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Das politische Umfeld, der Milliardenkredit und Gaddafi

Um den Ablauf rund um das Oktoberfestattentat und das mögliches Motiv besser verstehen zu können, muss man die Hintergründe kennen. Dazu gehören auch das politische Umfeld in der Zeit vor dem Attentat sowie die politischen Entwicklungen nach dem Anschlag. Ich kann aber bereits jetzt schon versprechen, dass dieser Blick hinter den Kulissen äußerst spannend ist, vor allem, wenn man bedenkt, an wen Franz Josef Strauß dachte, als er seine Vermutung äußerte, dass er dieses Verbrechen durchaus Gaddafi, der Stasi oder dem KGB zutraue. Wieso Strauß auch in Richtung Gaddafi dachte, werde ich anhand der Firma „Telemit“, jetzt „Astro-Technik GmbH“ in München, im späteren Verlauf näher beleuchten. Werfen wir aber erst einmal einen Blick auf die Ereignisse, die sich vor dem Milliardenkredit zugetragen haben.

Die Gebrüder März und das Firmengeflecht von Stasi-Oberst Schalck-Golodkowski
Um die Frage des Milliardenkredits und seine Bedeutung umfänglich klären zu können, muss vor allem die Rolle der Kommerziellen Koordinierung (KoKo) eines Schalck-Golodkowskis näher betrachtet werden. Umfangreiches Material hierzu liefert der Minderheitenbericht „Koeppe-Bericht“ der Gruppe Bündnis 90/Die Grünen im 1. Untersuchungsausschuss zur KoKo.

Die zentrale Frage war hierbei, welches Wissen die Bundesregierung und Stellen des Bundes in der Vergangenheit über den Bereich KoKo und seinen Leiter Dr. Alexander Schalck-Golodkowski – insbesondere im Bereich des Internationalen Waffenhandels – hatten und welchem Zweck die Kontakte der Bundesregierung und staatlicher Stellen zu Alexander Schalck-Golodkowski und dem Bereich KoKo dienten.

Ich werde mich hier kurz fassen, obwohl es sich wirklich lohnt, diesen Bericht in Gänze zu lesen.

Gegründet wurde die Kommerzielle Koordinierung (KoKo) inoffiziell auf Betreiben von Schalck-Golodkowski bereits im Jahr 1964. Offiziell wurde sie dann am 01.10.1966 dem Ministerium für Außenhandel unterstellt. Schalck-Golodkowski blieb Leiter, sein Stellvertreter wurde Oberst Manfred Seidel vom MfS. Er war Oberst im besonderen Einsatz (OiBE).

Mit Beschluss des Politbüros wurde sie anschließend im November 1972 direkt dem Zentralkomitee (ZK), Abteilung Wirtschaft unter Führung von Günter Mittag unterstellt. Weisungsbefugt gegenüber der KoKo war nur die SED-Spitze, vornehmlich Honnecker, Axen und Mittag sowie Mielkes MfS.

Der BND war bereits schon früh über die Vorgänge innerhalb der KoKo informiert, z.B. durch den Geschäftsführer der Firma Asimex Günter Asbeck. Asbeck lief schließlich 1981 von Ostberlin in den Westen über. Nach eigenen Angaben hatte er bis zu seiner Flucht 25 Millionen DM auf Schweizer Konten gebunkert.

Angeblich hätte der BND erst zum Zeitpunkt des Überlaufs von Asbeck erfahren, wie hoch die Schulden der DDR waren. Zu dem Zeitpunkt lagen sie bei etwa 26 Milliarden DM. Von Asbeck kam auch die Information, dass Schalck-Golodkowski ebenfalls bereit wäre, in den Westen überzulaufen.

Neben Asbeck gab es aber noch mindestens fünf weitere Quellen. Diese waren der Gruppenleiter Kontor-Chemie bei Fa. Intrac (Axel Pösz), ein Außenhandelskaufmann bei der Fa. Asimex (Gerhard Maune), ein stellvertretender Generaldirektor bei der Fa. BERAG (Hans-Joachim Menzel, der seine Karriere beim militärischen Nachrichtendienst der DDR begann und als bestqualifizierter Fachmann für Sprengstoffe galt), ein Direktor bei der Fa. INTERCOOP AHG (Technisch Kommerzielles Büro TKB) und ein Generaldirektor der Kunst- und Antiquitäten GmbH (Horst Schuster, Direktor bis Oktober 1980, danach Mitarbeiter der BERAG; dieser war gleich ein Dreifach-Agent – einmal für die CIA als „Pfaff“, beim MfS als IM „Sohle“ und beim BND als „Odysseus“. Seine spätere Frau Anka von Witzleben verhalf ihm über ihre Kontakte zum BND dabei, 1983 aus der DDR zu fliehen.

Dreh- und Angelpunkt für Beziehungen aller Arten war die Leipziger Messe gewesen, auf der sich stets Forum-Direktor Horst Steinert tummelte, um potentielle Geschäftspartner und Informanten sowie DDR-Quellen zu werben. Auch das dürfte dem BND vor dem Überlauf von Asbeck nicht unbekannt gewesen sein.

Interessant ist eine Bemerkung von Asbeck auf die Frage, ob er sich auch für die Befragung durch das BfV zur Verfügung stellen würde. Er hat das damit abgelehnt, dass das BfV durchlöchert wie ein Schweizer Käse sei; dies wäre im HVA ein offenes Geheimnis.

Zum DDR-Waffenhandel konnte der Überläufer Peter Kamenz Einiges beisteuern. Kamens war seit 1982 im VEB Flugzeugwerft Dresden tätig und ab 1985 als Absatzleiter eingesetzt, zu dessen Aufgaben die vertragliche Koordinierung und Anbahnung von Instandsetzungsleistungen für Kampftechnik der Nationalen Volksarmee gehörten. So berichtete er, dass die der NVA unterstelle Firma Ingenieur-Technischer Außenhandel (ITA) und die KoKo Firma IMES eng zusammenarbeiteten. ITA betrieb dabei den offiziellen Waffenhandel der DDR und verkaufte vorwiegend ausgesondertes NVA-Material, IMES operierte verdeckt.

Im Minderheitenbericht der Gruppe Bündnis90/Die Grünen heißt es dann weiter: „IMES, deren offizieller Firmenzweck mit der „Anbahnung, Vermittlung und Durchführung von internationalen Handelsgeschäften, besonders auf dem Gebiet der metallverarbeitenden Industrie und des Gerätebaus für Meß- und Regeltechnik“ bezeichnet war, machte streng geheime Geschäfte mit Waffenhändlern und Firmen im Westen und in Kriegsgebieten. ITA und IMES hatten sich durch Absprachen die „Waffenwelt“ so aufgeteilt, daß letztendlich die sich bekriegenden Staaten gleichzeitig von ihnen beliefert werden konnten. So belieferte während des ersten Golfkrieges 1980 bis 1988 ITA den Irak und IMES den Iran.“

Zur IMES gehörte auch das Waffenlager in Kavelsdorf, das Uwe Barschel mutmaßlich immer wieder aufgesucht hatte. Der im Untersuchungsausschuss zur KoKo befragte Zeuge Horst Schuster gab an, dass die Struktur des MfS sich in der KoKo widerspiegelte, d.h. die Zuständigkeiten innerhalb der KoKo wurden von den jeweiligen Abteilungen des MfS gesteuert und kontrolliert.

Das bedeutete zum Beispiel, dass die leitenden Mitarbeiter in den Betrieben TRANSINTER, INTRAC, KUNST und ANTIQUITÄTEN, BIEG, FORUM, ZENTRALKOMMERZ und BERAG gleichzeitig IM´s der Abwehr waren. Die Firma FC GERLACH wurde hingegen dem militärischen Nachrichtendienstes des Ministeriums für Nationale Verteidigung zugeordnet.

Finanziert wurde das MfS dabei über Konten im Ausland, welche das KoKo-Firmengeflecht durch Manfred Seidel unterhielt. Diese Konten liefen unter befreundeten Firmen wie zum Beispiel der Firma BEFISA bzw. INTRAC LUGANO, ebenfalls von Stasi-Mitarbeitern geführt.

Eberhard Seidel (IMB „Siegfried“), stellvertretender Generaldirektor der INTRAC berichtete auch umfangreich über Adolf Hilmer, FDP-Politiker und Geschäftsführer der Fa. Hanseatisches Baustoffkontor GmbH und damit Hauptvertragspartner der INTRAC für das Betreiben der Mülldeponie Schönberg. Diese Information aus dem Köppe-Bericht ist insofern interessant, weil Hilmer schon im Zusammenhang mit Björn Engholm erwähnt wird, als dessen enger Freund er sich bezeichnet. Engholm hatte sich am 05.11.1979, damals noch in seiner Funktion als Bonner Staatssekretär ausdrücklich für die skandalumwitterte Mülldeponie Schönberg ausgesprochen (siehe http://www.luebeck-kunterbunt.de/TOP100//Engholm_&_Konsorten.htm ).

