültig zurück und zwei Jahre später war Hoffmann wieder auf freiem Fuß, das restliche Drittel seiner Haftzeit wurde ihm erlassen. Grundlage dieser Verurteilung waren die bei der Hausdurchsuchung auf Schloss Ermreuth und dem dazugehörigen Anwesen sowie den umliegenden Wäldern und Höhlen aufgefundenen Beweismittel. Danach fanden die Ermittler des bay. LKA aufgrund der Tipps von Odfried Hepp , Steffen Dupper und Peter Hamberger sowie seinem Freund Hans-Peter Fraas, die beide aus dem Ausbildungslager im Libanon desertierten, jede Menge falsche Dollars und zwei Kilo Sprengstoff der Sorte TNT.

Die Verbindung zur PLO und PFLP
Chef, ich habe den Vorsitzenden erschossen“ (Spiegel 1984: In diesem Artikel werden die Hintergründe des Mordanschlags an Shlomo Levin und seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke unter die Lupe genommen.

Bei der Untersuchung des Tatorts wurde die Sonnenbrille von Hoffmanns Lebensgefährtin Franziska Birkmann gefunden (Modell Schubert Optiker aus Heroldsberg bei Erlangen). Erst fünf Wochen später wurde Hoffmann überhaupt zu der Brille befragt. Unterdessen konnte Behrendt in den Libanon verschwinden. Lange Zeit blieb er verschollen, dann kam ein Hinweis aus den Reihen der Hoffmanngruppe, wo Behrendts Leiche zu finden sei. Er wurde in der Nähe von Beirut verscharrt, Gerichtsmediziner untersuchten zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels die sterblichen Überreste des dort aufgefundenen Mannes.

Laut Aussage von Hoffmann in seinem Gerichtsverfahren wollte er im Libanon eine Waffenfabrik aufbauen. Der Umzug der Hoffmanngruppe in den Libanon kam vor allen den Geheimdiensten sehr gelegen, erhofften sie sich dadurch Informationen über den Aufbau der PLO-Führung zu bekommen. Die Ausbildung der Hoffmanngruppe fand in einem Bergcamp zwischen Saida und Damur statt. Die Überführung von ausrangierten Unimogs und VW Kübelwägen der Bundeswehr dienten lediglich zur Tarnung, da die Fatah und PLO zu dieser Zeit bereits ganz andere finanzielle Quellen und Kriegsgerätlieferanten erschlossen hatte mit wesentlich besserem Material. Hoffmann und seine Mannen trafen dort auch auf Arafats rechter Hand, dem Sicherheitschef der PLO Abu Ijad zusammen. Als in Tripoli ein Schiffstransport mit Waffen der DDR-Volksarmee eintraf, durften die Hoffmann-Leute sogar beim Abladen von 400 Kisten voller Kalaschnikows helfen. Udo Albrecht, der Begründer der WSG Ruhrgebiet, fädelte die gesamten Verbindungen innerhalb des Libanon zwischen Hoffmann und der PLO-Führung ein; er machte ihn mit der Fatah-Führung, darunter Amin el-Hindi und einem Alif bekannt.

Im Spiegel vom 29.06.1981 „Neonazis in Nahost – betrogen und reingelegt“ gibt es noch ein paar erweiterte Informationen:

Bei ihrer Vernehmung gaben Odfried Hepp , Steffen Dupper, Peter Hamberger, Hans-Peter Fraas und Uwe Mainka an, dass sie alle bei der PLO gewesen seien. Rund anderthalb Dutzend Wehrsportkämpfer hat Hoffmann danach im Lager Bir Hassan, einem Camp der El-Fatah im Süden Beiruts, konzentriert. Der Trupp wurde in grüne Sonderuniformen gesteckt und musste angesichts des im Libanon vorherrschenden Klimas strapaziöse Ausschachtungen und Bauarbeiten ausführen. In diesem Kontext stellte sich heraus, dass Odfried Hepp persönliche Beziehungen zu Gundolf Köhler gehabt hatte. Peter Hamberger, der sich im Juni 1981 der Polizei stellte, gab an, dass Hoffmann und Uwe Behrendt den jüdischen Verleger Schlomo Lewin und seine Lebensgefährtin ermordet haben. Im Spiegel heißt es dann weiter, dass die marxistische Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) „im PLO-Verbund nur als radikaler Außenseiter geduldet“ wurde Diese habe zu dieser Zeit nach wie vor Kost, Logis und Waffentraining zur Verfügung gestellt bzw. angeboten, schickt aber nach eigenem Bekunden keine Ausländer mehr ins Gefecht: „Man lernt aus seinen Fehlern“, soll Politbüromitglied Taissir Kubaah gemäß Spiegel gesagt haben. Ein anderer Extremist namens Wolfram Langner erzählte, dass über eine „Gesellschaft für Euro-Arabische Freundschaft“ enge Kontakte zur PLO bestanden haben. 1976 veranstaltete diese Gesellschaft in München gemeinsam mit PLO-Leuten eine antiisraelische Kundgebung. Es soll auch der „Kampfbund Deutscher Soldaten“ daran teilgenommen haben.

