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Die Rolle der Stasi

Auch hier möchte ich zu Anfang mit zwei Thesen aufwarten:

These 1: Die STASI hat den Münchner Oktoberfestanschlag unter Zuhilfenahme ihrer Doppelagenten rund um die WSG-Hoffmann geplant und ausgeführt, die westdeutschen Geheimdienste haben Kenntnis von den Plänen gehabt, diese unauffällig mit der “Operation Wandervogel” versucht, kontrolliert zu vereiteln und als ihnen das nicht gelungen war, anschließend ihr Versagen mit einer Cover-Up-Aktion “Gundolf Köhler, der Rechtsextremist aus den Reihen der WSG-Hoffmann” mithilfe von Hans Georg Langemann vertuscht. Zu diesem Zeitpunkt war die WSG-Hoffmann bereits verboten. Die Stasi hat damit auf der einen Seite ihre Rachegelüste wegen des Überlaufs des Top-Spions Werner Stiller zum BND befriedigt, das Augenmerk auf den sich anbahnenden Spionageskandal abgelenkt und auf der anderen Seite ein Druckmittel für die Genehmigung eines Milliardenkredits aufgebaut.

These 2: Die westdeutschen Geheimdienste haben im Sinne des Mottos “Victory for Strauß” versucht, einen Bombenanschlag zu fingieren. Dabei sollte der Bombenanschlag durch aufmerksame, „zufällige Festbesucher“ oder vielleicht auch „Zivilfahnder der bayerischen Polizei“ rechtzeitig verhindert und „Die Linken“ als vorgeblicher Initiator geoutet werden. Strauß wäre damit als zuständiger bayerischer Ministerpräsident mit seinem kompetenten Polizeiapparat in der Beliebtheitsskala der Bevölkerung rasant nach oben geklettert und hätte vielleicht den SPD-Mann Schmidt bei der Bundestagswahl geschlagen. Die STASI wiederum hat von diesen Plänen gewusst, dafür gesorgt, dass die Bombe tatsächlich hochgeht und anschließend die BRD-Bundesregierung mit dem Milliardenkredit erpresst.

Die weißen und roten Leuchtraketen
Mehrere Schausteller und „Wiesn“-Besucher konnten kurz vor dem Bombenanschlag eine weiße und ein paar Minuten später eine rote Leucht- oder Signalrakete beobachten. Dabei ging man zunächst von irgendwelchen Silvesterraketen aus und schenkte dem wohl keine besondere Aufmerksamkeit. Dennoch ist diese Beobachtung äußerst wichtig, denn sie stellt ein weiteres Indiz in diesem Puzzlestück dar, aus dem man zumindest rückschließen kann, dass es mehrere Täter gab, die an diesem Anschlag vor Ort beteiligt waren. Die Zeichen und Bedeutung der Leucht-/Signalraketen können demnach auch nur von den Personen gedeutet werden, die in dieses Attentat involviert sind. Wenn man bedenkt, dass die Bombe mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Fernzündung zur Explosion gebracht wurde, dann machen diese Raketen durchaus Sinn. Grundsätzlich käme zwar auch ein Zeitzünder direkt an der Bombe in Betracht, aber der Umstand, dass aufgrund des Verletzungsbildes von Gundolf Köhler der Rückschluss gezogen wurde, dass er während der Explosion unmittelbar über dem Papierkorb gebückt stand, stellt dieses Theorie infrage. Gundolf Köhler müsste zumindest den Zeitzünder selbst eingestellt haben. Wenn dies in selbstmörderischer Absicht als durchgeknallter Einzeltäter erfolgte, dann fehlt aus meiner Sicht immer noch ein nachvollziehbares Motiv dafür. Die von mehreren Augenzeugen beobachteten Signalraketen würden dann aber auch überhaupt keinen Sinn machen. Sollte Köhler den Zeitpunkt der Zündung ohne selbstmörderische Absicht über eine Zeitschaltung selbst eingestellt haben, dann verwundert es umso mehr, dass er selbst dabei in die Luft geflogen ist, es sei denn, jemand hätte kurz zuvor den von Köhler ursprünglich eingestellten Zeitpunkt manipuliert, was dann ebenfalls auf mehrere Täter bzw. Mitwisser hindeutet. Da bekanntlich auf dem Oktoberfest ein großes Getümmel herrscht, dürften sich auch die Tatbeteiligten an verschiedenen strategisch wichtigen Orten (Ein- und Ausgänge, Toiletten, Bavariaring) befunden haben, um Beobachtungen bzw. Observationen durchzuführen, insbesondere um zu verhindern, dass aus irgendeiner Richtung Störungen auftreten (unvermuteter bzw., unbeabsichtigter Polizeieinsatz oder -kontrolle, neugierige Besucher, Pöbeleien oder Schlägereien mit dem oder die Bombenleger vor Deponierung der Bombe, sonstige verdächtige Bewegungen etc.). Die weiße Signalrakete könnte damit das Signal gewesen sein „Achtung, alle auf ihre vorgesehenen Plätze. Der Countdown läuft“. Hier ging es um die Absicherung und es dürfte sehr wahrscheinlich sein, dass die Tatbeteiligten untereinander in Funkverbindung standen. Die rote Leuchtrakete war dann das Signal für den Start der Operation oder die Zündung der Bombe mit dem Hinweis „Es geht los“ oder „Alles in Deckung“, je nach Sichtweise der oben angestellten Thesen. Angesichts dieser vermuteten Logistik spricht viel dafür, dass es sich hierbei um einen Täterkreis aus den Einheiten der SBO oder um fremde nachrichtendienstliche Einheiten gehandelt hat. Damit würde dann aber auch die Einzeltätertheorie komplett in sich zusammenfallen.

Auf der Suche nach entsprechenden Hinweisen stieß ich dann auf einen so genannten „autobiografischen“ Roman „Codename Einstein“ von Wolfhart Willimczik, bei dem ich stutzig wurde. Zuvor hatte ich bereits Hoffmanns „tatsachenorientierten“ Roman „Verrat und Treue“ im Kopf gehabt und ich wunderte mich sehr über diese merkwürdigen Zufälle rund um das Oktoberfest-Attentat. Behaltet dabei auch weiterhin im Kopf, dass Strauß wenige Tage nach dem Oktoberfestanschlag öffentlich seine Vermutung kundtat, wonach er den Anschlag Gaddafi, der Stasi oder dem KGB zutraute. Ich möchte es damit nicht versäumen, in Kürze den Inhalt dieses Romans „Codename Einstein“ vorzustellen:

Es geht um einen von der STASI verfolgten Physiker und Erfinder des Drehkolbenmotors, Wolfhart Willimczik, der behauptet, dass der Bombenanschlag auf dem Münchner Oktoberfest eigentlich ihm gegolten habe. Dabei spielen der KHK Mühlbauer vom Bayerischen LKA und der Stasi-Hauptmann Hans-Peter Wagner aus Potsdam eine besondere Rolle. Worauf es mir besonders ankommt, sind seine Formulierungen innerhalb des Romans. Da spricht er „von einem Physiker, der mit seinem Wissen zum Klassenfeind übergelaufen war“ sowie einer „Staatsgewalt“, die mit aller Macht gegen den „Verräter“ vorgehen will. Er schreibt dann ganz speziell zum Oktoberfest: „Einen Tag vor dem Bombenattentat auf dem Oktoberfest 1980 ging der KHK Mühlbauer vom BLKA München zum Verfassungsschutz, um in die Akte Willimczik einzusehen. Was er dort zu lesen bekam zwang ihn zum sofortigen Handeln, schließlich ging es um die Erhaltung des Weltfriedens.“ Hintergrund dieser Geschichte ist, dass dieser Physiker mit Namen Willimczik eine bahnbrechende Erfindung gemacht hätte, welche das „militärische Gleichgewicht“ verschieben hätte können. Weil dieser Erfinder mit seinem Wissen nun zum Klassenfeind übergelaufen war, musste er sofort unschädlich gemacht werden. Mit einem Trick lockte man deswegen diesen Erfinder auf das Oktoberfest. Das Attentat auf den Erfinder war deswegen als Bombenattentat organisiert, um sämtliche Spuren zu verwischen, die darauf hindeuten hätten können, dass es sich um einen gezielten Anschlag auf eine bestimmte Person handelt. Damit hätte man auch schnell den Täterkreis ermitteln können. Das durfte auf keinen Fall geschehen und deswegen tarnte man diese Operation als willkürlichen Bombenanschlag, bei dem es viele Tote geben sollte. Willimczek schreibt in „Codename Einstein“: „Alle werden glauben, dass wieder einmal ein Rechter einen terroristischen Anschlag verübt hat, wie die schnellen und eindeutigen Ermittlungen des BLKA beweisen werden“. Im Roman wird dann weiter geschildert, wie der Erfinder und Physiker diesen Anschlag selbst erlebt hat. Dabei geht er auch ausführlich auf die Beobachtung der weißen und roten Leuchtraketen ein. Er schreibt dazu: „Plötzlich gesellte sich ein junger Mann zu mir (Zeit der weißen Leuchtkugel), den ich nicht sofort erkannte.“ Und etwas später geht es weiter: „Deshalb entschied ich mich – wieder nach etwa 10 min – den Ort zu verlassen und ging auf den Hauptausgang drauf zu (Zeit der roten Leuchtkugel).“

Man muss keine realen Zusammenhänge sehen, wenn man keine Zusammenhänge sehen will. Ich aber habe den Verdacht, dass dieser Willimczek eine sehr reale Geschichte verarbeitet, die mit dem Fall Werner Stiller zusammenhängt. Ich komme im weiteren Verlauf dieses Kapitels darauf zurück.

Hofmann und sein „spontaner“ Entschluss, nicht den WSG-Konvoi am 26. September 1980 nach Jugoslawien zu begleiten
Hoffmann hatte bei verschiedenen Gelegenheiten (ich verweise z.B. auf sein Video „Oktoberfestattentat Kommentar Karl-Heinz Hoffmann“, abrufbar auf Youtube) angegeben, dass er ursprünglich geplant hatte, am 26.09.1980 den Konvoi von 3 Unimogs mit jeweils 3 VW-Kübelwagen Richtung Kooper, Jugoslawien zu begleiten. Von dort sollte der Fuhrpark auf ein Schiff in Richtung Syrien verladen werden. Faber sollte den Transport auf dem Schiff und weiter nach Beirut begleiten. Aber aus einem spontanen Gedanken habe er sich dann entschlossen, doch lieber in Nürnberg zu bleiben, und stattdessen in eine Diskothek zu gehen, weil er zu diesem Zeitpunkt Strohwitwer war und diese Gelegenheit ausnutzen wollte. Mit Faber hätte er ja einen erfahrenen Mann an der Seite gehabt, der diesen Auftrag auch alleine managen konnte. Nun möchte ich nicht generell in Abrede stellen, dass es solche Spontanentschlüsse gibt – auch bei einem Karl-Heinz Hoffmann.

Andererseits dachte ich dann wieder an eine merkwürdige Parallele – im Übrigen nicht die einzige, wie die Begebenheit um Walter Behle und dem Journalisten Werner Poelchau bereits zeigte und im weiteren Verlauf der Fall Werner Stiller zeigen wird -, die ich bereits im Buch von Hans Pretterebener „Der Fall Lucona“ festgestellt habe. Es geht da um einen Flugzeugabsturz der österreichischen Fluglinie AUA, der sich unmittelbar in der Nähe des Moskauer Flughafens genau am 26. September 1960, also exakt 20 Jahre vorher zugetragen hatte. In diesem Zusammenhang geht es um den Verdacht, dass Udo Proksch alias Serge Kirchhofer ein Ost-Spion der ersten Stunde war. Dabei wurden westliche Geheimdienste beim Namen Proksch zum ersten Mal nach der Flugzeugkatastrophe der Joseph Hayden der Fluggesellschaft AUA bei Moskau hellhörig. Offensichtlich hatte der KGB das Flugzeug durch falsche Daten zur Anflughöhe auf dem Moskauer Flughafen zum Absturz gebracht, denn an Board waren nicht nur vier westliche Diplomaten (Major Willis H. Knipe und Major Edward Wootten aus den USA, der stv. Britische Militärattache Johne Cooke sowie der Franzose Oberstleutnant Paul Bertrand), sondern mit ihnen auch zahlreiche Geheimdokumente, für die sich der KGB brennend interessierte.

An Board hätte auch Udo Proksch sein sollen, der aber kurz vor dem Start einen Telefonanruf auf dem Wiener Flughafen erhielt und daraufhin den Flug nicht mehr antrat. Offensichtlich wurde er telefonisch vorgewarnt. Dies hatte die österreichische Staatspolizei bei ihren Ermittlungen herausgefunden, nachdem auch 18 Österreicher bei dem Absturz zu Tode kamen. Auffällig bei diesem Absturz mit der hohen Todeszahl von 31 Passagieren war auch, dass die Rettungskräfte, obwohl direkt vor Ort, über eine Stunde gebraucht haben, um zum Absturzort zu fahren und den Schwerstverletzten zu helfen, von denen viele unterdessen jämmerlich verbrannt waren.

Kann es sein, dass Hoffmann kurz zuvor von irgendjemand gewarnt wurde, diesen Konvoi nicht zu begleiten ohne dabei die näheren Umstände zu nennen? Ich will zu diesem Zeitpunkt Hoffmann auf keinen Fall unterstellen, dass er von Anfang an im Bilde über geplante Aktionen zum Oktoberfest war. Im Gegenteil, vieles spricht eher dafür, dass er zunächst von einem Routinevorgang im Rahmen der Aufträge zum Aufbau der WSG-Ausland ausgegangen war, für den diesmal Behle, Klinger, Faber, Heizmann und Funk zugeteilt wurden. Das bestätigt er ja selbst, indem er angab, zunächst bei diesem Konvoi ebenfalls mit dabei sein zu wollen.

Um noch einmal die Wichtigkeit dieser möglichen Stasi-Verbindung gemäß These 1 oder 2 zu unterstreichen, mache ich noch einmal einen Exkurs zu zwei Ereignissen, welche sich auf die RAF beziehen.

