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Die Rolle der westdeutschen Geheimdienste und Sicherheitsbehörden

Als These stelle ich gleich einmal voran, dass die WSG-Hoffmann als geheimdienstliches Werkzeug missbraucht wurde, um einerseits Propaganda unter den wankelmütigen Jugendlichen durchzuführen und sie damit für eine angeblich „nationale“ Idee zu begeistern (so, wie es Hoffmann auch selbst zugegeben hatte) und um andererseits allein durch das Durchsickern einer Information, dass Köhler ein Mitglied der WSG-Hoffmann war, eine Cover-Up-Operation zu starten, um das Augenmerk auf die wahren Strippenzieher und Täter des Bombenanschlags von München zu verschleiern.

Die Indizien zu dieser These werden im Folgenden ausführlich dargestellt. Als Einleitung dieses Kapitels soll deswegen zunächst ein Artikel aus dem SPIEGEL dienen:

Die Nothilfstechnische Übungs- und Bereitschaftsstaffel
In einem Artikel „30 Jahre CIA pro Strauß Bombe“ wird etwas über die Hintergründe zur Entwicklung der rechten Szene erzählt. Dort wird von einer Wehrsportgruppe Jürgens oder auch NÜB (Nothilfstechnische Übungs- und Bereitschaftsstaffel) berichtet. Der Bund deutscher Jugend war eine von US-Geheimdiensten betriebene Untergrundarmee, bestehend aus Veteranen der Wehrmacht und Waffen-SS. 1953 wurde diese verboten. In der Schweiz wurde die P26 aufgebaut und vom MI6 ausgebildet. Dass auch immer wieder deutsche Sicherheits- und Geheimdienstbehörden in diversen Aktionen miteingebunden waren, zeigt der Fall des Verfassungsschutz-Agenten Peter Urbach, der sich während der Proteste vor der Springer-Zentrale in Berlin hinstellte und Molotow-Cocktails zur Verfügung stelle. Er versorgte RAF-Mitglieder mit Schusswaffen und stellte auch die Bombe bereit, die dafür gedacht war, das jüdische Gemeindehaus in Berlin zu sprengen.“

Im Übrigen geht das Buch von Andreas von Reyti „Zum Schweigen gebracht“ kurz auf die von CIA, MI6 und NATO ins Leben gerufene Stay-behind-Armee von GLADIO ein, deren deutscher Pedant der BDJ-TD (Bund Deutscher Jugend – Technischer Dienst) war, ebenfalls vom BND betreut.

Stay-Behind-Gruppe 27, die Kilowatt-Gruppe und die Türkei
Hierzu steht im Bericht zur Veranstaltung mit Dipl.-Ing. Peter Naumann in Amberg, dass bereits 1977 ein Funkspruch von der Stasi abgefangen wurde, der von der Pullacher BND-Zentrale an an eine gewisse „Stay-Behind-Gruppe 27“ in der Lüneburger Heide gesendet wurde. Es soll sich dabei um einen Funkspruch an Heinrich Becker gehandelt haben. Allerdings wird auch nicht ausgeschlossen, dass der Empfänger Heinz Lembke war. Der Inhalt des Funkspruches lautete: Materialverstecke für Sprengstoffe anlegen. Naumann selbst geht ebenfalls davon aus, dass der Gladio-Verbund auf deutschem Boden so genannte „False-Flag-Attentate“ durchführte. Weiter heißt es in dem Bericht: „Selbst ein Verfassungsschutz-Ausweis, wie ihn beispielsweise Engert vorzeigte, kann gefälscht gewesen sein, um die Zugehörigkeit zu einer noch größeren Operation zu verschleiern.“ (Quelle: NPD Heimatverband Amberg-Neumarkt vom 28.11.2010 „Bericht zur Veranstaltung mit Dipl.-Ing. Peter Naumann in Amberg“)

Und Schmidt-Eenboom ergänzt diese Erkenntnis in seinem Buch „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“ mit der Nennung einer Kilowatt-Gruppe. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsnetz mit dem Mossad, das 1977 gegründet wurde. Zu dieser Gruppe gehörten ca. 15 NATO-Staaten, darunter Kanada, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Israel mit ihren Geheimdiensten Mossad und Shin Beth sowie die damaligen EG-Staaten. 1982 hatten iranische Studenten belastendes Material dazu aus der US-Botschaft in Teheran gestohlen. Innerhalb dieses Verbundes wurden Informationen auf dem Gebiet des Terrorismus über Aktivitäten arabischer Gruppen und Personen in Europa und im Mittleren Osten ausgetauscht. Nach Bekanntwerden dieser Kilowatt-Gruppe hat sich diese Gruppe unbenannt und dürfte bis heute existieren. Mit der Türkei und dem Iran hat der Mossad einen eigenen Verbund aufgebaut. Die USA standen dabei beratend zur Seite.

Auch der BND ist dabei nicht untätig geblieben, denn er hatte bereits in den vierziger Jahren eine Auslandsresidentur in der Türkei unterhalten. Eine enge Zusammenarbeit hatte es dort vor allem seit den 70er Jahren auf dem Gebiet der SIGINT-Aufklärung gegeben. In Istanbul betrieben der BND und die Türkei gemeinsam einen Stützpunkt zur Fotoaufklärung. Im Visier standen dabei die sowjetischen Kriegs- und Handelsschiffe im Bosporus. In Samsum am Schwarzen Meer stand ebenfalls eine funkeletronische Aufklärungsstation.

Als dann die Türkei selbst von einer Welle des Terrors heimgesucht wurde, die ihren Anfang im Massaker auf den Istanbuler Taksim Platz am 01. Mai 1977 nahm, bei dem 33 demonstrierende Arbeiter von Unbekannten erschossen und 300 Menschen verletzt wurden, intensivierten der BND und die türkische Spezialeinheit „Abteilung für besondere Kriegführung“ ihre Zusammenarbeit. Von 1978 an wurde das Informations- und Dokumentationssystem des türkischen Geheimdienstes MIT mit tatkräftiger Unterstützung des BND unter Aufsicht des damaligen Residenten Dr. jur. Rainer Kesselring aufgebaut. Schmidt-Eenboom stellt dazu fest: „Seine Politik trug wesentlich dazu bei, daß die Unterdrückung der Demokraten in der Türkei noch professioneller betrieben wurde. Die in die Zigtausende gehenden Verhaftungen nach dem 12. September 1980 wären ohne die Abstützung auf eine Datenverwaltung Made in Germany so nicht möglich gewesen.“ (Quelle: Schmidt-Eenboom: „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“) Kesselring war übrigens selbst CSU-Mitglied und wechselte 1964 von der Bayerischen Landesbehörde zum BND. Vor seinem Einsatz in der Türkei war er in Hongkong und Tokio eingesetzt.

Udo Albrecht und die Verbindung des Olympia-Attentat 1972 zum Oktoberfestanschlag 1980
Welche Rolle spielt Udo Albrecht, der gemäß der Stasi-Unterlagen gegenüber dem MfS ausgesagt haben soll, nach dem Attentat auf das Oktoberfest bei der SoKo Theresienwiese in München gewesen zu sein, wo er nach eigenen Worten „sehr viel dort erfahren und gehört“ haben will? Udo Albrecht soll als BND-Agent tätig gewesen sein.

Albrecht, gebürtiger Thüringer, arbeitete für den BND, aber offensichtlich auch für die Stasi. Dies wurde dadurch deutlich, dass Albrecht 1980 mal wieder, als er in Deutschland war, wegen Banküberfällen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Mit einem Trick gelang ihm die Flucht, als er bei seiner Vernehmung angab, an den Gleisen bei Büchen, direkt neben der DDR-Grenze eine Panzerfaust verbuddelt zu haben. In Begleitung des Staatsanwalts und Polizei wurde er im Juli 1981 dorthin gebracht. In dem Moment, als ein Zug vorbeiratterte, sprang Albrecht, dem die Handschellen und Fußfesseln abgenommen wurden, um besser graben zu können, auf den Zug und flüchtete ungehindert von den Grenzbeamten in die DDR durch ein Loch im Zaun. Als der Staatsanwalt und die Polizei dem Flüchtenden folgen wollten, wurden sie von den DDR-Grenzleuten mit Maschinenpistolen bedroht und vor der Grenze in Schach gehalten.

Diese Aktion wurde offensichtlich auch von BND-Leuten geplant und eingefädelt. Von der DDR aus konnte Albrecht kurz darauf wieder in den Libanon verschwinden. Nach einem Gefängnisausbruch in Werl im September 1970 bekam Albrecht Hilfe von dem damaligen SPD-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Wischnewski. Albrecht wurde bei seiner Flucht in Jordanien aufgegriffen und konnte erreichen, dass er zur deutschen Botschaft gebracht wird. Von dort holte ihn Wischnewski mit dem Auto ab und fuhr ihn erst nach Tabuk, Saudiarabien, wo er mit dem Flugzeug weiter nach Dschidda reisen konnte. Von dort machte er sich dann wieder selbständig und tauchte unter. Dies konnte eigentlich auch nur mithilfe des BND und anderen Geheimdienstbehörden wie dem Verfassungsschutz erfolgt sein. (Quelle: Spiegel „Chef, ich habe den Vorsitzenden erschossen“ 1984):

Das Vertrauen der Araber hatte Albrecht bereits Mitte der 60er Jahre bekommen, als er für ägyptische Verbindungsleute über eine Rekrutierungsstelle in Deutschland, das „Hilfscorps Arabien“, Söldner anwarb, die vorwiegend aus dem rechtsextremen „Bund Heimattreue Jugend“ kamen. (Quelle: Spiegel vom 29.06.1981 „Neonazis in Nahost – betrogen und reingelegt“).