Der ermordete Shlomo Levin ist in Palästina geboren und in Deutschland aufgewachsen. Er war offensichtlich Vertreter der jüdischen Befreiungsbewegung. Dabei soll er auch eine umfangreiche Personenkartei zu Mitgliedern und Interessenten geführt haben. Es wird zudem vermutet, dass er noch nicht bekannt gewordene Beziehungen zu israelischen Dienststellen gehabt hatte. An Feinden schien es ihm jedenfalls weder hüben noch drüben gemangelt zu haben. Im Fokus der polizeilichen Ermittlungen stand wohl auch der Palästinenserführer Abu Nidal. Abu Nidal hielt sich zu der Zeit in Syrien auf und auch bei ihm ist bekannt, dass er sich in Wahrheit einen Dreck um die palästinensische Sache geschert hat, sondern sich eher im Dienst unbekannter Strippenzieher befunden hat, die je nach Konjunktur und politischer Lage ihre Kämpfer und Truppen einsetzen. Der Spiegel schreibt hierzu „Der Mann in Damaskus gilt als Organisator des Mordes am österreichischen SPÖ-Politiker Heinz Nittel, der unter auffallend ähnlichen Umständen starb wie frühere Nidal-Opfer – aber auch wie Shlomo Levin“ (Quelle: Spiegel vom 29.06.1981 „Neonazis in Nahost – betrogen und reingelegt“).

Die engen Kontakte der Hoffmann-Gruppe zur PFLP, einem integralen Bestandteil des syrischen Geheimdienstapparates werden im EIR Artikel „All roads lead to Damascus“in seiner 12. Ausgabe, Nr. 11 vom 19.03.1985 dargelegt. Im Februar 1985 wurde im Rahmen des Gerichtsverfahrens in Paris gegen ASALA Terroristen und Armenier Waroujan Garbidian, Ohannes Semerci und Soner Nayir, verurteilte Beteiligte am Bombenattentat in Orly im Juli 1983, bekannt, dass bei der Durchsuchung eines Appartements, wo sich die drei zuletzt aufgehalten hatten, zahlreiche falsche Pässe gefunden wurden, die von der PFLP und dem Syrischen Geheimdienst ausgestellt waren. Darunter waren auch zwei gefälschte Pässe für Uwe Mainka und Udo Albrecht, die 1980 im Libanon von der PFLP ausgebildet wurden. Albrecht hat sich bereits nach Ostberlin abgesetzt gehabt. In diesem Appartement wurden auch Waffen gefunden, die von der Bulgarischen Drogen-für-Waffen-Firma Kintex 1975 in Österreich beschafft wurden.

Schließt sich damit auch hier ein Kreis und entlastet Karl-Heinz Hoffmann zusätzlich vom Verdacht des Mordes bzw. Auftraggeber für die Ermordung Shlomo Lewins und Frieda Poeschke zu sein? An dieser Stelle muss noch einmal betont werden, dass Uwe Mainka der einzige war, der an der Beschuldigung gegen Karl-Heinz Hoffmann festhielt, während alle anderen ihre Aussagen zurückzogen oder sich in Widersprüche verwickelten. Uwe Behrend war ja tot und im Libanon verscharrt. Und die Brille von Hoffmanns Frau, die am Tatort aufgefunden wurde, kann in der Tat mit Absicht als falsche Spur hingelegt worden sein. Im Umfeld von Hoffmann befanden sich ja genügend Spitzel, um an einige seiner persönlichen Sachen heranzukommen.