Im Köppe-Bericht wird hierzu dann weiter ausgeführt: „In den Unterlagen der AG BKK wird festgestellt, daß der IMB “Siegfried“ seit 1978 engen persönlichen Kontakt zu Hilmer unterhielt und „dessen berufliche und politische Entwicklung maßgeblich mitbeeinflußt“ habe. „Zur Unterstützung seiner Geschäftsinteressen trat der H. 1983 der FDP bei, was seiner liberalen Grundhaltung und seinen geschäftlichen Ambitionen am besten entsprach.““

Richtig merkwürdig wird es dann, als Seidel seinem Verbindungsoffizier im MfS über ein Treffen am 23.09.1987 mit dem Leiter der AG BKK und dem stellvertretenden Leiter der HVA II berichtete: „Das Ziel des Treffens bestand darin, durch den Einsatz des IMB Informationen über die gegenwärtige und zukünftige politische Entwicklung in Schleswig-Holstein zu erarbeiten. Der IMB wurde beauftragt, seinen engen und vertrauensvollen Kontakt zum BRD-Bürger Hilmer, Adolf zu nutzen, um Informationen zu den gegenwärtigen Vorgängen in Schleswig-Holstein , zu den in diese Vorgänge integrierten Politikern (Barschel, Zumpfort) sowie solche Aufklärungsergebnisse zu erarbeiten, die eine objektive Einschätzung der Lage und der möglichen Entwicklung gestatten.“ (Quelle: Köppe-Bericht).

Daran kann man erkennen, wie intensiv sich die DDR in die jeweiligen Landesregierungen einschaltete und bestimme politische Richtungen innerhalb der BRD beeinflusste.

Ganz besonders schien sich, nach dem Köppe-Bericht zu urteilen, die DDR für FDP-Politiker zu interessieren. Als Beispiel soll an dieser Stelle der Fall Hans-Joachim Majunke genannt werden, der am 23.05.1989 festgenommen wurde. Dieser Hans-Joachim Majunke war Kreisvorsitzender der FDP sowie Landesvorstandsmitglied der FDP in Nordrhein-Westfalen. Mit den FDP-Politikern Otto Graf Lambsdorff (bereits hinreichend aus der Flick- und Parteispendenaffäre bekannt) und Gerhard Baum (!) verband ihn eine enge Freundschaft. Zudem war er offensichtlich auch dem DDR-Embargohändler Gerhardt Ronneberger eng verbunden, für den er sich über Gebühr einsetzte, nachdem er am 05.03.1982 in der BRD verhaftet wurde. Ronneberg hat bei seinem Verfahren selbst ausgesagt, dass Majunke bereits seit den 60er Jahren für ihn Embargowaren geliefert hat. Nach der Verhaftung ihres Mannes fuhr seine Frau Pia Majunke zusammen mit ihrem Sohn Alexander ungerührt fort, illegal Embargogüter an die DDR zu liefern. Zudem hat sie sich aus diesen Geschäften einen Betrag von ca. 7 Millionen DM auf die Seite geschafft. Ronneberg, Generaldirektor der AHB Elektronik, hatte hierzu festgestellt: „Frau Majunke hat zwischenzeitlich in Liechtenstein unter der Firmenbezeichnung IHZ eine Firmengründung vorgenommen und neue Bankkonten eröffnet ,auf die sie schrittweise alle aus der Schweiz abgezogenen und auf den Handelsbank-Konten in Berlin befindlichen Guthaben wieder hin überweisen und damit in Sicherheit bringen will. In der BRD wurde von ihrer ältesten Tochter eine Firmeneintragung unter der Bezeichnung Nolte-Majunke vorgenommen.“ (Quelle: Köppe-Bericht)

Das soll erst einmal als Überblick genügen. Ich komme jetzt konkret auf die Beziehung zwischen Franz Josef Strauß und Schalck-Golodkowski zu sprechen.

Ich möchte zunächst einmal mit einer kleinen Überlegung anfangen. Der „Stern“ hat am 28.07.2008 einen Artikel „Rettet unseren Franz-Josef“ herausgebracht, bei dem es um das Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds in Berlin geht. Strauß wird hier nicht als Wachsfigur gezeigt, sondern taucht nur mit Foto auf einer Hinweistafel mit dem Titel „Helden & Bösewichte“ auf. Dazu schreibt der „Stern“: „Neben ihm wird der DDR-Spion Günther Guillaume gezeigt, allerdings auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Widerstandskämpfer gegen Hitler, und Weltkrieg-I-Jagdflieger Manfred von Richthofen [Anm.: bekannt auch als der Rote Baron]. Zumindest diese beiden dürften auch für Strauß nicht in die historisch-moralische Kategorie der „Bösewichte“ gefallen sein.“

Ist das möglicherweise ein versteckter Hinweis auf Strauß Doppelrolle bzw. Zugehörigkeit einer geheimen Loge? Könnte die Übersetzung dieser Symbolik wie folgt heißen: Strauß verbrüdert sich mit Schalck-Golodkowski (Guillaume) – fliegt mit dem Privatflieger „Piper Cheyenne“, den er sich eigens in die DDR kommen hat lassen, nach seinem Treffen mit Honnecker bezüglich der weiteren Vorgehensweise zum Milliardenkredit medienwirksam höchstpersönlich nach Hause (siehe Spiegelartikel vom 01.08.1983 „Einmal um die eigene Achse gedreht“), symbolisiert durch Manfred von Richthofen – und zündet mit dem Milliardenkredit eine Bombe, mglw. um das von den Alliierten künstlich geschaffene Konstrukt BRD-DDR zu vernichten (Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg). Oder kann man das sogar noch wörtlicher verstehen, wenn sich der Zusammenhang des Milliardenkredits mit dem möglichen Wunsch, eigene Atomwaffen unter Umgehung des Atomwaffensperrvertrages herzustellen, bestätigten sollte, um damit die damals noch existierende UDSSR als großen Bruder aus dem globalen Spiel der Siegermächte heraus zu drängen?

Franz Josef Strauß und seine Beziehungen zu Simon Goldenberg
Im Mittelpunkt dieser Betrachtung steht die Firma F.C. Gerlach mit Sitz in Ostberlin.

Inhaber dieser Firma waren der staatenlose Türke Simon Goldenberg und Hersz Libermann alias Michael Wischnewski. Es handelte sich dabei um eine vom MfS betreute Firma innerhalb des KoKo-Geflechts. Die Kontakte zu Strauß kamen über die März-Brüder des Fleischhandelsimperium Marox zustande.

Für Marox war die Firma F.C. Gerlach insofern wichtig, weil sie Geschäftsbeziehungen zu den LPGs vermittelte, um billig Schlachtvieh aus der DDR in die BRD zu importieren. Mittlerweile hatte sich eine enge Freundschaft zwischen Simon Goldenberg und den März-Brüdern entwickelt, die gleichzeitig auch freundschaftliche Beziehungen zu Franz Josef Strauß unterhielten. Die dicken Provisionen, die Goldenberg nach jedem erfolgten Geschäft von den März-Brüdern einstrich, dürfte da sehr förderlich gewesen sein.

Es blieb also nicht aus, dass Goldenberg, der bereits Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre mit den Gebrüdern Andreas und Willi März freundschaftlich verbunden war, irgendwann auch Strauß persönlich kennenlernen durfte.