Peter Urbach, der MfS- und Berliner LfV-Spitzel
Bei Heise-Online vom 13.06.2010 „Eine kleine Recherche in den Stasi-Unterlagen-Behörde“ wird über Peter Urbach berichtet: Peter Urbach trieb sich in der Zeit 1969 bis 1972 in vielen Kommunen aus dem Unterstützungskreis der RAF herum. Durch seinen scheinbar unbeschränkten Vorrat an Drogen dürfte er bei vielen ein willkommener Gast gewesen sein. Zwar wohnte er in Westberlin, verdiente aber seinen Lebensunterhalt bei der von der DDR betriebenen S-Bahn. Es wird vermutet, dass er auch SED-Mitglied war. Nach Aussagen der Schwester von Rudi Dutschke, der selbst einem Attentat zum Opfer gefallen war, habe Urbach Sprengkörper mit der S-Bahn in den Westen transportiert, was eigentlich ohne die Zustimmung der DDR-Behörden nicht möglich gewesen wäre. Erst mit Baaders Verhaftung und im Prozess gegen Hort Mahler kam heraus, dass Urbach ein V-Mann des Verfassungsschutzes war. Daraufhin wurde er vom Verfassungsschutz mit neuen Papieren ausgestattet und unerkannt außer Landes gebracht. Stasi-Akten offenbarten, dass Peter Urbach bis zum Schluss als MfS-Mitglied geführt wurde. Heise-Online schreibt hierzu: „Aus einem von Bommi Baumann handgeschriebenen Bericht an die Stasi geht folgendes hervor: “Klempner geb. 1940 Jetzige Tätigkeit nicht bekannt. Wohnung damals 1970-71 Wilhelmstr. W. Bekannt aus der K1. War überall bei APO-Aktionen zu sehen. Im Januar 1969 versprach er Christian Semler[11], er könne Waffen beschaffen für den griechischen Widerstand. Der Übergabepunkt war Tarvisio in Italien. Es kam keine Übergabe zustande, weil Urbach nicht erschien. Ende Januar 69 überreichte er Georg v. Rauch und mir im Republikanischen Club[12] in …(unleserlich) eine Zeitzünderbombe. Auch am Abend des Attentats auf Rudi Dutschke ..(unleserlich) Urbach Brandflaschen zum Springerhaus, mit denen die Auslieferungsfahrzeuge in Brand gesteckt wurden. Auch hat er im Februar 70 nach Besprechung mit Andreas Baader, Dieter Kunzelmann [Anm.: bei einer anderen Gelegenheit wurde Dieter Kunzelmann zusammen mit Renate Künast fotografiert] und Horst Mahler an Horst Mahler Waffen übergeben.(..)” (Quelle: Heise-Online vom 13.06.2010 „Eine kleine Recherche in den Stasi-Unterlagen-Behörde“).

Interessant wird es dann im Zusammenhang mit einer geplanten Waffenlieferung aus Italien. Dazu hatte bereits „Konkret“ Nr. 18 vom 26.04.1973 geschrieben. Demnach soll Urbach auch als KPD-Spitzel tätig gewesen sein. Er habe den „Transport von Waffen, Munition und Sprengstoff von Italien nach Westberlin an das Landesamt für Verfassungsschutz in Westberlin gemeldet, so dass Horlemann[13], Kurnitzki u.a. unverrichteter Dinge aus Italien wieder abfahren mussten.” (Quelle: Heise-Online vom 13.06.2010 „Eine kleine Recherche in den Stasi-Unterlagen-Behörde“).

In dem Artikel aus der Heise-Online vom 13.06.2010 wird dann auch auf die Rolle der rechtsextremistischen Gruppierungen eingegangen, insbesondere auf die Rolle des Josef Bachmanns und der Braunschweiger Gruppe. Die Wolfsburger Kommune oder auch „Wolfsburger Gruppe“ um Ilse Schwipper und Jürgen Bodeux wird dann noch ein Thema im Schmücker-Mordfall werden, den ich als gesonderten Themenkomplex genauer betrachten werde. Ansonsten möchte ich es erst einmal zum Fall Peter Urbach belassen.

Der Bombenanschlag in Ramstein
Nach einem Zeitungsartikel der Zeit „Anschlag in Ramstein“ hat sich am 31.08.1981 auf dem Nato-Flughafen in Ramstein ein Anschlag ereignet, der der RAF zugeordnet wurde, obwohl Einzelheiten zur Tatausführung in dem am selben Tag eingegangenen Bekennerschreiben nicht dargelegt wurden. Bereits im Juni 1979 wurde ein Attentat auf den Nato-Befehlshaber Alexander Haig in Brüssel verübt, bei dem es zwischen dem BKA und dem BfV eine Auseinandersetzung über die Urheber dieses Attentats gekommen war. Anders als das BfV meldete das BKA Zweifel darüber an, diesen Anschlag der RAF zuzuordnen, da das Bekennerschreiben erst 4 Tage später eingegangen war, was völlig untypisch für die RAF zu der damaligen Zeit war und auch die Ausführungen zum Tathergang Fehler enthielten. Zwar kam das Bekennerschreiben nun pünktlich, aber zum Tathergang wurden keinerlei Angaben gemacht. Das Schreiben wurde vom Kommando Sigurd Debus der RAF unterzeichnet. Die Bombe, die in Ramstein eingesetzt wurde, war der bei den Anschlägen auf die US-Hauptquartiere in Frankfurt und Heidelberg von 1972 sehr ähnlich. Wegen dieser Anschläge wurden damals auch Baader, Meinhof, Ensslin und Raspe angeklagt und verurteilt. Merkwürdigerweise hatte man auf Tipp eines V-Mannes des Verfassungsschutzes in einer Heidelberger konspirativen Wohnung eines vorgeblichen RAF-Sympathisanten eine Bombe und Planskizzen für Anschlagsziele entdeckt, darunter war auch explizit als Anschlagsziel der Nato-Flughafen von Ramstein aufgezeichnet. Die US-Behörden waren also bereits vorgewarnt bis es dann doch letztendlich zum Anschlag 1981 kam. Wieso hat man angesichts dieser Warnung nicht die Kontrollen und Überwachungen verschärft? Die Täter des Anschlags wurden meines Wissens nach nie gefasst.

Zurück zu dem Hauptthema der möglichen STASI-Vertrickungen im Oktoberfestananschlag.

Weil ich die Vorgänge rund um den MfS-Mitarbeiter Werner Stiller für die Herausarbeitung eines Motivs der Geheimdienste enorm wichtig halte, widme ich mich diesem Fall sehr ausführlich, wobei ich meine Erkenntnisse vor allem aus dem Buch „Der Fall Lucona“ von Hans Pretterebener bezogen habe – eines der besten Sachbücher, die zu einer politischen Affäre überhaupt geschrieben wurden.

Der Fall Werner Stiller
Wie bereits schon vorher aufgeführt, war Werner Stiller alias Werner Stahlmann alias Werner Schilling ein so genannter Doppelagent, der sowohl für das MfS als auch für den BND spioniert hatte. Sein BND-Agentenführer war Josef Zeller alias Bierling. Bierling, mit besten Kontakten zum Bayernkurier, wusste über Horst Herig, ebenfalls ein Stasi-Doppelagent und zu dem damaligen Zeitpunkt als Journalist in Bernau am Chiemsee tätig, bereits seit 1977 von dem illegalen Technologietransfer der Bernauer Firma Scholz in den Osten, insbesondere auf dem Gebiet der Mikroelektronik. Die Firma Scholz hatte u.a. Mikroelektronikteile für das Kampfflugzeug Tornado über die Schweiz in die DDR geliefert.