Udo Albrecht hatte an der Seite der PLO im „Schwarzen September“ 1970 in Jordanien gegen König Husseins Armee gekämpft. Das brachte ihn viel Anerkennung bei den palästinensischen Freiheitskämpfern und damit auch den vertrauensvollen Zugang zu inneren Strukturen. Willi Pohl sagte dazu: „Er vereinbarte eine Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit. Wir erhielten die Erlaubnis, auf von der Fatah kontrolliertem jordanischen Gebiet einen Stützpunkt zu errichten, als Gegenleistung boten wir Unterstützung im Kampf gegen Israel an.“ (Quelle: Spiegel „Dr. Schreck und die Neonazis“ vom 07.09.1981)

Albrecht kam 1976 über Ekkehard Weil zur „Kampfgruppe Gartenschläger“. Er schien ihn wohl damit imponiert zu haben, dass er in seinem Gepäck ein ganzes Arsenal von Waffen sowie eine komplette mobile Fälscherwerkstatt mit Blanko-Dokumenten mit sich führte. Außerdem hatte er Bündel von Tausendmarkscheinen dabei. Unter den Waffen fand sich auch eine Mini-MPi vom Typ „Ingram“ und ein Pistolenschalldämpfer. Einmal dort Fuß gefasst, fing er an, sich brennend für die Pläne und Lebensgewohnheiten von führenden Gruppenmitgliedern zu interessieren. Gleichzeitig versuchte er innerhalb seines Freundeskreises, Informanten zu gewinnen. Als Gegenleistung bot er die Vermittlung von Waffenausbildung im Libanon an. Dabei zeigte er Bilder von Fedajin-Camps herum. Dieses offensive Gebaren von Albrecht ließ die meisten der Gruppenmitglieder jedoch misstrauisch werden. Ende 1976 wurde Udo Albrecht dann verhaftet. Unmittelbar danach tauchte plötzlich ein angeblicher Journalist namens Andreas Jost auf. Er stand Udo Albrecht hinsichtlich seiner Neugier in nichts nach. Vor allem interessierten ihn Einzelheiten zum Ablauf der Polizeiaktion gegen Albrecht. Später wurde dann dieser Jost wegen geheimdienstlicher Tätigkeiten für das MfS in Hamburg verurteilt. Interessant ist, dass Albrecht just den Anwalt hatte, der bereits die Attentäter vom Olympia-Attentat 1972 vertreten hatte und selbst Angehöriger mehrerer deutsch-arabischer Vereinigungen ist. Es handelt sich dabei um den Rechtsanwalt Wilhelm Schöttler aus Recklinghausen. „Zufällig“ war auch noch Wilhelm Pohl alias Willi Voss der beste Freund von Udo Albrecht. Er half den palästinensischen Terroristen in Europa beim Aufbau ihrer Operationsbasen und drei Wochen nach dem Olympia-Attentat wurde Pohl selbst mit einer Ladung von Waffen, wie sie auch die Attentäter benutzt hatten, in München aufgegriffen. Dabei handelte es sich u.a. um belgische Granaten mit schwedischem Sprengstoff, die nur für Saudi-Arabien hergestellt wurden. Als Begründung für seinen Haftbefehl schrieb der Richter: „Der Beschuldigte plante gemeinsam mit … Walli Saad alias Abu Daud die gewaltsame Befreiung …. des Albrecht.“ Quelle: Spiegel „Dr. Schreck und die Neonazis“ vom 07.09.1981)

In der Zeit vor seiner Verhaftung hatte Pohl auch Kontakt zu dem Passfälscher Wolfgang Abramowski gehabt, als er gerade mit Abu Daud nach Frankfurt gefahren war. In Frankfurt gabelten sie Abramowski auf und fuhren nach München weiter, um von dort den Nachtzug nach Rom zu nehmen. Was sie genau in Rom wollten, schildert Willi Voss alias Wilhelm Pohl so: „Abramowski war Grafiker. Und es gab einen großen Bedarf nach Diplomatenpässen, mit denen man unbehelligt reisen konnte. Er sollte in Beirut Dokumente drucken, möglicherweise sogar Geld. Die Organisation Udo Albrechts wiederum hatte überall in Europa Depots mit Pässen, Waffen und Geld angelegt. Unter anderem unter dem Sarkophag Mussolinis. Wir sind über Italien nach Beirut gegangen, um dieses Depot zu räumen. Das war nicht einfach, am Sarkophag waren Besucher, ich musste mich niederknien, um nach den Pässen zu tasten. Eine alte Dame sagte ehrfürchtig: „Che respetto al Duce!“ Ich nickte nur: „Si, si!“ So bekamen wir Blankopässe. Mit den Stempeln konnten wir uns in Rom im Hotel selbst Dokumente ausstellen, wir waren quasi ein Ministaat. Ähnliches hat Abramowski dann auch in Beirut gemacht.“ (Quelle: Frankfurter Allgemeine, „Ich wollte gewinnen, möglichst effektiv“ vom 21.07.2012).

Vor dem Olympia-Attentat sprach Wilhelm Pohl mit dem zweiten Mann der Fatah, Abu Ijad in Kairo. Von ihm bekam er ein in arabischer Sprache gehaltenes Schriftstück, das er in Paris einem Anwohner der internationalen Studentensiedlung “Cite Universitaire“ übergab, von dem er glaubt, dass es später der Anführer der Attentäter, Issa, gewesen ist. Er vermutet denn auch, dass die Attentäter von Olympia 1972 Studenten waren, die aufgrund ihres Studiums in europäischen Ländern, wie z.B. Frankreich, im Besitz von Aufenthaltsgenehmigungen waren und somit ganz legal und unauffällig nach Deutschland einreisen konnten. Nach dem Treffen mit dem mutmaßlichen Issa flog Pohl dann weiter nach Wien, wo er schließlich vom Olympia-Attentat erfuhr. Pohl, geschockt von dieser Nachricht, flüchtete schließlich nach Beirut, so jedenfalls seine Darstellung. Er erzählt dann weiter: „Ich hatte viele Gespräche mit Abu Ijad und Abu Daud. Wir entwickelten eine Doppelstrategie: zwei Anschläge gleichzeitig, wobei der eine verhindert, dass der andere schiefgeht. Ich habe dementsprechend in München, Köln und Wien Informationen gesammelt. In München hätte man gleichzeitig den Olympiaturm und während einer Ratssitzung das Rathaus besetzt. Ich schlug außerdem vor, zur Christmesse den Wiener Stephansdom und den Kölner Dom gleichzeitig zu besetzen. Aber als ich die ersten Informationen über den Kölner Dom gesammelt hatte, war mir klar, man hätte dafür eine ganze Division gebraucht. Abu Ijad lehnte es auch aus moralischen Gründen ab: Wir machen uns völlig unmöglich, wenn wir religiöse Ziele angreifen, sagte er.“ (Quelle: Frankfurter Allgemeine, „Ich wollte gewinnen, möglichst effektiv“ vom 21.07.2012).

Auf die Frage, wie er zu den Waffen kam, mit denen er schließlich erwischt und dafür verurteilt wurde, antwortete er: „Aus heutiger Sicht, sind die Hinweise folgende: In Köln traf ich mit Abu Daud libysche Diplomaten. Die Waffen, diese wie auch die vom Olympia-Anschlag, kamen aus Mallorca. Da gibt es ein libysches Volksbüro, eine Art Konsulat. Ich glaube, dass die Waffen von dort gekommen sind. Es muss in Libyen ein Depot gegeben haben, auf das die Fatah Zugriff hatte. Und wenn man Waffen verteilt, nimmt man die immer der Reihe nach. Und so erklärt sich, dass die baugleich waren. Was auch möglich wäre, ist, dass die Waffen für das Olympia-Attentat über die libysche Botschaft in Bonn gekommen sind. Es gab da offensichtliche Kontakte während meiner Reise mit Abu Daud. Abu Ijad schreibt in seinem Buch „Heimat oder Tod“, Abu Daud hätte die Waffen über den Bonner Flughafen reingebracht, aber das halte ich für ein Geschichtchen, das einfach nur spannend klingt.“ (Quelle: Frankfurter Allgemeine, „Ich wollte gewinnen, möglichst effektiv“ vom 21.07.2012 – Pohl im Interview mit Till Rüger).