1976 kam Goldenberg mit seiner gesamten Familie zu März nach Rosenheim und ließ sich dort nieder. Er kaufte sich in Pang, Wendelsteinstraße 13 eine schöne Villa und war dort seit 20.07.1976 gemeldet. Goldenberg selbst kam ursprünglich aus Konstantinopel, von wo es ihn 1921 zunächst nach Frankreich verschlug. Dort musste er allerdings 1951 wieder flüchten, nachdem gegen ihn ein Strafverfahren wegen Unterschlagung und Scheckbetrug eingeleitet wurde. Damit verlor er seine französische Staatsbürgerschaft. Er hielt sich kurzzeitig in Westberlin auf, um dann in den Osten zu verschwinden. Seit 1956 fungierte er dort als Kontaktperson östlicher Geheimdienste und baute eine Firma auf, die sich auf den Handel von Embargogütern spezialisierte. Neben Gerlach trat er als Hauptaktionär der Fa. TRADIMEX mit Sitz in Paris auf. Zusammen mit der amerikanischen Eisenindustriefirma LISSAUER soll er mehrere Handelsgesellschaften mit Sitz in der Schweiz und Liechtenstein gegründet haben. Goldenberg wollte nun in Rosenheim ein Ex- und Importgeschäft sowie Industrievertretungen aufbauen. Nachdem das Rosenheimer Gewerbeaufsichtsamt genauere Daten haben wollte, bekam eher auch zufällig der bayerische Staatsschutz die Übersiedlung des Goldenbergs nebst Familie mit. Dieser reagierte sofort und LfV-Chef Hans Ziegler berichtete am 08.07.1977 dem bayerischen Innenminister Alfred Seidl, dass wegen seiner Stellung in der DDR der BND und das BfV besonderes Interesse an einer Befragung des Herrn Goldenberg hätten. Seidl leitete den Brief von Ziegler sofort an Strauß weiter, der sich weniger erfreut darüber zeigte und Hans Georg Langemann, zu diesem Zeitpunkt Abteilungsleiter im bay. Innenministerium, damit beauftragte, umgehend die geplanten Befragungen seitens des BND und BfV zu verhindern. So schrieb Langemann am 13.07.1977, dass jegliche Aktivitäten des LfV in dieser Richtung sofort einzustellen sind. Begründet hatte er diese Entscheidung mit angeblich laufenden Operationen des BND, die zu einer Enttarnung führen könnten. Beim BND hingegen waren jedoch solche Operationen nicht bekannt. So legte Ziegler mit Schreiben vom 22.07.1977 noch einmal nach und beschwerte sich bei Langemann über seine Entscheidung. Langemann blieb jedoch bei seiner Entscheidung und wies an, dass keinerlei Kontakt zu Goldenberg aufgenommen werden dürfe. In der Zwischenzeit hat sich Goldenberg an den Rosenheimer Steuerberater Franz Neubauer gewandt, der gleich darauf 1977 zum Staatssekretär im Justizressort avancierte, dann 1978 Staatssekretär im Innenministerium wurde und damit auch für den Verfassungsschutz zuständig war. Neubauer und Goldenberg, ebenfalls inzwischen gute Freunde geworden, rückten damit weiter in die Nähe von Strauß. Dennoch wurde Goldenberg 1980 kurz von Ermittlern des bay. Verfassungsschutzes befragt, die jedoch keine weiteren Erkenntnisse lieferten. So blieb Goldenberg nach wie vor unbehelligt. 1983 ging Goldenberg schließlich wieder nach Frankreich zurück und ließ sich erst einmal in Nizza nieder, weil mittlerweile gegen ihn seit 1982 ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts geheimdienstlicher Verbindungen lief. (Quelle: Spiegel vom 21.11.1983 „DDR Milliardenkredit: Das ist ja ein Ding“).

Wie sich dann die geschäftlichen und freundschaftlichen Beziehungen weiterentwickelten, dazu berichtet der Spiegel in seinem Artikel „Wir kriegen das ins Kreuz“ vom 25.11.1991.

Dort wird offenbart, dass März auch an der Stasi-Firma CAMET unter Leitung von Manfred Seidel, dem Stellvertreter vom Schalck-Golodkowski beteiligt war. Die CAMET trat offiziell als „Industrievertretung und Beratungen“ auf, offiziell wurde Werner Weber als Geschäftsführer deklariert. Mit den beschafften Devisen wurden dann operative Aktionen gegen die BRD finanziert. Später nannte sich die CAMET um und wurde zu G. Simon Industrievertretungen, die wiederum aus der Firma „Impexo“ in Berlin hervorging. Und man ahnt es schon – Inhaber der G. Simon Industrievertretungen war kein anderer war als Simon Goldenberg. Goldenberg besaß auch Gesellschaftsanteile an der Primovo in Westberlin, die wiederum eine Tochterfirma der März-Brüder war. Über Primovo wurden dann illegal Hochtechnologie, Waffen und Sprengstoffe aus dem Westen in die DDR transferiert.

Es ist also gut vorstellbar, dass März mit den Geldern, die er mit der Abwicklung des illegalen Waffentransfers verdiente, auch Strauß und seine Freunde in der CSU unterstützte. Dafür spricht auch, dass Goldenberg seine eigene Firma „Etablissment Simetal“ mit Sitz in Liechtenstein und einem Stammkapital von 100.000 DM an die Fa. Gebrüder März KG veräußerte.

Schalck-Golodkowski schrieb 1988 an Mielke, dass das Unternehmen März eine „gedeckte Finanzquelle“ der CSU bleibe.

Aus einer Aktennotiz im Juni 1982 von Weber an Schalck geht hervor, dass Weber im April 1978 anlässlich einer „gemeinsamen Reise mit Josef März“ in Spanien die Filiale „Camet S.A. Madrid“ gegründet hatte, deren Aktien „auf die März-Gruppe“ und deren „Beauftragten in Spanien“ lauteten. „Schalck und März hatten gemeinsam noch viel vor. Im Frühjahr 1982 tauschten sie sich laut Protokoll von Camet-Weber über die Möglichkeiten einer „Camet International“ aus, die wegen „steuerlichen Maßnahmen“ auf den Bahamas gegründet werden sollten. „Hierunter“, soll März vorgetragen haben „kann mein Afrikageschäft, Naher und Ferner Osten mit meinen politischen und handelspolitischen Beziehungen einfließen, analog die des Dr. Schalck … unter Ihrer Vermittlungsleitung“. Es gelte für beide Seiten, „neue Einnahmequellen zu schaffen.““ (Quelle: Spiegel „Wir kriegen das ins Kreuz“ vom 25.11.1991).

1982 traf sich März auch mit dem Ost-Berliner Minister für Land-, Forst und Nahrungsgüterwirtschaft, Heinz Kuhrig auf dem Gut Spöck bei Rosenheim. Es ging um gemeinsame Togo-Geschäfte. 1983 wurde Camet S.A Madrid dann in Intermar umgetauft. Die Gründe dafür könnte man von Lothar Müller erfahren, einst oberster Steuerfahnder im bayerischen Finanzministerium und von 1979 bis 1994 Landeszentralbank-Präsident. Um das Verbot der Provisionszahlungen ins Ausland zu umgehen, könnte man eine eigenständige Tochterfirma oder Niederlassung der Intermar in der BRD gründen, so der Ratschlag von Lothar Müller. Diese solle als Vermittlerin für Geschäfte im innerdeutschen Handel auftreten und darüber auch die Provisionszahlungen abwickeln. So wurde es dann auch gemacht, März gründete 1986 die Intermar Deutschland GmbH mit Sitz in Rosenheim. Erst Februar 1991 wurde sie aufgelöst. Wohin die an Intermar überwiesenen Provisionen (rund 7 Millionen Mark) letztlich geflossen sind, bleibt ein Geheimnis.

Vielleicht geben die aus dem Scheiterhaufen geretteten Akten auf dem Firmengelände der F.C. Gerlach darüber Aufschluss. Am 02.06.1991 ist dort nämlich ein Feuer ausgebrochen. Der Spiegel hatte hierzu ausführlich in seinem Artikel „DDR-Vermögen, Gewehr im Papier“ vom 08.07.1991 berichtet. Ich gehe deswegen nur ganz kurz auf dieses Ereignis ein. Michael Wischnewski alias Hersz Libermann, Inhaber der F.C. Gerlach, wurde im Zuge der Ermittlungen kurzzeitig verhaftet und vernommen. Dabei kam erhaus, dass er nicht nur im Dezember 1990 illegaler Weise 42 Millionen Mark nach Wien transferiert haben soll, sondern auch 140 Millionen Mark auf verschiedenen Konten im Ausland geparkt hatte. Außerdem stellte sich heraus, dass er zwischen 1954 und 1959 von drei Führungsoffizieren der HVA betreut wurde. Einer davon mit Namen Hans Fruck war sein bester Freund, der – mutmaßlich zusammen mit Gerd Franke – auch Simon Goldenberg nachrichtendienstlich führte. Der bayerische Untersuchungsausschuss zur KoKo, Drucksache 12/16598 vom 06.06.1994 fand dann zusätzlich einige interessante Details heraus, auf die auch der o.g. Spiegelartikel „DDR-Vermögen, Gewehr im Papier“ eingeht.

Aufgrund eines Haftbefehls von 1959, der gegen Wischnewski in Karlsruhe erlassen wurde, floh er in den Osten. Daraufhin startete der BND gemeinsam mit der CIA unter Leitung von Hans-Georg Langemann eine Operation „Argus“, bei der Wischnewski wieder in den Westen gelockt werden sollte. Ein französischer Agent mit Decknamen „Pierre“ leistete dabei Unterstützungsarbeit. Er übergab Libermann ein NATO-Gewehr mit dem Versprechen, weitere Waffen besorgen zu können, die er sich im Westen abholen könnte. Libermann nahm das Gewehr dankend an und ließ sich nicht mehr blicken. Die Operation „Argus“ war gescheitert.

Aus den Akten ließ sich dann weiter herauslesen, dass die Firma F.C. Gerlach in der DDR auch große Unternehmen wie Mannesmann und Klöckner, Krupp, Salzgitter, das Flick-Imperium, Thyssen und Saarstahl vertrat. Dabei strich sie Provisionen zwischen fünf und acht Prozent des Umsatzes ein. Man kann sich vorstellen, was damit gemacht wurde. Der illegale Transfer von Embargo-Gütern florierte wie noch die, bis dann Werner Stiller mit seinem vollständigen Wissen in die BRD flüchtete.

Irgendwann im Jahr 1973 kam dann Wischnewski wieder in den Westen. Wischnewski organisierte zusammen mit der Selmi-Bank in Frankfurt den illegalen Wertpapierhandel ins Ausland.