Stiller war ebenfalls Atomphysiker und ließ sich 1976 vom BND anwerben. Stiller kannte Hans-Peter Betrag gut und arbeitete zeitweise mit ihm zusammen.

Ergänzend muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Hans-Peter Betrag der Stasi-Führungsoffizier von dem indonesischen Elektroingenieur Puthenvitil Kesavan alias Peter K. Gopal war. Dieser wiederum fungierte als Geschäftsführer der Stasi-Firma Semiconductor Systems International Inc. (SSI) als Tochterfirma der Rudolf Sacher GmbH. Seine [Gopals] Familie galt als ausgezeichnete Adresse für den fernöstlichen Rauschgiftschmuggel. Gopal selbst kam 1968 nach Amerika und verfügte über ein kleines Büro in Sunnyvale bei Santa Clara im Zentrum des Silicon Valley, dem Herz der US-Mikroelektronik-Industrie. Zuvor war Gopal bei Texas Instrument in Dallas beschäftigt, wo er allerdings wegen Diebstahls von Betriebsgeheimnissen fristlos entlassen wurde. Danach fand er eine Anstellung bei Philcoford in Pennsylvania und bei Solitron Inc. in San Diega als Chip-Designer. Bei Collins Radio in Newport Beach war er als Marketing-Manager beschäftigt, bevor ihn die Stasi für sich entdeckt hatte und am 01.06.1973 in Santa Ana, Orange County in Kalifornien die SSI gegründet wurde. Damit nahm der illegale Technologietransfer von West nach Ost seinen Lauf. Mikroelektronikprodukte aus Sillicon Valley wurden in Österreich durch die Fa. Sacher präpariert, entsprechend verändert und als österreichische Produkte in den Ostblock verschoben, darunter fiel auch eine von der Fa. Extreon hergestellte Ionen-Implantationsmaschine, die Gopal besorgt hatte. Geld für die SSI erhielt Gopan von Max Peterhans´ Briefkastenfirma Implama AG aus der Schweiz mit Krediten von der Schweizerischen Bankgesellschaft. 1976 gründete der Treuhänder Max Peterhans eine weitere Briefkastenfirma namens Optron AG, die den gleichen Zweck erfüllte. Ein Intel-Chip, der von Gopal in den USA gestohlen und an die Optron geliefert wurde, tauchte kurze Zeit danach in der Sowjetunion als russische Entwicklung auf. Großes Interesse hatte die Stasi auch an dem US Rüstungslieferanten Hughes Aircraft, der auf dem Gebiet der Technologie zur Durchführung der Ionenprojektion marktführend war. Dazu wurde der Physiker und Mitarbeiter der Hughes Aircraft, William Holden Bell angeworben, dessen Nachbar „zufälligerweise“ ein polnischer Geheimdienstmann namens Marian Zacharski war, der wiederum als Manager der Firma Polamco auftrat. Bell stahl geheime Forschungsunterlagen und übergab sie in Innsbruck seinem polnischen Verbindungsmann Anatoliuz Inowolski. 1981 wurde Bell und Zacharski vom FBI enttarnt und vor Gericht gestellt. Ein CIA-Agent hatte als Maulwurf beim polnischen Geheimdienst gearbeitet und so einen Hinweis an das FBI geben können. Er war es auch, der Zdidzislaw Przychodzien und dessen amerikanische Quelle James Harper hochgehen ließ, als Harper Konstruktionspläne für die Silos der US-Atomraketen, insbesondere der Fernrakete Minuteman, beschaffte und deren Sicherheitssysteme an die Polen verriet. Als James Harper schließlich im Herbst 1983 verhaftet wurde, war es bereits zu spät, die Russen hatten zu diesem Thema alles, was sie brauchten. Przychodzien ging auch bei Sacher ein und aus und traf sich regelmäßig mit Peter K. Gopal.

So erfuhr also Werner Stiller von den Wiener Vorgängen rund um Horst Winkler [MfS-Führungsoffizier] und Rudi Wein (österreichischer Stasi- und KGB-Spion) alias Prokurist sowie dessen Sohn Wolfgang Wein alias Prokop, damals Medizinstudent. Stiller selbst schrieb in seinem Buch später, dass er die Vorgänge in Wien und Amerika um die Stasi-Führer Horst Winkler und Oberst Horst Vogel sowie dessen Stellvertreter Oberst Willi Neumann zunächst nicht an den BND verraten hatte, weil er um seine eigene Sicherheit fürchtete.

Am 19.01.1979 gelang ihm schließlich die Flucht in den Westen und dort offenbarte er sein gesamtes Wissen, was kurz darauf zu einer Verhaftungswelle in mehreren westlichen Ländern führte.

In der BRD fielen der Staatsanwaltschaft u.a. Reiner Fülle, leitender Mitarbeiter des Kernforschungszentrums Karlsruhe, der bayerische SPD-Abgeordnete Friedrich Cremer, der Vorsitzende der Deutschen Physikergesellschaft Robert Rompe sowie der Institutsdirektor der Universtität Göttingen, Prof. Karl Hauffe, der von Werner Stiller als DDR-Agent unter dem Decknamen „Fellow“ persönlich geführt wurde, in die Hände.

In Paris wurde der Kernphysiker und Hochenergielaser-Spezialist Rudolf Dobbertin, Deckname „Sperber“, verhaftet.

Interessanterweise tat sich jedoch in Österreich gar nichts, obwohl der BND seine Nachbarn über den in Wien aufgedeckten Spionagering informierte. Angeblich hätten Stillers Angaben für eine Anklage nicht ausgereicht. Auch wenn Udo Proksch zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Namen genannt war, hätte man aus der Beschreibung Stillers darauf schließen können, denn er sagte aus, dass es sich hier um einen prominenten Wiener Designer und Leiter eines weltberühmten Feinschmeckerlokals handeln würde. Zudem nannte er die Firmen Sacher GmbH (von der Stasi geführte Elektronikfirma) und Kibolac GmbH (Udo Prokschs Firma). Unter dem damaligen Innenminister Erwin Lanc wurden jedoch die weiteren Ermittlungen im Keim erstickt und sogar regelrecht sabotiert, als es um die Ausführung diverser Hausdurchsuchungsbefehle für insgesamt acht Personen aus diesem Ring ging, darunter Rudolf Sacher alias „Sander“, Hubert Tschamler (Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Wien und Leiter des Österreichischen Kunststoffinstituts), das Ehepaar Herbert und Irene Ruth Beutler, Rudi Wein sowie dessen Ex-Frau Edith Wein, die im Zusammenhang mit der Finanzierung der Kommunistischen Partei Israels aufgetaucht war.

Es darf also nicht weiter verwundern, dass die Stasi umgehend von den Vorgängen um Werner Stiller informiert wurde und so genug Zeit blieb, rechtzeitig alle anderen Ostspione um den Erdball zu warnen.

Kann es also sein, dass der mittlerweile auch in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Spionagefall des Werner Stiller im April 1979 irgendwie mit dem Oktoberfestattentat im Zusammenhang steht?

Die zeitliche Folge passt, denn am 30.06.1980 veröffentlichte die Grazer „Kleine Zeitung“ einen Artikel über die Agentenaffäre, bei dem offenbart wurde, dass Stiller nicht alle Namen der im Westen tätigen Ost-Spione kannte. Diese blieben weiterhin in ihren Einsatzländern. Allerdings wurde ein Spion in Österreich mit Decknamen genannt. Er wurde bei der Stasi unter „Emsig“ geführt.