In einem Interview, das der damalige Polizeipsychologe Georg Sieber mit der Filmemacherin Sarah Morris in ihrem Film „1972“ gegeben hatte, beschuldigte darin die Israelis, die wahren Versager im Olympia-Debakel gewesen zu sein und „erläutert“ auch gleich, warum die deutschen Behörden und Politiker sich vor der Öffentlichkeit zum Narren halten ließen. Im Rahmen einer Schadensersatzklage, welche die Hinterbliebenen der israelischen Olympia-Attentat-Opfer gegen die Bundesregierung, die bayerische Landesregierung und die Stadt München anstrengten, wurden diverse Unterlagen, die als Beweisführung so wichtig gewesen wären, einfach unter Verschluss gehalten und mit einer Sperrfrist von 48 Jahren belegt. Darunter waren auch Fernsehaufzeichnungen vom Tattag dabei. Sieber vermutet, dass bei der Geiselbefreiung auf dem Flugplatz von Fürstenfeldbruck nicht die Sicherheitskräfte und Politiker das Sagen gehabt hätten, sondern dass die Verantwortung in israelischen Händen gelegen hätte. Im Film sagt Sieber wortwörtlich: “Die Deutschen waren richtig brave Empfänger von Befehlen, die sie dann irgendwie ausgeführt haben.” (Quelle: Heise-Online vom 11.05.2008, „Von verschwundenen Akten und wiedergekehrten Erinnerungen“ von Susanne Härpfer). Ich werde später im Kapitel „Die ausländischen Verbindungen und Beziehungen“ zumindest eine Frage stellen, die ebenfalls in diese Richtung gehen könne. Dabei geht es um die Rolle des BND-Manns Wolfgang Langkau, der unter Gehlen der Verbindungsmann zum Mossad war und gemeinsam mit Shlomo Cohen, den Residenten des Mossad in Paris, so manche gemeinsame Operation geführt hatte.

Gemäß Ewald Riethmüller war der ehemalige PLO-Sicherheitschef und Mitorganisator des Olympiaanschlags Atef Bseiso in Wahrheit Informant des Bundesamts für Verfassungsschutz. [Anm.: V-Mann-Führer im BfV soll ein gewisser Dr. Semmler oder Semler gewesen sein]. Der Focus schrieb dazu ergänzend, dass auch die Opfer-Anwälte bereits 1999 mutmaßten, es sollte von palästinensischer Seite ein Zwischenfall während der Olympischen Spiele in München inszeniert werden. Man habe unmittelbar vor den Spielen erfahren, “dass palästinensische Terrorgruppen aus Beirut mit unbekanntem Ziel zur Durchführung ungeklärter Operationen abgereist seien.” (Quelle: Heise-Online vom 11.05.2008, „Von verschwundenen Akten und wiedergekehrten Erinnerungen“ von Susanne Härpfer). Und auch Ali Hassan Salameh alias „Der rote Prinz“, Mitglied der Terrorgruppe „Schwarzer September“ soll für den amerikanischen Geheimdienst CIA gearbeitet haben. Die Frage ist also, wer hat hier wen auf Kosten von 19 Menschenleben ausgetrickst? Der israelische Geheimdienst die Deutschen oder die deutschen Geheimdienste die Israelis. Oder hat man hier wieder eine gemeinsame False-Flag-Operation gestartet, um dann am 26. September 1972 das Sondereinsatzkommando GSG9 ins Leben zu rufen, die sich ja dann bei der Entführung der „Landshut“ 1977 bewähren konnte?

Zumindest wirkt es unter dieser Kulisse wie eine bittere Ironie, wenn sich israelische Sicherheitsbehörden auf der einen Seite enttäuscht zeigen, dass die Spezialeinheit Sayeret Matkal nicht eingesetzt werden durfte und auf der anderen Seite sich die bayerischen Sicherheitsbehörden geweigert hätten, „mit dem Leiter des israelischen Auslandsnachrichtendienstes Mossad, General Zvi Zamir sowie einem Arabisch sprechenden Offizier des israelischen Inlandsnachrichtendienstes Shabak zusammenzuarbeiten“ (Quelle: Heise-Online vom 11.05.2008, „Von verschwundenen Akten und wiedergekehrten Erinnerungen“ von Susanne Härpfer).

Ein weiteres Mosaiksteinchen, das durchaus die Theorie von Georg Sieber stützen könnte, findet sich dann in den Unterlagen von Langemann selbst, die er Frank Heigl und Jürgen Saupe für das Buch „Operation EVA“ zur Verfügung stellte: Langemann war zusammen mit einer weiteren ehemaligen BND-Mitarbeiterin Dr. Erika von Bülow alias Dr. von Cornely als Sicherheitsbeauftragter der Olympischen Spiele eingesetzt. Ihre Aussagegenehmigungen zu den Ereignissen rund um das Olympia-Attentat wurden durch den BND gewaltig eingeschränkt, damit keine Rückschlüsse über die mögliche Verstrickung des BNDS gezogen werden können. Wenn man bedenkt, dass Langemann langjähriger enger Mitarbeiter in der Abteilung von Wolfgang Langkau, dem Verbindungsmann zum Mossad war, dann macht das durchaus Sinn. „Um nicht die Kooperation zwischen Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Mossad zu gefährden, sei Stillschweigen darüber vereinbart worden, wie weit der BND tatsächlich involviert war; heißt es in Israel. Immerhin fahndeten die Münchner Anwälte der Angehörigen vergebens nach Akten, die das Organisationskomitee für die Olympischen Spiele betreffen – sie waren verschwunden. Nicht die einzigen Unterlagen, die verschwunden waren“ resümiert dann auch Susanne Härpfer in ihrem Artikel (Quelle: Heise-Online vom 11.05.2008, „Von verschwundenen Akten und wiedergekehrten Erinnerungen“ von Susanne Härpfer)

Hatte also Langemann auch darüber Kenntnisse und wenn ja, wie detailliert waren diese bzw. war er sogar selbst in diese Aktion miteingebunden? Als Sicherheitsbeauftragter des Organisationskomitees der Olympischen Spiele verhielt er sich gegenüber den anderen Mitgliedern aus dem Komitee auffällig still, ließ sich dort auch so gut wie nie blicken und auch während und nach dem Attentat sah man ihn nirgendwo in Aktion treten, wie sich diverse Leute aus dem Olympiakomitee erinnerten.

Ein Puzzlestück zu dieser Frage findet sich denn auch im Dokumentarfilm „München 1972“, in dem sich Norbert Juretzko äußert. Demnach standen SBO-Spezialkräfte für die Gefangenenbefreiung in der Nähe von München bereit. Allerdings verschwieg man das gegenüber der Münchner Polizei, die unterdessen in einem Hauruck-Verfahren versucht hatte, auf die Schnelle „Scharfschützen“ aus dem Boden zu stampfen. Dazu hatte man sich die besten Schützen bei der Polizei ausgesucht und sie für drei Stunden in einem Steinbruch üben lassen, bevor sie dann auf die Geiselnehmer am Flughafen von Fürstenfeldbruck losgelassen wurden. (Quelle: Radio-Utopie vom 28.07.2013, Thomas-Ewald Riethmüller „War die deutsche Gladio ein Baphomet“, Teil III).

Mit seiner Vermutung, dass der damalige Präsident Gerhard Wessel seine Entscheidung, die SBO-Spezialkräfte nicht einzusetzen, nicht mit dem Bundeskanzleramt abgestimmt hat, dürfte Riethmüller ganz richtig liegen, denn zu diesem Zeitpunkt war Horst Ehmke der für die Geheimdienste zuständige Chef, und der lag ja bekanntlich mit dem BND im Clinch. Außerdem hätte dann Willy Brandt durch eine erfolgreiche Befreiung der Geiseln noch mehr Aufwind bei der Bevölkerung bekommen. Im April 1972 war gerade das von Kohl und Rainer Barzel initiierte Misstrauensvotum gegen Willy Brandt gescheitert, und zwar mit freundlicher Unterstützung des MfS, die zwei CDU-Abgeordnete entsprechend geschmiert haben, um nicht gegen Willy Brandt zu stimmen.