Er eröffnete dabei ein Konto bei der Selmi-Bank und kaufte dort für 1,26 Milliarden Mark Wertpapiere im Auftrag der Stasi, weil die DDR nicht als Ausland galt. Kurze Zeit später verkaufte das MfS die Papiere wieder nach Luxemburg, Zürich und London. Der daraus entstandene Gewinn wurde brüderlich geteilt. Wischnewski erhielt exakt 3.911.002,07 Mark, das auf ein Konto der Wiener Bank überwiesen wurde.

So schafften Goldenberg und Wischnewski also den Nährboden für den Bonner Milliardenkredit, der die Zahlungsunfähigkeit der DDR verhinderte und als Dankeschön ließ ihm Schalck auf KoKo-Grund in Weißensee ein neues Firmengebäude für vier Millionen Mark errichten, wo er bis zum Tag „residierte“, als man einen merkwürdigen Scheiterhaufen brennen sah. (Quelle: Artikel „DDR-Vermögen, Gewehr im Papier“ vom 08.07.1991)

1983 nahm Wischnewski dann auch wieder zu seinem Kumpel Simon Goldenberg Kontakt auf.

Sie lernten sich Ende der 40er Jahre in Paris kennen. Ab 1950 waren sie dann für einen gewissen Widawski tätig, dessen Warenlager sie bis 1957 betreuten. Es ist also anzunehmen, dass sie schon damals in der Geheimdienstbranche tätig waren.

Widawski ´s Name tauche auch im Zusammenhang mit diversen Drogengeschäften auf. In Ostberlin soll der damalige Chef der mexikanischen Gerichtspolizei Domingo Suarez Heroin aus Stasi-Beständen von Ostberlin erhalten haben, um die Drogen in die USA weiter zu transportieren und dort zu verteilen. Begleitet wurde er dabei von einem Widawski.

1972 wurde er aber in Las Vegas von der amerikanischen Drogenpolizei dabei erwischt und ins Gefängnis gesteckt, wo er dann auch unter ungeklärten Umständen verstarb. Nach offiziellen Angaben nahm sich Suarez angeblich selbst das Leben. (Quelle: http://www.victims-opfer.com/?p=25536)

Der Name Widawski findet sich auch in einem Stasi-Bericht vom 25.021.1971 wieder, der eine Information von IM „Halka“ alias Feodor Ziesche, langjähriger Präsident der Deutschen Handelsbank in Ostberlin, zum Inhalt hatte.

Während einer Dienstreise nach Brüssel im Januar 1971 zur Diamantbank habe er dort erfahren, „dass durch die belgischen Zollorgane ein Kaufmann namens Widawski festgenommen worden sei“. Dabei stellte sich heraus, dass Widawski im Besitz von größeren Mengen Morphium gewesen sei, die in die USA geschleust werden sollten. Halka habe sich dann zunächst an den Finanzchef der KoKo, Fritz Lindner, gewandt, nachdem die Brüsseler Bank ihm Diskretion über diesen Vorfall zugesichert hätte, wenn die DDR im Gegenzug die Schulden Widawski in Höhe von 800.000 DM begleiche. Widawski tauchte bereits in einem um 1955 entstandenen Dossier des West-Berliner Staatsschutzes über die Arbeiter der Sowjetischen Kontrollkommission auf. In diesem Dossier taucht auch ein Henry Liebermann alias Michael Wischnewski auf. (Quelle: AP Jockel Finck „Ein Stasi-Dokument aus dem Jahr 1971 belegt erstmals eine mögliche Verwicklung der DDR in den internationalen Drogenhandel“).

Wie sich unauffällige und als zuverlässig geltende Bundesbürger in das Netz der KoKo einspinnen ließen, schildert der Spiegel vom 20.11.1989 „Fanatiker der Verschwiegenheit“. Dort kann man auch leicht Bezüge zum Fall Barschel ableiten. Recherchen hierzu laufen meinerseits noch und werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Ich gehe darauf jetzt nicht mehr ein, um nicht den Faden zum Milliardenkredit zu verlieren.

Im Gästehaus auf dem Gut Spöck bei Rosenheim trafen sich dann auch regelmäßig Strauß, Schalck-Golodkowski, die Märzbrüder und später auch der damalige Kanzleramtsminister Philipp Jenninger, mit dessen Hilfe schließlich der erste Milliardenkredit für die DDR erwirkt werden konnte.

Der Milliardenkredit
Die Hintergründe über diese Verhandlungen werden in der TAZ „Die Machenschaften des FJS“ aus dem Jahr 2008 dargestellt.
Angefangen hatte demnach alles mit einem Gespräch am 14.03.1975, das die März-Brüder mit Schalck-Golodkowski geführt haben sollen. Sie wollten im Libanon einen Fleischexport nach Saudi-Arabien aufziehen und dafür eine Firma gründen. Aus irgendeinem Grund wurden diese Pläne aber zunächst auf Eis gelegt, um dann plötzlich am 22.10.1982 wieder aus der Schublade geholt zu werden.

Um mit Hilfe der DDR eine unauffällige Struktur aufzubauen, möglicherweise wieder auf Kosten des Steuerzahlers, wollte man versuchen, der DDR zu einem Kredit von 300 bis 500 Millionen Mark zu verhelfen. Dazu sollte aber erst die Bundestagswahl im Frühjahr 1983 abgewartet werden, die durch das erfolgreiche Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt mit tatkräftiger Unterstützung der FDP in Person von Otto Graf Lambsdorff und Hans-Dietrich Genscher vorzeitig angesetzt werden musste. Diesmal sollte nichts mehr schief gehen bei der anvisierten Machtübernahme durch die CDU. Die Bevölkerung hätte erwartungsgemäß wenig Verständnis aufgebracht, wenn vorzeitig bekannt geworden wäre, dass die CSU/CDU plane, dem „Bruderfeind“ das Geld in den Hintern zu schieben, um weiterhin existieren zu können.

Der Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags zur Koko hatte noch folgende interessante Erkenntnisse zutage gefördert: Als Vermittler trat der bei F.C. Gerlach beschäftigte Herbert Rübler auf, dessen Rolle ebenfalls der bayerische Untersuchungsausschuss zum Thema hatte. So heißt es, dass Rübler Michael Wischnewski 1960 kennenlernte und dann Angestellter in seiner Firma wurde. Er erledigte zunächst Kurieraufträge und wurde dann Beschaffer von Westwaren. Daneben unterhielt der auch Kontakte zu Österreich, Belgien, der Schweiz und zahlreichen Wirtschaftsvertretern. Man vermutet, dass er auch Beziehungen in den Balkan, nach Ägypten und in den Libanon unterhielt.

Zusammen mit seiner Frau Helga wickelte er die geschäftlichen Transaktionen teilweise über die Firma „Transimpex“ ab. Seit 1965 war er auch der Vertreter für die Firma Moksel AG. Rübler selbst starb am 13.03.1988. Aufgrund dieser Verstrickungen hat der Bayerische Landtag einen Untersuchungsausschuss auf Antrag des SPD-Abgeordneten Hiersemann am 30.10.1991 einberufen; seine Ergebnisse sind im Abschlussbericht (Drucksache 12/16598) vom 06.07.1994 zu lesen. Hierbei ging es konkret um die Aufklärung der Kontakte früherer und aktueller Mitglieder der bayerischen Staatsregierung zu Schalck-Golodkowski und seiner Kommerziellen Koordinierung (KoKo) sowie der bevorzugten Behandlung von bayerischen Unternehmen bei der Vergabe von Import- und Exportlizenzen durch Mitglieder der Staatsregierung und damit verbunden auch die Zahlungen von Provisionen sowie die steuerliche Behandlungen solcher Geschäfte. So stellte der Ausschuss fest: „Die Fleischhandelsfirmen der Gebrüder März hatten sich (wie aus einem Vermerk Schalcks vom 16.03.1975 hervorgeht) im Fleischgeschäft mit der DDR dort über Jahre hinweg einen guten Ruf als zuverlässige Handelspartner geschaffen. Aufgrund der engen geschäftlichen Beziehungen wußte Josef März schon früh vom Kreditbedarf der DDR; aus einem Reisebericht des Camet-Geschäftsführers Werner Weber vom 2.6.1982 (…) geht hervor, daß März bereits damals um einen Firmenkredit für den Bereich KoKo gebeten worden war.“