Waren also das Attentat in Bologna und kurz darauf auch das Oktoberfestattentat als Ablenkung gedacht, um vom Spionagefall Stiller abzulenken, um die Gefahr aus dem Osten hinsichtlich Atomkriegswaffen zu bagatellisieren und aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden zu lassen?

Interessant ist nämlich, dass in Bezug auf die Aktivitäten von Udo Proksch und die Rudolf Sacher GmbH im Bereich des Verteidigungsministeriums Akten angelegt worden waren, welche das Verteidigungsministerium der Wiener Staatsanwaltschaft am 30.06.1980 übermitteln musste.

Hierzu schreibt Hans Pretterebner: „Gegen einige Verdächtige wurden danach über Weisung des Ministers, Christian Broda, die Ermittlungen eingestellt. Auch eine für Juni 1980 geplante Einvernahme Udo Prokschs durch die Staatspolizei musste abgesagt und auf den August verschoben werden. Im August wurde sie neuerlich abgesagt [Anm.: Zeitraum des Bologna-Attentat] und für September in Aussicht genommen [Anm.: dann erfolgte das Oktoberfest-Attentat]. Immerhin schon am 08. Oktober 1980 war es dann aber wirklich soweit: Knapp zwei Jahre nach den Enthüllungen Werner Stillers durfte die Staatspolizei Udo Proksch erstmals vernehmen. Als „Auskunftsperson“.“ (Quelle: Der Fall Lucona von Hans Pretterebener)

Und dann muss man noch etwas wissen: Vor der Flucht von Stiller in die BRD hatte Bruno Kreisky, der damalige österreichische Bundeskanzler als erster Regierungschef eines westlichen Landes die DDR und Erich Honnecker offiziell besucht. Das war im März 1978. Ihm wurde anlässlich dieses Besuchs von Honnecker ein Milliardengeschäft für die kommenden Jahre in Aussicht gestellt. Damit konnte Bruno Kreisky nach seiner Rückkehr bei der österreichischen Bevölkerung punkten, denn es ging um die Ankurbelung der Wirtschaft und damit Schaffung von neuen Arbeitsplätzen in Österreich

Im November 1980, also nach dem Oktoberfest-Attentat, stattete Honnecker wiederum Bruno Kreisky einen Besuch in Österreich ab. Im Übrigen war das Honneckers erster Staatsbesuch in einem westlichen Land. Laut Pretterebener ist einer der inoffiziellen Verhandlungspunkte gewesen, dass die Spionage-Affäre, die Stiller mit seinem Verrat ausgelöst hatte, unter dem Teppich gekehrt werden muss. Ansonsten könnte die VÖEST (Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke) die 1978 in Aussicht gestellten Milliardenaufträge aus der DDR vergessen.

Aber richtig knifflig wurde bei Wolfgang Wein, der bereits im Frühjahr 1980 als einziger ein umfassendes Geständnis mit Detailwissen seiner Agententätigkeit für die Stasi ablegte und damit alles bestätigte, was Stiller zuvor dem BND offenbart hatte. Kurzerhand fälschte man die Aussagen von Wolfgang Wein, um die Einstellung der Strafverfahren gegen die mutmaßlichen Agenten vorantreiben zu können. Allerdings hatte ein Journalist von „Die Presse“ namens Erich Grolig vom Geständnis des Wolfgang Weins Wind bekommen und einen Artikel dazu veröffentlicht.

Kurz darauf wurde er wegen Anstiftung zum Verrat von Staatsgeheimnissen verhaftet, denn die Informationen konnte er nur aus Kreisen der Staatspolizei oder des Innenministeriums erhalten haben. Eingefädelt hatte das Rudi Wein (Wolfgang Weins Vater) unter Zuhilfenahme seines Freundes und Einsatzleiter der Wiener Staatspolizei Oberst Maximilian Baries.

Proksch wiederum aktivierte seine Beziehungen zum Verteidigungsministerium und sorgte dafür, dass u.a. HNA-Chef Alexander Buschek, der bereits den Moskauer AUA-Flugzeugabsturz aufgeklärt hatte, seinen Hut nehmen musste. Schon einmal hatte Proksch deswegen versucht, ihn loszuwerden und gegenüber ÖVP-Verteidigungsminister Georg Prader behauptet, dass Buschek selbst ein Ostagent sei. Damals leitete zwar Prader eine Untersuchung gegen Buschek ein, musste aber schnell feststellen, dass an der Behauptung nichts dran war.

Dafür war Proksch mit Otto Rösch, dem SPÖ-Verteidigungsminister, umso erfolgreicher. Zunächst verbot Rösch dem Heeres-Nachrichtenamt (HNA) jede offensive Aufklärungsarbeit gegen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts und dann enthob er Alexander Buschek und Alexander Kragora ihrer Ämter und schickte beide vorzeitig in Pension. Kurz darauf folgte eine weitere Destabilisierung des Amtes durch vorgebliche Reorganisationen und Dezentralisierungen. Somit büßte das HNA nicht nur hervorragende Fachkräfte, sondern auch ein erhebliches Maß an Effizienz ein.

Um die Stasi-Quelle „Emsig“ handelte es sich im Übrigen um den Wiener Wissenschaftler Peter Fleissner mit besten Kontakten zum damaligen Sozialminister Alfred Dallinger. Er hatte an der Wiener TU Nachrichtentechnik und am Institut für Höhere Studien Ökonomie studiert, ist ein gern gesehener Gast beim Fernseher, darunter Club 2 und ist auf dem Gebiet der Sozialkybernetik tätig.

Der Fall Odfried Hepp
Im Februar 1982 hat sich Hepp selbst als Spitzel für die Stasi angeboten mit der Information gegenüber Stasi-Offizier Böttcher, dass die Neonazis geplant hätten, einen Raketenanschlag auf die MfS-Zentrale durchzuführen. Ein Werner Kley aus Göppingen hätte schon signalisiert, mitzumachen. Das Vertrauen von Böttcher gewann Hepp angeblich dadurch, dass er ihm einen Peilsender mitbrachte, den er zufälligerweise an seinem Auto gefunden hätte, weil er von den westlichen Verfassungsschützlern so dilettantisch angebracht worden sei. Dabei hatte der MfS bereits lange vor Odfried Hepp zahlreiche rechtsextremistische Gruppierungen, darunter auch die WSG-Hoffmann durch Inoffizielle Mitarbeiter infiltriert. (Quelle: Spiegel „Du bist jetzt einer von uns“ vom 18.11.1991).

Dann erzählte Odfried Hepp seinem Verbindungsoffizier Böttcher am 19.02.1983, dass er von Oktober bis Dezember 1982 gemeinsam mit fünf Kumpanen im Rhein/Main-Gebiet (Hepp-Kexel-Bande) mehrere Bombenanschläge auf Autos von US-Soldaten verübt hatte. Dabei war in Darmstadt ein GI lebensgefährlich verletzt worden. Sie hätten mehrere Banken überfallen und dabei mehr als 600.000 Mark erbeutet. Mit dem Geld sollte eine Art Deutsche PLO aufgebaut werden.