Norbert Juretzko war selbst Teil der SBO (Stay-Behind-Organisation), wie man in seinem Buch „Bedingt dienstbereit“ nachlesen kann, und der muss es ja wissen, denn er schreibt u.a., dass er seinen Dienstantritt am 02. Oktober 1984 in Hannover bei der Postauswertestelle hatte. Damaliger Leiter dieser Außenstelle war ein gewisser Herr Bensberg. Der reiste wohl häufig nach Zypern und bunkerte in seinem Büro über eine Millionen Mark. Als er plötzlich am Frankfurter Flughafen 1986 verstarb – ein halbes Jahr nach seinem Ruhestand – wusste man noch nicht mal seinen richtigen Namen. Er war wohl unter Gräber gemeldet, das sei aber ebenfalls ein Dienstname gewesen. Er wohnte wohl als Gräber im Süden Hannovers, aber die vorgebliche Witwe war gar nicht seine Frau, und das Kind, für das er Kindergeld bezogen hatte, stammte auch nicht von ihm. Er hatte es auch nie adoptiert. 1987 wurde Norbert Juretzko dann ins DDR-Referat 12B nach Bremen unter Leitung des Bundeswehroberst Gigl versetzt. Eine Außenstelle von der Unterabteilung 12, DDR-Aufklärung befand sich am Bonner Platz (Objektbezeichnung Sattelhof) in München. Dort residierte 12A und in Karl-Theodor-Str. 55 das Referat 12C („Stay Behind“). Da Bremen zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelöst wurde, hatte Dannau, wie Juretzko mit Dienstnamen hieß, das Glück, bei 12C in Hannover unter Leitung von Ollhauer zu landen, ebenfalls eine „Stay-Behind-Organisation des Dienstes. Zur SBO erklärte er, dass zum Zeitpunkt seiner Zuversetzung diese aus 104 Mitarbeitern und 26 hauptamtlichen Führungspersonen im BND bestanden habe. Während des Kalten Krieges sollen es bis zu 75 Hauptamtliche und 500 Helfer gewesen sein. Aufgestellt wurde die SBO von den Amerikanern, genau genommen von dem National Security Council (NSC). Hauptaufgabe der SBO war Propaganda, Wirtschaftskrieg, vorbeugende Direktmaßnahmen einschließlich Sabotage, Anti-Sabotage, Zerstörung und Evakuierungsmaßnahmen. Juretzko schreibt dann weiter: „Darüber hinaus bereiteten die US-Planer „Subversion in feindlichen Staaten einschließlich Unterstützung für im Untergrund operierende Widerstandsbewegungen, Guerillakräfte und Gefangenenbefreiungskommandos sowie Unterstützung einheimischer und antikommunistischer Kräfte in bedrohten Ländern der westlichen Welt“ vor“. Am liebsten rekrutierte man SBO-Leute aus den Reihen des einfachen Arbeiters und Angestellten. Wichtig war, dass es sich hierbei um unauffällige, bodenständige Durchschnittsbürger mit einem möglichst frei stehenden Einfamilienhaus handelte. Dieses Kriterien war deswegen so wichtig, weil für die Kommunikation mit anderen Stationen in den USA gewisse Umbauten im Haus vorgenommen werden mussten, damit möglichst unauffällig eine Langdrahtantenne installiert werden konnte, von außen nicht sichtbar.

Der BND-Agentenführer Bierling und der Stasi-Doppelagent Werner Stiller
Werner Stiller war Physiker und Mitarbeiter der Stasi. Er wird unter dem Kapitel „Die Rolle der Stasi“ (Teil 7) noch ausführlicher von mir behandelt werden. Zunächst einmal kommt es mir auf den Agentenführer Josef Zeller an, der im BND unter dem Dienstnamen „Bierling“ auftrat. Stiller wurde im BND vom Agentenführer Bierling betreut mit besten Kontakten zur CSU-Spitze., insbesondere zum „Bayernkurier“. Horst Herig, damals Journalist in Bernau am Chiemsee und ebenfalls Doppelagent sowohl für den BND als auch für das MfS legte Bierling schon frühzeitig Hinweise zum illegalen Technologie-Transfer in den Osten durch die Bernauer Elektronik-Firma Scholz vor. Dabei hatte es sich um Mikroelektronikteile für das Kampfflugzeug Tornado gehandelt, die über die Schweiz in die DDR gelangten. Er gab weiter an, dass der Seniorchef Scholz am Ort Schriftführer der CSU sei. Dennoch erfolgten keinerlei strafrechtliche Konsequenzen. Warum? Jedenfalls hatte Bierling alias Josef Zeller zuvor im Landratsamt von Schongau gearbeitet, bevor er dann nach München zum BND kam. Er begleitete Franz Josef Strauß bei einigen seiner Auslandsdienstreisen und organisierte die Sicherheit auf CSU-Parteitagen. Es ist also anzunehmen, dass Bierling auch Kenntnisse über die Seilschaften innerhalb der Hanns-Seidel-Stiftung gehabt hatte. Die Ausschleusung des Doppelagenten Werner Stiller aus der DDR in die BRD im Januar 1979 klappte mit einigen Zwischenfällen noch einigermaßen, im Fall des „Roten Admirals“ Winfried Baumann alias Winfried Zakrzowski ging dann aber alles schief, was nur schief gehen konnte. Dabei hatte sich da schon abgezeichnet, dass Bierling wegen eines Gehirntumors unkontrollierbar geworden war. Trotzdem zog man ihn nicht von dieser Operation ab und so kam es, dass Winfried Baumanns Flucht scheiterte und er anschließend in der DDR zum Tode verurteilt und auch am 18.Juli 1980 hingerichtet wurde. Schmidt-Eenboom stellt dazu lakonisch fest: „Auch die Unantastbarkeit der CSU-Seilschaft in Pullach hatte so ihren Anteil am Scheitern der Operation.“ (Schmidt-Eenboom, „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“). Hatte Werner Stiller dann einfach nur Glück gehabt oder hat man ihn noch gebraucht im Gegensatz zu Winfried Zakrzowski? Zakrzowski war zu diesem Zeitpunkt schwerst alkoholabhängig und unberechenbar geworden. Er war geschwätzig und für allerlei Liebesabenteuer sehr empfänglich. Es wäre also gut möglich, dass man Zakrzowski bewusst über die Klinge hat springen lassen, obwohl er während seiner Agententätigkeit für den BND wertvolle Informationen geliefert hatte.

Es kristallisiert sich somit immer mehr heraus, dass der BND nicht nur durch Hans Georg Langemann tiefer in das Oktoberfestattentat verstrickt ist, als man es auf den ersten Blick vermuten will. Die Kontaktpersonen um Franz Josef Strauß und seine Staatskanzlei in München sowie seine engen Kontakte zu diversen Waffenhändlern sind zu offensichtlich, um darüber hinwegzusehen und diese im dem Kontext „Oktoberfestattentat“ auszublenden. Im weiteren Verlauf, insbesondere im Kapitel „Die Rolle der Stasi“ wird sich zeigen, auf welche Weise der BND mit dem Oktoberfest verbunden ist.

Joachim Fiebelkorn, der BKA-Informant
Zu Fiebelkorns Vita liefert dann noch das Buch von Ronald L. Babb „Kokain“ einige Informationen. Er hatte zu Zeiten seiner Rauschgiftdealer-Aktivitäten intensiven Kontakt mit Joachim Fiebelkorn gehabt und zeitweise zusammen mit ihm eine kleine Wohnung in Peru, Lima im Stadteil Miraflores gegenüber dem Hotel „Central“ in einem Appartmenthaus bewohnt. Kennengelernt hatte er ihn zwei Jahre vorher 1980 in Bolivien, Santa Cruz, wo Fiebelkorn die Befehlsgewalt über die Drogenpolizei von Santa Cruz zum Dank erhalten hatte, weil er mit seiner Söldnertruppe den Putsch zum Vorteil von General Garcia Meza erfolgreich geführt hatte. Der Putsch wurde von der Kokainmafia finanziert. Über seinen Freund und einen weiteren Bekannten, namens Hans kam Ronald Babb mit dem Kokaingeschäft in Berührung und betätigte sich bis zu seiner Verhaftung 1982 in dieser Branche. Fiebelkorn war fünf Jahre lang in der Fremdenlegion und lebte zuvor in Paraguay, wo er auch diesen besagten Hans kennengelernt hatte. Als er dann nach Bolivien kam, arbeitete Fiebelkorn für den größten Rauschgiftproduzenten des Landes, Roberto Suarez, der wiederum der Cousin des Innenministers Oberst Luis Acre Gomez war. Babb hatte damals mit seinem Freund Walter die Fluggesellschaft „Antillean International Airlines“ mit einem Büro in Miami betrieben. Während Babb noch im peruanischen Gefängnis saß, wurde Fiebelkorn, zum damaligen Zeitpunkt 35 Jahre alt, in Eppstein im Taunus am 13.01.1983 verhaftet wegen dem Verdacht, am Bombenattentat in Bologna beteiligt gewesen zu sein.

Nachdem die Regierung Mezas 1981 gestürzt wurde, flüchtete Fiebelkorn zunächst nach Brasilien. Dort verdingte er sich dann wohl als Agent für die amerikanische Rauschgiftpolizei und lockte Ronald und seinen Freund in eine Falle, indem er vortäuschte, alte Kontakte zur Drogenmafia in Peru wieder aufbauen zu wollen, zu denen ein gewisser Alfonso gehörte. In Frankfurt hatte er Babb mit zwei angeblichen amerikanischen Freunden bekannt gemacht, die als Konzertveranstalter getarnt waren und zwei Kilo Kokain kaufen wollten.