Deswegen wurde Jenninger konspirativ vorgeschickt, um über den Schweizer Banker Holger Bahl klären zu lassen, wie es sich mit der finanziellen Lage in der DDR verhält. In Wahrheit wollten Kohl und Jenninger ohne Strauß den Deal abwickeln und klammheimlich in mehreren Tranchen der DDR einen Kredit von bis zu fünf Milliarden Mark zukommen lassen. Das Codewort dafür lautete „Züricher Modell“. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass das „Züricher Modell“ auf keinen Fall neu war, denn Bahl hatte sein Modell schon den damals regierenden Sozialdemokraten vorgeschlagen. Jenninger hatte diese Information von seinem Vorgänger im Amt, Hans-Jürgen Wischnewski, bekommen. Demnach sollte Bonn mit der DDR eine Finanzierungsgesellschaft mit 200 Millionen Schweizer Franken Kapital gründen. So heißt es im Spiegel „Projekt Länderspiel“ vom 22.09.1993 dazu: „Über das Joint-venture, so der Plan, sollte sich die DDR auf den internationalen Finanzmärkten Kredite bis zu fünf Milliarden Mark besorgen – mit Bonner Rückendeckung. Im Gegenzug hätten sie sich verpflichten müssen, das Reisealter für Ost-Bürger um fünf Jahre zu senken und den Mindestumtausch für West-Bürger herabzusetzen.“

Die SED-Regierung wollte jedoch lieber die Gelder direkt ausbezahlt bekommen, und zwar ohne Bedingungen und verbriefte politische Zugeständnisse. Jenninger selbst soll es dann gewesen sein, die DDR dazu zu bewegen, sich an Franz Josef Strauß zu wenden und ihn so für eine Kreditvergabe zu gewinnen. Dies scheint gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen zu sein, wenn man bedenkt, dass Philipp Jenninger 1966 nach der Auflösung von Heinrich Krones „Bundesministerium für Besondere Aufgaben“ ins Bundesfinanzministerium unter Franz Josef Strauß als Kabinettsreferent geholt wurde. Dafür spricht auch, dass die Wahl auf die Bayerische Landesbank als Konsortialführer nicht auf Betreiben von Strauß, sondern auf ausdrücklichen Wunsch von Helmut Kohl fiel.

Nun waren die Karten wieder neu gemischt. Mit den an den Kredit verknüpften Bedingungen hätte man die DDR als eigenen Staat de facto anerkannt, was auch der SED-Führung komisch vorkam. Also schickten sie Schalck-Golodkowski am 02.11.1982 nach München zu Strauß, der daraufhin ziemlich wütend wurde und Jenninger am Telefon zusammenstauchte. Jenninger schien ziemlich eingeschüchtert gewesen zu sein und überließ von da ab das Feld Strauß, der den Kredit alleine über die bayerische Landesbank abwickeln wollte. Als Gegenleistung wollte Strauß wiederum die Freilassung von bundesdeutschen Gefangenen. Sein Augenmerk richtete sich vor allem auf die in DDR-Haft einsitzenden Mitarbeiter der Hanns-Seidel-Stiftung. Dies wird auch von Klaus Thümer, ehemaliger Oberstleutnant im MfS (HA II/2, Spionage), indirekt bestätigt. Gegenüber dem BfV gab er an, dass er vermute, Schalck-Golodkowski habe einen Deal mit der bayerischen CSU ausgemacht. Dabei sei die CSU-Spitze massiv bestochen worden und Strauß selbst habe quasi als Provision für den Milliardenkredit etliche Millionen auf sein Konto erhalten. Aus seiner Sicht käme der Rücktritt des CSU-Finanzministers Gerold Tandler nicht von ungefähr. Man könne noch auf weitere „Bomben“ gespannt sein (Quelle: Köppe-Bericht). Das würde dann die Tatsache, dass sich der damalige Fraktionsvorsitzende der CSU, Georg Tandler nach dem Tod von Strauß mit einem Schreiben an Schalck gewandt und sich als Mittelsmann zwischen der Bayerischen Landesregierung und der DDR angeboten hatte, unter einem neuen Licht erscheinen lassen. (Quelle: Abschlussbericht des Bayerischen Landtags (Drucksache 12/16598) vom 06.07.1994)

Am 05.08.1983 trafen Strauß´und Schalck-Golodkowski auf Gut Spöck bei Aschau zusammen. Dort wurden zunächst die Verhandlungen für einen möglichen Milliardenkredit geführt, wonach die DDR ihrerseits Zugeständnisse hinsichtlich ihrer Grenzpolitik gegenüber Ausreisewilligen und Flüchtlingen tätigen sollte. Aufgrund ihrer hohen Auslandsschulden im Westen, deren Tilgung von jährlich fünf bis sechs Milliarden D-Mark nur noch mehr über die Exportgewinne seitens der DDR möglich war, befand sie sich kurz vor der Pleite. Mitte der 70er Jahre hatte die DDR angefangen, Devisen über Bankkredite aus dem Westen zu beschaffen, um wichtige industrielle Rohstoffe und Industrieanlagen zu importieren; die Importe aus der UDSSR waren diesbezüglich beschränkt gewesen. Siegfried Wenzel schrieb hierzu: „Um die Jahreswende 1979/80 wurde durch die OPEC der seit 1972 stetig gewachsene Erdölpreis noch einmal verdoppelt…In diesem Zusammenhang verringerte die UDSSR – selbst in einer schwierigen Zahlungsbilanzsituation gegenüber den westlichen Valutaländern – ihre Erdöllieferungen an die DDR…“ (Quelle: http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m3208b.pdf ). Das brachte auch die DDR immer mehr in Schwierigkeiten, denn um die fehlenden Lieferungen von Rohstoffen aus der UDSSR zu kompensieren, haben sie ihre Energieerzeugung von Heizöl auf Braunkohle umgestellt. Dadurch erhöhten sich wiederum die Produktionskosten durch die erhöhten Investitionen für die Energieherstellung mit Braunkohle. Das Firmengeflecht um Schalck-Golodkowski reichte für die Beschaffung von Devisen nicht aus, zudem brauchten sie für die Herstellung und den Absatz ihrer Produkte auf den westlichen Märkten ebenfalls Kredite. So kam es zur gewaltigen Verschuldung des SED-Staates. Dann wurden auch noch die Kreditbedingungen des Westens für die osteuropäischen Staaten verschärft. Ab 1981 erhielt die DDR keine neuen Kredite mehr zur Finanzierung von Importüberschüsse. (Quelle: http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m3208b.pdf

Ausführliches zu der damaligen finanziellen Situation kann man bei Holger Bahl, der Schweizer Bankier, der das Züricher Modell entwickelte in seinem Artikel „KoKo – ein allseits geschätzter Kreditnehmer am Euromarkt“ nachlesen.

Honnecker war nach diesen Verhandlungen bereit – allerdings ohne schriftliche Zusagen – die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze abzubauen, die Familienzusammenführung zu erleichtern und Kinder vom Zwangsumtausch für DDR-Besucher auszunehmen.

Kohl weihte am 19.06.1983 sein Kabinett über das geplante Vorhaben ein und am 01.07.1983 wurde der Kreditvertrag in der Bayerischen Landesbank in München unterzeichnet (damaliger Landesbankpräsident: Ludwig Huber). Der vereinbarte Kreditbetrag ist in zwei separate Kreditverträge über jeweils 500 Millionen Mark aufgeteilt worden, wobei als Konsortialführer beide Male die Bayerische Landesbank International S.A. fungierte.

Interessant ist, dass beim zweiten Kreditvertrag das Konsortium aus Mitgliedern von Privatbanken bestand, während beim ersten Vertrag noch neben der bayerischen Landesbank auch andere bundesdeutsche Landesbanken vertreten waren. Der Milliardenkredit sollte dabei nicht über Steuergelder, sondern über Bankkredite, für die die BRD bürge, vergeben werden. Strauß traf daraufhin am 24.07.1983, getarnt als Privatreise, im Schloss Hubertusstock am Werbellinsee in der DDR mit Honnecker zusammen, um dort die weitere Vorgehensweise festzulegen.

Diese ganze Aktion fand trotzdem unter den Augen der Öffentlichkeit statt und führt schließlich dazu, dass einige CSU-Politiker dagegen rebellierten. Einer davon war der CSU-Abgeordnete Eckehard Voigt, der zusammen mit seinem Kollegen Franz Handlos und dem Verleger Franz Schönhuber im November 1983 die „Republikaner“ gründete. Lachender Dritter bei dieser Aktion war Helmut Kohl, denn nun richtete sich das öffentliche Unverständnis gegen die geplante finanzielle Unterstützung des „Feindes“ hauptsächlich gegen Strauß, während Kohl angesichts der gerade begonnenen Atomraketenstationierungen der Amerikaner dem Osten Interesse an einer gütlichen Zusammenarbeit signalisieren konnte.

Kohl selbst wusste um die restriktive Haltung seiner Basis und Koalitionspartner der FDP gegenüber der DDR und so verbrannte sich Franz Josef Strauß die Finger. Sein Ansehen sowohl innerhalb seiner eigenen Partei als Parteivorsitzender als auch der CSU-Wähler nahm gewaltigen Schaden. Seine Option als künftiger Bundesaußenminister hatte er ohnehin schon vorher verloren gehabt. Kohl ist es damit gelungen, die bereits von der Vorgängerregierung der Sozialliberalen unter Brandt und Schmidt angestrebte Annäherung zu intensivieren und damit sein eigenes Ansehen bei der breiten Bevölkerung zu steigern.