Er habe sogar für seine Gruppe eine kleine Druckerei gekauft. Als er dann erfahren hatte, dass sein Kumpel Walther Kexel wegen der Bombenanschläge verhaftet wurde, sei er über die Grenze geflohen.

Lange Rede, kurzer Sinn, die Stasi nahm Odfried Hepp bei sich auf und brachte ihn im Forsthaus an der Flut bei Briesen in der Nähe von Frankfurt Oder unter, wo sie bereits die RAF-Leute bei ihrer Flucht versteckt hielten. Odfried Hepp nannte der Stasi dann auch gleich die Namen seiner Kameraden, die an der DDR-Grenze bei Fulda 1979 einen Sprengstoffanschlag verübt hatten – es handelte sich um Peter Naumann und sein Freund Bernhard Archner. (Quelle: Spiegel vom 18.11.1991 „Du bist jetzt einer von uns“)

Peter Naumann gehörte ebenfalls der Hepp-Kexel-Bande an, mit den Südtirolern Separatisten bestand ebenfalls intensiver Kontakt. Er gründete 1985 den Völkischen Bund, der bereits in Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat in der Person des Jürgen Busch und dem geheimnisvollen Herrn Engert vom BfV erwähnt wurde (siehe Themenübersicht zum Oktoberfestattentat, „Der geheimnisvolle Herr Engert“).

Hepp wurde von der Stasi umerzogen und bald konnte er dann wohl dem Kommunismus mehr abgewinnen, als den Sandkastenspielchen der WSG Hoffmann. Er bekam einen DDR-Personalausweis auf den Namen Siegfried Ludwig ausgehändigt.

Am 27.07.1983 wurde Hepp mit einem gefälschten West-Ausweis dann nach Damaskus ausgeflogen. Von Syrien aus floh er an Silvester 1983 nach Tunesien. Dort schloss er sich der militanten „Palestine Liberation Front“ an.

Am 08.04.1985 wurde Hepp vom französischen Abwehrdienst DST an der Bar des Hilton-Hotels verhaftet, als er sich in Paris einen falschen britischen Pass kaufen wollte.

Im Februar 1987 wurde er von den Franzosen nach Deutschland ausgeliefert.

Gegenüber Spiegel vom 07.10.1985 „Analyse gewechselt“ äußerte sich Hepp über Hoffmann folgendermaßen: Karl-Heinz Hoffmann sei „bei diesem ganzen Spiel nur eine Marionette des Bundesnachrichtendienstes“ (BND) gewesen, und der Geheimdienst habe „es geschickt verstanden, Hoffmanns Geltungsdrang auszunutzen.“

Interessanterweise weigerte sich der französische DST, den Beamten des BKA Zutritt für weitere Vernehmungen von Hepp zu gewähren. Kexel, der wegen der Anschläge auf US-Soldaten 14 Jahre Haft erhielt, fand man übrigens im März 1985 erhängt in seiner Zelle. Ein Abschiedsbrief lag dabei, aber ohne Unterschrift und Datum. Für Hepp stand jedenfalls fest, dass sein Freund vom Geheimdienst ermordet wurde. Er behauptete weiter, dass rechtsradikale Verbände durch Geheimdienste unterwandert seien, speziell durch den BND, dafür gäbe es Beweismaterial, das er an geheimer Stelle versteckt hält. Im Übrigen war es Udo Albrecht, der „im Auftrag des BND den Kontakt zwischen Hoffmann und der Al Fatha-Abteilung 14 (Abu Ijad) – Unterabteilung Atef/Amin – hergestellt hat.“ (Quelle: Spiegel vom 07.10.1985 „Analyse gewechselt“). Das wäre im Frühjahr 1980 geschehen.

Aus seiner Zeit in der Wiking-Jugend kannte er auch die Untergruppenführerin Barbara (Nachname nicht bekannt). Es scheinen Verbindungen zu Kurt Müller und seiner Frau Ursel, Vorsitzende der Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige, zu bestehen.

Braunschweiger Gruppe und Co – Mfs- oder LfV/BfV-Provokateure oder beides?
1977 ging eine Bombe vor der Amtsanwaltschaft in Flensburg und dann an der Pförtnerloge des Amtsgerichts in Hannover los. Wie sich herausstellte, war es Hans-Dieter Lepzien, Taxifahrer aus Peine und bestens bekannt mit Paul Otte, dem Gruppenführer der Braunschweiger Gruppe. Die Braunschweiger Gruppe wiederum war Teil der „NSDAP-Auslands- und Aufbauorganisation“ (NSDAP-AO)“. Lepzien reiste dann mit Otte nach England, um sich im Austausch für eine Pistole mit Plakaten und Klebezetteln eindeckten. Sie reisten dann weiter „nach Belgien und Kopenhagen, um mit dem Neonazi Gary Lauck die Neuherausgabe des „Völkischen Beobachters“ vorzubereiten. Gemeinsam fuhren sie in die Schweiz, Schwarzpulver einzukaufen.“(Quelle: Spiegel vom 24.09.1984 „Was dürfen die eigentlich?“).

Bei einem konspirativen Treffen in seiner Peiner Wohnung soll Lepzien Michael Kühnen eine Bombe ausgehändigt und den Bombenbauer Wolfgang Sachse zum Bau einer noch größeren Bombe gedrängt haben (Quelle: Die Zeit vom 14.11.1980 „Bombe vom V-Mann“).

Im Februar 1981 standen dann endlich fünf Mitglieder dieser Gruppe vor dem Oberlandesgericht in Celle; Otte wurde zu 5 Jahren und 6 Monate, Lepzien zu 3 Jahren Haft verurteilt.

Bei dem Gerichtsverfahren kam schließlich heraus, dass Lepzien im Auftrag des niedersächsischen Verfassungsschutzes bei den Bombenlegern mitgemacht hatte.

Fest steht, dass sich kurz darauf das Innenministerium intensiv um Lepzien kümmerte. „Erst betrieb es die Revision des Lepzien-Urteils beim Bundesgerichtshof, bestellte dazu einen Anwalt aus der Kanzlei Bossi in München und übernahm die Verfahrenskosten. Dann stellte es sogar ein Gnadengesuch beim Bundespräsidenten.“ (Quelle: Spiegel vom 24.09.1984 „Was dürfen die eigentlich?“). Nach der ersten Ablehnung des Gnadengesuchs, verfügte Bundespräsident Karl Carstens zwei Tage vor Ende seiner Amtszeit die Entlassung des Häftlings Lepzien. Zu guter Letzt besorgte man ihm auch noch einen Arbeitsplatz.

Im Spiegel vom 14.12.2009 „Schwarze Todeslisten“ wird sogar geschrieben, dass Hans-Dieter Lepzien auch Stasi-Spitzel war (IM-Name Otto Folkmann). Dabei soll er der Stasi-Zentrale gemeldet haben, dass „der in Peine wohnende Günter Bachmann, ein Bruder des Dutschke Attentäters Josef Bachmann“, ebenfalls „einer NS-Zelle“ angehöre. Bachmann habe bei einem Gespräch angeboten, „nagelneue tschechische Waffen, Maschinenpistolen und italienische Pistolen“ zu besorgen. Das jedoch bestreitet Bachmann, im Gegenteil, von Lepzien soll das Angebot gekommen sein. Bachmann stand auch in enger Verbindung zu Paul Otte. Zur Terrorfinanzierung habe Otte sogar einen Banküberfall „ähnlich den Überfällen der Baader-Meinhof-Gruppe bereits schon vorexerziert.“

Unter dem Repertoire des Hans-Dieter Lepzien fand man auch Todeslisten mit den Namen von 600 Juden, Linken und prominenten Bundesbürgern, um sie „durch Attentate“ auszuschalten.