Ein Mann namens Scheffer und sonstige enttarnte V-Männer in so genannten Sicherheitsbehörden
Am 13.06.1986 stellte sich ein Mann namens Manfred Scheffer (Deckname Donner) der Polizei und behauptete, unter dem Tarnnamen „Aktion 83“ 1983 in München und Umgebung diverse Anschläge verübt zu haben, darunter ein Kaufhaus (Hertie am Hauptbahnhof), einen Supermarkt (Tengelmann in der Münchner Wörthstraße), eine Sparkassenfiliale (Stadt- und Kreissparkasse Freising in der Johannisstraße) und einen Bauwagen (Straußenbahn-Baustelle in der Sandstraße). Nebenbei habe er auch eine Bombe im Justizgebäude an der Nymphenburger Straße versteckt und zwar alles im Auftrag des bay. LfV. Seine Kontaktpersonen waren Josef Rauscher und Siegfried Stuck vom Verfassungsschutz. Sie haben ihm dann beigebracht, wie er Molotow-Cocktails herstellt und einsetzen soll. Dazu habe er unter Anleitung Bekennerbriefe verfasst. Damit sollte er sich Zugang zur einschlägigen Szene verschaffen und Nachahmungstäter aufspüren. Während seiner Untersuchungshaft zog er jedoch seine Beschuldigungen gegen die Mitarbeiter des Verfassungsschutz zurück und plötzlich hieß es von staatsanwaltschaftlicher Seite, dass Scheffer aus „Geltungsdrang und Minderwertigkeitskomplexen gehandelt“ habe, „er kämpfe mit Alkoholproblemen und müsse psychisch untersucht werden.“ (Quelle: Spiegel vom 14.07.1986 „Bisserl komisch“). Eigenartigerweise konnte Scheffer aber detailreich eine Wohnung beschreiben, die der Verfassungsschutz für konspirative Treffen in einem Apartment-Block in der Landsberger Straße 425 angemietet hatte. Stuck habe Scheffer im Oktober 1985 weitere Aufträge erteilt. Er sollte im Münchner Stadtteil Haidhausen einen Info-Laden der Linken ausspähen. Daneben sollte er sich in die Regensburger „Biwak“ einschleichen, eine Bürgerinitiative gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Auch der Tauchlehrer Udo Faust, in Nürnberg wegen Körperverletzung angeklagt, sagte, nachdem der Richter ihm das lange Vorstrafenregister von Sachbeschädigung über Störung von Versammlungen bis zu Steinwürfen auf die Polizei vorlas, dass er sich das nicht vorhalten lassen bräuchte, weil das Straftaten waren, die er als V-Mann des Verfassungsschutz beging. Ihm sei versprochen worden, die Delikte würden aus dem Strafregister getilgt. (Quelle: Spiegel vom 14.07.1986 „Bisserl komisch“) Ergänzend hierzu führt die „Die konservative Informationsbasis im Internet“ „Geistig-politische Auseinandersetzung in Deutschland: Der Verfassungsschutz“ an, dass neben Manfred Scheffer auch zahlreiche andere „Terroristen“ Verfassungsschutzagenten waren, so zum Beispiel Axel Reichert, Hans-Dieter Lepzien, Klaus Steinmetz, Peter Troeber, Bernd Schmitt und Michael Wobbe. Manfred Scheffer habe zum Beispiel pro Anschlag zwischen 1.000 und 2.000 Mark kassiert.

Zum Abschluss dieses Unterpunkts lasse ich dann doch mal ein paar durchaus kritische Berichte der Mainstreammedien für sich sprechen:

Anlässlich einer Gedenkveranstaltung am Mahnmal der Gedenkstätte des KZ Kemna vom 09.07.2000 kam es zu Überfällen durch sogenannte Neonazis auf die Teilnehmer. Unter den Angreifern waren auch damals Thorsten Crämer, Bundesschulleiter der JN und Beisitzer im Landesvorstand der NPD Nordrhein-Westfalen sowie Nico Wedding, stv. Vorsitzender des JN-Landesverbandes NRW. Diese beiden Kemna-Angreifer werden jedoch unter anderem von dem CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach als V-Leute des Verfassungsschutzes genannt. Von der Bundesregierung wurde Bosbach sogleich des „Geheimnisverrats“ bezichtigt. (Quelle: „Der Totalitäre Staat“, Markus und Martin Bott)

Am 25.02.2002 berichtet die Junge Welt, dass das BfV gegen den Neofaschisten Manfred Rouhs Strafanzeige erstattet hat, weil er ebenfalls die NPD-Funktionäre Crämer und Wedding als „Mitarbeiter der Behörde“ bezeichnet hatte unter Berufung auf die Aussage von Bosbach.

Und das Aktionsbüro Norddeutschland des Neonazis Christian Worch schrieb, die Behörde „diffamiert und kriminalisiert“ mittels ‚V-Männern „kritische Bürgerpotentiale und oppositionelle Bewegungen“.

Und so heißt es dann auch in „Die Welt“ vom 11.03.2002: Bei Zusammenstößen von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten sind am Wochenende in Köln insgesamt 44 Menschen festgenommen worden. Gegen 37 Demonstranten aus dem linken Lager wurde Anzeige erstattet. Sie hatten die knapp 50 Angehörigen der rechtsextremen „Bürgerbewegung pro Köln“ mit Steinen und Flaschen beworfen und sich den Polizisten wiedersetzt.“ Die genannte Demo war gegen das BfV gerichtet und forderte das Verbot des BfV als „kriminelle Vereinigung“.

Ganz richtig bemerken hier Martin und Markus Bott in ihrem Buch „Der Totalitäre Staat“, es würde doch sehr seltsam anmutet, dass ausgerechnet „Teile der linken Opposition einer staatlichen Organisation zur Hilfe kommt, obwohl doch gerade die Linke ganz besonders unter politischer Verfolgung zu leiden hatte.“

Und weiter berichtet die Welt am 11.02.2002: „Beim Einsatz von V-Leuten ist der deutsche Verfassungsschutz offenbar dazu bereit, auch eine Verstrickung der von ihm geführten und bezahlten “Quellen” in Straftaten zu akzeptieren. Dies geht aus einem internen Vorschlagspapier der Amtsleiterkonferenz der Verfassungsschutzbehörden an die Innenministerkonferenz ( IMK ) hervor. Es handelt sich dabei um den rechtsstaatlich brisantesten Aspekt eines umfangreichen Maßnahmenpakets, das die obersten Verfassungsschützer nach dem Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten von Amerika der politischen Führung zur Verbesserung der Bekämpfung des islamistischen Extremismus empfohlen haben. Die Überlegungen der Staatsschützer: Eine “Infiltrierung” militanter islamistischer Gruppierungen mit “menschlichen Quellen” könnte dazu führen, dass V-Leute in stärkerem Umfang als bisher Kenntnis von Straftaten anderer erhalten oder „selbst in Tathandlungen eingebunden werden”. Zur Aufklärung gefährlicher konspirativer Tätergruppierungen werde dies “in Kauf genommen werden müssen, um solche Strukturen effizient aufklären zu können”, ließen es die deutschen Spitzengeheimdienstler wörtlich im Protokoll festhalten.“

Da bekommt doch die Aussage, die Ernst Uhrlau (später Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, dann Präsident im BND und schließlich nach seinem Ruhestand auf wundersame Weise Berater der Deutschen Bundesbank) damals gegenüber Spiegel (siehe „Extremisten – Geflügel züchten“ vom 21.08.1995) tätigte, schon eine ganz eigene Bedeutung: Um die „Gefahr des Rechtsterrorismus“ zu bannen, will Uhrlau „Fenster öffnen und Leute zum Ausstieg bewegen“. Der Verfassungsschützer fordert, ausstiegswillige Neonazis ähnlich wie Linksterroristen mit der Kronzeugenregelung zu locken. Der Verfassungsschutz, so Uhrlau, sei dabei für Rechte eine gute Adresse, müsse er doch nicht wie etwa Staatsanwälte aus juristischen Gründen sofort strafrechtlich ermitteln: „Wer Gewalt verhindern will, hat über uns die Möglichkeit dazu.“

Vielleicht diente der Aufruf auch dazu, neue Nachwuchskräfte im Bereich des Spitzelsystems für künftige „Operationen“ auf deutschem Boden zu rekrutieren wie zum Beispiel die NSU-Morde.

Celler Loch im Kosovo
Interessant ist auch eine Nachricht von der TAZ aus dem Jahr 2008 „Celler Loch im Kosovo“: Hier wurden drei BND-Mitarbeiter beschuldigt, an Bombenanschlagspläne im Kosovo beteiligt gewesen zu sein. Als Investitionsberater getarnt erhielten sie wohl Kenntnisse darüber, dass sich die UCK mithilfe der Amerikaner aus dem Drogenschmuggel über die Balkanroute finanzieren. Das Drogengeschäft wird von ortsansässigen Warlords unter der Führung von NATO und US-Geheimdiensten kontrolliert.

Aktion Feuerzauber
Am 25.07.1978 startete, wie sich im Laufe der Ermittlungen sehr schnell herausstellte, die in Zusammenarbeit mit dem LfV Niedersachsen und GSG9 ausgeführte Aktion Feuerzauber, bei der die Gefängnismauer der JVA Celle zur vorgeblichen Befreiung des Terroristen Sigurd Debus durch die RAF gesprengt wurde, auch bekannt als das „Celler Loch“. Über die wahren Hintergründe dieser Operation schrieb damals Ulrich Neufert in der Hannoverischen Allgemeinen Zeitung einen Artikel. Hierzu liefert NDR unter dem von Michael Lange erstellten Artikel „”Celler Loch” – Beamte verüben Anschlag“ eine Erläuterung. Demnach waren in diese Aktion höchste Regierungsbeamte und Politiker eingeweiht, allen voran der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht, Vater von unserer derzeitigen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, und der damalige Bundesinnenminister Werner Maihofer. Für den Job hatte man sich Kriminelle wie Manfred Berger und Klaus-Dieter Loudil ausgesucht, die sich bereits vor dem Anschlag darum bemühten, Komplizen für die geplante Befreiung des damaligen Häftlings Sigurd Debus zu gewinnen.