Hoffmann als Bauunternehmer
In der Zeitschrift RAUMZEIT Nr. 25 vom 15.10.2003 „Rechte Glücksritter in Ostdeutschland“ kann man über Hoffmanns Werdegang nach seiner Haft lesen, dass er zusammen mit seiner Frau ein Firmengeflecht von bis zu 15 Unternehmen aufgebaut hatte. Über die guten Beziehungen zur Nürnberger und Franken-Prominenz habe ich bereits vorher berichtet, das ist also nicht mehr neu. Nach dem Mauerfall kehrte er dann erst einmal wieder in seinen Heimatort Kahla zurück. Er erwarb sein Elternhaus am Karl-Liebknecht-Platz zurück und errichtete dort Büros und Wohnungen. Das Geschäft jedenfalls schien zu florieren und in Spitzenzeiten sollen rund 20 Angestellte und Arbeiter von Hoffmann beschäftigt worden sein, die Lohnkosten beliefen sich auf 120.000 Mark im Monat. Hoffmann selbst soll damit geprahlt haben, dass er 10 Millionen Mark investiert hätte und zwar ca. 1/3 über westdeutsche Investoren und 2/3 über privat finanzierte Mittel. Dann kam noch eine Gaststätte, die „Gerberstube“ dazu. Angeblich hätte er auch bereits zwei Antiquitätenläden in Nürnberg und München. Für Irritation bei den Bewohnern in Kahla sorgten wohl die Besuche von „feinen Herren“, mit denen Hoffmann Mitte der 90er in der Stadt flanierte. „Sie kamen in dunklen Mercedes-Limousinen mit bayerischen Kennzeichen und kauften Hoffmanns Häuser, ließen sie sanieren und beauftragten ihn mit der Hausverwaltung. Woher hatte er das Geld für die Häuserkäufe? Diese Frage beschäftigte die Menschen im Ort. „Es sind wohl seine Hintermänner, die ihm das Geld geben“, mutmaßte sogar der Bürgermeister von Kahla. Ein Bruderpaar aus Bayern fiel besonders ins Auge. Die beiden Herren in Anzug und Trenchcoat tauchten einige Male mit Hoffmann in Kahla auf, erinnerten sich viele. Niemand wusste, wer sie waren. Recherchen ergaben: bei dem Älteren der beiden handelte es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Der 58-jährige ist Träger des Bayerischen Verdienstordens und Mitglied der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.“ (Quelle: RAUMZEIT Nr. 25 vom 15.10.2003 „Rechte Glücksritter in Ostdeutschland“). Der Häuserverkauf an die aus München kommenden Brüder und einem bayerischen Investor sollen Hoffmann ca. 2 Millionen Mark zugeflossen sein. Sein Wirtshaus „Gerberstube“ diente als Kontaktstelle zu alten und neuen Kameraden, darunter auch sein ehemaliger WSG-Unterführer Bernd Grett. Pläne für ein gemeinsames Projekt zwischen Hoffmann und Wilhelm Tell, Architekt aus Jena und Leiter der Republikaner in Jena, soll es auch gegeben haben.

Irgendwann gegen Ende 2000 liefen die Geschäfte dann nicht mehr so gut und Hoffmann verkaufte seine Firmen an einen gewissen Harald Girke. Das ist insofern bemerkenswert, weil nach diesem Girke wegen Betrug gefahndet wurde. Er scheint bei der Polizei kein Unbekannter zu sein und wird der Organisierten Kriminalität als „Firmenbestatter“ zugerechnet. Das System ist, dass per Zeitungsinserat Firmeninhaber gesucht werden, die ihre Geschäfte nach Spanien verlegen, insbesondere, wenn sie kurz vor der Insolvenz stehen. Über hohe Vermittlungsgebühren werden diese Firmen außer Landes gebracht und so dem Zugriff der deutschen Gläubiger entzogen. Verbindung soll es auch zum österreichischen Neonazi Hans-Jörg Schimanek und seiner in Leipzig ansässigen Firma „Baubetreuung für Mitteldeutschland GmBH“ (BBM) mit seinem Geschäftsführer Reinhard Rade geben. Beide, Schimanek und Rade, waren im März 1994 auch Gesellschafter der Leipziger Abbruchfirma Condor Projektentwicklung GmbH. Hoffmann soll einen Porsche aus dem Fuhrpark dieser Firma fahren. Bei der Firma Condor ist auch Franz Aigner beschäftigt.