Während Otte seine Beziehungen zu internationalen Rechtsradikalen, insbesondere der USA ausbaute, kümmerte sich in Peine der Waffenexperte Wolfgang Sachse um die Logistik. „Der eifrige Waffenhändler, der später vor Gericht geständig war, bastelte Rohrbomben mit Magnesiumpulver und verfügte, so die Stasi-Akte, sogar über „Sprengsätze der Bundeswehr“. Sachse baute das aus „Braunschweiger Kasernen“ von Sympathisanten zugespielte Material zu Bomben für die NSDAP-AO um“. (Quelle: Spiegel vom 14.12.2009 „Schwarze Todeslisten“)

Gibt es hier möglicherweise Querverbindungen zu Heinz Lembke, Heinrich Becker und der SBO?

Im Frühjahr 1977 schilderte Lepzien seinem Verbindungsführer der Stasi, wie so ein Sprengkörper aussieht. Sie ließen sich so ein Exemplar beschaffen und führten Probesprengungen damit aus. Dann fuhr Lepzien wieder in den Westen zurück, wo wenig später die Bombenanschläge auf die Justizgebäude in Flensburg und Hannover erfolgten.

Die Südtiroler Separatisten
Die Stasi war, wie ich bereits zuvor dargelegt hatte, offensichtlich auch in Südtirol aktiv. Das Hauptaugenmerk war vor allem darauf gerichtet, über rechtsextremistische Anschläge, verübt durch deutsche Neonazis in Zusammenarbeit mit Südtiroler Separatisten, die NATO-Bündnispartner BRD und Italien gegeneinander aufzuhetzen und den europäischen Teil des westlichen Militärverbunds zu destabilisieren.

Es konnte damit nicht im Interesse der DDR liegen, dass es die Südtiroler nach einer Serie von Bombenanschlägen, vorwiegend auf Sachwerte, durch den Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) im September 1961 es dann doch geschafft hatten, sich mit der italienischen Regierung an einem Tisch zu setzen und dabei eine Reihe von Zugeständnissen zu erreichen, die zunächst in den Operationskalender von 1969 und später in das Zweite Autonomiestatut von 1972 mündeten. Schon während der ersten Phase der Verhandlungen kam es immer wieder zu Anschlägen, die in ihrer Brutalität und Perfidität zunahmen. Dabei kamen auch vermehrt Menschen ums Leben. Diese Anschläge und Attentate zogen sich bis in 80er Jahre hinein. Hierzu schreibt „Deutschlandfunk“ vom 04.08.2007 „Auftrag: „Konflikte verschärfen“: „Dahinter steckte vielmehr eine kriminelle Bande, die in den siebziger Jahren für Brandanschläge, Überfälle, Einbrüche und Erpressungen verantwortlich war. Sie hatte sich Mitte der achtziger Jahre dann zu einer angeblich politisch motivierten Terrorgruppe namens “Ein Tirol” gewandelt. Die Attentate der Gruppe um den Nordtiroler Karl Außerer führten zum Gegenteil dessen, was angeblich erstrebt wurde: Selbstbestimmung für die Südtiroler. Der Einsatz für dieses Recht geriet vielmehr in Verruf. Das Klima zwischen den Bevölkerungsgruppen in Südtirol wurde frostig. Dies kam wiederum Italiens Rechtsradikalen zu gute, die sich für die italienische Bevölkerung in Südtirol stark machte. Die post-faschistische Partei MSI in Südtirol wurde so von Mitte der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre mehr als dreimal stärker, die Zustimmung stieg von 6,28 Prozent im Jahr 1974 auf 22,6 Prozent im Jahr 1985.“

Von diesen Machenschaften war die Stasi bestens informiert. Dienlich waren ihr dabei der Mannheimer Journalist Herbert Hegewald und eben Peter Weinmann.

Als Beispiel für Weinmanns Agitation in diesem Südtiroler „Kampf“ heißt es: „Um konservative Politiker als rechtsextrem zu diskreditieren, brachte er Interviews mit ihnen ohne deren Einverständnis in rechtsextremistischen Blättern unter.“ (Quelle: „Deutschlandfunk“ vom 04.08.2007 „Auftrag: „Konflikte verschärfen“)

Und zum Abschluss stellt „Deutschlandfunk“ vom 04.08.2007 „Auftrag: „Konflikte verschärfen“ fest: „Agenten wie Weinmann und Hegewald wurden zu Mitschöpfern einer angeblichen pangermanistischen Verschwörung mit nazistischen Zügen in Südtirol. Beide mischten in extremistischen Kreisen entscheidend mit. So zeichneten sie das Bild, das zu den außenpolitischen Interessen der jeweiligen Auftraggeber passte.“

Zusammenfassend ist also folgendes festzuhalten:

Hoffmann schrieb einen Roman „Verrat und Treue“, während Wolfhart Willimczek mit seinem Roman „Codename Einstein“ aufwartete. Beide verarbeiten das Oktoberfest-Attentat auf ihre Weise. Ich vermute, Willimczek deutet mit seiner Romanfigur des genialen Erfinders und Physikers, der letztendlich in den Westen übergelaufen war, den Bezug zu Werner Stiller an, während Hoffmann den Verrat aus seinen eigenen Reihen und der ursprünglich angedachten Sache der WSG-Ausland anklagt mit einer kryptisch formulierten Warnung an die wahren Attentäter, wahrscheinlich zum Selbstschutz.

Die zuvor abgefeuerten Signalraketen vor dem Bombenanschlag deuten auf eine großangelegte verdeckte Operation hin, die von Einheiten aus der Geheimdienst-Branche geplant und ausgeführt wurde.

Die Stasi konnte bereits in den 70er Jahren die Kommunikationsverkehre der westdeutschen Sicherheits- und Geheimdienstbehörden abhören (siehe auch das Buch von Gerhard Pieper „„Abhörstaat Deutschland – Die SIGINT-Landschaft seit 1945 in Ost und West“) und so ihre Kenntnisse zu aktuellen Ermittlungen, Plänen, Kommunikationsverbindungen etc. gewinnen. Dies wird auch durch die Stasi-Unterlagen zur „Operation Wandervogel“ bestätigt. Daneben unterhielt die Stasi ein breitangelegtes Netz von Doppelagenten und Spionen innerhalb der Extremistenszene sowohl von links (bspw. Peter Urbach) als auch von rechts (bspw. Hans-Dieter Lepzien, Odfried Hepp, Peter Weinmann).

Mit dem Überlauf von Werner Stiller brach auf dem Gebiet des illegalen Technologie-Transfers von West nach Ost der Stasi eine überlebenswichtige Komponente zum Fortbestehenden des SED-Staates zunächst zusammen. Aus Sicht der DDR ist mit dem Verratsfall von Werner Stiller ein enormer Schaden entstanden.

Honnecker hatte Bruno Kreisky mit einem in Aussicht gestellten Milliardenvertrag mit der österreichischen Staatsfirma VOEST dahingehend erpresst, den Verratsfall Werner Stiller und dessen Ausmaß zu vertuschen.