Der Kredit in Höhe von 1 Milliarde DM wurde bei den westlichen Banken als „Liquiditätsguthaben“ deponiert und die Bürgschaft (Bundesgarantie als verschärfte Form der Bürgschaft, bei der im Falle eines Ausbleibens der Rückzahlungen durch die DDR der Bund umgehend an die Banken zahlen muss ohne Bestreiten des gerichtlichen Klageweges) der BRD fußte auf die vertraglich vereinbarte Berlin-Transitpauschale als Sicherheit.

Diese Abmachungen hatte Honnecker allerdings nicht mit dem Kreml abgesprochen und musste sich deswegen vom großen Bruder aufs heftigste kritisieren lassen. Bauernopfer in diesem Spiel war Herbert Häber, der Leiter der SED-Westabteilung, der die „Politik der kleinen Schritte“ „zwischen beiden deutschen Staaten seit den siebziger Jahren maßgeblich gestaltet hatte. Häbers tiefer Sturz führte im November 1985 vom Politbüro direkt in die Psychiatrie. Anschließend wurde er auf einen bedeutungslosen Posten abgeschoben“ (Quelle: http://www.udo-leuschner.de/liberalismus/fdp21.htm “Milliardenkredite für die DDR“)

1984 wurde dann noch einmal ein Kreditvertrag in Höhe von 950 Millionen DM mit der Deutschen Außenhandelsbank der DDR (DAHB) abgeschlossen. Ursprünglich, so Jenninger, soll bei einem Zusammentreffen mit Strauß und Schalck im Juni 1984 von weiteren drei Milliarden Mark die Rede gewesen sein, aber Jenninger wurde klar instruiert, nur einem Kredit in Höhe von unter einer Milliarde zuzustimmen.

Der geheimnisvolle Schalck-Golodkowski
Als Schalck nach dem Zusammenbruch nach München geflohen war, hatte er offensichtlich mit Unterstützung des BND beim Kreisverwaltungsreferat München neue Ausweispapiere erhalten, die auf den Namen Gutmann (Mädchenname seiner Frau) ausgestellt waren. Maßgebliche Rolle dürfte hier der damalige Vizepräsident des BND, Münstermann gespielt haben. Laut Aussage vom damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein habe sich die Landesregierung entschieden gegen eine „Sonderbehandlung“ gegenüber Schalck ausgesprochen, was zur Folge hatte, dass der BND sich direkt an die zuständigen Behörden für die Ausstellung von Ausweispapieren gewandt hätte. Dies scheint – sofern diese Aussage überhaupt zutrifft – innenpolitisch von höchster Brisanz zu sein, da sich normalerweise Bundesbehörden nicht in landesspezifische Zuständigkeiten einmischen dürfen. So erklärte Foertsch vor dem Untersuchungsausschuss (siehe Köppe-Bericht, Minderheitenbericht Bündnis 90/Die Grünen), dass dieses Verfahren auch für Schalck äußerst ungewöhnlich war, weil normalerweise nicht-hauptamtliches Personal mit solchen offiziellen Papieren gar nicht ausgestattet werden. Und der damalige Präsident Porzner erklärte: „Es hat beim Bundesnachrichtendienst im Dezember 1989 einen Hinweis von einem Informanten gegeben, der in der früheren DDR an einer Stelle tätig war, aus der heraus er dem Bundesnachrichtendienst jahrelang sehr zuverlässige Informationen gegeben hat über Dinge, die im Politbüro und im Zentralkomitee der SED behandelt worden sind. Dieser Informant hat den BND wissen lassen, daß Schalck-Golodkowski – das heißt Schalcks Leben – gefährdet sein könnte durch Personen des früheren Staats- und Regierungsapparats in der DDR. Diesen Hinweis hatten wir – wie gesagt, von einem Informanten, den der BND als sehr zuverlässig kannte. Deswegen hat der Bundesnachrichtendienst Deckpapiere besorgt“. Hinter diesem Informant könnte natürlich Günter Asbeck stehen; der BND-Verbindungsführer von Asbeck hat selbst ausgesagt, dass der BND das Angebot, Schalck-Golodkowski für den BND anzuwerben, abgeschlagen habe. Angesichts dieses im Anschluss erfolgte Prozedere scheint es jedoch zweifelhaft, dass Schalck nicht doch in gewisser Weise auch für die westlichen Geheimdienste tätig war. Könnte es sein, dass Schalck Verbindungen zum CIA hatte und der BND diese Verbindungen verdeckt? So stellt auch der Köppe-Bericht nachfolgend fest: „Diese Begründung erscheint vor allem deshalb unlogisch, weil die Deckpapiere auf den Mädchennamen von Schalcks Frau – Gutmann – lauteten und sowohl der Mädchenname von Sigrid Schalck-Golodkowski als auch die Tatsache, daß sie auch nach der Heirat mit Schalck diesen Namen für Westreisen insbesondere zur Beschaffung von Waren für die Wandlitz-Siedlung benutzte, „Personen des früheren Staats- und Regierungsapparates in der DDR“ und erst recht eingeweihten MfS-Mitarbeitern bekannt war. Dieser Deckname hätte also für Schalck keinen wirklichen Schutz vor befürchteten Anschlägen bieten können.“ Und Volker Foertsch legte nach „Wenn Sicherheitsgründe eine Rolle gespielt haben, hätte ich sie und akzeptiere ich sie auch heute nicht; denn wie soll sich die Sicherheit erhöhen, wenn der Mann unverändert dort, wo er ist, herumläuft und einen Namen hat, von dem das MfS – und das war ja zu fürchten – weiß, daß er ihn oder seine Frau ihn benutzt haben auch schon in der DDR.“ Foertsch fuhr während seiner Zeugeneinvernahme fort: „Diese Papiere könnten ihn ja in die Lage bringen oder in die Lage versetzen, z.B. Konten auf den Namen Gutmann na, von denen abzuheben. Ich wollte nicht – das waren auch meine Bedenken später -, daß der BND dem Herrn Schalck Papiere gibt, mit denen er etwas macht, was wir gar nicht kontrollieren können.“

Und noch ein Umstand macht dieses Vorgehen so dubios – Schalck hat gegenüber dem BND im Februar 1990 ausgesagt, dass für das MfS „1989 für ca. 10 Mio DM westliche Technologie, vorwiegend Meßelektronik der Firmen TEKTRONIX, HEWLETT PACKARD, ROHDE & SCHWARZ, über KOKO finanziert. Die Beschaffung wurde vom MfS in Zusammenarbeit mit KOKO-Firmen organisiert.“ Hierzu notierte der BND „Diese Beschaffung war bekannt. Sie erfolgte über die Schweiz …“ (Quelle: Köppe-Bericht).

Kann es also sein, dass Schalck schon viele Jahre zuvor als „Schneewittchen“ dem BND Informationen lieferte, der BND dies aber gegenüber Asbeck nicht offenlegen wollte? Immerhin wurde nach Feststellung des Untersuchungsausschusses des Bundestages dieser Name seit 1954 verwendet. Hierzu erklärte Porzner, dass dieser Name bei mehreren unterschiedlichen Gelegenheiten insgesamt sechs Mal für jeweils andere Quellen vergeben wurde. Herr Schalck wäre eben das „7. Schneewittchen“ gewesen. Auch diese Aussage scheint sehr unglaubwürdig, da zu jedem Decknamen auch entsprechende Zahlenkennungen ähnlich den Verwaltungsnummern der hauptamtlichen Mitarbeiter vergeben werden.

Im bayerischen Untersuchungsausschuss wurde u.a. auch die Frage untersucht, ob Strauß gegenüber Schalck vertrauliche Informationen, welche der Geheimhaltung bedurften, weitergegeben hat. Zumindest hat sich dabei herausgestellt, dass Strauß bei einem seiner persönlichen Gespräche mit Schalck auch Fragen zur atomaren Nachrüstung in West und Ost bis hin „zu Einschätzung der innenpolitischen Lage der Bundesrepublik Deutschland“ erörtert habe. Schalck hat vor dem U-Ausschuss am 17.03.1994 betont, dass das Geheimste, was er verraten habe, die „Standortverteilung der russischen atombestückten Mittelstrecken- und Kurzstreckenraketen“ gewesen wäre. Bei dieser Frage hätte sich Strauß ausdrücklich auf Informationen der CIA berufen. In diesem Zusammenhäng wäre dann auch wieder die Frage zu klären, ob irgendwelche illegalen militärischen Forschungen zu Atomwaffenprogrammen unter Umgehung des Atomwaffensperrvertrages, z.B. durch die GSKK oder Garching mit entsprechendem Material aus der DDR durchgeführt wurden und wenn ja, inwieweit Strauß, Schalck und die Bundesregierung hier eingebunden waren.