Miteingebunden waren damals aber nicht nur die V-Männer Loudil, Berger und Susak. In diesem Zusammenhang fiel auch immer wieder der Name des mutmaßlichen BND-Agenten Werner Mauss, der später im Fall Uwe Barschel oder auch bei der Entführung der Familie Wallert auf der südphilippinischen Insel Jolo durch Abu-Sayyaf-Rebellen ebenfalls eine äußerst suspekte Rolle gespielt hatte.

Hierzu schreibt CILIP vom 15. Dezember 1989 (https://www.cilip.de/1989/12/15/das-lockspitzelsystem-vom-celler-loch-bis-zur-methode-mauss-der-abschlussbericht-des-11-parlamentarischen-untersuchungsausschusses-des-niedersaechsischen-parlaments/) „Die V-Leute Zeljko Susak ( ), Klaus-Dieter Loudil ( ) und Manfred Berger ( ) waren Lockspitzel. Von daher verwundert es nicht, daß der VfS sich seinen ersten Lockspitzel Susak vertrauensvoll von dem „V-Mann Nr. 1“, Werner Mauss, empfehlen ließ, der den Ruf hatte, der erfahrenste „agent provocateur“ der bundesrepublikanischen Sicherheitsbehörden zu sein. Die Operationen „Sommerpause“, „Neuland“ und „Emsland“ waren die Erprobung und Praktizierung der „Methode Mauss“ im Bereich politisch motivierter Straftaten durch einen geheimen Nachrichtendienst.“

Es lohnt sich, den Abschlussbericht des 11. Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Parlaments, Drucksache 11/4380 vom 09.10.1989 zu lesen.

Es wäre demnach kaum noch überraschend, wenn es über Werner Mauss auch Bezüge zum Oktoberfest-Attentat geben würde. Schmid-Eenboom hatte in seinem Buch „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“ eine kleine Anekdote am Rande erzählt, die sich ein Jahr vor dem Oktoberfest-Bombenanschlag zutrug.

Der “Super”-Agent Werner Mauss
Über den BKA-Präsidenten Horst Herold kam der damalige Innenminister Gerhard Baum am 21.08.1979 auf Klaus Kinkel zu und bat ihn, den Privatdetektiv Werner Mauss beim BND unter Vertrag zu nehmen. Der Vizepräsident Blötz, der ja bereits im Langemann-Untersuchungsausschuss zu den Qualitäten eines Herrn Langemann befragt wurde (siehe hierzu den Minderheitenbericht des bayerischen Landtags vom 10.09.1982, Drucksache 09/13012 vom 10.09.1982), riet Kinkel dringend davon ab, mit Werner Mauss einen Einjahresvertrag abzuschließen. Kinkel ignorierte die Warnung. Er ließ für das Ehepaar Mauss zwei Planstellen beim BND einrichten und setzte ihnen zur Kontrolle den BND-Agentenführer Martini vor. Als Honorar für das Ehepaar Mauss waren 650.000 DM vereinbart. Diese sollten sich zu 400.000 Mark aus Spenden der deutschen Wirtschaft und 250.000 DM aus dem Steuerzahlertopf zusammensetzen. Gespendet haben für diesen Zweck die HUK-Versicherungsgesellschaft in Höhe von rd. 200.000 DM, der VEBA-Konzern rd. 50.000 DM, die Flick-Verwaltungsgesellschaft war mit 100.000 DM dabei und die Deutsche Bank steuerte noch einmal 50.000 DM dazu. Diese Tranchen erfolgten sukzessive von Dezember 1979 bis September 1980.

Das Ehepaar Mauss sollte im Gegenzug Informationen aus dem Bereich des Terrorismus liefern, was aber nicht erfolgte. Stattdessen versorgte Mauss den BND mit falschen Informationen über indische Nuklear- und Regierungspolitik, die sie von einer Stewardess der Air India erhielten. Trotzdem wurde der Vertrag im August 1980 noch einmal um ein Jahr verlängert mit einer weiteren Zahlung von 192.000 DM. Da stelle ich mir dann schon Fragen, z.B. wofür Mauss das vom BND gezahlte Salär verwendet hat. Der Auftrag wurde ja nicht erfüllt, im Gegenteil, ein Terroranschlag von rechts erfolgte dann am 26. September 1980 auf dem Münchner Oktoberfest. Zuvor bombten sich die „Deutschen Aktionsgruppen“ durch die Republik.

Ich habe bereits dargelegt, dass es offenkundig immer wieder V-Männer und –Frauen im Umfeld von bestimmten Gruppierungen gibt, die entweder als Informanten oder als „agent provocateur“ oder sogar beides auftreten. Sie schleichen sich in die jeweiligen Gruppierungen ein, stehlen Mitgliederlisten, Adressen, Telefonverzeichnisse, Angaben zu Treffpunkten etc. und übergeben diese Daten ihren jeweiligen Auftraggebern entweder aus dem Bereich der Sicherheitsbehörden oder den jeweiligen Geheimdiensten. In vielen Fällen dienen sie sich mehreren Auftraggebern an und so wird die Beschaffung von Informationen und weiteren Informanten ein lohnendes Geschäftsmodell. Manche machen es professionell wie zum Beispiel der ehemalige BKA-Beamte Peter Heigl oder der „hochgelobte“ Privatdetektiv Werner Mauss, andere geraten eher zufällig in die Schlingen der Geheimdienste. Meistens waren diese schon strafrechtlich (dabei genügen schon kleine Delikte) oder in sonstiger Weise auffällig (psychische Probleme, Einzelgänger, problematisches Sozialumfeld etc.). In erster Linie ist es wichtig, wie manipulier- und beeinflussbar eine Person ist. In der Regel werden die Schwächen von diesen auserkorenen Menschen ausgenutzt, um sie je nach Plan einzusetzen. Alles läuft wie ein Theaterstück ab. Die Drehbücher, welche letztendlich die Weltgeschicke bestimmen, werden verborgen in den Herrenclubs der wenigen „Mächtigen“ geschrieben. Über ihre Agenten des Vertrauens (Geldgeber, Banken, Versicherungsanstalten) werden dann die entsprechenden Statisten (wir als Volk), Bühnen (in welcher Umgebung und unter welcher Kulisse), Maskenbildner (die Medien), Regisseure (Spezialisten auf dem Gebiet der False-Flag-Operationen) sowie Kameramänner und Toningenieure (Geheimdienste, Detekteien, Journalisten und Sicherheitsbehörden) ausgesucht. Dann erfolgt das eigentliche Casting der Haupt- und Nebendarsteller (Täter, Attentäter, Opfer, Informant, Verantwortliche bzw. Schuldige auf der politischen Ebene). Und ähnlich wie bei einem Filmset gibt es immer wieder Pleiten, Pech und Pannen, denen man mit provisorischen Maßnahmen entgegenzutreten versucht.

Die folgenden Punkte werden das Zusammenspiel ab Regisseur-Ebene gut dokumentieren.

Der Mehrfachagent Peter Weinmann
1969 war er ein ganz normaler Friseur im Alter von zarten 23 Jahren mit Träumen von einem besseren Leben. Dann wird er in einem Hotel im Teutoburger Wald „zufälligerweise“ von einem Mann angesprochen, der sich im weiteren Verlauf als Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz vorstellt. Es ist der bereit genannte Dr. Semmler. Wir kennen ihn bereits als Agentenführer von Atef Bseiso, einem der Mitorganisator vom Olympia-Attentat. Warum man ausgerechnet auf Weinmann kommt? Das hat er sich selbst auch gefragt und dabei fiel ihm ein, dass er sich mal für den Polizeidienst beworben hatte und auch die Polizeischule besuchte, diese dann aber abbrach. Ach ja, und dann war er auch mal bei der NPD Mitglied gewesen, das war zu Zeiten von Thaddens. Erinnert Euch bitte, dass Frank Lauterjung zu dieser Zeit ebenfalls in der NPD aktiv war. Peter Weinmann musste gar nicht lange überlegen, denn sein Selbstwertgefühl, einer von den vom Verfassungsschutz wenig Auserkorenen zu sein, macht ihn stolz. Mit Todeseifer beginnt er seine Arbeit und ist in Bochum in das Büro der rechtsradikalen „Partei der Arbeit“ unter dem damaligen Führer Friedhelm Busse eingebrochen. Er und Friedhelm Busse kannten sich schon aus NPD-Zeiten und verstanden sich ausgezeichnet. Deswegen konnte er sich das Vertrauen von dem „Alt-Neonazi“ schnell wieder erwerben, als er mal wie zufällig vorbeischaute und fragte, wie es denn den alten Kameraden so gehe. Nachdem er die Umgebung und „Geschäftszeiten“ der Gruppe ausgekundschaftet hatte, entschloss er sich für den Einbruch. Dabei hatte er einen Stapel Karteikarten herausgenommen und die Namen sowie Adressen von 35 Mitgliedern notiert. Dr. Semmler war bestimmt begeistert, als er ihm diese Daten übergab. Wie er sie beschafft hat, interessierte ihn dabei nicht. Er muss in seinem Job richtig gut gewesen sein, denn acht Jahre lang ist er als „Werner“ V-Mann des BfV, danach 16 Jahre lang als „Sigmund“ dem italienischen Geheimdienst SISMI zu Diensten und fünf Jahre lang wird er in Ost-Berlin als IM „Rolf Römer“ geführt. (Quelle: Spiegel 7/1994 „Spion aus Leidenschaft“). Dann „entdeckte“ er Mitte der 70er Jahre die WSG-Hoffmann. Auch hier gelang ihm der Zugang mühelos. Die Nachwuchswerbung des Peter Weinmann für den Verfassungsschutz lief wohl gerade im Umfeld der WSG-Hoffmann recht gut wie man später an Walter Behle, Uwe Mainka oder Odfried Hepp sehen kann. In Heroldsheim bei Nürnberg nimmt er Anfang 1980 an einer Winterübung teil. Weil Weinmann mittlerweile von „Friseur“ zu „Journalist“ umgesattelt ist, durfte er auch gleich einen Film über die WSG-Hoffmann drehen, der dann tatsächlich sogar vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen dem Publikum vorgestellt wurde. Wir wissen mittlerweile, dass am 30.01.1980 die WSG-Hoffmann schließlich verboten wurde und in den „Untergrund abtauchen“ musste, weit weg bis zum Libanon. Offensichtlich hatte Weinmann Jahre zuvor schon ein Flugblatt des „Freundeskreises zur Förderung der Wehrsportgruppe Hoffmann“ herausgebracht. Ratet mal, wann das war? 1975 steht Peter Weinmann namentlich im Impressum des Flugblattes als „Informationsstelle Bonn“. Peter Weinmann ist ein Schwabe und da könnte es durchaus sein, dass auch Gundolf Köhler dieses Flugblatt in die Finger bekommen hatte.