Rade, geboren 1964 in Innsbruck, gehörte den Republikanern an und ließ sich sogar für den Kreistag in Bad Tölz aufstellen. Nach seinen Aussagen hätte schon seine Großmutter Südtirol-Terroristen Unterschlupf gewährt. Natürlich sei er auch auf dem Balkan gewesen, aber nicht als Söldner, sondern nur, um dort Grundstückgeschäfte abzuwickeln. An dieser Stelle ergäbe sich dann eine weitere Frage, die vor allem den österreichischen Steuerzahler interessieren könnte. Hat Reinhard Rade sich auch über Kredite der Hypo Alpe Adria bedient, um nicht gedeckte Projekte auf dem Balkan zu finanzieren? Die Untersuchungen im Fall Hypo Alpe Adria sind noch lange nicht abgeschlossen.

Zu den Immobilien von Rades Firmen gehört auch ein verfallenes Schloss im Muldentalkreis. Im Februar 2001 erwarb er gemeinsam mit seinem Schwager für 1,9 Millionen Mark die „Öko-Akademie“ der Grünen in Oberbayern. Er ist ebenfalls Kunde bei der VEBEG in Frankfurt. Im August 2001 habe eine seiner Firmen 9 ausgemusterte Bundeswehrhubschrauber der Marke „MBB Bo 105M“ für einen „Spottpreis“ von rund einer Millionen Mark erworben. Sie sollen sogar geeignet sein, mit Raketen bestückt zu werden. 2003 standen die Hubschrauber noch in einem Hangar bei Halle. Ursprünglich waren sie für den arabischen Raum gedacht, dann sollten sie nach Namibia überführt werden. Rade selbst ist dann nach Südafrika gegangen und betreibt in Namibia eine Flugzeugfirma, in der Nähe der berühmten Goldmine Navachab.