Des Weiteren bliebe auch zu hinterfragen, ob der Plutoniumschmuggel im August 1994 in irgendeiner Weise damit zusammenhängt. Bis heute wurde nicht geklärt, woher die „Nukleardealer“ Bengoechea, Oroz und Torres unter Anleitung von Rafa, Willi Liesmann alias Michael Brandon alias Willy Weitzel und „Roberto“ alias Karsten Uwe Erich Schnell Proben des Plutoniums bekommen hatten. Angeblich soll es aus russischen Beständen unterschlagen worden sein, aber könnte es auch sein, dass dieses Nuklearmaterial über die DDR zu den Forschungsreaktoren GSKK oder Garching gekommen und dort wieder für eine False-Flag-Operation benutzt wurden?

Die Telemit und Gaddafi
Fangen wir wieder einmal mit einem Roman an, den Eudard Breimann geschrieben hat – der Name des Romans lautet „Das Projekt Hannibal“. Darin geht es um eine Pilotenausbildung im Iran. Auf die Frage, ob dieser Roman tatsächliche Geschehnisse aufarbeitet, hüllte sich der Autor in Schweigen. Die Story, die dort erzählt wird, ähnelt verblüffend einer wahren Begebenheit aus dem Hause Pullach. Die BND-Agenten Koch und Leers hatten über die Firma „Desert Air Service Ltd. Bengasi“ Piloten in Libyen ausgebildet. Hinzu kam, dass ein ehemaliger Major der Bundeswehr namens Hans-Dieter Raethjen das Wachregiment des libyschen Staatschefs ausbildete – im Auftrag der Telemit. Eine Fertigkeit, die erlernt werden wollte, war das „lautlose Töten“. Überwacht soll das Ganze ein Cornelius Hausleitner vom BND haben, der auch der Verbindungsführer von Buchautor Wilhelm Dietl war. Die Telemit wiederum vertreibt Elektronikgeräte wie Funk- und Sprechfunkgeräte für den militärischen Bedarf. Dabei lieferte sie ihre Ware nicht nur nach Libyen und in den Irak, sondern unterstützte auch das Jenaer Zeiss-Kombinat bei der Entwicklung von Mikroelektronik, insbesondere für militärische Zwecke. Für Zeiss Jena wiederum arbeitete auch Bernd Barschel, der Bruder des mittlerweile zu Tode gekommenen ehemaligen Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel. Aber um den Ganzen noch eins draufzusetzen – Eike Barschel, der ältere Bruder, war als Vertriebsleiter der Elektronikfirma Wild Leitz für die Geschäftskontakte mit der DDR in den 80er Jahren zuständig und soll dabei auch mit der Telemit kooperiert haben. Die Schweizer Firma Mebo lieferte sowohl an die DDR als auch an Libyen Bombenzünder und andere elektronische Bauteile. Mit dabei waren auch hochgiftige Chemikalien, die Edwin Bollier von Mebo besorgte. Bollier wiederum gilt als Schlüsselfigur im Fall des Lockerbie-Bombenanschlags am 21.12.1988, bei dem eine Boing 747-121 der Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie explodierte und 259 Passagiere sowie 11 Anwohner der Kleinstadt in den Tod riss. Damals wurde der Libyer Abdel Basset Ali al-Megrahi beschuldigt, den Bombenanschlag verübt zu haben und auch am 31.01.2001 zu lebenslanger Haft verurteilt. 2009 wurde er allerdings begnadigt, weil er Prostatakrebs im Endstadium hatte. Eigenartiger Weise wurde Edwin Bollier auch im Fall Barschel befragt, die Akten werden aber unter Verschluss gehalten. (Quelle: „Spannend wie ein deutscher Michael Crichton, „Das Projekt Hannibal“ von Eduard Breimann“ aus der Berliner Literaturkritik vom 25.01.2008). Ich stelle nebenbei mal fest: 1972 war das Olympia-Attentat in München (05. September 1972), acht Jahre später folgte das Oktoberfestattentat (26. September 1980) und wiederum acht Jahre später kam es zum Lockerbie-Attentat. Im gleichen Jahr starb übrigens auch Strauß, just am Tag der Deutschen Einheit (03. Oktober), der nach dem Mauerfall 1990 dazu erklärt wurde. Alles Zufälle?

Aus dem Köppe-Bericht geht dann ein anderes Ereignis mit der Telemit hervor. Horst Schuster, ein BND-Informant hatte im Juli 1983 seinen Agentenführer gemeldet, dass militärische LKW´s von Mercedes Benz in den Nahen Osten geliefert wurden. Ein Autohaus in München soll ebenfalls mit involviert sein. Den Geschäftshergang schilderte Schuster wie folgt: „Die DDR-Vertreterfirma BERAG habe seit 1981 bei Mercedes-Benz etwa 200 bis 250 LKW in militärischer Ausführung (sandfarben gespritzt) gekauft. Die LKW würden von Mercedes-Benz einer bayrischen Spedition übergeben, nach Österreich verbracht, dort von Auto-Gruber übernommen und in den Nahen Osten (möglicherweise Irak, Iran oder Libyen) weitergeleitet. Auto-Gruber überweise den Rechnungsbetrag auf ein Zwischenkonto, von dem aus BERAG den Betrag an Mercedes-Benz weiterleite. Unbekannt sei, ob bzw. inwieweit Mercedes-Mitarbeiter in den wahren Hintergrund der BERAG-Käufe eingeweiht wären. „ (Quelle: Köppe-Bericht, Anlage C Embargo).

Hierzu muss man auch wissen, dass die TELEMIT, ein Münchner Unternehmen, Klaus Kinkel gehörte, aus der wiederum Millionen Mark Spenden an die FDP gegangen sind. (siehe Schmidt-Eenbooms Buch „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“). Kinkel war von 1979 bis 1982 Präsident des BND, genau in der Zeit, in der sich auch das Münchner Oktoberfest-Attentat ereignete.

Zu Hans Dieter Raethjen konnte Schmidt-Eenboom auch etwas beitragen, das mehrere Seiten seines Buches „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND“ füllte. Raethjen hatte sich im August 1980 schriftlich an das Bundeskanzleramt gewandt und sich darüber beklagt, vom BND fallengelassen worden zu sein. Als er 1978 bei der Bundeswehr war, habe er von seinem ehemaligen Vorgesetzten (es handelt sich um den bereits erwähnten Cornelius Hausleitner) einen Anruf erhalten, der mittlerweile beim BND gelandet war. Die Firma Telemit Electronic GmbH in München suche dringend Ausbilder für die Scharfschützen innerhalb der Leibgarde von Oberst Gaddafi. Dabei bemerkte Raethjen gegenüber dem Bundeskanzleramt, dass sowohl der Verkaufsleiter als auch der erste Geschäftsführer der Fa. Telemit offenkundig für den BND arbeiteten. Nachdem er zweimal vor Ort in Tripolis war, um sich das Ganze anzuschauen, kam er schließlich zu dem Entschluss, seinen sicheren Job bei der Bundeswehr an den Nagel zu hängen und sich selbständig zu machen. Am 01.01.1979 gründete er dann eine eigene Firma (Hara-Consult GmbH – Industrie- und Sicherheitsberatung mit Sitz in Prem bei Schongau), die Scharfschützen- und Nahkampfausbildung sowie eine Ausbildung zum Waffen- oder Elektrotechniker anbot. Damit hatte er auch zunächst Erfolg, er hatte in der Zwischenzeit vier Mitarbeiter beschäftigt. Ab Mitte 1979 gingen dann plötzlich die Aufträge sukzessive zurück und erreichten Mitte des Jahres 1980 ihren Tiefpunkt. Die Libyer waren beim Bundesinnenminister Gerhard Baum während seines Besuchs in Tripolis wegen einer Ausbildung ihrer Sicherheitskräfte vorstellig geworden, natürlich mit Kräften im bundesdeutschen Staatsdienst. Damit hatte es sich mit seiner Firma. Das Raethjen in Aussicht gestellte langfristige Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm nach Vorgaben der Firma Telemit im Rahmen des Civil Defense Network mit einem Vertragsumfang von 50 Millionen DM löste sich buchstäblich in Luft auf. Telemit stieß daraufhin Raethjen und seine Firma ab und er stand mit nichts da. Er wandte sich daraufhin im Frühjahr 1980 hilfesuchend an zwei ehemalige Kollegen im BND. Diese haben diesen Fall angeblich an höchster Stelle (Leitung des BND) vorgetragen, aber dort habe man Mitte Juni 1980 entschieden, nichts für Raethjen tun zu können. Verärgert wandte er sich daraufhin an die für den BND zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundeskanzleramt. Er beendete seinen Brief: „Abschließend bitte ich um Verständnis für den Hinweis, daß mich die gegenwärtige wirtschaftliche Lage dazu zwingen wird, die Geschäftstätigkeit meiner Firma zum 01.10.1980 einzustellen. Was dieser Schritt für meine soziale, gesellschaftliche und berufliche Lage bedeuten würde, muß ich wohl nicht näher erläutern.“ Im Lebenslauf von Raethjen geht u.a. hervor, dass er einem Sonderstab in einer Abteilung zur unkonventionellen Kriegsführung angehörte. Schmidt-Eenboom stellte dazu lakonisch fest, dass es sich um eine „recht originelle Umschreibung seiner Tätigkeit als Hilfsreferent beim Bundesnachrichtendienst in Pullach in der Unterabteilung „Nah-/Mittelost““ handelte. Im BND wurde er unter dem Decknamen „Haton“ geführt und zwar seit 15.01.1974. (Quelle: Schmidt-Eenboom, „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND).