1976 wandert Weinmann nach Südtirol aus, wo er dann auch mit dem italienischen Geheimdienst SISMI in Kontakt kam. Sie suchten damals nach Informationen über die Separatisten in Südtirol, die eine Loslösung von Rom und einen Anschluss an Österreich anstrebten. Nun bekam er Kontakt mit der Lehrerin Eva Klotz, deren Vater bereits in Italien zu 51 Jahren Kerker verurteilt war, weil er Sprengstoffattentate verübt hatte. Die Separatisten wurden über eine Stiftung des Immobilien-Multimillionärs Hermann Niermann in Düsseldorf unterstützt. So wurde auch gegen das Stiftungsmitglied Norbert Burger ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Untreue eingeleitet, was aber 1988 gegen die Zahlung eines Bußgelds von 15.000 Mark eingestellt wurde.

Am 21.08.1984 nimmt Weinmann Kontakt mit der Stasi auf. Dort betreuen ihn die Stasi-Offiziere Gerd Fischer und Dieter Hünniger. Über Weinmann erfährt dann auch die Stasi die Arbeitsweisen und Methoden der Abteilung Rechtsextremismus des Verfassungsschutzes. Berichte über westdeutsche Rechtsradikale und Südtiroler Separatisten schreibt er zunächst für die Stasi auf und kopiert sie dann für den SISMI. Dabei kristallisierte sich immer mehr heraus, dass sich die Stasi besonders für die Südtiroler Separatisten und deren westdeutsche Unterstützer interessierte, insbesondere, wer die Hintermänner der Bewegung „Ein Tirol“ sind, die 1986 den Bombenanschlag auf das Postamt von Burgstall verübten und so eine zwei Jahre andauernde Gewaltserie in Gang setzten. „„Bei jedem Anschlag“, sagt Weinmann, „haben sich die Stasi-Leute gefreut, weil damit im Nato-Land Italien eine instabile Zone sichtbar wurde.““ (Quelle: Spiegel 7/1994 „Spion aus Leidenschaft“)

Die „alten Kameraden“ Alois Brunner alias Dr. Georg Fischer und Walter Rauff
Schauen wir uns doch noch einmal Alois Brunner alias Dr. Georg Fischer an. Möglicherweise gibt es zwischen der WSG-Ausland von Hoffmann und Brunner, der zu dieser Zeit in Syrien, Damaskus lebte, ebenfalls Verbindungen. Reinhard Gehlen hatte damals Alois Brunner zur Flucht verholfen, höchstwahrscheinlich mit Billigung der Amerikaner, und ihn so dem Strafverfahren und der wahrscheinlichen Verurteilung als Kriegsverbrecher entzogen. Es gab noch zwei weitere Fluchthelfer, nämlich Dr. Rudolf Vogel, ehemaliges Mitglied der Propagandastaffel in Saloniki und späterer Bundestagsabgeordneter der CDU sowie Dr. Georg Fischer, früherer SS-Kamerad aus Pariser Zeiten. Brunner bekam dann 1954 auch den Pass und nannte sich von da ab Dr. Georg Fischer. Im Auftrag von Gehlen wurde er dann als Geheimdienstspezialist im Nahen Osten eingesetzt. Er schlug sein Domizil in Damaskus, Syrien auf. 1960 interessierte sich der syrische Geheimdienst für diesen Dr. Georg Fischer und prompt wurde er als „Berater für Judenfragen“ eingesetzt. Es dauerte nicht lange, bis auf ihn 1961 ein Anschlag verübt wurde und er dabei ein Auge verlor. Das wiederholte sich dann 1980 noch einmal, als er Post vom „Verein Freunde der Heilkräuter“ aus Österreich bekam. Leider war das eine Briefbombe und schon waren vier Finger an der linken Hand futsch. Man vermutet, dass es der Mossad war, aber ich denke eher, dass ihm die Stasi diese „Liebesgrüße“ geschickt hatte. Wir erinnern uns – 1976 war auch Peter Weinmann in Südtirol aktiv. Vielleicht wollte man ihn auf diese Weise an etwas erinnern, denn Alois Brunner lebte ganz offen in Damaskus und war somit leicht aufzufinden. Wenn also der Mossad wirklich vorgehabt hätte, ihn umzubringen oder der israelischen Gerichtsbarkeit zuzuführen, dann wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Kackfreck gab er dann auch am 10. Oktober 1985 der Zeitschrift Bunte ein Interview, „in dem er betonte: „Israel wird mich nie bekommen.“ Das Interview strotzt derart vor antisemitischen Ausfällen, dass die Bunte nur eine zensierte Fassung veröffentlichte. Der Journalist, der Brunner interviewte, berichtete einige Jahre später“, dass Brunner immer noch stolz darauf wäre, dabei geholfen zu haben, dieses „Dreckszeug“ wegzuschaffen. „Damit meinte er die Juden, die er hatte deportieren lassen.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Brunner ). Dass das eine geradezu perverse Verhöhnung einer ganzen Nation ist, braucht, glaube ich, nicht mehr weiter erörtert zu werden. Die Fakten sprechen für sich, denn Alois Brunner wurde niemals für das, was er getan hat, zur Rechenschaft gezogen. Vom BND will ich gar nicht erst reden, aber weder ein Mossad noch ein CIA noch die Franzosen oder auch Russen waren wirklich bemüht, diesen Menschen habhaft zu werden. Bei Adolf Eichmann und Klaus Barbie hatte man ja auch keine Mühen und Kosten gescheut, ihnen letztendlich doch noch den Prozess zu machen. Daraus schließe ich, dass Alois Brunner alias Dr. Georg Fischer für irgendwelche Drehbücher der so genannten Machtelite noch gebraucht wurde. Insofern wäre es tatsächlich interessant, mehr über die Hintergründe der zwei Attentate auf Alois Brunner zu erfahren.

Kommen wir damit zu Walther Rauff und zur Entwicklung der PLO, höchstwahrscheinlich mit Hilfe der Nazis. Walther Rauff sollte mit einer kleinen Gruppe von 24 Mann nach dem erwarteten Einmarsch deutscher Truppen in Ägypten und Palästina die dortigen Juden ermorden. Offensichtlich sollten dazu palästinensische Hilfskräfte rekrutiert werden. Zum Beispiel sollten nach Aussage des Großmuftis von Jerusalem, Amin el-Husseini, „bandenartige arabische Kräfte“ gebildet werden um „im Inneren des Landes Aufstände zu entfalten“. Dieser Großmufti war übrigens ein Onkel Yassir Arafats. Walther Rauff ging dann 1948 als Nachrichtenoffizier nach Syrien. Dort soll er Juden gefoltert haben. (Quelle: „Die Welt“ vom 08.04.2006). Jens Kröger schreibt in seinem Artikel „Nazis, CIA und der Vatikan: Das Fundament der neuen Weltordnung“, dass sich der Vatikan unter Papst Pius XII. um die Nazis kümmerte und sie mit italienischen Identitätsausweisen, gefälschten Geburtsurkunden, Rot-Kreuz-Pässen und Visas ausstattete, damit sie über Österreich nach Genua und von dort nach Lateinamerika oder die arabischen Länder unerkannt flüchten konnten. Eine dieser sogenannten Ratlines (Rattenlinien) hat Bischof Alois Hudal aus Österreich betreut.