Just zum Zeitpunkt der Ermittlungen zum Ost-Spionagenetzwerk in Österreich, das mit Sicherheit ein großes Medieninteresse hervorgerufen hätte, kommt der Bombenanschlag in Bologna. Spätere Untersuchungen ergaben, dass die Täter aus dem Bereich der Gladio-Geheimarmeen kommen. Hier sind vor allem Stefano Delle Chiae von der Aginter Press und die P2-Loge unter Aufsicht des italienischen Militärgeheimdienstes SISMI zu nennen. Peter Weinmann wiederum war auch ein Spion der SISMI. Galt demnach dieser Bombenanschlag als Vorlage für die Stasi, um das Oktoberfest-Attentat durchzuführen?

Im August 1980 flog auch ein Teil der „Deutschen Aktionsgruppen“ um Manfred Roeder wegen zahlreicher Bombenanschläge auf. Die Hepp-Kexel-Bande blieb weitgehendst zu diesem Zeitpunkt unbeachtet. Es ist aber anzunehmen, dass Odfried Hepp und Walther Kexel zumindest zeitweise gemeinsame Sache mit Manfred Roeder und seinen „Deutschen Aktionsgruppen“ machten. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Anhänger aus dem Kreis von Manfred Roeder und Odfried Hepp die „Frontkämpfer“ für die Zündung der Oktoberfestbombe waren, gesteuert von einem der Nachrichtendienste (SBO oder Stasi).

Die Hoffmann-Truppe um Karl-Heinz Hoffmann war von Anfang an durch Udo Albrecht, Peter Weinmann, Joachim Fiebelkorn, Uwe Mainka, Walter Behle und andere ein Werkzeug der Geheimdienste, um ggf. zu einem späteren Punkt in die klandestinen Strukturen des illegalen Waffenhandels und Sabotageakte eingewoben zu werden. Zuvor wurde die Hoffmanngruppe eher als Rekrutierungsbasis für künftige „Special-Operation-Agenten“ genutzt. Ob mit oder ohne Wissen Hoffmanns müsste noch geklärt werden. Nach der aktuellen Sachlage tendiere ich eher dazu, dass Hoffmann zwar über ein Grundkonzept der WSG-Hoffmann bzw. später dann WSG-Ausland verfügt hatte, sich aber der Tragweite so einer „verdeckten“ bzw. „in den Untergrund abgetauchten“ Milizeinheit und deren Manipulation durch Geheimdienste nicht im Klaren war.

Gundolf Köhler hatte offensichtlich zu verschiedenen Kreisen aus der rechtsextremistischen Szene Kontakt. Das ist weder dem BND, dem MAD sowie den LfVen einschließlich BfV noch der Stasi entgangen. Seine Labilität (offensichtlich leicht zu manipulieren), jugendliche Unreife und Feuereifer, für die „richtige“ Sache einzustehen, dürfte für beide Seiten ein willkommener Anlass gewesen sein, ihn als einen der Hauptakteure im Oktoberfestanschlag einzubinden.

Frank Lauterjung war nicht zufällig am Ort des Geschehens. Nach allem, was bisher nur aus öffentlichen Quellen herauszufinden war, hatte er ebenfalls einen einschlägigen Vorlauf innerhalb der rechtsextremistischen Szene gehabt. Es dürfte als sehr wahrscheinlich gelten, dass Frank Lauterjung zum Kreis der V-Männer im Rahmen der Operation Wandervogel (Gemeinschaftsoperation der Landesämter für Verfassungsschutz von Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) gehört hatte und ebenfalls ganz bewusst als „Beobachter“ an die Stelle platziert wurde. Angesichts seiner rapide eingetretenen „Gesundheitsprobleme“ nach dem Anschlag, die schließlich auch recht bald zum Tode mit nur 38 Jahren geführt haben, lässt vermuten, dass er mit dem Verlauf dieses Bombenanschlags so nicht gerechnet hat und unmittelbar danach zum „unkontrollierten“ Plaudern gegenüber der Polizei überging. Entweder hatte sich das Drehbuch zum Oktoberfestattentat unerwartet geändert oder er war der Annahme, dass irgendetwas schief gegangen sein musste. Dafür spricht auch, dass neben Frank Lauterjung auch eine andere Augenzeugin eine Auseinandersetzung zwischen drei Männern, darunter Gundolf Köhler, beobachtet hatte, die an einer Tüte bzw. „Gegenstand“ zerrten. Einer soll nach der Explosion herumgelaufen sein und geschrien haben „Ich wollt’s nicht, ich kann nichts dafür, bringt’s mich um“. Zu diesem Zeitpunkt habe ich keine Zweifel an der Aussage dieser Zeugin.

Unmittelbar nach den ersten Ermittlungen „schießt“ Langemann aus vollen Rohren mit allen Informationen zu dem mutmaßlichen Bombenleger Gundolf Köhler und seinem Freundeskreis sowie der WSG-Hoffmann auf alle Journalisten, die er kennt. Im späteren Verlauf der Ermittlungen des Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags stellt sich heraus, dass Langemann sich offensichtlich im Besitz vieler VS-eingestuften Unterlagen befand, darunter eine VS-eingestufte Vormerkung des Dr. Langemann vom 22. November 1977 an das Ministerbüro, die sich mit rechtsextremistischen Gruppierungen in Deutschland sowie deren Steuerung und Unterwanderung durch die STASI befasste. Er kam dabei zu dem Ergebnis, dass eine „gesicherte Erkenntnis über Einschleusung zur Initiierung neonazistischer Handlungen nicht“ vorliegt. Ebenfalls fanden sich Unterlagen zum Fall Werner Stiller vor. Versuchte Hans Georg Langemann also wie ein Bekloppter mit Nebelkerzen um sich zu werfen, um einerseits die wahren Täter und Hintergründe des Bombenanschlags zu verschleiern und andererseits später die wahre Geschichte des Oktoberfest-Attentats zu vermarkten?

Der vergleichsweise riesige Aufwand, den drei Landesämter für Verfassungsschutz im Rahmen der Operation Wandervogel betrieben, lässt darauf schließen, dass es sich um eine besonders gewichtige Operation gehandelt hatte, die nicht nur für den Zweck installiert war, um die WSG-Hoffmann nach einem Anschlag zu diskreditieren. Der Zusammenschluss dieser Behörden aus drei verschiedenen Bundesländern, deren Aufgabe ja in der Hauptsache ist, Gegenspionage, Sabotage und Angriffe auf die verfassungsmäßige Grundordnung der Bundesrepublik im Vorfeld aufzuklären und zu verhindern, spricht eher dafür, dass sowohl beim BfV als auch beim BND konkrete Hinweise zu einem geplanten Anschlag auf das Oktoberfest vorlagen. Diese Hinweise dürften sich auf einen konkreten Personenkreis aus dem Umfeld der WSG-Hoffmann bezogen haben, die aus den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kommen, um einen Anschlag zu verüben, weswegen dann eine gemeinsame Operation gestartet wurde, die u.a. auch den Bewegungsverlauf des Konvois Richtung Kooper, Jugoslawien beobachtete.

Die Fakten und Überlegungen sprechen momentan eher dafür, dass These 1 als das wahrscheinlichste Motiv für den Oktoberfestanschlag mit dem von der STASI gesteuerten Täterkreis angesehen werden kann.

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