Hoffmann gerät in den Blick des NSU-Untersuchungsausschusses
Zu Hoffmanns Wohnort Kahla geht auch der Thüringer Landtag in seinem Abschlussbericht vom 16.07.2014, Drucksache 5/8080 hinsichtlich des NSU-Komplex ein. Aufgrund seiner Bedeutsamkeit im Zusammenhang mit der Zeit nach der Haftentlassung werde ich dort diese Passage in ihrer Gesamtheit zitieren, auch, weil sie die Glaubwürdigkeit anderer Recherchen, die ihren Niederschlag in dem Artikel „Rechte Glücksritter in Ostdeutschland“ fanden, unterstreicht. Dort heißt es speziell zu Kahla: „Die Entwicklung rechtsradikaler Strukturen in Kahla steht u. a. im Zusammenhang mit der Ansiedlung des verurteilten „Wehrsportgruppenführers“ Karl-Heinz Hoffmann. Der Sachverständige Eric Henze sagte aus, dass Karl-Heinz Hoffmann nach der „Wende“ nach Kahla gezogen sei, um alten Familienbesitz wieder in Besitz zu nehmen. Dort habe er zwölf Firmen gegründet und Häuser unter Mithilfe von rechtsgerichteten Jugendlichen saniert, die dann teilweise darin gewohnt hätten. In Kahla seien auch Wehrsportübungen abgehalten worden. So habe die „Wiking-Jugend“ eine Feldschlacht organisiert, bei der mit selbst gebastelten Holzwaffen der Kampf Mann gegen Mann geprobt worden sei. Der Zeuge KHM Mario Melzer bestätigte, dass der ehemalige Anführer der Wehrsportgruppe Karl-Heinz Hoffmann in Kahla mehrere Immobilien gekauft und diese saniert habe, sodass dieser dort als „Baulöwe“ gegolten habe. Der Zeuge führte des Weiteren aus, Hoffmann sei in Kahla aufgetaucht, als Brandt und verschiedene andere dort ein Gartengrundstück zur Miete oder Pacht erworben hätten,sodass jener möglicherweise ein Bindeglied zwischen Jena und Saalfeld-Rudolstadt dargestellt habe. Dieser Umstand sei im Rahmen des Strukturermittlungsverfahrens höchst interessant gewesen. Deswegen habe er gemeinsam mit dem Kollegen Bohn im Rahmen der SoKo REX diesbezüglich ermittelt und die Erkenntnisse zu den Akten gebracht, die der SoKo-Leitung zugeleitet worden seien. Der Zeuge hätte gerne weiterermittelt, doch sei er wieder mit anderen Dingen betraut worden. Er hätte der Sache mehr Nachdruck verliehen, aber er sei nicht der Hauptsachbearbeiter in diesem Verfahren gewesen. Er sei zwar ein sehr eigenaktiver Ermittler und habe als solcher immer nachgefragt. Doch das Verfahren sei auch sehr komplex gewesen und er sei möglicherweise dann mit anderen Dingen betraut gewesen, die eine höhere Wertigkeit gehabt hätten. Er wäre der Sache weiter nachgegangen, wenn er genügend Zeit und den entsprechenden Auftrag erhalten hätte. Eine Weisung, weiterzuermitteln, sei jedoch ausgeblieben. Auf Befragung zu Karl-Heinz Hoffmann erläuterte der Zeuge Dr. Helmut Roewer, dieser sei der Kopf der Wehrsportgruppe Hoffmann gewesen, die ca. Ende der 70er-, Anfang der 80er- Jahre verboten worden sei. Er sei während seiner Zeit im BMI mit der Vermögensverwaltung nach dem Vereinsverbot dienstlich befasst gewesen. Er glaube, Hoffmann sei nach seiner Haftentlassung nach Thüringen gekommen, weil dieser hier ein Haus gehabt oder geerbt oder im Restitutionswege zurückbekommen habe. Er wisse nicht genau, ob und was veranlasst worden sei, jedenfalls habe es keine Erkenntnisse über die Fortführung seiner vormaligen Tätigkeit in Thüringen gegeben. Dies sei durch die Mitarbeiter des TLfV auf dem üblichen Wege untersucht worden und habe nicht zu einem Ergebnis geführt, welches das TLfV veranlasst hätte, auf Hoffmann besonders – öffentlich oder durch Berichte etc. – hinzuweisen. Andere Zeugen konnten hingegen keine oder nur vage Angaben zu Karl-Heinz Hoffmann und dessen Tätigkeit in Kahla machen. Dem Zeugen KHK Roberto Tuche sei nach eigener Aussage Karl-Heinz Hoffmann namentlich bekannt und er könne sich daran erinnern, dass Ermittlungen gegen Hoffmann bezüglich seiner Verbindungen zu einer Wehrsportgruppe geführt worden seien, ohne jedoch nähere Angaben zu den Ermittlungsergebnissen machen zu können. Der Zeuge EKHK Jürgen Dressler bestätigte, dass Karl-Heinz Hoffmann für eine kurze Phase Gegenstand von Ermittlungen gewesen sei, ohne sich jedoch an Details erinnern zu können. Der Zeuge Harm Winkler habe als damaliger Leiter des TLfV keine Kenntnis vom Zuzug des bekannten Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann besessen. Er meinte, dass dies auch für das gesamte TLfV zuträfe, da sein Abteilungsleiter, Herr RD Hofmann, ihn andernfalls davon in Kenntnis gesetzt hätte. Allerdings räumte der Zeuge ein, dass die Arbeit des Amtes in einem ziemlichen Chaos geendet habe und er auch aus diesem Grund von Karl-Heinz Hoffmann nichts erfahren haben könnte. Auch der erste Leiter des TLKA, der Zeuge Uwe Kranz, habe keine Kenntnis von Karl-Heinz Hoffmann gehabt. Dessen Nachfolger, der Zeuge LKD Egon Luthardt sagte aus, Karl-Heinz Hoffmann habe eine Rolle gespielt, ohne jedoch dazu konkrete Angaben machen zu können. Der Zeuge MinDirig a.D. Bernd Hillmann bestätigte, der Zuzug Karl-Heinz Hoffmanns sei seiner Erinnerung nach in den Fokus von Beobachtungen gerückt worden, jedoch sei Hoffmann inaktiv geblieben“

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