Danach verlässt Raethjen wieder den BND und geht als Ausbilder für Luftlande- und Einzelkämpfertraining zur Bundeswehr nach Altenstadt bei Schongau zurück. Am 31.12.1978 wird Raethjen auf eigenen Antrag aus der Bundeswehr entlassen. Dass es sich möglicherweise um einen perfiden Racheakt seitens des BND handeln könnte, zeigt die Begründung seines Entlassungsgesuchs an den Bundesminister der Verteidigung vom 26. Oktober 1978. Sie lautet: „Seit Januar 1974 werde ich durch den Dienstherren unter einseitigem Bruch des Treueverhältnisses einer Personalführung unterworfen, die gültigen Vorschriften und Bestimmungen nicht entspricht. Jüngste Erfahrungen bestätigen meinen Eindruck, daß der Dienstherr nicht gewillt ist, diese erkannten Ungereimtheiten angemessen auszuräumen.“ (Quelle: Schmidt-Eenboom, „Der Schattenkrieger – Klaus Kinkel und der BND). Auf was spielt Raethjen da an? Könnte es sich um Vorgänge innerhalb der SBO handeln? Raethjen hatte in seiner aktiven Zeit als Soldat den CSU-Ortsverband Prem gegründet. Er selbst trat dann aber wieder 1978 aus, um der Partei wegen seiner Vergangenheit als Spezialkämpfer der Bundeswehr keinen Schaden zuzufügen. Irgendwie erinnert mich das an die jüngsten Vorgänge um den NSA-Ausschuss, bei dem der Obmann und Präsident des Reservistenverbands Roderich Kiesewetter ausgeschieden ist. Hintergrund war, dass in seinem Umfeld zwei BND-Mitarbeiter waren und er sich nicht den Vorwurf der Voreingenommenheit machen lassen wollte.

Und noch etwas lässt aufhorchen – Hausleitner mit den Decknamen Bernhard Fischer / Curt Hauser war ein begeisterter Anhänger von Altnazis, dazu zählte SS-Standartenführer Eugen Dollmann.

Wie reagierte das Bundeskanzleramt auf Raethjens Beschwerde? Lapidar wurde ihm erklärt, dass er keine Ansprüche aus den vorgeblichen Beziehungen mit dem BND herleiten könne. Raethjen wandte sich später an die Öffentlichkeit.

Und was hat jetzt die Telemit mit Gaddafi zu tun?

Wie schon oben angedeutet stellte die Telemit Anlagen zur Fernmeldeaufklärung, Chiffriermaschinen, Infrarotgeräte und Lasermesstechnik her. Gründer dieser Firma war Herbert Mittermayer, dessen Geschäftsführer wiederum ein gewisser Wolfgang Knabe war. Dieser verstarb dann 1985 ziemlich unerwartet. Ihm folgte ein gewisser Köster nach. Fakt ist jedenfalls, dass die Telemit bereits 1976 in den libyschen Staatsbesitz über die Firma „Libyen Arab Foreign Investment Corporation“ (LAFICO) über den BND-Verbindungsmann Cornelius Hausleitner alias Bernhard Fischer gekommen ist. Der libysche Eigentümer war wiederum der Schwiegersohn von Gaddafi, damit auch alles schön in der Familie bleibt. Jedenfalls wurde dann die Telemit und der BND auch im Zusammenhang mit der Parteispendenaffäre bekannt. Die FDP unter Genscher soll dabei kräftig mit Provisions- und Schmiergelder abgesahnt haben. Es sollen mehr als eine Millionen DM gewesen sein. Ob der damalige FDP-Bundesgeschäftsführer Heinz Herbert Karry deswegen von der Revolutionären Zelle (RZ) umgebracht wurde, kann derzeit nicht beantwortet werden. Ich glaube schon, dass es sich hierbei um einen eiskalten Auftragsmord gehandelt hat. Die Frage ist nur, welcher Staat dahintersteckt. Wie auch immer, am 01.09.1994 musste die Telemit Konkurs anmelden und damit war es erst einmal vorbei. Mittlerweile fungiert sie als Astrotechnik GmbH und hatte unter diesem Namen auch weiterhin Aufträge vom Gaddafi-Clan erhalten. Hier empfehle ich die Radiosendung „Der Gaddafi-Clan in Europa – Korruption und Rechtsbeugung für Diktatoren“, abrufbar auf https://www.youtube.com/watch?v=FL10QwDOjCw .

Es gibt noch viel zu dieser Firma zu sagen, aber ich belasse es jetzt erst einmal für diesen Teil. Mir kam es darauf an, die Bedeutung hinter Strauß´ Vermutung herauszuarbeiten und zu zeigen, dass Franz Josef Strauß zu Unrecht von der damaligen Presse und Teile der Öffentlichkeit ausgelacht wurde. Seine Überlegungen in diese Richtungen waren auf keinen Fall aus der Luft gegriffen. Wenn man das Spiel von Desinformationen, Gedankenkontrolle, Täuschen, Tarnen und Warnen einmal durchschaut hat – und ich gehe davon aus, dass Franz Josef Strauß aufgrund seiner vielschichtigen Verbindungen und Kriegserlebnisse bei der Spionageabwehr dazu in der Lage war – dann kommt einem nichts mehr absurd vor. Wenn es scheint, dass es die Linken waren, sollte man unbedingt auch auf die rechte Seite schauen – aber genauso auch umgekehrt.

Eines sollte aber jedem klar sein – die Drehbücher werden von den wirklichen Machteliten geschrieben und die sitzen in den Groß- bzw. Zentralbanken und Weltkonzernen. Nicht umsonst heißt es bei Zbigniew Brzezinski „The Grand Chessboard“.

An dieser Stelle wiederhole ich meine Erkenntnis gerne wieder:

Alles läuft wie ein Theaterstück ab. Die Drehbücher, welche letztendlich die Weltgeschicke bestimmen, werden verborgen in den Herrenclubs der wenigen „Mächtigen“ geschrieben. Über ihre Agenten des Vertrauens (Geldgeber, Banken, Versicherungsanstalten) werden dann die entsprechenden Statisten (wir als Volk), Bühnen (in welcher Umgebung und unter welcher Kulisse), Maskenbildner (die Medien), Regisseure (Spezialisten auf dem Gebiet der False-Flag-Operationen) sowie Kameramänner und Toningenieure (Geheimdienste, Detekteien, Journalisten und Sicherheitsbehörden) ausgesucht. Dann erfolgt das eigentliche Casting der Haupt- und Nebendarsteller (Täter, Attentäter, Opfer, Informant, Sündenbock, Verantwortliche bzw. Schuldige auf der politischen Ebene). Und ähnlich wie bei einem Filmset gibt es immer wieder Pleiten, Pech und Pannen, denen man mit provisorischen Maßnahmen entgegenzutreten versucht – meistens mit Erfolg.

Jeder, der sich zum Handlager und Werkzeug dieser so genannten „Eliten“ macht, trägt persönlich Verantwortung für die okkulten, grauenhaften und menschenverachtenden Geschehnisse in dieser Welt. Diesen Apell richte ich an alle Mitläufer und Opportunisten, die nur ihre eigenen Vorteile im Blick haben, aber nicht das Geringste für das Allgemeinwohl leisten wollen. Denn Ihr seid es, die diesen Bonzen überhaupt erst in die Hände spielt, ihnen zur Macht verhilft und dafür sorgt, dass das auch so bleibt.

Und eines sollte Euch klar sein – auch das größte Schwein hat einmal ausgedient und wird irgendwann weggeschmissen wie ein Stück Dreck.

Wie heißt es doch in Art. 1 des Grundgesetzes? Ach ja,

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“

oder wie es Jesus vor über 2.000 Jahren schon gesagt hat

„Was du nicht willst, dass man dir antut, das füge auch keinem anderen zu.“

Im Teil 9 komme ich deswegen auf die ausländischen Verbindungen und Beziehungen zu sprechen in der Hoffnung, dass immer mehr Menschen anfangen, die tägliche Berichterstattung zu bestimmten Ereignissen nicht nur als “Lügenpresse” per se zu betrachten, sondern sich die Zeit nehmen, das politische Umfeld auf Spuren aus der jüngeren Vergangenheit zu untersuchen und mit den gegenwärtigen Ereignissen vergleichen. Aus den Medien ergeben sich viele Spuren, die man auf den ersten Blick nicht so ohne weiteres im Zusammenhang erkennen kann. Die so genannte vierte Macht packt viele reale und wichtige Hinweise auf künftige Ereignisse in ihre Propaganda- und Desinformationsmaschinerie, nicht zuletzt, um bestimmte Kreise vorzuwarnen

Weiter mit Teil 9

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