Walther Rauff galt als derjenige, der das Programm mit den mobilen Gaskammer-Lastwagen überwachte und hier fühle ich mich plötzlich an den Irakkrieg von 2003 erinnert, bei dem der vom BND geführte Iraker Rafid Ahmed Alwan mit dem Decknamen „Curveball“ behauptet hatte, Saddam Hussein würde mobile Chemielabore zur Herstellung von chemischen Waffen benutzen und sich damit der Überwachung durch die UN-Waffeninspekteure zu entziehen.

Aber in dem Spiel von Alois Hudal unter Aufsicht von Allen Dulles wurde Walther Rauff nun für die Geldwäsche zur Finanzierung der Rattenlinien benötigt. Als Unterstützung holte er sich seinen SS-Kollegen Frederico Schwendt dazu. Schwendt selbst galt während des Krieges als größter Geldfälscher zu der damaligen Zeit und hatte bereits versucht, die britische Wirtschaft durch gefälschte Pfundscheine zum Erliegen zu bringen. Der Codename dieser Geldfälscher-Operation war „Wendig“. Letztendlich scheiterte die Operation, allerdings gelang es Schwendt auf merkwürdige Weise, die bereits hergestellten Blüten über den ökonomischen Kreislauf reinzuwaschen. Behilflich waren ihm dabei verschiedene Banken. Jedenfalls schaffen es Walther Rauff und Frederico Schwendt, genügend Bares anzuschaffen, um die von Hudal organisierten Schmuggelrouten am Laufen zu halten. Die meisten gesuchten Kriegsverbrecher schafften ihre Flucht, indem sie nach Mailand zu Hudals Kirchengemeinde Santa Maria del Anima und von dort dann zu Erzbischof Siri nach Genua gelangten. Von da ab ging es auf Schiffen Richtung Südamerika. All das konnte nur mit Einverständnis des Vatikans geschehen, denn die Kriegsverbrecher einschließlich Hudal und Konsorten konnten sich mit vatikanischen Reisepässen einschließlich päpstlicher Unterschrift eindecken. Martin Bormann war so ein Fall. Er verkleidete sich als Jesuitenpater, erhielt päpstlich beglaubigte Papiere, die ihn als staatenlose Person auswiesen (er nannte sich Pater Eliezer Goldstein !) und dankte es, indem er eine großzügige Summe an einen deutschen Franziskanermönch spendete, der an der klösterlichen Fluchtroute beteiligt war. Ein weiteres Indiz könnte dabei auch die Freundschaft zwischen Bormann und dem späteren Papst Pius XII sein. Pius war in der Endphase des Ersten Weltkrieges und während der Weimarer Republik vatikanischer Botschafter in Deutschland, München.

Raschid Abu Schpak und die Preventive Security im Gazastreifen
Im Buch „Der Totalitäre Staat“ von Markus und Martin Bott wird ein Artikel von der „Welt“ vom 12.08.2004 „Raschid die Sphinx“ zitiert, in dem steht:

Raschid Abu Schpak war Leiter der „Preventive Security“ im Gazastreifen. Die „Preventive Security“ ist dort der Geheimdienst. Dazu wird im Buch von Markus und Martin Bott „Der Totalitäre Staat“ der Welt“ vom 12.08.2004 im Rahmen eines Interviews mit Raschid Abu Schpak zitiert: „Ob ich ein Terrorist bin? Daß ist eine Frage des Standpunktes. Fragen sie doch meine lieben Kollegen in Pullach. Die haben uns beim Ausbau der Preventive Security sehr geholfen. Wir sind ihnen ewig dankbar dafür. Bildet Pullach etwa Terroristen aus?“ Der Artikel geht dann weiter darauf ein, dass es „ein Zusammenspiel des palästinensischen Geheimdienstes mit Terrorgruppen wie dem Volkswiderstands-Komitee gibt. Mitarbeiter der Preventive Security tauchen in Personalunion ab und zu auch als Mitglieder des Volkswiderstands-Komitees auf. Das Komitee ist eine knapp drei Jahre alte Organisation aus Fatah-Mitgliedern, Hamas-Aktivisten und Kämpfern des palästinensischen Islamischen Dschihad und für viele Anschläge im Gazastreifen und in Israel verantwortlich. Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass Raschid Abu Schpak als Leiter der Preventive Security massiv in die Finanzierung der Terroristen und ihrer Attentate sowie in die Alimentierung der Familien von „Märtyrern“ und hochrangigen Führungskadern des Volkswiderstands-Komitees involviert war.“ Über die Finanzströme kann man dann in der „Welt“ weiterlesen: „Die Belege der Preventive Security zeigen, dass nicht nur soziale Fürsorge deren Leitung umtrieb. Ihrem Offizier Rahmi wird am 19. Juli 2001 vom palästinensischen Finanzministerium ein Scheck mit der Nummer 075358 übergeben – über 15 000 Dollar. Stunden vorher hat Rahmi schon einen Scheck mit der Nummer 075333 erhalten – über 2500 Dollar. Eingelöst werden beide Schecks am 8. August 2001.“ Dann geht es weiter: „Safwat Rahmi ist ein enger persönlicher Freund von Ihnen. Er hat Anschläge geplant. Er soll in den Waffenhandel involviert gewesen sein. Wofür war das Geld?“ Die Antwort von Raschid Abu Schpak kommt routiniert höflich. „Ich weiß nicht was meine Mitarbeiter in ihrer Freizeit alles treiben. Ich weiß aber, daß sie Palästinenser sind. Ich könnte verstehen, wenn sie so sehr an der Besatzung unserer Heimat leiden, dass sie etwas dagegen unternehmen.““ Und als eine der Schlussfragen: „Woher kam das Geld? Etwa aus dem Topf der zehn Millionen Dollar Direktzahlungen monatlich, die die Autonomiebehörde 2001 und 2002 von der EU bekam?“ (Quelle: http://www.totalitaer.de/Allgemeines/bndnaherosten.HTM )

Besonders bedenklich ist folgende Aussage der niedersächsischen Landesregierung, die darauf schließen lässt, dass die bereits oben geschilderten Vorgänge mit ihren Hauptakteuren nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern als eine ernstzunehmende Option hinsichtlich des Oktoberfestanschlags wie auch für alle anderen großangelegten „Operationen“ betrachtet werden muss. Aus dem Buch „Wir Bürger als Sicherheitsrisiko: Berufsverbot und Lauschangriff – Beiträge zur Verfassung unserer Republik“ von Wolf – Dieter Narr, Reinbek entnommen, das bereits 1977 erschienen ist: „Dem SPD – Abgeordneten Wolfgang Pennigsdorf gelingt es, der niedersächsischen Landesregierung im Landtag (…) Erklärungen zu entlocken, durch die offenkundig wird, daß nicht nur Organisationen, die bei den Behörden als „verfassungsfeindlich“ abgestempelt sind, nicht nur Bürgerinitiativen, nicht nur Amnesty International, sondern auch alle erdenklichen anderen Vereinigungen, einschließlich der großen Parteien, jederzeit überwacht werden. Die Landesregierung verlautbart: „Nach dem Grundsatz der Einheit der Staatsgewalt hat die Polizei Nachrichten oder Unterlagen, deren Kenntnis auch für andere Behörden zur Erfüllung ihres Aufgabenbereichs notwendig sein könnte, an diese Behörden weiterzuleiten. Aus diesem Grunde übermittelt die Polizei selbstverständlich Berichte über Aktionen von Organisationen oder anderen Gruppierungen mit verfassungsfeindlicher Zielsetzung an die Verfassungsschutzbehörde. Es werden aber auch Berichte über Veranstaltungen demokratischer Organisationen oder Gruppierungen an die Verfassungsschutzbehörde weitergeleitet. Denn bekanntlich versuchen links- oder rechtsextremistische Organisationen oder Gruppierungen immer wieder, Veranstaltungen demokratischer Organisationen zu stören oder in ihrem Sinne ´umzufunktionieren´… Ebenso ist es für die Verfassungsschutzbehörde wichtig, von der Polizei zu erfahren, ob Veranstaltungen demokratischer Parteien oder Organisationen störungsfrei verlaufen sind.“ Kurz: Kein Demokrat ist vor geheimdienstlicher Beobachtung sicher.“ (Quelle: http://www.totalitaer.de/polpolizei.htm )

Damit schließe ich auch erst einmal den Aspekt „Rolle der deutschen Geheimdienste und Sicherheitsbehörden“. Für mich jedenfalls steht fest, dass die WSG-Hoffmann als geheimdienstliches Werkzeug missbraucht wurde, um einerseits Propaganda unter den wankelmütigen Jugendlichen durchzuführen und sie damit für eine angeblich „nationale“ Idee zu begeistern (so, wie es Hoffmann auch selbst zugegeben hatte) und um andererseits allein durch das Durchsickern einer Information, dass Köhler ein Mitglied der WSG-Hoffmann war, eine Cover-Up-Operation zu starten, um das Augenmerk auf die wahren Strippenzieher und Täter des Bombenanschlags von München zu verschleiern.

Weiter mit Teil 7

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